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Forum zu den Eisenbahnen auf dem Balkan II
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obermuchel, s-lin

Reisebericht Maramures und Moldova 30.04.2009 - 11.05.2009

Startbeitrag von s-lin am 11.05.2009 20:12

Hallo Rumänienfreunde,

gestern bin ich von einer wundervollen – viel zu kurzen – Rumänientour zurückgekehrt, die mich in den Norden des Landes, genauer nach Maramures und das nördliche Moldova führte. Die Reise erwies sich als voller Erfolg, obwohl es am Anfang so aussah, als würde es ein totaler Reinfall werden.

Nachdem in der zweiten Aprilhälfte in der Region wolkenloser Himmel gewesen sein soll, wurde ab 01.05.2009 – pünktlich zu meinem Urlaubsbeginn – ein Südosteuropatief wetterbestimmend. Außerdem kursierten zahlreiche Stillegungsgerüchte. Am 30.04.2009 traf ich per Lufthansa (auch die streichen ab 01.06.2009 einen Direktflug aus MUC) in Cluj ein. Im Autoradio habe ich auf der Fahrt nach Sighetu Marmartiei erste Nachrichten über Demonstrationen von Eisenbahnern gehört. Schlechtes Wetter und Streik?, meine Stimmung war auf einem Nullpunkt angelangt, ich freundete mich schon mit dem Gedanken an, auf Pferdefuhrwerkfotografie umzusatteln. Abends im Fernsehen wurden Bilder einer Demonstration von Eisenbahnern vor dem rum. Verkehrsministerium in Bukarest gezeigt – eine eindrucksvolle Menschenmenge und ein stattliches Polizeiaufgebot. Der Verkehrsminister erklärte in einer Pressekonferenz irgendwas von einem ausgeglichenen Haushalt, den er bei der CFR durchsetzen wolle. Einige Tage später gingen Meldungen von Zugstreichungen durch den Äther. So soll ein IC-Zugpaar Bucarest – Suceava entfallen.

Streiks blieben bislang jedoch aus, und das Südosteuropatief erwies sich nicht als ausreichend stark, um die Sonne dauerhaft zu vertreiben. Daher sind mir einige sehr schöne Aufnahmen gelungen. Da ich analog fotografiere, kann ich diese jetzt nicht zeigen, werde aber später einige Scans in die Bildergalerie einstellen.

1.) KBS 409 Salva – Viseu de Jos – Sighetu Marmatitei

Diese außergewöhnlich schöne und spektakuläre Strecke habe ich am 01.05.2009 mit P 4650, P 4132 und P4131 bereist. Besonders beeindruckend ist das Vierschienengleis bis Valea Viseului (Kopfmachen), die zahlreichen Formsignale, der gut erhaltene Telegraf (24 Drähte) und die zahlreichen Tunnel und Viadukte südlich Viseu de Jos. Die Zahl der Fotomotive erscheint unbegrenzt, zumal da die Strecke auf Grund Beweidung nicht so stark zugewachsen ist.

Bislang erfolgten keine Fahrplankürzungen. Alle im Kursbuch verzeichneten A und P verkehren, nicht jedoch das saisonale R-Paar. Die A-Züge werden von der Baureihe 65 bespannt. Für die P Züge werden von 60ern bespannt. Es sind immer drei 60er in Sighet hinterstellt, wie der Austausch erfolgt, konnte ich nicht feststellen. P4650 besteht aus 6 Wagen und wird nachgeschoben. In Viseu de Jos wird die Garnitur in je drei Wagen geteilt, eine zurück nach Sighet als P 4653 und eine weiter als P 4132 nach Salva. Folgende 60er waren unterwegs:

01.05.2009: P 4650/4653 – 60-1313; P 4650/4132 – 62-1130 (GRAU!!!)

02.05.2009: P 4650/4653 – 62-1130; P 4650/4132 – 60-0720

03.05.2009: P 4650/4653 – 60-0720; P 4650/4132 – 60-1313

04.05.2009: P 4650/4653 – 60-1313; P 4650/4132 – 62-1130

08.05.2009: P 4650/4653 – 60-?; P 4650/4132 – 60-0653

Die Zahl der Fotomotive ist quasi unbegrenzt, aber die geringe Zugfrequenz erzwingt eine sorgfältige Auswahl. Eine Bereisung der Strecke ist sehr empfehlenswert, da sich die besten Motive von der Straße aus nicht erschließen. So führt zum Beispiel durch das Tal zwischen Viseu und Tunnel Iza eine maximal mit Pferdefuhrwerken befahrbare Straße. Dabei ist das Tal mit seinen freistehenden Bauernhöfen besser als jedes Freilichtmuseum, also äußerst sehenswert. Die Bewohner sind sehr nett und hilfsbereit (ich solle gefälligst durch den Eisenbahntunnel gehen, das sei doppelt so schnell wie über die Dorfstraße). Wer es eiliger hat, kann sich beispielsweise ganztägig mit den Viadukten zwischen Sacel und Iza beschäftigen. Ebenso eindrucksvoll ist die Kurve bei Dealu Stefanitei. Auch bei Bistra und Valea Viselulu bieten sich schöne Blicke, allerdings sollte man ein bisschen auf die policia frontiera achten, die sich dort versteckt und nicht mag, wenn man Richtung Grenze fotografiert. Also vorher ein paar harmlose Ausreden einfallen lassen. Die Grenzpolizei ist mit EU-Geldern massiv aufgerüstet worden und verfügt über teure Geländewagen und modernste Technik. Glücklicherweise sprechen sie alle auch englisch.

Güterverkehr:

In Viseu waren zahlreiche Holzwagen hinterstellt; wann diese abgefahren werden, konnte nicht festgestellt werden. Am 04.05.2009 konnte eine Übergabe (MARFA 60-0443- grau) beobachtet werden. Sie kam in Sacel um 16.15 Uhr Ri. Salva vorbei und kreuzte dort P 4131. Nach Auskunft des Personals soll die Übergabe Viseu zwischen 15 Uhr und 16 Uhr Ri. Süden verlassen. Der Zug hatte 2 Wagen von CD Carco dabei, die ich zuvor in Camara Sighet gesehen habe. Am 08.05.2009 fuhr leider keine Übergabe.

Grenzverkehr:

Die grenzüberschreitenden Züge Berlibas – Valea Viseului –Sighet – Terseva verkehren noch nicht. In aktuelleren Landkarten sind hier jedoch Eisenbahngrenzübergänge eingezeichnet. In Bistra informiert ein Schild vor dem Rathaus, dass die EU ab 01.01.2009 eine Studie finanziert, wonach ein kleiner Grenzverkehr in der Gemeinde Valea Viseului eingerichtet werden soll. Vielleicht klappt es noch mit dem Grenzzügle; das Vierschienengleis scheint jedenfalls betriebsfähig zu sein, da auch der Breitspurteil Befahrungsmuster aufweist, die von dem in Sighet stationierten Breitspur-SKL stammen könnten.

2.) 401/502 Cluj – Suceava

Die Strecke musste empfindliche Fahrplankürzungen hinnehmen. A 1859/1859 fahren nur noch Fr., Sa., und So. Ab 30.06.2009 soll das Paar ganz entfallen. Ebenfalls nur noch sporadisch verkehrt A 1932/1931 (Iasi – Cluj). Damit gibt es am Pass Mestecanis nur noch 1 fotogerechtes A-Paar (und zwei P Paare). Die Straße über den Pass ist übrigens fertig – macht echt Spass. Die Pension oben am Pass ist sehr empfehlenswert (Zimmer und Dusche gut, Essen hervorragend - 100,- Lei/Nacht).

Güterverkehr:
Am 01.05.2009 kam eine 40er mit Mischgüterzug bei Salva dem A 1833 folgend daher. Zwischen Suceava und Argestru fährt Rompetrol mit eigenen 40ern. Einen sah ich A1765 folgend bei Campulung.

3.) 516 Vatra Dornei – Dornisoara

Die beschauliche Nebenbahn ins Holzfällerdorf Dornisoara ist weiter in Betrieb; die beiden werktäglichen Zugpaare verkehren. Zum Einsatz kommt eine 80er mit einem grünen Personenwagen. Der Zug ist bis Poiana Stampei verfolgbar, dort sind zahlreiche Motive. Auch die Ausfahrt aus Poiana Stampei ist attraktiv. Danach verläuft die Strecke im Wald, Motive gibt es nur am Bahnhof Dorna Burcut (wie im Western) und in Dornisoara. Verfolgen ist nicht, da die Straße eine üble ungeteerte Schlaglochpiste ist über die selbst die Romsilva-Jeeps maximal mit 40 km/h fahren. Der Zug ist einfach schneller (auch schneller als im Fahrplan!).

4.) 514 Vama – Moldovita

Es findet ein Restverkehr von 2 Zugpaaren (P5752/5753 u. P5754/5755) statt. Am 06./07.05.2009 kam 77-0506 zum Einsatz. Die Züge sind ziemlich leer, was verständlich ist, da der erste Zug ins Zentrum Campulung um 14 Uhr fährt. Dafür herrscht auf der Straße ein harscher Konkurrenzkampf der Microbusbetreiber. „Max“ hat die Nase vorn, und verkehrt ca. alle halbe Stunde nach Campulung. Auch Anschlussbusse nach Suceava werden angeboten. Wer will da noch mit dem Zug fahren, obwohl dessen Fahrzeitdauer absolut konkurrenzfähig ist!

Das Gras im Gleis ist saftig und die Löwenzähne sind wohlschmeckend. Jedenfalls grasen die örtlichen Kühe und Kälber mit Vorliebe auf dem Bahndamm.

Die Zugpause kann man zum Besuch der Moldauklöster nutzen (siehe unten Ziff. 6 Abseits der Schiene)

5.) Sonstiges

Da mich die Strecke Salva – Sighet so fasziniert hat und ich einige Fotostellen wegen Fotowolken mehrmals machen musste, kam ich nicht zum Besuch weiterer Strecken. Bei der Vorbereitung ist mir noch folgendes aufgefallen:

* Auf der Strecke 512 Leorda- Dorohoi müssten noch zwei Zigarren (78) unterwegs sein, wobei eine nunmehr blau/silber lackiert ist.

* Auf der 507 Marasesti- Panciu soll es noch ein Abendzugpaar geben, das ebenfalls mit einer Zigarre (78) gefahren wird.

* Die Fliegenden Karpaten von Arad (78.1) sollen nach der Übernahme zahlreicher Strecken durch Regiotrans nunmehr zwischen Arad und Chisineu Cris (KBS 310) unterwegs sein.

* Regiotrans: Am 10.05.2009 schaute ich auf der 406 vorbei. Alle Züge, die im Kursbuch mit der Einschränkung „R“ versehen sind, sind Züge von Regiontrans (fahren aber täglich, wenn nicht anders vermerkt). Wer die Caravelle-Triebwagen mag, sollte das Fotografieren nicht auf die lange Bank schieben. Ich habe einen Triebwagen gesehen, bei dem die Forderfront bereits komplett rot lackiert ist (RT-0503/0403). Es ist m.E. nur eine Frage der Zeit, bis Regiotrans ein eigenes Farbschema entwickelt. Dabei ist die Originallackierung einfach zeitlos schön. Die schönsten Regiotrans-Strecken dürften die KBS 923 und die 404 sein. Die Regiotrans-Fahrpläne gibts zur Runterladen hier: www.regiotrans.ro.

6.) Abseits der Schiene

Obwohl das Land von der Wirtschaftskrise schwer getroffen wurde, sind die Rumänien guten Mutes. Die Bauaktivitäten sind gigantisch. Auf dem Land sind Hinweisschilder „materiale de constructie“ mittlerweile so häufig wie „magasin mixt“ oder „bar/cafe“... Die Häuser entstehen meist in Eigenproduktion, die Architektur weist landestypische Eigenheiten auf. Es handelt sich also nicht um langweilige "BRD-Gothik".

Apropos Cafe: Instantkaffee oder türkischer Kaffee sind out. Selbst in der kleinsten Dorfkneipe gibt es Kaffeeautomaten mit Mahlwerk, Preis pro Tasse 1.- LEU

Es gibt mittlerweile erste Wanderkarten in einem vernünftigen Maßstab. Natürlich nicht flächendeckend und schon gar nicht für Grenzregionen, aber immerhin. Anbieter ist Dimap (dimap@hu.inter.net), Vertrieb Erfatur (erfatur@gmi.ro). Ich habe eine Karte für die Region Moldauklöster Bukovina (Nr. 30) gekauft und bin sehr zufrieden. Sollte es einmal keine attraktive Eisenbahn in RO geben, werde ich zwischen den Moldauklöstern durch die einsamen Wälder pilgern;-) Die Klöster sind wirklich extrem sehenswert, und nicht umsonst UNESCO-Weltkulturerbe. Wenn man so gegen 9 Uhr früh kommt, sieht man keinen anderen Touristen und kann die besondere authentische Klosteratmosphäre genießen. (Tipp für Kloster Humor: den Wehrturm besteigen – Seitentreppe benutzen!) Das Kloster Moldovita lässt sich bekanntlich als Hintergrund für den Malaxa-Triebwagen heranziehen.

Ich hoffe, der Reisebericht inspiriert den ein oder anderen, dieses Jahr noch eine Rumänienwoche einzulegen: noch lohnt es sich. Ich fahre Ende September mit farrail zur Wassertalbahn, Normalspur ist leider nicht mehr drin. Umso mehr würde ich mich über Eure Reiseberichte und updates freuen.

La reverdere,

Stefan

Antworten:

Aha,

dann bist Du der Typ mit dem rum. Mietwagen und der Leiter, von dem mir gerade in der kneipe berichtet wurde. Zitat" Der versuchte auf Krampf irgendwelche Bilder zu machen".
Ich war ja zeitgleich dort, und war froh aufgrund des Blitzfrühlings zumindest in den höheren Regionen noch Obstblüte vorzufinden. Diese war im Süden; Hermannstadt und Vilcea grad am Absterben.

Zitat

Die grenzüberschreitenden Züge Berlibas – Valea Viseului –Sighet – Terseva verkehren noch nicht

Falls es noch nicht bekannt ist, die verkehren nicht mehr. In den Zügen wurde derartig geschmuggelt, daß hier vor ca. 3Jahren dicht gemacht wurde. Und eine Wiederaufnahme dieser Verbindung halte ich vor dem Beitritt der Ukraine zur EU für utopisch. Zumal das der UZ auch sehr gelegen kam, hatte sie doch die fahrzeuge zu stellen. Und damit hatte sie auf der Rakiver Seite immer Probleme, denn dass dort mal alle D1 Triebwagen als solche verkehrten, war schlichtweg die Ausnahme.

Zitat

Wer will da noch mit dem Zug fahren, obwohl dessen Fahrzeitdauer absolut konkurrenzfähig ist!

Die Pensionisten, die fahren bei der Bahn kostenlos, im Bus nicht! Und so paar Schulkinder fahren auch noch mit, bei mir lag die Auslastung bei 30-50%. An jedem Halt fand Fahrgastwechsel statt.

Zitat

Die Bauaktivitäten sind gigantisch. Auf dem Land sind Hinweisschilder „materiale de constructie“ mittlerweile so häufig wie „magasin mixt“ oder „bar/cafe“... Die Häuser entstehen meist in Eigenproduktion, die Architektur weist landestypische Eigenheiten auf

Wie zum Beispiel Erstellung komplett ohne Wasserwaage, und ohne Einhaltung jeglicher in der EU vorgeschriebenen Normen. 95% der Buden gehören den Banken, die Zahl der Zwangsversteigerungen hat sich seit Okt.08 verdreifacht. Anscheinend müssen auch die Rumänen mal die rosarote Brille absetzen. Ein Neubau in Hermannstadt ist schon für 100000¤ zu haben, und da das Angebot immer größer wird , werden die Preise weiter fallen. Viele sind scheinbar der Meinung, daß man in der Eu Geld geschenkt bekommt. Zumindest hat Rumänien den größten Veruntreuungsfaktor, der zum Leidwesen der Finanzierer in Brüssel auch weiterhin schön ignorriert wird.
In Rumänien wurden letztes Jahr weltweit die meisten Porsche Chayenne verkauft. Es wird wirklich Zeit, daß hier der Geldhahn in brüssel zugedreht wird, bzw. alle relevanten Stellen mit deutschen Beamten besetzt werden. Denn was sich hier wie auch anderswo auf dem Balkan zeigt, mit ehrlicher Arbeit kommt man nicht zum neuen Eigenheim. Ich sprach da im Supermarkt mit dem Mädel an der Kasse, die meinte ganz stolz dass sie 800RON im Monat bekäme und dies eine gute Bezahlung sei. Ich hatte gerade für meinen Einkauf mehr als in Deutschland bezahlt, und konnte mir nur schwer vorstellen, wie ein Großteil der Bevölkerung sein Leben finanziert.

Was unabhängig davon noch unbedingt erwähnenswert ist, die Anzahl von Herbergen ist inzwischen so groß, daß man nicht teuer und schlecht absteigen muß. Besonders in der Moldau sind die Preise noch erstaunlich günstig, vsl. sorgt hier die Konkurrenz für Preisdruck. Scheinbar hat es manch Hotel außerhalb der Saison gar nicht nötig zu öffnen.

Empfohlen sei weiterhin der Besuch der letzten aktiven Schmalspur-(Werk)bahn südlich von Vilcea. Geniale Strecke, schöne bahnhöfe, besetzte Schrankenposten. Zuglänge 10Wagen, mit denen kalkstein vom Steinbruch in das Zementwerk transportiert wird. Hubert K. hatte hierzu mal einen schönen Beitrag bei blockstelle.de. Sehr gepflegte Maschinen, gut straßenmäßig erschlossen. Es gibt sogar einen Tunnel.
In diesem Zusammenhang möchte ich noch erwähnen, das die Wusch noch komplett vorhanden ist, nur die Telegrafenmasten sind zum Teil privatisiert.


Noapte buna,

Der Obermuchel


von obermuchel - am 11.05.2009 23:26
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