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Forum zu den Eisenbahnen in Polen
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810 600-7, LVT771, schumlau, Joachim Piephans, streckenbummler, HFR

Fahrtbericht Lubawka - Trutnow mit ein paar miesen Regenbildern

Startbeitrag von HFR am 04.07.2009 10:38

Hallo, dzien dobry und dobry den!

Wie versprochen/angedroht möchte ich euch mit einem kleinen Erlebnisbericht zur Fahrt via den Mont zwischen Niederschlesien und Böhmen belästigen. Erwartet bitte keine Fotocollage in 1a-Qualität. Am vergangenen Wochenende, als ich unterwegs war, hat es entweder geschifft, oder es zogen zumindest dicke Wolken am nicht erkennbaren Firnament vorüber.

Geplant war vor der Reise über das Riesengebirge zunächst ein Tag im Raum Zagan, wo einmal dieser riesige, vergessene Bahnhof besucht werden sollte. Zwölf Gleise, endlose Bahnsteige, zwei riesige Güterbahnhöfe... aber nur eine Handvoll Züge und Menschen. Und zweimal am Tag der Anschluss an die große weite Welt, wenn der EC "Wawel" auf seinem Weg ins ferne Hamburg oder Krakau einen Stopp einlegt. weniger exklusiv war der klapperige PKS-Bus, der mich Samstag Vormittag in eineinhalbstündiger Fahrt von Zgorzelec hierher brachte. Doch das ist ein anderes Thema, daher an dieser Stelle nur dieses eine Bild. Später gibt´s mal eine kleine Zagan-Galerie, wenn Interesse besteht.


Mit dem SA134 rollte ich dann nach Legnica, checkte schon einmal im Hotel ein und machte einer kleinen Gaststätte in der Altstadt meine Aufwartung. Abends stand dann im strömenden Regen die Bereisung der KBS 249 nach Jerzmanice Zdroj auf dem Programm. Während der Zug aus Breslau bis Legnica trotz Sonnabend-Abend einen ganzen Schwung Fahrgäste mitbrachte, waren wir auf der Weiterfahrt mit gewaltigen 5 Fahrgästen und maximal 30 km/h im EN57 unterwegs. Zurück waren es zwei Fahrgäste. Unterwegs überholte uns auch der z.T. halbstündlich verkehrende Bus... die Halbwertszeit des erst Ende 2008 reaktivierten Reisezugverkehrs dürfte da wohl schon überschritten sein. Das Angebot wurde ja von drei täglichen bereits auf zwei Wochenendzugpaare zusammen gestrichen. Bezeichnend mag da sein, dass der EN57 das Ziel "Jerzmanice Zdroj" nicht anzeigen kann und mit Ziel "Legnica" verkehrte. Unten wetterbedingt nur ein Bild des Zuges Jerzmanice Zdroj - Breslau beim Stopp in Legnica. Irgendwie mag ich diese riesige, düstere und oft menschenleere Halle. Der neue Taktverkehr nach Breslau und die wieder zahlreicheren Schnellzug- und Umlandverbindungen (außer die nach Jerz. Zdroj) scheinen aber gut angenommen zu werden.


Die Bereisung der im Südteil ebenfalls frisch reaktivierten KBS 250 via Lwowek bzw. der damit verbundene fotografische Besuch des Viaduktes in Boleslawiec mit einem DB-Desiro darauf habe ich wegen Regen gekippt und bin nach einer guten Übernachtung (50% Ermäßigung im ****Qbus-Hotel, da kann man sich auch mal etwas Besseres gönnen...) in Legnica über die KBS 235 nach Jaworzyna Slaska gefahren. Da ist nun die Koleje Dolnoslaskie (KD) mit einem ziemlich unbequemen SA132 unterwegs. Nichts gegen Regionalisierung auf polnisch, schließlich wurde ja auch das Angebot erweitert und die Anschlüsse sehr verbessert. Aber die KD-Fritzen erkennen nicht einmal das Bilet Turystyckrxkzy an. Also noch mal 18 Zlotten für das KD-Stück.
Via Waldenburg erreichte ich auf der total verschlissenen Hauptbahn 240 im gut besetzten Osobowy Posen - Szklaska Poreba (EU07 mit Mitteleinstiegswagen, Gesamtfahrzeit 7 1/2; Stunden) immer noch im Regen Sedzislaw. Eigentlich ein besserer Dorfbahnhof. Der Bahnhofsvorplatz mag vom Wetter Zeugnis ablegen. Kurze Zeit später pflügte ein hier wendender Linienbus durch die Seenlandschaft und setzte dabei den ganzen Platz unter Wasser...



Einige Zeit später kam SA134 007 aus Jelenia Hirschberg angeschlichen. Immerhin fünf Fahrgäste bevölkerten den Mittagszug zum Tschechen. Allerdings füllte sich der Zug an fast jeder Station, die ja außer diesem Ausflugsverkehr sonst keine Reisezüge sehen – übrigens auch schon auf den polnischen Bahnhöfen. In Trutnov habe ich schließlich 35 Fahrgäste gezählt. Nicht die Welt, aber immerhin.


Nach dem Kopfmachen am Hausbahnsteig in Sedzislaw geht´s los. Bis Kamiennna Góra ist die Strecke zweigleisig. Die direkte Verbindungskurve aus Jelenia nach Kamienna Góra ist mit einer Handweiche noch angeschlossen, allerdings fehlen in Marciszow seit mehreren Jahren die Weichen an die Hauptbahn. Daher muss immer der Umweg über Sedzislaw gefahren werden. Der Zug darf - wie auch auf dem weiteren Abschnitt bis Lubawka und auf dem CD-Abschnitt nach Trutnov - mit maximal 60 km/h fahren. Allerdings muss er in Polen vor fast jedem Bahnübergang auf 20 oder 30 km/h herunterbremsen, weil die zumeist zwar vorhandenen Blinklichtanlagen außer Betrieb oder kaputt sind. Das ist etwas nervig.

In Kamienna Gora wurden im Nordkopf ein paar Gleise abgebaut. Dem fiel auch der Anschluss an diese Strecke zum Opfer, die ein Tal östlich parallel zur Lubawka-Strecke bis kurz vor die tschechische Grenze verlief und mitunter von langen Pilgerzügen zu irgendeinem Kloster befahren wurde.


Im SA134 (obiges Bild) geht es bergwärts. Der große Grenzbahnhof Lubawka wurde inzwischen zum Haltepunkt mit ein paar angeschlossenen, aber recht unbenutzt aussehenden Gütergleisen degradiert. Jedenfalls sind sämtliche Signale verschwunden (das Doppel-Negativsignal in der Südausfahrt war ja schon länger weg), alle Stellwerke unbesetzt, und die alten preußischen Fahrleistungstragwerke gibt´s ja schon ein paar Jahre nicht mehr. Neu ist nur ein glänzender Blechzaun, der die riesige, leerstehende Empfangsgebäude-Ruine vor unbefugtem Betreten sichert. In Lubawka steigen ein Viamont-Lokführer und ein Viamont-Schaffner zu. Der Viamont-Lokführer assistiert seinem weiterhin am "Steuer" des VT agierenden PKP-Kollegen auf dem tschechischen Abschnitt als Lotse. Bis in den tschechischen Grenzbahnhof Kralovec gilt der PKP-Tarif, auch mein Touri-Bilet wurde anerkannt. Durchgehende Fahrkarten werden nicht verkauft. Für den Abschnitt nach Trutnov gibt´s deshalb Fahrkarten ohne Aufpreis beim Viamont-Schaffner im Zug. Der nimmt aber nur Kronen und keine Zlotys, was gar nicht so einfach ist. Wo sollen polnische Reisewillige auf einem Sonntagmorgen tschechisches Geld herbekommen? Auch wenn die Fahrt mit 13 Kronen geradezu beschämend preiswert ist: so gewinnt man keine Kunden... Auch kann der Viamont-Schaffner trotz seines modernen Terminals angeblich nur bis maximal Trutnov (bzw. auf die dort abzweigende Viamont-Strecke) verkaufen, aber sonst nicht zu weiteren Zielen in Tschechien. Meine In-Karta wird auch nicht anerkannt.


Die erste tschechische Station, Kralovec, gleichzeitig scheitelpunkt dieses Riesengebirgspasses, ist inzwischen ebenfalls unbesetzt, die Signale ausgekreuzt. Der BÜ über die Europastraße in der Einfahrt aus Polen wird bei Annäherung des Zuges von einer Schrankenwärterin herunter gekurbelt (mit Holz-Schrankenbäumen). Mit einer Fahne signalisiert sie dem Tf, dass er nun den BÜ passieren darf. Übrigens gibt es gleich hier an der Straße und etwa 5-10 Fußminuten vom Bahnhof entfernt eine Pension und ein Restaurace. Falls also mal Jemand einen Zug aussetzen möchte...
In Kralovec stehen wir ein paar Minuten, dann passieren wir den BÜ an der Südausfahrt. Er wird bedient von der gleichen Schrankenwärterin wie bei jeder zuvor in der Nordeinfahrt aus Polen. Da sind also Zwillinge beschäftigt, die zudem noch das gleiche Automodell fahren... Die Abzweig nach Zacler, wo der Reisezugverkehr dem Ausflugsverkehr nach Polen zum Opfer fiel, sieht recht benutzt aus. Bei Lampertice gab´s an dieser Strecke mal einen Steinbruch, der wird offenbar immer noch bedient.
Die Strecke hinunter nach Trutnov ist landschaftlich wunders chön und schlägt die polnische Seite um Längen. Durch tiefe Wäler, dann hoch am Hang oder über zwei große Talbrücken geht die Fahrt. In Trutnov-Porici muss der Zug Kopf machen, um zum Hauptbahnhof zu gelangen. Leider wird hier gerade heftig gebaut, sodass die Weichenverbindung aus Ri. Lubawka auf die Gleise zum Hautbahnhof fehlt. Also fahren wir erst einmal ohne Halt duch den Bahnhof durch, ändern jenseits des eigentlichen Bahnhofsbereiches die Fahrtrichung und gelangen dann, sozusagen aus der anderen Richtung, auf das richtige Gleis zur Fahrt nach Trutnov hl.n.. Ich steige schon in Trutnov stred aus. Da hängt auch erstmals ein richtiger Fahrplan mit allen Zügen und allen Zwischenhalten.

(man beachte die Fahrpreise im unteren Bereich: wie ergibt sich mein Fahrkartenpreis von 13 Kronen?)

Da ich wegen der ausgefallenen KBS-250-Bereisung nun zwei Stunden eher als geplant in Trutnov bin und es über mir immer noch grau in grau ist, beschließe ich, den Rückweg nach Dresden via Prag anzutreten. Endlich mal wieder ein bisschen Hauptbahn fahren und das Fluidum der CD genießen. Gleich der Osobny Vlak nach Jaromer ist ein 854, und ich habe nach mehreren Stunden PKP erstmals wieder das Gefühl, richtig voranzukommen. Zu allem Überfluss kommt unterwegs, justament bei einer Kreuzung mit einer Blaubrille, tatsächlich kurz die Sonne heraus, während sich hinter mir die fetten Regenwolken um die Höhen des Riesengebirges drängen.


Von Pardubice nach Prag wähle ich den Schnellzug "Galan" (Luhacovice - Prag), denn der führt einen klassischen Speisewagen. Zu meiner Überraschung wird dieser innertschechische Kurs von der Wagon Slovakia bewirtschaftet. Auch der CD-Speisewagen trägt die entsprechenden Logos. Das also ist der Nachfolger von Urblik, die bislang diese Dienste fuhren. Das gute Essen tröstet über die öde Landschaft hinweg. Extra für mein Foto kurz vor der Ankunft posieren Koch und Kellnerin gerne noch noch einmal in ihrem Wagen - ich möge nur bitte kurz warten, bis die Kellnerin sich noch einmal die Schürze umgebunden hat.




Nach einer Stunde in Prag reise ich - wieder bei Regen - auf dem wohl schönsten Weg ins Heimatland ein, mit dem man im Zug die Grenze nach Deutschland überqueren kann: Durch das Elbtal, dessen Schluchten dann extra für mich doch noch einmal für ein paar Augenblicke in goldenes Abendsonnenlicht getaucht werden.

Viele Grüße

Heiko



Antworten:

Hallo!

Danke für den sehr athmosphärischen Bericht.
Besonders gut gefällt mir das Bild aus Zagan in schwarz-weiss!

Mir "reichte" im letzten Jahr Trutnov - Lubawka, da ich den polnischen Abschnitt bereits kannte.
Mit Interesse habe ich auch die Ausführungen zu Legnica - Jerzmanice Zdroj gelesen.
Wenn der liebe Gott und die PKP wollen, dann bin ich heute in zwei Wochen gerade auf meiner Rundfahrt Wroclaw - Klodzko Miasto - (Overlap) - Klodzko Glowne - Walbrzych -Jelenia Gora - Lwowek - Zebrzydowa - Legnica - Jerzmanice Zdroj - Wroclaw.

Ich hoffe, ich kann einen ähnlich interessanten Bericht wie Deinen geben.

Inter-nette Grüße

Herbert




von streckenbummler - am 04.07.2009 11:38
Am schönsten ist das letzte Bild ;););)

Danke, Heiko, für den Bericht! Du hast der Fahrt ja entgegengefiebert - und dann ist kein Wetter. Schade. Aber immerhin schöne Eindrücke und Detailinfos, die Nachahmern nützen können. Und vielleicht fährst Du ja selber nochmal!?

An der Zagan-Galerie hätte sicher nicht nur ich Interesse!

Gruß,
Joachim

von Joachim Piephans - am 04.07.2009 11:41

Mit Schülerkarte für 13 Kcs

Ohne das Du es merktest, hat Dir der Schaffner auf Deine Karta Z eine (wahrscheinlich illegitime) Schülerermäßigung erteilt, die im Viamont-Tarif/HK eben mit 13 Kč ausgewiesen ist.


von schumlau - am 04.07.2009 17:05

Hinweis

Hallo Heiko,

Du hast da einen netten Bericht verfaßt. Er gefällt mir gut ob seiner Vielseitigkeit und der immernoch starken Kontraste zwischen Tschechien und Polen.

Da Du Besitzer einer In-Karta bist, die Frage ob Du evtl. die Kundeninfos der CD nicht bekommst?
Falls nein möchte ich dem Forum gerne mitteilen, dass VIAMONT die In-Karta nunmehr anerkennt!
Das gilt laut CD auf allen Strecken, außer der Strecke nach Svoboda n/U...

Ich merke schon, ne Seite mit einem monatlich aktualisierten Tarifführer CZ/SK/PL wäre was...

Gruß
Martin



von 810 600-7 - am 04.07.2009 19:56


wie ich sehe sind die Essen genau wie bei Urblik sehr appeltitlich , leider war bei meinen letzten Besuch--> kein Weg zum Speisewagen frei Zug ab HK war randvoll

so kann man auch in diesen Herbst wieder einen Speisewagentour machen



Gruß Volker

von LVT771 - am 07.07.2009 10:11
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