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Forum zu den Eisenbahnen in Polen
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vor 3 Jahren, 5 Monaten
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vor 3 Jahren, 4 Monaten
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217 055, svoigt69

Bis zum Ende der EU-Welt (Reisebericht)

Startbeitrag von 217 055 am 12.09.2014 18:00

Seid gegrüßt,

heute soll es weiter gehen mit den Geschichten aus meinem "großen Urlaub" des Jahres 2014.
Zuletzt legte ich mich mehr oder weniger neben dem Bahnhof Niekrasów westlich der Weichselniederung in meinem Auto zum kurzen Schlaf. Es war etwas nach 0:30 Uhr. Alles war ruhig, im Bahnhof nichts los - nur die etwa 600 m entfernte Hauptstraße machte Geräusche. Ich schlief fast umgehend ein, hatte ja auch einen langen Tag hinter mir.

Irgendwann dröhnte ein Motor in unmittelbarer Nähe und das brachte mich aus dem Schlaf. "Kurwa" - was denn jetzt? Es war ein Polizei-Jeep mit sehr markantem Motorengeräusch. Dieser stand direkt neben meinem Auto und bollerte vor sich hin. Eine Taschenlampe blendete in mein Auto herein, während das Polizeiauto ein ganzer Leuchtkäfer war und fast Tageshelligkeit absonderte. Ich stellte mich schlafend. Dann fuhr das Polizeiauto auf die andere Seite und bollerte weiter vor sich hin. ich wartete sekündlich auf eine Aufforderung zum Aufstehen, Ausweisen und ein Platzverbot. Aber dann? Das Auto fuhr wieder weg. Kurzer Blick auf die Uhr - 1:18 Uhr.
Nachdem es wieder dunkel war, nahm ich in etwa 150 m Entfernung einen Zug der LHS war, der wohl auf Kreuzung wartete. Jetzt bloß nicht richtig aufwachen! Egal, was da entgegen kommt oder auch nicht. Das Weiterschlafen gelang sogar - hatte ich gar nicht gedacht.

Kurz nach 6:00 Uhr weckte mich so ein von mir betriebenes Gerät, welches dann fast immer mehrere Anläufe machen muß, bis ich es erlöse. Auf geht´s zum aktuellen Gucken nach einer Fotogelegenheit für TLK 35108. Die Erinnerung an den letzten Besuch vor einem Jahr und 25 Tagen war ja noch fast frisch, aber manches ändert sich und deshalb war aktuelles Prüfen angesagt. Es gab aber keine abweichenden Erkenntnisse zum letzten Jahr, auch keinerlei zufälliges Auffinden von Zügen. So landete ich dann in Pilchów, wo der TLK ja seinen Stalowa Wola-Ersatzhalt hat. Eine im letzten Jahr nicht ganz optimal getroffenes Bild nördlich des Haltepunktes zeigte auch keinen Anlaß für ein dortiges verbessertes Bild. Baumblüte vorbei und stark höhere Gewächse, welche die Häuser des Ortes optisch verschwinden ließen, sprachen für das Weitersuchen. Aber an der zentralen Stelle des Ortes pausierte ein Bus am Straßenrand - extra 50 m vor der Haltestelle, an der schon einige Passagiere warteten. Der Bus sah gut aus.., der Bus sah ziemlich original aus... , der Bus war frei von Werbung.. und hieß auch noch 001. Der Bus mußte mit dem tagesersten Bild bedacht werden. Mit wartenden Fahrgästen - und natürlich einer Abfahrtszeit ohne Abstimmung auf die Züge. Und etwa so sah das Gefährt aus.
[galeria.pestka.info]

Ja, und nu hatte ich noch einen großen Umweg vor mir, weil ein Foto des TLK nur noch am nördlichen Ende der San-Brücke für mich denkbar war. Das waren nur so 2,5 km Luftlinie, auf dem Straßenweg aber ca. 15 km, weshalb 25 min Vorsprung nicht so viel waren. Vor der Straßenbrücke über den San fand sich sogar noch eine fette Baustelle mit Ampel, die aber nur höchstens alle 5 min mal "grün" zeigte. Als dann noch ein Radlader an erster Position startete und deshalb auch hinter der Einspurigkeit nur 25 km/h angesagt waren, da wurde es noch mal ganz schön eng.
Zur planmäßigen Abfahrtszeit des Zuges in Pilchów war ich vor Ort und baute nur noch die Leiter schnell auf. Eine große Buschgruppe war seit dem letzten Jahr gar mächtig gewachsen und beeinträchtigte das Bild so, daß es ohne die 2m Extrahöhe durch die Leiter schon nicht mehr möglich gewesen wäre. Zumindest wenn man Qualitätsmaßstäbe anlegt.
Und jetzt war ich gespannt ob es vorne am Zug rund oder eckig wäre. Zweite Frage war: grün oder blau?
Mit großem Gepolter sauste "es" über die Brücke - "es" war eckig und blau und bremste auf meiner Höhe schon wieder. SU46-017 bespannte nur 4 Wagen - letztes Jahr gab es noch SU45-228 mit 7 Wagen. Mangels alternativer Zugangebote in diesem Abschnitt blieb für mich nur der Versuch, die doch erheblichen Schlaufen der Eisenbahntrasse zu nutzen, den Zug für ein zweites Bild zu überholen. Im Jahr 2013 war das kein Problem! Weil ich sehr schnell voran kam und die Zugfahrzeiten aus dem vergangenen Jahr noch kannte, glaubte ich an ein Gelingen. Als ich aber Kraśnik erreichte, waren es bis zur plm. Abfahrtszeit des Zuges nur noch 2 min. Da blieb bloß noch ein Versuch, zum Gleis zu fahren. Bei "keinem Motiv" würde der Zug weg sein. Bei Pułankowice wagte ich den Versuch. Nun ja, kein Brüller, aber es ging mehr als nur das Bild eines Zuges. Das reichte.

Anschließend führte mich meine Nase zurück nach Kraśnik. Einfach mal gucken und sonst eben Motivsuche im Abschnitt südlich davon. Aber im Bahnhof blieb ich schon gleich hängen. Dort gab es einen Güterzug! Allerdings fuhr der nicht. Vielmehr waren mehrere Arbeiter eines "Hilfsautos" mit einer größeren Reparatur an der TEM2-063 einer Firma "ZPNT MiU Dębica" beschäftigt. Sie stand vor einem Halbzug (also etwa 20 Wagen) "Bogdanka"-Wagen. Es gibt sogar ein Bild dieses Zuges (ohne das, was ich als Motiv bezeichnen würde) - meine eigenen Bilder warten ja immer noch im Kühlschrank.
[rail.phototrans.eu]

Die nächste Zugfahrt war REGIO 32402 in Gestalt von SA134-022, den ich hinter dem Haltepunkt Rzeczyca Kolonia erwartete. Anschließend erwartete ich nördlich des Bahnhofs Szastarka dann den REGIO 23403. Allerdings dürfte das Bild ein ziemlicher Ausfall sein, weil einerseits das Sonnenlicht schon so nah an der Gleisachse stand, daß entgegen meiner Erwartung der Triebwagen schon aussah wie von der Schattenseite fotografiert. Dafür paßte aber die Belichtung nicht. Außerdem war es ein "Lubelskie"-Triebwagen, an denen schon die Lackierung in einem solchen Fall ungünstig ist. Insgesamt zeigte sich (wie mir ja schon seit über 10 Jahren bekannt) die Strecke ziemlich zickig, was gute Fotomöglichkeiten angeht. Die Mitfahrt im Zug suggeriert da aufgrund der wechselhaften Aussichten und vielen Bögen eine Motivfülle, die vor Ort nicht annähernd den Erwartungen entspricht. Ja, wenn man einen tragbaren Hügel von mindestens 10 m Höhe hätte und passend platzieren könnte. Ohne so etwas steht man oft "unten" und kann den Bahndamm angucken. Vom Bahndamm selbst aus sieht man auch die (beispielsweise) in 500 m Entfernung liegenden Dörfer schön da liegen, aber eben nicht von der anderen Seite Bahndammes aus. Solche Konstellationen gibt es an der KBS 555 zuhauf.

Als nächstes war für den TLK 83105 ein Standort auszuwählen. Bei Niedrzwica waren mir mehrere Varianten geläufig, die noch nie optimal funktioniert hatten, meistens durch Lichtverlust. Dort wollte ich einen neuen Anlauf wagen. Leider vermehrten sich die Wolken auch heute wieder bedenklich, die Wettervorhersage bestätigend. Bisher war alles ohne Ärger vor sich gegangen. Allerdings war die Sonnenwanderung noch nicht so weit wie erwartet vorangeschritten, so daß ich die Ostseite der Strecke als Standort wählte. Nun ja, es gäbe ja heute noch einen Zug! Erstmal kam SU46-017 mit wieder nur 4 Wagen zurück - bezüglich der vielen Wolken hatte ich Glück an meinem Standort. Dieser Zug würde in Lipa auf den Gegenzug treffen. Für den war es aufgrund seiner Fahrtrichtung und der aktuellen Tageszeit auch schwierig mit der Standortwahl. Ich entschied mich für eine Expreßfahrt nach Süden. Vielleicht würde ich den gerade fotografierten Zug ja in Zaklików ja noch mal erwischen (das hatte ich natürlich vorher überlegt). Allerdings hatte der Straßenverkehr viele Hindernisse gegen eine schnelle Fahrt zu bieten. Außerdem waren die Fahrzeiten der Züge doch entscheidend verkürzt (stärkere Lok mit weniger Last). Darüber hatte ich im Vorfeld noch nicht nachgedacht - und büßte es jetzt. Meine Ankunft in Zaklików gelang erst, als der Zug schon in Lipa kreuzen sollte. Da wurde es ja sogar knapp mit der Suche für den Gegenzug, wofür nur der Bogen um Zaklików herum in Frage kam. Gerade verzog sich das Gewitter, welches bis eben den Ort abgespült hatte, so daß jetzt von einer sonnigen nächsten Viertelstunde ausgegangen werden konnte. Im Gegensatz zu meiner Erwartung (resultierend aus einer vergeblichen Suche vor einigen Jahren) fand sich eine gute polnische Stelle mit Sandweg, Wiese, Kieferngruppen und einigen Häusern des Ortes. Ich war sehr zufrieden - und hatte nach einigem vergleichenden Hin und Her gerade die wieder sinnvolle Leiter ausgerichtet, als ein Typhon den Zug verkündete und die Bahnübergänge einschalteten. Als der Zug allerdings um die Kurve kam, war ich doch erschrocken über die Geschwindigkeit. Außer den apshaltierten Straßen mit Schranken am BÜ waren alle anderen Überwege ungesichert, der Zug fuhr aber mit geschätzen 80 km/h am Ortsrand entlang. Das war neu! Übersichtlich war´s dort eher nicht. Die grüne SU46-041 war´s, die mit TLK 35104 an mir vorbeisauste und gleich wieder mächtig ihr Horn erschallen ließ. Das war ein nettes Wiedersehen; ein erstes und bis eben letztes Treffen zwischen uns fand in den Dünen der Halbinsel Hel am 4. August 2002 statt. Folgend hielt mich die gerade erst gemachte Erfahrung mit der Geschwindigkeit des Zuges davon ab, einen zweiten Anlauf zu starten. Außerdem gab es noch einen Triebwagen, welcher demnächst in Szastarka wenden würde. Und jetzt sollte auf das Empfangsgebäude dort die Sonne ja von der Gleisseite her scheinen. Immerhin gibt es dort noch ein größeres Stationsgebäude - im Gegensatz zu doch vielen anderen Stationen dieser Strecke, wo sie entweder abgerissen wurden (wie in Zaklików) oder nur kaum erkennbare Kleinstgebäude sind. Allerdings wird es inzwischen artfremd genutzt. Ein Laden für alles mögliche, Tendenz aber Baumarkt, residiert dort, ein paar Bewohner gibt es auch noch. Eisenbahnartige Funktionalitäten gibt es keine mehr. Nebenbei bemerkt sind in diesem Jahr genau 100 Jahre vergangen, seit die Strecke Lublin - Stalowa Wola 1914 eröffnet wurde.

SA103-007 kam als REGIO 22461 aus Lublin an und wendete auf REGIO 22436 innerhalb etwa 45 Minuten. Gehalten hatte der Lokführer nahezu perfekt für Fotos der Ankunft (mein Standort war in größerer Entfernung) und eine spätere Ansicht von Nordwesten aus. Die letztere Variante war schon durch das nächste Gewitter bedroht, klappte aber noch mit wechselnden Spotbeleuchtungen.
Jetzt blieb eigentlich nur noch ein Wunsch übrig. Nördlich von Niedrzwica sollte es nun klappen, nachdem rein zeitlich eine Fahrt bis Lublin-Zemborzyce unrealistisch erschien. Außerdem gab es eindeutig zu viele Wolken dafür - an meinem dortigen Motiv war ich diesbezüglich schon traumatisiert. An Ort und Stelle zeigte sich neben den vielen Wolken ein weiteres Problem. (Wunderlich, daß ich das am Mittag nicht bemerkt hatte. Gucken war ich ja, wenn im Ergebnis auch die andere Seite gewählt wurde.) Eine Brennweite von 70 mm war ein weniges zu viel. Da wurde einige Bildelemente ungut beschnitten bzw. waren zu nah am Rand, um später wirklich sicher im Bild zu sein. Aber unter 65 mm Brennweite war es auch nicht gut - und da hatte ich mein Problem. Mit dem zur Verfügung stehenden Objektiv für unter 70 mm waren mehrfach Bilder im oberen Grenzbereich der Brennweite erheblich mangelhaft ausgefallen, was die Schärfe betrifft. Außerdem forderte der Bildaufbau einen ziemlich spitz zur Gleisachse befindlichen Standort, was mit den unterstellten wieder nur 4 Wagen auch suboptimal war. Ein Güterzug wäre das Beste gewesen. Aber wann gibt es dort so was? Der TLK kam aber auch nicht. Weil der in Niedrzwica mit dem Triebwagen aus Szastarka kreuzen sollte, muße ich auch mit dessen Erscheinen jederzeit rechnen. Der Triebwagen kam zuerst! Sonne gab es keine, aber Zeichnung war ausreichend vorhanden, so daß ich ein Bild anfertigte. Jetzt hatte ich meiner Meinung nach mindestens 25 min Zeit bis zur nächsten möglichen Trasse für den TLK. Ich entschied mich für die Suche eines anderen Motivs Richtung Süden. Möglichst kleinräumig sollte es sein, denn die Chancen auf Sonne waren sehr gering. Nach etwa 20 min hatte ich etwas gefunden mit dem ich meinte, zufrieden sein zu können. Aber ein direkt hinterher fahrendes Auto verhinderte ein einfaches "Fallenlassen" des eigenen Autos. Beim nächsten Kopf umdrehen war der Zug da und sofort vorbei. Somit der Hinweis an evtl. dorthin Reisende. Schnellzüge oder TLK sind wieder wirklich schnell. Erfolg bei Verfolgungen ist zweifelhaft bis unmöglich.

Jetzt war es etwa 18:30 Uhr, der Himmel voller Wolken, der Fototag wohl eher abgeschlossen. Einem Einkauf folgte ein kurzer Wettercheck per Daten-Roaming. Das Ergebnis war eher ernüchternd. Gewitter, Gewitter und höchstens kleine Chancen auf kurze Sonnenabschnitte am nächsten Tag. Später nur noch schlechter. Da konnte es keinen Sinn machen, an einer Strecke mit "Schnellverkehr" zu verbleiben. Blieb (anhand der vorausgewählten Ziele) die Wahl zwischen Lublin (Flughafenzüge, Strecke nach Parczew und "Bogdanka") oder Hrubieszów Grenzstrecke. Ich entschied mich für Hrubieszów - das erschien mir bezüglich der Wetterprognose weniger anfällig zu sein. Außerdem wollte ich mal eine "feste Übernachtung". Und da kannte ich die [www.annazwierzyniec.pl] in Zwierzyniec als vernünftig und absolut preiswert. Ich fuhr dann mal da hin, schaffte es zu etwa 20:15 Uhr und war zumindest im Restaurant leider einziger Gast. Die Übernachtung mit Frühstück gab es für 70 oder 80 zl. Das Zimmer war gut, zum Einschlafen "brüllte" eine Wumme im Wald; lediglich das Restaurant machte diesmal erhebliche Minuspunkte beim Abendessen. Ich bestellte eine Suppe und ein Hauptgericht - und beides wurde zeitgleich serviert! Ganz tolle Idee. Die Suppe war dann auch gleich noch so etwa ein halber Liter. Da war das Hauptgericht fast kalt, bis ich mit der Suppe fertig war. Dafür gab es keinen Beifall - und kein "Trinkgeld".

Am nächsten Morgen (28. Mai) gab es viel Dunst und tiefhängende Wolken. Schon am Vorabend hatte ich Unwetterergebnisse gesehen - solche gab es auch heute wieder verbreitet anzutreffen. Das waren Resultate jenes Wetters, unter dem der Balkan am meisten gelitten hat, nur kurzzeitig waren auch Polen und die Slowakei in den deutschen Nachrichten erwähnt, aber schon am nächsten Tag nicht mehr. Verschiedenenorts hatte es nur ganz gering geneigte Felder großflächig abgespült. Straßengräben waren vollständig aufgefüllt und anschließend noch die Straße um teilweise 30 cm überdeckt worden. Da konnte es am Beginn und Ende auch Kanten in dieser Höhe geben. In Deutschland wäre das sofort beseitigt worden - oder die Straße gesperrt. In Polen muß jeder selbst sehen, wie er damit zurecht kommt. Nur irgendwie paßt die Fahrweise der meisten Polen nicht dazu - 120 km/h sind auch auf kleinen (und schlechten) Straßen völlig normal. (Wäre es schon dunkel gewesen, hätte ich jetzt wohl kein Auto mehr.) Wie das aber aussah, wenn nicht Straßengraben und Straße der Ort der Neuansiedlung des Ackers war, sondern ein Grundstück mit Haus usw., kann sich sicher jeder selbst ausmalen. Diese Wasser-/Wetterschäden zogen sich im Osten Polens relativ weit in den Norden hoch (ungefähr bis zum Narew). Und es sollte wettermäßig immer weiter Regen-Nachschub geben.

Ich steuerte erstmal Zamość Bortatycze an. Hinfahrt natürlich an der Eisenbahn entlang. Aber nirgends war was los. Nicht in Szczebrzeszyn, nicht in Klemensów. Dort im Regelspurbahnhof standen zwei Gleise voll mit abgestellten Wagen. Aber in Zawada war in wenigen Minuten ein Triebwagen aus Zamość fällig. Diese paar Minuten hatte ich. Außerdem waren Triebwagen dort fotografisch für mich etwas Neues und eine Einfahrt aus Zamość hatte ich auch noch nicht fotografiert. SA134-027 war als REGIO 22502 unterwegs nach Lublin. Ja, inzwischen ist man wohl so weit, daß auf der Hauptbahn (Ri. Außengrenze der EU) schon so wenig Züge fahren, daß es nicht mal Anschlüsse an den Abzweigbahnhöfen der Dieselstrecken gibt und deshalb die Dieselzüge das Angebot zwischen Rejowiec und Lublin auf ein besseres Maß verstärken.

Dann habe ich das Depot der LHS umkreist und dabei folgende Erkenntnisse gewonnen. Die Lokkästen von ST44-2020 und -2050 stehen inzwischen auf Schwellenstapeln westlich der großen Halle. Ebenfalls auf der westlichen Seite waren noch SM48-002 und ST44-2001 zu finden - an ersterer wurde gearbeitet.
Direkt an der Halle stand noch die etwas ramponierte ST44-2027 und die -2016 - beide würde ich als nicht in Betrieb bezeichnen. Auf dem südlichsten Hallengleis stand drinnen ST40s-02 und draußen ST44-2043 und -2038. Diese drei Loks trugen eine recht große Kreideanschrift über der Pufferbohle "normalnotorowe", hatten Regelspurdrehgestelle und Schraubenkupplung. Leider habe ich nicht herausbekommen, ob da nur ein auswärtiger Werksbesuch anstand, oder etwa die LHS eine Ausweitung ihrer Geschäfte auf die Regelspur plant. Sind denn bei den "ST44-Remos" schon wieder (planmäßige) große Arbeiten fällig? Auf der Ostseite der Halle waren ST44-2061, -3001, -2034, ST40s-05, -04, SM48-073, ST44-2056 und eine 16D-006 anzutreffen. Letztere wunderte bzw. überraschte mich doch erheblich. Sicher deshalb, weil ich mich außer bei den sporadischen Reisen dorthin nicht permanent mit Veränderungen im Fahrzeugpark der Fa. "xyz" beschäftige und es von diesen Loks an den Stellen, an denen ich regelmäßig "Bilder gucke" noch keine Fotos davon gab, die mich beschäftigt hätten. "Alt" waren die auch noch nicht, aber die noch bevorstehenden Überraschungen waren damit nur erst angedeutet.

Bei der Weiterfahrt nach Hrubieszów kam mir bald ein LHS-Zug entgegen, der von einem komischen Dreierpack gezogen wurde. Nach einem Richtungswechsel und Vorsprung sammeln meinerseits nahm ich die Parade von 16D-007, ST40s-13 und 16D-003 ab. Weil in Zamość Bortatycze schon ein Güterzug Richtung Hrubieszów gestanden hatte, meinte ich darauf hoffen zu dürfen, daß dieser bald nach Ankunft des eben fotografierten Zuges abfahren würde. Ich postierte mich nahe des Regelspurbahnhofs Werbkowice, suchte ein wenig nach Resten der Schmalspurbahn (fand aber nur die Grundplatte eines Gebäudes, in welchem ich den ehemaligen Lokschuppen vermute). Der Feldweg zum gewünschten Fotoort war reiner Matsch mit tiefen Pfützen. Ohne Allradantrieb hätte ich mich dort nicht hineingewagt, es ging auch nur, weil der Weg keine nennenswerten horizontalen Unebenheiten aufwies. Andernfalls wäre man einfach so im Stand ins Feld gerutscht.
Nach einer Stunde war immer noch nichts von einem Zug zu hören. Also brach ich den Versuch ab. Kurz vor Erreichen von Hrubieszów kam der nächste Zug entgegen. Wieder war so ein Neuling dabei. 16D-004 mit ST40s-14 kämpften sich aus der Niederung des Bug den Berg herauf. Rein optisch sind diese neu aufgebauten ehemaligen SM48 durchaus akzeptabel, nur frontal mag ich die gar nicht fotografieren. Was ja kein Unterschied zu (fast) allen Mittelführerstandsloks (und auch der Spenderbauart) darstellt. Nur fuhren solche Loks bisher eher weniger auf der freien Strecke herum, schon gar nicht auf Hauptstrecken. Das sah hier anders aus - wenn es nicht nur um Laufkilometer innerhalb der Garantiezeit ging. Am meisten aber stört mich die Bezeichnung als 16D. Anstelle einer klassischen Baureihenbezeichnung nun also eine Werksbezeichnung. Und das bei einer Gesellschaft der Staatsbahn (wobei: ist es überhaupt noch Staatsbahn?). Scheiße: alles Fragen, die mich grundsätzlich anöden. (Mutter-)Gesellschaften, Töchter, Beteiligungen, Zukäufe, Abspaltungen - alles Zeug, was mir das Hobby verleidet.

In Hrubieszów kommt man weiterhin uneingeladen nicht legal an den Breitspurbahnhof heran, man kann nur aus bestimmter Entfernung hinsehen. Und so sah ich dort eine Doppelwumme der UZ stehen, vor einem Zug Richtung Heimat. Also ab Richtung Grenze. Nicht mal 3 km sind es bis zur Grenzbrücke über den Bug, gewissermaßen hat das Ende eines normal langen Zuges (Maßstab Ukraine!) gerade das Einfahrsignal passiert, wenn die Lok fast schon auf die Brücke poltert. Am Ort des Auftreffens der Straße auf das Streckengleis befindet sich innerhalb 50 m die Röntgenanlage der EU-Außengrenze, durch die alle Züge mit Schrittgeschwindigkeit fahren (müssen). Etwas gespenstisch ist das! Und so sieht das aus:

[kurierkolejowy.eu]

Etwa 250 m vor dem Landabbruch zum Bug hin stehen Schilder, die die Weiterfahrt verbieten. Außerdem steht direkt am polnischen Brückenende ein Postenhaus und eine Brücke über das Gleis zum "Gaffen" für die den Postendienst verrichtende Person. Inzwischen drückte die Sonne diffus durch die Dunstschichten, welche sich immer mehr zu Wolken verdichteten und aufstiegen, wobei eben auch Lücken entstanden. Ich stellte das Auto etwa auf der Hälfte des Wegs zwischen der Röntgenanlage und dem Grenzposten (in den einzigen Schatten dort) ab. Außerdem war es die einzige Stelle, wo das Auto bei Fotos in beide Richtungen nicht im Bild stand. Das Gleis führte im Bogen am Fuß eines steilen Einschnitts (in einen Hügel) entlang, welcher für die Eisenbahntrasse geschaffen wurde. Die letzten Ausläufer des Hügels auf der anderen Seite der Strecke bildeten einen netten Fotohügel an der Bogenaußenseite. Ich ging da ein wenig hin und her zum Testen der Winkel, der Höhe und zur Auswahl eines harmonischen Bildaufbaus. Gerade war ich damit fertig, als es an der Röntgenanlage laut wurde und einen Zug ankündigte. 2M62U-0208 der UZ schlich heran und bald darauf über den Bug in die heimatliche Ukraine. Der angehängte Zug war zu meiner Überraschung kein Leerzug, obwohl die Wagen alle offene Vierachser waren. Es war ein Kohlezug aus Polen in die Ukraine! So etwas hatte ich bisher auf der LHS noch gar nicht gesehen. Im Schatten des Zuges (und der Hoffnung auf Beschäftigung der Grenzwächter mit dem Zug) überquerte ich das Streckengleis, erklomm den Hügel und streunte bis an das Steilufer zum Bug hin. Ja, wie erwartet lag dort der optimale Fotopunkt zur Dokumentation des Grenzübertritts ukrainischer Züge am km 0,0 der LHS. Am ukrainischen Ufer gibt es ein großes Monument, das die Züge in der Ukraine Willkommen heißt. Aus Licht(richtungs)gründen im Fall von Sonnenschein war dies eine Stelle für den späten Nachmittag bzw. Abend. Also nicht jetzt! Ich ging zurück, kam gerade an, als es am ukrainischen Ufer nach "Wumme" aussah. Und wirklich, "drüben" mußte sich auch ein Bahnhof in kleiner Entfernung befinden, wenn so schnell (keine 20 min) ein Gegenzug kam. Ob das Isow (polnisch Izow) ist? Eigentlich ein wenig zu "weit weg" dafür, als daß gleich am ukrainischen Brückenkopf das Vorsignal steht. Jenes Vorsignal konnte ich jedenfalls gut sehen.
Ich konnte auch jetzt ungestört Bilder machen, 2M62-1111 der UZ kam mit einem gemischten Zug nach Polen gefahren. Der äußerliche Zustand der Lok (wie auch der zwei anderen Loks an diesem Tag) ließ ein wenig zu wünschen übrig. Die eigentlich grüne Farbe mit mehreren farblichen Absetzungen war mehr oder weniger direkt auf dem Weg zu schwarz - aber nicht glänzend, sondern stumpf/schmutzig. Als etwa die Hälfte des Zuges an mir vorbeigekrochen war, kam die Sonne hinter einer Wolke hervor. Tja, da stand ich nun in der Sonne - und manchmal im Schatten - und wartete auf die nächste Zugbewegung. Nachdem Mittag vorbei war, wurde es im Fall eines Zuges Richtung Ukraine mehr und mehr direktes Gegenlicht, wenn denn die Sonne schien. Das wechselte immer mal.

Anstelle eines Zuges kam aber irgendwann ein Motorrad gefahren, welches an meinem Auto anhielt, man guckte und fuhr dann weiter zu mir. Nun ja, das Übliche an Grenzen folgte. Papiere für die Person und das Auto vorzeigen, die Frage, was man hier mache und die Bemerkung, daß dies verboten sei. Hier wäre Grenze und da sei es gefährlich. Als mich das nicht beeindruckte, ich zu wenig polnisch verstand, um erstens alles zu verstehen, geschweige auf polnisch zu antworten zu können, wurde es dann eine Mischung aus polnisch und englisch. Eine sehr junge Grenzschützerin war zusammen mit einem Mann im "besten Alter". Sie in einer Mischung aus sympathisch und bestimmend, er bärbeißig und "nur dabei". Irgendwann wurde das über mich Ermittelte per Funk an einen Übergeordneten übermittelt und dann eine Entscheidung gefällt. Die junge Grenzschützerin teilte mir mit, ich dürfe dort "sein" und auch Züge fotografieren - letzteres aber nicht an der Grenze oder näher dort heran. Nun, damit konnte ich leben, auch wenn ich es nicht verstanden habe (im Sinne von warum). Weil es gute 2 Stunden gedauert hatte, bis jemand zu mir kam, gehe ich davon aus, daß es mit ein wenig Glück auch möglich ist, unauffällig mal am Abend zu erscheinen. Die Patrouille fuhr weiter zum Postenhaus an der Brücke, war etwa 15 min dort und kam zurück. Jetzt mußte die Grenzschützerin als Sozia auf dem Motorrad fahren - und der "böse Mann" fuhr, obwohl es auch anders gegangen wäre, mitten durch ein paar Pfützen. Dabei wurden natürlich die Hosen naß und die Stiefel dreckig. War das eine Strafmaßnahme?

Als die Sonne mal wieder schien, jaulte die Rötgenanlage los und die 2M62-1111 kehrte zurück. Als die Lok bei mir war, befand sich der Zugschluß gerade am Einfahrsignal von Hrubieszów. Das Licht war nicht günstig und das Bild wohl eher eine Verlegenheitslösung. Ziemlich genau drei Stunden waren vergangen seit dem Zug davor. Ob es wieder nach kurzer Zeit einen Zug aus der Ukraine geben würde? Eine große Wolkenlücke war ja grade da.
Als die nächste Wolke näher gekommen war und ich mangels bisher gekommenem Zug hoffte, er würde sich noch 10 Minuten Zeit lassen, erschien am anderen Ufer wieder etwas "grünes" zwischen den Büschen. Das mußte ja so sein, wo der Posten schon auf seine Brücke gestiegen war. Es dauerte viel zu lange, bis der Zug mit seiner dreifachen Schrittgeschwindigkeit über die Brücke gekommen war und ich wunderte mich schon, warum ich noch nicht im Schatten stand. Jetzt, 200 mm Brennweite und volles Sonnenlicht, als die Lok den Bug überquert hatte und die Beschaubrücke durchfuhr. Noch ein Bild ein paar Meter weiter - dann war der Wolkenschatten da. Mist, an den Stellen, wo der Bildaufbau ansprechender war und man auch was vom Zug sehen konnte, war natürlich Schatten wie vor drei Stunden. 2M62-1224 "traute" sich nach Polen. Vor dem Denken sprintete ich los, bei der Geschwindigkeit des Zuges konnte ich doch bestimmt noch die Rötgenanlage fotografieren. Als ich dort nach 500 m ankam, war der Zug doch schon fast da, außerdem sah es irgendwie nicht "gut" aus und dann fiel mir ein, daß man da doch beim Fotografieren bestimmt richtig Ärger bekommen könnte. Ich steckte die Kamera weg und ging zu meinem Auto. Als ich am Bahnübergang am Ostkopf des Bahnhofs Hrubieszów ankam, war gerade der sechste Wagen des Zuges über den BÜ gefahren - mit Schrittgeschwindigkeit. Kurze Zeit später kam ein Grenzschutzauto angefaucht und bog mit quietschenden Reifen ab auf eine Zollstraße, raste zum Stellwerk und die Männeken sprinteten auf eine weitere die Gleise überspannende Beobachtungsbrücke.

[static.panoramio.com]

Dann hielt der Zug an. Kurz danach rollte er zurück und hielt erst wieder, als die Lok fast auf dem BÜ stand. Dann gings erneut Richtung Bahnhof. Bis der ganze Zug den BÜ frei gemacht hatte, vergingen locker 15 min.
Ich guckte dann noch mal am Westende des Bahnhofs Hrubieszów, aber auch dort ist jedes näher kommen verboten und außerdem sind die Gleisanlagen vollgestellt mit Masten, die ansprechende Bilder verhindern. Weil auch die Wolken wieder nahezu 100% der Himmelsfläche bedeckten, entschied ich mich für eine Reise nach Norden. Immer an der Grenze entlang und erstmal nach Dorohusk. Es war eine gar abgelegene Gegend mit dem Charme einer solchen. Aber auch den damit verbundenen Problemen. In manchen Orten stand bald jedes zweite Haus leer, die Absiedelung (ohne Anordnung, ganz von allein) schreitet stark voran.

Bei der Ankunft in Dorohusk war es nicht anders. Ein ganz paar Häuser gab es - und eine Nebenstraße voller Lkw. Links ein paar Baracken oder so etwas ähnliche Gebäude. So richtig konnte ich den Bahnhof nicht lokalisieren. War aber doch richtig. Neben den Baracken stand nämlich ein EN57 und wartete auf seine Abfahrtszeit. Die Sonne schien mal kurzfristig und so überredete sie mich, ein Bild der Trostlosigkeit anzufertigen. Außer diesem EN57-1328 als REGIO 22366 nach Dęblin und den Truckern gab es dort nichts Lebendiges. Die Sonne verschwand, der Zug fuhr ab und ich fuhr auch weiter. Ziel sollte irgendein Waldrand oder eine Wiese bei Kobylany (südlich von Terespol) sein, wo ich zu übernachten gedachte und gleichzeitig (quasi während des Schlafens) Erkenntnisse über die Zugdichte zu gewinnen hoffte.
Bei der Gelegenheit ging es wieder grenznah durch typisches "Polen B", mit teilweise größeren Anteilen "nichtpolnischer" Bevölkerung und "russisch" geprägter Bebauung. Immer interessiert an den Unterschieden zum Bekannten und dem woanders Typischen, versuchte ich einige Häuser, Gärten und ein Kruzifix aus überwiegend Rosen zu fotografieren. Auf dem Weg nach Włodawa geriet ich dann erstmal in eine nächste Kontrolle der Straż Graniczna. Die war aber gleich vorbei und bald darauf entschied ich mich für den Weg über Sobibor. Einerseits am Bahnhof gucken, andererseits hat dieser Ort ja einen bekannten Namen aus unseliger Zeit. Für Beides hatte ich Zeit. Am Bahnhof sah es traurig aus. Das ehemalige Bahnhofsgebäude ist jetzt ein normales Wohnhaus ohne Bahnbezug, die Gleise waren ungenutzt und ziemlich verkrautet. Selten dürfte das durchgehende Hauptgleis benutzt worden sein in der Frühjahrszeit. Gleich gegenüber des Bahnhofs traf ich auf eine Gedenkstätte im Freien, die an das dort im Wald gelegene Vernichtungslager des deutschen NS-Staates erinnert. Neben künstlerischen Ausdrucksversuchen gibt es dort Gedenktafeln und eine Sammlung von Schautafeln, die eine Vorstellung geben und das Gedenken ermöglichen sollen. Das Nachteilige an Freiluft-Gedenkstätten ist neben der erhöhten Vergänglichkeit der ausgestellten Stücke auch die Witterungsausgesetztheit des Besuchers. Der Himmel öffnete nämlich nach etwa 20 min seine Schleusen, so daß ich dann meinen Weg fortsetzte. Für Leute, die dort nicht hinfahren, sich aber dafür interesssieren noch zwei Links.

[www.tagesschau.de]
[de.wikipedia.org]

Über Włodawa fuhr ich weiter nach Norden und machte im letzten Licht des Abends auf der Bank einer Bushaltestelle ein Abendessen aus eigenen Vorräten.
Aufgrund von vielen verstreut liegenden Gehöften (auf denen natürlich immer auch "Kläffer" wohnen) befürchtete ich bezüglich meines Schlafplatzes schon eine lange Suche. Als aber ein Weg Richtung Eisenbahn anstelle des BÜ´s auf der Karte als Sackgasse endete, ich in eine Wiesensenke das Auto "versenken" konnte, dabei durch die Geländedelle und Gebüsch von den Häusern blickgeschützt war und außerdem die Eisenbahn-Scheinwerfer nicht zu Reflektionen am Auto führen konnten, war das Problem plötzlich keins mehr.

Den Schlaf konnte ich ausdehnen, am nächsten Morgen wollte es nun gar nicht hell werden. Dafür trommelte es ohne Unterlaß in Form von vielen Wassertropfen auf das Auto. Irgendwann konnte ich gar nicht mehr schlafen und begann die Tagesaktivitäten. Zuerst gab es einen Schreck über die Niederschläge. "Meine" Senke entwickelte sich gerade zum Teich. Nichts wie weg da. Zuerst mal den Bahnhof Terespol begucken. Da war es nämlich trocken! Eine gut geheizte Bahnhofshalle vermittelte eine eigenartige Atmosphäre aus Sterilität, Ordnung, Wartesaal und Grenzabfertigung. Aber außer Wechselstube und Zoll gab es nur einen Fahrkartenverkauf. Keine Verpflegungsangebote. Eine Inspektion der Außenanlagen ergab einen frei zugänglichen Hausbahnsteig, an dem ein EN57 auf Kundschaft wartete. Ansonsten aber viele Zäune zwischen den Gleisen und weitere zwei Bahnsteige mit Absperrmöglichkeiten aller Zugänge und ebenso der Möglichkeit zum Teilen des Bahnsteiges. Aktuell waren alle Zugänge frei außer einem, an dessen Bahnsteikante 5 blaue Großprofil-Wagen der weißrussischen Einsenbahn Бч ("BTsch") standen und von den Kontrolleuren ohne anwesende Passagiere wohl gerade untersucht wurden. Zu was für einem Zug die gehörten, konnte ich mir zu der Zeit nicht erklären.

Nach der Untersuchung der Fahrpläne und angesichts des Wetters konnte es aktuell nur eine Idee geben. So etwa am südwestlichen Einfahrsignal überspannt eine Brücke der Europastraße die Gleise - unter dieser würde es wenigstens nicht auf die Linse des Objektivs regnen. Aber das Hinkommen war nicht einfach. Halb Terespol stand inzwischen unter Wasser, mangels Kanalisation stand das Wasser überall auf den Straßen und wurde von jedem Fahrzeug geschwindigkeitsabhängig weit verfrachtet. Natürlich waren auch alle Feldwege eher Wasserstraßen, die Bodenart nicht zu erkennen. Nun ja, irgendwann war ich unter der Brücke. Da konnte erstmal ein Frühstück stattfinden, ohne Krümel im Auto und ohne Flutung. Aber ich wurde gestört, eine weißrussische Wumme rollte aus dem Bahnhof in meine Richtung. Das war dann etwa so wie in dem nach meiner Rückkehr gefundenen Video (nur daß man natürlich unter der Brücke auch höher stehen konnte):

[www.youtube.com]

Die breitspurige M62-1722 zog einen langen Zug zum Zielbahnhof Kobylany. Wie gesagt, ich konnte dort unter der Brücke mit wassergeschütztem Fotoapparat hantieren, der Zug war langsam genug für die miesen Lichtverhältnisse - aber mit einem "richtigen" Motiv hatte das natürlich wenig zu tun. Andererseits gibt es zwischen Terespol und Kobylany auch nichts an Motiven, die mehr aussagen würden. Manchmal wird der eigene Anspruch vor Ort auf die reine Dokumentation reduziert. Dort ist auch bei gutem Wetter nicht viel anders möglich.
Es schlossen sich noch zwei Triebwagen auf der mitteleuropäischen Regelspur an, die da waren: EN57-1765 als REGIO 10912 nach Łuków und EN57-1706 als REGIO 21327/6 von Chełm über Dęblin und Łuków. Als Nachschlag erschien wenig später noch der TLK 11101 aus Warszawa-Gdańska (baubedingt), der von EP07-456 gezogen wurde. Anschließend sah ich noch mal zum Bahnhof Terespol, wo ich einen EN57 zur um kurz nach 11 Uhr fälligen Fahrt nach Brest erwartete. Aber es war viel besser, die 5 Wagen der Бч waren jetzt durch eine EP07 bespannt. Das Betreten eines nicht abgesperrten Bahnsteig durch mich zog sofort hektisches Gucken von vielen Seiten nach sich. Nee, da würde es wohl nichts mit einem Foto. Außerdem waren die gelben Zäune zwischen den Gleisen einfach zu störend, um es unbedingt und ohne Rücksicht auf evtl. Konsequenzen zu versuchen.
Ich wollte lieber mal die kurze Strecke bis zur Grenze ansehen. Vielleicht ging es da besser? Einen BÜ gab es unterwegs noch, den steuerte ich mal an. Dort hatten sich die zwei Strecken nach Weißrußland schon geteilt. Die nördliche Strecke war nach meinen Dafürhalten eingleisig breitspurig (bin mir darüber mangels sofortiger Abspeicherung der Fakten nicht sicher), die südliche hatte beide Spurweiten in Form von zwei parallelen Gleisen, die auf der Grenzbrücke aber als Verschlingung geführt werden - so viel war gleich zu sehen. Der Personenzug über die Grenze würde ja wohl die südliche Strecke nehmen, nur dort hing nämlich ein für E-Traktion nötiger Draht in der Luft. Weil es am BÜ einen Haufen Kameras gab, wollte ich erst unmittelbar vor dem Zug dort ins Blickfeld geraten, weshalb ich noch eine Schleife drehte. Beim nächsten Näherkommen schaltete der BÜ ein und als ich davor hielt, kam auch ein Fahrzeug der Straż Graniczna. Als das dann neben mir hielt, wurde ich aufgefordert, ich sollte nach rückwärts Platz machen. Ich setzte also zurück in eine Einfahrt und "schraubte" die Sonnenblende (als Regenschutz) auf das Teleobjektiv. Zeitgleich stiegen die Grenzer in Regenumhängen aus ihrem Fahrzeug. Da war´s wohl nichts mit einem "heimlichen" Foto! Ich fragte vorsichtig, ob ich den Zug fotografieren dürfe, was rigoros verneint wurde. Dabei wäre außer dem "blauen Zug" nichts "Strategisches" auf dem Bild gewesen. Ich verstand es nicht - und ärgerte mich. Als der Zug vorbei war, sprangen die beiden "Grenzer" in ihre Karre und rasten auf extra gebauten Asphaltwegen mit vielen Verbotschildern dem Zug hinter- bzw. nebenher bis zur Grenzbrücke. Es führt zu beiden Seiten der Gleise solch eine Straße nebenher, erkennbar noch relativ neu. Das einzige "richtige Fotomotiv" an der Eisenbahn um Terespol wäre genau dort, wenn ein Zug aus Weißrußland von der Bug-Brücke kommend das Ende der Gleisverschlingung passiert. Aber wie gelingt das? Wahrscheinlich wohl nicht mit einem Reisezug. Jedenfalls sind außer an dem beschriebenen BÜ die Bahndämme durchgehend mit Zäunen abgesperrt, so daß man auch andernorts nur mit Aufwand an´s Gleis kommt - und in diesem Fall wird´s dann wohl mit einem unfreiwilligen Besuch in einem Grenzschutzbüro weiter gehen!
Anschließend fuhr ich erstmal durch die "vielen Seen" der Stadt Terespol zum Bahnhof und kehrte dort in einer Bar auf dem Vorplatz zu einem "Kawa po turecku" ein. Ein wenig einheizen war gut, die Draußen-Temperatur erreichte nämlich den ganzen 29. Mai über gerade so 10° auf der Celsius-Skala. Irgendwie war die ganze Bude samt Bedienung, Speisekarte und Beschallung weißrussisch. Da schien polnisch nur noch geduldet - für die Minderheit (wie mich?). Aber der Kaffee schmeckte polnisch, da gab es nix zu meckern.

Dann ging es zurück unter die Brücke. Inzwischen war es etwas heller geworden, auch die Tropfen des Regens verkleinerten sich langsam. Diesmal fuhr ich auf der westlichen Seite unter die Brücke, was aber ein schlechter Plan war. Bei dem "gerade so durchkommen" durch die Matschteiche gab es mehrfach Bodenkontakt. Na, hoffentlich würde es auch auf dem Rückweg klappen! Gerade war ich angekommen, schon kam ein weißrussischer Güterzug mit M62-1107. Ohne Schalldämpfer, dafür mit häßlichen Kästen auf den Führerhäusern. Klimaanlagen auf ner alten Wumme, irgendwie sehr abstoßend. In Richtung Brest kam dann auf der Regelspur ein Containerzug herangerollt. Den bespannte eine 66er von DB Schenker. Die Zeit verging, und erstaunlich bald kam die M62-1107 zurück - als Lz.
Dann hätte ich wohl etwas Zeit. Ich beschloß, mal nach Kobylany und Małaszewicze zu fahren und erstmal zu gucken. Mehrere SM48 waren mit Rangiergeschäften zugange, auch eine M62-1241 "opelte" dort herum. Kobylany und der Abschnitt (von Terespol kommend) davor sieht so aus.
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Aber an Motiven, die mehr als die Lok und ein paar Wagen gezeigt hätten, mangelte es. Ein Versuch an einem Gelände mit vielen Kesselwagen und Hebeböcken scheiterte an viel plötzlicher menschlicher Bewegung in den Momenten, wenn ich die Kamera aus der Tasche holte. Ooch nö, auf Polizei hatte ich keine Lust. Danach traf ich auf den Komplex der Werkstatt und Einsatzstelle Małaszewicze von PKP Cargo. Dort stand die SM48-040 ziemlich perfekt abgestellt, außerdem gab es keine erkennbaren "Augen" oder sonstige Umstände, die mich gehindert hätten - also "klickte" es. Die anschließende besichtigend offene Umrundung des Geländes zeigte eine größere Menge abgestellter Betriebsmittel der Bauarten SM48, ET22 und SM42, zusätzlich einige kleinere Loks wie SM03. Aber fotogerecht war nichts mehr. Also versuchte ich weiter, die Struktur des Umladekorridors zu erfassen bzw. zu besichtigen. Das dauerte ... - einerseits wegen unglaublich schlechter Wege, andererseits wegen der räumlichen Ausdehnung. Irgendwie war alles wie im Schlaf, nur punktuell mal ein Lkw zu sehen, mancherorts gab es mitten im Wald große Hallen oder zumindest Dächer über Ladestraßen, so daß trocken umgeladen werden kann. Allerdings waren - wenn überhaupt Wagen in solchen Anlagen standen - oft nur ausgemusterte Wagen dort zu sehen. Speziell die Regelspuranbindung (von Süden her) schien mehr oder weniger unbenutzt zu sein - ohne daß ich darüber bei solchem Wetter Gewißheit erwerben konnte. Alles war voller Wasser, Matsch und Dreck, die Pfützen über 30 cm tief. Allerdings gab es an den (ungültig) formsignalgesicherten Abzweigen und Kreuzungen der Spurweiten durchaus Ansichten, die das Wort Fotomotiv verdient haben. Nach etwa 2 Stunden war alles Erreichbare bzw. Gefundene gesehen, ohne daß irgendwo eine Aktivität auf Schienen angetroffen werden konnte - schade. Ich kehrte zurück zum trockenen Platz unter der Brücke am ESig von Terespol. Dort wurde fast unverzüglich ein breitspuriger Güterzug Richtung Brest aufgeboten, 2M62-1230 kroch mit den vielen Wagen im Feldbahntempo gen Heimat. Der Zug blieb im Bahnhof Terespol stehen. Oho, na mal sehen, wie es bei Güterzügen Richtung Grenze aussieht. Ich kam an dem BÜ dort an, die Schranken waren unten und es kam innerhalb weniger Sekunden ein Containerzug auf der Südstrecke von der Brücke gefahren. Bevor ich die Lage erkannt hatte (keine hindernden Menschen am Ort) und handlungsfähig war, war die Möglichkeit eines Bildes durch die Fahrt des Zuges schon wieder vorbei. Mist - die farblich attraktive, dumpf wummernde M62-1052 bespannte den Zug - auch das noch. Auch dieser Zug bleib in Terespol stehen. Vermutlich werden Züge der Südstrecke in Terespol kontrolliert(?). Das gab mir die Möglichkeit, den Zug unter der Brücke zu erwarten. Und diesmal wollte ich mir das Gewühle durch den Schlamm ersparen und parkte das Auto auf der Brückenrampe auf dem Standstreifen. Ich dachte ja, das Ganze sei in wenigen Minuten vorbei.

Der Zug kam aber nicht. Stattdessen war gegen 15:45 der REGIO 12342/3 fällig. Als solcher machte sich EN57-1442 auf den Weg nach Chełm, einer riesengroßen Übereckfahrt. Danach passierte weiterhin nichts. Irgendwann war ich gerade bei einem kurzen Telefonat, als zwei Tarnfleck-Uniformen über´s Gleis stolperten und mich "abholten". Zuerst zum Auto, dessen Standplatz sicher für das Auffinden gesorgt hatte. Dort das Übliche: Papiere, wer, warum und was und überhaupt. Wieder in einem Gemisch aus polnisch und ...? Dann wurde noch nach russisch sprechen gefragt, aber das war bei mir zu lange her - und niemals für solche Fälle. Danach gab´s noch 5 Worte auf englisch. Darin war enthalten: Staatsgrenze, schwierig und gefährlich (dangerous). Jetzt hinterher stelle ich mir immer vor, antworten zu können mit: "What dangerous? Niiee, Bielarus!" Auch hätte ich eher erwartet, auf ukrainischer oder weißrussischer Seite Probleme zu bekommen, wenn ich der Grenze nahe komme. Aber so? Im freien Europa? Das hatte schon einen üblen Geschmack. Die "Festung Europa" ist wohl keine hohle Phrase. Ohne den direkten Vergleich ziehen zu wollen, aber in meiner Kindheit und Jugend in Berlin (Hauptstadt der DDR) war das Annähern an die Grenze den Wächtern ähnlich suspekt wie heute ein Aufenthalt in Grenznähe und Interesse für grenzüberschreitende Züge an einer EU-Außengrenze. Allen Personen über 14 Jahren war vor November 1989 der Zutritt in bestimmte Häuser - außer mit Passierschein - verboten (was aber durch Schilder kenntlich war). Ja, die Konsequenzen bei Übertretung der Verbote waren vermutlich andere (und willkürlicher) als jetzt an der EU-Außengrenze. Aber die Leute im "freien Westen" durften damals die innerste Mauer (aus Sicht von "West-Berlin") betatschen und vollschmieren. So ähnlich frei zugänglich hätte ich die polnische Ostgrenze eigentlich auch erwartet, sah mich aber (nicht wirklich überrascht) einer gänzlich anderen Situation gegenüber.
Meine Papiere blieben bei denen, ich sollte mich in mein Auto setzen und "ruhig sein". War ich aber nicht. Da war ja noch der Containerzug, den ich aus meinem Auto heraus erst sehen würde, wenn er unter der Brücke durchfuhr. Nein, ich mußte raus! Ich fragte die Grenz-Jungs, ob ich denn den Zug fotografieren dürfe. Nein, gibt´s nicht, "ab ins Auto und Maul halten" (meine Worte). Ich war aber nicht lange folgsam und stand wenig später doch wieder draußen, so daß ich die Strecke einsehen konnte. Dagegen schritten die beiden auch nicht ein. Irgendwann kam der Zug. Ich bat noch einmal - Antwort war die gleiche wie vorher. Als der Zug nur noch etwa 150 m weg war, bekam ich meine Papiere zurück und die Streife brauste davon. "Toll", mir blieb nur, Papiere ins Auto werfen, Kamera schnappen und einstellen - und abdrücken. Von da, wo ich grad stand. Also trieb der Wind einen Haufen Tropfen auf die Linse - ich zweifle, daß da was Gescheites bei herausgekommen ist. Deshalb ab nach Kobylany!
Dort hatte der Regen annähernd aufgehört und vom Bahnsteig aus konnte wenigstens noch ein Lokportät der umsetzenden M62-1052 fotografiert werden. Zwar waren auch noch SM48 von PKP Cargo und die M62-1241 von DB Schenker Rail Polska dort zugange, aber die waren alle schlecht positioniert. Nur die SM48-075 kam mal passend gefahren, was umgehend genutzt wurde. Anschließend wollte ich abreisen und endlich im eigentlichen Zielgebiet meiner Reise ankommen. Der erste Kontakt würde in Sarnaki sein.

Auf der Europastraßen gen Westen fahrend, sah ich plötzlich bei Wólka Dobryńska einen Zug stehen - Kehrtwende, gucken. Der Zug stand, an der Stelle unerreichbar. Aber warum sollte man da ewig stehen? Also hurtig, Motiv suchen. Ein solches war bald gefunden; weil es sich um SM48 (somit Loks mit Vorbauten) handelte, mußte das Bild mindestens einen Winkel zum Gleis von 30° haben. Da kamen nicht viele Stellen in Frage. Aber es gab eine schöne heideartige Lichtung im Wald. Mein Versuch, die Wartezeit mit essen zu überbrücken, schlug fehl.
Der Hafenschlepper rief (das ist die Benennung des Typhonklangs der SM48. Wie beim großen Horn der ST44 gibt es in Polen keine andere Lok, die wie eine SM48 pfeift), es ging also los. Es "stürmten" dann SM48-113 und -093 mit etwa 10 Wagen durch den Wald Richtung Kobylany. Wat denn, ´ne polnische "TEM2U" auf Breitspur? Det jab et früha nich, wa?

Weiter ging´s für mich nach Westen bis nach Biała Podlaska, wo der Weg natürlich über den Bahnhof führen mußte. Dort wartete ein top-gepflegtes Bahnhofsgebäude auf mich - wie der Name der Stadt ganz in weiß. Es gab aber schlechtes Licht und keine demnächst fälligen Züge. Aber - ggf. würde ich da noch mal hinfahren! In Sarnaki wollte ich wenigstens eine Kleinigkeit essen, aber bei Orlen als einziger sichtbarer Möglichkeit klappte man gerade alles ein. Ab 20:00 Uhr geschlossen! Schiet, schon wieder nur Eigenversorgung? Zum Glück hatte ich in Biała Podlaska noch eingekauft. Tja, dabei blieb es dann. Erkundungen in Streckennähe endeten im Schlamm herabgespülter Felder oder Wegen, die jetzt ein Bach waren. Sehr erbaulich!
Westlich von Platerów war es menschenleer genug, um dort einen ungestörten Schlafplatz in Streckennähe zu finden. Das gelang auf Anhieb, zur Belustigung des Abendessens kam noch vor der völligen Dunkelheit erst ein Güterzug mit 42 Wagen Richtung Siedlce vorbei "gerrrröpst". Eine einzelne SM42 kämpfte da, vor 42 Leerwagen mit so ungefähr der selben Geschwindigkeit wie die weißrussischen Güterzüge in Terespol. Ein nettes kleines "Luftbeben"! Später huschte noch Lz eine ST48 vorbei. Schrei...
Meine Gedanken vorm Einschlafen baten inständig, daß hier ein Irrtum vorlag. SM42 vor Ganzzügen und ST48 - das war definitiv eine Anti-Werbung. Wummen wollte ich - Motor 14D40 - nichts anderes!

Wie das ausging erfahrt Ihr im nächsten Teil.


Schönes Wochenende
wünscht 217 055


Edit: Rechtschreibung verbessert

Antworten:

Lieber 217 055,

ich glaube schon, dass Du trotz der vielen Kontakte mit Uniformierten und Ordnungshütern eine vortreffliche Zeit in dieser Grenzgegend hattest. Dein Bericht gefällt mir jedenfalls sehr gut, prima und wieder bildhaft beschrieben, alles sehr gut vorstellbar, mit den Zusatzinformationen aus den Links erst recht.

ST48 in Podlasien? Aber ja! Sie mischen ganz ordentlich mit und niemals weißt Du, was passieren wird. So erlebte ich kürzlich abends in Czeremcha die Ankunft eines Güterzuges aus Siemianowka mit drei Loks: ST44-313, ST48-012 und ST44-089. Die wohl schadhaft gewordene -313 musste in den Schuppen, die beiden anderen Loks ans andere Zugende, weil die Fuhre nach Bialystok sollte. Schließlich gab es davon mit der führenden -089 eine Nachtaufnahme. Die Bespannung hätte auch anders sein können! Tags darauf am EvSig von Nurzec Stacja die Überraschung: wieder ST48-012, schleppt allein 39 Eaoss auf Richtung Czeremcha! Und die Geschwindigkeit war nennenswert. So viel dazu!

Klar, auch mir ist fast jeder Gagarin lieber als eine ST48. Aber so abgrundtief häßlich ist sie nun auch nicht geworden.

Herzliche Grüße,
Sven

von svoigt69 - am 29.09.2014 18:11

Re: glückliche Zeit?

Hey Sven,

Deiner Reaktion entnehme ich die Rückkehr aus Deinem Urlaub. Ich hoffe, Du bist zufrieden?

Freilich, ST48 sind nicht abgrundtief häßlich. Hatte ich, denke ich, auch nicht anders beschrieben. Nur frontal sind ST48 zum Fotografieren ein Vollausfall, das mußte ich am folgenden (noch nicht beschriebenen Tag) gleich zu Beginn erleiden.

Ansonsten würde ich Dir widersprechen. Eine vortreffliche Zeit waren die im obigen Bericht beschrieben Tage bestimmt nicht. Nur aufgrund langjähriger Erfahrungen mit allen möglichen Negativerlebnissen ließen mich diese Tage ohne anhaltenden Groll überstehen. Nee, es war nicht lustig. Kein Wetter, hauptsächlich Einschränkungen durch die Obrigkeit und kein wirkliches Glück mit dem Drumherum. Nichts, was glücklich macht. Aber: solche Tage gibt es eben - und die Ziele hatte ich mir ja nun auch selber ausgesucht.


Grüße
217 055

von 217 055 - am 30.09.2014 20:36

Glückliche Zeit!

Hej 217 055,

ja, ich bin zurück. Donnerstag letzte Woche bin ich abends in Zwickau gelandet. Am Nachmittag des gleichen Tages konnte ich noch BR232-443-2 (EccoRail) und SU46-014 (mit -034) in wirklich geeigneter Weise drücken. Seit Sonntag Abend bin ich wieder in Hamburg und seit Dienstag arbeite ich wieder. Doch bereits am Samstag kommende Woche startet die Herbstreise mit meinem Freund Nico. Das Zielgebiet ist diesmal Inowroclaw-Bydgoszcz-Torun für sieben Tage. Wir lassen uns Zeit.

Rückblickend kann ich zu meinem Aufenthalt in Litauen und Polen nur sagen, dass es sich extrem gelohnt hat. Das gute Wetter spielte dabei eine wesentliche Rolle. Dass ich jedoch so viel erledigen konnte, hatte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt. Zum einen gab es ausreichend Zugangebot (vor allem mit Gagarin) von Suwalki bis Siedlce. Daneben konnte ich im Raum Tomaszow Maz. viel klären, also nicht nur die Loks der Quarzsandgruben, sondern auch M62-0837 und zwei ST43, umgeben von ansprechender Infrastruktur. Auf der ganzen Reise gab es lediglich eine einzige unangenehme Begegnung und diese gab es in LT-Pagegiai, also auch EU-Gebiet (Ohne meine Lageraufenthalte in Südrhodesien hätte ich das nicht überlebt!). Dagegen war der Verweis aus dem ehemaligen ZNTK Olesnica echt Kindergarten. Aber was soll´s, die Welt dreht sich dreht weiter ... !

Als Abschluss der Tour gab es noch einen Aufenthalt in Legnica, südlich davon auch etwas Schotterwahnsinn, ein Treffen in Milkowice und halt etwas Wegliniec, wie eingangs angedeutet. Ein kleiner Teil der Ausbeute wurde bereits bei der Filmentwicklungsanstalt aufgeliefert. Der Aufschrieb ist nennenswert, einschließlich der vielen wunderschönen Begegnungen mit den Menschen vor Ort. Ob es jedoch eine Wiedergabe hier im ""Mitleserforum" geben wird, bezweifle ich sehr.

Hab ein schönes Wochenende und sei herzlich gegrüßt!

Sven

von svoigt69 - am 04.10.2014 09:36

Re: Lageraufenthalt in Zimbabwe/Litauen?

Hey Sven,

schön, wenn es so gut bei Dir gelaufen ist. Wetter auch noch gut - wo warst Du da bloß? Kann mich im südlichen Deutschland seit Juni an keine drei stabilen und berechenbaren Tage hintereinander mehr erinnern. Das soll ja im Norden besser gewesen sein!

Kurze Frage noch zur "unangenehmen Begegnung". Was hatte man zu maulen? Oder eben, was hast Du gemacht und was haben dann "DIE" gemacht? "Südrhodesische Lager" kann ich nicht so einschätzen, hab selber keine Erfahrungen damit und kenne auch niemanden, der bisher davon berichten konnte.

Und dann in einer Woche schon wieder ein Aufbruch? (Na, aber holla, das wäre mir zu viel Gefahre.)
Was sucht ihr da im genannten Dreieck? Hauptbahnverkehr, Straßenbahnen, PESA oder was ganz anderes?


Grüße in den Norden
217 055

von 217 055 - am 04.10.2014 19:08
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