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Forum zu den Eisenbahnen in Polen
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vor 1 Jahr, 1 Monat
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217 055, Joachim Piephans, svoigt69

Spätsommerliches aus Polen (m21B insgesamt) Teil2

Startbeitrag von svoigt69 am 26.09.2016 20:26

Lieber Forumsteilnehmer,

nun schreibe ich an der Reiseerzählung einfach weiter, der heutige Abend ist günstig dafür. Außerdem hatte ich gestern einen schönen "Reichsbahntag" in und um Hamburg, gestützt durch tolles Wetter und die Protagonisten RBH 143 068 + 041, BBG 232 223 und CLR 155 103. Da fällt es einem leicht, am Thema Bahn weiter zu arbeiten.

Kurzer Rückblick auf Teil1: SU45-141 ist natürlich SU45-141, ich hatte mich da von der aktuellen Nummer des Triebfahrzeuges etwas irritieren lassen. Jens brachte es dann hinten rum auf den Punkt, danke nochmals für die Aufgleisung. Vergessen hatte ich die Erwähnung, dass im Bahnhof Pleszew Miasto gerade die alte Dreischienen-Arbeitsgrube komplett neu gebaut wird. Im Zeitfenster unseres Aufenthaltes machten Alex und Romek gerade Kaffeepause. Die zwei Ukrainer posierten gelassen für verschiedene Kameraeinstellungen, das Pausengespräch mit ihnen war extrem kurzweilig bis freundschaftlich.

Danke an die vglw. vielen Leser zu Teil1, Ihr seid echt die Größten, zumal ich mit Bildern echt sparsam bin.

Nun war also schon Samstag, der 10.09.2016, wie die Zeit doch verging. Von unserer Nachtbleibe ging es direkt nach Grabowno Wielkie, eine Art Schicksalsbahnhof an sich. Rocky hatte dem Lotsen die Waldfahrt bereits verziehen und so mussten Patrick und ich nicht lange warten, bis Rollgeräusche aus dem Norden zu vernehmen waren. Wir standen günstig und lösten des Morgens eine schöne Einfahrt mit RP M62M-002 am Ort. Der Tf-Ablöser stand bereits mit dem Sprinterdienst am südlichen Bahnübergang, wohin auch wir fuhren, um dort eine Standaufnahme zu generieren. Sie gelang. Später überholte dort ein EN57, dessen wahre Identität die Filmentwicklung lüftet. Absprachekonform machten wir uns vom Acker, denn in Twardogora sollte ein Kibel festgehalten werden. Doch zuvor mussten(!) wir uns erst ET22-1180 widmen. Sie stand da wie "Gekocht hab ich nichts, aber schau mal, wie ich da liege!". Gesagt, getan! Da das Empfangsgebäude gerade bewerkelt wurde und eigentlich gar keinen Eindruck zuließ, wanderte ich zum Stw und schwatzte mit den Mädels vom Dienst. So fuhren wir, nach Patricks Aufnahme und den frischen Informationen, vom Orte weg nach Krosnice. Hinter dem Bahnhofsplatz liegt eine Gänsefarm, die gerade zu reger Betriebsamkeit erwacht war, und das lag daran, dass der Meisterbauer gerade Futter vorbereitete. Da war das liebe Federvieh in Wallung und beschallte die Gemeinde. Nun ja, der Fdl war zugänglich und gesprächig, nix da von wegen "Za dwie godziny" und fertig waren wir. Den Auftakt lieferte uns DLA EUo7-423, unterwegs für Captrain, mit einem Containerzug im durchgehenden Hauptgleis. Buummm, das hatte gesessen. Nun war Trödeln auf der Tagesordnung, denn wir mussten Zeit haben und hatten sie ja auch. Zwischendrin fuhr Orion mit M62-7039 nach Norden, eine Art Ruhestörung für unser Verweilen am Ort und das damit verbundene Einfangen von Details, deren Gesamtangebot unerschöpflich erschien. Allein das Wiegehaus am Gleis 1a mit seinen schönen Durchsichten sorgte für viel Bereicherung in einer langsam laufenden Vormittagsstunde voller Entschleunigung. Aber unser Verweilen wurde belohnt, erneut schlossen sich die Schranken und aus Norden rauschte etwas heran. Klassisch, beinahe wie eh und je, kam die grüne ET22-989 mit einem Leerpark Eaos(s)-Wagen in die Ecke. Zusammen mit dem Empfangsgebäude fällt das Bild etwas auseinander, bildet aber dennoch eine harmonische Mitte. Wir packten zusammen und fuhren nach Grabowno Wielkie zurück. Wenig später drückten wir die ET22-989 dort erneut.

Da die Sonne 13:30Uhr "rum" war, brachen wir ab und verlegten über Bukowina erneut nach Krosnice. Die andere Gleisseite war nun im Visier, aber das schöne Bahnerwohnhaus am Nordkopf des Bahnhofes wollte nicht mit Zug gelingen. Es war einfach Pause. Also warteten wir weiter, ohne dem Fdl auf den Zünder zu gehen, und wurden dafür belohnt. Fast geräuschlos senkten sich die Schranken und von Norden rauschte etwas heran, wie das Rauschen eines Staubsaugers. Und dann betrat PMT M62BF-3103 die Szenerie. Sie schleppte einen Kesselzug von Poznan-Krzesiny nach Lubin Gorniczy. Viel Zeit bis zum folgenden Kibel blieb nicht, also blieben wir. Warum soll man ein gutes Motiv nicht wiederholen? Wir taten es und waren über die Ankunft von EN57-1440 sehr erfreut.

Der Sonntag (10.09.2016) begann dunstig an der Ortslage Bierutow. Patrick wollte dort einen Kibel drücken, unter dessen mir der Kaffee lieber war. Danach kontrollierten wir Olesnica und fuhren weiter nach Borowa. Borowa ist für uns beide so eine Art Mekka. Wer hier empfängt, muss auch geben. Und so traf es sich erneut, dass ich die Fdl-in besuchte, während Patrick unten blieb und die Schranken sich senkten. Die gewünschte Information hatte die gütige Frau leider nicht, aber dafür jede Menge hilfreiches Beiwerk. Jenes trat dann auch sofort an, auf den fahrdienstlichen Monitoren durfte ich mein "Unglück" kommen sehen. Von brachialstem Morgenlicht konfrontiert, fuhren eine DLA ET21 mit arbeitender M62-1200 dahinter durch den Bahnhof. Was für ein Bild! Es mir hinterher digital ansehen zu dürfen, tröstete wenig bis gar nicht. Es folgten wenig später ET22-1104 sowie ET22-844 mit schönen Zügen. Zwei Kibel folgten auch und mit einem davon entschwand Patrick nach Oberschlesien. Ich drückte noch RP M62M-007 und fuhr nach Grabowno Wielkie.

Nun, wenn der Wurm drin ist, ist er drin, schlampig geputzte Pilze können das bestätigen. In der Anfahrt auf Grabowno murmelte ich in der letzten Kurve vor dem BÜ "Bitte seid oben!" vor mich hin und meinte damit die Schrankenbäume. Aber wie ich die Kurve passierte hatte, wippten sie ein letztes Mal und blieben liegen, unter dessen PMT M62-1793 die Abfahrt antrat. Nicht, dass ich die Lok nicht mehrfach gut hätte, nein! Aber der Zug hinter ihr, braune zweiachsige Bunkerwagen, brachte mich in diesem Moment des Verlierens doch der Verzweiflung nahe. Im Außenbogen mit der langen Leine am Haken wäre es einfach ein grandioses Bild gewesen. Aber Schwamm drüber! ET22-997 spielte wenig später den Tröster und die Bewohner des Bahnhofes luden meinen Akku für die Rolleiflex 6008 auf.

Nächster Ankerwurf erfolgte in Dobroszyce. Dort gab es bisher noch gar kein Bild und für mich waren die Silos rechts vom Gleisfeld einfach ein Muss. Nach ein paar Handgriffen "Vegetationskontrolle" hieß es dann warten, einen Kaffee aufsetzen, Sonnencreme auftragen, Nase ins Buch stecken, Birnen essen, warten ... bis endlich ET22-117 die Bühne betrat. Perfekt, großer Dank an den Gleichgang aller Umgebungsvariablen! Da M62Ko-684 angekündigt war, blieb ich am Ort des Erfolges. Aber es folgten nur noch EN57-2057 und EN57-1034, bevor ich nach Jawor fuhr. In den knapp 60 Minuten dorthin spielte der Kopf verrückt, machte alle möglichen Projektionen, denn Markus hatte am Tag davor dort BR232-408 fotografiert und morgens gegen acht war sie immer noch da. Nun ja, die fahrdienstlichen Auskünfte in Jawor waren semantisch sehr weiblich, fast etwas zu freundlich und vor allem eindeutig. 12Uhr war das Aas abgefahren und ich ließ den Tag einfach gehen, nicht jedoch, ohne in der besten Futterausgabestelle (kg Hausmannskost pro n x ztl) in Jawor anzulegen.

Mein Montag begann in Kam Zab. Nach der Morgentoilette im Freien wurde der erste Kaffee genossen, die Vögel waren schon aufgestanden und es versprach, ein schöner Tag zu werden. Achtung, ich meine wirklich die Vögel und nicht verkleidete Menschen, die Schülerlotsenwarnwesten über schwarzer Uniform tragen ;). Das sollte man heraus stellen dürfen, wenn doch bekannt ist, wer sich in KamZab gern Schlachten liefert. Orions ST43-2335 stand derweil passend auf der Wroclawer Bahnhofseite. Ich wartete einfach den richtigen Sonnenstand und eine schattenfreie Lokfront ab, um das Gefährt passend mit den Wassertürmen festzuhalten. Mit von der Partie war SM42-2223. Die herumstehenden Kutscher waren allesamt gut drauf und so konnte bei "papierosy w gronie przyjaciół" schon mal die Dispo in Sachen Be-Erka antelefoniert werden. Interessant könnte sein, dass von vier Kollegas drei telefonierten, natürlich zugleich, und alle drei im Nachhinein Informationen darlegten, die eine wahre Matrix ergaben. Die polnische Matrix ist außerdem total komplex. Ich hab das Ganze dann interpoliert, demnach würde es also am Donnerstag in Jawor krachen. Was also machen bis dahin? Danke und weiter, nochmals danke im Stillen!

In PG gab sich dann M62Ko-684 die Ehre, deren alte Drehgestelle übrigens bei Depol vor sich hin lagern. Oben im Kopalnia traf ich DLA SM42-2612 und Ciech T448p-051. In (Bardo-) Przelek rangierte eine wunderbar betrieblich angeblichene 401Da-470, während der Kontrollblick in Klodzko gar nichts ergab. Oben in SS war Orions SM42-2553 fleißig am Hobeln, rein und raus, immer wieder, um mir eine Einstellung nach der anderen zu ermöglichen. Danke auch an die Frau, die ich beim Wäsche aufhängen fotografieren durfte. Oben in Slupiec (damit meinen sie Slupiec und nicht Nowa Ruda) hatte PKP C bereits vorgearbeitet und eine lange Peitsche mit Ladung hingestellt. ST44-1220 und -1235 waren dafür eingeteilt. Zum Glück nichts Privates, denn die Sonne stand hoch und um diese Tageszeit sind Farben schwer zu trennen. Die -1220 kam dann vor SS in einer Kurve mit Gebirgsblick auf den Film, bevor ich eine Korridorfahrt über Tschechien nach Kamienna Gora antrat. Unterwegs gab es Essen und Proviant, auch gegen die seit April 2015 im Auto lagernden Kronen. In Kamienna Gora angekommen, fuhren gerade ST44-1246 und -1215 mit einem Schotterzug aus. Der Fdl "Marke Golem" war zu keinerlei Kommunikation bereit, aber das störte nicht weiter. In Sędzisław hatte die Fuhre zweifache Überholung. So wartete ich einfach bei Witkow in der Steigung, mit der schönen Kulisse des Ortes im Hintergrund, was nur am Nachmittag geht. Schnell war die Fuhre keinesfalls, zum Schwung holen fehlte jede Chance. Aus dem Stand ab Sędzisław? Prost Mahlzeit :cheers:! Hinter Witkow verendete der Zug in der Steigung auf Gorce zu, fing sich wieder, aber die -1215 musste mehr husten als kämpfen. Nach diesen beiden Szenen war der Tag gelaufen, aber dies nur sachlich.

Den emotionalen Höhepunkt lieferte zweifelsfrei das Gespräch mit dem Dyspozytor in Walbrzych. Ich fragte auf Polnisch und der spitzbübisch dreinschauende, ältere Herr antwortete auf Deutsch. So rieben wir uns eine Weile aneinander, mit viel Lächeln und diesen typischen Bemerkungen wie nebenbei, die das Leben so reich machen. Kein Bild, kein Kalender waren nötig, um die informative Unterhaltung in Gang zu bringen. Mir ging es um die Leistungen der ST43 / ST44 für den Folgetag und am Ende war alles gesagt und alles erfahren. Für diese segensreiche Begegnung habe ich dann später einen Vers extra aufgesagt, während die Sonne letztmalig an diesem Tag Walbrzych streichelte. Als ich geduscht war, war es bereits dunkel. Teile des Proviants aus der Korridorfahrt konnten nun auf der Balkonterrasse meines Zimmers genossen werden. Von den nächsten Tagen erfahrt Ihr in den nächsten Tagen.

Danke bis hierher für Eure Aufmerksamkeit. Im folgenden Teil gibt es dann auch wieder "Schüsse".

Habt eine gute Nacht; dobranoc!

Sven

Antworten:

Aber, warum denn??

Na, da bin ich doch froh, Obermuchel, Deinen Beitrag in der extrem kurzen Zeitspanne zwischen Speichern und Löschen "erwischt" zu haben. Weiß jetzt zwar nicht, was dich zum Rückzug bewogen hat, aber deine Hinweise auf ČKD-Produkte in künftig möglichen Diensten jenseits der Sudetengrenze sind ja auch für andere Foristen interessant - jedenfalls für die kleine Schnittmenge der Liebhaber sowohl jener Maschinen als auch jenes Berglandes, zu beiden rechne ich mich.

Also, wenn Du mehr als Spurenelemente in diese Richtung anzubieten hast, dann nur zu und hier im Forum dargelegt. Wäre doch schön, wenn auch andere an solchem Wissen und den Möglichkeiten fotografischen Tuns teilhaben könnten!

Grüße,
Joachim

von Joachim Piephans - am 27.09.2016 09:14
Grüß Dich Sven,

ich bin zwar zur Zeit nicht in der Lage, mal so richtig mit Ruhe und Karte Deinen (Euren) Weg nachzuverfolgen, das alleinige Lesen aber war schon mal sehr erfreulich. Schwerpunkte, Inhalte, emotionale Bezüge zum Suchen und Entdecken und vor allem Dein Blick auf die so wesentlichen Details, die auch als Stilleben genau das ausmachen, wofür der Anblick einer bestimmten Region oder auch Zeit so stehen kann. Also all das, was entscheidend ist in seinem Sein oder Verschwinden, um einen Aufenthalt dort angenehm oder aber weniger angenehm zu machen.


Vielen Dank vorerst
217 055

von 217 055 - am 27.09.2016 19:15
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