Schmalspurig durch Ungarn

Startbeitrag von Andi F am 17.10.2009 09:18

Moin,

diese Woche habe ich unter anderem an den ungarischen Schmalspurbahnen verbracht. Die baldige Stilllegung hat mich dann jetzt doch mal zu einem Besuch bewogen, so das ich im Anschluss an ein paar Tage Slowakei dort noch hingefahren bin (mit dem Zug natürlich). Das Wetter war hochgradig bescheiden, aber ansonsten ein einmaliges Erlebnis! Bei Interesse kann ich ggf. noch ein paar Bilder nachreichen sobald diese in digitaler Form vorliegen.

Zunächst sollte (nachdem ich mir eine Nutzung einer Verbindung über den Grenzübergang Lenartovce-Banreve gegeben hatte) die Bahn ausgehend von Nyiregyhaza besucht werden:

In Nyiregyhaza wird der Betrieb trotz der verkürzten Streckenlänge weiterhin mit zwei Garnituren bestritten, gekreuzt wird in Buj. Zum Einsatz kommen Züge mit zwei Wagen. Holzklasse und Ofenheizung haben mich wirklich begeistert, so manchen Einheimischen offensichtlich auch, konnte regen Kohlenklau beobachten. Fahrgäst sind überwiegend auf den Abschnitten Nyiregyhaza NyK-Nyiregyhaza-Vasarter sowie Herminatanya-Buj anzutreffen.

Der Oberbau der Strecke ist ziehmlich fertig, die Schwellen überwiegend morsch, gebrochen oder ohne Schrauben. Dementsprechend gestaltet sich auch die Höchstgeschwindigkeit, 20km werden nicht überschritten, teilweise nur Schrittgeschwindigkeit. Die 23km werden in sensationellen 1h 40min bewältigt. Die Ortsdurchfahrt Kotaj ist weiterhin sehr interessant.
Am jetztigen Endpunkt in Herminatanya wird das Gleisdreieck zum Wenden der Lok benutzt, anschließend verzieht sich das Personal für den Rest der großzügig bemessenen Wendezeit ins Bahnhofsgebäude zu einem Nickerchen. Neben dem regulären Zug stand eine C50 nebst Baufahrzeugen herum.

Im Bw werden auch weiterhin Arbeiten an den Fahrzeugen ausgeführt, ein Personenwagen fand ich frisch gespachtelt und bereit zum Lackieren vor. Ein anderes eingesetztes Fahrzeug hatte laut Anschriften auch erst diesen Sommer eine äußerliche Auffrischung (in einem dunkelgrünen Lack) erhalten.

Nach diesem Besuch ging es weiter zur zweiten, noch von der MAV betriebenen Schmalspurbahn:

In Kesckemet gestaltete sich schon die Suche nach dem Kleinbahnhof nicht ganz einfach. Am "großen" Bahnhof angekommen, gedachte ich die Strecke fix zu Fuß zurückzulegen, wollte mich aber sicherheitshalber der Richtung vergewissern. Ich kam mir vor wie bei der Suche nach dem Gleis 9 ¾, es stellte sich heraus das offensichtlich niemand etwas von einem zweiten Bahnhof weiß, ein Busfahrer war fest überzeugt "hier gibt's nur einen Bahnhof!", ob der Fahrplan, den ich zur Bekräftigung in der Hand hielt, denn auch wirklich für Züge galt und nicht für Busse? Nach ein bisschen herumirren konnte ich Kesckemet KK jedoch dann schlußendlich doch finden. Logisch das ich unter diesen Umständen der einzige Fahrgast war.

Die zweieinhalbstündige Fahrt im kombinierten Sitz-/Packwagen nach Kiskörös (54km) sollte ein paar Überraschungen bereithalten: Zunächst ging es aber erstmal eine Weile auf ausgefahrenen, kiesgebetteten Gleisen durch die platte Puszta. Streckenweise hat die Bahn eher den Charakter einer Feld- oder Waldbahn. In Orgovany stieg sogar noch eine Frau mit Einkäufen zu. Nach knapp 40km fand die Fahrt jedoch mitten im Nichts ein plötzliches Ende.
Der Zug hielt an und es machte sich verdächtige Stille breit. Ein Blick aus dem Fenster: die Maschine war aus, der Lokführer hatte bereits eine Klappe geöffnet und telefonierte. Zunächst blieben im Wagen alle gelassen, der Schaffner legte sicherheitshalber mal noch ein paar Kohlen auf. Nach einer Weile kam die Statusmeldung des Lokführers: „Lokomotive kaputt!“ Prima. Ich holte meine Fahrzeiten raus und fragte, ob man es denn bis 18 Uhr noch bis Kiskörös schaffen würde? Immerhin gebe es da einen Nachtzug in Budapest zu erwischen, sonst würde es spannend werden, wieder nach Deutschland zu gelangen. Er lächelte und schrieb eine 19 daneben, vorher nicht. Eine Ersatzlok war offenbar unterwegs, aber bis die eintreffen würde... die Frau hatte unterdessen auch telefoniert und deutete mir mitzukommen. Da mit dem Zug wohl kein weiterkommen mehr möglich war, hieß es eben aussteigen. Wir ließen die Eisenbahner zurück und liefen zu Fuß weiter, mit einem Kartoffelsack unterm Arm stiefelte ich der Frau auf den Schienen hinterher. Gut zwei Kilometer legten wir so zurück, bis an einem Bahnübergang ein Auto angeschleudert kam, das sie organisiert zu haben schien. Über irgendwelche Sandstraßen gelangten wir schließlich in eine Ortschaft. Die Frau und ihre Freundin stiegen aus während ich den Fahrer zu überreden versuchte, mich bis nach Kiskörös zu bringen. Er versicherte mir, dass es um 19 Uhr einen Bus gebe, das sei aber zu spät, meinte ich. Letztendlich kürzte ein 10 Euro-Schein die Diskussion ab und nach weiteren 15min Fahrt erreichten wir den Bahnhof Kiskörös, noch gut in der Zeit um meine Fahrt wie geplant forzusetzen...

Es blieb sogar noch ein Augenblick Zeit die zur Überladerampe umgebaute Rollwagengrube zu besichtigen. Ist von den Rollfahrzeugen irgendwo eines erhalten geblieben bzw. gibt es auch Aufnahmen vom Rollwagenbetrieb?

Schade das es mit diesen Bahnen bald vorbei sein wird, wobei es aber eigentlich viel verwunderlicher ist, dass sich die MAV diesen Betrieb noch so lange geleistet hat. Gibt es irgendwelche Konzepte zur Fortführung eines Betriebs eventuell mit Museumscharakter?

Gruß

Andi

Antworten:

Zitat
Andi F
Ist von den Rollfahrzeugen irgendwo eines erhalten geblieben bzw. gibt es auch Aufnahmen vom Rollwagenbetrieb?

Eine Rollwagen rostet ingendwo am Bhf Kecskemét-KK.

MfG


von CZZF50 - am 20.10.2009 12:35

? Fahrplan Nyiregyhaza

Hallo Andi,

vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht. Als wirklich liebenswerte Betriebe habe ich die ungarischen Schmalspurbahnen vor einigen Jahren auch kennenlernen dürfen. In Kecskemét-KK zog man für meinen Vater und mich (unaufgefordert!) die Dampflok aus dem Schuppen und erzählte uns, dass man sie am kommende Tag auch einsetzen würde. Ich denke gerne an die Tage in Ungarn im Herbst 2002 zurück.

Kannst Du mir helfen, den aktuellen Fahrplan von Nyiregyhaza zu finden? Kisvasut.hu kennt ihn nicht. Dieses Netz haben wir damals leider nicht besucht, was ich heute zutiefst bedaure, zumal es jetzt ja nur noch eine Strecke ist... Trotzdem würde ich das zu gerne vor der möglichen Einstellung noch nachholen.

Viele Grüße
Julian

von J.N. - am 20.10.2009 21:05

Re: ? Fahrplan Nyiregyhaza

Seite 2 hier:

[www.mav.hu]

MfG


von CZZF50 - am 20.10.2009 22:33

...und in der Gesamtübersicht

Moin,

der Vollständigkeit halber hier die oben verlinkte Kursbuchtabelle in der Gesamtübersicht:

[[url=http://www.mav.hu/utasok.php]Kursbuch MAV[/url]]

Dabei läßt sich das Angebot auch noch mit der bis Mitte September gültigen Fahrplanausgabe vergleichen.

Ja, die Bahnen sind wirklich vom allerfeinsten. Abseits der Eisenbahnromantik ist eine Einstellung aber auf der anderen Seite nicht besonders verwunderlich, die tatsächliche Bedeutung für den öffentlichen Transport hält sich zwischenzeitlich in engen Grenzen. Bei der Bahn ausgehend von Kecskemet würde es mich aber interessieren wie die im Anschluss an die Einstellung angebotenen Alternativen aussehen sollen. Die Straßen machten keinen besonders leistungsfähigen Eindruck...

Gruß

Andi



von Andi F - am 21.10.2009 12:16
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