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vor 3 Jahren, 1 Monat
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s-lin

[RO][MD][UA] Heißer August im Osten, Teil 6

Startbeitrag von s-lin am 28.12.2014 12:27

Привіт (Pryvit) Hobbykollegen,

wie versprochen geht jetzt in die Ukraine, genauer gesagt zur Odessaer Eisenbahn.

Am 13.08.2014 reisten wir von Moldawien kommend über den Grenzübergang Тудора/Старокозаче (Tudora/Starokozatsche) in die Ukraine ein. Die Prozedur dauerte eine gute eine Stunde. Bei der Ausreise aus Moldawien wird insbesondere die Gültigkeit der Vignette kontrolliert. Sowohl bei der Einreise als auch bei der Ausreise gilt die Prozedur, dass man am Eingang zur Kontrollstelle einen Zettel erhält, den anschließend der Zoll und die Grenzpolizei abstempeln müssen. Nur mit diesem Zettel kann man aus den Grenzanlagen wieder ausfahren. Die Einreise mit einem KfZ nach Moldawien und die Ukraine erfordert übrigens zwingend, dass das Fahrzeug gemäß Fahrzeugschein auf den Fahrer oder einen Mitreisenden zugelassen ist. Außerdem ist eine gültige grüne Versicherungskarte erforderlich.

Auf der ukrainischen Seite herrschte geschäftiges Treiben. Wir sahen unter anderem eine beachtliche Gruppe Grenzschützer im Tarnanzug, die gerade von einer Patrouille zurückkamen. Auch eine schöne Dame war dabei, das Gewehr lässig über Schultern gehängt. Die Vorzeichen verkündeten also einen spannenden Aufenthalt.

In der Ukraine ist die Benutzung der Straßen übrigens kostenlos. Die Straßenqualität ist dafür streckenweise einfach grauenhaft. Es gibt zwar einige hervorragende Straßen, aber eben auch zahlreiche Abschnitte, wo man mit maximal 20 km/h vorankommt. Besonders schlimm sind die an sich guten Straßen, auf denen unvermittelt Schlaglöcher oder blow ups auftreten. Dies ist vor allem bei den Straßen mit hohem Lastwagenverkehr der Fall, und abruptes Abbremsen verbietet sich meist auch, da die LKW ohnehin dicht auffahren. Aber wo ein Wille ist, findet sich bekanntlich auch ein Weg.
Am 13.08.2014 mussten wir uns erst einmal akklimatisieren. Wir fuhren über Білгород (Bilgorod) und den Badeort Затока (Zatoka) Richtung Odessa. In Затока (Zatoka) herrschte lebhafter Badebetrieb, von der politischen Krise zeugten lediglich an wichtigen Kreuzungen einige improvisierte Kontrollposten. Diese bestehen aus einem Zelt, rundrum geschützt mit aufgeschichteten Sandsäcken. Auch ein kleiner Panzer sowie zahlreiche Panzersperren gehört zur Ausstattung. Es kann also binnen kürzester Zeit der gesamte Verkehr angehalten werden. Anhaltungen einzelner Fahrzeuge fanden aber soweit ersichtlich nur sehr selten statt.

Es existiert dort eine sagenhafte kombinierte Eisenbahn-Straßen-Brücke, die überdies für den Schiffsverkehr hochgezogen werden kann.

[trainpix.org]

Wir fuhren weiter an Odessa vorbei Richtung Миколаїв (Mikolaiv). Dort unterhält die Odessaer Eisenbahn ein großes Dieseldepot (das TЧ8). Dort befinden sich zahlreiche Zehner, und zwar solche mit dem brachialen Gegenkolbenmotor 10D100. Man unterhält die Baureihen 2TЭ10M und 2TЭ10УT, wobei die jüngeren 2TЭ10УT vorwiegend vor den Personenzügen zum Einsatz kommen.

Am 14.08.2014 machten wir die Strecke von Миколаїв (Mikolaiv) Richtung Norden unsicher. Diese führt bolzgerade durch unspektakuläre Landschaften. Sie weist aber einen dichten Personen- und Güterverkehr auf. Nach Sonnenaufgang postierten wir uns auf einer Straßenbrücke. Leider waren uns aber nur zwei Aufnahmen dort vergönnt. Es kam die Polizei, übrigens mit einem nagelneuen Toyota Prius (der mit dem Elektrohybrid). Die beiden jungen Beamten stellten schnell fest, dass wir keine Separatisten sind, belehrten uns aber, dass wir nicht fotografieren sollen. Wir verzogen uns natürlich, und postierten uns auf einem Baum. Dort waren einige Sägearbeiten zu leisten, und Klaus bekam leider auch einen Ast ab. Für einen Schnellzug fuhren wir zu einer anderen Straßenbrücke nahe Миколаїв (Mikolaiv), und nach einem schnellen Bild verdrückten wir uns wieder.
Später fuhren wir weiter nach Norden. Das Thermometer markierte mittlerweile 42 Grad im Schatten. Trotzdem erklomm ich ein verlassenes Bahnwärterhäuschen. Nach einem schönen Foto und Video einer hart arbeitenden 2TЭ10M mit langem Güterzug kam ein Zivilist auf dem Motorrad und teilte mit, dass er für die Sicherheit an der Strecke zuständig sei. Wir trollten uns. Es kam aber nur noch ein Д1 (D1) durchgefahren, den wir mit einer urigen BÜ-Szene umsetzten.

Für den nächsten Tag hatten wir uns die Strecke Миколаїв (Mikolaiv)- Снігурівка (Snihurivka)- Апостолове (Apostolove) ausgesucht. Dorthin versuchten wir über die Straße T15 09 zu gelangen. Die Straßenkarte versprach eine dicke gelbe Straße. Die Gegend war aber sehr verlassen. Einige Kirchen- oder Synagogenruinen in halben Geisterortschaften, die auf der Karte nicht verzeichnet waren, stimmten uns nicht optimistischer. Plötzlich verengte sich die Straße auf Grund Gestrüpps auf die Breite eines Pfades. Über zweifelhafte Feldwege gelangten wir schließlich zu einem großen Entwässerungskanal. Diesem folgten wir auf abenteuerlichen Betonplatten für 24 km Richtung Süden und erreichten die Hauptstraße nach Снігурівка (Snihurivka). Unweit Снігурівка (Snihurivka) stellten wir dann das Zelt in der Nähe der Eisenbahn auf, um zu hören, wie es um den Güterverkehr bestellt ist.


Dо Побачення (Do Pobachennya)
ste


Das passende Video ist seit gestern auch online (über meinen youtube Kanal bis zu full HD 1080p).
Mein youtube-Kanal ist ganz einfach durch Klicken auf den Werbebanner am Ende des Bildbeitrages erreichbar.






Bild 1:
Am Morgen des 14.08.2014 postierten wir uns an der Strecke Миколаїв (Mikolaiv)- Долинська (Dolynska) auf einer Straßenbrücke unweit Миколаїв (Mikolaiv). Die Motividee ist von Heiko Rüdiger (Fern-Express Nr. 117, I/2014) abgekupfert. Nach dem Bild untersagte uns die Polizei die Hobbyausübung an dieser Stelle.



Bild 2:
Die Südukraine ist flach wie ein Brett. In einer wilden Baumreihe entdeckten wir einen kletterfähigen Baum. Von dort konnte 2TЭ10M 2653 mit einem schönen gemischten Güterzug interpretiert werden.



Bild 3:
Auf der Achse Миколаїв (Mikolaiv)- Долинська (Dolynska) herrscht ein annehmbares Nahverkehrsangebot. Der täglich eingelegte Personenzug No. 6314 Миколаїв (Mikolaiv)- Долинська (Dolynska) war am 14.08.2014 aus dem adretten Д1 717 gebildet.



Bild 4:
Für den Schnellzug No. 101 Херсон (Cherson)- Київ (Kyiv) verlegten wir uns näher zum Stadtgebiet Миколаїв (Mikolaiv). Dort wurden wir für unsere Mühen mit einer schönen Ansicht der 2TЭ10УT-0032 (Б-A) mit ihrem edlen Schnellzug belohnt. Danach verzogen wir uns schnell wieder von der Böschung der Umgehungsstraße.



Bild 5:
In Грейгове (Grejgove) entdeckten wir einen schmucken Landbahnhof. Dort warteten wir auf den Schnellzug No. 61 von Moskau nach Херсон (Cherson), der am 14.08.2014 von 2TЭ10УT 0018 gezogen wurde.



Bild 6:
Die von Bild 2 bekannte 2TЭ10M 2653 auf dem Rückweg nach Миколаїв (Mikolaiv). Wir sehen, dass die Güterzüge vornehmlich von den 2TЭ10M, die Personenzüge von 2TЭ10УT gefördert werden.



Bild 7:
Über das Wetter konnten wir uns nicht beklagen. Gerne hätten wir ein paar Grad Celsius ins verregnete Deutschland abgegeben…



Bild 8:
Bei Баштанка (Bashtanka) bot ein verfallenes Bahnwärterhaus eine Möglichkeit, einen erhöhten Standpunkt einzunehmen. Von dort gelang der Blick auf 2TЭ10M 2746 mit ihrem Güterzug Richtung Долинська (Dolynska) recht eindrucksvoll.



Bild 9:
Danach herrschte Sendepause, und wir ließen den anstrengenden Fototag mit Д1 717 1/3 als Personenzug No. 6315 Долинська (Dolynska)- Миколаїв (Mikolaiv) beim BÜ Km 168 Баштанка (Bashtanka) ausklingen.


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