Ein europäischer Dieselurlaub (m 12 B)

Startbeitrag von kmw am 19.05.2015 08:06

Ich weiß jetzt nicht, in welches Unterforum der Beitrag genau reinpassen könnte, da der "Polen-Anteil
aber am Größten ist, wähle ich mal dieses hier. Man möge mir verzeihen, wenn es nicht paßt. ;)

Hallo zusammen!

"Europa ist doch nur ein Dorf" - unter diesem Motto startete mein diesjähriger Jahresurlaub am 17.04.2015.
Nicht weniger als neun Länder wurden bereist! Mein Kumpel und Kollege Matthias war die ersten 4 Tage sowie
die letzten 3 Wochen mit von der Partie.
Los ging es mit einer Kreuzfahrt durch Slowenien und dem Norden Kroatiens, das englische Reiseunternehmen
"ptg-Tours" veranstaltete hierzu eine dreitägige Dieseltour, wo vorrangig eine kroatische GM-Lok der Reihe
2062 zum Einsatz kam. Diese Loktype, die sich vom Klang her wie eine NOHAB-Lokomotive anhört, wird seit zwei
Jahren nur noch im Güterverkehr eingesetzt. Das Wetter war an diesen 3 Tagen zweigeteilt, während es am 2. und
3. Tag recht sonnig war, war es zum Start mehr als nur ungemütlich. Dauerregen, Wind und ungewöhnliche Kälte
sorgten doch für einigen Unmut, da die Fenster meist geschlossen gehalten werden mußten. Zudem funktionierte
bei der 2062, die ab der slowenisch/kroatischen Grenze unseren Zug beförderte, die Zugheizung nicht. Zwar
wurde sie auf einem Bahnhof, wo die Fahrtrichtung gewechselt wurde, durch einen herbeigerufenen mobilen Repara=
turtrupp zunächst wieder flottgemacht, es dauerte aber nicht lange bis die Anlage wieder streikte. So wurde
es im Zug wieder sehr frisch. Und dann fing es am Nachmittag in den etwas höher gelegenen Regionen auch noch
an zu schneien!

18.04.2015 , bei Malo Hudo , 2062.024 mit Sdz 15700 Durmanec - Ljubljana

Nach der ptg-Tours-Sonderfahrt blieb ich gleich in Slowenien, während mein Kumpel zurück nach Mühldorf mußte -
wegen 3 (!) Schichten. Wie schon im letzten Jahr so oft, zog es mich auch diesmal wieder an den Streckenab=
schnitt Borovnica - Rakek, der noch immer mit Dieselloks betrieben werden muß. Allzu lang wird es jedoch nicht
mehr gehen, dann läuft der Betrieb wieder durchgehend elektrisch. In der zweiten Aprilhälfte war der Viadukt
in Borovnica frei von Fahrleitungsmasten, die Fundamente für die neuen Masten waren da gerade im Bau. Ohne
die "störenden" Masten sieht das Bild gleich viel schöner aus. 664 119 läßt sich mit einem Zug zu Tale rollen.

22.04.2015 , Borovnica , 664.119 mit Güterzug gen Ljubljana


Mit einem "Umweg" über Mühldorf ging es nun wieder zu zweit weiter zum nächsten Ziel Ungarn. Zum Überbrücken
eines mit viel Fahrerei verbundenen Tages ging es für ein paar Stunden an die Franz-Josefs-Bahn. Dort sollten
eigentlich überwiegend 1142er die Dostozüge zwischen Wien FJB und Krems befördern, es lief an diesem 25.04.2015
jedoch nur eine, dafür aber eine der nur noch in wenigen Exemplaren vorhandenen blutorangenen Lackierung.

25.04.2015 , Hadersdorf am Kamp, 1142 682 mit R 7118 Wien FJB - Krems

In Ungarn blieben wir dann zwei Tage. Das Wetter wollte es so. Die Einsätze der BR 232 vor IC-Zügen zwischen
Csorna und Szombathely neigen sich unaufhaltsam dem Ende entgegen, die Elektrifizierung der Strecke ist in
der Endphase und soll in den nächsten Wochen in Betrieb gehen. Ich war ja bereits zweimal an der Strecke,
nur mein Kumpel halt noch nicht. Mir ging es in erster Linie noch um ein paar Blütenmotive, hauptsächlich
die zahlreichen Rapsfelder, aber auch das Blumenkistenmotiv in Csanig wollte ich unbedingt nochmal MIT Licht
von oben umsetzen, was letztlich auch gelang.

27.04.2015 , Csanig , 651 002 (ex DB-232 543) mit IC 922 Budapest - Szombathely


Danach ging es zu einer weiteren Veranstaltung in die Slowakei. Dort waren für den 01. und 02.05.2015 Fotogüter=
züge mit der 751 131 geplant, die Lok hat noch die frühere klassische CSD-Lackierung in rot/gelb. Die Organisa=
toren hatten sich alle erdenkliche Mühe bei der Planung gemacht, auch die Teilnehmergruppe paßte hervorragend
zusammen (durchweg Fotografen mit motivlich hohen Ansprüchen), nur das Wetter wollte mal wieder so gar nicht.
War es am 01.05. zumindest bis zum Nachmittag noch trocken, drehte Petrus seine Schleusen in der Folge mal mehr,
mal weniger auf. Erst als sich die Veranstaltung dem Ende näherte, gab es zumindest ein paar Lichtblicke. MURPHY
schlug aber auch da noch teils erbarmungslos zu, so auch kurz vor dem letzten Wendebahnhof des Zuges in Velke
Uherce, wo kurz vor Erreichen des Zuges am Motiv die Sonne verschwand. Zu allem Überfluß verabschiedete sich bei
der Fahrt zum Motiv noch der linke Vorderreifen, es war Samstagabend kurz vor 18 Uhr ...

02.05.2015 , Pazit , 751 131 mit Fototzug Horna Stubna - Velke Uherce


Die Reifenpanne hatte natürlich Folgen für die weitere Reiseplanung. So sollte es am Folgetag eigentlich weiter
gehen zum nächsten Ziel, dem Baltikum. Das Ersatzrad war schnell gewechselt, aber wo zum Samstagabend noch ein
neues herbekommen? Es wurde nicht lange überlegt, sondern ein Umweg über die alte Heimat in Kauf genommen, Zeit=
verlust ein halber Tag, aber immerhin wieder korrekte Bereifung. Von meinem alten Auto hatte ich noch ein neuwer=
tiges Paar behalten und in der Garage gelagert und einen eigens als Ersatzrad genommen. Nachdem die Geschichte
gegessen war, ging es nun zielstrebig in den Nordosten. Längere Pausen werden dabei generell auf Bahnhöfen gemacht
und nicht irgendwo an einer lauten Straße. So ging es in Ostroleka "auf den Rand". Als wir am Bahnhof ankamen,
erblickten wir von weitem schon eine TEM 2. Na Klasse, das paßt doch, zum Pausemachen ein bißchen Schiffsdiesel=
Sound. Dachten wir. Weit gefehlt - die Lok stand im Dreck, sie hatte einen Prellbock niedergewalzt. Das Personal
war noch an der Lok, das muß wohl kurz davor passiert sein.

04.05.2015 , Ostroleka , TEM2-222 "im Dreck"


Für eine weitere Überraschung sorgte an diesem Tag ein ehemaliger deutscher Triebwagen. Bei der DB ausgemustert,
verdient sich 627 101 in Polen weiter seine Brötchen.

04.05.2015 , Ostroleka , 627 101 bei Zugwende



Erstmals bei unseren bisherigen Baltikum-Reisen sollte auch in Litauen mal die Eisenbahn dokumentiert werden.
Bislang waren wir da (mit einer Ausnahme in Sestokai) immer durchgefahren, schon allein um kein Geld umtauschen
zu müssen. Seit Januar ist dies ja nun hinfällig, da auch hier nun der Euro gilt. So interessant wie Lettland
ist Litauen jedoch nicht. Im Güterverkehr dominieren Neubauloks aus deutscher Produktion (ER 20). Die noch einge=
setzten "Doppelwummen" vom Typ 2M62 sind remotorisiert, auch die rot/weiße Lackierung gefällt mir persönlich
nicht so sehr. Im Reiseverkehr, der im Dieselabschnitt eher dünn gesäht ist, kommen z.T. auch lokbespannte Züge
zum Einsatz. Dies betrifft vornehmlich die Schnellzüge der Relation Vilnius - Klaipeda. Diese Schnellzüge werden
mit der Reihe TEP70 befördert, eine Lokomotive, die bis ins Jahr 2006 speziell für den Reisezugverkehr gebaut wurde.
Eine modernisierte, als TEP 70 BS bezeichnete Lok, trafen wir gleich zu Beginn unseres kurzwährenden Litauenbesuchs
kurz vor Kaisiadorys an.

05.05.2015 , nahe Kaisiadorys , TEP70BS-005 mit D 18 Klaipeda - Vilnius



Bereits am Folgetag ging es weiter nach Lettland, das Wetter hatte sich eh wieder zum Schlechten gewandelt. Hier
wollten wir zunächst die Strecke Jelgava - Ventspils mal abgrasen, da wir hier noch nicht waren. Jedoch wurden wir
von mangelnden Zügen überrascht, eigentlich ist es eine der Hauptabfuhrstrecken Richtung Ostseehäfen. In fast
fünf Stunden kamen ganze 3 Züge, und die auch noch alle gen Osten. So fiel die Entscheidung, gleich weiter ebenfalls
Richtung Osten abzudrehen. Der im November 2014 zweigleisig in Betrieb gegangene Abschnitt Skriveri - Krustpils
stand eh auf meiner Planung, hier wollte ich die Veränderungen dokumentieren. Am sonnigen 09.05.2015 erwischten
wir dabei sogar eine Einzelwumme, die wenigen noch vorhandenen schalldämpferlosen Exemplare kommen normal nur im
Bauzugdienst oder vor Übergabezügen zum Einsatz. Mit langen Zügen wie hier im Bild zwischen den Bahnhöfen Plavinas
und Koknese trifft man sie eher selten an.

09.05.2015 , Paugas , M62-1291 mit Kistenzug gen Riga



Auch Estland sollte mal wieder ein Besuch abgestattet werden. Dort ging es uns vor allem um die aus den USA impor=
tierten GeneralElectric-Lokomotiven. Aber wie schon vor zwei Jahren war der Verkehr mau. Waren wir vor zwei Jahren
einfach an der falschen Strecke (Tapa - Narva), war es diesmal die politisch bedingte Ausdünnung der Frachten zum
Ostseehafen bei Tallinn. Waren wir am Anreisetag, einem Sonntag, noch hoffnungsvoll gestimmt, daß der Verkehr zum
Montag wieder Fahrt aufnimmt, wurden wir tags drauf ebenso enttäuscht. Ganze 3 (!) Güterzüge sowie ein Fahrverschub=
zugpaar waren die Ausbeute! Noch nie haben wir uns derart an einer Strecke gelangweilt. Der Brüller des Tages war
ein auf den Gleisen fahrender Ford-Geländewagen der estnischen Eisenbahn, welcher auf Inspektionsfahrt in südliche
Richtung fuhr.

11.05.2015 , Taevaskoja , "Schienen-Ford" auf Inspektionsfahrt


Nach dem Estland-Desaster ging es am Dienstag zurück nach Lettland, wo wir bis Donnerstagmittag blieben. Am Abend
wurde bereits das polnische Suwalki erreicht, wo wir übernachteten. Am Freitagmorgen stand sogleich der in die Frühe
verlegte Schnellzug auf der Agenda, welcher nun nicht mehr mit einem Fiat (SU 45) bespannt ist, sondern mit einer aus
Tschechien angemieteten "Brille" und nur noch zwei Wagen. Leider verhagelte hochnebelartige Bewölkung die Szenerie,
nur kurze Zeit später bohrte sich die Sonne Löcher durch die Wolkendecke.

15.05.2015 , 754 046 mit TLK 11186 Suwalki - Malkinia



Noch am Abend erreichten wir die deutsche Grenze, am Samstagmorgen ging es alsbald weiter, mein Kumpel wollte sich
den jetzigen Zustand der ehemaligen Bahn durchs Cunewalder Tal mal anschauen. Diese Strecke hatte er leider nicht
mehr im Fahrbetrieb kennengelernt. Ich hatte bei dieser Strecke die zweifelhafte Ehre, der Zugführer des allerletzten
Zuges zu sein, am 31.05. ist es 18 Jahre her. Kurz vor Löbau trafen wir von Görlitz kommend auf einen Bauzug mit
zwei Press-V100, für ein Foto ließen wir uns nicht zweimal bitten ...

16.05.2015 , Rosenhain , 204 012 + 204 005 mit Bauzug


In Hof trennten sich dann unsere Wege und am Abend war jeder in seinem Exil.

Antworten:

Hallo,

sehr schöne Bilder, danke dafür. Die polnische Bahn ist nicht so schlecht (http://ueber-polen.de/anreise/polnische-bahn-bahnfahren-in-polen/). Es gibt kein Risiko, wenn man es in Polen benutzt. Egal, ob nach Warschau oder in Masurien, mit Dieselloko.

von markusmeyer - am 01.03.2017 11:34
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