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vor 8 Jahren, 2 Monaten
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Hubert G. Königer

[BG] Das Eisenbahnmuseum in Ruse (m 12 B)

Startbeitrag von Hubert G. Königer am 18.07.2009 13:49

Guten Tag,

am Sonntag, den 05. Juli 2009, fuhren wir zu viert im Auto von Bukarest nach Ruse in das bulgarische Eisenbahnmuseum. Die Nationalstrasse 5 nach Giurgiu ist gut ausgebaut, nur die Zufahrt zur «Freundschaftsbrücke» ist auf beiden Seiten baulich vernachlässigt und schlecht ausgeschildert. Die Grenzabfertigung ist problemlos; nur das jeweilige Einreiseland lässt sich kurz die Personalausweise zeigen; kein Zoll, zumindest bei uns. Je Auto und Überfahrt kostet die Brückengebühr 5 Euro; die Zahlstelle ist unmittelbar bei den Grenzabfertigungen. In Bulgarien wird eine Strassenvignette mit 10 Euro für 7 Tage verlangt; weniger bzw. eine Eintagesvignette gibt es nicht. Die Vignette wird in einem Kiosk rechts gleich nach der Grenze verkauft, wo man auch Lewa eintauschen kann und Getränke erhält.

Schwieriger gestaltete sich das Finden des nirgens ausgeschilderten Eisenbahnmuseums, zumal unser Fahrer unter grossem Gelächter der Mitfahrer einen uralten Stadtplan von Ruse hervorkramte. Natürlich sind Lenin-Allee oder Todor Schiwkow-Boulevard längst Geschichte... ;-)



Bild 1: Das Eisenbahnmuseum von aussen. Laut Stöckl/Eisenbahnen in Südosteuropa/Bohmann, Wien 1975, soll es sich um den alten Bf Ruse handeln, der zur Eröffnung der ersten bulgarischen Bahnlinie Ruse-Varna (07. November 1866) erbaut wurde. Von hier gingen Boote zum Bahnhof Giurgiu Port auf der rumänischen Seite (siehe Bild 11). Der Eisenbahn-Fährverkehr fuhr nicht ab hier (Anlegestelle in Giurgiu noch sichtbar, in Ruse unbekannt).

Am Museum angekommen, sahen wir, dass es samstags und sonntags geschlossen ist (offiziell geöffnet Mo-Fr 10-12 und 14-17 Uhr). Es war aber ein recht freundlicher Wächter da. Wir machten das, was wir in diesen Fällen immer tun: schmieren. Und konnten hinein, wenngleich auch nur in den Aussenbereich.

Dort standen im Freien in teils ordentlichem Zustand:

Dieseltriebwagenzug 18-01, VT B'2' + 218-01, VM 2'2' + 118-01, VS 2'2'; Ganz, FNr unbek, Bauj 1967.



Bild 2: 18-01

Dampflok 148, C-n2, Sharp-Stewart, Manchaster, FNr 1873, Bauj 1868, mit einem Personenzug aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts; die Zwei- und Dreiachser wurden meist in Deutschland gebaut.
Diesellok 51-01, Bo'Bo', Ganz, FNr 615, Bauj 1962, mit einem russisch anmutendem vierachsigen Salon- oder Messwagen und zwei sehr alten zweiachsigen Güterwagen.



Bild 3: Dampflok 148 und im Hintergrund die weniger gut erhaltene 51-01



Bild 4: Der russisch ausschauende Wagen mit einem eigenartigen Drehgestell, dessen Zweck sich mir nicht erschlossen hat.



Bild 5: Dreiachser C3 23008, erbaut 1903 (?) bei Van der Zypen & Charlier, Deutz, unter Nr. 71535

Unter dem Bahnsteigdach – das Museum war ein ehemaliger Bahnhof – standen drei vierachsige Salonwagen aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, ein sehr schön restaurierter, wesentlich älterer dreiachsiger Zarenwagen und eine kleine Handhebeldraisine.



Bild 6: Vierachsiger Salonwagen SR 101 aus 1902; Erbauer: Aktiengesellschaft für Fabrikation von Eisenbahn-Material zu Goerlitz



Bild 7: Zarenwagen ohne Nr., erbaut von Cie. de matériels de chemins de fer Bruxelles 1886.

Ausserhalb des Museums, auf der Strassenseite des ehem. Bf's, fanden wir eine vermutlich 600mm-Zweikupplerlok, nicht identifizierbar, in schlimmen Zustand, aber mit sehenswertem Hornissennest in irgend einem Rohrstutzen.



Bild 8: die kleine Schmalspurlok...



Bild 9: ... und ihr Hornissennest.

Es gab leider nirgendwo Informationstafeln zu den Fahrzeugen. Ein rumänischer Kollege meinte auch, es seien vor etlichen Jahren wesentlich mehr Schmalspurfahrzeuge zu sehen gewesen. Andererseits bietet das Museum, wie es jetzt gestaltet ist, kaum Raum für zusätzliche Exponate.

Zwischen Museum und Donau geht eine eingleisige, elektrifizierte Strecke vorbei. Ein durchfahrender Güterzug kam so lautlos «um die Ecke» (das Museum liegt in der Innenseite einer Kurfe), dass es nur für einen Nachschuss reichte.



Bild 10: Güterzug mit vorne laufender 44 115-4 (¦koda 7189/1978)

Gegen mittag, es hatte schon über 30 Grad im Schatten, verliessen wir das Museum und fuhren zum Bahnhof, in dem zu dieser Stunde kein einziges Schienenfahrzeug war. Danach ging es zurück über die grosse Brücke nach Giurgiu, wo wir an der Donaupromenade, in der Nähe des nicht mehr genutzten Hafenbahnhofes, eine ausgezeichnete «Ciorba de peşte» (Fischsuppe) zu uns nahmen.



Bild 11: Der Hafenbahnhof im rumänischen Giurgiu

Und direkt gegenüber des Restaurants, auf der bulgarischen Donauseite, grüsste das Eisenbahnmuseum Ruse!



Bild 12: Das bulgarische Eisenbahnmuseum in Ruse, von der rumänischen Seite (Giurgiu) aus gesehen

Anzumerken wäre noch, dass es definitiv keinen Linienbus oder Schiffsüberfahrt Giurgiu-Ruse gibt, dafür sahen wir beiderseits der Grenze Taxis der jeweiligen anderen Seite. Dabei hielt sich der Grenzverkehr durchaus in bescheidenen Grenzen (Lkw ausgenommen, auch am Sonntag!). Auf beiden Seiten der Donau gibt es nette und feundliche Menschen, aber viel Interesse aneinander scheinen sie nicht zu haben. Schade eigentlich...

Viele Grüsse,
Hubert.

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