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s-lin, obermuchel, J.N.

[RO] Dieselherbst im Nordwesten, Teil I von III

Startbeitrag von s-lin am 24.10.2010 20:47

Reisebericht Oktober 2010 Teil I

Diesel im Crişana/Kreischland - Strecken westlich Zalău/Zillenmarkt

Hallo Rumänienfans,

auf der Streckenkarte im Umschlag des Kursbuches der CFR springt es gleich ins Auge: das Streckennetz im Nordwesten Rumäniens, im Kreischland (Crişana), im östlichen Siebenbürgen und in der Maramureş, ist ein großes Dieselrevier. Fahrdraht reicht nur bis Arad im Süden und Cluj Napoca bzw. Dej im Osten. Nördlich bzw. westlich wird eifrig gedieselt. In meinem Bericht vom Juni 2010 hatte ich ja schon von der Strecke 317 Arad - Brad erzählt. Diesmal standen die Strecken um Zalău bzw. Jibou auf dem Programm (Teile I und II dieses Berichts). Dann ging es auch noch an die Strecke 310 Arad - Oradea, um dort Güterzügen und Malaxa-Triebwagen nachzustellen (Teil III).

In Teil I will ich vom Betrieb östlich Zalău (dt. Zillenmarkt, ung. Zilah) berichten. Dieser wird im Wesentlichen durch die KBS 400 von Baia Mare (dt. Frauenbach, ung. Nagybánya) über Jibou (dt. Siben, ung. Zsibó) nach Dej (dt. Desch, ung. Dés) charakterisiert. Obwohl Hauptbahn, hat die eingleisige Strecke an vielen Stellen Nebenbahnflair, und führt durch eine ansprechende Hügellandschaft entlang des Flüsschens Someş. Telegrafenleitung ist abschnittsweise noch vorhanden, und einige kleinere Bahnhöfe warten mit Formsignalen auf. Das einzige Problem der Strecke ist die geringe Zugdichte bei Tageslicht (zumindest in der dunklen Jahreszeit und wenn der Mangalia-Schnellzug nicht verkehrt) zwischen Jibou und Dej. Besser ist das Zugangebot auf dem Abschnitt Jibou - Baia Mare. Dort finden sich auch einige schöne Fotostellen, z.B. um den Kreuzungsbahnhof Benesat Hm., der mit Formsignalen ausgestattet ist. Auch der romantische Haltepunkt mit Fahrkartenverkauf Ticau hc., der auch eine handbediente Holzschranke mit Laterne über eine nicht asphaltierte Ortstrasse beinhaltet, ist einen Besuch wert.

Sehr attraktiv ist die 112 km lange KBS 412 von Jibou über Zalău und Sărmăşag nach Carei (dt. Grosskarol, ung. Nagykároly). Die Zugdichte ist hier ansprechend, vor allem im Abschnitt Jibou -Zalău Nord, auf dem auch ein Teil des Accelerat 1642 von Baia Mare nach Bucureşti Nord verkehrt. Letztgenannter Abschnitt verfügt über Blocksignale russischer Bauart und den Kreuzungsbahnhof Mirsid Hm., der ebenfalls mit Lichtsignalen russischer Bauart ausgestattet ist. Solcher Modernisierung entgangen ist der Abschnitt von Zalău nach Carei, von dem in Teil II des Berichtes die Rede sein wird.

Unbedingt zu empfehlen ist ein Besuch der Eisenbahnerstadt Jibou. Dort befindet sich ein großes Wagenausbesserungswerk von CFR, wo man Reisezugwagen und Triebwagen wiederherstellt. Lange Reihen von Wagen unterschiedlicher Bauart sind tw. auch im Bahnhof Jibou abgestellt zu bewundern. Im Werk selbst ist noch eine graue 60er mit dem Wagenverschub betraut. Am Bahnhof Jibou befindet sich ein Kiosk mit einer mürrischen Besitzerin, die allerdings guten Kaffe für 1 Leu verkauft.

Nun zum Betrieb. Die CFR hat die im August 2010 vom Verkehrsminister verordnete Einsparungsstrategie zumindest auf den KBS 400, 402 und 412 weitgehend umgesetzt und lokbespannte Züge wo möglich durch Triebwagen ersetzt. Konnte ich z.B. im Juni 2010 P 4073 mit 60er und Klassen sichten, werden nunmehr alle P-Züge auf der KBS 412 durch die Reihe 79 (ex DR-LVT) gefahren. Eine Ausnahme ist P 4363, der mit Reihe 96 (Desiro) verkehrt. Eine weitere, für das Fotografenherz wichtige Ausnahme sind P 4451 Zalău Nord - Jibou und P 4364, mit denen die beiden Schnellzugwagen für den A 1848/1847 Bucureşti Nord - Zalău Nord ab- bzw. zugeführt werden. Offenbar wird der P 4364, der eigentlich bis Sărmăşag laufen sollte, auf den Laufweg bis Zalău Nord verkürzt, die Leistung Zalău Nord -Sărmăşag entfällt ersatzlos. Wahrscheinlich hat man früher die Schnellzuggarnitur von Sărmăşag nach Zalău Nord an den P 4073 gekuppelt, um eine Leerfahrt zu ersparen. Das ist heute jedoch nicht mehr möglich, da P 4073 als ex DR-LVT verkehrt. So entging mir am Samstag, den 09.10.2010, ein herrliches Motiv. Damit verkehren lokbespannte Reisezüge auf der KBS 412 nur noch zwischen Jibou und Zalău Nord. Die Übernahmeder Strecke 413 Saculeni Bihor - Sărmăşag am 11.04.2010 durch S.C. Regional S.R.L. hatte auf den Fahrplan auf der KBS 412 keine Auswirkungen. Bislang durchgehende Züge Oradea - Jibou verkehren im verkürzten Laufweg Sărmăşag - Jibou, aber wie gesagt nicht mehr lokbespannt. Freunde der DR-Ferkeltaxen kommen auf der KBS 412 voll auf ihre Kosten. So kann z.B. im P 4084 Satu Mare - Jibou eine Mitfahrt von 148 km mit vier Stunden Fahrzeit genossen werden.

Nicht im Kursbuch verzeichnet ist das Accelerat-Paar 1543/1544 Satu Mare - Cluj Napoca über Zalău Nord. Morgens geht es nach Cluj Napoca, abends retour. Gefahren wird, na mit was wohl, Reihe 96 (Desiro). Der Accelerat verlässt Zalău Nord Richtung Jibou um 9.44 Uhr, P 4451 (die 60er mit den Schnellzugwagen) folgt ihm um 9.59 Uhr, und damit vor Ankunft des Desiro im nächsten Bahnhof, Mirşid Hm. Na klar, hier helfen die Blocksignale! In der Realität ist dies freilich selten praktisch, da der Schnellzug aus Bucuresti Nord wegen der Predeal-Baustelle gerne gut eine Stunde Verspätung mitbringt und sich damit zwangsläufig der P 4451 entsprechend verspätet.

Auf der KBS 400 ist der Betrieb noch bunter. Hier verkehren neben Desiro (z.B. P 4094, 4383, 4095) auch Triebwagen der Reihe 92 (ex-DB 628), die allerdings einen abgewirtschafteten Eindruck hinterlassen (P 4042, Rückleistung ?). Lokbespannt sind der Schnellzug nach Bucureşti Nord (Reihe 65) und einige Personenzüge, z.B. P 4385 (Sichtung am Sonntag). In der Saison gibt es noch einen Schnellzug nach Mangalia am Schwarzen Meer, der ebenfalls lokbespannt sein dürfte.

Güterverkehr konnte ich keinen sichten, mit Ausnahme einer Leerfahrt Zalău Nord - Carei. In Zalău Nord befindet sich ein Containerterminal, an dem sich jedoch nichts zu rühren schien, obwohl es Container und Containerwagen gab. Auch gab es eine Menge Kesselwagen zu sehen. Industriell geboten ist eine Reifenfabrik, die zu Michelin gehört. Da hätte ich mit mehr Güteraufkommen gerechnet.

Übernachtet wurde in der Casa Colina, welche sich unübersehbar in Crişeni (bei Zalău, ca. 20 Min Fußweg ab dem Bf.) am Ortseingang befindet. Das Zimmer kostet 60 Lei, die Küche ist hervorragend. Manchmal gibt’s als Aperitif auch einen hervorragenden Selbstgebrannten („Romanian Whisky“). Am Freitag war das Lokal allerdings wegen einer Partygesellschaft mit Live-Musik belegt, was die Nachtruhe nicht gerade förderte. Wer schon mal auf einer rumänischen Hochzeit oder Party war, weiß, wovon ich rede. Ich war aber froh, nach einer auf einem ungarischen Autobahnparkplatz zugebrachten Nacht überhaupt ein Bett zu haben.
Die für das rumänische Straßennetz erforderliche Rovinieta wurde vom Pickerl auf elektronische Registrierung umgestellt. Die Wochenkarte kostet rund drei Euro. Am ruhigen Grenzübergang Urziceni kann man sie an einem improvisierten Schalter am Gebäude der Grenzpolizei erwerben, muss allerdings Zeit mitbringen, bis der Computer hochgefahren ist. Die Grenzkontrolle, die ab dem 01.03.2011 ohnehin entfällt, besteht derzeit meist nur aus Durchwinken. Die Rovigneta-Kontrolle erfolgt wie in Ungarn durch spezielle Scanner, von denen es laut TV-Nachrichten derzeit nur sechs Stück gibt. Ob die Verkehrspolizei auch ohne Scanner die Mautzahlung kontrollieren kann, entzieht sich meiner Kenntnis.

Bei der folgenden Bilderauswahl kommen vor allem Sulzerfreunde auf ihre Kosten. Die Teile II und III meines Reiseberichtes werden dann sehr triebwagenlastig.

Schöne Grüße
ste



Bild 1:
Bunter Betrieb auf der KBS 400: Der aus 92-001/501 gebildete P 4042 von Baia Mare nach Dej Calatori wird im dichten Morgennebel des 11.10.2010 im Hp. Inau h. von einigen Fahrgästen sehnlich erwartet.



Bild 2:
Ein Leckerbissen für Wagenfreunde ist der A 1642 von Baia Mare nach Bucuresti Nord. Im allerletzten Abendlicht passiert die herrliche Garnitur gezogen von 65.1013 am 10.10.2010 die Fotostelle bei Benesat Hm.




Bild 3:
Unweit des romantischen Schrankenpostens Ticău hc. konnte am 10.10.2010 noch die 60.1397 mit P 4385 von Jibou nach Baia Mare verewigt werden.



Bild 4:
Nun zur KBS 412. Sehr fotogen ist die Ortsdurchfahrt von Poptelec. Hier die Vormittagsvariante des Kirchturmblicks, aufgenommen am 10.10.2010 mit 60.1230 und P 4451.



Bild 5:
Der Kirchturmblick aus Poptelec aus der anderen Richtung, hier am 09.10.2010 mit der schönen 60-0858 und P 4364. Man beachte die langen Wimpern dieser herrlichen Maschine.



Bild 6:
Dasselbe Motiv ein Tag später am 10.10.2010 mit 79-0122/0522 und P 4366 auf der langen Fahrt von Jibou nach Carei.



Bild 7:
Im Juni 2010 war der P 4073 noch lokbespannt, hier zu sehen zwischen Zalău Nord und Mirşid Hm mit 60.0510.



Bild 8:
Auch am 11.10.2010 ließ sich das Motiv noch machen, und zwar mit P 4451 und 60.1397.



Bild 9:
Fotografischer Höhepunkt ist die große Kurve bei Mirşid, die einen völlig unbebauten Talkessel umfährt. Je nach Pünktlichkeit des Schnellzuges lässt sich das Motiv unterschiedlich umsetzen. Am 10.10.2010 war die Verspätung mit über einer Stunde so enorm, dass die Seite gewechselt werden musste. Die Wartezeit wurde durch Beobachtung einer herumziehenden Schafherde samt Hirten und Hunden überbrückt.



Bild 10:
Am 11.10.2010 war der Schnellzug überraschend pünktlich, so dass dieselbe Stelle mit Landschaftsblick interpretiert werden konnte. Das Buschband auf der anderen Talseite gibt die Trassenführung in dem Tal wieder. Möglicherweise ließe sich auf der anderen Seite in den Sommermonaten der nachmittägliche Schnellzug nach Bucuresti verewigen; ob es eine ausreichend freie Stelle gibt, wäre zu eruieren.


Mehr auf www.diesellokguru.de

[Bildlinks erneuert am 27.02.2014, keine inhaltlichen Änderungen]

Antworten:

Im Vorfeld...

sollte man vielleicht doch mal die gemeinsamen reisepläne absprechen.
Zur selben Zeit am gleichen Ort und nicht getroffen, da gehoert schon viel glueck dazu.
Und allem Anschein wäre es auch fuer mich besser gewesen, im Norden zu beginnen und imd Sueden aufzuhoeren.

Beste Gruesse


Der Obermuchel

von obermuchel - am 25.10.2010 11:55

Nicht nur eitel Sonnenschein

Hallo Obermuchel,

kein Grund sich zu ärgern, das Wetter war im Norden auch nicht nur eitel Sonnenschein. Zirka 60%-70% der Aufnahmen sind schiefgegangen, da häufiger Hochnebel bzw. zähe Niedrigbewölkung herrschte. So gingen z.B. die meisten Triebwagenaufnahmen zw. Jibou und Zalau schief. Teilweise musste ich die Motive drei Tage hintereinander aufsuchen, bis ich es mit Sonne hatte.

Gerne können wir künftig die Reiseplanungen absprechen. Dieses Mal sah aber die Reiseplanung so aus: CZ, SK und/oder RO und beginnen in dem Land bzw. in der Region, wo die Wettervorhersage am besten ist ;) Und nachden mir www.meteoblue.com am Do., den 07.10.2010 für 1 Woche Sonnenschein für Zalau versprach, ging es in der gleichen Nacht zunächst dorthin.

Wann genau warst Du in Salaj? Konntest Du Güterzüge auf den KBS 400, 412, 413 sichten?

Schöne Grüße
ste








von s-lin - am 25.10.2010 14:09
Hallo Stefan,

vielen Dank für deinen hübschen Bericht! Eigentlich zähle ich mich ja auch zu den Sulzerfreunden, aber hier gefallen mir besonders das Bild des aus dem Nebel kommenden "628" sowie das Ferkel mit der Kirche.

Warum? Zum einen finde ich das blau-weiße Farbkleid an den 60ern nicht besonders schön, zum anderen sehen lokbespannte Züge mit zwei Wagen in meinen Augen nach nix aus. Der A 1642 ist zwar länger, aber dafür "versagt" die Lok :-( Dann doch lieber Triebwagen - nicht nur deswegen bin ich auf die weiteren Teile gespannt ;-)

Im Lok-Report gab es übrigens vor ca. 5 Jahren einen schönen Bildbericht über diese Gegend, der die damals noch überwiegend grauen 60er zum Thema hatte. Wenn man doch noch einmal am Rad der Zeit drehen könnte...

Grüße
Julian

von J.N. - am 25.10.2010 17:54

Auch das Wetter ist nicht mehr wie früher...

Im Dreieck Carei-Oradea-Zalau war ich nur am 23.10., da das miserable Wetter an den anderen Orten zu erheblichen Zeitverlusten führte. Güterverkehr erwartungsgemäß keiner, die große Fabrik in Silvaneu (oder so ähnlich) hat ja mittlerweile auch das zeitliche gesegnet. Zwischen Carei und Zalau müßte aber noch was laufen.
Valea lui Mihai fuhr ein Ganzzug ca. 30Wagen mit ung. Wumme gerade vor der Nase weg, weil die Bullen die einzig bekannte Zufahrt zum Bahnhof gesperrt hatten, kam zwar auf Feldwegen auch hin, aber mit o.g. Ergebnis.
Auf der 412 fuhr eine sichere 79er Leistung ein Desastro, da war ich natürlich bedient.
Zumal mir dort auch wieder (Tusnad) ein Stellwerker diesmal sogar handgreiflich wurde, er konnte bloß mit dem Taschenmesser zur Rückkehr auf seinen Arbeitsplatz bewegt werden. Da isses mir schon lieber bei Regional zu lichteln, die freuen sich drüber, sind nett und auskunftswillig.
Die drei Länder standen auch bei mir auf der Agenta, nur sind 1500km am Stück Autofahren nichts mehr für mich, der betagte Volkswagen würde es verkraften.
Hochnebel ist in Rumänien eigentlich weniger ein Thema, wenn dann betrifft es den Banat und Bihor, das Flachland eben. Nicht wie in Böhmen, wo die Suppenzeit mitunter schon im September beginnt, und meist unkalkulierbar ist.
Aber irgendwie war das Wetter Ende der 90er Jahre im Oktober schon besser, da hats sicher auch mal 3-4Tage geregnet, aber im ganzen Monat.

"Teilweise musste ich die Motive drei Tage hintereinander aufsuchen, bis ich es mit Sonne hatte."

Hier hatte ich es in der Moldau einfacher, da mußte ich aus der vorhandenen Fülle nur ein Kloster auswählen. ;)

Beste Grüße

Der Obermuchel

von obermuchel - am 31.10.2010 13:02
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