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Brotbüchse, Schwandorfer

[HR] Unterwegs in Istrien - Teil 1 (m4B)

Startbeitrag von Schwandorfer am 04.07.2011 21:38

Servus mitnand!

Von einigen schon lange erwartet, ist nun endlich der Reisebericht von meiner Istrienreise im Mai fertig. Der Text ist von mir, die Bilder zum großen Teil auch von Marcel, meinem Mitfahrer.
Gerade im ersten Teil wird Euch erstmal ein wenig mehr Text erwarten. Viel Spaß beim Lesen und Schauen!

Einleitung

Im Februar stellte sich heraus, daß die für den Urlaub im Mai geplante Tour zur WLE nicht stattfinden kann und auf Juli verschoben werden muß. Es stellte sich also die Frage nach einem Ersatzprogramm. Am besten irgendwo, wo das Wetter einigermaßen sicher ist. Die Wahl fiel schließlich auf Istrien. Die Halbinsel beeindruckte mich bereits bei zahlreichen Familienurlauben immer wieder und das Wetter versprach, beständiger als hier in Ostbayern zu sein. Außerdem wollte ich keinen reinen Eisenbahnurlaub machen, sondern auch was von Land und Leuten mitbekommen.
Nun hatte ich natürlich auch keine Lust, die Reise alleine zu machen und so wurde im Bekanntenkreis herumgefragt, ob jemand Zeit und Lust hätte. Marcel konnte sich schließlich dazu überreden lassen, trotz der Graffitigefahr bei sämtlichen Triebwagen in Istrien, mitzukommen (naja, soviel Überzeugungsarbeit war gar nicht notwendig ;-) ).
Schließlich einigten wir uns darauf, drei Tage an der einzigen verbliebenen, regelmäßig befahrenen Bahnstrecke im kroatischen Teil Istriens, der Strecke Buzet – Pula zu verbringen, anschließend zwei Tage an die slowenische Koperrampe zu fahren, dann einen Tag beim Gleichstrombetrieb in Rijeka vorbeizuschaun und das ganze mit zwei Tagen Kulturprogramm abzuschließen. Auf der Rückfahrt war bei gutem Wetter dann noch ein eventueller Zwischenstop in Österreich geplant.
Und so begannen dann die Planungen. Gar nicht so einfach, wenn das Ziel einige hundert Kilometer entfernt liegt und dort noch dazu eine fremde Sprache gesprochen wird. Bedanken möchte ich mich hier ganz herzlich für die vielen Tips von Joachim, Nil und Jan! Super – ohne diese Informationen schon im Vorfeld hätte die Reise gar nicht in der Form stattfinden können.
Um vor Ort den Aufwand möglichst gering zu halten und mehr Zeit für andere Dinge zu haben, versuchte ich, schon möglichst viele Fotostellen von daheim aus auszukundschaften. Eine gute Hilfe dabei waren auch die bei Youtube abrufbaren Führerstandsmitfahrten. :-)
Schließlich waren alle Hürden überwunden, der ursprüngliche Abreisetermin vom 2. auf den 1. Mai verlegt, um am Abend gegen 18.45 noch den Saisonschnellzug Istra in Kanfanar fotografieren zu können.

1. Tag: 01.05.2011 - Anreise

Vorweg für alle, die sich in der Region nicht so gut auskennen: Der Verlauf der Strecke nach Pula ist hier sehr schön dargestellt (wenn auch in italienischer Sprache): [it.wikipedia.org]

Als Marcel gegen 9 Uhr bei mir eintraf, war das Wetter alles andere als toll – bedeckt, grau. Aber wir wollten ja ohnehin weit wegfahren. Also noch schnell das Auto umräumen und ab die Post. Das Urlaubs-Notizbuch vermerkt: „Abfahrt 09.24 Uhr, km-Stand 234325“.
Der bayerische Autobahnabschnitt ging recht schnell vorbei, auch wenn sich das Wetter nicht wirklich besserte. Gegen Mittag überquerten wir die deutsch-österreichische Grenze, um dann gleich dahinter in Hallein eine Tankstelle aufzusuchen. Eigentlich wollten wir auch gleich Mittagessen fassen, doch auf die Schnelle fand sich nichts geeignetes mit Parkmöglichkeit vor der Tür. Also fuhren wir ein Stück weiter bis Golling, wo wir direkt im (sehr schönen) Ort eine nette Pizzeria fanden.

Eine Stunde später waren wir bereits wieder auf der Tauernautobahn. Diesen Begriff verbindet man ja immer irgendwie mit den Worten „Stau“, „Blockabfertigung“, usw. Aber wir hatten Glück. Kaum ein anderes Auto war zu sehen, wir hatten im Prinzip die ganze Autobahn für uns alleine. Aufgefallen ist nur mehrmals ein ziemlich rostiger Mercedes Sprinter mit südosteuropäischer Aufschrift und niederländischem Kennzeichen, der auch durch seinen schlingerigen Fahrstil beeindruckte. Von uns dann „Terror-Sprengstoff-Sprinter“ getauft, war diese Kiste ausgerechnet in den langen Tunnels immer genau hinter uns. Ein ungutes Gefühl. :-)

Irgendwann kam dann auch Villach in Sichtweite. Das Wetter änderte sich leicht: Das Dauergrau wich einem Aprilwetter mit einzelnen sonnigen Abschnitten und dann wieder starken Regenschauern. Auch nach Durchfahrt des Karawankentunnels (auch hier war der Sprengstoff-Sprinter wieder hinter uns) änderte sich daran nicht viel. Im Gegenteil, wir fuhren nun direkt auf eine schwarze Gewitterwolke zu. Doch als wir dann am Autobahnkreuz kurz vor Ljubljana Richtung Koper abbogen, hörte der Regen endgültig auf. Zwar blieb es erstmal bei einem Sonne-Wolken-Mix, doch der Sonnenanteil wurde immer größer. Ein gutes Zeichen? Da seit der letzten Pause immerhin schon wieder mehrere Stunden Fahrt vergangen waren, legten wir auf einem Rastplatz einen erneuten etwa halbstündigen Stop ein. Noch etwas mehr als 100km sollten es bis zum ersten geplanten Motiv in Kanfanar sein – und noch etwa zwei Stunden Zeit bis zum angepeilten Ziel, der Durchfahrt des „Istra“ um 18.43 Uhr. Das sollte doch zu schaffen sein.

Auch der letzte Autobahnabschnitt in Slowenien ging dann schnell vorbei (der Ausbauzustand ist wie hier bei uns auch), bald war Koper erreicht. Hier mußten wir von der Autobahn runter und über ein Stück Landstraße rüber nach Kroatien, wo wir dann auf die noch im Bau befindliche kroatische A9 wechseln wollten. Die Landstraße stimmte uns allerdings schon ein wenig auf die kommende Woche ein: eng, kurvenreich, glatter Straßenbelag. Immerhin: es war deutlich wärmer als bei uns in Deutschland und so wurde natürlich auch endlich das Schiebedach aufgemacht (Klimaanlage hab ich nicht ;-) ). Dann die Grenzkontrolle – für uns problemlos, mußte der Herr vor uns, der irgendwo aus den östlichen Teilen unseres Landes kam, rechts ranfahren. Was uns dann aber erwartete, hätten wir nicht gerechnet. Die A9 ist zwar zu großen Teilen schon fertiggestellt, jedoch nur eine Fahrbahnhälfte befahrbar – sprich normaler Gegenverkehr. An und für sich kein Problem, aber das war alles auf 60 bzw. zum Teil sogar auf 40 beschränkt. Und offenbar ist es in Kroatien nicht üblich, daß man Geschwindigkeitsbegrenzungen wieder aufhebt bzw. wußten wir nicht, daß man sie einfach ignoriert. Und so fuhren wir (wegen der Angst, im Ausland geblitzt zu werden) mit einer langen Schlange anderer Autos im Nacken recht gemütlich bis zur Mirnabrücke, ab der es dann endlich richtig vierspurig wurde.

Immerhin – trotz aller Schwierigkeiten erreichten wir gegen 18.10 den Bahnhof von Kanfanar. Bei einer Gesamtentfernung von 740km ab der heimischen Garage und einer verbleibenden Zeit von ca. 30min bis zur Zugdurchfahrt, kann man da schon von einer Punktlandung sprechen, denke ich. Wir hatten also gerade noch genug Zeit, uns ein wenig umzusehen und unsere Stative auf einem Stapel alter Schwellen aufzubauen. Auch das Wetter hatte ein Einsehen: Endlich nach vielen Stunden Fahrt hatten wir die Wolken knapp hinter uns gelassen und standen im wunderbaren abendlichen Sonnenlicht.

Kurz darauf war es dann soweit, das erste Foto der Tour war im Kasten! Und schon dafür hat sich die lange Anreise rentiert! Achja: Wir kamen übrigens beide zu dem Schluß, daß es uns vollkommen egal ist, mit welcher Seite voraus der GM-Diesel kommt. :-)


Das erste Motiv ist geschafft! Nach einer Punktlandung in Kanfanar die Durchfahrt des Istra mit 2062 049.

Nun wollten wir erstmal im Hotel einchecken und dann noch eine Kleinigkeit Essen gehen. Gebucht hatten wir auf Empfehlung von Joachim vier Nächte im Hotel Lovac in Pazin. Nach meinen Recherchen ist es das einzige Hotel dort. Obwohl es schon etwas abgewohnt war, hat es für uns gepaßt, denn einerseits wollten wir eh nicht viel Zeit im Hotel verbringen und andererseits war das ziemlich in Streckenmitte gelegene Pazin als Ausgangspunkt für die Fototouren ideal.

Um von Kanfanar nach Pazin zu kommen, wollten wir die laut Karte „orange Straße“ (also das nächstbeste unterhalb der Autobahn) entlang der Bahnlinie nutzen. Also in Kanfanar abgebogen und auf einem etwas breiteren geteerten Feldweg gelandet. Nun gut, die Ausschilderung stimmte. Ein Stück weiter endete der Teerbelag und wir waren auf einem richtig breiten, schlaglochfreien, aber staubigen Schotterweg unterwegs. Immerhin konnte man da gut 60-70km/h fahren, denn auch für eventuellen Gegenverkehr war noch genug Platz. Kurz vor Sveti Petar u Sumi ging endlich der Straßenbelag wieder los – wenig später waren wir dann auch schon in Pazin. Jetzt wußten wir also ungefähr, was uns die nächsten Tage in Sachen Straßenverhältnisse so erwarten würde.

Nachdem wir das Gepäck auf's Zimmer gebracht hatten, packte uns jedoch die Neugier und wir fuhren nochmal zum Bahnhof von Pazin, um eventl. ein paar brauchbare Nachtaufnahmen von der letzten Zugkreuzung des Tages hinzubekommen. Der Bahnhof war dann auch recht nett und die Bahnsteigbeleuchtung gar nicht so funzelig, wie sie im ausgeschalteten Zustand aussah (im Gegenteil, das sind eher richtige Flutlichtscheinwerfer).


Der Personenverkehr auf der Strecke nach Pula wird überwiegend mit den aus Schweden gebraucht gekauften Triebwagen der Baureihe 7122 abgewickelt: 7122 002 wartet in Pazin auf den Gegenzug aus Richtung Buzet.

Natürlich mußten dann auch noch ein paar Bahnhofsimpressionen sein. Dabei wurde auch der Bahnhofsvorsteher auf uns aufmerksam. Wir wußten zwar nicht genau, was er von uns wissen wollte, aber nachdem wir ihm die im Vorfeld besorgte Fotogenehmigung der HZ-Hauptverwaltung hingehalten hatten, war er zufrieden und ließ uns gewähren.





Zurück im Hotel stellten wir dann fest, daß das zugehörige Restaurant um 21 Uhr schließt – Mist, es war kurz nach 9. Und so mußten wir an diesem Abend eben ohne Abendessen auskommmen.

Der zweite Teil folgt dann irgendwann in der nächsten Zeit, einfach mal wieder reinschaun. ;-)

Viele Grüße

Tobias
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Antworten:

Ein Urlaub mit etwas Bahn und mit vielem anderen ist oft schöner, wie nur von Fotostelle zur Fotostelle zu hetzen. Eine schöne Stimmung von Pazin.

von Brotbüchse - am 07.07.2011 14:32
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