[HR] Mit dem Bus zum Orgelkonzert – zwei Wochen Kroatien - Teil 1 (m5B)

Startbeitrag von Schwandorfer am 11.09.2012 18:56

Dieser Bericht erscheint auch im DSO-Auslandsforum.

Mit dem Bus zum Orgelkonzert – zwei Wochen Kroatien

Mit dem Bus? Naja, Ihr werdet es im Lauf des Berichts schon lesen...

Vorwort:

Der Plan, im Mai 2012 wieder nach Kroatien zu fahren, reifte schon ein Jahr vorher, als nach der tollen Istrientour noch einige Motive offen waren. Zudem wollten wir unbedingt nochmal in das geniale Hotel Parenzana in Buje.
Allerdings wollten wir nicht nur ein paar Tage in Istrien verbringen, sondern auch noch „mehr“ sehen. Verschiedene Ziele standen im Raum, u.a. die Wocheinerbahn, das östliche Kroatien, die von Split ausgehende Strecke oder eine Erkundungstour nach Bosnien. Mit diesen Diskussionsideen setzten Marcel und ich uns im Februar zusammen und entschieden uns schließlich für die Gegend um Split. Obwohl die Gegend unter Kroatienreisenden doch schon recht abgegrast ist, wollten wir doch einmal die GM-Diesel in beeindruckender Landschaft erleben.

Im Gegensatz zu 2011 wollten wir diesmal allerdings nicht mit dem eigenen Auto die An- und Abreise schultern, sondern bequem per Nachtzug fahren und uns vor Ort einen Mietwagen nehmen. Da der „Lisinski“ an diesem Tag keine Schlafwagen bis Rijeka (wo wir den Mietwagen abholen wollten) mitführte und wir nicht im Liegewagen reisen wollten, wählten wir den Schlafwagen bis Ljubljana, um von dort im Sitzwagen noch die drei Stunden bis Rijeka weiterzufahren. An dieser Stelle danke an die Bahnagentur Schöneberg für die problemlose Abwicklung mit den Fahrkarten!

Losgehen sollte es am 28.04., heimkommen wollten wir am 12.05. wieder. Die verbleibenden gut zwei Monate bis zur Abreise wurden dann zur weiteren Planung genutzt. Vielen Dank in diesem Zusammenhang auch an alle, die uns vorab ein wenig mit Infos versorgt hatten, insbesondere an Joachim, Jan, Nil und Oli!

Samstag, 28.04.12:

Endlich Urlaub. Ein wunderschöner Tag bei uns in Bayern. Wolkenloser Himmel, warme Temperaturen. Eine tolle Einstimmung auf die nächsten zwei Wochen – hoffentlich. Marcel kam am Nachmittag in Schwandorf an, von wo aus wir dann um 17.08 gemeinsam mit dem Alex gen München aufbrachen. Obwohl der „Lisinski“ erst um 23.40 ab München Hbf fahren sollte, wählten wir die frühe Verbindung um einerseits genug Sicherheitszeit zu haben und andererseits in München noch etwas essen zu können. Die Fahrt am offenen Fenster war herrlich und Marcel meinte schon, daß so eine Anreise per Zug doch viel entspannter wäre als mit dem Auto. An meinen Kommentar darauf „noch sind wir nicht da...“ sollten wir uns später nochmal erinnern.

In der Landeshauptstadt wurde dann erstmal das Gepäck in zwei Schließfächer geräumt und die S-Bahn geentert. Nach einem leckeren Schweinebraten am Marienplatz und dem Fußweg zurück zum Hauptbahnhof holten wir dann unsere Sachen wieder. Marcel hatte ein Fach schräg über meinem, was bedeutete, daß die geöffnete Tür sich beim Ausräumen direkt über mir befand.
„Hau Dir nicht den Kopf an.“
Im nächsten Moment machte es schon *bong*. Aua, das tat weh.

Nun aber rüber zum Zug. Irgendwie paßte die Zugzusammenstellung bei der Bereitstellung nicht mit den Bildchen am Wagenstandsanzeiger zusammen, aber immerhin hatten wir unseren Wagen 281 erspäht. Nach Bezug des Abteils wurden wir dann vom Schlafwagenschaffner informiert, daß unser Zug bis Ljubljana wegen einer baustellenbedingten Umleitung drei Stunden Verspätung aufbauen würde (was uns nicht ganz unrecht war, schließlich wäre Planankunft dort 05.58 gewesen und so konnten wir wenigstens ausschlafen) und daß wir die Strecke Ljubljana - Rijeka im Bus zurücklegen würden müßten.

Na das ging ja schon mal gut los. So hatten wir uns die entspannte Anreise per Bahn eigentlich nicht vorgestellt. Aber egal, bald schalteten wir das Licht in unserem Abteil aus und legten uns zur Ruhe.

Sonntag, 29.04.12:

Aufgewacht bin ich irgendwo kurz vor Klagenfurt. Wie wir später herausbekamen, war wohl der Tauerntunnel gesperrt, weshalb wir die große Umleitung fahren mußten. Bald war Villach erreicht und schon kurze Zeit später ging es durch den Karawankentunnel.
Jesenice. Endlich an der Südseite der Alpen angekommen. Mittlerweile war auch Marcel wach. Wir bekamen eine neue Lok und nach einiger Zeit genossen wir im mittlerweile auf Sitzwagen "umgebauten" Abteil die slowenische Landschaft bei schönstem Wetter.

Um kurz vor neun meldete sich dann der Schlafwagenschaffner, daß wir bald Ljubljana erreichen würden. Also packten wir unsere Sachen zusammen und gingen zur Tür. Der Schlafwagenschaffner kümmerte sich dann auch persönlich darum, daß wir am Bahnsteig die Sammelstelle für die Busreisenden Richtung Rijeka fanden. Von dort wurden wir von einem anderen Bediensteten direkt zum Bus begleitet.

Nachdem der Umstieg so gut geklappt hatte (hier in D könnte man sich davon mal eine Scheibe abschneiden - normal werden die Reisenden bei SEV ja einfach im Regen bzw. am Bahnsteig stehengelassen - den Bus müssen sie dann selber finden), waren wir eigentlich guter Dinge, die angekündigten eineinhalb Stunden Busfahrt bis Rijeka auch herumzubringen.

Immerhin war der Bus nur mittelmäßig ausgelastet, wir hatten genug Platz und der Fahrer hatte auch auf den engen Straßen bis zur Grenze einen gemütlichen Fahrstil. Allerdings war bald absehbar, daß die angegebene Fahrzeit von 1,5h nicht zu halten war - und damit auch nicht unser für 11 Uhr vereinbarter Termin an der Autovermietung (zu der wir vom Bahnhof aus auch erst noch zu Fuß gehen mußten). Also telefonierten wir etwas herum und konnten den Termin schließlich auf 13 Uhr verlegen.
Im Bus hatten wir bereits ein paar nette Unterhaltungen mit anderen Reisenden, unter anderem auch ein paar Kroaten, die in Deutschland arbeiten.
Um 11.45 kamen wir auf dem Bahnhofsvorplatz von Rijeka an. Nun hieß es, den Hafen und die dortige Autovermietung zu finden.
Über den deutschen Vermittler "Sunnycars" hatten wir einen zweitürigen VW Polo bei der kroatischen Firma "ORYX Rent a Car" gebucht. Das Büro von denen sollte an der Adresse "Lukobran 4" zu finden sein. Lukobran - das hatte ich vorher schon nachgeschaut - heißt wohl soviel wie "Wellenbrecher" und so sah bei Gockelkarten die Adresse auch aus. Naja, mal sehen.

Auf dem Weg zum Hafen mußten wir dann erstmal kurz ein Foto für alle Busfans hier machen - nämlich von den noch sehr zahlreich in Rijeka vorhandenen alten MAN-Bussen:



Kurz darauf mußten wir das in der Straße verlegte Verbindungsgleis vom Personen- zum Hafenbahnhof queren. Marcel meinte noch „wäre schön, da mal eine Bedienung zu erwischen“. Naja, heute am Sonntag wohl eher nicht.
Schnell hatten wir das moderne Gebäude gefunden, wo außen das ORYX-Logo angebracht war. Also hinein. Komisch, alle möglichen Firmen, nur kein ORYX-Büro war zu finden.

Nach einigem hin und her und rein und raus wußten wir erstmal nicht mehr weiter, also fragten wir im unten ansässigen Café nach. Und wurden auf eine kleine Seitentür an der Rückseite des Gebäudes verwiesen. Der Eingang sah eher nach Putzkammer aus, aber tatsächlich, im engen Treppenhaus wies ein ORYX-Schild nach oben. Das Büro sah dann zwar recht ordentlich aus, war aber zu. An der Tür hing ein Zettel mit einer Telefonnummer.
Dort riefen wir an und bekamen zu hören, daß der Mitarbeiter in fünf Minuten da wäre und wir solange warten sollten. Naja, kein Problem – schließlich waren wir es ja, die Verspätung gegenüber dem ursprünglich ausgemachten Termin hatten.

Während wir da so warteten, hörten wir draußen Pfiffe. Pfiffe, die eindeutig von einem Schienenfahrzeug kamen. Und schon zog eine 2132 zwei Holzwagen im schönsten Licht auf dem zum Hafenbahnhof führenden Verbindungsgleis entlang. *Grmpf*
Am Parkplatz machten wir zwischenzeitlich auch unser vermutetes Mietauto aus: Das einzige Auto, das als Mietwagen in Betracht kam, war ein dort geparkter Skoda Fabia. Schick.
Schon nach 15-20min (eben kroatische "fünf Minuten") tauchte ein dunkler Passat auf, parkte neben dem Fabia und der Fahrer lud eine Tasche vom Passat in den Fabia um. Das wunderte uns zunächst ein wenig, aber egal. Kurz darauf wurden wir auch schon begrüßt und die Formalitäten abgeklärt.

Im Verlauf des Gesprächs erfuhren wir auch, daß der schicke Passat aufpreisfrei unser Auto für die nächsten beiden Wochen werden sollte, sofern wir nichts dagegen hätten. Hatten wir natürlich nicht!
Den schönen Wagen mit Sechsganggetriebe, 2,0l Turbodiesel, Start-Stop-Automatik usw. sollten wir in den folgenden Tagen noch zu schätzen lernen. Vergessen waren damit auch die Bedenken, unser Gepäck irgendwie im doch nicht so ganz geräumigen Polo unterzubringen. :-)

Nun hieß es schnell rauskommen aus dem ekelhaften Stadtverkehr von Rijeka. Erster Anlaufpunkt sollte Lupoglav sein, um zu kontrollieren, ob vom Freitag her noch ein Güterzug abgestellt war. Bald schon waren wir durch den Ucka-Tunnel und schnupperten zum ersten Mal wieder istrische Luft.
Blick in den Bahnhof: Ja, der Güterzug ist da! Und zwar mit einer ganzen Schlange von Ea-Wagen! Das würde morgen früh ein Fest geben...

Da der Verkehr auf der Strecke nach Pula am Wochenende äußerst dünn ist, war bis zum ersten fotografierbaren Zug noch etwas Zeit. Und so fuhren wir zunächst nach Pazin, um uns dort mal mit etwas Geld und einer kleinen Brotzeit einzudecken.
Am Automat der "erste Sparkasse" bekam ich meine gewünschten 500 Kuna, Marcel bekam nichts. Komisch. Dafür klappte es bei ihm am Automaten einer anderen Bank schräg gegenüber. Brotzeit gab es vom Bäcker am Stadtplatz, der hatte u.a. leckere Pizzastückchen.

Für unser erstes Eisenbahnfoto der Tour wollten wir eine Stelle direkt am Haltepunkt Hum ausprobieren. Dort müßte man sich gegenüber des Bahnsteigs auf einen Hang stellen können und einen guten Blick ins Tal haben - so hatte ich es zumindest auf dem vom letzten Jahr bekannten Führerstandsmitfahrt-Video bei Youtube gesehen.

Zunächst mußte aber unser Auto aufs Bild:



Der Himmel war mittlerweile zwar etwas dunstig, aber noch gut genug zum Fotografieren. Das Motiv eignete sich auch wunderbar (der Hang war sogar für mich erkletterbar) und gefiel uns am besten im Hochformat (noch wußten wir nicht, daß wir eine ausgesprochene Hochformattour vor uns hatten).
Schon bald kam von hinten ein Doppel aus vollkommen beschmierten 7122. Eine halbe Stunde später kam einer der beiden VT dann auch wieder zurück.


7122 008 am Hp Hum. Die zugehörige kleinste Stadt der Welt liegt einige Kilometer weiter auf einem Hügel.

Bis zum Saisonschnellzug Istra würde es nun keinen Verkehr mehr geben. Und da der Himmel sich immer weiter eintrübte und wir zudem schon recht müde waren, beschlossen wir, den Istra an diesem Tag bleiben zu lassen und stattdessen noch einen gemütlichen Abend im Hotel zu verbringen.

Das Hotel Parenzana ([www.parenzana.com.hr]) war immernoch so, wie wir es vom letzten Jahr kannten - kurz gesagt: einfach genial! Diese Gemütlichkeit des Natursteinhauses, die liebevoll eingerichtete Konoba mit dem offenen Kamin, die Freundlichkeit des Personals und nicht zuletzt das gute Essen...
Heute gab es für uns Eierspeise mit Trüffel, Ravioli mit Steinpilzsoße und als Nachtisch Schokomousse mit Erdbeersoße. Ein Traum!

Bevor wir dann ins Bett gingen, machten wir noch zwei Fotos von unserem Hotelzimmer:





Soviel zum Teil 1. In Teil 2, gibt's dann mehr Bilder. :-)

Viele Grüße

Tobias

Antworten:

Re:

Schön, sehr schön, die ersten beiden Teile! Ach, da werden wieder so viele Erinnerungen wach ...

Sympathisch, daß ORYX Euch einen in Daruvar (DA) zugelassenen Kraftwagen gegeben hatte. Wenn schon dortselbst nichts mehr fährt und die Distanzsignale in Haltstellung verharren, dürfen wenigstens Eisenbahnfreunde in Istrien mit dem entsprechenden Kennzeichen rumfahren ;)

Gruß,
Joachim

von Joachim Piephans - am 13.09.2012 19:04

Re: Re:

Zitat

Sympathisch, daß ORYX Euch einen in Daruvar (DA) zugelassenen Kraftwagen gegeben hatte.


Unser istrischer Hotelier meinte auf Nachfrage, daß Leihwagen gerne dort zugelassen werden, weil die Steuer dort aufgrund der schwachen Wirtschaftskraft der Region niedriger ist.

Zitat

Wenn schon dortselbst nichts mehr fährt und die Distanzsignale in Haltstellung verharren,


Ach DA sind die gewesen. War mir entfallen...

Viele Grüße

Tobias

von Schwandorfer - am 13.09.2012 19:37
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