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awp, Schwandorfer

[HR] Mit dem Bus zum Orgelkonzert – zwei Wochen Kroatien - Teil 3 (m17B)

Startbeitrag von Schwandorfer am 21.09.2012 23:56

Dieser Bericht erscheint auch im DSO-Auslandsforum!

Dienstag, 01.05.12:

Nachdem der Güterzug nach Pula heute nicht fahren würde, standen wir erst etwas später auf. Nach einem herrlichen Frühstück auf der Terrasse wollten wir den Istra bei der Durchfahrt durch Roc erlegen.
Doch auf dem Weg dorthin stand zunächst noch ein Landschaftsbild auf dem Plan: Der Blick vom Mirnatal auf Motovun.
Der Fluß fließt hier gerade einmal in einer Höhe von acht Metern über dem Meeresspiegel. Die Stadt befindet sich auf einer Höhe von 260m ü. NN.


Blick vom Mirnatal auf das schöne Motovun.

Nun aber weiter an Buzet vorbei nach Roc. Wir bauten uns wie gewünscht am Bahnhof auf und schon bald kam auch der Istra.


B1472 „Istra“ bei der Durchfahrt durch Roc.

Nun schnell ins Auto und hinterher! Wir hatten uns ausgerechnet, daß es bis Heki Stajaliste locker zu schaffen sein müßte, den Zug zu überholen. Und es klappte auch wunderbar. Nur der Anblick von Heki war eher ernüchternd. Während die Seiten des Einschnittes letztes Jahr noch fast komplett frei von Bewuchs waren, standen da dieses Jahr auf einmal mannshohe Sträucher! Wahnsinn, wie schnell der Krempel wächst.


Einige Zeit später: Der Istra bei der Durchfahrt durch Heki Stajaliste.

Wohin nun? Klar doch! Das geniale Talblickmotiv über dem Tunnel mußten wir natürlich schon mit Sonne haben. Also auf über die schmale Straße von Borut Richtung Hum!
Kaum angekommen und aufgebaut rumpelte es schon. Aber von hinten. Nanu?! Da kam doch tatsächlich noch der stark verspätete 7122 aus Richtung Pula.


7122 026 auf dem Weg nach Norden. Im Tal links der Bahnstrecke müßte die Quelle der Mirna sein.

Nachdem wir uns einig waren, auch noch den Gegenzug abzuwarten und eine Hochformatvariation auszuprobieren, blieben wir erstmal an der einsamen Stelle.
Marcel machte sich derweil auf, um doch nochmal nach einem Weg hinunter zum Tunnelportal zu suchen. Nach gut 25min kam er wieder zurück mit der erfreulichen Nachricht, daß es einen nicht sonderlich gut ausgebauten, aber immerhin markierten Wanderweg nach unten gibt. Und daß man dort unten auch Fotos machen könnte. Also gleich mal gedanklich für den nächsten Tag vorgemerkt.

Unterdessen kam dann auch der Triebwagen Richtung Pula.


7122 002 auf dem Weg nach Pula unterhalb der Stadt Hum kurz vor dem Tunneleingang.

Nachdem ja auch in Kroatien Feiertag war und der Fahrplan deshalb sehr dünn war, wollten wir die lange Zeit bis zum nächsten Zug erstmal nutzen, um in Erfahrung zu bringen, ob der Güterzug denn nun heute endlich fahren würde. Also ab nach Lupoglav.
Aber wie sollte man den Fahrdienstleiter fragen? Dafür waren wir vorbereitet! Am Vorabend hatten wir uns „Wann fährt heute der Güterzug nach Buzet?“ per Google auf kroatisch übersetzen lassen und auf einen Zettel geschrieben. Der Herr vor Ort verstand auch sofort, was wir wollten – nur leider wurde uns erneut eine Absage erteilt – heute nicht, vielleicht morgen. Sicher wäre das aber auch noch nicht.

Da wir sowieso schon hier oben waren, wollten wir uns auch gleich den aktuellen Zustand der Strecke nach Rasa ansehen. Nichts bot sich dafür besser an, als der nahegelegene Bahnübergangsposten Dolenja Vas.
Fazit: gelegentlich fährt etwas (plattgefahrenes, vertrocknetes Gras), aber richtig frische Spuren waren nicht erkennbar. Das tolle Buch im Postengebäude, das wir letztes Jahr noch fotografiert hatten, war mittlerweile auch verschwunden.


Strecke Lupoglav – Rasa am Posten Dolenja Vas.

Das Wetter hier im istrischen Norden zog sich leider schon wieder etwas zu, weshalb wir nun beschlossen, in den Süden zu fahren, um ein vernünftiges Motiv für den abendlichen Istra zu finden. Eingefallen ist uns der Bahnhof Vodnjan, wo eventl. eine Umsetzung mit Empfangsgebäude oder Einfahrsignal möglich sein könnte. Wir hatten noch reichlich Zeit und wählten deshalb ab Kanfanar nicht die Autobahn, sondern die parallelführende Landstraße, um etwas mehr von der schönen Landschaft mitzubekommen.
Doch dann passierte es. Vodnjan war schon in Sichtweite, nur noch wenige hundert Meter entfernt. Aber als ich an einer Kreuzung, wo unsere Straße in den Autobahnzubringer mündete, noch am Schauen war, ob Querverkehr kommt, auf einmal ein heftiger Schlag von hinten.
"Jetzt hod's kracht!"
Warnblinker rein, ausgestiegen. Tatsächlich, da hing nun ein Kia Shuma im Heck unseres Passats. In Anbetracht des heftigen Schlages hätte ich eigentlich gedacht, daß der ganze Kofferraum weg wäre, doch in Wirklichkeit hatte das andere Auto nur eine sehr geringe Geschwindigkeit und die Schäden hielten sich in Grenzen (Wahnsinn, wie heftig trotzdem der Aufprall ist).
An unserem Wagen war lediglich ein verdelltes Kennzeichen und ein kleiner Kratzer an der Stoßstange auszumachen. Beim Kia hatte es den Kotflügel verzogen, aber wirklich tragisch sah das auch nicht aus. Wäre es mein eigenes Auto gewesen, hätte ich vermutlich gar nichts unternommen. Aber wir hatten ja einen Mietwagen.
Nun ging die Telefoniererei los. Zuerst Sunnycars in Deutschland, dann Oryx in Rijeka. Die wollten unbedingt einen Bericht der Polizei. Immerhin übernahm das Rufen der Ordnungshüter unser Unfallgegner, denn wir bekamen mit, daß unser Unfall offenbar genau auf der Zuständigkeitsgrenze zwischen der Polizei Rovinj und der Polizei Pula passiert war und man sich nun stritt, wer denn nun hinfahren sollte. Schließlich kam nach gut 40 Minuten Wartezeit die Polizei aus Pula. Sonderlich gut gelaunt war man nicht darüber, daß man wegen einem derartigen Bagatellschaden den ganzen Aufwand betreiben mußte, aber die Mietwagenfirma wollte es ja so, also blieb uns auch nichts anderes übrig, als auf den ganzen Bürokratieaufwand zu bestehen.
Immerhin war die Familie im anderen Auto auch recht gut drauf und so unterhielten wir uns ein wenig über alles mögliche auf Englisch.
Mehr als eine Stunde nach dem Unfall war dann alles erledigt und unsere Wege trennten sich wieder.


Unfall in Kroatien. Keine große Sache, aber viel Papierkram...

Für unser geplantes Foto hätte die Zeit noch locker gereicht. Doch war inzwischen ein dicker Schleier vom Meer hereingezogen, der auch nicht danach aussah, als ob er wieder aufhören würde.
Wir entschlossen uns deshalb, das Foto bleiben zu lassen und uns dafür lieber mal die Stadt Motovun anzusehen. Touriprogramm muß schließlich auch mal sein. ;-)

Auf dem Weg dorthin kamen wir unter anderem durch Visnjan, wo es uns so gut gefiel, daß wir gleich mal ein Foto der Stadtansicht machen wollten. Da die beste Position in Straßenmitte war, machte immer einer von uns "Sipo".


Visnjan. Wie man sieht, war es die richtige Entscheidung, den Istra nicht mehr abzuwarten. Die Schleier wurden immer dicker.

Am Fuße des Motovuner Stadtbergs angekommen, stellten wir dann fest, daß hier an diesem Tag ein Motocross-Rennen (oder sowas ähnliches) war und deshalb sämtliche Parkmöglichkeiten unterhalb der Stadt schon belegt waren. Auf langwierige Parkplatzsuche hatten wir keine Lust, weshalb wir den Besuch in der Stadt kurzerhand verschoben und stattdessen ein wenig Eisenbahnarchäologie an der Trasse der Parenzanabahn betreiben wollten.

Diese Strecke war eine 760mm-Schmalspurbahn und führte von Triest nach Porec, wurde allerdings bereits 1935 wieder stillgelegt. Die Trasse und die Stationsgebäude sind aber noch in weiten Teilen vorhanden und erfreuen sich heute großer Beliebtheit als Radweg.
(->[de.wikipedia.org])
Zwischen Livade und Motovun überquerte die Strecke die Mirna. Von der Brücke ist heute nichts mehr zu sehen, wohl aber vom Bahnhofsgebäude Livade:


Bahnhofsgebäude Livade von der Gleisseite her.

Auf einer Schautafel hatten wir gelesen, daß (u.a.) im Bereich um Zavrsje noch einige Viadukte und Tunnel erhalten waren. Das wollten wir uns mal ansehen. Da Zavrsje nur "von hinten her" über eine geteerte Straße erreichbar ist, wählten wir kurzerhand den sehr gut fahrbaren direkten Schotterweg.
Unterwegs bot sich dabei ein herrlicher Blick hinüber auf Motovun:


Blick auf Motovun - links im Hintergrund ist die Ucka zu sehen

Geparkt haben wir dann noch ein ganzes Stück unterhalb des Ortes Zavrsje an einem ehemaligen Bahnübergang der Parenzana. Hier muß wohl einst auch der Bahnhof gewesen sein, die Bewohner hatten vom Zug aus also noch einen mühevollen Fußweg bis hinauf in den Ort zurückzulegen.
Lustig fanden wir ein Gebäude - oder besser eine Gebäuderuine - direkt an der ehemaligen Trasse, denn die Außenmauern waren unter anderem aus zahlreichen Parenzana-Kilometersteinen gemauert.


Am früheren Bahnhof von Zavrsje.


Kilometersteine im Mauerwerk.

Wir wanderten nun auf der Trasse ein wenig entlang und schon bald erreichten wir den ersten Tunnel:


Tunnel bei Zavrsje

Nur wenige hundert Meter weiter, aber etwas versteckt, dann der zweite Tunnel:




Östliches Portal des zweiten Tunnels.

Unmittelbar darauf schloß dann auch schon ein tolles Viadukt an, das man aufgrund des starken Bewuchses vom Tal rauf nur schlecht fotografieren konnte.


Viadukt bei Zavrsje - oberhalb sieht man den Ort

Wir wanderten dann noch die komplette Talschleife (von denen es an der Parenzanabahn einige gibt!) ab. Aber als es zu tröpfeln begann, traten wir lieber den Rückweg an. Auf der Fahrt zum Hotel hielten wir aber nochmal kurz für einige Impressionen des Ortes Zavrsje an.


Blick auf Zavrsje. Links im Hintergrund erkennt man Motovun.

Das Abendessen in der hoteleigenen Konoba war natürlich mal wieder fabelhaft. Danach lud uns das Personal ein, sich mit ihnen noch ein wenig in den Parenzanasaal zu setzen, was wir gerne annahmen. So wurde es ein unterhaltsamer Abend, wo wir vieles über die Kultur und Lebensgewohnheiten der Kroaten lernten und zum ersten Mal auch Cockta probierten. Was das ist? Ein braunes Getränk, das nach Cola aussieht, aber ein wenig nach Hustensaft schmeckt. Jedenfalls nicht schlecht. :-)
Ins Bett ging es dann erst weit nach Mitternacht. Da am nächsten Tag aber sowieso erst der Istra unser erstes Ziel sein sollte, war uns das egal.

Viele Grüße

Tobias

Antworten:

Sehr schön! Besonders das "Kulturprogramm" gefällt... :spos: Und aus Entfernungen, wie ich es auch gern mag, sieht man die Schmierereien am Triebfix gar ned... :D


LG

von awp - am 22.09.2012 04:27
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