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LVT 771, RR

[AL] Hummelflug in Albanien - Tag 4 ( m. 44 B. + 1 VL )

Startbeitrag von RR am 11.07.2013 23:36

Heute geht es weiter mit dem ersten richtigen Tag in Albanien. Die Anreise mit Ankunft in Tiranë ( Tage 1 bis 3 ) gab es hier zu sehen :

Anreise - Tage 1 - 3

Einen einigermaßenen Überblick über die Lage des Streckennetzes findet man hier :

Streckennetz Albanien

Die im Personenzugverkehr befahrenen Strecken sind hellgrün unterlegt. Die als geplant gekennzeichnete direkte Verbindung von Tiranë nach Elbasan wird derzeit in Form einer Autobahn realisiert. Die Bahn wird weiterhin den Umweg über Durrës und Rrogozhine nehmen, wenn überhaupt.

Dienstag, 21.5.2013

Mein Bekannter, der ja in der deutschen Botschaft in Tiranë arbeitet, hatte sich nicht nur bereit erklärt, mir ein Hotel zu reservieren, sondern auch einen Mietwagen zu organisieren. Ein Bekannter von ihm stellt mir sein Fahrzeug zur Verfügung, so dass ich deutlich günstiger "fahre" als mit einer gewerblichen Vermietung. So verabreden wir uns um 8.00 Uhr früh in der Rruga Skënderbeg, der Strasse in der ( fast ) alle Botschaften untergebracht sind. Das ist praktisch nur eine Parallelstrasse zu der meines Hotels, es läßt sich also ausschlafen. Auch Erion, mein Vermieter ist überpünktlich da, und für die nächsten zehn Tage ist der dann meiner :



Wir genehmigungen uns noch einen Kaffee in einem Lokal mit dem heimeligen Namen "Bistro Wintergarten" und ich stelle um kurz vor 9.00 Uhr fest, dass es keinen Sinn mehr macht jetzt aus der Stadt raus zu fahren. Zum einen habe ich gestern Abend bei der Anreise mit dem Bus schon einen Vorgeschmack darauf bekommen, wie lange es dauern könnte bis man wieder draussen ist, zum anderen kommt der Shkodër-Zug schon um 9.28 Uhr in Tiranë an, so dass ich flugs zum Bahnhof eile und das Auto erst mal stehen lasse.

Der Bahnhof von Tiranë befindet sich am Ende des Bulevardi Zogu I. und ist als solcher eigentlich gar nicht erkennbar, lediglich die Bahnhofskneipe weist namentlich darauf hin :



Die Fahrkartenausgabe und der Abfahrtsplan, die Preisübersicht sowie der Wartesaal :









Der Bahnsteig liegt etwas unterhalb und man fühlt sich gleich wie zu Hause :



Wie gesagt sollte als erstes der Zug aus Shkodër kommen, aber der verspätet sich gleich um 25 Minuten, T669 1041 erreicht mit Zug Nr. 02/03 ihr Ziel, Abfahrt in Shkodër ist übrigens um 5.45 Uhr :



Dem Zug entsteigen richtig viele Leute, von denen etliche auf den direkt neben dem Bahnhof gelegenen Markt gehen, auch oder vor allem um ihre eigenen Waren zu verkaufen. Die Lok wird nach dem raschen Absetzen vom Zug zunächst auf ein Nebengleis über eine Grube gefahren und ordentlich einer Wartung unterzogen:





Die ehemals italienischen Wagen sind der reinste Schrott, obwohl sie erst vor einem halben Jahr erfolgreich revidiert wurden :



Planmäßig um 10.45 Uhr sollte der Zug aus Elbasan aufschlagen, aber auch der läßt sich 30 Minuten Zeit. T669 1053 mit Zug Nr. 06/07 aus Elbasan, von wo dieser um 6.40 Uhr los fährt :



Auch T669 1053 wird zuerst auf das Nebengleis zum Auffrischen gefahren, während sich T669 1041 bereits wieder vor Ihren Zug nach Shkodër gesetzt hat, der um 13.10 Uhr zurückfahren soll :



Ich beschließe nun als einzig sinnvolle Möglichkeit die Fährte eben dieses Zuges nach Shkodër aufzunehmen, so dass ich langsam zu meinem Wagen zurückgehe, vielleicht gute 20 - 25 Minuten zu Fuß. Unterwegs komme ich über den Skënderbeg-Platz im Zentrum von Tiranë. Dort gibt es ein landestypisches Volksfest ...



... sowie ein überlebensgroßes Reiterdenkmal mit Gjerg Kastrioti Skënderbej aus dem Jahre 1968, dahinter ist das Nationalmuseum mit einem typisch sozialistischem Mosaik zu sehen :



Gjerg Kastrioti Skënderbej dient als große männliche Identifikationsfigur in Albanien, da er es zur Zeit der großen osmanischen Invasion im 15. Jahrhundert als einziger schaffte, die verschiedenen albanischen Stämme zu einigen und dadurch bis zu seinem Tod 1468 die Türken zurückzudrängen und davon abzuhalten, Albanien zu besetzen. Von einer solchen Einigkeit dürfte Albanien heute träumen, aber dazu an anderer Stelle mehr. Würde er jedenfalls hier losreiten, käme er direkt zum Bahnhof, denn dieser liegt am Ende der Flucht des Bulevardi Zogu I. in Blickrichtung des albanischen Helden, und er könnte mit T669 1041 nach Shkodër weiterfahren ...



Aber das ist wohl der Phantasie zu viel des Guten. Ich fahre dem Shkodër-Zug voraus und will nach Vorë. Dies liegt an der Strecke Tiranë - Durrës, dort zweigt dann die Bahn nach Shkodër ab, sie nimmt also nicht den direkten Weg. Es gelingt mir gut, mich an den albanischen Strassenverkehr anzupassen, Hupen und Gas geben abwechselnd im Takt, die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h innerorts scheint nicht mal als grobe Richtgeschwindigkeit zu taugen, na ja, dabei sein und mitmachen ist alles. Übrigens, das am häufigsten anzutreffende Fahrzeug ist wohl der Mercedes W 123 :



Dann aber schon dicht gefolgt vom 124er. Kein Wunder dass bei uns kein 123er mehr zu einem vernünftigen Preis aufzutreiben ist.

Nun macht sich bereits ein großes Manko bemerkbar, nämlich das Fehlen einer detaillierten Landkarte. Ich versuche mich mit der 1:200.000 - Karte von Freytag & Berndt zurecht zu finden, was sich auch angesichts oft fehlender Beschilderung als manchmal untauglicher Versuch herausstellt. Normalerweise arbeite ich ja mit 1:50.000 - Material. Das Anfahren des Bahnhofs Vorë stellt schon eine große Herausforderung dar, obwohl ich ihn von der Schnellstraße schon erblickt hatte, aber immerhin komme ich trotz großen zeitlichen Vorsprungs noch knapp vor dem Zug an.

Im Bahnhof steht T669 1042 und wartet auf die Beladung einiger Güterwaggons. Der Bahnhof Vorë ist der einzige Ort, an dem ich irgendeinen Bezug zum Güterverkehr erkennen kann, sonst nirgends habe ich ( betriebsfähige ) Güterwaggons erblickt.



Die Herren, die die Waggons beladen, machen erstmal Pause und wollen unbedingt fotografiert werden, offenbar ein großes Bedürfnis auf dem Balkan, dem man gerne nachkommt :



In diesem Moment kündigt sich auch schon T669 1041 mit Zug 14/15 nach Shkodër durch lautes Pfeifen an und erreicht den Bahnhof Vorë :



Rechts sind das Empfangsgebäude sowie ein Café zu sehen :



Der Zug wartet auf eine Kreuzung mit Zug Nr. 11 Durrës - Tiranë. Alles spielt sich so kurz nach 13.30 Uhr ab. Ich weiß nicht, dass der Zug aus Durrës zwei Lokomotiven vorgespannt hat und so verschätze ich mich mit der Wahl meines Standpunktes :



Dann erfolgt eine Lokrochade. Die Lok an der Spitze des Durrës-Zuges, T669 1032 übernimmt den Zug nach Shkodër ( ein Richtungswechsel ist erforderlich ), auch die zweite Lok setzt ab und bleibt zurück und T669 1041, die mit dem Shkodër-Zug aus Tiranë gekommen war übernimmt den Durrës-Zug und fährt wieder zurück nach Tiranë. Letzteren passe ich noch ab kurz hinter Vorë, nachdem der Shkodër-Zug schon einige Minuten vorher abgefahren war :



Dann folge ich dem Shkodër-Zug und erfahre sogleich, dass ich mich von der Vorstellung, die Züge könne man ja locker überholen, so langsam wie sie fahren, verabschieden muß. Den Zustand der albanischen Straßen habe ich dabei nicht eingerechnet. Ich hätte gedacht den Zug leicht bis Mamurras ( etwa 50 Minuten Fahrzeit ab Vorë ) überholt zu haben, aber ich treffe ihn direkt an einem Bahnübergang kurz vor Mamurras. Ich hatte dabei die Schnellstrasse / Autobahn von Tiranë nach Shkodër, die ich mittlerweile bei Fushë-Krujë wieder erreicht hatte, verlassen. Nun folgt der entscheidende Fehler, ich glaube den Zug auch östlich der Bahnstrecke auf einer - laut meiner Karte - gut ausgebauten Strasse bis Milot locker überholen zu können, anstatt wieder zurück auf die Schnellstrasse / Autobahn westlich der Bahnstrecke zu fahren. Aber die etwa 20 Kilometer waren nur im Schrittempo zu befahren, es gibt nur noch das Planum einer ehemaligen Strasse :



Und so erreiche ich Milot exakt zur Abfahrtszeit des Zuges, ich weiß aber nicht ob er schon durch ist. Anhand der Aufnahmezeit des Bildes am BÜ bei Mamurras sehe ich, dass er dort etwa 2 Minuten nach Plan war, er könnte also kommen, so dass ich mich nach Milot an die kombinierte Strassen- / Schienenbrücke über den Mat stelle, einen Fluß der aus den ostalbanischen Bergen kommt und in das Adriatische Meer mündet. Ich warte 20 Minuten und breche ab nachdem nichts kommt, dieses Motiv sollte bis zuletzt verflucht bleiben. Ich fahre bis Lezhë weiter, zumindest die Strasse ist jetzt befahrbar und sehe den Zug dort gerade aus dem Bahnhof ausfahren, ich muß ihn also wirklich ganz knapp in Milot verpasst haben - und hier auch. Und alles bei perfektem Sonnenschein ... Also keine Experimente mehr, ich fahre gleich bis Shkodër, ich muß dort ja noch den Bahnhof suchen, was sich wieder als nicht so einfach darstellt - die Stadt hat über 100.000 Einwohner, aber es gelingt mir :



Das Empfangsgebäude ist großzügig dimensioniert :



Irgendwie scheint man sich irgendwann doch einmal mit der Eisenbahn identifiziert zu haben :



Heute ist das ganz anders. Ich habe nicht einen getroffen - auch keinen Eisenbahner - der etwas gutes über die albanische Eisenbahn gesagt hat. Der Stellenwert der Bahn ist ganz unten angesiedelt, vielerorts wird sie nur belächelt.

Der Abfahrtsplan von Shkodër - sieht nach viel aus, ist aber nur ein Zugpaar nach / von Tiranë :



Vor dem Bahnsteig steht T669 1039 vor einer Reihe abgestellter Wagen, vielleicht war sie im grenzüberschreitenden Güterzugdienst nach Tuzi eingesetzt, leider ließen es die Sprachbarrieren nicht zu, das herauszufinden :



Sodann nahte T669 1032 mit ihrem Zug aus Tiranë. Auch wenn es nicht so aussieht, sie hält am Hausbahnsteig und entläßt die Fahrgäste in ihre Freiheit :





Gleich wird umgesetzt :



Und schon steht der Zug bereit für die frühe Abfahrt nach Tiranë am nächsten Morgen, während ein älterer Herr am Bahnsteig seine Kuh spazieren führt - im übrigen gerade zur Abendzeit ein vielbeobachtetes Phänomen :



In der Zwischenzeit hatten die Damen vom Putztrupp den Zug bereits geentert und ihn einer gründlichen Reinigung unterzogen. Das was als Abfall anfällt wird dann ohne viel Aufhebens noch an Ort und Stelle rückstandsfrei entsorgt :



Ich habe schon Anfälle von Keuchhusten und will mir noch ein bischen die Stadt ansehen. Auf dem Weg dorthin verstehe ich, warum man mir geraten hatte, nicht bei Dunkelheit mit dem Auto zu fahren. Wenn man mit einer Baustelle nicht fertig wird, läßt man offenbar alles wie es ist stehen ohne Absicherung o.ä., bei uns undenkbar :



Der zentrale Platz in Shkodër ist der Sheshi Demokracia, neben dem auch gleich das Hotel Rozafa liegt :





Wenige Schritte entfernt ist die Moschee Ebu Bekir :



Daran anschließend befindet sich eine Fußgängerzone, in der sich u.a. ein Lokal an das andere reiht, aber alles sehr einladend :





Ich fahre dann wieder zurück nach Tiranë, etwa 100 km. Unterwegs will ich in Lezhë noch die Zufahrt zum Bahnhof suchen, die wieder sehr versteckt liegt, aber so weiß ich das schon für den nächsten Versuch :





Ein Blick in Richtung Shkodër, die allabendliche Müllentsorgung ist im Gange während sich die Schafe am Bahngleis laben dürfen :



Als dann der ältere Herr mit dem Schnellfeuergewehr auftaucht und den Bahnsteig entlang patroulliert beschließe ich einen kontrollierten Rückzug meinerseits :



Ich hatte geplant noch zum 20.00 Uhr - Zug nach Durrës wieder in Tiranë zu sein. Gestern bei der Ankunft mit dem Bus sind wir über einen Bahnübergang gefahren, der gut für ein Video taugt. Es ist der einzige mit Licht- und Tonsignal gesicherte Bahnübergang in Albanien, die Ausfallstraße SH1 nach Shkodër überquerend, T669 1041 mit Zug Nr. 18 Tiranë - Durrës :

www.youtube.com

Das war es für Tag 4. Im nächsten Teil geht es in die Berge nach Elbasan und Librazhd und es gibt wieder ein schönes Bahnübergangs-Video. Bis dahin...

viele Grüße Robert

Antworten:

Wunderbarer Beitrag, wollte auch habe mich dan aber umentschieden

von LVT 771 - am 15.08.2013 17:17
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