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vor 4 Jahren, 4 Monaten
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RR

[AL] Hummelflug in Albanien - Tag 5 ( m. 20 B. + 1 VL )

Startbeitrag von RR am 24.08.2013 23:13

Nun geht es weiter mit Teil 3, respektive Tag 5, dem zweiten Tag in Albanien. Es hat etwas gedauert, aber die Sommerszeit ist für das Verfassen eines Rückblickes nicht so geeignet, eher für Sammeln neuen Materials ;)

Mittwoch, 22.5.2013

Nachdem das Wetter während der Anreise und am ersten Tag noch makellos war, hat es nun leider umgeschlagen. Als mich um 6.00 Uhr der Wecker weckt regnet es. Ich entschließe mich zum Weiterschlafen und stehe erst gegen 8.30 Uhr auf. Der Blick aus dem Fenster zeigt erste Wolkenlücken auf, so dass ich mich bereit mache doch noch aus der Stadt zu fahren. Zumindest mal gucken Richtung Elbasan, in´s Gebirge. Vielleicht geht ja was. Zuerst aber - weil es am Weg liegt - möchte ich mir einen Wunsch erfüllen, nämlich einmal das albanische Fußball-Nationalstadion zu sehen. Als Kind bzw. Jugendlicher haben mich die wenigen Spiele der DFB-Elf gegen Albanien während der EM- bzw. WM-Qualifikation immer fasziniert, oft haben die Deutschen nur knapp gewonnen. Nun also da, am "Stadiumi Qemal Stafa", und einen kleinen, bewegenden Blick erhascht :





Dann fahre ich auf die SH3, den direkten, aber beschwerlicheren Weg über das Gebirge von Tiranë nach Elbasan. Es geht halt bergauf, bergab, aber die Straße ist gut. Parallel dazu wird aktuell eine Autobahn gewaltsam durch die Berge getrieben, mit vielen Tunnels und Brücken, ein Graus. Die wunderschöne Landschaft zerstört. Ich glaube auch nicht, dass die arme Bevölkerung viel davon hat, 20 Minuten eher in Elbasan zu sein, wo es andererseits am Notwendigsten fehlt. Hier geht es wieder nur um´s Prestige und Wahlversprechen.

Ein Blick zurück auf Tiranë :



Im weiteren Verlauf ergeben sich herrliche Ausblicke, kaum Zivilisation :



Wieder hinunter geht es nach Elbasan, und ich will dem Zug, der bereits in Librazhd ist, entgegenfahren und nach möglichen Motiven suchen. Es fährt täglich ein Zug von Tiranë über Durrës und Elbasan nach Librazhd, dem jetzigen Endpunkt der einst bis Pogradec am Ohrid-See führenden Strecke. Und natürlich wieder zurück, und der ist jetzt im Visier. Ich fahre und fahre, meist der Bahn entlang, als ich plötzlich einen größeren Ort vor mir sehe, es ist schon Librazhd, das ging richtig schnell. Der Zug braucht dafür fast eine Stunde, ich war vielleicht 15 - 20 Minuten von Elbasan gefahren. Es ist 11.50 Uhr, in 5 Minuten soll der Zug abfahren. Ich packe mein Telezoom aus um zu sehen, wo der Bahnhof liegt und tatsächlich erkenne ich die nicht zu übersehenden Halberstädter und die grüne Lok. Ein Blick nach oben zeigt mir ein großes Sonnenloch in der Wolkendecke, also bleibe ich gleich am Hang gegenüber des Ortes und beobachte die Ausfahrt von Treni Nr. 19 Librazhd - Tiranë :



Der Fluß im Vordergrund ist der Shkumbin. Ein kleines Stück weiter überquert der Zug den Fluß Rraponi, der sodann in den Shkumbin mündet :



Letzterer wird dann hier überquert :



Die Bahn führt meist entlang des Flusses durch Tunnels und über Brücken, und es ergeben sich immer wieder schöne Einblicke in die Schluchten, wie hier auf dem längeren Streckenabschnitt zwischen Mirake und Elbasan :





In Elbasan hatte ich bei der Hinfahrt bereits ein interessantes Motiv entdeckt, ein Bahnübergang kurz vor dem Bahnhof. Im Gleisbereich findet ein Basar statt und es herrscht ein wahrlich reges Treiben. Neben dem Bahnwärterhäuschen auf den Gleisen sitzen einige Männer, die Domino spielen. Ich frage sie, ob es sie störe, wenn ich ein Video vom Zug mache, sie sind zunächst verwundert aber dann begeistert. Zuerst aber müssen sie ihr Spiel für ein paar Minuten unterbrechen und den Gleisbereich räumen, zweimal am Tag dürfte für sie erträglich sein. Der Schrankenwärter und sein Kollege haben einige Mühe das Gleis frei zu halten, zum Schluß eilen drei Polizisten zu Hilfe. Die Schranken werden per Hand nach unten gelassen :



Das Video dazu, es gibt doch einen Einblick in den albanischen Alltag :

www.youtube.com

Zwischen Elbasan und Paper gelingt noch ein Bild ...



... ehe das Sonnenloch zu Ende geht und die Bewölkung wieder Oberhand gewinnt. Aber ich bin froh und dankbar für diese eine Stunde Sonne, von der ich heute morgen nur zu träumen gewagt habe. Ich wähle jetzt nicht mehr den Weg über die Berge zurück nach Tiranë, sondern den etwas längeren, aber flach verlaufenden und gut ausgebauten über Durrës, mit der Option, mal den dortigen Bahnhof zu suchen. Zunächst halte ich mich fälschlicherweise zu weit links vom Bahnhof und gerate in den Hafenbereich, der von der übrigen Stadt mit einem hohen Sperrzaun abgetrennt ist. Das dürfte wohl zu kommunistischen Zeiten den Sinn gehabt haben, etwaige Fluchtversuche über das Meer zu verhindern. Der Zaun war zumindest effektiv angelegt, denn auch ich komme nicht mehr heraus, ich fahre und fahre, aber es gibt keinen Durchgang, den Bahnhof habe ich sichtlich längst rechts hinter mir gelassen. Irgendwann geht es gar nicht mehr weiter und ich drehe um und fahre alles wieder zurück, bis auch ich am Bahnhof ankomme. Durrës ist ein Kopfbahnhof, hier die Strassenseite :



Die Wartehalle :



Der Fahrplan und die Fahrpreise :





Optimistisch wirbt die HSH in der Wartehalle für ihr Produkt :



Die Kinder mobiler ethnischer Minderheiten werden mit Gummibärchen mehr als zufrieden gestellt, die Mutter bedankt sich mit einem "Grazie" und ich warte auf Treni Nr. 12/13 von Tiranë nach Elbasan, Ankunft 15.15 Uhr. Es beginnt zu regnen :



Dann kommt ja noch "mein" Zug aus Librazhd, Ankunft 15.42 Uhr, also nach fast 4-stündiger Fahrt ! Pünktlich zur Einfahrt tut sich nochmals eine Wolkenlücke auf :



Die Signale braucht schon lange keiner mehr. Rechterhand ist übrigens der erwähnte Zaun zum Hafen hin zu sehen.

Es wird umgesetzt :





Dann wird es wieder dunkel und ich fahre zurück nach Tiranë, mehr geht heute nicht mehr.

Im nächsten Teil gibt es einen Tagesausflug mit dem Zug von Tiranë nach Durrës.

Bis dahin beste Grüße

Robert

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