Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Fotogalerie Balkanländer
Beiträge im Thema:
1
Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 6 Monaten
Beteiligte Autoren:
RR

[AL] Hummelflug in Albanien - Tag 6 ( m. 25 B. + 4 VL )

Startbeitrag von RR am 30.09.2013 21:32

Heute geht es nach einer längeren Pause endlich weiter mit meinen Eindrücken aus Albanien. Tatsächlich bin ich an diesem 6. Tag mehr auf touristischen Pfaden unterwegs, da das Wetter keine vernünftigen Eisenbahnbilder zuläßt. Es gibt aber interessante Videos, auf dem Programm steht eine Fahrt mit dem Zug von Tiranë nach Durrës.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Wie bereits am Vortag angekündigt ist das Wetter unter aller S.. . Also mache ich mich mit dem Zug auf nach Durrës, um mir die Stadt anzusehen. Mein Zug Nr. 10 nach Durrës in Tiranë mit T669 1041, um 8.45 Uhr soll es losgehen :



Am Bahnsteig steht auch schon der Polizist, in jedem Zug fährt einer mit. Kurz vor der Abfahrt hat er sich noch eine Tüte Kartoffeln vom Markt neben dem Bahnhof geholt.

Der Markt ist auch am Anfang des Videos von der Ausfahrt aus Tiranë zu sehen, wegen des schlechten Wetters ist im Außengelände jedoch wenig los :

www.youtube.com

Die Halberstädter Wagen machen innen einen sauberen und guten Eindruck - kein Wunder, werden sie doch vor jeder Fahrt gereinigt - lediglich die Fenster sind durchgehend zertrümmert und kaputt, zumindest hält das Verbundglas den Steinwürfen stand :





Es sind wohl vor allem Jugendliche, die sich daraus einen Spaß machen, die Züge mit Steinen zu bewerfen. In einem Video weiter unten werden wir das Live erleben.

Durrës ist mit gut 100.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Albaniens nach Tiranë und verfügt über den größten Seehafen des Landes. Den gucke ich mir zuerst an, nachdem dieser direkt neben dem Bahnhof liegt, es gibt aber nicht viel zu sehen. Da es regnet beschließe ich, mir zuerst einen Kaffee in einer Bar zu gönnen und in meinem Reiseführer zu schmökern. Nachdem es halbwegs trocken ist beginne ich meinen Rundgang und lande als erstes auf dem "Rathausplatz" :



Dort befindet sich die neue Moschee Xhamia e Re ...



... und natürlich das Rathaus, gehalten in neoklassizistischem italienischem Architekturstil :



Gleich daneben der wohl meistbesuchte "touristische Anziehungspunkt", das im 2. Jahrhundert erbaute Amphitheater, in dem etwa 15.000 Zuschauer den Gladiatorenkämpfen beiwohnen konnten :



Das Amphitheater soll 1966 nur zufällig entdeckt worden sein, als ein Bewohner der Stadt seinen Garten umgraben wollte. Nachdem rundherum alles bebaut ist, sind weitere Ausgrabungen nicht möglich, könnte aber wohl eh keiner bezahlen. Apropos, ich investiere gerne die 300 Leke Eintritt und sehe mir das Theater von innen an - ich bin übrigens der einzige Besucher :



In der unteren Galerie gibt es eine byzantinische Kapelle mit einem gut erhaltenen Wandmosaik, das zu den seltensten frühchristlichen bildlichen Darstellungen gehört und damit eine kunsthistorisch bedeutende Sehenswürdigkeit des Landes ist :



Nur die Tiere, die stelle ich mir vor knapp 2000 Jahren etwas gefährlicher vor als das, was heute dort rumläuft :



Danach begebe ich mich in Richtung Meer. Richtig einladend ist das alles nicht, weder an der Promenade ...



... noch das, was dahinter liegt :







Auf dem letzten Bild sieht man auf dem Hügel die Villa Zogu, die ich nun besuchen will. Zogu war ab 1920 Verteidigungs- u. Innenminister Albaniens sowie ab 1922 mit Unterbrechungen Ministerpräsident, ehe er sich 1928 selbst zum König ernannte und in Albanien die konstitutionelle Monarchie einführte. Mit dem Einmarsch Mussolinis in Albanien 1939 floh König Zogu mit einem Mercedes Benz 540K, einem Hochzeitsgeschenk Adolf Hitlers, ins Exil. Im weiteren Verlauf nutzten sowohl die Italiener und Nazis als auch der spätere kommunistische Diktator Albaniens, Enver Hoxha, das Gebäude. Mittlerweile steht es leer, alles was nicht niet- und nagelfest war, wurde geplündert.

Der Aufstieg beginnt unten am Hafen, am venezianischen Tor :



Als ich fast oben angekommen bin, öffnet sich ein Blick über die Stadt ins Landesinnere :



Die Villa Zogu :



Leider ist alles versperrt und keine Besichtigung möglich. Der Ausblick von hier oben ist dennoch grandios, so dass ich noch etwas verweile ehe ich wieder nach unten gehe und mir in einem Grillimbiss etwas zu essen kaufe. Wie immer ist es abenteuerlich, obwohl ich nur das gleiche will wie alle anderen, die in dem kleinen Raum sitzen. Offenbar überwiegend StudentInnen aus der nahen Universität, ein Mädchen ist so nett und übersetzt mein Anliegen vom Englischen ins Albanische. Die ältere Dame hinterm Tresen atmet auf, also dasselbe wie alle anderen : Gyros im Pita mit Pommes, dazu eine Cola.

Auch vor dem Lokal gibt´s was zu futtern :



Immer wieder trifft man in der Stadt auf propagandistische Skulpturen :





So langsam will ich meinen Rundgang wieder in Richtung Bahnhof lenken, komme aber noch an einem antiken Forum vorbei :



Fischläden gibt es natürlich jede Menge :



Der Stadtverkehr wird überwiegend mit dem Iveco Inbus bewältigt, der aus Florenz importiert wurde :



Die deutsche Konkurrenz hingegen fährt übers Land und ist vor dem Bahnhof anzutreffen :



Also wieder am Bahnhof angekommen warte ich auf meinen Zug Nr. 19 von Librazhd nach Tiranë, mit dem ich wieder zurück fahren will. Es wird eine zweite Lok eingestellt, die in Vorë wieder vom Zug geht. Erst später merke ich, wie sich das Meersalz auf meinem Objektiv niedergelassen hatte und nun zu einer schönen Weichzeichnung führt :



Der Lokführer spricht mich an und lädt mich ein auf der Lok mitzufahren. Ich nicke und er schaut etwas enttäuscht, ich frage noch ob ich bis Tiranë mitfahren könne, er schüttelt den Kopf. Ich verstehe nichts mehr und erst am Abend dämmert es mir, ich hatte ja vorher gelesen, dass in Albanien das Kopfnicken "Nein" bedeutet und das Kopfschütteln "Ja". Nun weiß ich, dass es wirklich so ist, die Mitfahrt auf der Lok habe ich jedenfalls vergeigt.

Aber zumindest nehme ich gleich im Wagen hinter den beiden Loks Platz und zücke meine Videokamera. Das erste Video zeigt die Ausfahrt aus Durrës bis zum Bahnhof Sukht. Der erste Halt etwa bei Min. 4.00 ist Shkozet, noch ein Stadtteil von Durrës, dort liegt auch das BW, das unmittelbar danach passiert wird und nach dem BW, etwa bei Min. 7.20 am Abzweig der Strecke nach Rrogozhine nach rechts steht eine Gruppe Jugendlicher, die den Zug mit Steinen bewerfen. Da ich mich auf den Monitor meiner Videokamera konzentriere, bemerke ich sie zunächst nicht und werde erst durch den Einschlag des ersten Steines aufgeschreckt und gehe in Deckung, der zweite Stein trifft das Fenster neben mir. Glück gehabt :

www.youtube.com

Das zweite Video beginnt kurz vor Vorë. In Vorë wird die erste Lok abgehängt, sie wird wohl einen Güterzug übernehmen. Das Video endet kurz hinter Vorë :

www.youtube.com

Das dritte Video beginnt bereits im Stadtgebiet von Tiranë und zeigt die letzten etwa 15 min. bis zum Endbahnhof Tiranë. In weiten Teilen des Videos fahren wir übrigens einem wunderschönen Regenbogen entgegen :

www.youtube.com

Mittlerweile ist ja bekannt, dass der Bahnhof Tiranë seit 1.9.2013 stillgelegt und auch schon großenteils dem Erdboden gleichgemacht ist, um den Boulevard Zogu zu verlängern und das Areal bebauen zu können. Die Einzelheiten findet man hier :

www.drehscheibe-foren.de

www.forumtrenuri.com

Da sich das Wetter nur zögerlich bessert wird der nächste Teil mit Tag 7 ziemlich kurz und sollte bald folgen.

Viele Grüße Robert

Antworten:

Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.