[AL] Hummelflug in Albanien - Tag 7 ( m. 22 B. )

Startbeitrag von RR am 11.10.2013 22:25

Heute präsentiere ich euch Tag 7, wieder gibt es aber nur wenige Eisenbahnbilder. Wettertechnisch wuchs sich das Ganze zu einer kleinen Katastrophe aus - ungewöhnlich für diese Jahreszeit habe ich mir sagen lassen, und das wenn ich schon mal da bin :mad:

Freitag, 24. Mai 2013

Die Prognose lautete maximal für Nachmittag Wolkenlöcher mit Hoffnung auf Sonne, so dass Ausschlafen wieder mal vorgezogen wurde. Den Vormittag verbrachte ich mit einem kleinen Rundgang in Tiranë, beginnend an der Rruga e Durrësit in Richtung Sheshi Skënderbej, den wir bereits in Teil 2 kennengelernt haben :



Östlich des Sheshi Skënderbej liegen einige Ministerien verstreut, diese hier wurden in den 1930er Jahren im Stile italienischer Renaissance-Paläste errichtet :



Am Bulevard Dëshmorët E Kombit liegt die sogenannte Piramida, die 1988 als Memorialbau und Museum für Enver Hoxha, den kommunistischen Herrscher errichtet wurde. Bezeichnender Weise entworfen von dessen eigener Tochter gilt er als teuerster Bau, der jemals im Kommunismus verwirklicht wurde :



Mittlerweile ist sie nicht mehr als eine Ruine und soll einem neuen Parlamentsgebäude Platz machen, aber es gibt auch Gegner die den Bau erhalten wollen. Derzeit dient die Piramida ausschließlich als "Rutschbahn", das Erklimmen derselben habe ich mir aber doch verkniffen :



Derzeit tagt das Parlament noch schräg gegenüber :



In unmittelbarer Nähe hat man einen der zu tausenden im Land anzutreffenden Betonbunker "musealisiert" und zugänglich gemacht :





Enver Hoxha hatte Anfang der 1970er Jahre nach dem Austritt Albaniens aus dem Warschauer Pakt und der damit beginnenden vollkommenen Isolation Albaniens etwa 700.000 Stück im ganzen Land errichten lassen aus Angst vor potentiellen Invasoren.

Im weiteren Verlauf des Bulevard Dëshmorët E Kombit, südwestlich des Sheshi Skënderbej, gelangt man zum sogenannten Blloku-Viertel, dem bereits zu kommunistischen Zeiten vornehmsten Wohn- u. Geschäftsviertel der Stadt. Der Unterschied war, dass das Viertel zu kommunistischen Zeiten abgeriegelt und Tag und Nacht vom Militär bewacht war, so dass dem Normalbürger verborgen blieb, wie es sich die Bonzen gut gehen ließen. Heute darf das jeder sehen. Es gibt deutsche Spielhöllen ...



... und Fast Food, mit dem naheliegenden Namen Albania Fried Chicken :



Ein nobles Café reiht sich an das andere, und mitten drin steht die ehemalige Wohnresidenz Enver Hoxha´s :



Das unbewohnte Haus ist zwar nicht als solches beschildert, aber meinem Reiseführer nach müßte es das schon sein. Verläßt man das schöne Blloku-Viertel, trifft man wieder auf das gewohnte Bild :



Zumindest möchte ich kein Elektriker sein, wenn der Strom mal ausfällt :



Und überall am Strassenrand sitzen Leute und wollen was verkaufen, die Bauern kommen früh vom Land mit ihrem Gemüse und fahren nachmittags wieder zurück :



Ich hole mir in einem Imbiss ( nicht AFC ;) ) noch ein Gyros im Pita und lasse mich damit in einem Park nieder. Beim Essen habe ich gerne meine Ruhe, so dass ich es nach nicht mal einer Minute bereue, als schon wieder einer neben mir sitzt und ein Gespräch beginnt. Schön langsam habe ich mich ja daran gewöhnt, dass man selbst in der Hauptstadt kaum einen Schritt gehen kann ohne angesprochen zu werden. In 99 % der Fälle war das auch angenehm und interessant, aber dieser Kamerad war etwas aufdringlich und ich entkomme nur, indem ich vorgebe, mich gleich mit einem Freund zu treffen. Das Gyros habe ich daher etwas gehetzt verschlungen :-(

Aber tatsächlich will ich ja aufbrechen, die Zeit des Shkodër - Zuges naht. Das Einzige im Land, was nachmittags noch vernünftig umzusetzen ist. Ein Zug, nicht viel. Ich will es zum zweiten Mal mit der kombinierten Schiene-Strassenbrücke bei Milot versuchen, nachdem ich beim ersten Versuch vor drei Tagen um wenige Minuten zu spät gekommen bin und der Zug bereits durch war.

Also fahre ich nach Milot und sehe mir erstmal den Bahnhof an, ich bin reichlich früh dran, aus Fehlern lernt man ja :



Es ist noch dunkel, dennoch postiere ich mich an der Brücke und hoffe auf eine Wolkenlücke. Dass sich diese nicht auftut, muß ich wohl nicht extra betonen. Ich warte zwar bis der Zug in Sichtweite ist, breche dann aber wegen Aussichtslosigkeit ab. Zweiter Versuch gescheitert. Ich sehe aber blauen Himmel nordwärts, so dass ich dem Zug vorausfahre an eine Stelle, die ich vor drei Tagen schon entdeckt und für gut befunden hatte. Eine gefühlte Ewigkeit warte ich auf T669 1032 und ihren Zug Nr. 15 Tiranë - Shkodër, der sich mit maximal 30 km/h zwischen Milot und Lezhe den Weg bahnt :



Nächster Programmpunkt war der Bahnhof Lezhe, der nun aber wegen der kürzeren Wegstrecke ( geplant war ja das erste Bild an der Brücke in Milot ) und damit verbundener kürzerer Zeit, den Zug zu überholen, gefährdet war. Jetzt wo die Sonne scheint ! Etwas abenteuerlich - den örtlichen Verhältnissen aber durchaus angepasst - durchquere ich die Stadt Lezhe, den unscheinbaren Weg zum Bahnhof hatte ich ja glücklicherweise auch schon vorher ausgekundschaftet, und komme etwa eine halbe Minute vor dem Zug an :



Zahlreiche Passagiere steigen ein, einige aus, der Zug ist gut ausgelastet :



Die Ausfahrt aus Lezhe :



Eines der klassischen Motive an der Strecke ist die Überquerung des Drin auf dem Staudamm zwischen Mjede und Shkodër. Natürlich war das auch für mich ein Muß, das aber ist wahrscheinlich der Fehler. Wie bei der Schiene-Straßenbrücke bei Milot endet auch dieser Motivfang tragisch. Den ersten Versuch starte ich gleich im Anschluß, war die Überholung relativ problemlos möglich und schien bei meiner Ankunft sogar noch die Sonne, verabschiedete sie sich aber rechtzeitig bei Eintreffen des Zuges :



Schaurig dunkel. Ich bin etwas frustriert, den ganzen Tag nur zwei Motive in der Sonne. Ich fahre zurück in Richtung Tiranë und sehe von der Küste schönes Wetter kommen, das heißt ich könnte ja noch dem letzten Zug von Durrës nach Tiranë entgegenfahren, der kommt ja von der Küste. Von der gestrigen Zugfahrt habe ich noch in Erinnerung, dass an der Einfahrt in Vorë ein besetzter Weichenposten steht. Ich schaue auf meine 1:200.000-Karte und denke das könnte lichtmäßig hinkommen. Tut es zwar nicht, aber besser als die letzten Licht-Aus-Bilder ist es dennoch, T669 1041 mit Zug Nr. 17 Durrës - Tiranë in Vorë :



Sodann fahre ich endgültig nach Tiranë zurück, die Anfahrt ist immer wieder beeindruckend :



Und man weiß gleich am ersten Kreisverkehr wo man ist :



Der nächste Teil bringt mehr Sonne bzw. mehr Wolkenglück und demzufolge wieder viele Eisenbahnbilder. Es geht nach Vlorë in den Süden und ich besuche das Betriebswerk in Shkozet.

Viele Grüße Robert

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