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vor 4 Jahren, 9 Monaten
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vor 4 Jahren, 9 Monaten
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J.N., s-lin, awp

Walachische Wolkenlöcher - Teil 4 mit 10 Bildern (von Slobozia in die Dobrudscha, 13.09.13)

Startbeitrag von J.N. am 16.10.2013 21:08

Guten Abend,

nachdem ich zwischenzeitlich die anderen Bildberichte (nicht nur aus RO) in diesem Forum genossen habe, soll es nun endlich den Abschluss der kleinen Walachei-Serie geben. Eigentlich ist der Titel mit diesem Teil überholt, denn wir verbringen heute die meiste Zeit in der Dobrudscha. Man erinnere sich aber: Wir waren am Abend des 12.9. in Slobozia gelandet und das liegt immerhin noch in der Walachei.

Von Slobozia aus starteten wir am nächsten Morgen ostwärts, um an die elektrifizierte Strecke Faurei - Tandarei - Fetesti zu kommen. Das Wetter war zwar unter aller Sau, doch als uns wenige Kilometer hinter Slobozia eine private 69er aus Tandarei entgegen kam, machten wir rasch kehrt für ein Foto. Wahrhaft nix besonderes, aber man ist ja über jeden Zug, den man auf Strecken ohne Personenverkehr erwischt, doch irgendwie immer froh:


08:59 69-0063 mit Kesselwagen Richtung Slobozia

Auf der Weiterfahrt erspähten wir im Bahnhof Bucu noch Formsignale, aber wir strebten weiter ostwärts. Von der Strecke Faurei - Tandarei - Fetesti erhoffte ich mir regen Güterverkehr, immerhin ist das die kürzeste Verbindung zwischen dem Hafen Constanta und der von s-lin gezeigten Stahlindustrie bei Galati. Der Bahnhof Tandarei war an diesem Morgen auch reichlich vollgeparkt mit allerlei Geraffel, weswegen wir uns in freudiger Erwartung südlich des Ortes bei Platonesti postierten. Zunächst jedoch einer der raren Fensterzügen auf dieser Strecke, für den es unerwartet sogar schon leicht aufriss:


09:59 44-0092 mit R 8201 Buzau - Fetesti

Dann setzte sich die Sonne richtig durch, von den in Tandarei gesichteten, z.T. sogar abfahrbereiten Zügen wollte aber einfach keiner kommen. Als wir kurz nach 11 Uhr gingen, kam ein Cargo nordwärts - mehr gab's hier nicht zu sehen. Da hatte ich wohl falsche Hoffnungen gehegt oder wie bei Cargo nicht unüblich fährt man hier nächstens.

Wir wechselten an die Piste Bukarest - Constanta, die in Fetesti auf unsere bisherige Strecke aus Faurei trifft. Am Ortseingang von Fetesti ließ der erste Güter nicht lange auf sich warten - na also, geht doch!


11:57 40-0260 mit "Zwiebelwagen" Richtung Medgidia. Diese Garnitur sollten wir wiedersehen, soviel sei jetzt bereits verraten...

Richtig zufrieden waren wir mit den Motiven in diesem Streckenabschnitt allerdings nicht, weswegen wir nach einiger Sucherei rund um Fetesti schließlich auf die andere Donauseite wechselten. In Cernavoda, wo der Donau-Schwarzmeer-Kanal vom zweitlängsten europäischen Fluss abzweigt, geben die Brückenkonstruktionen ein imposantes Motiv ab. Rechts die heute stillgelegte Eisenbahnbrücke aus den 1890er Jahren, links die kombinierte Auto-Bahn-Brücke aus den 1980ern. Im Gegensatz zur Schiene hielt sich der Güterverkehr auf der Straße zum Glück in Grenzen.


13:02 40-0791 und 69-0052 (Zugschluss) mit Getreidezug Richtung Constanta

Zehn Minuten später folgte noch ein CFR-Marfa-KLV mit obligatorisch grauer 40er, so dass wir das Motiv zufrieden verließen.

Die nächste Position wurde westlich von Medgidia bezogen. Hier verlaufen Eisenbahn und Donau-Schwarzmeer-Kanal fotogen parallel, so dass wir runde zwei Stunden auf dem Fotohügel verbrachten, ohne dass uns ernsthaft langweilig wurde. Kaum angekommen, auch schon der erste Güterzug aus Constanta:


14:45 40-1009 mit H-Wagen Richtung Fetesti

(Dass kurz zuvor, als wir noch eine Stelle suchten, ein silberner Kutter unfotografiert mit Militärzug in Richtung Westen fuhr, verschweigen wir an dieser Stelle lieber...:sneg:)

Von hinten kam dann auch wieder der Zwiebelzug:

15:02 40-0260 mit Zwiebelwagen Richtung Medgidia

Stellvertretend für die Reisezüge an diesem Nachmittag mal ein Teleschuss:

16:00 45-0322 mit R 11014 Constanta - Bucuresti Obor

Cargo hatte sich seit dem Schiebewandwagen-Zug in der richtigen Richtung nicht mehr blicken lassen, bis Philipp um halb fünf mit dem Tele nochmal Zwiebelwagen in der Ferne erspähte. Sehr schön, dachten wir - doch der Zug bog auf die Strecke nach Tulcea ab. "Ähhhm, was nun?" Operative Hektik beendete dem eigentlich ganz entspannten Nachmittag ein jähes Ende. Denn eine rasche Kursbuchanalyse ergab, dass der Zwiebelzug in Nicolae Balcescu mit dem Desiro Tulcea - Bukarest kreuzen müssten. Wenn er es nicht vorher schon bis in den Bahnhof Târgusor schaffen sollte. Erstes Szenario erschien aber realistischer, weswegen wir uns optimistisch auf die Zugverfolgung machten.

Mit etwas Verspätung kam uns zwischen Târgusor und Nicolae Balcescu der Desiro aus Tulcea entgegen. "Der wird doch nicht etwa schon mit dem Zwiebelzug gekreut haben???" Egal, denn entweder kommt der Güterzug bis Sonnenuntergang noch oder wir haben einfach aufs falsche Pferd gesetzt. Die Zweifel überwogen, als wir uns in der Wüstenlandschaft oberhalb von Targusor aufbauten, doch irgendwann trötete und kutterte es in der Ferne. Juhu!


Vor Ort habe ich mich über den Lkw erst geärgert, aber eigentlich passt er ganz gut zur roten Lok.

Mit weniger Brennweite kommen die Dimensionen dieses sehr schicken Zugs noch besser raus - Pkw und Lkw können noch immer nicht weiterfahren:

17:47 60-1402 + 60-1089 mit Zwiebelwagen Richtung Tulcea

Im Bahnhof Târgusor, den man von hier gut einsehen konnte, gammelte der Zug dann noch ein paar Minuten ab, ohne dass eine Kreuzung anstand. Eine weitere Verfolgung machte aber keinen Sinn, denn richtig ins Licht dreht die Strecke erst weiter nördlich wieder, wo der Zug erst nach Sonnenuntergang wäre. So schauten wir den Kuttern mit der Zwiebelreihe etwas wehmütig hinterher, als der Zug in der Weite der Dobrudscha verschwand...


Nein, hier ist der Zug nicht mehr zu erspähen, er hatte sich einige Minuten zuvor in der Weite dieser Wüste verloren...

Das war's! Sehr zufrieden traten wir den Weg ins Hotel an, wo wir später im Netz erfuhren, dass es in Tulcea eine große Aluminiumhütte gibt. Damit war auch klar, wo die Kutter hingefahren sind, und schnell reifte die Idee, sich um die Tulcea-Strecke auf einer weiteren Rumänientour zu kümmern. Wir hatten zwar nur den untersten Abschnitt gesehen, doch allein der hatte es uns angetan. Dazu dieser geniale Güterzug. Und ins Donaudelta will ich auch schon seit Jahren. Es gibt noch soviel zu sehen in diesem Land...

Viele Grüße
Julian

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Re: Walachische Wolkenlöcher

:spos: richtig, der Lkw macht die Aufnahme zu einer verkehrspolitschen Aussage ... :)


LG

von awp - am 17.10.2013 08:46

Juhu!

Servus Julian,

schön, dass es den Bauxitzug noch unter Regie der CFR gibt :hot:

Also, bei Tulcea ist die Mine bzw. der Tagebau, wo die seltene Erde gefördert wird. Von dort geht es mit den Zwiebeln nach Slatina an der KBS 901, und zwar unten rum über Caracal/Craiova (?) und Piatra Olt (definitiv). Der Ganzzug fährt also in der Bespannung Diesel-E-Diesel. Feste Fahrzeiten gibt es nicht, man muss warten oder fragen. Manchmal wird auch nachts gefahren, zumindest 2012 waren die Bahnhöfe an der 804 auch nachts besetzt. Häufig wird aber tagsüber gefahren. Bei Piatra Olt kam er häufig am frühen Nachmittag Richtung Slatina durch :cool:

Die Strecke Medgidia - Tulcea hat einige schöne Stellen, auch nette Bahnhöfe mit Formsignalen, anderes ist wiederum langweilig. Bilder gefällig?

SG
ste

von s-lin - am 23.10.2013 07:55

Zwiebelzug

Hallo Stefan,

vielen Dank für die Infos zur Bauxitleistung. Wir kannten den Zug vorher ehrlich gesagt nicht. Ich habe ihn dann aber in deinen Piatra-Olt-Beiträgen nach der Reise auch entdeckt und dachte schon, dass der von dir aufgenommene Zug nach Slatina mit der von uns fotografierten Leistung zusammenhängt. Tante Gurgel hat mich auch gerade aufgeklärt, dass die "Alro" in Slatina die größte Aluminiumhütte in Südosteuropa ist. Wenn man die wahren Hintergründe der Transporte kennt, macht das Hobby doch gleich viel mehr Spaß! :spos:

Gerne mehr Bilder von der Tulcea-Strecke! Lokbespanntes im Personenverkehr gibt's aktuell ja auch noch, war für uns jetzt aber zu spät bzw. zu früh.

Und dass es noch immer Malaxa-Leistungen bei der CFR gibt weiß ich natürlich. Ging mir speziell um die Leistung auf der KBS 701. Freue mich in diesem Sinne schon auf deine Fortsetzung! ;-)

Achja, die 700er von Constanta hatten zumindest auf der Schwarzstrecke am 14./15.9. schon Saisonende. Jedenfalls haben wir nur eine Zigarre in Mangalia abgestellt gesehen. Alle gesichteten Züge auf der Strecke waren lokbespannt - auch nicht schlecht.

Viele Grüße
Julian

von J.N. - am 24.10.2013 09:58
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