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Martin L., img893, RR

[AL] Hummelflug in Albanien - Tag 9 ( m. 35 B. + 1 VL )

Startbeitrag von RR am 16.11.2013 22:26

Weiter geht es mit Tag 9 meiner Albanien-Tour.

Sonntag, 26.5.2013

Dem Champions-League Sieg der Bayern vom Vorabend muß noch etwas Tribut gezollt werden, vor allem der albanische Raki hat es in sich. Natürlich habe ich mir ein Fläschchen mit nach Hause genommen :). Irgend jemandem ganz oben scheint es aber nicht gefallen zu haben, denn für den Tag sind Wolken und Tränen von ebenda angekündigt. Wieder mal ...

Auf dem Programm steht der Zug nach Librazhd und dann die Weiterfahrt nach Pogradec - wenn schon keine Sonne scheint, dann wenigstens dorthin, wo auch keine Züge fahren. So fahre ich zuerst von Tiranë über Durrës nach Rrogozhine, wo es das bereits aus Teil 6 ( Tag 8 ) bekannte Dreier-Treffen gibt.

Einfahrt von Zug Nr. 6 Elbasan - Tiranë in Rrogozhine :



Dieses mal gibt es einen Lok-Tausch. Die mit Zug Nr. 9 aus Tiranë gekommene T669 1057 geht an den Zug nach Vlorë und die mit Zug Nr. 4 aus Vlorë gekommene T669 1047 wird mit Zug Nr. 9 weiter bis Librazhd fahren, an den Bahnsteigen stehen alle drei Züge :



Wie geplant werde ich dem Zug nach Librazhd folgen, habe aber nicht wirklich viel Sonnenhoffnung, denn der Himmel hat sich zwischenzeitlich richtig zugezogen. Trotzdem fahre ich nach Peqin, den Bahnhof hatte ich mir bereits an einem anderen Tag angesehen und als taugliches Motiv für gut befunden. Während ich unschlüssig im "Dunkeln" umherlaufe kommte eine junge Frau zu mir, gibt mir die Hand und erzählt mir auf albanisch etwas von Jesus Christus, lacht mich an, verbeugt sich und geht weiter. Und siehe da, das Gebet wurde erhört, mit Einfahrt des Zuges blinzelt die Sonne durch die Wolken und es reicht sekundengenau für die Ausfahrt :



Also weiter, ich fahre mal bis Paper, kurz vor dem Bahnhof überquert die Bahn auf einer großen Brücke den Fluß Paprit. Ich denke ich bin weit vor dem Zug, die Brücke wäre schon ein Motiv, gut zu machen von der Straßenbrücke am Ortseingang. Dort steht aber der Dorfpolizist, ich stelle zumindest mal den Wagen ab. Es wechseln Sonne und Wolken, es gibt wieder mehr Lücken am Himmel, Hoffnung ? Sollte es gerade bei Überfahrt des Zuges passen, das tut es doch nie ! Jedenfalls denke ich mir, mal in Richtung Brücke zu gehen, mal sehen was der Polizist sagt. Gerade als ich die Entscheidung treffe höre ich es tröten, der Zug ist schon da, viel schneller als ich dachte. Also keine Rücksicht mehr auf den Polizist, losgespurtet ! Der guckt nun erst recht verdutzt, aber jetzt egal und ich komme auf die Strassenbrücke um im letzten Moment abzudrücken - mit Sonne :



Ich mache noch ein 08/15-Bild bei der Aufahrt aus Paper und fahre nach Elbasan. Die große Frage ist, ob Bahnhof oder nur ein Video am Bahnübergang. Für Bilder im Bahnhof war es mir zu wolkenkritisch, denn es wurde wieder dichter. Und es war die richtige Entscheidung, denn in der Zeit als der Zug im Bahnhof stand war es dunkel. Also fuhr ich an den Bahnübergang, den wir bereits in Teil 3 ( Tag 5 ) gesehen haben ( siehe www.youtube.com ), nur kam dieses mal der Zug aus der entgegengesetzten Richtung. Wie es nun ging, weiß ich nicht, aber als der Zug auf den Bahnübergang zurollte, kam plötzlich die Sonne raus, ich griff fluchs in den Fotorucksack, um die erst gar nicht ausgepackte Fotokamera herauszuholen und es gelingt ein Sonnenbild - nur gut, dass man hier so langsam fährt :



Im Bereich des Bahnüberganges findet ein Basar statt, nur zweimal am Tag wird man vom durchfahrenden Zug gestört, so mancher nur widerwillig, und auch der Bahnposten hat wieder gehörig zu tun, um die Verkehrsteilnehmer zurückzuhalten :

www.youtube.com

Dass das Sonnenglück irgendwann ein Ende haben muß, war auch klar, die Überfahrt über den Shkumbin kurz vor Librazhd erfolgt ( nur knapp ) im Dunkeln :



Das hätte ich dann doch lieber bleiben lassen sollen, denn mit dieser Aufnahme habe ich die Zeit verloren, die ich gebraucht hätte, um noch so rechtzeitig in Librazhd anzukommen, um ein Bild mit Empfangsgebäude im rechten Licht zu machen. Die Anfahrt zum dortigen Bahnhof ist etwas umständlich, erst um den Ort herum, um dann mitten durch das Getümmel wieder zurück zum Bahnhof zu fahren, und das dauert. So sehe ich den Zug erst wieder, als die Lok bereits zur Rückfahrt nach Tiranë umgesetzt hat :



Ein Blick in den Wartesaal des Bahnhofs belegt, dass dieser schon bessere Zeiten gesehen hat :



Auch der Fahrplan ist nicht auf dem neuesten Stand :



Ich setze meine Fahrt weiter in das Gebirge Richtung Pogradec fort. Die - stillgelegte - Bahn ist zunächst meist in Sichtweite, man passiert diese Eisenbahnbrücke :



Nächstes Ziel ist Prrenjas, dort sollen ja eine ganz Reihe abgestellter Loks stehen. Von weitem sehe ich die Schlange auch schon. Nachdem ich den Wagen am Strassenrand abgestellt habe, wate ich über eine Wiese ganz entspannt zum Bahnhof. Als ich dort ankomme springt abrupt ein älterer Herr von einer Bank auf, den ich gar nicht bemerkt habe, läuft auf mich zu und redet auf mich ein, was ich natürlich nicht verstehe. Das einzige was mir in den Sinn kommt ist, dass es wohl nicht wahr sein darf, dass hier doch tatsächlich jemand den Auftrag hat, den Schrott zu bewachen. Ich versuche ihm zu erklären, dass ich nur gerne ein paar Bilder gemacht hätte, was er auch nicht ablehnt, aber er hört nicht auf zu reden. Er ist ja eigentlich ganz sympathisch, und ich verstehe seine Handdeutungen so, dass er nichts sehen und wissen würde, wenn er Geld bekäme. Er nimmt auch bereitwillig die Leke, die ich ihm anbiete, aber zu reden hört er trotzdem nicht auf. Außerdem will er mit auf´s Bild :



Jede Menge schrottreife T669 und T435 - und mitten drin eine ex-DB 221 :





Das Bahnhofsgebäude von Prrenjas :



Nachdem er nicht aufhört neben mir herzulaufen und zu reden, verzichte ich auf weitere Aufnahmen, die Sonne steht eh nicht gut dafür. Ich verabschiede mich aber freundlichst und bedanke mich bei ihm und fahre weiter über den Gebirgskamm, hinter mir liegt Prrenjas ( oben rechts ) ...



... und vor mir nach Überschreiten des Kammes der Ohrid-See, an dessen gegenüberliegender Seite Mazedonien liegt :



Unten am See angekommen wird die Strasse wirklich schlecht, erreicht also wieder albanisches Niveau, nachdem sie vorher richtig gut ausgebaut war. Das hat wohl mit dem grenzüberschreitenden Verkehr von / nach Mazedonien zu tun, da will man sich nicht lumpen lassen. Aber dafür werden die Ausblicke immer schöner ...







... und Enver Hoxha´s Betonbunker immer größer, drüben sitzt ja der Feind :



Noch weit vor dem Ort liegt der ( End- ) Bahnhof von Pogradec :



Blick in Richtung Elbasan. Wenn die Kuh am Bahnsteig auf einen Zug wartet, kann sie womöglich ewig warten :



Natürlich will ich auch in die Stadt Pogradec, vor allem habe ich Hunger und es gibt in einem Strassenimbiss lecker Gyros ...



Die Stadt selbst ist nicht besonders sehenswert. Am Strand wird gewerkelt, man will was tun für den Tourismus :





Viele Fischerboote. Der Fang soll entlang der Ausfallstrasse an den Mann gebracht werden, dort stehen viele Fischer, die einem die Fische direkt vor die Scheibe halten. Am Strassenrand haben sie ihre Wasserbasseng´s stehen, so mancher schwimmt schon Kiel oben.

Mittlerweile hat sich ein bedrohliches Unwetter in Stellung gebracht :



Ich beschließe schleunigst zum Auto zu gehen, als ich ankomme kommt der versprochene Regen, und das nicht zu knapp. Nachdem es halbwegs aufgehört hat, mache ich mich auf den Rückweg, nicht ohne den - aber vielleicht nicht einzigen - Grund der Streckensperrung zu dokumentieren :





An einem Berg wird heftig abgetragen, der darunter liegende Tunnel ist nicht mehr befahrbar. An anderer Stelle bekommt die Bahn aber eine Brücke spendiert :



Letzten Endes wird hier die Strasse aus- und neugebaut. Ich bringe in Erfahrung, dass vor allem auch wirtschaftliche Gründe zur Einstellung des Betriebes geführt haben. Die Fahrzeiten auf der anspruchsvollen Gebirgsstrecke waren wohl auch nicht zu kurz. Und mit einer neu gebauten Strasse wird man wohl für eine Bahn, in die nichts investiert wird, noch weniger Verwendung haben. Dies umso mehr, als sie weit vor dem eigentlichen Ort endet.

Nicht weit vor Librazhd bildet sich ein schöner Regenbogen, schade dass jetzt kein Zug kommen kann :



Für die Rückfahrt wähle ich wieder den direkten, aber beschwerlicheren Weg von Elbasan über das Gebirge nach Tiranë. Gleich hinter Elbasan geht es in Serpentinen den Berg hoch und man hat einen herrlichen Ausblick zurück auf die Stadt :





Oben rechts und unten zu sehen das Stahlwerk von Elbasan, das zu kommunistischen Zeiten über 12.000 Menschen Arbeit gab :



Auch heute sind Teile noch in Betrieb und wie zu früheren Zeiten soll man es mit dem Umweltschutz nicht so genau nehmen. Umso schöner wird die Landschaft, wenn man weiter ins Gebirge fährt :



Mit solch schönen Ausblicken geht der Tag zu Ende :



Im nächsten Teil geht nochmal an die Strecke nach Elbasan / Librazhd, denn es stehen noch einige Motive offen und es wird ein richtig sonniger Tag vorhergesagt. Das wird sich in den Bergen natürlich relativieren, aber mit der Sonne hatte ich ja sogar heute richtig Glück. Aber auch die Temparaturen sinken merklich, mit ihnen die Schneefallgrenze - Ende Mai !

Viele Grüße Robert

Antworten:

Sehr sehens- und lesenswert, vor allem auch die Aufnahmen der herrlichen Landschaft!
Danke (auch für die bisherigen Teile) & beste Grüße aus Wien,
Martin

von img893 - am 17.11.2013 18:34
Hallo Robert,

war zu selben Zeit gar nicht sooo weit weg in Kroatien unterwegs und hatte die gleichen Wetterprobleme :confused:

Vielen Dank für deine Berichte, die Bahnübergang/Basarszene gefällt mir besonders gut!

Viele Grüße, Martin

von Martin L. - am 18.11.2013 08:50
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