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vor 3 Jahren, 11 Monaten
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Der Bimmelbahner

[MK]: Erkundungstour bei den Kamikaze-Turtles - Teil 1 (m6B)

Startbeitrag von Der Bimmelbahner am 10.09.2014 16:05

[MK]: Erkundungstour bei den Kamikaze-Turtles - Teil 1 (m6B)

Prolog
Für meine Eisenbahn-Entdeckungstour 2014 hatte ich mir nicht Australien oder Neuseeland ausgesucht, was man sicher eher mit frei und natürlich lebenden Schildkröten verbinden würde, sondern das kleine Land Mazedonien im südlichen Balkan. Aber auch dort sollte es diese lustigen Panzerwesen in ausreichender Zahl geben, was mir vorher nicht in geringstem Maße bewusst war. Doch dazu an der passenden Stelle mehr. Nicht ganz stilgerecht wählte ich für die Anreise das Flugzeug. Da man zeitlich und preislich günstig von Memmingen wegkommt, war nicht einmal innerhalb Deutschlands eine Benutzung der Bahn möglich, denn ich wäre zwar gut zum Abflug gekommen, aber nach der Rückkehr in Deutschland nicht mehr am gleichen Tag nach Hause. So musste hier das eigene Kfz herhalten und die Bahncard wurde „geschont“.

Tag 1 - Anreise
Am 5. Juli war es so weit. Der Tag des Aufbruchs stand an. Lange hatte ich mich auf diese Woche gefreut, die ich bekommen hatte, weil meine viel bessere Hälfte noch Prüfungen zu bestehen hatte. Die Fahrt über diverse Autobahnen verlief zum Samstagmorgen unaufregend und stressfrei. So war ich pünktlich in Memmingen und am späten Nachmittag genauso pünktlich in Skopje. Nachdem ich mein Mietauto entgegen genommen hatte, war geplant bei Dracevo noch schnell den Hellas-Express mitzunehmen. Ich hatte auch eine brauchbare Stelle in der Einfahrt des Bahnhofs gefunden, nur der Zug kam bis Sonnenuntergang nicht. Gegen zehn vor acht schlich sich aber der iR 645 in den Bahnhof. Er fuhr lokbespannt und wartete auch nicht auf eine Kreuzung. Damit blieb der Hellas für diesen Tag Geschichte und ich versuchte im Gegenlicht etwas Brauchbares zusammen zu künsteln, bevor ich dann Richtung Hotel aufbrach.


661 223 | iR 645 (Skopje - Bitola) | Dracevo

Nachdem man im Hotel in Tetovo ziemlich verwundert über meine Ankunft war, mir aufgrund der Booking-Bestätigung aber trotzdem ein Zimmer vermachte, und das obwohl außer Mazedonisch mir keine weitere unbekannte (allerdings auch keine bekannte) Sprache entgegengebracht wurde, beschloss ich ohne große Ausschweifungen am Kopfkissen zu lauschen. Im benachbarten AquaPark wurde allerdings eine ganz besondere Party gefeiert …

Tag 2 - Erste Erkundungen
… und deshalb schlief ich erst zwischen 4:30 und 5:00 ein, als die Musik und das Gekreische schlagartig verstummten und die meisten Gäste mit quietschenden Reifen aus der Einfahrt bogen. Danach zerschlugen nur noch die übrig gebliebenen ein paar Bierflaschen im Treppenhaus des Hotels und „schon“ war Ruhe. Der Wecker klingelte um 6:10 – nicht ohne Grund. Ich zog mir einfach mal paar Sachen an, schnappte die Kamera und stellte mich vor die Hoteleinfahrt. Dort befindet sich der Haltepunkt Brvnica an dem genau 6:30 ein Zug zum Halten kommen sollte (nebenbei: der Haltepunkt ist jetzt auch bei OSM an der richtigen Stelle eingezeichnet). Der Himmel war Stahlblau. Die Sonne kam aufs Gleis. Und der Zug war pünktlich.


661 408 | iR 661 (Kicevo - Skopje) | Brvnica

Schlagartig war die Nacht vergessen und ich stolzierte zufrieden ins Hotel zurück. Ich machte mich ausgehfertig und an diesem Morgen war auch jemand an der Rezeption, der Englisch sprach, und so bekam ich zwei Kaffee und genoss mein selbst besorgtes Frühstück dazu. Gegen halb neun verkrümelte ich mich, um hinter Gostivar in ein enges Seitental des Vardar (größter und längster Fluss Mazedoniens) zu biegen und um mich entlang bzw. unterhalb der Bahn bis zum Viadukt von Srbinovo vorzuarbeiten, welches ich auf meiner Wunschliste ganz oben stehen hatte.


661 408 | iR 660 (Skopje - Kicevo) | Srbinovo

Der Zug war wieder ausgesprochen pünktlich und mit der flachschnäuzigen Lok von heute Morgen bespannt. Eigentlich hatte ich hier ja immer noch mit den französischen Lizenzbauten der Reihe 642 gerechnet. Mit amerikanischer Lizenz war ich aber natürlich mindestens genauso zufrieden. Da die Sonne jetzt schon ziemlich drückte, suchte ich die Hütte (im oberen Bild zwischen den beiden großen Pfeilern) auf und verbrachte dort mindestens zwei Stunden mit lesen – Urlaub eben. Der albanische Bauer, der in der ganzen Zeit einen der drei dortigen Friedhöfe mähte, kam dann zu mir. Und in bestem Deutsch unterhielten wir uns über die Bahnen in Mazedonien … und auch über das Verhältnis der einzelnen Bevölkerungsteile untereinander (er hatte jahrelang in Nürnberg gearbeitet). Die Einladung zum Kaffee musste ich leider ausschlagen, da ich mich bald auf dem steilen Eselpfad hinter der Hütte bergauf trollte, um die Brücke kurze Zeit später mit Zug und dem Ort dahinter umzusetzen.


661 408 | iR 663 (Kicevo - Skopje) | Srbinovo

Da in diesem abgeschiedenen Tal jetzt einige Zeit nichts mehr passieren sollte, fuhr ich mal gen Skopje. Ich nahm zwischen Tetovo und Skopje allerdings den Weg durchs malerische Vardar-Tal um die nervige stationäre Maut zu umgehen und vor allem aber um die Strecke zu erkunden. Bei Orasje wich ich einem Stein aus … der vier Beine hatte und sich bewegte. Ich staunte nicht schlecht, hielt an und inspizierte das Tier. Da es hier aber eine Fotowolke gab, lies ich das Tier „unerlegt“ ins Gebüsch verschwinden. „Hat wohl jemand ausgesetzt“, dachte ich mir und fuhr weiter. Ich drehte noch eine Runde durch Volkovo und postierte mich dann am Bahnhof Gjorche Petrov auf einem Schwellenstapel.


661 234 | B 892 (Skopje - Prishtina) | Gjorche Petrov

Der internationale Schnellzug kam mit kosovarischem Wagenmaterial. Heute musste also in Hani nicht umgestiegen werden - gut für die Fahrgäste. Für den Zug nach Kicevo wollte ich eigentlich wieder etwas nach Westen, aber es fand sich nichts Tolles und so stellte ich mich jetzt einmal an die Ausfahrt von Gjorche.


661 408 | iR 662 (Skopje - Kicevo) | Srbinovo

Danach versuchte ich mit dem Fahrdienstleiter Kontakt aufzunehmen, was auch gut klappte, denn er sprach auch Englisch. Nachdem er mir dann recht zügig erzählte, dass ich eine Fotogenehmigung bräuchte, machte er mir nach ein paar weiteren Worten deutlich, dass ich bis zum Dienstwechsel freie Hand im Bahnhof hätte. Die Frage nach Güterzügen beantwortete er mit ja. Aus dem Kosovo sollte noch einer kommen … in ein bis drei Stunden. Bis Sonnenuntergang tat sich nichts. Aber ich verschwand trotzdem zufrieden in meinem Hotel. Auf der Hotelterrasse beschloss ich den Abend mit einem ein Skopsko.

Bis zum nächsten Teil
Der Bimmelbahner

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