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AAW, Frankenland, Schwandorfer, Der Bimmelbahner

[BA] Una: Due, tre, quattro - Ein Fall für alle Fälle - Teil 1 (m27B)

Startbeitrag von Der Bimmelbahner am 21.03.2017 10:36

[BA] Una: Due, tre, quattro - Ein Fall für alle Fälle - Teil 1 (m27B)

Prolog
Zugegeben, manche Wortwitze sind ziemlich einfallslos. Aber wie soll man sonst einen Reisebericht beginnen bei dem es neben dem Bahnaspekt um eine Vielzahl an (Wasser-) Fällen geht? Nun ja, ich weiß es nicht wirklich und deshalb habe ich mir diesen schlechten Wortwitz inklusive Sprachverwirrung resp. -vermischung überlegt, den jetzt einfach jeder Leser ertragen muss. Wer sich nun aber topografisch etwas auskennt, der weiß auch, dass „Una“ ein Fluss ist, der fast auf seiner gesamten Länge im kroatisch-bosnischen Grenzgebiet verläuft und neben der paradiesisch-smaragdenen Färbung auch noch ziemlich geniale Wasserfälle und Stromschnellen aufzuweisen hat. Wen das interessiert und wer auch von ein paar Bahn- und Nahrungsmittelbildern nicht abgeschreckt werden kann, der möge eingeschaltet lassen und genießen.

Die Anreise
Lang hatten wir überlegt und unsere Bahnanreise dann doch nur bis Zagreb vorgesehen, um von dort mit einem Mietvehiculum weiterzureisen. Die Schalterdame in Zwickau (damals noch DB) wies uns bei Zugbuchung, da wir an einem Freitag reisen wollten, noch eingehend darauf hin, dass, wenn wir den „Lisinksi“ in München erreichen wöllten, eben nicht die aufgedruckte Sparpreisfahrt bis dorthin nehmen sollten, was wir dann auch so umsetzten. Eine Stunde eher als geplant ging es in Zwickau los und unterwegs beobachteten wir mit dem Handy, dass unser eigentlicher ICE tatsächlich immer mehr Verspätung aufbaute und noch irgendwo bei seinem Startbahnhof im Ruhrgebiet herumdümpelte. Bei Yorma’s in Nürnberg zog ich mir eine Kitzmann Edelpils (weiß nicht, was daran edel sein soll) und dazu eine Brez’n. Beides wurde auf dem Bahnsteig vertilgt beim Warten auf den München-Nürnberg-Express, den wir erstmalig benutzen wollten.


Nürnberger Bahnsteigleben

Als es hinter Allersberg langsam dunkel wurde, vertrieben wir uns die Zeit mit Halma, Skat und Monopoly als Kartenspiel - lustige Idee von Maik. In München stand unser Lisinski schon bereit 115 278-4 hatten ihn in den Kopfbahnhof gezogen. Ganz weit vorn fanden wir unseren kroatischen Liegewagen in dem wir zwei Plätze eines Sechsers reserviert hatten (mehr Komfort war für diesen Reisetermin nicht mehr drin).


Münchener Bahnsteigleben

Als wir eintraten erwartet uns aber erst einmal nur ein wortkarger Kroate, der sich sofort nach Abfahrt schlafen legte und erst kurz vor Dobova wieder wach wurde. Ein weiterer freundlich-dubioser Geselle kam auch noch in München hinzu, wollte unbedingt unten schlafen und wusste mit seinem Gepäck auch nicht recht wohin. Augenscheinlich war er das erste Mal im Nachtzug unterwegs und wunderte sich etwas, dass in „seinem“ Abteil noch weitere fünf Personen vorgesehen waren!?


Unsere Schlafplätze - nun beide in der Mitte

Als sich in Salzburg noch asiatisches Fußvolk dazumischte, waren wir komplett für diese Nacht. Der Geselle verließ uns komisch-murmelnd bereits in Jesenice wieder, die Asiaten dann in Ljubljana. Alles weitere war nicht mehr aufregend. Wir anderen Drei wurden irgendwo im Save-Tal munter, Sevnica bekam ich schon mit, und das Wetter schien sehr gut zu werden. Unser kroatischer Schlaf-WG-Mitbewohner zog sogleich wortlos ins mittlerweile leere Nachbarabteil um. In Zagreb sondierten wir erst einmal etwas die Lage und guckten nach dem Sarajevo-Schnellzug. Dieser stand schon bereit und wurde am 21. Mai 2016 bis zur Grenze von 1 141 309 (91 78 1141 309-0 HR-HŽPP) traktioniert . Der Zug war wie folgt gebildet: ABlm der ŽRS (51 44 30-10 009-9), Blm der ŽRS (51 44 21-10 012-4) und All der ŽFBH (51 50 19-00 004-8). Wir sollten die Wagen später noch einmal wiedersehn. Die pünktliche Abfahrt wurde noch abgewartet, danach verzogen wir uns ins EG zum Geld Abheben, Bäcker leer Kaufen und zum Ticket Besorgen, denn wir mussten ja noch mit der „S-Bahn“ nach Zapad. Für 9,10 Kuna pro Person war das dann auch erledigt.


Das Kurzstrecken-Ticket … aber Ordnung muss sein

EN 499 München Hbf 23:36 - 08:38 Zagreb Glavni Kolodvor
Pu 8026 (Dugo Selo - Harmica) Zagreb Glavni kolodvor 09:17 - 09:21 Zagreb Zapadni kolodvor

Wir können also festhalten: Für eine Reise, die am Freitag begann, waren wir mit allen Zügen pünktlich (OK - wir sind extra eine Stunde eher ab Zwickau gefahren).

Nachdem wir in Zapad zu Füß über den BÜ waren, ging dieser zu und der Getreidezug, den wir in Dobova überholt hatten, schoss durch. Hätte man das gewusst, hätte man die drei Minuten auch noch warten können. Zu Fuß mussten wir dann noch zu Sixt, die im Erdgeschoß eines Hotelbunkers untergebracht waren. Nach den Formalitäten erhielten wir einen nagelneuen Dacia Duster. War zwar nicht die gebuchte Klasse, aber so einen Schraubeneimer wollte ich schon immer einmal testen. Ich war Navigator, lotste Maik durch die Stadt und bald waren wir auf der Piste gen Sisak. Die Grenze in Kostajnica war mit ganz kurzem Halt passiert. Kurz davor hatten wir noch „Erledigungen“ und Fahrerwechsel gemacht. Und da waren wir nun …

Das erste Mal in Bosnien
Den Schnellzug, den wir eigentlich schon nochmal hätten sehen wollen, hatten wir schon lange abgeschrieben. Als wir auf Höhe der (Eisenbahn-) Grenzbrücke waren, hobelte er aber mit deutlicher Verspätung (+25) gerade darüber. Ich gab Sporen, Maik besorgte meine Kamera, aber es wurde vor Schreck doch nur eine Art Mitzieher. Immerhin: Wir hatten ihn noch - oder wieder. Mittlerweile war nur die Lok getauscht worden.


441 401| B 397 (Zagreb Glavni Kolodvor - Sarajevo) | Grdanovac

Jetzt wollte ich schnell eine weitere Stelle suchen, da ich trotz aller Balkanerfahrung vermutete, man würde sich ob der Verspätung bei den Grenzkontrolle beeilen. Tat man aber nicht, und so war bei unserer Stelle am eckigen Spiegelei, der Einfahrt von Ravnice, die Sonne immer mehr in Gleisachse gewandert. Der Zug kam dann mit +20 ums Eck. So sieht sie also aus, die erste und älteste bosnische Eisenbahnstrecke, der Teil der legendären Orientbahn, welche in dieser Form durch oder besser über Bosnien nie Vollendung fand. In diesen Zusammenhang möchte ich auch einfach einmal Werbung machen für das wunderbare Buch von Werner Schiendl zur bosnischen Bahngeschichte bis 1918.


441 401| B 397 (Zagreb Glavni Kolodvor - Sarajevo) | Ravnice

Irgendwie war das alles nicht zufriedenstellend. Maik hatte mittlerweile wieder das Steuer übernommen und wollte gerne noch ein Foto ermöglichen und so gingen wir mal an eine Verfolgung. Blöd war das insofern, da wir eigentlich in Novi gen Bihać weiterwollten und so vorher auch keine Stellenkunde von oben betrieben wurde. Am Zug vorbeikommen mussten wir ja auch erstmal. Am kleinen Haltepunkt Donja Svodna war eine ganz geeignete Stelle gefunden und der Schnellzug wanderte noch einmal auf den Chip. Hier wird natürlich voll Flagge gezeigt. Einmal direkt am Straßenrand („Wir gehören zur Entität Srpska“) und gleichzeitig auch über die Lackierungsvarianten der Wagen. Wer die Wagennummern auf dem Foto nicht erkennt: Es handelt sich immer noch um 51 44 30-10 009-9 (ABlm der ŽRS), 51 44 21-10 012-4 (Blm der ŽRS) und 51 50 19-00 004-8 (All der ŽFBH) in Fahrtrichtung.


441 401| B 397 (Zagreb Glavni Kolodvor - Sarajevo) | Donja Svodna

Der kleine Haltepunkt Donja Svodna wird nur noch zweimal am Tag bedient. Das Stationsschild weist auf den kleinen Bahnsteig hin, der nicht einmal geschüttet wurde. Gleich nebenan steht auch noch ein nettes Kirchlein.


Haltepunkt | Donja Svodna


Kirche | Donja Svodna

Wasserfall „uno“ (Fluss Una)
Danach kehrten wir aber zu unserem eigentlichen Plan zurück und damit auch nach Novi um ebendort nach Bihać abzubiegen, immer schön entlang der Una. In Novi selbst wurden schnell noch paar Konvertible Mark gezogen, bevor es weiter ging. Eigentlich hoffte ich immer, dass uns im Una-Tal ein Zug entgegen käme, was aber nicht passierte, da absoluter Zufall. Hinter Bosanksa Krupa wird das Tal dann richtig eng und damit nochmals interessanter. Kurz vor Bihać brauchten wir ohnehin eine Pause und so hielten wir am Kostelski Buk (Wasserfall mit angeschlossenem Hotel … oder andersrum), der von der Straße schon einmal sehr interessant aussah. Der Wasserfall ist dortselbst mit einer Betonkante versehen (vrmtl. gegen Ausspülungen) und über eine hölzerne Brücke erreicht man eine kleine Insel.


Una-Arm flussabwärts | Kostelski Buk


Kostelski Buk


Blümchenfotografie | Insel am Kostelski Buk

Wasserfall „due“ (immernoch Fluss Una)
Wir hielten uns nicht sonderlich lang auf, hatten ja noch größeres vor. In Bihać wurde der „Hauptbahnhof“ kurz inspiziert. Dort war aber nichts zu sehen außer ein paar rostiger Ea-Wagen und dem Fahrplanaushang der letzten regulären Personenzüge von vor gefühlt 10 Jahren. Die Gleise waren alle komplett rostig. Am Bahnübergang zum alten Bahnhof gab es aber leichte Benutzungspuren, sodass davon auszugehen ist, dass der „zirka einmal monatlich“ verkehrende Güterzug (Aussage Bahnmitarbeiter) von Novi her immer direkt dorthin abbiegt ohne am Hauptbahnhof vorbeizuschauen. Die Stadt selbst ist einen Abstecher wert. Man könnte den Wasserfall, oder besser die gefühlt 100 Wasserfälle, auch Stromschnellen nennen. Aber schön ist es allemal anzusehen, wie sich die einzelnen Terrassen durch den breiten Flusslauf ziehen. Da auch gerade Hochwasser war, brachten die Wassermassen noch etwas mehr Gewalt ins Bild. Das Ganze war auch wieder schön mit Insel garniert, dazu immer wieder auch Sitzgelegenheiten und Schutzhäuschen, die zum Verweilen einladen. Stellvertretend nur mal zwei Bilder mit Wasser und noch ein paar aus der Innenstadt.


Una-Arm mit Terasse quer | Bihać


Lädt zum Verweilen ein - Una-Ausblick | Bihać


Eine Moschee gibt’s natürlich auch (links), von der Kirche steht nur noch der Turm (rechts) | beides in Bihać


Gleich daneben noch ein Befestigungsturm (links) | Nektar (rechts)

Bevor wir weiterfuhren, deckten wir uns erstmal noch mit ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt ein. Einen Großteil davon verspeisten wir sofort und ich konnte auch noch einen köstlichen Nektar genießen, der mich sogleich in die Pflicht nahm, weiterhin dem Beifahren zu fröhnen.


Wasserfall „tre“ (weiterhin Fluss Una)
Es ging nun weiter flussaufwärts und jeder, der dort schon einmal war, wird unser Ziel kennen, bei dem die Fall-Tour, ob ihre Mächtigkeit schier kulminiert. Es gibt wohl mehrere Varianten um dorthin zu gelangen. Wir nahmen die südlichere Route über Orašac und befanden uns ab dortselbst auf einem Feldweg, der durch ein kleines Bachtal wieder hinab zur Una und dann weitestgehend immer dem Wasser entlang führt. Unzählige kleine Wasserfälle und Stromschnellen kann man dort entdecken und so viele Punkte laden zum Verweilen ein, allein es fehlt die Zeit. Man durchquert noch einen kleinen Weiler, der wohl Čukovi heißt, und landet dann direkt an einem Schlagbaum, der gerade geöffnet war. Maik: „Was nun?“ Ich: „Wenn der offen bleibt, einfach unbeeindruckt weiter fahren!“ Nachdem noch zwei Fahrzeuge im Gegenverkehr passieren mussten, kam aber doch ein junges Mädel aus dem Holzschuppen geflitzt, sprach uns in perfektem Englisch an und forderte prompt ein Nationalparkentgeld ein. Wir löhnten brav und steuerten weiter. Kurz darauf waren wir am Ziel. Ich lasse jetzt einfach mal wieder die Bilder sprechen, die kaum wiedergeben können, wie beeindruckend das Ganze in Wirklichkeit ist.


Ein Fall für alle Fälle | Štrbački Buk


Eine Insel darf nicht fehlen und auch der Regenbogen nicht | Štrbački Buk


Bimmelbahner beim Einfangen und Archivieren des nächsten Spots | Štrbački Buk


Ganz nah und doch unnahbar | Štrbački Buk


Ganz nah … am Abgrund | Štrbački Buk


Oberhalb der Abbruckkante | Štrbački Buk


Rastplatz und die Bahnstecke am anderen Ufer (bereits in Kroatien) | Štrbački Buk

Die Gesamthöhe der Wasserfälle am Štrbački Buk soll laut Informationstafel 24,5 Meter betragen. Bevor es ins Quartier ging wollte ich allerdings unbedingt noch nach Martin Brod.

Wasserfall „quattro“ (Flüsse Una und Unac)
Dortselbst glänzte noch das Kloster Rmanj in der Abendsonne und dann drehten wir noch eine kleine Runde fußläufig durch das Dorf. In den beiden Kneipen traf sich die ganze Ortsgemeinschaft. Scheinbar fließt kreuz und quer durch das Örtchen nur Wasser. Hier ein Wasserfall, dort schon wieder, dazwischen immer wieder Bänke, alte Gehöfte, Mühlenräder. Der ganze Wasserfallkomplex soll 800 Meter lang sein und dabei 54 Meter Höhe verlieren. Der höchste einzelne Wasserfall dabei heißt Milančev Buk.


Kloster Rmanj | Martin Brod


Kleiner Wasserfall direkt am Wegesrand | Martin Brod

Nun wollten wir aber ins Quartier zurück nach Kulen Vakuf. Auf halber Strecke Maik: „Guck mal dort vorn - zwei Hunde!“ Ich denke so langsam: „Ganz schön groß für Hunde!“ Maik scheint genau das gleiche zu denken, denn inzwischen haben wir ziemlich abrupt angehalten. Die beiden kampeln etwas miteinander, gucken uns zwischenzeitlich immer mal blöd an und verschwinden dann wieder im Wald. Schon krass, dass wir jetzt zwei junge Bären gesehen haben. Die kannten wir bisher nur aus dem Zoo, aber scheinbar wohnen die hier auch ohne Wärter. Beeindruckt legen wir die letzten Meter zurück während unser Kraftfahrzeug dazu dient mindestens 300 Millionen Insekten hinzurichten. Und das obwohl wir auf dem asphaltlosen Stück nicht wirklich schnell unterwegs sind. Am Ziel erwartet uns ein gut gelauntes altes Mütterchen, die ungefähr so viel deutsch kann, wie wir bosnisch. Sie zeigt uns aber alles und bedeutet uns, dass ihre Tochter auch irgendwann kommt und wir morgen früh mit ihr alle Formalitäten klären sollen. An der Una-Brücke im „Stadt“-Zentrum finden wir zwei geöffnete Kneipen, wobei wir in der mit Außenbereich direkt am Wasser in der lauen Abendluft ein gepflegtes Abendessen mit entsprechender Mundspülung zu uns nehmen.

Den Wasserfall für alle Fälle haben wir ja eben schon gesehen. Ob wir zum Frühstück Bosnisch reden und das Zählen auf Italienisch weiter üben müssen und ob wir noch mehr Wasserfälle sehn, erfahrt ihr bald im nächsten Teil.

Bis dahin
Tobias

Antworten:

Danke für den schönen Bericht! Allein die Wasserfälle sind einen Besuch wert, das seh ich schon. :-)

Viele Grüße

Tobias

von Schwandorfer - am 21.03.2017 22:35
Muss das sein.....?

Gleich mit dem ersten Bild, genauer mit der darauf abgebildeten Brühe, den ganzen schönen Bericht so zu versauen?

Schande über dich:D

Grüße
Karlheinz

von Frankenland - am 29.03.2017 17:57
Sehr schöner Bericht über eine sehr schöne Gegend.

Danke!

PS: Gilt auch für die anderen Teile ... ;)

von AAW - am 01.04.2017 10:24
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