Batterie hack

Startbeitrag von oberjo am 10.12.2017 07:53

Nachdem ich mich - auf der Suche nach einem gebrauchten Drilling - jetzt einige Wochen durch diverse Foren gelesen habe, wage ich es mal, selbst ein Thema zu starten:

Einige von euch haben bereits laut über einen Austausch der Batterie nachgedacht, einzelne haben einzelne Elemente getauscht.
Bei meiner Suche nach einem Gebrauchten werde ich überwiegend im Baujahr 2016(7) (neue Batterien, aber teuer) und vor 2012 (altes Batteriemodell) fündig. Was die 2012 und älteren Modelle anbelangt, wird es bereits mittelfristig (5 Jahre?) notwendig werden, sich um eine neue Energiequelle zu kümmern.

Da die Batterien original dann (besser: jetzt schon) gar nicht mehr hergestellt werden und überdies auch mit 5000 Euro zu teuer für das Auto wären, kaufe ich mir mit so einem Wagen praktisch ein Auto mit Ablaufdatum. Da geht die Rechnung bei einem heutigen Gebrauchtpreis von knapp 10k Euro und vielleicht 10k km pro Jahr absolut nicht auf.

Einige von euch haben anklingen lassen, sie würde erst mal das Ende der Batterie auf sich zukommen lassen, dann wird man sehen. Es geht zwar schnell mit der Entwicklung auf dem Batteriemarkt, und im angelsächsischen hört man von "Batterie-Hacking". Aber das scheint mir alles viel schwieriger als ich es mir zunächst vorgestellt hatte (also einfach die alte Batterie zum second life und eine in 5 Jahren m.o.w. aktuelle Energiequelle rein).

Da nun doch bald einige Fahrzeuge das Ende der Batterie erleben werden, wundert es mich, dass an dem Problem kaum bzw. gar nicht gebastelt wird?

Beste Grüße
Joachim

Antworten:

Zitat
oberjo
Was die 2012 und älteren Modelle anbelangt, wird es bereits mittelfristig (5 Jahre?) notwendig werden, sich um eine neue Energiequelle zu kümmern.

Wann die Batterie "komplett platt" ist hängt im Einzelfall von der Kombination Laufleistung / kalendarische Alterung ab; was bei einem Auto mit sehr geringer Laufleistung aber dazu kommen kann: Schädigung durch lange Standzeiten mit voller, aber auch: mit zu weit entladener Batterie.

Zitat

Da die Batterien original dann (besser: jetzt schon) gar nicht mehr hergestellt werden

Woher hast Du diese Information? Es sollte zumindest kein Problem sein, die "alten" Fahrbatterien (LEV50-Zellen) mit den "neuen" LEV50N-Zellen zu reparieren (oder die komplette Fahrbatterie gegen eine mit den neueren Zellen auszutauschen). Also solange YUASA die LEV50N noch produziert sehe ich da kein Problem. Ist die Produktion denn bereits eingestellt worden? Quelle?

Zitat

und überdies auch mit 5000 Euro zu teuer für das Auto wären,

Oh weh, immer diese Rechnung mit dem "wirtschaftlichen Totalschaden".
Rechne mal anders: wieviel Auto würdest Du bekommen, wenn Du 5.000 € in einen "neuen Gebrauchten" investierst? Und wieviel Auto hast Du, wenn Du den Alten für das gleiche Geld mit einer neuen Batterie bestückst?

Mir jedenfalls geht es bei der Frage "stecke ich das Geld noch in meine alte Karre" immer darum, welchen realen Gebrauchswert mir die Investition verspricht.

Zitat

Einige von euch haben anklingen lassen, sie würde erst mal das Ende der Batterie auf sich zukommen lassen, dann wird man sehen.

Deswegen habe ich mich vor 2 Jahren für ein Neufahrzeug entschieden ... da habe ich vermutlich mehr Zeit, "abzuwarten" ... und eh die gute Chance, dass die Batterie die von mir angestrebte Mindest-Haltedauer des Fahrzeugs (12-15 Jahre als absolutes Minimum) "übersteht".

Zitat

Es geht zwar schnell mit der Entwicklung auf dem Batteriemarkt, und im angelsächsischen hört man von "Batterie-Hacking". Aber das scheint mir alles viel schwieriger als ich es mir zunächst vorgestellt hatte (also einfach die alte Batterie zum second life und eine in 5 Jahren m.o.w. aktuelle Energiequelle rein).

So einfach ist es in der Tat nicht. Die Lade- und Entladecharakteristik der Zellen muss zu den in der Firmware des BMS hinterlegten Daten passen, sonst können die Zellen kaputtgeladen oder auch mit zu hohen Entladeströmen überlastet werden, ggfs. mit katastrophalen Folgen (Brand). So könnten z.B. die Zellen des BMW i3 physisch passen (sind mit den Kontaktplatten 1 cm zu hoch, das könnte sich im Batteriegehäuse aber noch ausgehen), haben aber andere Lade-/ Entladeparameter. Mit den 60 Ah-Batterien des i3 würde es wahrscheinlich vom Gewicht her sogar auch noch passen, mit den 94 Ah (welche natürlich toll wären) aber nicht mehr, siehe hier.

Zitat

Da nun doch bald einige Fahrzeuge das Ende der Batterie erleben werden, wundert es mich, dass an dem Problem kaum bzw. gar nicht gebastelt wird?

Es wird - siehe oben - zumindest darüber nachgedacht :-)
Die einfachste Möglichkeit, das Auto mit anderen Zellen auszustatten bestünde darin, sämtliche in der Firmware von BMS und CMS hinterlegten Daten durch Daten der neuen Zellen zu ersetzen. Dazu muss man aber erst mal die Original-Firmware ausgelesen und vermutlich auch disassembliert haben sowie in der Lage sein, die entsprechend "gehackte" Firmware auch aufzuspielen.
Wenn man sich mal durch diesen Thread im GE-Forum liest gäbe es vielleicht auch eine andere Möglichkeit: nämlich einen CAN-Bus-Umsetzer zwischen Batterie und BMS einzusetzen, der dem BMS Daten "vorgaukelt", die dem jeweiligen Ladezustand einer "originalen" Fahrbatterie entsprechen würden, so dass das BMS mit diesen "gefälschten" Daten zu den neuen Zellen passende Lade- und Entladeströme einstellt. Was man dann aber mit den CMS-Modulen anstellen müsste weiß ich nicht ... wahrscheinlich müsste man auch die ersetzen durch Module, die zu den anderen Zellen passen? Oder halt umprogrammieren, wenn das geht ...

von iOnier - am 10.12.2017 12:21
Ich habe das nicht böse gemeint, aber man spricht immer von den early adopters, oder wie das eben heißt. Da möchte man sich in so einem Fall einfach darauf verlassen, dass die Hersteller einen nicht nach x Jahren im Regen stehen lassen wenn Die ersten Käufer so viel Geld investiert haben. Die haben 100.000 Stück verkauft und wären am besten in der Lage, den Fortschritt in die ersten Modelle einzubauen. Hingegen muss ich mich noch in 2017 fragen, ob die Batterien eines 10 Jahre alten Autos wirtschaftlich ersetzt werden können. Kundenservice? Idealisten und Pioniere, zu dennoch mich nicht mehr rechnen kann, ignorieren?
Du hast dir ein Modell zugelegt, bei dem das Problem noch in weiter Ferne liegt... Aber selbst dann musst du dich darauf verlassen, dass jemand know how und Biss hat, die Arbeit der Hersteller zu machen. Und jene, die sich dieses Vertrauen vor 6-7Jahren zugetraut haben ?

Die Kombination verschiedener Zellen wurde hier im Forum schon öfter kritisiert. Dann fallen die nächsten aus usw.

von oberjo - am 10.12.2017 13:38
Zitat
oberjo
Ich habe das nicht böse gemeint

Hab' ich auch nicht so aufgefasst :-)

Zitat

aber man spricht immer von den early adopters, oder wie das eben heißt.

Korrekt.

Zitat

Da möchte man sich in so einem Fall einfach darauf verlassen, dass die Hersteller einen nicht nach x Jahren im Regen stehen lassen wenn Die ersten Käufer so viel Geld investiert haben. Die haben 100.000 Stück verkauft und wären am besten in der Lage, den Fortschritt in die ersten Modelle einzubauen.

Es ist für die Hersteller aber viel lukrativer, dann neue Modelle auf den Markt zu bringen ...

Zitat

Hingegen muss ich mich noch in 2017 fragen, ob die Batterien eines 10 Jahre alten Autos wirtschaftlich ersetzt werden können. Kundenservice?

... willkommen in der Welt des real existierenden Kapitalismus ...

Zitat

Du hast dir ein Modell zugelegt, bei dem das Problem noch in weiter Ferne liegt...

... hoffentlich. Frühe Ausfälle kommen - zwar selten, aber eben doch - auch vor. Wenn das dann gerade kurz nach Ablauf der Garantie (8 Jahre / 100.000 km wenn ich das richtig erinnere) passiert sehe ich auch blöd aus. Aber Risiko ist immer; auch bei einem Verbrenner kann dann der Turbo hochgehen oder etwas ähnlich Teures passieren.

Zitat

Aber selbst dann musst du dich darauf verlassen, dass jemand know how und Biss hat, die Arbeit der Hersteller zu machen. Und jene, die sich dieses Vertrauen vor 6-7Jahren zugetraut haben?

Die Arbeit hat sich schon mal jemand gemacht (und er ist nicht der Einzige geblieben): Thread bei goingelectric.de (GE) über Austausch defekter Einzelzellen - Viel Vorgeschichte mit Problemklärung, Diagnostik etc. Auf S. 6 des Threads geht es dann zur Sache.
Hier das Video zum Zellentausch.
Da lässt sich viel draus lernen und ich würde mich nicht scheuen, das mit professioneller Hilfe, aber auch Eigenarbeit in Angriff zu nehmen.

Zitat

Die Kombination verschiedener Zellen wurde hier im Forum schon öfter kritisiert. Dann fallen die nächsten aus usw.

Ach, na ja. Die Statistik spricht dafür, dass aufgrund von Produktionsschwankungen unter 80-88 Zellen

- null bis einige wenige besonders "schlechte" sind, die relativ früh "die Grätsche machen"

- die meisten "mittelgut" sind, also die vom Hersteller projektierte Lebensdauer erreichen werden (wie die auch immer ist, aber das wird auf jeden Fall deutlich länger sein als die paar "schlechten" Zellen halten)

- null bis einige wenige "Ausreißer nach oben", also Zellen, die deutlich länger halten als die übrigen.

Hast Du also einen Akku, der auffallend früh "schlapp" wird ist die Chance ganz gut, dass nur eine bis wenige Zellen Ursache sind. Nicht vergessen: bei einer Reihenschaltung (die hier vorliegt) bestimmt die schlechteste Zelle die gesamte nutzbare Kapazität.

Wen juckt es jetzt, wenn die schlechteste Zelle durch eine neue (oder ausgesucht gute gebrauchte) Zelle ersetzt wird und länger halten wird als der Rest der Batterie? Mich nicht. Mit guter Chance erreicht eine so reparierte "früh ausgefallene" Batterie jetzt die zu erwartende "normale" Lebensdauer.

Natürlich kann mit etwas Pech bald danach die nächste Zelle ausfallen. Deswegen sollte man vor einem Zellentausch eine genaue Diagnose betreiben und alle Zellen identifizieren, die schon etwas "schwächeln". Dann nicht nur die schlechteste tauschen, sondern alle, die einen deutlichen Abstand zum Gros der übrigen Zellen aufweisen. Hier noch ein Bericht eines anderen Users von GE (Elko), der genau das ebenfalls erfolgreich gemacht hat, also mehrere schwächelnde Zellen ausgetauscht.

von iOnier - am 10.12.2017 21:14
"Hier noch ein Bericht eines anderen Users von GE (Elko), der genau das ebenfalls erfolgreich gemacht hat, also mehrere schwächelnde Zellen ausgetauscht.[/quote]"
Das hab ich gelesen. Aber nachdem der Bericht sehr ausführlich ist, möchte man sich erwarten, dass eine Auswertung des Ergebnisses es genauso wäre?

von oberjo - am 10.12.2017 21:44
Gibt es auch :-)
Um es gleich zu verraten: der Eingriff war primär erfolgreich, das BMS hat es aber nicht (rasch) geschafft, die Zellen ausreichend anzugleichen, wohl einerseits, weil noch eine der nicht getauschten Zellen im Vergleich mit den übrigen zu schlapp war, andererseits war der Ladezustand der verschiedenen Zellen zum Zeitpunkt der Reparatur wohl zu unterschiedlich, um ein ausreichendes Balancing innerhalb weniger Ladezyklen erreichen zu können. Letzteres hätte wahrscheinlich nur etwas Geduld bedurft (bei me68 war das mit der einen ersetzten Zelle ähnlich), wegen der immer noch schlechten Zelle 15 hat Elko den Akku aber noch mal ausgebaut und diese Zelle auch noch ausgetauscht. Dabei hat er einen Fehler gemacht und sich eine CMU (cell management unit) zerschossen. Eine neue CMU war von Mitsubishi als Einzelteil nicht zu bekommen; die kleinste Ersatzteileinheit für die Batterie ist ein 8-Zellen-Block für 3.200 €. Sich noch eine gebrauchte CMU zu organisieren und wieder an den Akku zu gehen war ihm dann zu viel Stress, außerdem brauchte er rasch ein Auto, das fährt. Also hat er seinen i-MiEV an jemanden verkauft, der seinen geschrottet hatte (irreparabler Karosserieschaden), dessen Akku aber noch in Ordnung war und sich selbst (auch weil er aus anderen Gründen jetzt ein Auto mit mehr Reichweite brauchte) einen Kia Soul EV gekauft).

von iOnier - am 11.12.2017 22:45
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