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Fibromyalgie Erfahrungsaustausch
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Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
Wolfgang, Monika Draga (Admin)

Arzt in München

Startbeitrag von Monika Draga (Admin) am 30.07.2001 16:25

Nicht mehr ganz neu, aber interessant, ein Artikel, der im letzten Jahr in der Zeitschrift "Ärztliche Praxis" erschienen ist. Hier ein Auszug daraus:

Dr. med. Stefan Schnur, Allgemeinmediziner – und ausgezeichneter Wissenschaftler

"Ich genieße den Luxus, die Wahrheit zu sagen"

MÜNCHEN – Allgemeinmedizin und wissenschaftliche Spitzenforschung – paßt das zusammen? Es paßt, und zwar blendend, wie das Beispiel eines Münchner Allgemeinarztes zeigt. Denn Dr. med. Stefan Schnur betreibt ausgezeichnete Wissenschaft im Sinne des Wortes: Für seine wissenschaftlichen Arbeiten über die Schmerz-Empfindlichkeit bei Patienten mit somatoformen Schmerz-Störungen erhielt der Allgemeinmediziner den "Förderpreis für Schmerzforschung" der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS).

Rund fünf Jahre arbeitete Dr. med. Stefan Schnur an seiner "Untersuchung aus der Allgemeinarztpraxis zur Epidemiologie, Diagnostik und Therapie generalisierter Tenderpunkt-Syndrome". Daß er für die randomisierten Studien Platz drei des bundesweit höchstdotierten Wissenschaftspreises im Forschungsbereich Schmerz erhielt, der schon zum 13. Mal von der Firma Grünenthal gestiftet wurde, freut den Forscher aus Leidenschaft ganz besonders: Er hätte es wirklich bedauert, wäre die Arbeit in der Schublade verschwunden, sagt Schnur. Nicht, weil die Anerkennung seinem Ego schmeichle, sondern da er die Ergebnisse für mitteilenswert hält.

Die Auszeichnung bestätigte den in München niedergelassenen Allgemeinarzt aber auch in seinem Streben nach unabhängiger Forschung. Denn als Gegenstand der Wissenschaft werde die Allgemeinmedizin an den deutschen Hochschulen nicht ernstgenommen, kritisiert Schnur. So träfen die an den Universitäten initiierten Untersuchungen kaum des Pudels Kern, da die Klientel vorselektiert und nicht mit dem repräsentativen Querschnitt beim Allgemeinarzt vergleichbar sei. Schnur befürchtet, die Ergebnisse vom Arbeitsfeld Universität auf die Allgemeinmedizin zu übertragen, verzerre die Aussagen, mache sie oft sogar unbrauchbar. Unabhängig von Sponsoren, auf dem Boden der Praxis statt im Elfenbeinturm, resümiert Schnur: "Ich genieße den Luxus, die Wahrheit sagen zu können – ohne jegliche Zensur."

Das tägliche Brot des Allgemeinmediziners werde nur rudimentär wissenschaftlich bearbeitet und publiziert. Schnur fordert deshalb, die Allgemeinmedizin müsse ihr Arbeitsfeld intensiver analysieren, um zu praxisrelevanten Ergebnissen zu kommen. Daß viele der niedergelassenen Kollegen überwiegend beschäftigt sind, ihre Praxis über Wasser zu halten, sieht der Münchner nur als einen Grund dafür, warum nicht viel mehr Allgemeinmediziner Forschungsprojekte aufgreifen. Eine weitere Ursache liege bereits an den Inhalten des Medizin-Studiums: "An der Uni wird keine Wissenschafts-Theorie gelehrt. Wer Forschung betreiben will, muß sich erst mühsam in die Methodik einarbeiten", weiß Schnur aus Erfahrung.

Stefan Schnur will Forschung betreiben, die vor allem den Patienten zugute kommt – Forschung, die Antwort auf Fragen gibt, die sich dem Allgemeinmediziner täglich stellen. Im Praxis-Alltag werden seine Themen geboren, und in der Praxis realisiert er die Arbeiten auch.

Seine Erfolge geben ihm Recht: Acht Auszeichnungen erhielt Schnur während der letzten zehn Jahre für seine wissenschaftlichen Studien. "Homozystein – ein neuer Risikofaktor" lautet der Titel der 1996 beim 23. Wissenschafts-Wettbewerb der Zeitschrift für Allgemeinmedizin prämierten Arbeit. Über Schilddrüsen-Erkrankungen hat Schnur ebenso geforscht, wie über Bluthochdruck, akute respiratorische Erkrankungen und generalisierte Tendomyopathie

Schmerzforschung beschäftigt Schnur seit er sein Medizin-Studium abgeschlossen hat. "Vor allem über chronisch-benigne Schmerz-Erkrankungen gibt die Literatur wenig Auskunft", weiß Schnur

Die Medizin tendiere zur Quantifizierung, stütze sich auf vermeintlich harte Daten, wie beispielsweise Röntgenbilder und Labor-Befunde. "Der Untersucher schließt eine Verdachtsdiagnose nach der anderen aus. Findet er keine Erklärung für den Schmerz, deklariert er den Patienten als gesund und hält die Beschwerden für eine funktionelle Störung. Dem Patienten hilft diese Diagnose nicht. Er fühlt sich unverstanden und wechselt den Arzt oder erhofft Hilfe von alternativen Heilmethoden."

Dieses Dilemma läßt den Münchner Allgemeinmediziner nicht ruhen. Mit einem Druck-Algometer mißt er die individuelle Schmerzschwelle: Wann wird Druck – gemessen in Kilogramm pro Quadrat-Zentimeter – als Schmerz empfunden? Inwieweit läßt der individuelle Schmerz während unterschiedlicher Behandlungen nach?

Daß bei Patienten, die sich subjektiv stark beeinträchtigt fühlen, die Schmerz-Schwelle erniedrigt ist, stellt ein Teilergebnis von Schnurs Untersuchungen dar. Auch daß bei jedem vierten Schmerz-Patienten eine psychogene Mitbeteiligung besteht, fand der Forscher heraus.

Seine Ergebnisse sind nicht nur Selbstzweck. Mehr Sicherheit in Diagnostik und Therapie haben ihm die Forschunsergebnisse gebracht. Außerdem könne er seine Patienten auch kritischer beraten: "Die Menschen müssen wissen, daß die Einnahme von Haifisch-Knochen nur ihren Geldbeutel erleichtert, jedoch nicht ihre Schmerzen lindert." Wenn Fibromyalgie-Geplagte wüßten, daß sie keine Angst vor Invalidität zu haben brauchten, sei ihnen bereits viel Leidensdruck genommen. Außerdem meint Schnur, daß weder Kortikosteroide noch Schmerzmittel die Beschwerden linderten. Mit Wärme, Krankengymnastik, Akupunktur und letztlich auch mit der Akzeptanz der Symptome sei dem Patienten mehr geholfen. Andererseits müsse auch der Arzt akzeptieren, daß es nicht für alles eine einfache medizinische Lösung gebe. ...."

Ich muß sagen, mir gefällt dieser Bericht. "Unabhängig von Sponsoren, auf dem Boden der Praxis statt im Elfenbeinturm, ...." deswegen gefällt er mir!!!

Kennt jemand den Dr. Schnur? Oder ist das (noch) ein Geheimtipp?

Antworten:

Hallo Monika,
klingt ja echt interessant, was ich da gerade über H.Dr.Schnur gelesen habe!
Ich wohne in München, kenne seine Adresse, kann jedoch leider nicht zu ihm in Behandlung gehen - da ich nicht zum erlauchten Kreis der Privatpatienten gehöre und nur diese behandelt H.D.Schnur.
Feedbacks über seine Art der Behandlung liegen mir und unserer SH-Gruppe der Theuma-Liga München nicht vor!
MFG
Wolfgang

von Wolfgang - am 09.08.2001 08:36
Hallo Wolfgang,

das ist ja interessant. Woher ist die Info, dass er nur Privatpatienten behandelt??? Laut meiner Unterlagen hat er nämlich Kassenzulassung.

Viele Grüße
Monika Draga

von Monika Draga (Admin) - am 09.08.2001 08:51
Hallo Monika,
diese Info hatte ich aus unserer SHG-Gruppe - nachdem ich mal in diesem Kreis nachgefragt hatte, ob jemand H.Dr.Schnur kennt,hatte mir eine Mitbetroffene diese Mitteilung gemacht. Nachdem es mich jetzt aber selbst interessiert, werde ich baldmöglichst in der Praxis anrufen und nachfragen!
Das Ergebnis werde ich Dir (Euch) mitteilen.

Alles Gute und ein schönes Wochenende (Wettermäßig zumindest ab Sonntag - wird auch Zeit - meine Muskeln lechzen nach Wärme!!!)
Wolfgang

von Wolfgang - am 10.08.2001 10:33
Hallo Monika,
die Praxis ist wegen Urlaubs bis zum 24.8.01 geschlossen. Info folgt dann!
Wolfgang

von Wolfgang - am 10.08.2001 10:38
Sowohl aus der Datenbank der Bayerischen Landesärztekammer als auch dem Verzeichnis der Vertragsärzte der Krankenkassen geht hervor, dass Dr. Schnur Kassenarzt ist.

Zu beachten ist allerdings, und das ist auch in zahlreichen Meldungen hier in den Foren zu erkennen, dass viele der wirklich hilfreichen Behandlungen auch von Kassenärzten nicht als Kassenleistung zu erbringen sind. Leider gilt für uns in ganz besonderem Maße das Schlagwort von der Zwei-Klassen-Medizin. Entweder leisten wir es uns (evtl. unter Aufgabe anderer kostenverursachenden Gewohnheiten) für hilfreiche Behandlungen selbst aufzukommen, oder wir müssen uns zufrieden geben mit dem, was die Ärzte unter den gegenwärtigen gesetzlichen Regelungen bieten können. Und das ist nun mal herzlich wenig. Aber mir ist ein Arzt, der einem Patienten sagt, welche Möglichkeiten es außerhalb der vertragsärztlichen Leistungen noch gibt und somit den Patienten befähigt, selbst abzuwägen, was ihm wichtig ist, wesentlich lieber als einer, der sich durch abweisendes Verhalten, "Ignoranz" oder ähnlich nette Dinge schwierig zu behandelnde Patienten von vorneherein vom Hals hält.

von Monika Draga (Admin) - am 13.08.2001 08:05
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