Gelungene Veranstaltung auf hohem Niveau

Startbeitrag von Monika Draga (Admin) am 01.09.2001 19:54

Rainer Marx hatte ja hier im Forum zu seiner Veranstaltung eingeladen, die heute in Obertshausen bei Offenbach(Main) stattfand. Eine geräumige Halle, gute Akustik, leckere selbst organisierte Bewirtung, das war mal das Erste, was mir auffiel, als ich nach fast zweistündiger Fahrt ankam.

Prof. Pongratz (München) hatte gerade mit seinem Vortag begonnen und seit langer Zeit war es für mich wie zu Uni-Zeiten selbstverständlich, dass ich mir während des Vortrages ziemlich viele Notizen machte. Das war auch gut so, denn es war ja nur der erste in einer Reihe von sehr guten Vorträgen. Über den Inhalt schreibe ich später noch etwas. Hier nur ein ganz aktueller Hinweis: Prof. Pongratz hat davon berichtet, dass es in Sachen Tropisetron, dem Wirkstoff von Navoban, es in den letzten Tagen in Bezug auf den Einsatz bei Fibromyalgie so etwas wie ein Stoppschild gegeben hat.

Wenn ich das alles richtig mitbekommen habe, dann hat die Herstellerfirma Novartis darauf hingewiesen, dass Navoban auf gar keinen Fall für eine Langzeitanwendung eingesetzt werden darf und dass eine solche Verordnung von Navoban bei Fibromyalgie von Seiten des Pharma-Unternehmens NICHT getragen wird. Prof. Pongratz und später auch Dr. Lautenschläger haben zwar darauf hingwiesen, dass Navoban, wenn es für 5 Tage injiziert oder 10 Tage oral gegeben wird, bei manchen jener Patienten für mehrere Monate die Schmerzen hemmen kann, bei denen andere Arzneimittel nicht gewirkt haben, aber, wie gesagt, wenn ich das alles richtig mitbekommen habe, dann muß auf jeden Fall, wenn sich bei einem ersten Versuch eine Wirkung zeigt, ein Abstand von mindestens 3 Monaten bis zu nächsten Einnahmesequenz eingehalten werden UND Arzt und Patient machen das absolut auf eigenes Risiko, die Pharmafirma hält sich definitv raus. Grund für diese ganz aktuelle Entwicklung ist, dass zwar nicht beim Wirkstoff Tropisetron, sondern sondern bei einem ganz ähnlichen Vorgänger (eines anderen Unternehmens) bei Langzeiteinahme sehr schwere Nebenwirkungen eingetreten sein sollen.

Den Vortrag von Frau Dr. Bracht, die überraschenderweise auch noch ihren Ehemann mitgebracht hatte, habe ich nur bruchstückweise mitbekommen. Ich brauchte meine Bewegungspause und habe mich anschließend der praktischen Seite des Themas Ernährung gewidmet, wobei die verspeiste Gemüselasagne sicherlich kein Widerspruch zum thematischen Anliegen des Vortrags beinhaltete, von dem ich gegen Ende immer deutlicher den Eindruck bekam, dass es hauptsächlich um den Verkauf des druckfrischen Buches der Referentin ging. Zwischendurch, sie sprach gerade über die Bedeutung des Vitamin C, "stürmte" eine soeben von jahrelang vergeblich behandeltem Wadenschmerz (?) Geheilte das Podium, begleitet vom Ehemann von Frau Dr. Bracht und Co-Autor des Buches. Er war es, der dieses Wunder vollbracht hat. Dann ging es weiter mit Vitamin C, von dem nur 0,125 g/Tag als Empfehlung für den Menschen gelten, aber eine Ziege doch immerhin 15 g davon aus dem, was sie frißt, erzeugt. Ob dann der Vortrag zu Ende war, oder meine Konzentration, das vermag ich jetzt nicht mehr zu sagen. Auf jeden Fall war dann offiziell Mittagspause angesagt.

Der Psychologe Dr. Wild (Rheuma-Klinik Bad Säckingen) konnte mit seinem Vortrag die Zuhörer anscheinend sehr gut zufriedenstellen, denn sein Vortrag war der erste, der nicht von Zwischenfragen unterbrochen wurde. Bei dem anschließenden Vortrag von Dr. Conrad (Schmerztherapeutische Ambulanz der MH Hannover) blieben die Unterbrechungen von Seiten der Zuhörer ebenfalls aus, aber das mag daran gelegen haben, dass die paradigmatisch Betrachtung der Fibromyalgie zwischen Analytik und Hermeneutik und mit der Bio-Psycho-Sozialen Strukturhierarchie als Lösungsweg des Konflikts, die Triade Körper - Seele - Geist ihrer wahren Bedeutung entsprechend zu würdigen, was in der aktuellen Definition der Fibromyalgie nicht der Fall ist, an der Mehrzahl der Köpfe doch wohl unreflektiert vorbeigerauscht ist. Dabei hatte es so anschaulich angefangen, mit dem Andromeda-Nebel und der Frage: "Sind die Dinge so, wie sie aussehen?" Sowie dem Statement: "Es kommt auf den Standpunkt an." Der Vortrag hätte schon ein paar Punkte zur Diskussion geliefert, doch es winkte die Kaffeepause.

Danach sprach Dr. Lautenschläger, der z.Zt. noch in Bad Pyrmont tätig ist, über die Behandlungsmöglichkeiten bei Fibromyalgie. Auch er wurde mehrfach unterbrochen mit teils wirklich banalen Fragen.

Ich muß sagen, dass ich dieses Reinreden mitten in einen Vortrag als sehr störend und geradezu peinlich ungezogen empfinde. Ich kann mich auch nicht erinnern, so etwas schon mal bei Veranstaltungen zu anderen Themen erlebt zu haben, seien es nun wissenschaftliche Vorträge in meinem Fach gewesen oder Vorträge zu Gesundheitsthemen. Allerdings ist es mir bei Veranstaltungen mit Fibromyalgie-Betroffenen schon mehrfach aufgefallen. Es ist dies nicht nur ungehörig gegenüber dem Vortragenden, der in der Präsentation seines Konzeptes unterbrochen wird, sondern auch gegenüber den Zuhörern, die sich auf das Thema konzentrieren möchten und nicht an ungefragt eingeworfenen Hinweisen und Einwänden oder gar Co-Referaten, die sich dann oft nicht mal direkt auf das Thema beziehen, interessiert sind, sondern sich dadurch erheblich gestört fühlen. Für Fragen, die sich aus einem Vortrag ergeben, sollte die Gelegenheit im Anschluß an die Redezeit genutzt werden. Ich verstehe, dass viele Betroffene, die sich bei ihren behandelnden Ärzten nicht richtig angenommen fühlen, unter einem Druck stehen, endlich mal gehört zu werden, aber das berechtigt nicht, einen solchen Vortrag als Ventil zu benutzen.

So bezieht sich meine Überschrift über diesem Beitrag in vor allem auf die Organisation und die Referenten der Veranstaltung. Ich verbinde das nicht nur mit einem ganz herzlichen Dank an Rainer Marx und alle seine HelferInnen, sondern auch mit der Hoffnung, dass meine offenen Worte dazu beitragen, bei zukünftigen Veranstaltungen auch von Seiten der Zuhörer zu einem angemesseneren Verhalten zu kommen.

Monika Draga

Antworten:

Hallo Monika,
habe gerade mit grossem Interesse deinen Beitrag gelesen, war zum Teil sehr amüsant, ich finde es auch schlimm, wenn jeder reinquatscht, da ich grosse Mühe habe, mich überhaupt zu konzentrieren.Was mich hellwach gemacht hat, war der Hinweis auf Navoban, ich habe im Frühjahr diesen Versuch gemacht, nach einem langen Gespräch mit meinem Arzt, da er weiss, wie schwer es mir fällt Chemie zu akzeptieren, mir ging es aber so schlecht, das mir wirklich alles egal war.Also fingen wir an mit diesen berühmten fünf Tagen, langsam gespritzt.Am dritten Tag war ich sterbenskrank, mit Atemnot,Juckreiz am ganzen Körper, Erbrechen(was ja eigentlich verhindert werden soll)und Kopfschmerzen, sowas habe ich noch nicht erlebt.Ich habe drei Wochen gebraucht um mich zu erholen und trabe wieder zu meiner Homöopathin, wenn nichts mehr geht, die hatte danach ihre liebe Mühe mit mir.Der Herbst ist ja meistens eine schlimme Zeit und die Schmerzen sind auch arg im Moment, jetzt gehe ich erstmal mit meinem Hundi spazieren und dann ist Sauna angesagt, da geht es mir richtig gut und für drei Stunden habe ich kaum Schmerzen, was will man mehr!!!!In Hoffnung auf ein paar schöne Herbsttage, liebe Grüsse Sybille

von Sybille Schulz - am 25.09.2001 12:17
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