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Informationen zum Thema:
Forum:
Fibromyalgie Erfahrungsaustausch
Beiträge im Thema:
5
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Andreaxxl, Monika D. (Admin), Petra.M

Atemlähmung bei Morphium

Startbeitrag von Andreaxxl am 14.10.2002 19:57

Hallo,

ich bin eine Neue. Ich habe zwar schon auf einige Beiträge geantwortet, aber noch nie selbst eine Frage gestellt. Jetzt brennt's mir aber auf den Nägeln.

Ich nehme seit Jahren Tramal und bin auch gut damit zurechtgekommen. Ich habe überhaupt keine Nebenwirkungen und konnte lange mein Leben ganz normal leben. Die letzen Monate habe ich aber einen Schub nach dem anderen bekommen und könnte vor lauter Schmerzen aus der Haut fahren. Andere Schmerzmittel, Akkupunktur, Kältekammer, Physiotherapie etc., alles schon ausprobiert. Nichts hilft! Und mein Tramal hilft jetzt auch nicht mehr viel.

Das nächste wäre also jetzt Morphium. Davon rät mein Hausarzt, der auch ausgebildeter Schmerzarzt ist, mir aber ab. Davon könnte ich eine Atemlähmung bekommen.

Gibt es dafür ein Gegenmittel? Oder eine bestimmte Dosierung, die nicht überschritten werden darf oder ein bestimmtes Morphin, das besser ist als andere? Ich selbst habe leider keine Ahnung. Könnte mir da vielleicht jemand helfen? Mit mehr Info's könnte ich mit meinem Arzt besser reden und vielleicht auch streiten.

Schmerzliche Grüße,

Andrea

Antworten:

Hallo Andrea!
Vielleicht solltest du nochmals mit deinem Arzt reden.
Zwischen Morphin und Tramal liegen Welten !!!! (Was die Wirkungsbreite und Stärke betrifft)
Nach jahrelangem Tramalkonsum kann man auch stark davon ausgehen das du davon abhängig bist.
Es sollte dann nicht abrupt abgesetzt werden sondern langsam ausgeschlichen werden, unter Aufsicht von
proffesioneller Hilfe.
Morphin ist stark atemdepressiv und gehört nur in absolut erfahrene Hände.
Da dein Hausarzt nach deinen Aussagen wohl auch ein Schmerztherapeut ist, müßte er dich eigendlich über das Suchtpotential von Tramal aufgeklärt haben,(besonders bei extrem langer Verabreichung) auserdem steht es auch im Beipackzettel.
Nicht böse sein für meine Offenheit. Denk mal darüber nach.
Gruss
Petra

von Petra.M - am 14.10.2002 20:41
Hallo Petra,

ob ich abhängig bin, weiß ich nicht. Ich hatte schon ein paar mal Zeiten, da brauchte ich statt 4 Zäpfchen nur eines oder zwei, zwei Tage sogar gar keines. Wie paßt das zur Sucht dazu? Laut Dr. Stratz von Bad Säckingen wird man, wenn man echte Schmerzen hat, nicht abhängig von Tramal und es gibt Untersuchungen bei Leuten, die Tramal seit über 10 Jahren nehmen, da wird auch nichts über eine Sucht gesagt (laut Dr. Stratz).

Aber natürlich kann es trotzdem sein, daß ich inzwischen abhängig bin. Soviel ich weiß machen manche Schmerzmittel sogar fibroähnliche Schmerzen, wenn man sie zulange nimmt. Mein Arzt glaubt übrigens nicht das ich abhängig bin, aber ich glaube insgeheim ist er sich nicht sicher. Nächste Woche will er mir ein neu auf den Markt gekommenes Schmerzmittel verschreiben. Irgendetwas mit F. Wenn das hilft, kann ich hoffentlich auf Tramal verzichten. Ich habe keine Lust auf eine Entziehung, das kannst Du mir glauben. Bei drei kleinen Kindern kann ich nicht soleicht ausfallen.

Vielen Dank für Deine Mail. Und ich muß Dir recht geben, ganz sicher bin ich nicht, daß ich nicht süchtig bin.

Also viele Grüße

Andrea

von Andreaxxl - am 15.10.2002 09:20
Hallo Andrea,

es kommt bei Opioiden zu einer körperlichen Abhängigkeit, d.h. es kommt zu Entzugserscheinungen, wenn die Zufuhr abrupt unterbrochen wird. Das hat mit Sucht bzw. rein psychischer Abhängigkeit erst mal gar nichts zu tun. Solange die Opioide damit beschäftigt sind Schmerzen zu hemmen, kommt es kaum zu einer stimmungsaufhellenden Wirkung, die als vordergründig für die Entwicklung psychischer Abhängigkeit gesehen wird. *)

Was passieren kann und insbesondere dann passiert, wenn Opioide nicht streng nach der Uhr sondern nach Bedarf genommen werden, das ist, dass die Opioid-Rezeptoren im Gehirn, also die Andockstellen für den Wirkstoff unempfindlich werden und sie die Opioide sozusagen vorbeirauschen lassen, ohne sie einzufangen und arbeiten zu lassen. Toleranzentwicklung nennt man diesen Effekt. Um dann eine Schmerzhemmung zu erreichen, muß die Dosis immer weiter erhöht werden, müssen immer stärker wirksame Substanzen eingesetzt werden. Und das kann soweit gehen, dass erst bei einer Wirkstoffkonzentration, die schon zu lebensbedrohlichen Konsequenzen führen kann, überhaupt noch Schmerzhemmung einsetzt. Und dann, ja dann gibt es nur noch unglückliche, rat- und hilflose Ärzte und sehr unglückliche Schmerzpatienten. Deswegen ist es unbedingt notwendig, rechtzeitig die Notbremse zu ziehen, nach anderen Behandlungsmöglichkeiten zu suchen, wenn sich eine solche Entwicklung andeutet.

Mir persönlich ist bei gesicherter Fibromyalgie, also Schmerzen, die nicht im Zusammenhang stehen mit anhaltenden Organschäden, der Einsatz von Opioiden, zumindest wenn er längerfristig erfolgen soll, grundsätzlich suspekt. Ich habe in meiner langen "Schmerzkarriere" so viele unterschiedliche Erfahrungen gemacht, was Schmerzen auslöst, was sie aufrecht erhält, was sie hemmen kann usw., dass für mich ein nicht zu vom Tisch zu redender Widerspruch besteht in den bei Fibromyalgie typischen Schwankungen des Schmerzgeschehens und der Notwendigkeit, Opioide, wenn man sie nimmt, regelmäßig und ohne Unterbrechung zu nehmen. Und noch etwas kommt hinzu: Bei Fibromyalgie ist eigentlich immer auch die Darmfunktion irgendwie gestört. Unter diesen Bedingungen den Darm auch noch mit Opioiden lahmzulegen und nur durch Abführmittel in Gang zu halten, das erscheint mir auch nicht gerade verlockend. Ich bin deshalb sehr froh, dass es andere Mittel gibt, die mir helfen und die weder die Nachteile der NSAR noch die der der Opioide haben, die nicht abhängig machen UND die mir die Möglichkeit lassen, mich über gute Tage zu freuen, an denen ich auf einen Teil dieser Medikamente tatsächlich verzichten kann. Ich denke, nur so kann ich bewußt erleben, wie sich langsam eine Besserung der reinen Fibromyalgie-Beschwerden ergibt. Für mich ist dies ein wesentlicher Bestandteil meines Begriffs von Lebensqualität.

Monika

*) Die begriffliche Aufspaltung des Phänomens der Drogenabhängigkeit in eine körperliche und eine psychische Abhängigkeit wurzelt in einem substanzzentrierten Verständnis der Dinge und ist nicht mit den Erkenntnissen aus dem Bereich der psychosomatischen Medizin in Einklang zu bringen. Mit dem Begriff psychosomatisch (griechisch Psyche = Seele, Soma = Körper) wird der enge Zusammenhang zwischen körperlichem und seelischem Erleben beschrieben. Das intuitive Wissen um die Wechselwirkungen zwischen körperlichen und seelischen Prozessen drückt sich in vielen Redewendungen aus: sich den Kopf zerbrechen, zu Herzen gehen, unter die Haut fahren usw.. Aufgrund der Verbindungen zwischen dem Gehirn und den einzelnen Organen über Nervenbahnen und Signalstoffe (Neurotransmitter) ist es also „normal“, daß unsere Gefühle und Gedanken (angenehme wie unangenehme) einen Einfluß auf die Organe haben und umgekehrt. Auf der Ebene der Biochemie gibt es überhaupt keine Trennung (keinen Unterschied) zwischen körperlichen und seelischen Prozessen! So wird z.B. die Produktion von Magensäure und das Zusammenziehen der Darmmuskulatur durch Streß gesteigert und die Stimmungslage durch den Genuß verschiedener Nahrungsmittel beeinflußt. Mann kann nicht nicht-psychosomatisch reagieren – psychosomatische Reaktionen sind völlig natürliche Reaktionen des menschlichen Organismus.
Zitiert nach: Häuser, W. (1995): Gesundheit und Krankheit im Spiegel der Jahrhunderte. Psychosomatische Medizin, in: Die Große Bertelsmann Lexikothek, Band Mensch und Gesundheit, S. 166-174


von Monika D. (Admin) - am 16.10.2002 10:21
Hallo Leute,

in einem ganz anderen Forum heute eine Meldung, die sehr gut hierher paßt. Ich kann nur allen, die glauben, ohne ihre Opioid-Therapie nicht auszukommen, empfehlen, diesen Beitrag bzw. auch die vorherige Diskussion dazu zu lesen. Zum Beitrag hier klicken!

Monika

von Monika D. (Admin) - am 17.10.2002 12:34
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