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Fibromyalgie Erfahrungsaustausch
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Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Monika D. (Admin)

Von Gabriele: Schmerzodyssee

Startbeitrag von Monika D. (Admin) am 14.10.2002 20:12

Autor: Gabriele
Datum: 14.10.2002 01:54

Eine Schildungerung einer kürzlich durchmachten Odysse!
Die Textteile sind aus meinem Tagebuch zusammengesetzt, deshalb stimmen die "Zeiten" grammatikalisch nicht überein.
18.9: Mein Schmerzpflaster läßt mich seit einigen Wochen im Stich. Es hat kaum noch Wirkung gezeigt. Der Rheumatologe wußte nicht weiter, hat mich zum Schmerztherapeut geschickt. Der wußte nicht weiter, wollte erst einmal alle Unterlagen zum studieren.
So kam ich ohne medizinische Versorgung nach Hause. Seit Sonntag hatte ich kein Pflaster mehr. Nun ist alles sehr schlimm geworden. Nicht nur daß die Schmerzen angrundtief sind, nein, jetzt kommt seit letzem Abend noch das Restleggs-Syndrom dazu und ich kann die Beine nicht still halten. Da aber meine Knie kaputt sind, ist auch das nicht nur lästig sondern auch schmerzhaft. Seit gestern konnte ich kein Auge mehr zumachen. Ich bin mit meiner Weisheit am Ende.
Heute Nachmittag wurde es nun noch schlimmer, aber meine Ärzte sind alle nicht erreichbar. Eben habe ich allen Mut zusammengenommen und auf der Leitstelle angerufen und dort mein Leid geklagt. Kurze Zeit später meldete sich eine Ärztin bei mir. Die ließ mich überhaupt nicht weiterreden, als sie vom Durogesic- Pflaster hörte. "Zu Morphium gebe ich nichts anderes!" - So ihr Kommentar.
Wenn ich jetzt konfuses Zeug schreibe, dann liegt das an dem Medikament.
Nachdem sich mein Zustand gestern noch stark versvhlechterte und ich einem
Nervenzusammenbruch nahe war,packte mich mein Mann kurzerhand ins Auto und
wir fuhren in die Uniklinik. Dort mußten wir nach längerem Warten erfahren,
daß wir hier falsch wären und zum Notärztlichen Dienst müßten, Nach einer
Wartezeit von 30 Min. (außer uns war niemand zu sehen) kam ich dann zu einem
jüngeren Arzt. Ich schilderte ihm meine Lage und daß ich den Verdacht habe,
daß durch das Absetzen des Morphins und der zeitlichen Konstellation meines
Eisprungs, meine mir bereits bekannten Anfälle (wie Allergie, Neurodermittis
und Restess Legs in einem) so stark ausgeprägt hätten, daß ich nicht mehr
kann. Es solle mir doch ein Schlafmittel oder K.O-Tropfen geben, damit es
einfach mal für eine Zeit aufhört.
Doch was macht der gute Mann? Er erklärt mir zuerst einmal, daß ich
Durogesic überhaupt nicht nehmen sollte, weil ich ja Fibromyalgie hätte,
also nichts! Fibro sei nur eine "Alibi-Diagnose" für Ärzte, die keine Ahnung
hätten, was ich wirklich hätte.Es sei ein glatter Kunstfehler mir Schmerzmittel zu geben, ich müßte abnehmen!
Er sieht es gleich auf Anhieb - Übergewicht! Aber nicht nur einfaches
Übergeweicht, sondern krankmachendes. Ich müßte mit Schäden an Herz, Nieren,
Gelenken rechnen (na sie mal an!). Er vertraue darauf, daß wenn ich abnehmen
würde, es mir sofort besser gehen würde.
Noch freundlich (!) getraute ich mich zu fragen: Warum bekomme ich aber bei
nirderigerem Gewicht immer unheimliche Schmerzen, wo es mir doch nach
Angaben der Ärzte immer besser gehen sollte. Erklärte ihm noch, daß ich seit
meinem 9. lebensjahr am Abnehmen sei.
Endlich bekam ich eine schlüssige Antwort: Klar ist abnehmen schmerzhaft,
das weiß jeder Ausdauersportler. Schließlich hätten die alle
Gelenkschmerzen. Das liegt daran daß der Körper beim Fettabbau keinen
Unterschied zwischen Außenfett und Innenfett mache, also würden auch die
Gelenkfette weniger, das macht die Schmerzen.
Nun war ich aber am Ende, ich fühlte mich einfach verarscht!
Ich habe ihm dann klarzumachen versucht, daß ich auch mit seiner Hilfe in
einer viertel Stunde kaum in der Lage sein werde, mein Idealgewicht zu
erreichen und er solle mir doch eindlich was zum "WEegtreten" geben.
Nachdem ich mir dann noch eine Gaußsche Verlaufkurve von ihm gezeichnet
ansehen durfte, wo er zu dem Schluß kam, daß es Menschen gibt, die mit 30 kg
(hä?) oder auch mit 130 kg gesund
wären.
Dann endlich bekam ich nach der Entschuldigung, daß ich das Gespräch nicht
persönlich nehmen sollte, endlich mein Rezept.
ADUMBRAN 10 mg. Ich sollte vorsichtig damit umgehen und erst einmal 2
nehmen, sollte das nicht reichen, dürfte ich bis 50 mg gehen.
Also, nach den ersten 2 keine Wirkung, nach den nächten 2 Keine Wirkung,
nach den nächsten 2 (60 mg) leichte Müdigkeit, aber die Unruhe in den Beinen
ließ ein Hinlegen nicht zu. Also wieder 1 Min stehen, 1 Min, sitzen, 1 Min.
liegen usw, bis kurz vor Mitternacht. Irgendwie muß ich in einer Phase des
Liegens wohl eingeschlafen sein. Mein Mann hatte extra für heute
freigenommen, damit ich mal richtig ausschlafen konnte. Aber bereits morgens
um 8 Uhr bin ich aufgewacht.
19.9.:Sofort beim Hausarzt angerufen und sämtliche Befunde geben lassen. Dann
Termin beim Schmerztherapeuten. Dort habe ich dann erfahren müssen, daß
derjenige überhaupt kein Schmerztherpeut ist, sondern Internist für Inneres
(Herz-Magen). Die Befunde konnte er natürlich nicht einsehen, denn dafür war
keine Zeit. Helfen könne er mir auch nicht, weil er erstens die Befunde
lesen müßte, zweitens das keinen Wert hätte, da er ja kein Schmerztherapeut
sei.
Meinem Mann ist dann eingefallen., daß er mal gehört hätte, daß im
Josefshaus eine Schmerzklinik sei. Man einigte sich dann darauf, dort
anzurufen und zu fragen, ob man so einfach mit Überweisungsschein kommen
könnte. Nach einer weiteren Wartezeit von 30 Minuten folgende: Ich solle
telefonisch einen Thermin in der Uniklinik machen, Überweisungsschein
bekomme ich selbstverständlich.
Also nach Hause, Anruf im Uniklink - mit folgendem Ergebnis:
Klinik schickt Fragebogen zu mir. Ich schocke Fragebogen und sämtliche
Krankenberichte zurück. Arzt prüft, ob sie zuständig sind und vereinbart
nächstmöglichen Ersttermin. Mit einem Termin kann im Moment aber erst Anfang
bis Mitte Dezember gerechnet werden.
Was mach ich jetzt!
Ich fühle mich im Stich gelassen, einsam und alleine, denn durch Schmerzen
muß jeder immer alleine durch!
20.9.:Mein Mann war heute noch bei dem Rheumatologen, von dem ich meine Pflaster bekomme. Der gute Mann war aber in Berlin. Zum Glück hat sich mein Mann nicht abwimmeln lassen, so daß ich nach hin- und her telefonieren zwischen Praxis, Berlin, Apotheke zumindest mein Rezept habe. Ich hatte ja noch 2 Pflaster in Reserve, aber den meisten Ärger gibt es, weil einem die Ärzte nicht wirklich zuhören.
Ich hatte dem guten Mann schon mehrfach versucht zu erklären, daß das, was in den Beipackzetteln steht nicht unbedingt der Wahrheit entspricht. So kann es eben auch passieren, daß ein pflaster frisch aus der Pckung genommen nicht richtig klebt, oder daß ein Pflaster (das sogar Schwimmen aushalten soll) beim Duschen abfällt. Eine Lüge ist auch, daß die Kleberänder mit warmem Wasser abgehen. Laut Beipackzettel darf man auf keinen Fall Aceton oder Benzin verwenden.Ohne Benzin gehts aber nicht ab. Damit ich nun die empfindliche Stelle nicht allzuviel malträtiere, entferne ich die Spuren erst einen Tag später. Das sieht zwar beschissen aus, aber ich zeige meinen Busen ja nicht herum und wenn sie mich mal bewußtlos auffinden, ist es mir auch egal!
Die Unruhe in den Beinen hat nachgelassen, wann und ob sie diesen Monat noch einmal kommt, wer weiß das schon.
Ich für meinen Teil hasse inzeischen alle Weißkittel, mögen sie noch so freundlich aussehen oder so aufopfernd tun, wie sie wollen, ich kann keinem mehr vertrauen.
Ach ja, die Pflaster bekomme ich nur, wenn ich verspreche am kommenden Montag in die Sprechstunde zu kommen!!!!!!
Montag: In der Praxis fragt mich der Arzt, was ich wolle! Er wußte überhaupt nichts mehr von den früheren Vorgängen. Er kam jedenfalls zu dem Ergebnis, daß er überhaupt nicht für mich zuständig sein, weil er Rheumatologe ist. Dabei ist er mir vor 2 jahren als der Spezialist von der Selbshilfegruppe genannt worden, an dem man nicht vorbeikommt, wenn man jemals eine Reha oder Rente beantragen will. Er hatte mich vor genau einem Jahr auch in Kur schicken wollen, die wurde jedoch wie der Einspruch abgelehnt. Nun weiß ich auch genau, denn ich habe einen Bericht an meinen Hausarzt gelesen, den er vor einem Jahr bekam. Da schrieb der Rheumatologe, daß es mir erheblich besser gehe und die Triggerpunkte nicht mehr schmerzhaft seine. Das stimmte so nie! Es ging mir besser, wegen den Pflastern, aber auf Druck waren alle 16 Punkte immer schmerzhaft. Aber so kann ein Arzt eben auch einen Erfolg vorweisen, indem er einfach Unwahrheiten schreibt. Kein Wunder daß die BFA abgelehnt hat. nun jedenfalls hätte er Ärger bekommen (keine Ahnung mit wem!) weil er die Pflaster verschreiben würde ohne Schmerztherapeut zu sein. Allerdings könnte sie mir in der gängigen Dosis mein Hausarzt genauso gut verschreiben (hä, bin ich blöd - der ist doch auch kein Schmerztherapeut!).
Ich jedenfalls hatte die Nase voll und bin zu meinem neuen HA gegangen (er hat die Praxis erst kürzlich übernommen) mit ihm geredet und er will mich nun mit Pflastern und allem Nötigen versorgen, bis ich Mitte Dezember meinen Termin in der Schmerzambulanz habe. Er wußte übrigens besser Bescheid im Umgang mit den Pflastern und was man dazu geben oder spritzen kann, als der SPEZIALIST!
Ich will hier niemandem Angst machen, aber es tut gut, sich den Frust einfach mal von der Seele schreiben zu können. Normale Menschen verstehen unsere Problematik nicht so ohne Weiteres. Da habe ich übrigens vom HA noch etwas erfahren: Er hat Patienten, denen Fachärzte bescheinigt haben, daß sie keine Fibro haben, weil nur 13 statt 14 Punkte schmerzhaft sind!!!!!!!!!!!! Also schreit bei jeder Untersuchung auf und gebt nie zu, wenn es Euch mal besser geht.
Gruß Gabriele

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