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Informationen zum Thema:
Forum:
Fibromyalgie Erfahrungsaustausch
Beiträge im Thema:
3
Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
bethsi, Pidi, chriwie

Frustriert

Startbeitrag von chriwie am 02.04.2003 13:49

hallo,


ja, dieses gefühl der frustration kennt sicherlich jeder der
betroffenen. mich hat es gestern neuerlich getroffen, als ich voller
hoffnung zu einem rheumatologen ging und erwartete, ernst genommen zu
werden.
nach einer im alter von 23 jahren beginnenden odysee von arzt zu arzt
(auch allen bekannt) diagnostizierte ein arzt bei meiner 25jährigkeit
per auschlußdiagnose fibromyalgie. nun begann eine therapie mit
psychopharmaka, da, wie man mir sagte, dieses eine gängige methode sei,
die symptome zu lindern.
nach 6 monaten setzte ich per kaltem entzug jegliche tabletten ab, da es
mir nicht richtig erschien, alles per chemie wegzuschlucken. seit dem
versuche ich, so mit der krankheit zu leben, was allerdings recht
schwierig ist, da sie das leben eben sehr beeinträchtigt, sei es im
beruf oder auch privat.
ich bin heute 32 und fühle mich körperlich, als wäre ich dreimal so alt
und würde täglich in einem arbeitslager für bergbau arbeiten, bis zur
erschöpfung, was aber sicher jedem anderen fibromyalgiker genau so geht.

ich hatte die hoffnung, daß der rheumatologe mich ernst nimmt und mir
unterstützend zur seite steht. stattdessen untersuchte er mich kurz,
hörte mir nicht richtig zu und erklärte mir letztlich, ich solle sport
machen, welches ich gerne und oft tun würde, wenn meine gelenke dieses
zuliessen.
es ist ausgeschlossen, daß ich arthrose habe, dennoch habe ich nach
kurzer belastung entzündungserscheinungen in den knien, der hüfte,
ellenbogen und handgelenken. ebenso im nackenbereich und im kreuz, so
daß an bewegung nicht zu denken ist.
diesen teufelskreis gilt es zu durchbrechen. der arzt sagte, ich solle
den sport auch ausüben, wenn es wehtäte. ich will es gern versuchen, an
meinem eigentlichen problem hat dieses aber mal wieder nichts geändert.
als ich nach meinen beschwerden befragt wurde, antwortete ich mit allem,
was im laufe der jahre hinzu gekommen ist, seien es organische
beschwerden ohne befund oder psychische, welche bekannterweise im laufe
der zeit eine typische begleiterscheinung der fibromyalgie sind. nun
wurde ich gleich auf die schiene psychosomatisch erkrankt geschoben und
die schlußfolgerung war, daß meine anderen erkrankungen auslöser für
meine "vermeintlichen" muskelschmerzen seien und ich mich durch die
depression weniger bewegen würde,etc,etc,etc.
was will man da machen?
der vater meines freundes hat ebenfalls fibromyalgie und nach einer
langen reise von arzt zu arzt fand er in einer klinik in halle an der
saale gehör. wohl denn
ich würde mich über reaktionen sehr freuen, denn es ist immer gut zu
wissen, daß man nicht alleine ist.

christine

Antworten:

Hallo Christine,

ich kann Deinen Frust sehr gut nachvollziehen, wie wohl viele andere hier auch.

Wenn Du Dich im Forum "durchliest", begegnen Dir immer wieder Diskussionen rund um die Themen die Du angesprochen hast, Ärzte, Frust, Behandlungen, die Frage des Ernstnehmen, Bewegung, Sport, Antidepressiva, usw.

Zu allen Themen hier gibt es unterschiedliche Meinungen und das ist auch richtig so, denn nur so kann man sich eine eigene Meinung bilden und für sich das herauspicken was einem gut tut, denn ich glaube genau das ist es, was letztendlich bedeutsam ist und helfen kann.

Natürlich finde ich es nicht korrekt, dass Dein Arzt Dich da so im Regen stehen läßt, aber es liegt dann an Dir, entweder mit ihm darüber zu sprechen damit sich etwas ändern kann oder wenn es keinen Sinn hatte, Dir einen neuen Arzt zu suchen, bei dem Du Dich besser aufgehoben fühlst und dem Du vertrauen kannst,
ich glaube dieser Faktor ist der zweitwichtigste.

Der dritte Punkt ist Deine persönliche Erfahrung und Einstellung, wenn die Medikamente anschlagen und Du dadurch agiler, mobiler und schmerzfreier wirst, dann nimm sie, wenn dem nicht so ist, dann lass es. Vielleicht helfen Dir Entspannungsmethoden (z.B. Muskelentspannung nach Jacobson) Deinen Körper entspannen zu lassen, damit Du wieder beweglicher wirst, vielleicht hilft Dir aber auch schon ein Besuch in der Sauna, im Dampfbad oder im Solarium oder die Kombination aus denen?

Ich persönlich habe längst damit aufgehört zu glauben, dass ich nur Tabletten einwerfen kann und die Schmerzen sind weg. Mittlerweile versuche ich mir jeden Tag etwas Gutes zu tun, dazu gehört in erster Linie Streßabbau, alles was mir gut tut mache ich und alles was mir nicht gut tut, versuche ich zu unterlassen und ich schaffe es immer mehr.

Ich habe meinen Perfektionismus schon weitesgehend in die Tonne gepackt, versuche bewußter zu leben und dazu gehört für mich alles was das Leben so mit sich bringt: Bewegung, eine schöne Umgebung, Menschen die mir gut tun, Musik, Lesen, Kunst, Essen und so weiter und so fort (da kann man etliches aufzählen).

Ich will mich von der Fibromyalgie nicht geisseln lassen und ich will mich nicht damit rausreden. Wäre es nicht FMS die an mir zerrt, da gäbe es noch genug anderes mit dem ich mich "rausreden" könnte das Leben nicht lebenswert zu gestalten. Schmerzen sind immer subjektiv, aber es SIND Schmerzen und es geht schon lange nicht mehr darum ob mir das einer glaubt oder nicht oder wie stark ich betroffen bin oder nicht oder wie gut man dabei noch aussieht und andere es sehen oder nicht.

Jeder Tag ist eine neue Herausforderung, mit all den körperlichen Widrigkeiten und Schmerzen. Jeder Tag kann gut oder schlecht sein, es liegt meist an einem selber was man daraus macht, das liegt in der Eigentverantwortung. Gegen unterstützende Medikamente oder homöopathische Arzneien (beispielsweise auch muskelentspannende oder schlafförderliche -keine Schlaftabletten!-) habe ich nichts, aber Antidepressiva vor Gesprächen oder eine Verhaltenstherapie zu setzen, finde ich mehr als fahrlässig.

So, das ist wieder mal ein kleiner Roman geworden. Sicherlich bin ich nicht so versiert wie andere hier und schon gar nicht wie Monika :-) - ich will auch keine Allgemeinmeinung hiermit abgeben, lediglich meinen Weg beschreiben, mit dem ich Dir vielleicht ein wenig weiterhelfen konnte.

Ich wünsche Dir viel Kraft um Deinen Weg zu finden und um herauszufinden was DIR gut tut.

Sei lieb gegrüßt von

Pidi

von Pidi - am 04.04.2003 08:19
hallo christine,

gerade heute geht es mir ähnlich wie dir. ich bin auch mal wieder total down, weil meine schmerzen z.zt. wieder überall sind. ich weigere mich aber auch nur auf tabletten zu setzen, denn ich habe auch gemerkt, daß es viel besser ist, sich auszutauschen, ruhig auch mal zu jammern um dann auch wieder irgendwann
land zu sehen. ich versuche auch, wie dir andere schon geschrieben haben, mir möglichst positive dinge zu ermöglichen, was in diesem zustand nicht immer einfach
ist. die gesunden um einen herum können es halt oft nicht verstehen.ich verlasse mich einfach drauf, daß auch wieder bessere tage kommen.

liebe grüße

von bethsi - am 05.04.2003 19:56
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