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Fibromyalgie Erfahrungsaustausch
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Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 3 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 3 Monaten
Beteiligte Autoren:
Monika D. (Admin), Josie1956, Kiki1, tashina, Rena

Schmerztherapie für Fibros ??

Startbeitrag von Josie1956 am 12.08.2003 21:19

Die Hoffnung hatte ich – bis heute.
Ich war so froh, einen Schmerztherapeuten in Wohnortnähe gefunden zu haben. Die ersten „Besuche“ liefen noch relativ gut ab. Er erklärte recht ausführlich, was Fibro ist, Schmerzgedächtnis usw. Da ich Dank diesem Forum doch recht gut informiert war, hatte ich das Gefühl, dass er weiss, von was er redet. Er empfahl zudem eine Psychotherapie bei dem Psychologen, der in seinem Auftrag auch das schmerzpsych. Gutachten erstellt hat, (wohin ich zähneknirschend gegangen bin), verschrieb u. a. Katadolon und Celebrex mit dem Hinweis, evtl weitere Medis (Mydocalm usw) beim nächsten Termin unter Umständen dann anzusetzen.

Auch heute schien es zunächst ganz „normal“ zu laufen. Bis er nach der Psychotherapie fragte. Da ich dort aber beim letzten Gespräch den Eindruck hatte, dass da was gewaltig schief läuft, (mehr oder weniger „Nötigung zur Unterschrift auf dem Kostenübernahme-Antrag bereits nach der 1. Stunde und nicht wie vorgeschrieben nach 3 – 5 Probestunden), dass unter Umständen sogar so ne Art „Patientenfang“ oder „Patientenzuschieben“ abläuft, habe ich die Therapie dort abgebrochen.
Als ich dies nun dem Schmerzarzt sagte, war plötzlich alles anders. Keine Rede mehr von „Schmerzgedächtnis“, von (reellen) Therapiemöglichkeiten. Zunächst bot er mir dann eine Injektionsserie im Bereich der Halswirbel an. Das gleiche hatte ich vor Jahren schon mal, allerdings an der Lendenwirbelsäule, was durch ärztlichen Pfusch zu massiven irreversiblen Schäden, die mir fast das Leben gekostet hätten, geführt hat. Jetzt könnte ich das ja mal an der Halswirbelsäule versuchen, vielleicht schafft man es ja diesmal mich zu eliminieren!

Als ich auch diese Form der „Therapie“ vehement abgelehnt habe, war urplötzlich alles psychosomatisch.
Fibro also eine reine psychosomatische Erkrankung, bei der es keine Therapiemöglichkeiten gibt, von Schmerzgedächtnis usw keine Rede mehr, und es kam nur noch, dass nach einem Gespräch mit dem Hausarzt und dem behandelnden Neurologen weitere Krankschreibung und eine Einweisung (?) in eine psychosomatische Klinik erfolgen wird!

Er verweigerte jede weitere Änderung in der Medikation, da ich zudem in den letzen Wochen einen etwas sehr verunglückten ärztlich verordneten Versuch mit verschiedenen Medis hatte, bei dem es zu sog. Paradoxen Reaktionen mit Panikattacken, Halluzinosen, Angstzuständen und massiver Persönlichkeitsveränderung kam.

Nicht nur, dass ich von dem einen Arzt fast umgebracht worden bin, dass ich durch den jetzigen „Medikamentenpfusch „ und den darauffolgenden Auswirkungen auf meine Persönlichkeitsstruktur fast alle sozialen Kontakte rigoros zerstört habe, jetzt ist auch mein Arbeitsplatz massiv gefährdet.

Zwei Dinge habe ich jedoch daraus gelernt: Bis jetzt habe ich immer noch an das „Gute im Menschen“ geglaubt, doch auch da habe ich mich wohl total getäuscht. Und eine Arztpraxis von innen werde ich mit Sicherheit nicht mehr sehen.

Entschuldigt, dass es so lang geworden ist, aber es war einfach nicht mit ein paar Sätzen zu erklären.

Und wenn nur einer der Fibro-Betroffenen daraus lernt, sich jeden Arzt, jeden Therapeuten wirklich genau anzuschauen und nicht wie ich als brav nickendes Schaf vor dem Arzt sitzt in der Hoffnung endlich ein Stück Hilfe, ein bisschen Erleichterung/Unterstützung und vielleicht sogar noch ein Stückchen Verständnis zu bekommen, dann hat auch dieses Posting ein kleines bisschen Sinn.

In diesem Sinne wünsche ich Euch mehr Glück bei der Arztsuche.

Josie

Antworten:

Hallo Josie,

nachdem ich mit den einzelnen Stationen der Entwicklung schon etwas vertraut bin, komme ich ohne Umschweife zum Knackpunkt. Deine Reaktion ist für mich nachvollziehbar und ich selbst habe sicherlich auch Zeiten erlebt, wo ich genauso reagiert hätte. Heute würde ich wahrscheinlich einen anderen Lösungsweg versuche. Der fängt bei mir mit einem Stück Papier an. Komischerweise benutze ich in solchen Situationen dann nie den PC sondern das gute alte Papier.

Das muß es dann aushalten, dass ich da mehrere Spalten aufmache und z.B. reinschreibe,
- meine Erwartungen und Hoffnungen und Ziele
- meine Schritte, mit denen ich versucht habe, eine Lösung zu finden
- welche Resonanz oder Reaktion gab es darauf
- hat mir das geholfen. Wenn ja, in welcher Weise und um welchen Preis
- gab es Irrwege, wenn ja, wo fingen sie an usw.

Auf diese Weise versuche ich meine Gedanken zu strukturieren und dem Ursprung meiner emotionalen Verfassung auf die Spur zu kommen.

So sortiert fällt es dann auch leichter, die aufgetretenen Probleme mit den Beteiligten sachlich zu erörtern. In Deinem Fall weiß ich, dass von Anfang an Sachen passiert sind, die niemals hätten sein dürfen. Und das MUSS den beteiligten Ärzten mal unmißverständlich gesagt werden, welchen Anteil sie an der Entwicklung in die falsche Richtung haben, was das vor allem in Deinem ganz speziellen Fall bedeutet (!!) und sie müssen gleichzeitig in die Pflicht genommen werden, Dir in der zu Dir passenden Weise zu helfen, den Schlamassel, den sie bei Dir angerichtet haben, auch wieder aufzulösen. Nur müßt Ihr Euch vorher darüber einig werden, dass Du Hilfe annehmen willst und welche Art von Hilfe Du gegenwärtig annehmen kannst. Vor Ärzten davonzulaufen ist keine Lösung. Damit würdest Du nur bestätigen, dass Du nicht in der Lage bist, Konfliktlösungen zu erarbeiten, sondern Dir lieber unendliches Leiden zumutest, nur um einem Konflikt auszuweichen.

Wie ein Mensch über eine Sache denkt, das kann Mensch bewußt beeinflussen. Aus diesem Denken wird Handeln und über das Handeln werden die Gefühle beeinflußt. So ungefähr lautet einer der Kernsätze aus dem psychologischen Schmerztherapiekonzept einer psychosomatischen Klinik. Ich würde Dir wünschen, dass Du dieses Prinzip anwenden kannst, um aus Deiner verfahrenen Situation rauszukommen.

Bevor Du das jetzt auch noch in den falschen Hals bekommst: Ich meine damit nicht, dass Deine Schmerzen alle nur psychosomatisch sind, das sind sie bei Dir ganz gewiß nicht, sondern ich wünsche Dir, dass Du psychologische Tricks lernst, mit denen Du Dich besser gegen die Schmerzen wehren kannst, damit Du mal aus dem Teufelskreis aus Schmerzen, Frust und Angst und noch mehr Schmerzen raus kommst. Und ich denke, das ist es auch, was der Schmerztherapeut angedacht hat, als er von Einweisung in eine psychosomatische Klinik gesprochen hat. Einweisung deshalb, weil Du auf diesem Wege viel leichter und schneller einen Platz in einer GUTEN Klinik (die auch Krankenhausstatus hat) bekommen kannst, als über einen Reha-Antrag bei der BfA (mit dem ich immerhin schlappe 14 Monate brauchte, um per Eilantrag bei erheblich gefährdeter Erwerbsfähigkeit in eine geeignete Klinik zu kommen).

Offen gesagt, weiß auch ich nicht mehr, wie Dir zu helfen sein könnte, wenn es Dir so schwer fällt zu erkennen, wo hinter den ganzen Mißgriffen doch noch die hilfreichen Ansätze stecken. Z.B. die Injektionsbehandlung im Bereich der HWS ist möglicherweise im Moment das einzig Richtige, um Entlastung für Deinen geplagten Ulnarisnerv zu schaffen. Dass Du Angst hast davor, das kann ich verstehen. Aber wenn Du einfach nur ablehnst, ohne über die handfesten Hintergründe und Deine Angst zu sprechen, dann hat dieser Arzt kaum noch eine Chance Dir zu helfen. Und jedem anderen Arzt wird es genauso gehen - solange bis Du gelernt hast, mit Deinen Emotionen etwas geschickter umzugehen. Und dann wird es Dir sicherlich auch gelingen besser zu erkennen, mit welcher Motivation andere handeln.

Also, laß Dir noch ein paar Tage Zeit und dann die ganze Sache noch mal durch den Kopf gehen. Vielleicht finden wir ja gemeinsam ein paar Schrittchen auf einem Lösungsweg.

Viele Grüße
Monika

von Monika D. (Admin) - am 12.08.2003 23:14
Hallo Monika,

erst mal herzlichen Dank für Deine ausführliche Anwort durch die ich einiges „ordnen“ konnte.

Ich hab ja gar nicht sooo viel gegen eine psychosom. Klinik (wenn es denn wirklich eine gute ist und vielleicht auch eine, in der auch noch andere Behandlungsmöglichkeiten wie zB Orthopädie oder Neurologie sind), denn dass ich gerade in diesem Bereich Hilfe brauche hab sogar ich bayrischer Dickschädel inzwischen eingesehen, verstanden und akzeptiert. (Kann man eigentlich auch bei einer Einweisung die Klinik ablehnen, wenn sie nicht „ok“ ist? – Ich denke da an eine wohnortnahe, Du weißt schon welche)

Es war diese urplötzliche „Kehrtwendung“ des Arztes, die mich so irritiert hat.
Natürlich weiss er Bescheid über die Folgen der letzten Injektions“behandlung“ und meinem großen Misstrauen gegenüber solchen Behandlungen. Es ging dabei eben NICHT um den Ulnarisnerv (das war das erste, was ich ihn nach diesem Vorschlag gefragt habe). Nein, er hat dann eben gesagt, dass er diese Therapie immer wieder mal gezielt bei Fibro-Patienten anwenden würde. Und zwar wären dies Injektionen, die in den ersten Wochen 3 – 4 mal wöchentlich erfolgen, danach dann langsame Reduktion auf 2 x/Woche usw bis schließlich vielleicht noch 1x/Monat.
Meine Frage, WAS dabei injiziert wird hat er nicht beantwortet. Die nächste Frage, was das letztendlich BRINGT ebenfalls nicht (lediglich dass „manche Fibro-Patienten danach evtl ein paar Wochen oder Monate weniger Beschwerden hätten??). Meine nächste Frage, wie sich denn jetzt die „rein psychosomatische Ursache“ der Fibro vereinbaren lässt mit einer solchen Behandlung und ob da nicht schlicht und einfach eben der von Dir ja auch so treffend beschriebene „Placeboeffekt“ bewusst herbeigeführt wird, wurde auch nicht beantwortet. Daraufhin habe ich mich – wie gesagt – deutlich gegen eine solche „Behandlung“ ausgesprochen. Ich denke halt, wenn er nicht willens ist genaue Auskunft über solche Dinge zu geben, dann ist da was oberfaul.
Und das, so denke ich, ist doch kein hilfreicher Ansatz den ich annehmen sollte, oder?

Natürlich war auch meine erste Reaktion „nie mehr Arzt“ absolut daneben. Kam halt aus dem Frust und der Enttäuschung. Dass ich auch – vernünftige – ärztliche Begleitung brauche ist mir ja völlig klar (und ich muss ja auch heute bereits wieder zum Hausarzt).

Ja ich werde mir ein paar Tage Zeit nehmen zum Nachdenken (und ich hoffe, dass ich die auch nehmen kann und nicht schon heute beim Hausarzt das Nächste "angesagt" ist). Es war doch wohl ein bißchen zu viel, was in den 4 Monaten seit ich überhaupt mit Fibro „konfrontiert“ wurde, sowohl im Privatleben, im Beruf wie auch in der med. Behandlung passiert ist (dies ist jetzt aber nur eine Feststellung, keine Rechtfertigung für mein Verhalten).

Und vielleicht klappts dann ja auch wirklich mit kleinen Schrittchen auf dem Lösungsweg.

Danke nochmal und liebe Grüße
Josie

von Josie1956 - am 13.08.2003 05:38
Guten Morgen, bayrischer Dickschädel,

also jetzt bin ich ja schon mal froh, dass wenigstens eine "Kuh" schon mal vom Eis ist, nämlich, dass Du nie wieder zu einem Arzt willst. Wenn Du heute zu Deinem Hausarzt gehst, solltest Du vielleicht auf die Geschichte von gestern nur soweit eingehen, dass Du sagst, dass da mehrere Sachen so gewaltig schief gelaufen sind, dass Du jetzt erst mal Zeit brauchst, um die Dinge zu sortieren, Du jetzt erst mal zu aufgewühlt bist, um weitere neue Aspekte sachlich zu betrachten. Also heute keine neuen Entscheidungen, keine Experimente.

Zum Thema Klinik kann ich Dich schon mal beruhigen, dass die Klinik, an die Du denkst, wohl nicht in Frage kommt, da es sich dort meines Wissens um eine reine Reha-Klinik handelt, also keine Krankenhausbehandlungen durchgeführt werden.

Orthopädische und neurologische Betreuung in einer psychosomatischen Klinik, also da würde ich nicht allzuviel erwarten. Mir ist aus meiner Umgebung nur eine Reha-Klinik (nur LVAs etc. und Krankenkassen, keine BfA und auch keine Krankenhausbehandlung) bekannt, aus der ich weiß, dass Orthopädie und Psychosomatik sehr gut kooperieren, wobei der CA der Psychosomatischen Klinik Neurologe ist. Dies nur als Info für andere Leser. Vielleicht kann Kiki, die gerade über ihre Erfahrungen geschrieben hat, da mehr Optimismus verbreiten.

So viel jetzt nur mal für den Moment.

Liebe Grüße
Monika

von Monika D. (Admin) - am 13.08.2003 08:29
Moin,

meinen Erfahrungsbericht " Psychosomatische Reha" ist in einem anderen Thread nachzu lesen.

Was mein Schmerzdoc mir schon seit längerem versucht bei zu bringen , ist die Tatsache, das ich 1. austherapiert bin und es 2. bisher noch kein Mittelchen gibt, was defenetiv gegen FM hilft.
Nur ich habe diese Tatsache nie sehen können und bin wie eine "Blinde Kuh" immer zu den Physiotherapeuten, Schmerzdoc hingerannt, so nach dem Motto:
Irgendwas muss es doch geben, es kann doch nicht so bleiben, es wird immer schlimmer usw......

Nach dem der Doc es dann auf die "sanfte" Weise ( die Sache mit dem Zaunpfahl *g*), versucht hatte, war der letzte Schritt der Gang in die Psychosomatische Klinik.
Dort hab ich auch erst letzt endlich kapiert worum es den Doc und den Therapeuten ging:
Das ich selbstständig mit meiner Erkrankung umgehe, mich selber nicht in Selbstmitleid stürze, Eigeninitiative bekomme, und endlich lerne mit den Schmerzen zu leben.
Natürlich werden weiterhin, neue Medis ausgetestet ( kann ja sein, das was gescheites dabie ist) , aber versteift euch nicht so auf andere.
Die anderen können uns nur anschubsen, gehen müssen wir alleine.
Geht offen auf die Therapien zu, wenn´s nix bringt, wech damit. Aber irgendwas hilft immer, auf jedenfall finde ich selber eine SChmerzbewältigung nicht schlecht und sehr hilfreich.
In der Reha habe ich sehr viele FM´ler kennen gelernt.
Und bisher haben dort alle einen Weg gefunden, ihr Leben wieder zu gestalten, mit den Schmerzen umgehen zu können, auch mal wieder an was anderes zu denken, Lebensqualität wieder erhalten haben usw....
All die Therapien helfen nicht gegen die Schmerzen, aber es erleichtert ungemein damit zu leben.
Dazu will ich sagen, das ich ( wie viele andere auch) in einem chronifizierungsstadium III bin , austherapiert (vertrage so gut wie keine Medis, obwohl sie die Schmerzgrenze erniedrigen, nehme nur das nötigste und das auch nur im notfall),
Mich packt immer häufiger ein SChub, der mich total platt haut, schaffe so eben den haushalt, klage immer noch gegen Versorgungsamt, habe keine Rente, und bin für den 2. Job kaputt geschrieben.
Aber ich lebe!!!!
Und es gibt so viele schöne Dinge!!!!
Und wenn man sucht , findet man auch Hilfe, egal ob über Internet oder so.
Ich habe mir wieder einen Freundeskreis aufgebaut, versuche wieder viel mitzumachen, schaffe wieder 10 min fahrrad zu fahren,mache regl. KG in Eigenregie, bin aktiv im Internet,
habe wieder meine Malerei angefangen und suche mir derzeit eine neue Tätigkeit, die ich halt von zuhause / PC machen kann. Weil ich arbeiten will, auch wenn es nur 2 std. tlgl sind.

Mein Arzt bekommt mich nur noch 1x im Monat zu sehen, wenn überhaupt, ( wegen derzeit AU, muss ja dann doch mal unterschrieben werden) ach ja, meine ambulante Psychotherapie hab ich wieder aufgegriffen um mich da noch etwas zu festigen.
Und ich werde von KEINEM auf die psychoschiene gestellt, weder Doc, noch Therapeut, auch damals in der KLinik von keinem.
Freunde und Familie wurden von mir über das Krankheitsbild genauestens unterrichtet, seither...NULL PROBLEMO

Ich wünsche euch allen, genauso will Glück ( damit ihr einen gescheiten Arzt und auch Therapeuten erwischt) und doppelt so viel Zuversicht, wie ich es habe/hatte

Lieben Gruß Kiki

von Kiki1 - am 13.08.2003 11:48
Hallo Monika, hallo Kiki,

Danke für Euer Verständnis und Danke fürs "Mut machen".

Mein Hausarzt will sich auf jeden Fall umhören, ob es eine Klinik in der gewünschten Form (oder annähernd) gibt. Auch er ist der Meinung Psychosomatik auf jeden Fall, aber eben nicht unbedingt ausschließlich (was jetzt bitte auf keinen Fall abwertend gemeint ist!!).

Es war das erste wirklich "offene" Gespräch, vielleicht auch deshalb, weil ich wohl zum ersten Mal auch meine Schwäche zugeben konnte, die psychischen Probleme ansprechen und einfach wohl auch eingesehen habe, dass ich Hilfe brauche und auch bereit bin, diese anzunehmen (aber nicht blindlings, unüberlegt oder ohne genaue Aufklärung).
Er hat sich seinerseits wohl jetzt doch mit dem Thema "Fibro" näher befasst, nachdem er ja beim ersten mal gemeint hat, da hätte er keine Ahnung davon und dieses Wort auch bis heute nie ausgesprochen hat.

Was und wie es jetzt weitergeht werde ich wohl in den nächsten Tagen erfahren.

Ich habe nicht gewusst, dass Löcher so tief sein können. Aber zumindest habe ich jetzt nicht mehr so ganz das Gefühl zu ertrinken, sondern kann schon wieder ganz vorsichtig "blubbern". Und dafür möchte ich Euch ganz herzlich "DANKE" sagen.

Dir Kiki wünsche ich von Herzen, dass Dir Deine Kraft, Deine Lebensfreude und Dein Mut erhalten bleiben und Du vielleicht kleine Brücken über die Löcher bauen kannst, die sicher immer wieder auf Deinem Weg lauern werden.

Nochmals einfach herzlichen Dank und
liebe Grüße
Josie

von Josie1956 - am 13.08.2003 12:25
Hallo Josie,

klick mal [www.schoen-kliniken.de]

Da findest Du sowohl die Klinik, aus der Kiki gerade berichtet hat, als auch die Klinik Roseneck am Chiemsee, die für Dich meiner Meinung nach evtl. in Frage käme. Eine andere Klinik hatte ich Dir ja schon ganz am Anfang mal genannt, wobei ich immer noch nicht begriffen habe, warum Du nicht schon längst dort gelandet bist. Aber das liegt wohl an meiner beschränkten Auffassungsgabe. ;) Eine andere Klinik mit einem ähnlich "passenden" interdisziplinären Konzept wird wohl anderswo kaum zu finden sein. ("Interdisziplinäres Schmerzzentrum ....
Das in Deutschland einmalige ganzheitliche Konzept beinhaltet das interdisziplinäre Zusammenwirken zahlreicher medizinischer Fachgebiete ...").

Wichtiger als alles, was auf dem Papier steht, das ist Dein persönlicher Eindruck von diesen Einrichtungen. Ich kann Dir deshalb nur empfehlen, von Dir aus Kontakt mit diesen Kliniken aufzunehmen.

Übrigens herzlichen Glückwunsch dazu, dass Du es geschafft hast, Schwäche zu zugeben. Auch wenn dies nicht dem üblichen Konzept von "Leistung" entspricht, betrachte ich es jedoch als eine sehr wichtige Leistung Dir selbst gegenüber. :spos:

Mach weiter so, dann kannst Du Deine wirklichen Stärken bald effektiver einsetzen.

Monika

von Monika D. (Admin) - am 13.08.2003 13:19
:spos: auch von mir ein dickes Hut ab!!!

es ist wirklich nicht leicht, so einiges zu zugeben.
Glaub mir , ich hab auch erst in den letzten 2 Wochen so einiges gemerkt, was mir quer gesessen hat.
ich hab Rotz und wasser geheult bei dem einzelgespräch und bin sooo froh, das ich es getan habe.
der therapeut hätte sonst nie gedacht, wie es in mir aussieht.
Ich wünsche dir alles ,alles gute, ein gutes händchen für die richtige klinik und viel kraft

Lieben Gruß und ein *umärmel*
Kiki

PS. ich hatte die kliniken : heringsdorf, roseneck, irgendwas mit Prien, mehr weiss ich leider nicht....auf meiner liste stehen

von Kiki1 - am 13.08.2003 14:44
Hallo Kiki,

jetzt muß ich Dich doch mal direkt ansprechen. Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie ich mich über Deine Meldungen freue. Ehrlich, ich bin irgendwie schon die ganze Zeit in Party-Laune.

Vielleicht erinnerst Du Dich noch, wie alles angefangen hat? Es ist bestimmt schon zwei Jahre oder gar länger her. Da warst Du auf der Suche nach einem Arzt, der Dich und Deine Fibro & Co. ernst nimmt. Ich war dann richtig erleichtert, als Du mir mitteiltest, in welcher Gegend Du zuhause bist, denn da konnte ich Dir mit einem wirklich guten Gefühl eine Adresse nennen. Und mein gutes Gefühl hat mich da wohl wirklich nicht getäuscht. Ich hatte Dir vielleicht erzählt, dass ich dem Arzt, den ich Dir empfahl und der Dich seither betreut, nur einmal ganz kurz begegnet war, wo er mir in einer Versammlung von Fibromyalgie-Experten aus Forschung und Praxis durch - ja durch was? - durch eine besondere Art intensiven Zuhörens kann man es wohl nennen, aufgefallen war. Bis dahin "kannte" ich ihn, genauso wie etliche andere Teilnehmer, nur aus deren Veröffentlichungen, die ich gelesen hatte oder aus Ärztelisten einer für meine Auffassung eher dubiosen Selbsthilfebewegung. Aber keiner von den anderen Teilnehmern konnte bei mir so ein "Profil" gewinnen, wie der Arzt, der Dich jetzt bis zu dem Punkt begleitet hat, an dem Du ihn fast nicht mehr brauchst. So soll es sein. Das ist das Ziel. Und ich finde, ihr BEIDE habt das ganz toll hingekriegt. Ja, Ihr BEIDE, denn der beste und verständnisvollste Arzt wird nicht helfen können, wenn ein Patient nicht mitmacht, nicht begreift, dass nicht der Arzt der gute Arzt ist, der einem ständig nach dem Mund redet, sondern der es schafft, die verschütteten Konflikte zur rechten Zeit an die Oberfläche kommen zu lassen, damit sie abgearbeitet werden können.

Bliebe noch zu erwähnen, dass nicht alle Fibros mit diesem Arzt uneingeschränkt glücklich werden. Es ist auch da halt so wie überall im Leben: Wat dem eenen sin Uhl, is den anneren sin Nachtigall ....

Am liebsten würde ich jetzt mit Euch Beiden anstoßen (wobei Dein Doc mich wahrscheinlich überhaupt nicht kennt)
:cheers:
Monika

PS: Deinem Arzt haben wir, wenn ich mir nicht sehr täusche, auch die klare und schonungslose Aussage zu verdanken, dass zu viele Fibro-Patienten in einer Praxis eine wirtschaftliche Gefahr bedeuten können. Auch diese unverblümte Aussage macht ihn mir - nach dem ersten Schock - nicht nur sympathisch, sondern hat mir die Augen geöffnet für die Hintergründe mancherlei "Ungereimtheiten" im Verhalten anderer Ärzte.

von Monika D. (Admin) - am 13.08.2003 17:49

Re: Schmerztherapie für Fibros ?? Und Morphium ist KEIN WEG!!!

Hallo Kiki, hallo Monika,

Kiki, herzlichen Dank fürs umärmeln, für Deine Offenheit bzgl Therapie und „weinen“....
Monika, Danke fürs Mut zu sprechen, für den Link und für so vieles mehr.

Monika, wir haben uns mal drüber „unterhalten“, ob ich meine Geschichte mit dem aktuellen Verlauf und dem für mich schlimmen „Ende“ selbst hier ins Forum setze, um evtl andere davor zu warnen, oder vielleicht auch davor zu bewahren. Damals habe ich Dich gebeten, dass DU das irgendwann einmal vielleicht tust, um mich bzw meine "Identität" vielleicht ein Stück zu schützen. Doch nun will ich es selber tun. Ich werde versuchen es so nüchtern und sachlich wie möglich rüberzubringen., und kann Dich, Monika, nur nur bitten, bei evtl. auftretenden emotionalen „Ausbrüchen“ korrigierend einzugreifen.

Ich war Drogenabhängig (Heroinabhängig) mit allen daraus folgenden Konsequenzen. Über 1 ½ Jahre war ich gerichtlich in einer psychiatrischen Klinik auf der geschlossenen Abteilung untergebracht. Danach Drogenentziehungskur, therapeutisches Übergangswohnheim. Und kurz darauf die Geburt meines (2.) Sohnes, (mein erster Sohn ist kurz nach der Geburt verstorben).
Bis vor ca 3 Monaten habe ich es geschafft ( 26 Jahre lang) drogenfrei zu leben. Der Versuch ärztliche Hilfe gegen (oder für?) meine sehr starken – sowohl neuropathischen – Schmerzen, wie auch wegen Fibroschmerzen zu finden, endete in der Verordnung von Morphium. Dies wirkt KEINESWEGS gegen Fibroschmerzen, sondern – in meinem Fall – ausschließlich gegen die durch ärztlichen Pfusch verursachten massiven neuropathischen Beschwerden.

Der Erfolg? Ich habe vielleicht ein bißchen weniger Schmerzen, aber ich habe mit dem Problem der Sucht mit allem, was dahinter steht, nun erneut zu kämpfen.

Morphium ist KEINE Möglichkeit, die Schmerzen, die durch Fibromyalgie entstehen, zu bekämpfen!!! Diese sind nach wie vor in der gleichen Intensität vorhanden.

Es stimmt NICHT, dass Morphium (zumindest bei ehem. Drogenabhängigkeit) nicht zur Abhängigkeit führt!! (Das kann ich aus aktuellem Verlauf belegen).

Dass zudem bei wohl einigen Fibro-Betroffenen, zu denen auch ich gehöre, paradoxe Reaktionen auf diverse Medfikamente auftreten (können) sollte jedem Arzt und jedem Betroffenen immer bewusst sein!
Durch solche Reaktionen auf die (wohl gut gemeinte) Erhöhung und Kombination des Morphiums mit anderen Schmerzmitteln kam es bei mir zu genau solchen paradoxen Reaktionen mit Angstzuständen, Panikattacken, Persönlichkeitsveränderungen, Halluzinosen und einigem mehr.

Was ich Euch mit dieser „Beichte“ sagen will?

Morphium ist KEIN und wirklich absolut KEIN Medikament, das bei Fibroschmerzen auch nur ansatzweise hilft. Lasst Euch nicht darauf ein, es ist sinnlos!!!! Es wird NIE etwas an den Schmerzen und den Beeinträchtigungen, die durch die Fibro verursacht sind, ändern!!! Es ist viel eher das Gegenteil der Fall, nämlich weitere Herabsetzung des Schmerzempfindens usw (da kann aber evtl Monika wesentlich besser und gezielter was dazu sagen).

Josie

von Josie1956 - am 13.08.2003 21:14
Hallo Josielein :-)

ich kann dir nicht viel zum Thema Morphium sagen, nur dass ich dir glaube, dass du durch die Wirkungen total verunsichert und bestürzt bist. Ich kann sehr gut verstehen, dass du NICHT das Gefühl hast, dass man dir wirklich Hilfe gibt, aber Monika hat dir sehr deutliche und meiner Meinung nach sehr verständliche Tipps gegeben. Was ich aber machen möchte ist, dir Mut zuzusprechen und dich einmal ganz doll umarmen und drücken, damit du spürst.... du bist hier nicht allein. Du hast eine Menge SCH*** erlebt. Ich bewundere dich dafür, dass du trotzallem deinen Kopf und dein Herz auf dem rechten Fleck behalten hast und dass du immer wieder um Hilfe bitten kannst :spos::spos::spos: meine Hochachtung. DU wirst es schaffen deinen Weg zu finden. Wenn du zwischendurch mal schlapp machst und wieder verzweifelst, dann weißt du zumindest wohin du dich wenden kannst *huhu ihr Anderen :)*, um dann wieder mit erhobenem Kopf dein Recht auf Behandlung einzufordern, natürlich unter der Voraussetzung deiner Mithilfe.

Mut ist Widerstand gegen die Angst, Sieg über die Angst, aber nicht Abwesenheit von Angst.

Mark Twain

Das ist ein Sprichwort, dass mir sehr viel hilft, wenn ich mal wieder in irgendwelchen Ängsten gefangen bin.

ich wünsche dir auch eine große Portion Mut, damit du dir in einer Klinik helfen lassen kannst und nicht allein durch den Umstand dort zu sein, ängstlich bist.

liebe RENA Grüße aus dem kühler gewordenen :-) Norden

von Rena - am 14.08.2003 07:21
hallo josie,
ich lese seit tagen mit großem interesse eure postings. ich danke dir für deine offenheit im letzten posting. du hast mich sehr berührt damit.
zugleich bin ich entsetzt, wie immer wieder ärztlicherseits mit "uns" umgegangen wird. in deinem speziellen fall macht es mich sehr wütend und ich frage mich, ob diese ärzte nicht zur rechenschaft gezogen werden können. ist es nicht ein "kunstfehler" einer ehemaligen drogenabhängigen morphium zu verordnen? oder zumindest sowas wie "fahrlässige körperverletzung"?
ich bin doch immer wieder erstaunt über die "therapien", aber auch erleichtert zu lesen, dass es nicht nur mir so geht. paradoxe reaktionen auf medikamente hatte ich auch schon, wurde aber ärztlicherseits nie ernst genommen, ich habe erst hier im forum erfahren, dass es sowas gibt. meine hoffnung auf schmerzlinderung habe ich fast aufgegeben, jedenfalls sie durch therapien hiesiger ärzte zu erreichen. ich konnte deine reaktion, nie wieder was mit ärzten zu tun haben zu wollen gut verstehen. ich selbst habe oft innerlich auch diese haltung, nur merke ich auch, dass ich ohne "hilfe" auch nicht weiterkomme. bin da gerade für mich auch am suchen, einen weg zu finden, wie ich wieder mehr am leben teilnehmen kann, mit der erkrankung, ob es nicht doch noch andere möglichkeiten gibt, die schmerzen zu lindern.
dir josie danke ich nochmal für deinen mut und deine offenheit, und wünsche dir, dass du die richtige klinik für deine momentane situation findest, dass du hilfe findest. alles alles gute für dich!!
lieben gruß
tashina

von tashina - am 14.08.2003 10:39

Re: Schmerztherapie für Fibros ?? Und Morphium ist KEIN WEG!!!

Liebe Josie,

erst mal möchte ich den anderen Lesern verraten, dass wir gestern noch, umittelbar nach Deinem Posting, miteinander gesprochen haben, so dass ich mich hier nun auf Ergänzungen zu Deinen Ausführungen beschränken möchte.

Zitat


Monika, wir haben uns mal drüber „unterhalten“, ob ich meine
Geschichte mit dem aktuellen Verlauf und dem für mich
schlimmen „Ende“ selbst hier ins Forum setze, um evtl andere
davor zu warnen, oder vielleicht auch davor zu bewahren.
Damals habe ich Dich gebeten, dass DU das irgendwann einmal
vielleicht tust, um mich bzw meine "Identität" vielleicht ein
Stück zu schützen. Doch nun will ich es selber tun. Ich
werde versuchen es so nüchtern und sachlich wie möglich
rüberzubringen., und kann Dich, Monika, nur nur bitten, bei
evtl. auftretenden emotionalen „Ausbrüchen“ korrigierend
einzugreifen.

Ja, das hatten wir so vereinbart, dass ich mal über Deine Erfahrungen schreibe, wobei es sich dabei vor allem um höchst bedenkliche Neben- oder Wechselwirkungen des Dir verabreichten Morphins handelte, die etwas mit Deinem Asthma zu tun haben. Das hast Du jetzt hier noch gar nicht erwähnt und ich möchte Dich bitten, das gelegentlich noch nachzuholen.

Zitat


Ich war Drogenabhängig (Heroinabhängig) mit allen daraus
folgenden Konsequenzen. ...
Der Versuch ärztliche Hilfe gegen (oder
für?) meine sehr starken – sowohl neuropathischen –
Schmerzen, wie auch wegen Fibroschmerzen zu finden, endete in
der Verordnung von Morphium.

Hier muß ich korrigieren: Dein Versuch einer kompetenten schmerztherapeutischen Betreuung endete nicht mit der Verordnung von Morphium, sondern er begann damit und zwar ohne dass zuvor eine auch nur annähernd ausreichende schmerztherapeutische Anamnese erhoben worden wäre!

Ich erinnere mich noch ziemlich genau daran, wie Du nach dem ersten Termin beim Schmerztherapeuten, zu dem Dich Dein Hausarzt überwiesen hat, nachdem Du Dich bereits um einen Termin bei einem anderen Schmerztherapeuten gekümmert hattest, von diesem Besuch berichtet hast. Kaum ein Wort habe er mit Dir gesprochen, nur telefoniert und in Papieren geblättert. Und schwupps warst Du mit einem BTM-Rezept - und nichts anderem - wieder draußen und hattest dummerweise das Rezept auch eingelöst und die erste Dosis schon genommen, bevor Du Dich bei mir gemeldet hast. In diesem Moment warst Du bereits wieder angefixt. Was hättest Du sonst auch tun sollen? Du standest vor der Alternative, entweder das verordnete Morphin zu nehmen, oder überhaupt keine Schmerzbehandlung zu bekommen. Nennt man so etwas nicht Nötigung?

Als Du beim zweiten Termin hinkamst, um die Sache zu klären, saß Dir ein ganz anderer Arzt gegenüber. Der erste war nur Urlaubsvertretung gewesen und der "richtige" Schmerztherapeut raspelte nun erst mal Süßholz. Habe ich damals darüber gesprochen, dass mir das erschien wie das Spiel "böser Doc, guter Doc"? Jedenfalls verordnete er Dir weiterhin Morphin, erhöhte sogar die Dosis, obwohl unmißverständlich klar war, dass wegen Deiner Drogenkarriere eine absolute Kontraindikation für den Einsatz von Opioiden bei Dir besteht.

Weiterhin ist dazu anzumerken:
"Aus der gesetzlichen Situation ergibt sich - zunächst allgemein für jede Verschreibung von Betäubungsmitteln - folgendes:

1. Untersuchungspflicht

Der Arzt muß sich durch eine Untersuchung von der Notwendigkeit der Verschreibung überzeugen. Dazu muß er eine eigene Diagnose stellen und darf sich nicht ohne weiteres auf die Angaben des Patienten verlassen. Auf eine eigene Untersuchung darf auch nicht deswegen verzichtet werden, weil die Untersuchung Möglichkeiten beschränkt sind. Ziel der Untersuchung ist die Bildung einer ärztlichen Überzeugung darüber, daß zur Bekämpfung des durch ärztliche Prüfung selbst gefundenen Krankheitszustandes gerade ein gefährliches Mittel notwendig ist. Ein Irrtum über diese Pflicht zur Untersuchung des Patienten stellt sich als Verbotsirrtum dar, der bei Vermeidbarkeit allenfalls zu einer Strafmilderung führen kann." Quelle: [www.joachimski.de]

Was Du in Deinem Posting nicht erwähnt hast, was ich allerdings hier noch beisteuern möchte, das ist die Tatsache, dass es bei Dir nach Beginn der Einnahme des Morphins zu ungewöhnlichen und teilweise gravierenden Symptomen an verschiedenen Organsystemen gekommen ist und mehrfach war ärztliches Einschreiten nötig.

Zitat


Dies wirkt KEINESWEGS gegen
Fibroschmerzen, sondern – in meinem Fall – ausschließlich
gegen die durch ärztlichen Pfusch verursachten massiven
neuropathischen Beschwerden.

Das Stichwort "neuropathische Schmerzen" hast Du erst durch Hinweise von mir ins Gespräch mit dem Arzt gebracht, der es Dir auch bestätigt hat, dass bei Dir neuropathische Schmerzen, also Schmerzen aufgrund von Nervenschädigungen vorliegen. Trotzdem wurde Dir - soweit ich weiß - kein spezifisch gegen neuropathische Schmerzen wirksames Medikament verordnet, sondern lediglich die Morphinbehandlung variiert.

Richtig ist, dass Opioide gegen neuropathische Schmerzen wirken können, dass es aber auch sog. Non-Responser gibt. Vielleicht ist es in den Wirren der letzten Tage untergegangen, aber die typischen einschießenden neuropathischen Schmerzen sind bei Dir auch dann aufgetreten, wenn Du erst kurz zuvor Dein Morphin genommen hattest. (Zur Vertiefung hier ein aktueller Artikel über die Behandlung neuropathischer Schmerzen.) Besserung trat bei Dir erst nach einer Injektionsserie mit hochdosierten B-Vitaminen ein, was Du vielleicht auch nicht mehr so genau zuordnen kannst, weil nahezu gleichzeitig auch die Morphindosis erhöht wurde. Woher die Anregung kam, es mit dem Einsatz der neurotropen Vitamine zu versuchen, will ich hier nicht auswalzen, aber ich finde es immer noch beschämend, dass keiner Deiner behandelnden Ärzte von selbst da drauf gekommen ist, zumal allein schon Deine rapide Gewichtsabnahme Hinweise auf eine unzureichende Versorgung hätte geben können. Gleichzeitig kann ich mir hier aber auch den Hinweis nicht ersparen, dass die weitere Symptomatik dann evtl. auch durch eine relative Überdosierung einzelner Vitamine hervorgerufen worden sein könnte!

Zitat

Der Erfolg? Ich habe vielleicht ein bißchen weniger
Schmerzen, aber ich habe mit dem Problem der Sucht mit allem,
was dahinter steht, nun erneut zu kämpfen.

Morphium ist KEINE Möglichkeit, die Schmerzen, die durch
Fibromyalgie entstehen, zu bekämpfen!!! Diese sind nach wie
vor in der gleichen Intensität vorhanden.

Es stimmt NICHT, dass Morphium (zumindest bei ehem.
Drogenabhängigkeit) nicht zur Abhängigkeit führt!! (Das kann
ich aus aktuellem Verlauf belegen).

Dass zudem bei wohl einigen Fibro-Betroffenen, zu denen auch
ich gehöre, paradoxe Reaktionen auf diverse Medfikamente
auftreten (können) sollte jedem Arzt und jedem Betroffenen
immer bewusst sein!
Durch solche Reaktionen auf die (wohl gut gemeinte) Erhöhung
und Kombination des Morphiums mit anderen Schmerzmitteln kam
es bei mir zu genau solchen paradoxen Reaktionen mit
Angstzuständen, Panikattacken, Persönlichkeitsveränderungen,
Halluzinosen und einigem mehr.

Was ich Euch mit dieser „Beichte“ sagen will?

Morphium ist KEIN und wirklich absolut KEIN Medikament, das
bei Fibroschmerzen auch nur ansatzweise hilft. Lasst Euch
nicht darauf ein, es ist sinnlos!!!! Es wird NIE etwas an den
Schmerzen und den Beeinträchtigungen, die durch die Fibro
verursacht sind, ändern!!! Es ist viel eher das Gegenteil der
Fall, nämlich weitere Herabsetzung des Schmerzempfindens usw
(da kann aber evtl Monika wesentlich besser und gezielter was
dazu sagen).

Josie

Ja, da muß ich jetzt doch eine kleine Korrektur anbringen: Du meintest sicherlich nicht Herabsetzung des Schmerzempfindens, sondern Herabsetzung der Schmerzschwelle. Das heißt, dass nach längerem Opioidgebrauch (wie es ja bei Dir durch die Drogenabhängigkeit schon mal angelegt ist) nicht nur die Opioidrezeptoren unempfindlicher werden können, eine sog. Toleranz eintritt, die dazu führt, dass eine immer höhere Dosis eingesetzt werden muß, um die gleiche Schmerzhemmung zu erzeugen, sondern dass tatsächlich auch die Schmerzempfindlichkeit zunehmen kann, d.h. Reize gleicher Intensität als immer stärkere Schmerzen empfunden werden. Siehe dazu: Induzieren Opioide eine Hyperalgesie?
Ich kann das, obwohl ich niemals mit Opioiden behandelt wurde, ganz gut nachvollziehen, nämlich aus mehrfachen Erlebnissen beim Zahnarzt. Wenn da die Wirkung der Betäubungsspritze nachließ, war ich ich plötzlich extrem schmerzempfindlich, es tat irre weh, als nachgespritzt werden mußte, während mir die Spritze vorher kaum etwas ausgemacht hatte. Heute sehe ich das so, dass die körpereigene Schmerzhemmung "auf der faulen Haut lag", solange das Betäubungsmittel wirkte, aber danach dann auch nicht schnell genug wieder in die Gänge kam.

Was für uns bei Fibromyalgie allgemein wichtig ist: Fibromyalgie bedeutet auf jeden Fall, dass bereits eine erniedrigte Schmerzschwelle vorhanden ist. Und deshalb sollte es sich jeder Fibro-Betroffene sehr genau überlegen, ob und für wie lange Zeit er sich auf eine Behandlung mit Opioiden einläßt!

Abschließend muß ich Dir, Josie, noch etwas sagen: Du hast es durch Deine Ängste, die durchaus aus Deiner Lebensgeschichte heraus nachvollziehbar sind, den Ärzten sicherlich auch nicht leicht gemacht, Dir zu helfen. Manche Ansätze, die nun mal wirklich dazu gehören, hast Du abgelehnt, vielleicht ohne dass es für die Ärzte nachvollziehbar war, warum. Du hast Dich teilweise auch an Dinge geklammert, die Du hier erfahren hast und wolltest Dir aber nicht zugestehen, dass für Dich bzw. für Deine Schmerzen tatsächlich jedoch auch noch andere "Vorzeichen" gelten müssen. Jetzt sitzt Du in einem großen Schlamassel und wirst Dir die Frage stellen müssen, ob Du jetzt als erstes an Deinen Ängsten arbeiten willst (und gleichzeitig an der somatoformen Schmerzstörung), oder an den zweifellos ebenfalls vorhandenen neuropathischen Schmerzen (aufgrund von nachweisbaren und keineswegs "windelweichen" Schädigungen) oder durch den Entzug gehst. Dass alles gleichzeitig laufen kann, das glaube ich nicht und das solltest Du auch nicht erwarten, sonst kommt gleich der nächste Frust. Du wirst dieses Problem ausführlich mit Deinem Arzt erörtern müssen. Ich halte Dir ganz fest die Daumen, dass Deine Fortschritte, die Du in den letzten Tagen zweifellos gemacht hast, von Deinem Arzt unterstützt werden.

Ich halte Dir wirklich die Daumen!
Monika

PS: Vielleicht hilft Dir (und Deinem Arzt) auch dieser Artikel noch ein wenig weiter: [www.stk-ev.de]

von Monika D. (Admin) - am 14.08.2003 11:06

Re: Schmerztherapie für Fibros ?? Und Morphium ist KEIN WEG!!!

Hallo Monika,

vor allem mal herzlichen Dank, dass Du die ganze "Geschichte" noch ergänzt, richtig gestellt und auch wissenschaftlich untermauert hast. Die Arbeit, die Mühe und den Zeitaufwand, die Du Dir damit immer wieder machst, ist einfach SPITZE!!!
Und Danke auch fürs "Daumen drücken"!

Klar, ich hab mir vieles an dem ganzen Schlamassel selbst zuzuschreiben, da hast Du vollkommen recht und das möchte ich auch nicht "vertuschen".
Das Morphium wurde mir verschrieben, und ICH habe es geschluckt (trotz besserem Wissen), es hat mich ja keiner dazu gezwungen.

Auch wenn Du es nicht sooo betont hast, möchte ich es hier trotzdem nochmal ganz deutlich sagen. DU hast den Hinweis mit den neuropathischen Schmerzen gegeben, durch DEINEN Hinweis kamen die Ärzte erstmal darauf, dass eben auch Vitamingaben nötig sein könnten (was mir letztendlich dann große Erleichterung brachte).

Ich wollte mit meiner "Beichte" einfach Betroffene ein Stück "aufrütteln", vielleicht zum Nachdenken bringen, aufmerksam machen. In einigen alten Postings war eben immer wieder die Frage nach Morphium als Therapie bei Fibro. Und da wollte ich halt aus der aktuellen Erfahrung davor warnen.
Allzuviele Ex-Junkies wird es hier im Forum wohl nicht geben, sodass der "Kunstfehler", für mich hier absolut nicht im Vordergrund steht. Ich wollte einfach betonen, dass eben Morphium IN KEINER WEISE gegen FIBRO-SCHMERZEN hilft!! Dass - vielleicht - zunächst ein gewisser Placeboeffekt eintreten kann (Morphium, ,das muss ja wirken!), oder "endlich nimmt man meine Schmerzen ernst", oder auch "jetzt sehen alle, wie schlecht es mir wirklich geht, wenn ich schon soooo starke Medikamente bekomme".
Das war das, was ich ein Stück "erreichen" wollte (und für die wissenschaftlichen Ausführungen, für das ganze Hintergrundwissen, da haben wir ja Dich, gelle ;-))

Auch eben die Gefährlichkeit der "paradoxen Reaktionen" kann - meiner Meinung nach - nicht oft und deutlich genug betont werden.
Da Morphium atemdepressiv wird, ist es auch bei Asthmatikern nicht unbedingt das "Mittel der Wahl". Durch die Kombination der verschiedenen Opioiden zusammen mit anderen Schmerzmitteln und den Medikamenten gegen Asthma habe ich auch da massive Schwierigkeiten (sehr starke Asthmaanfälle bis zum Status Asthmatikus) gehabt,

Wie gesagt, es ging mir nicht darum, mit meiner Geschichte ein "OH" oder "ach wie schlimm" oder so zu erreichen, ich möchte einfach WARNEN!!!! Und wenn nur 1 Betroffener sich an das erinnert, wenn ihm Morphium als FIBRO-Therapie angeboten oder verordnet wird, und dann "NEIN" schreit, dann habe ich hier gerne "gebeichtet".

Wie es bei mir weitergeht? ich habe gelernt aus den letzten Wochen, WIRKLICH gelernt! Mir ist klar geworden, dass meine psychischen Probleme bei einer Behandlung an erster Stelle stehen und die Wahl der Klinik sich auch daran richten wird.

Ich habe es keinem leicht gemacht, mir zu helfen, auch das weiss ich. Aber ich bin halt nun mal ein "verfl... bayrischer Dickschädel" ;-))

Josie

von Josie1956 - am 14.08.2003 12:15
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