Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Fibromyalgie Erfahrungsaustausch
Beiträge im Thema:
25
Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 6 Monaten
Beteiligte Autoren:
filou01, Monika D. (Admin), Josie1956, maria, Petra.M, Marielou, marcelle, .Ullchen.

Neu hier!

Startbeitrag von filou01 am 20.11.2003 18:48

Hallo,
ich habe meine Diagnose seit August und bin auch genauso lange krankgeschrieben. Ich bewundere alle, die noch in der Lage sind sich beruflich zu betätigen, ich kanns nicht mehr!
Ich schaffe es manchmal noch nicht mal den normalen Tagesablauf zuhause in den Griff zu kriegen, ich schlafe kaum, mein Gedächtnis und meine Konzentation sind "unter aller Sau" :confused:
Ich hab keine Ahnung wie es weitergehen soll, alle Medikamente die ich bisher genommen habe, haben nichts gebracht ( ausser das ich mich fühlte wie ein Alien) :rolleyes:
Wie macht Ihr das??

Liebe Grüße an alle hier!

Antworten:

Hallo Filou,

herzlich Willkommen hier!

Wenn Du schon so ein bißchen im Forum gelesen hast, dann hast Du sicher gesehen, dass sehr sehr viele Leute hier mit Schlafstörungen kämpfen, Konzentrationsstörungen haben usw (kleiner Tip: gib oben in der Leiste unter "Suchen" mal die Stichworte ein, dann kommen ganz viele Beiträge aus früheren Diskussionen zu diesen Themen). Da wirst Du dann auch sehen, dass Du keineswegs ein "Alien" bist ;-).
Konzentrations- und Gedächtnisprobleme und Schlafstörungen sind sicher auch Symptome der Fibro, können aber auch bei vielen anderen Erkrankungen (zB Depressionen), oder eben auch durch Medikamente hervorgerufen werden.
Ich möchte Dich jetzt eigentlich erst noch ein paar Dinge fragen, und zwar:
Wer hat die Diagnose Fibro gestellt und wie?
Was für Medis nimmst Du denn?

Vielleicht magst Du uns ja noch ein bisserl mehr von Dir erzählen? Dann ist es auch einfacher gezielt zu antworten, okay?

Bis bald und liebe Grüße

Josie

von Josie1956 - am 21.11.2003 09:43
Hallo Josie,
danke schön für die schnelle Reaktion.
Meine Diagnose hab ich von einem Rheumatologen, der angeblich Spezialist für FM ist.( wurde mir von einer Kollegin empfohlen). Ich war bei meinem Hausarzt schon seit Jahren in Behandlung wegen der unterschiedlichsten Sachen, Knieschmerzen, daraufhin 2 OPs, Rückenschmerzen, daraufhin Behandlung beim Orthopäden ( Röntgen, Spritzen usw), Starke Schmerzen bei der Regel, daraufhin zum Frauenarzt ( Eierstockzyste wegoperiert, tauchte danach aber Kindskopfgroß in kürzester Zeit wieder auf, danach Total-OP)
Das war im Dezember letztes Jahr, dann ging es richtig los mit den Schmerzen überall zugleich...wieder zum Arzt, auf Rheuma untersucht, kein Ergebnis.
Dann das erste Mal das Wort Fibro, zuerst von meinem Hausarzt völlig abgelehnt("wir wollen ja nicht gleich das schlimmste annehmen!?"), dann aber gezielte Untersuchung mit genanntem Ergebnis.Zwischenzeitlich noch Überweisung zum Psychotherapeuten...( der aber immer nur sehr mitleidend guckt und neue Medis verschreibt)
Jetzt steht ich da mit der Diagnose, die mich erstmal ziemlich umgehauen hat!
An Medis nehme ich: zum Schlafen Trimipramin 100 (Mit wechselden Erfolg) tagsüber 3 x Gabapatin 300( hilft nicht besonders, soll aber erst nach mehreren Wochen voll wirken?)
So, jetzt hab ich mich erstmal vorgestellt, ach so, ich bin 44 Jahre alt und weiblich
Vielen Dank fürs Zuhören, bis bald Filou

von filou01 - am 21.11.2003 10:02
Hallo! Bin auch neu hier. Lese mit grossem Interesse die Beiträge in diesem Forum. Ich leide seit 25 Jahren an dieser Erkrankung Kenne also alle Höhen und Tiefen von Fibromyalgie. Festgestellt wurde die Ursache meiner vielfältigen Beschwerden vor 2 Jahren bei einem Orthopäden der mich in die Rheumaklinik Aachen überwiesen hat. Dort wurde die Diagnose bestätigt. Im Moment lebe ich ganz gut mit meiner Erkrankung, es hat mich aber viel Kraft und Nerven gekostet wieder soweit zu kommen. Meine Devise lautet: Man darf ruhig mal am Boden liegen, muss aber immer wieder aufstehen. Es gibt immer noch einen Weg, der einen weiterbringt. Ich freue mich sehr darauf, mich mit anderen Mitgliedern in diesem Forum auszutauschen Liebe Grüsse von Marie-Luise aus dem Rheinland

von Marielou - am 21.11.2003 12:34
Hallo Filou

erstmals herzlich willkommen im Forum.

Zu deinem ersten Beitrag möchte ich Dir sagen, dass es mir ähnlich wie Dir geht.
Ich musste vor 1 1/2 Jahren meinen Teilzeit-Job künden, da ich es körperlich nicht mehr schaffte. Auch die Alltagsarbeiten sind eine ziemliche Belastung. Es ist nicht immer gleich und manchmal gehts auch besser. Dadurch das ich " nur "noch Hausfrau bin, habe ich den Vorteil gegenüber Arbeitenden, dass ich die Arbeiten den Umständen entsprechend meistens einteilen kann.
Nutze deine jetzige Zeit ebenso und Du wirst sehen ,dass Du Dich nicht mehr sooo unter Druck fühlst. Voraussetzung ist,dass Du deinen Körper mit all seinen Schwierigkeiten akzeptierst ( nicht " abfinden damit ", das heisst " aufgeben "! )und versuchst auf ihn zu hören.Weder Überforderung noch Unterforderung ist gut. Es ist nicht so einfach,den richtigen Mittelweg zu finden. Vorallem gibt es Arbeiten, die man manchmal einfach machen m u s s, zbsp. die Wäsche.

Die Krankheit fordert ein ständiges Arbeiten an sich selbst ! So empfinde i c h es .
ZBsp. das obige Thema : Seit ich gelernt habe, meine heutige Arbeitsweise nicht immer mit dieser von früher zu vergleichen, komme ich besser damit klar.Ich versuche in der Gegenwart zu leben und in die Zukunft Ziele zu setzten ! Die Vergangenheit behalte ich mir in schöner Erinnerung , was sicher immer wieder einmal seelisch schmerzt.

Dadurch das Du hier im Forum gelandet bist, wirst Du bald merken,wie gut Dir es tut zu wissen,dass Du nicht alleine damit bist ,Dir andere gerne versuchen zu helfen oder Leute da sind,die Dich anhören und mitfühlen . Manchmal braucht es gar nicht mehr.

Wie Josie Dir schon mitgeteilt hat,sind Schlafstörungen und Gedächnisschwäche oft ein Teil der Fibro. Beides sind auch starke Probleme von mir.Gerade diese Woche ging mir die Vergesslichkeit soooo auf den " Keks ", dass ich mir in der Apotheke ein Ginko- Präparat holte und hoffe, dass es nach längerer Einnahme etwas bessert. Schaden kann es auf keinen Fall ! :-)

Da ich ein Problemmagen habe ,vertrage ich viele Medis nicht und auch Schmerzmittel nützten bei mir bis jetzt nicht viel oder nichts.
Hier im Forum fand ich das Medi " Midocalm ". Es ist muskelrelaxend und ich erreichte damit, dass wenigstens meine Wadenkrämpfe verschwunden sind. Schmerzmässig kann ich seine Wirkung schlecht beurteilen. Jedenfalls habe ich seltener die stechenden Schmerzen in den Muskeln.Die anderen sind jedoch geblieben .Es sind alles nur kleine Fortschritte , aber es s i n d Fortschritte !

Mein HA hat zBsp. einen tiefen Eisenwert in meinem Blut festgestellt. Wie er sagt, ist das noch oft bei Frauen der Fall.Kann aber dazu führen, dass man sich schlapp fühlt. Seit ich das Eisenpräparat nehme fühle ich mich etwas besser. Das Manko auszugleichen ,ist so oder so sinnvoll.
Ich habe mir angeeignet ,möglichst nicht mehrere neue " Medis " aufsmal einzunehmen,damit ich ihre Wirkungen erkennen kann.
Im Moment sind bei mir 2 Neue im Versuch. Wie oben erwähnt " Ginko " und als weiteres " L- Carnitine" ( ist eine körpereigene Substanz ) . Damit erhoffe ich mir eine Besserung meiner Muskeltätigkeit. Nach längerer Einnahme werde ich darüber mehr wissen.

Liebe Filou, es gibt viele Möglichkeiten dagegen anzukämpfen. Dem einen hilft das Eine,dem anderen das Andere. Jeder muss es für sich selbst herausfinden und seinen Weg gehen.

Hier im Forum findest Du manchmal auch in alten Beiträgen etwas, was Dir vielleicht helfen könnte .

Ich wünsche Dir viel Kraft und wenig Schmerzen . :-)

Liebe Grüsse an Dich und alle anderen

Marcelle

von marcelle - am 21.11.2003 15:56
Hallo marielou,

seit 25 Jahren FM? Ja, wenn ich so anfange nachzudenken....
ich weiss eigentlich gar nicht so genau, wann es angefangen hat, gestern sprach ich mit meinem Mann darüber. Er sagte, das ich schon sehr lange eine seltsame Art zu gehen habe ( so eine Art Entlastungsgangart) schaukelnd und ein bisschen unbeholfen, eben weil ich schon "immer" Schmerzen in den Hüften, im Rücken und in den Beinen hatte.
Aber egal, früher bin ich da besser mit klar gekommen. Heute machen mir die Schmerzen sehr zu schaffen und ich hab noch keine Methode gefunden damit und mit der Aussicht, das es immer so bleibt, leben zu können.
Marielou, du hast dein Motto gefunden, und ich finde das grossartig. Vielleicht gelingt mir das ja auch....
Liebe Grüße an alle, filou

von filou01 - am 22.11.2003 08:48
Hallo, Marcelle

Danke für deine ausführliche Antwort!

Ufff, ich dachte, ich wäre die einzige, die nicht mehr zur Arbeit kann!!
Du schreibst, man soll seinen Körper so akzeptieren, wie er ist, aber genau das fällt mir noch sehr schwer.
Ich war immer ein sehr aktiver Mensch, habe mich viel bewegt, bin geritten, hatte eigene Pferde. Nichts davon geht noch so, wie ich es mir vorstelle... Oft brauche ich Hilfe, obwohl ich das garnicht will.
In der Gegenwart leben, das klappt schon ganz gut.Aber in die Zukunft planen kann ich nicht, weil ich garnicht weiss, wie es mir dann geht.
Na mal sehen wie das alles weiter geht, vielleicht macht die Medizin ja Fortschritte
und findet ein Medikament, das wirklich hilft!?

Liebe Grüße Filou

von filou01 - am 22.11.2003 09:01
Huhu filou,

oh, das reimt sich sogar und was sich reimt ist gut ;).

warte nicht auf die Fortschritte der Medizin, sondern freue Dich auf Deine eigenen Fortschritte. Die werden kommen, das kann ich Dir versprechen! Was Du tun mußt? Zur Ruhe kommen, Dir vornehmen, Geduld zu haben. Begreifen, dass es zigtausende andere Betroffene gibt, denen es ganz genauso geht. Begreifen, dass man für eine gewisse Zeit auch Aktivitäten zurückschrauben muß um Zeit zu haben, die Dinge zu erkennen, die einem wirklich wichtig sind. Und auf die muß man sich dann halt mal konzentrieren.

Fast jeder von uns hat viele Jahre den Fehler gemacht, unbedingt alles durchhalten zu wollen, was man sich selbst in sein Leben hineingestellt hat. Wenn dann irgendwann die Erschöpfung alles zu beherrschen scheint, dann ist nachvollziehbar, dass Ratlosigkeit bis hin zur Verzweiflung aufkommen. Ein Gedanke, den ich da einwerfen möchte: "Ich will mir so viel Ruhe gönnen, dass ich die Erschöpfung loswerden kann, um zu sehen, was ich unternehmen mag, wenn diese Erschöpfung nachläßt."

Wenn Du dann reiten magst, dann wirst Du wieder auf dem Pferd sitzen. Du wirst vielleicht nicht mehr so sportlich reiten wie früher, aber Du wirst vielleicht andere Aktivitäten als Reiterin genießen lernen. Selbst wenn es nur ein Spaziergang mit dem Pferd an der Leine oder wie das Ding bei Euch heißt, wäre ....
Übrigens: Die Fibro-Kavallerie trifft sich auf [www.agrar.de]

Viele Grüße
Monika

von Monika D. (Admin) - am 22.11.2003 10:41

Re: Neu hier! - Ruhe gönnen

Bo Monika, hat mir der Satz gutgetan "ich will mir so viel Ruhe gönnen, dass ich die Erschöpfung loswerden kann, um zu sehen was ich unternehmen mag, wenn diese Erschöpfung nachlässt". Er hat für mich fast mehr Wert wie der Aufenthalt in einer Klinik mit der Diagnose Erschöpfungsdepression. Es war mir immer peinlich, dass ich so viel Ruhe und Erholung brauch(te) und jetzt steh ich dazu, dass das halt so ist.

Gruss Ullchen

von .Ullchen. - am 23.11.2003 13:42
Hallo, Monika

Tja, die Sache mit dem akzeptieren fällt mir noch schwer, ich denke immer noch: "Vielleicht ist es ja doch was anderes!" und alles löst sich in Wohlgefallen auf. Aber das ist halt nicht so.
Ob ich das mit dem Reiten noch mal schaffe, weiss ich nicht! Das witzige ist, das ich jede Menge Pferde bzw. Ponys bei mir stehen habe.
Ich hätte jederzeit die Möglichkeit zu reiten. Aber dann ist da wieder die Angst vor den Schmerzen, vor dem "Versagen" und dann lass ich es lieber.
Der Tip, erstmal abzuwarten, bis man sich wieder besser fühlt, ist gut.
Ich habe am Dienstag wieder einen Termin beim Psychotherapeuten, ich bin mal gespannt, was er mir diesmal für Medis verschreibt?!
Übrigens, das Ding heisst bei Reitern ganz ordinär Strick!!
:joke:
Ich habe mal bei den Reitern reingeschaut, aber da ist wohl nicht so viel los, oder?

Danke erstmal, Monika und alles Liebe an alle hier im Forum, Filou

von filou01 - am 23.11.2003 15:52
Hallo Filou,

na, hast Du das Wochenende gut verbracht?

Weisst Du, ich denke Pferde eignen sich auch prima zum Kuscheln und Knuddeln und ein bisserl anlehnen.Die Wärme, die da abgegeben wird muss doch einfach entspannend sein (bin selbst ehemaliger Reiter, musste aber wegen Allergie aufhören). Und für den Anfang muss es ja auch nicht gleich ein Geländeritt sein. Mal ganz langsam in der Halle oder auf dem Abreitplatz reicht ja vielleicht auch.
Soviel mal dazu.
Filou, was ich nicht verstehe ist, dass Du schreibst, Dein Psychotherapeut verschreibt Dir Medis??? Wo gibt´s denn so was? Oder ist der auch gleichzeitig Psychiater?

Liebe Grüße
Josie

von Josie1956 - am 23.11.2003 22:38
Hi, Josie,
das Wochenende war eigentlich ganz ok. Ich hab tatsächlich mit meinen Eseln (hab ich nämlich auch noch!) gekuschelt, obwohl es bei uns garnicht so kalt war.Ist sehr entspannend...
Mal sehen, vielleicht trau ich mich ja demnächst mal aufs Pferd.
Der Psychotherapeut ist gleichzeitig Psychiater und Neurologe, das nur zur Erklärung.
Wie war bei dir das Wochenende? Hast du noch Kontakt zu Pferden oder Reitern?
Muss schlimm sein, wegen einer Allergie aufhören zu müssen.
Alles Liebe, Filou

von filou01 - am 24.11.2003 08:50

Re: Neu hier! - Ruhe gönnen

Hallo Ullchen,

da freut ich mich aber, wenn meine manchmal nicht so ganz einfach gestrickten Gedanken auch mal soooo gut ankommen.

Ich wünsche Dir alles Gute und die Geduld, die nötig ist, um diesen Weg erfolgreich zu gehen. :spos:

Liebe Grüße
Monika

von Monika D. (Admin) - am 24.11.2003 09:05
Hallo Filou,

ich habe mich bisher mit Antworten zurückgehalten, weil ich erst einmal sehen wollte, was bei Dir eigentlich alles ansteht.

Heute möchte ich Dir nur soviel sagen, dass Deine Medikamente in der Behandlung von FIBROMYALGIE eigentlich nichts zu suchen haben. Entweder kommt Dir Dein Arzt mit mehreren handfesten Diagnosen wie z.B. Depressionen (auch da wird zum Behandlungsbeginn eine geringere Dosis des Dir verordneten Antidepressivums empfohlen) und neuropathische Schmerzen, also Schmerzen aufgrund von Nervenverletzungen (für die wäre die Verordnung von Gabapentin okay) oder Deine Behandlung sollte sich erst einmal an den bewährten Ansätzen orientieren mit minimaler Antidepressiva-Dosis (um die körpereigenen schmerzhemmenden Mechanismen zu unterstützen), muskelentspannenden Schmerzmitteln wie den Wirkstoffen Tolperison und Flupirtin (um die Schmerzreize abzufangen, bevor sie die Strukturen erreichen, wo Schmerz bewußt wird und Gegenreaktionen wie Muskelanspannung, Stressreaktionen usw. auslöst), angepaßtes Bewegungstraining (nach mehreren Studienergebnissen das zuverlässigste Mittel zur dauerhaften Besserung), Erlernen von Techniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training, begleitende Verhaltenstherapie usw.

Er soll sich klar äußern, wegen welcher Erkrankungen er Dich behandelt. Es kann natürlich immer sein, dass eine Depressionserkrankung Ursache der typischen Fibromyalgieerscheinungen ist. Aber dann muß die Depression als Diagnose im Vordergrund stehen. Allerdings mag ich daran bei Dir erst mal nicht glauben, wenn Dein Mann schon jahrelang einen auffälligen Gang bei Dir bemerkt hat, bevor die anderen Beschwerden hinzu kamen, dann spricht das nach meinem Laienverständnis weitaus mehr für nicht richtig erkannte organische Ursachen, die im Laufe der Zeit zu einer Ausbreitung des Schmerzes geführt haben können.

Also, ich glaube, Du wirst hier im Forum noch sehr viel lernen können.

Viele Grüße
Monika

PS: Zum Antidepressivum möchte ich hier mal wieder erwähnen, dass unter den Stammgästen dieses Forums etliche sind, die auf die trizyklischen Antidepressiva paradoxe Reaktionen erlebt haben. Unabhängig davon: Fast alle erleben auch eine Gewichtszunahme, die allein schon die Freude an der so dringend nötigen Bewegung vergällen kann, ja auch über andere Mechanismen hemmt. Dieser Effekt wird gerne verschwiegen oder heruntergespielt. Doch bei jahrelanger Recherche kommen dann auch mal Studien zutage, in denen Klartext darüber steht, warum es zu dieser Gewichtszunahme kommt und warum sie oft sogar irreversibel ist. Hierbei spielt Leptin eine Rolle:
'Das Leptin (Hormon) wird in Fettzellen produziert und an die Blutbahn abgegeben. Rezeptoren sind auch im Hypothalamus, dem Hunger- und Sättigungszentrum, nachgewiesen worden. Durch Erhöhung oder Erniedrigung der Leptinspiegel verändert sich das Gewicht. Adipöse haben sehr viel höhere Serumkonzentrationen als Normalgewichtige, möglicherweise besteht gegenüber der Leptinwirkung eine Resistenz.'
- Und irgendwo habe ich etwas gefunden, das ich jetzt nur sinngemäß wiedergeben kann, nämlich dass vor allem die trizyklischen Antidepressiva wohl genau diese Resistenz gegenüber der Leptinwirkung hervorrufen, ohne dass sich das später, d.h. nach Absetzen des AD, mal wieder normalisiert. Ich habe die Quelle leider nicht parat, denn jedes Wort darin bringt mich in Versuchung, einem Arzt, der mir genau DAS eingebrockt hat, der auf meine sofortigen, alarmierenden Reaktionen nach Beginn der Einnahme nicht eingegangen ist, mir stattdessen einfach unterstellt hat, dass ich das AD nur nicht nehmen wolle, dieses Paper stundenlang um die Ohren zu hauen. Ja, es ist so: Mit allen anderen Mißgeschicken meiner langen Patientenkarriere kann ich mich arrangieren, hege keinen Groll gegen irgendjemanden, der mir nicht richtig helfen konnte. Aber in diesem Fall, da geht mir "der Gaul durch", denn diese nahezu zwangsläüfige Nebenwirkung der AD war längst bekannt - und ich hatte gerade ausdauernd und erfolgreich gegen Übergewicht angekämpft, das passierte.

von Monika D. (Admin) - am 24.11.2003 10:57
Hi, Monika

Das habe ich mir schon fast gedacht(das ich die falschen Medis kriege), ich habe ohnehin das Gefühl, das Versuchskaninchen zu sein, so nach dem Motto: Das hat doch schonmal so toll gewirkt! Ich habe nach 14 Tagen Einnahme des Gabapentin gesagt, es bringt nichts. Da kam das Gegenargument, das braucht 4-6 Wochen, bis es anschlägt..

Zur Gewichtszunahme kann ich sagen, das ich im Moment eher abnehme( Vor der Diagnose hab ich eher zugenommen), aber ich nehme es ja noch nicht so lange, will ich auch nach Möglichkeit nicht mehr. Natürlich habe ich meinem HA und auch dem Med. Dienst gesagt, das ich große Probleme mit dieser Diagnose habe und das ich manchmal einfach nur noch weinen könnte, teils wegen der Schmerzen, teils wegen der Depri.
Aber ob ich deshalb nun AD nehmen muss, oder ob eine Therapie nicht sogar eine bessere Wirkung zeigen würde, keine Ahnung..

Ja, ja ich glaube ich kann wirklich noch eine Menge lernen, auch diese Zusammenhänge zwischen AD und Gewichtszunahme, ist ja wohl echt der Hammer!!!
:hot:
Vielen Dank an dich Monika, alles Liebe, Filou

von filou01 - am 24.11.2003 18:01
Hallo filou,

wenn es darum ginge, eine Depression zu behandeln, gibt es auch noch andere Antidepressiva (SSRI), die besser verträglich sind und von denen man NICHT zunimmt.

Ich wette, wenn Monika diese Gruppe von Antidepressiva kennengelernt hätte, dann würde sie jetzt bei diesem Thema nicht so "hüpfen"....:-)


Lg
maria

von maria - am 25.11.2003 23:44
Hallo maria,

ich finde es gut, dass Du Deine Erfahrungen mit den SSRI hier einbringst. Aber ich muß doch ganz klar sagen, dass das keine Bonbons sind, die man einfach nur mal so, weil der Himmel gerade zu trüb ist, einwerfen kann. Es sind hochwirksame Medikamente gegen Depressionen (das hast Du ja auch betont, ich hebe es nur noch mal für andere Leser hervor), die zwar nicht so zwangsläufig in Gewichtsprobleme hineinführen wie die trizyklischen Antidepressiva, die aber dafür andere ganz gravierende unerwünschte Wirkungen haben können!!! Ich will die hier gar nicht anführen und das, was damit schon passiert ist, hat sicherlich auch mit dem relativ sorglosen Umgang mit solchen Substanzen in anderen Ländern zu tun. Aber davor warnen, sie sich ohne nachgewiesene Indikation leichtfertig verordnen zu lassen, das will ich hier doch ganz deutlich.

Die trizyklischen Antidepressiva werden ja bei chronischen Schmerzen eingesetzt, weil sie in sehr niedriger Dosis eine Wirkung auf die Schmerzhemmung entwickeln können. Das ist bei ungefähr einem Drittel der von chronischen Schmerzen betroffenen Menschen in nachweisbarem Umfang der Fall. Bei einem Drittel! Mehr nicht. Aber so gut wie alle werden von ihren Ärzten geradezu gedrängt, Antidepressiva zu nehmen. Wenn nicht die trizyklischen, dann die SSRI, die aber diese schmerzhemmende Wirkung nicht haben können! Über indirekte Effekte kann es zwar gelegentlich auch zu einer Schmerzminderung kommen, aber eben nicht auf dem Weg wie die trizyklischen AD.

Bei mir gab es keinen Grund, mir SSRI zu verordnen. Und ganz sicherlich bin ich nicht "Vorkoster" für Medikamente, auch wenn ich mir manchmal - allerdings bei harmlosen Substanzen - schon so vorkomme. Kennengelernt habe ich, nachdem mich das Amitritylin wirklich "fertig" gemacht hatte, die Wirkung von Johanniskraut - und ich habe gestaunt, wie DAS bei mir wirkt, wie schnell und zuverlässig es bei mir wirkt, auf den Schlaf und die Stimmung wirkt, wieviel Freiheit es mir gibt - und wie empfindlich ich auf andere Präparate reagiere, die eine nicht so sorgfältig überwachte Zusammensetzung der natürlichen Inhaltsstoffe haben, wie das, was ich nehme. Es bedeutet mir viel, dass ich dieses Medikament auch mal einfach weglassen kann, wenn es mir z.B. so gut geht, wie im letzten Sommer und das ich es bedenkenlos wieder nehmen kann, wenn ich das Gefühl habe, dass dem Sonnenschein in meinem Leben ein wenig nachgeholfen werden sollte, bzw. wenn ich mal wieder nicht gut genug schlafe, um dem Körper Regnerationspausen zu gönnen.

Nachdem ich diese Wirkung erlebt habe, in den letzten Jahren mir gerade auch durch die in den Foren berichteten Erfahrungen sehr viele Gedanken gemacht habe, was eigentlich alles mit hineinspielen könnte, bei den Wirkungen der AD, bin sich sehr, sehr froh, dass mir damals mein Hausarzt - nach der vom "Fibro-Facharzt" ausgelösten Amitriptylin-Katastrophe - nach drei Wochen Pause (ich ahne heute, dass diese Pause wichtig war) das Johanniskrautpräparat (Neuroplant: [www.neuroplant.de] ) verordnet hat und nichts anderes. Ich erinnere mich noch ganz genau, wie er mir ankündigte, dass ich wohl erst nach zwei oder drei Wochen eine Wirkung davon spüren könnte - und dass aber schon nach der ersten Einnahme erkennbar war, dass mit diesem Medikament wieder Ordnung in das angerichtete Chaos kommen würde. Ich mochte es selbst kaum glauben, aber es war so.

Inzwischen weiß ich, dass ich mit den gegenteiligen Wirkungen des Amitriptylin nicht allein bin, dass noch andere - gerade hier aus dem Forum - ähnliches erlebt haben, wenn vielleicht auch nicht so krass.

Viele Grüße
Monika

PS: Es war bisher oft schon schwer, von einem Kassenarzt ein Rezept für ein Johanniskrautpräparat zu bekommen. Ob nach dem 1. Jan. 2004 überhaupt noch eine Verordnung auf Kasse möglich sein wird, ist ja eher unwahrscheinlich. Auf Kassenrezept soll es dann ja nur noch verschreibungspflichtige, d.h. also potentiell gefährliche und nebenwirkungsreiche Medikamente geben. Da ist dann vollends die Eigenverantwortung der Patienten gefragt, die sich auf eigene Kosten mit Medikamenten aus einem unüberschaubaren Angebot versorgen müssen.

von Monika D. (Admin) - am 26.11.2003 11:33
Erstmal Hallo!

Zu dem Thema Antidepressiva und Schmerzmittel kann ich auch einiges beitragen.
Wenn ich im nachhinein bedenke, mit welcher Gedankenlosigkeit Ärzte Medikamente verschreiben, bin ich manchmal recht schockiert. Ich bin nur froh, dass ich ausser Fibro organisch recht robust bin, wer weiss, was ich mir sonst noch für Schäden eingehandelt hätte. Auf der einen Seite hörte ich jahrelang, dass mir nichts fehlt, "alles nur die Psyche", warum dann alle diese Medis?

Der Rheumatologe,der Ansprechpartner für unsere Selbsthilfegruppe ist, empfiehlt auch in geringen Dosen Amitriptilin (davon habe ich 10 Kilo mehr auf den Rippen), ausserdem Cipramil oder Zoloft. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit Cipramil, wirkte vom ersten Tag schmerzlindernd, die Wirkung auf die Psyche kam erst 3 Wochen später. So war es mir überhaupt möglich, aus diesem Schmerzkreislauf herauszukommen.

Ich nehme zur Zeit 2x10 mg Cipramil, 2x1 Myoson, bei Arthroseschmerzen Ibuprofen 400. Damit bin ich zwar auch nie schmerzfrei, aber die Schmerzen sind nicht mehr so im Vordergrund, d.h. ich vergesse sie manchmal regelrecht.

Leider ist es ja bei diesem Krankheitsbild so, was dem einen hilft, zeigt bei dem anderen überhaupt keine Wirkung. Das macht meiner Meinung nach dieses Krankheitsbild so kompliziert.

Ich wünsche allen eine gute Zeit


Marie-Luise

von Marielou - am 26.11.2003 17:42

Re: SSRI

Hallo Monika!

Ich vertrete absolut nicht die Ansicht, dass man SSRI mal eben so wie Zuckerl einwerfen sollte. Alles, was wirkt, hat Neben- und Wechselwirkungen, wie man ja zunehmend auch bei den pflanzlichen Medikamenten feststellt. (Also von wegen hilft's nix, schad's nix...)

Darum gehören Medikamente natürlich in die Hände von Fachleute. Ich halte es immer so, dass ich mich selber informiere und dann auch schon mal meinem Arzt einen Vorschlag mache. Und der muss dann eh wissen, ob irgendwas dagegenspricht. (So bin ich zum Beispiel zum Mydocalm gekommen).

Meiner Erfahrung nach können SSRI (und das Cipramil, mit dem Marie-Louise gute Erfahrungen gemacht hat, gehört da auch dazu) aber mehr, als "nur" antidepressiv zu wirken.

Gekriegt hab ich sie vor 6 Jahren aus verschiedenen Gründen, nicht nur wegen der Depressivität (die laut Facharzt nicht so stark ausgeprägt war), sondern auch Impulskontrollstörungen und so. Bei einer Einstellung mit Antidepressiva braucht man auch mehrere Termine, um festzustellen, was das richtige Medikament und was die richtige Dosierung ist. Also zumindest am Anfang sollte das ein Facharzt machen - oder ein praktischer Arzt mit genug Erfahrung. Einfach mal schnell ein Rezept schreiben und dann nix mehr ist halt nicht unbedingt das Gelbe vom Ei.

Also, natürlich muss man verantwortungsvoll mit diesen Medikamenten umgehen (so wie mit allen Medikamenten), aber RICHTIG ANGEWENDET sind SSRI relativ gut verträgliche Medikamente.

Ich nehme das Seropram (Wirkstoff Citalopram) schon lange nicht mehr in erster Linie wegen seiner stimmungsstabilisierenden Wirkung. Und bei meinem letzten Absetzversuch habe ich sehr eindrucksvoll präsentiert bekommen, was sie mit mir machen: Sie verändern meine Wahrnehmung so, dass ich Reize besser filtern kann. Und über die Wahrnehmung wirken sie sich auch auf die Fibromyalgie-Symptomatik aus.

Beispiel: Nachdem ich es abgesetzt hatte, waren mir die Leute in der Stadt plötzlich viel zu viel. Ich kam mir vor wie in einem Ameisenhaufen. Als Reaktion darauf habe ich den Kopf gesenkt/auf den Boden geschaut (also mein Gesichtsfeld verkleinert und so eigentlich nur optische Reize "weggeschaltet"), wahrscheinlich auch noch die Schultern hochgezogen, und ganz flott waren die Schultern/der Hals wieder ordentlich verspannt.

Ich hab in dieser Zeit einen "Schub" gekriegt und so nebenbei habe ich auch noch festgestellt, dass ich ohne SSRI die hormonellen Schwankungen viel stärker spüre. (Extrem reizempfindlich vor und während der Regel). Ich hatte auch auf einmal wieder so viele Gedanken im Kopf (das war echt anstrengend), konnte dann wieder schlechter einschlafen usw....

Inzwischen denke ich, dass SSRI bei mir deshalb "erfolgreich" sind, weil sie eine zugrundeliegende ADS-Konstitution (die noch bestätigt werden muss, bin ich grad dabei) teilweise mildert. Tja und da ich ja sicher nicht der einzige Fibro mit zugrundeliegender ADS-Konstitution bin, bin ich vielleicht auch nicht die einzige, die von SSRI profitiert.

Das heißt jetzt nicht, dass ich jetzt alle Fibros auf SSRI ansetzen will, ist überhaupt nicht meine Absicht, ich finde nur, dass sie bei Dir etwas zu schlecht wegkommen. Und als eine Möglichkeit - die natürlich mit dem Arzt besprochen werden muss - sollte man sie vielleicht doch mal im Kopf behalten. Wenn jemandem Johanniskraut hilft, ist das ja ganz O.K. Dann soll er/sie dabei bleiben. Ich hatte auch mal einen Versuch gestartet - gerade wegen der Wirkung auf das Schmerzgedächtnis, die bei SSRI eben nicht gegeben ist. Aber es hat mir dann zu lange gedauert, und ich wollte mal wieder aus meinem "Schub" raus....


Mit amerikanischen Verhältnissen, bei denen Prozac - ein SSRI - als "Glückspille" gehandelt wird, hat ein verantwortungsvoller Umgang mit Medikamenten dieser Gruppe nix zu tun. Leider kommen sie dadurch in Verruf.

Soviel dazu

maria

von maria - am 26.11.2003 23:08

Re: SSRI

Hallo Maria,

na, im Prinzip ist doch das, was Du geschrieben hast, genau das was Monika gesagt hat, oder? Der VERANTWORTUNGSVOLLE Umgang sowohl mit SSRI wie mit trizyklischen Antidepressiva (und allen anderen Medikamenten)!

Dieser verantwortungsvolle Umgang wird halt leider von so manchen Ärzten nicht gemacht. Monika hat wohl sehr negative Erfahrungen gemacht, und auch ich gehöre zu der Gruppe von Menschen, die auf diese Medikamente paradox reagieren. Bei mir heisst dies, dass genau die gegenteilige Wirkung eintritt, als die, die erwünscht und beabsichtigt ist.

Es ist für Dich absolut positiv, dass Du einen verantwortungsvollen Arzt hast, dass Du selbst entsprechend mit Medikamenten umgehst, Dich informierst und dass diese dann bei Dir auch die gewünschte Wirkung haben und Dir helfen. Und es ist auch gut, dass Du darüber berichtest.

Dass Monika hier im Forum immer wieder betont, dass solche (und andere) Medis keine „Zuckerl“ sind muss doch auch einfach sein, denn viele Neulinge, die hier lesen, könnten eben solche Sachen auch mal falsch verstehen. Diese sehen dann vielleicht in diesen Medis das „Allheilmittel“, und wollen es vom Arzt auch verschrieben bekommen. Wenn nun so ein Neuling auch noch einen weniger verantwortungsvollen Arzt hat (und das kommt leider öfter vor, als man glauben mag), der halt einfach mal verschreibt, damit er seine Ruhe hat, dann können die Auswirkungen wirklich gefährlich werden.

Wir schreiben hier über unsere Erfahrungen und können und sollen dies auch einfach relativ unbeschwert tun. Aber ich bin auch froh darüber, dass Monika da doch sehr aufmerksam ist, und immer wieder auch die andere Seite aufzeigt und vor UNBEDACHTEM Gebrauch warnt.

Es sind halt noch nicht alle bereits in der Fibroverstandsphase.

Liebe Grüße
Josie

von Josie1956 - am 27.11.2003 03:42

Re: SSRI

Hallo Filou und alle Anderen (HUHU Josie),

Das geht hier ja ganz schön drunter und drüber:

Antidepressiva egal welcher Kategorie sie angehören, gehören unter strenge ärztl. Kontrolle - Keine Frage.
Nur wenn eine Depression vorliegt und nachgewiesen ist, dann soll man sie in Gottes Namen auch nehmen, und sich nicht winden und wenden wie ein Aal, man ist nicht mehr oder weniger Wert nur weil man AD`s nimmt und eine Schande ist es auch nicht.
Schmerzen - Depressionen - Schmerzen das ist ein Teufelskreis, den es zu überwinden gilt, und wenn dies mit AD´s gelingt dann soll es mir Recht sein.
Ich selbst spiele im Moment (seit ca. 3 Monaten) FREIWILLIG Versuchskanninchen ;-)) für ein Medikament aus der Gruppe der SNRI, das auf dem letzten Schmerzkongess diskutiert wurde in Zusammenhang mit Fibro und Depressionen.
Dies geschieht in ganz enger Zusammenarbeit mit meiner Ärztin und unter ständigen Kontrollen (Blutuntersuchungen), sowie Schmerztagebuchführung.
Letztes Jahr um diese Zeit hätte ich das schlichtweg abgelehnt und für Nonsens erklärt: Ich nehme keine AD`s, hab doch kleinen an der Klatsche, ich habe Schmerzen und nichts an der Birne.
Aber unsere Birne und Schmerzen hängen eben doch sehr eng miteinander verbunden ;-))
Da ich mediz. geschult bin ;-)), bin ich natürlich auch sehr wachsam was dieses Medikament angeht, und gehe mit Sicherheit nicht sorglos damit um, wie gesagt ich stehe in ständiger Kooperation mit meiner Ärztin.
Die Nebenwirkungen, die in den ersten 3 Wochen auftraten, waren nicht sehr graviernd, vielleicht etwas lästig, und ich hab mich (heute gott sei dank) da durchgekämpft (immer meine Ärztin im Hintergrund) und ich kann nicht ausdrücken wie dankbar ich dafür bin.
Auch dieses Medikament wird wie Amitriptilin (das ich ja auch schon als eine von wenigen sehr gut vertragen habe) nur abends einmalig angewendet.
Ich wollte mit diesem Bericht nur kurz ;-)) aufzeigen, das wir hier nicht über ein Teufelswerk sprechen, sondern über hochwirksame Medikamente.
Und mir geht es damit verdammt gut, nicht das ich schmerzfrei wäre, will dies nicht als Wunderwaffe für Fibro anpreisen, davon bin ich weit entfernt, und vielleicht bringt es ja was für die Zukunft des Fibroverstandes ;-)) .

@ Filou:
Sei mir bitte nicht böse, aber ich bin hier dafür bekannt sehr offen und direkt und manchmal auch etwas provokant zu sein:
Du versorgst eine ganze Farm von Tieren ;-)) und bist nicht in der Lage zu arbeiten oder zu Reiten, das ist mir zu hoch.
Reiten ist doch eine super Therapie, und viele schwerbehinderte würden sich die Zunge danach lecken solch eine zu bekommen. Also schwing dich auf den Gaul oder nimm einen Klapper und versuche es wenigstens ;-)), was um alles in der Welt willst du da noch deinen Psychologen um Rat fragen.
Also ran an den Gaul, ausser Muskelkater in den Pobacken und Oberschenkel kann doch nichts passieren, ausser das du vielleicht runterfällst, aber da du die Tiere zuhause hast gehe ich mal davon aus das du reiten kannst.
Wieso kannst du keinem Job nachgehen, der dir Spass macht ??? Wieder ganz schön provokant ;-)).
Nur wegen Fibro ???????????
Arbeiten lenkt ab und macht (zumindestens mir) Spass, ohne Arbeit würde ich zuhause die Wände hochgehn, und wäre unausstehlich, würde den ganzen Tag über meinen Schmerzen brüten und mich zu tode langweilen.
Vielleicht kannst du ja bei irgendetwas Ehrenamtlich tätig sein, und dich mal wieder so langsam in einen geregelten Tagesablauf einfügen, denn das ist das A und O geregelter Tagesablauf.
Also nicht böse sein
alles Liebe
Petra

von Petra.M - am 27.11.2003 13:07

Re: SSRI

Passt zwar jetzt nicht in diesen Thread, muss aber einfach sein, sorry.

HUHU PETRA!!!

Schön, wieder mal was von Dir zu hören. Was machen denn Deine kaputten Pfoten? Sind sie wieder heile?

Ich drück Dich mal aus der Ferne

Josie

von Josie1956 - am 27.11.2003 18:59

Re: SSRI

Hallo Josie,

nur kurz, dann ist's genug: Mir fehlt ja auch nicht der Aspekt des verantwortungsbewussten Umgangs mit Medikamenten. Aber speziell beim Thema SSRI wurde halt immer wieder mal betont, dass dies Medikamente zur Behandlung von (schweren) DEPRESSIONEN sind. Und dann gab's halt noch diverse Berichte über die Auswüchse, die's da drüben in Amerika gibt.

Das ist ja auch richtig, aber aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass SSRI eben "mehr" können (Auch wenn sie nicht diese direkte Wirkung auf die Schmerzen/das Schmerzgedächtnis haben). Ich denke, dass sie durchaus auch bei Fibromyalgie Sinn machen können. Zumindest bei einer gewissen Untergruppe. Und ich denke, dass da der Grad der Depressivität nicht das einzige Kriterium ist.

Und ich fände es schade, wenn jemand, der vielleicht davon profitieren könnte, es nicht "ausprobiert" (im Sinne eines vernünftigen Versuches unter ärztlicher Kontrolle), weil er/sie ja "eh nicht so depressiv ist" und SSRI ja nur was für "richtige Depressionen" sind.....Meiner Meinung nach kann man Psyche und Körper sowieso nicht so trennen.

DAS ist der Grund für meinen Beitrag.

Liebe Grüße
maria

von maria - am 27.11.2003 19:54

provokant...

Hi, Petra,
ja das wäre tatsächlich provokant, aber du kennst meine persönlichen Umstände ja auch nicht. Ich habe eine Umschulung zur Steuerfachangestellten gemacht, war währenddessen etliche Male krankgeschrieben und es fiel mehr sehr schwer, mit Schmerzen und ohne vernünftigen Schlaf. Aber ich habe mich ( wie immer !) durchgebissen. Dann ging ich ins Praktikum, hatte jeden Tag ca. 2 Std. Fahrtzeit zum Praktikumsplatz und alles war sehr anstrengend, nervlich... da eskalierten meine Schmerzen so, das ich nicht mehr Autofahren konnte, von Konzentration keine Spur, Katastrophe.
Neben meiner Arbeit und dann der Umschulung war ich auch immer selbständig tätig, und meine Viecher hatte ich auch schon immer, nebenbei eine Familie und ein großes Haus.
Momentan bringt es mir sehr viel, das ich mir die Zeit und die Arbeit so einteilen kann, wie es gerade geht. Und meine Esel und die Pferde unserer Einsteller bringen mir psychisch eine Menge, sonst währe ich schon manchmal zusammen gebrochen.
Natürlich lenkt Arbeit ab, da hast du völlig Recht, aber den ganzen Tag vorm Computer sitzen und vor Gesetzestexten, das lenkt nämlich nicht ab, das macht alles nur noch schlimmer.
Außerdem

von filou01 - am 28.11.2003 14:39

Re: provokant...

Hallo Filou,

Ja das ist eines der Hauptprobleme von uns Fibro`s, das wir immer wieder dazu neigen uns zu Überfordern, und uns immer und überall durchbeissen wollen ;-)).
Auch ich musste erst lernen zu selektieren was mir wichtig ist, was ich will und besonders was ich nicht will, und dann dementsprechend Nein sagen lernen.
Wenn du keine Gesetzestexte magst, ist das ok, dann quäle dich nicht weiter damit rum, und suche dir etwas was dir Freude bereitet. Wenn Du diese Freude in deiner Selbständigkeit, Familie oder deinen Tieren findest ist das doch auch schon vollkommen ausreichend.
" Du spielst die Hauptrolle in deinem Leben und alle Anderen sind Statisten ", hört sich hart an, aber hilft.
Dieser Satz, hat mir, wenn auch einige Zeit später, vor 3 Jahren die Augen geöffnet.
Der geregelte Arbeitsablauf muss sich ja nicht nur auf einen festen Job beziehen, ich persönlich habe nur festgestellt, wenn bei mir mal wieder der Schlendrian einzug hält und ich alles über Bord schmeiße, was nur annähernd an einen geregelten Tagesablauf erinnern lässt, hinke ich sofort wieder hinterher und setzte mich selbst unter totalen Stress, und will wieder alles auf einmal nachholen und überfordere mich dann wieder maßlos ;-)). Die Strafe folgt dann auf den Fuss, spätestens 1 Tag später ;-))
Ich musste auch erst lernen, alles schön der Reihe nach abzuarbeiten, arbeiten zu deligieren (was keine Schande ist, sondern mit der Zeit richtig Spass macht), und mir immer wieder mal eine Pause gönnen, in der ich mir dann was Gutes gönne.
Was meinen Haushalt betrifft, gönne ich mir alle 2 Wochen eine nette Zugehfrau, fürs grobe ;-)). Das ist kein Luxus für mich, dafür verzichte ich lieber auf ein mal Essen gehen, oder auf sonstiges. Ich habe mich auch erst gewehrt, weil ich das ja alles schaffe und was sollen den die Familie und Freunde denken, vielleicht etwa das ich meinen Haushalt nicht auf die Reihe bekomme, das kommt mir nicht ins Haus ;-)). Mein Mann hat sich gottseidank durchgesetzt, und es war eine sehr gute Entscheidung, für beide Seiten ;-)).
Versuche es in kleinen Schritten anzugehn, und lass dir vor allem Zeit. Unser aller Perfektionismus läßt sich nicht über Nacht ablegen, und es gibt immer wieder Tage wo er gnadenlos zuschlägt.
Also nichts für ungut, heute war ich aber lieb und gar nicht provokant ;-)) (fishing for compliment)
Alles Liebe
Petra

@Josie: Danke, drück dich auch mal ganz fest. Pfötchen sind wieder fit, bis auf kleine mängelchen, aber du weißt ja Unkraut vergeht nicht.
Lass es dir gut gehn.
Alles Liebe Petra

von Petra.M - am 28.11.2003 21:07
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.