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Forum:
Fibromyalgie Erfahrungsaustausch
Beiträge im Thema:
4
Erster Beitrag:
vor 13 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 13 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
Monika D. (Admin), Aléxandros

Depressionen und Fibromyalgie

Startbeitrag von Aléxandros am 02.11.2004 22:47

Hallo alle zusammen,

nachdem ich in den letzten Tagen hier mehr über Depressionen geschrieben habe, als in dem Depressionsforum in dem ich ebenfalls aktiv bin, wollte ich mit einem eigenen Diskussionsfaden auf dieses Thema aufmerksam machen.

Als ich vor einigen Jahren hier aufgeschlagen bin, weil mir ein Idiot von Arzt die Diagnose Fibromyalgie gestellt hat, obwohl ich schon lange an Depressionen litt, wusste ich es selber noch nicht besser. Mir hat auch nie ein Arzt erzählt, dass die vielen Wehwehchen hier und dort auch Symptome einer Depression sein können. Es hat mich über ein Jahr - und es war ein wirklich qualvolles Jahr - gekostet, bis endlich klar war, das die Schmerzen von der Depression kommen. Nochmal ganz deutlich:

DEPRESSIONEN KÖNNEN HEFTIGE SCHMERZEN VERURSACHEN

Depressionen können überhaupt alle Symptome zeigen, die eine Fibromyalgie auch hat. Ich lese hier oft Postings, bei denen ich im Stillen für mich denke: "Na, wenn das mal nicht eine Depression ist." Liebe Fibros, seid Ihr hier alle sicher, dass ihr keine Depression habt? Ich will Euch nichts einreden, es ist nur so, dass die weitaus meisten Depressionen gut behandelbar sind und aus eigener Erfahrung weis ich, wie schnell die Schmerzen verschwinden können, wenn man sich erst einmal mit Antidepressiva angefreundet hat.

Überhaupt habe ich mich in diesem Zusammenhang im Stillen auch schon oft gefragt, wieviel von den Patienten die auf Amitriptylin in niedriger Dosierung ansprechen wohl vielleicht doch von Ihrer Depression gesunden und nicht von einer Fibromyalgie.

Das sind natürlich alles nur wilde Gedankengänge und Spekulationen meinerseits. Ich will Antidepressiva hier auch nicht als das Wundermittel schlechthin anpreisen. Wie man an meinem eigenem Fall sieht, gibt es auch Depressionen, die sich als therapieresistent herausstellen und auch ich habe immer noch, immer mal wieder Schmerzen. Aber statistisch betrachtet ist das die Ausnahmesituation.

Ich kann auch sehr gut verstehen, dass manche Menschen Angst haben vor der Diagnose Depression und vor den Vorurteilen der Gesellschaft. Ich weiß sehr gut, dass man sich auch heute noch einer Depression eigentlich schämen muss. Als ich die Diagnose Fibromyalgie bekam und das im Freundes- und Bekanntenkreis, zum Teil auch auf der Arbeit verbreitet habe, war man dagegen sehr aufgeschlossen und mitfühlend. Als dann doch allmählich klar wurde, dass es doch wieder die Depression ist, habe ich zuerst gedacht: "Au weh, wie sollst du das nun wieder den Leuten begreiflich machen." Nun, erst einmal habe ich gar nichts mehr gesagt.

Mit der Zeit habe ich mich dann ausführlicher mit den Zusammenhängen zwischen Depressionen und Fibromyalgie zu beschäftigen, insbesondere mit der Frage der Neurotransmitter. Und so sage ich heute, wenn mich jemand fragt, dem ich nicht gerade das Stichwort Depression auf die Nase binden will: "Ich habe eine Störung im Neurotransmitterhaushalt." Das ist nicht gelogen und zieht das Phänomen auf eine rein biologische Ebene, was dann allgemein akzeptiert wird. Die meisten Leute können mit der Aussage ohnehin nichts anfangen und weil sie das nicht zugeben wollen, schweigen sie Stille und ziehen von dannen. Den paar Leuten, die sich interessiert zeigen, erkläre ich dann, wie das mit den Neurotransmittern funktioniert und warum die Schmerzverarbeitung darunter leidet und wer dann immer noch Interesse hat, der kommt einem dann auch nicht dumm, wenn man das Stichwort Antidepressiva einbringt. Dieser letzte Rest an Menschen ist meiner Erfahrung nach wirklich interessiert, aufgeschlossen und ohne Vorurteile.

Langer Rede kurzer Sinn:
Wenn eine Depression vorhanden ist, kann die Diagnose NIEMALS Fibromyalgie lauten !!!

Lasst mich das etwas drastischer formulieren. Fibromyalgie ist eine Ausschlussdiagnose. Stellt Euch das wie eine Müllsortieranlage vor. Erst einmal müssen alle Krankheiten die sich irgendwie in diesem Zusammenhang verwerten lassen, sauber aussortiert und ausgeschlossen werden. Nur wenn dann noch etwas übrig bleibt, sozusagen der letzte Restmüll, der in keine grüne, gelbe, braune und was weis wie bunte Abfalltonne mehr passt, nur wenn dann wirklich noch etwas übrig bleibt, dann ist es eine Fibromyalgie.

Also liebe Fibros, Ihr seid alle nichts weiter als Restmüll ;-)


Mit diesen wirren und zusammenhanglosen Gedanken zum Thema Depressionen und Fibromyalgie zur späten Stunde und mit diesem etwas provokativem Scherz verabschiede ich mich heute von Euch und würde mich sehr freuen, wenn doch noch jemand was zum Thema beizutragen hat.

Gruß
Aléxandros


P.S.
Ich kann nur hoffen, dass mein Orthopäde niemals sieht, was ich hier für Romane zusammen schreibe. Die nächste Krankschreibung wegen meiner Schmerzen im Handgelenk (die in diesem Fall nicht von der Depression stammen, sondern tatsächlich eine organische Ursache haben) könnte ich mir sonst in den Wind schreiben :-)

Antworten:

Halllo Aléxandros,

herzlichen Dank für Dein fast mitternächtliches Ping. Ich stelle fest, es hat sich gelohnt aufzubleiben und komme gleich mit meinem Pong.

Neurotransmitterstörung - okay, keine Einwände dagegen. Aber woher kommt die?????

Zum Einstieg ein Zitat: Prof. Dr. Vaitl endet mit dem sehr aktuellen Zitat, welches Hippokrates einem seiner Schüler auf den Weg gab: "Lass Dich von niemandem dazu überreden, seine Kopfschmerzen zu heilen, ehe er Dir nicht auch seine Seele zur Heilung überlässt." Wendet man dieses Zitat auf die psychosomatischen Aspekte der Zöliakie an, so hätte Hippokrates richtigerweise sagen müssen: "Lass Dich von niemandem dazu überreden, seine Seele zu heilen, ehe er Dir nicht auch seine Bauchschmerzen zur Heilung überlassen hat."
- Das war das Schlußwort eines Psychologie-Professors aus Gießen bei einem Vortrag über "Die Zöliakie - eine psychosomatisch fehleingeschätzte Störung"

Zoeliakie oder Sprue (das ist das Gleiche) ist EIN Weg, der die körpereigenen Barrieren gegen Stoffe, die im Nervensystem nichts verloren haben, anscheinend knacken kann. Es ist der Weg, über den ich gerade ziemlich viel lerne. Es gibt sicherlich andere Wege, wie das auch passieren kann. Es gibt sooo viele Erkrankungen, die mit Depressionen verbunden sind. ich kenne Leute mit MS oder anderen Krankheiten, die teilweise schwer depressiv sind oder waren und die oft genauso herumirrten wir wie, um die richtige Diagnose zu bekommen. Da ist die Depression sicherlich auch nicht nur ein Anhängsel der Grunderkrankung im Sinne einer Reaktion auf das Schicksal, sondern - und da bin ich mir inzwischen doch recht sicher - die Depressionen entstehen aus der gleichen Quelle wie die körperlichen Beschwerden. Doch wäre es da ein ganz ganz schlimmer Fehler, einfach nur die Depresssion zu sehen und die Schmerzen und sonstigen Beschwerden nur als Begleiter von Depressionen aufzufassen. Da gehen unter Umständen Behandlungschancen den Bach runter, die nicht mehr aufzuholen sind.

Wir stehen zweifellos vor der immens schwierigen Aufgabe, dass WIR unterscheiden müssen, wann wir es gut sein lassen sollen mit der Abklärung unserer Beschwerden und wann es unbedingt nötig ist, der Sache weiter auf den Grund zu gehen. Und dafür brauchen wir, so denke ich, die Erfahrungen und den Rückhalt von anderen Betroffenen und wir brauchen verläßliche Informationen darüber, welche diagnostischen Schritte überhaupt notwendig sind.

Viele Grüße
Monika

von Monika D. (Admin) - am 02.11.2004 23:26
Lieber Aléxandros,

nachdem Du in den letzten Tagen sooooo viel geschrieben hast und ich dieses Posting jetzt noch mal gelesen habe, drängt es mich jetzt doch, noch einen weiteren Begriff hier reinzustellen. Zur Depression gehört oft auch die zeitweilige Umkehr der depressiven Stimmung in ein unerklärliches Hochgefühl, was man dann 'Manie' nennt. Sie mir nicht bös, aber dieses Wort blitzte immer wieder in meinen Gedanken auf, wenn ich Deine Postings las. Ich will da jetzt nicht weiter drauf rumreiten. ich wollte nur nicht völlig darüber hinweg gehen. Vielleicht ein Denkanstoß für Dich, für andere Leser aber sicherlich auch eine Hilfe um manches, was Du geschrieben hast, differenzierter einzuordnen.

Viele Grüße
Monika

von Monika D. (Admin) - am 03.11.2004 22:37
Hallo Monika,

keine Sorge, ich bin Dir nicht böse. Ganz im Gegenteil, der Hinweis ist wichtig und es beeindruckt mich mal wieder, wie fit Du doch in "Gesundheits"fragen bist.

Tatsächlich habe ich auch im Verlauf meiner Behandlung nachgefragt, ob in meinem Fall nicht eine bipolare Störung vorliegt (der Begriff manisch-depressiv ist eigentlich veraltet). Natürlich sind die Grenzen fliessend bei der Beurteilung, ab wann denn nun eine Depression und ab wann eine Manie vorliegt, im Vergleich zur "Normalstimmung".

Man kam jedoch überein (und ich stimme dem auch zu, nachdem ich mich näher mit dem Begriff Manie beschäftigt habe), dass das, was ich als eventuell manische Episoden betrachtet habe, wohl eher meine seltenen Ausflüge in die Normalstimmung sind. Man könnte natürlich von einer "relativen Manie" sprechen, wenn man so will.

Es sollte auch noch erwähnt werden - auch wenn diese Fälle extrem selten sind - es auch Menschen gibt, die ausschließlich manisch sind. Vor allem ist aufgrund der Natur der Manie ist allerdings eher nicht zu erwarten, dass jemand der akutell manisch ist, in einem Forum auftaucht, denn der Maniker fühlt sich noch viel weniger krank als der unerkannt Depressive.

Ich sage es auch noch einmal, ich denke es war schlicht Zufall, das in den letzen beiden Tagen hier drei Fälle zusammen gekommen sind, bei denen das Thema Depression wirklich ausführlicher erwähnenswert war und meines Erachtens seine Daseinsberechtigung hatte. Ich will das Thema und meine Rolle nicht überbewerten, es ist eines von vielen Themen im Zusammenhang mit der Diagnose Fibromyalgie. Ich bin wirklich gespannt auf die Liste der Fibro-ähnlichen Krankheiten, falls Du mal die Zeit dafür findest.

Ich denke, der Eindruck, dass ich das Thema überbewerte entsteht auch dadurch, dass ich mich bei anderen Themen sehr zurückhalte. Ich neige dazu, eigentlich müsste man sagen, es ist meine Art nur dann Dinge zu kommentieren, wenn ich einigermaßen sicher bin, dass das was ich sage richtig ist und ich mich ansonsten mit Rat und Tat zurückzuhalte (bei näherer Betrachtung ein depressives Verhalten, Anzweifeln meiner Kompetenz). Daher melde ich mich hier eigentlich immer nur zu Wort, wenn es genau um dieses Thema geht und velege mich sonst nur aufs Lesen. Das verzerrt natürlich das Bild ein wenig. Würden hier andere meiner Kompetenzfelder behandelt, sähe meine Beteiligung daran entsprechend aus.

Wenn ich das bisher geschriebene jetzt noch mal durchlese, stelle ich fest, dass der Eindruck entstehen könnte, ich wolle mich rechtfertigen. Das ist mitnichten meine Absicht. Ich würde es lieber unter die Rubrik, des sich näher Kennen lernen und des etwas von sich erzählens im Sinne einer Vertiefung einer Beziehung einordnen wollen.

In diesem Sinne (mal wieder zur frühen Stunde)
Gruß
Aléxandros



von Aléxandros - am 04.11.2004 04:52
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