neuer Bekanntenkreis und die Erkrankung

Startbeitrag von Mondschein am 01.02.2006 08:23

Hallo,
melde mich nach langer Pause wieder mal - weiß nicht ob mich noch jemand kennt. Wir mußten nun umziehen (mein Mann hat nach 1 Jahr arbeitslosigkeit endlich nen neuen Job) und so kommen mehrere Probleme auf mich zu...
Zum einen - mein komplettes soziales Netz ist zusammengebrochen d. h. Schmerzarzt ist zu weit weg - der erste der mich wirklich verstanden und ernst genommen hat und etwas gegen meine Schmerzen unternommen hat. Er hat mir Tilidin verschrieben und seitdem geht es mir wesentlich besser. Hausarzt hab ich auch keinen mehr und was ich hier im Ort so von den Nachbarn über den Allg. Arzt gehört habe - GUTE NACHT. Tja und dann noch der Umgang mit anderen Menschen.....mein Mann hat einen sehr netten Arbeitskollegen und auch seine Familie ist sehr nett, aber ich habe schlichtweg angst vor neuen Treffen.
Zum einen weil diese Familie eine absolute Powerfamilie ist - 3 Kinder (ich keine - aufgrund meiner Erkrankungen), sie hat diverse Nebenjobs (ich bin seit 1999 erwerbsunfähig und jeder Arbeitsversuch ist wieder gescheitert) und dann - wie gehe ich damit um - also mit der Offenheit über die Erkrankung?
Auf die Frage warum ich mit 30 noch keine Kinder hab bin ich fast in Tränen ausgebrochen, und mit der Arbeit kann ich mich im Moment rausreden, das ich ja einen 400 EURjob suche.....aber was wenn wir uns öfter treffen?
Das schlimme ist, das auch mein Mann nicht wirklich zu mir steht - sagt ich müsse mich einfach zusammenreissen..... Gestern meinte er man müsse ja auch nicht jedem auf die Nase binden was los ist - schließlich interessiert das auch die meisten Menschen gar nicht. Einfach so tun als wäre nichts.
Aber das ist leichter gesagt als getan......das ich nicht so kann wie ich will....das ich nicht so fit bin wie gesunde 30jährige.....ich komme mir vor wie ein Weichei....

Psychotherapie hab ich jetzt auch nur noch alle 4 Wochen - weil ich dazu 70 km fahren muß (meine "alte" Thera will ich unbedingt behalten, weil sie mir schon gut weitergeholfen hat)

Sorry - keine Ahnung ob das alles verständlich ist.....bin ziemlich down und weiß nicht wirklich wie ich das alles auf die Reihe kriegen soll...

VlG
Mondschein

Antworten:

Hallo Mondschein,

einen wirklichen Rat kann ich nicht geben. Nur meine Gedanken.

"ich bin wie ich bin"

Nur kann man erst danach leben, wenn man sich selbst mit Veränderungen
im Leben vertraut macht, analysiert und die Schritte aus Überzeugung geht,
die für einen selbst wichtig sind.

Man kann sich mit einer neuen Lebenssituation arrangieren - so wie du
es getan hast, als du mit deinem Mann fortgezogen bist.

Doch mit der Ansicht, die du uns seitens deines Mannes mitteilt,
musst du nicht leben.

Du musst auch nicht damit leben, dass du "krampfhaft" am Kollegen-Freundeskreis teilnimmst.
Im übrigen geht so etwas meist nicht gut.
Privat und Beruf sind schwerlich miteinander zu verbinden.

Was ist mit den Freunden, aus der ehemaligen Umgebung.
Kannst du nicht auch hier Kontakt halten. Dich ab und zu
treffen??

Versuche doch, dir wieder einen Freundeskreis aufzubauen.
Was gibt es vor Ort oder in der Nähe, wo du Menschen triffst??
Was für Interessen hast du, die du mit anderen Menschen teilen kannst?

Ich wünsche dir, dass du "lernst", dich zu mögen, dich zu akzeptieren
und so zu leben: ich bin wie ich bin
Elaine/Hilde

von Kranich - am 01.02.2006 13:25
Hallo,
"ich bin wie ich bin" - ja - das versuche ich schon lange. Ich für mich hab sicherlich schon viel angenommen und akzeptiert und kann deshalb vielleicht auch ganz offen und ehrlich über meine Probleme reden. Nur sehe ich einfach bei dem Arbeitskollegen genau darin das Problem - ich werde mich immer verstellen müssen.....da mein Mann der "Chef" von ihm ist....
Auch am "alten" Wohnort gabs nur wenig Kontakte - aus Angst und weil wir dort auch nur 3 Jahre waren.....meine ehem. Nachbarin ist die einzige - und sie wußte von allem - da mußte ich mich nicht verstellen -da war ich wie ich eben bin.

Klar versuche ich jetzt wieder einen Freundeskreis aufzubaun - wir wohnen ja erst 8 Wochen hier - aber eben total am Land - so daß selbst Selbsthilfegruppen nur schwer erreichbar sind (mein Mann arbeitet im Schichtdienst und wir haben nur ein Auto) - bin jetzt schon beim Soz. Psych. Dienst um eine Anlaufstelle zu haben....

Achja - ich tu mich einfach schwer mit Veränderungen.....ich versuche halt jetzt die Natur zu genießen, gehe viel mit dem Hund raus.....genieße meine Miezen.....aber mir fehlt halt auch menschlicher Kontakt.....

Und ich habe Angst vor neuen Enttäuschungen mit den Ärzten.....zu oft bin ich runtergemacht worden - aber das kennt ihr ja....

Tja und die Einstellung meines Mannes - ich bin halt einfach ziemlich schnell verunsichert....deshalb klammere ich mich oft an seine Meinung....meine Familie (Eltern und Schwester) stehen voll zu mir - doch leider sind sie viel zu weit weg.....

Vielleicht muß ich mir einfach auch nur Zeit geben.....
Aber wie macht ihr das bei Bekannten? Wissen die von Euerer Erkrankung? Oder schauspielert ihr da?

VlG
Mondschein



von Mondschein - am 01.02.2006 13:41
Hallo Mondschein,

ich habe gerade dein letztes Posting gelesen. Es hat mich aufgeregt.
Ich habe leider jetzt nur wenig Zeit --> Steno.

Ich bin vor vier Jahren auch in ein anderes Dorf gezogen. Puuuuuh ! Lauter Eingeborene - von Geburt an miteinander verwachsen. Langsam kamen die ersten Kontakte - auch über einen Verein.
Ich kann auch nicht so wie ich will. Ich bin 45 und seit fünf Jahren in Rente. Es geht absolut nicht mehr - auch nicht regelmäßig für ein paar Stunden .

Ich war am Anfang froh über jeden Kontakt. Aber sobald wir uns etwas beschnuppert hatten und ich das Gefühl hatte, dasss ich mit der Person gern weiter und auch näheren Kontakt haben möchte, habe ich sie aufgeklärt. So nach dem Motto: Ich muss dir/Ihnen mal was sagen. Du hast sicher schon bemerkt, dass ich mich manchmal nicht so gut bewegen kann oder dass ich schnell müde bin oder ..... Das liegt daran, dass ich eine Krankheit habe. Fibro kurz umrissen. Dann gesagt: deshalb kann ich oft nicht so wie ich will. Aber, deshalb brauch man mich trotzdem nicht in Watte zu Packen !

Nur nicht zu lange über die Krankheit reden --> das langweilt die anderen. Sollte die Person mehr wissen wollen, kann sie ja nachfragen.

Wichtig ist vor allem ein gewisses Maß an Ehrlichkeit. Du musst dich nicht ausziehen. Aber der andere soll auch ein bischen wissen wer du bist. Vielleicht möchte die andere Person gerne was mit diir unternehmen. Wie willst du dich denn da immer wieder herausreden. Der andere muss dann ja denken, das da irgendetwas nicht stimmt und wird sich voraussichtlich distanzieren.
Vor allem wohnst du doch ländlich. Da kannst du sicher sein, dass die Buschtrommeln sehr gut funktionieren.

Ende meiner Schimpfe. Nur Mut. Das schaffst du sicher. Und lass blos deinen Mann da raus, denn der wird dann sicherlich quer schiessen. Führe deinen Mini-Strip im Vier-Augen-Gespräch.

Viel Erfolg Du bist bestimmt stärker und mutiger als du denkst.
Maria

von Maria K. - am 02.02.2006 10:32
Hallo Maria danke für Dein Posting - mal ne Frage- was hat Dich aufgeregt?
Ja so wie Du es schreibst, hab ich es bisher auch "praktiziert" - einfach ganz ehrlich geredet - aber nicht direkt alles breitgetreten. Aber ich fühlte mich danach immer sicherer.....und genau um das herausreden geht es mir. Wenn ich nicht ehrlich bin, dann muß ich mir immer wieder irgendwelche Geschichten einfallen lassen - und darauf hab ich keine Lust.

Ich hab einfach Angst vor den Fragen wie z. B. "warum hast Du mit 30 noch kein Kind", sie wissen, das ich mir nen 400 EUR job suchen will ...da kam auch schon "mach doch Nachtdienst im Krankenhaus oder Bedienung in der Kneipe" - auch da muß ich mich ja immer rechtfertigen.....erklären....

Es ist auch nicht mein Ding stundenlang über die Krankheit zu reden....einfach nur so und so ist es ....und das war es....ich bestehe ja nicht nur aus Krankheit ;-)

Die Buschtrommeln funktionieren hier gaaanz gut - das hab ich schon erfahren, denn als die Nachbarn das erste Mal da waren wußte ich sofort alles von allen anderen Nachbarn. Und irgendwelche Gerüchte machen da dann schnell die Runde...dann lieber ehrlich....

Ich steh ja dazu...hab mich auch damit arrangiert....und die psychische Seite geht eh niemanden was an....

LG
Mondschein



von Mondschein - am 02.02.2006 12:28
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