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Informationen zum Thema:
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Fibromyalgie und sozialmedizinische Themen
Beiträge im Thema:
1
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
Monika Draga (Admin)

Krankschreibung langfristig und was dann?

Startbeitrag von Monika Draga (Admin) am 28.07.2001 13:19

Am 06.03.2001 um 21:55:45 Uhr schrieb Margrit: (259)

Krankschreibung langfristig und was dann?

An Alle Betroffenen!

Bin seit meiner letzten Reha (in Plau am See) im April 2000 krankgeschrieben.
Mein Hausarzt kennt sich mit Fibro nicht aus und schick mich von einem Arzt zum anderen. Ich bekomme außer Schmerzmitteln keine Medikamente und bin mittlerweile ziemlich niedergeschlagen, weil sich nichts bewegt. Ich wurde doch allen Ernstes von der Sprechstundenhilfe im Auftrag des Arztes gefragt, ob ich denn überhaupt nicht mehr arbeiten wolle?! Denn so könne es ja nicht weitergehen...
Mir fehlten daraufhin die Worte. Ich weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll?

Gruß Margrit


Am 11.03.2001 um 23:30:58 Uhr schrieb Silke Klein: (176)

Re: Krankschreibung langfristig und was dann?

Hallo Margit,
als erstes solltest Du einen Arzt finden, der sich wirklich mit "Fibro" auskennt. Einen Arzt in deiner Gegend findest Du über die Rheuma-Liga. Ich war insgesamt 1 1/2 Jahren Krankgeschrieben und habe nach ca. 1 Jahr die Erwerbsunfähigkeitsrente beantrag und auch rückwirkend zwar nur auf Zeit (3 Jahre) bekommen. Das hat mir mal etwas Luft geschaffen und nun versuche ich mit verschiedenen Methoden meiner Schmerzen soweit habhaft zu werden, damit ich dann - falls die Rente nicht nochmal durchgeht - wieder arbeiten kann. Ich habe aber noch über 1 Jahr Zeit damit. Hast Du denn schon eine Schwerbehinderung beantragt? Ich habe sehr gute Unterlagen die einem bei der Einreichung von Schwerbehinderung und Rente helfen. Bei Interesse bitte privat unter E-Mail: psklein@t-online.de melden.
Ich wünsche Dir viel Erfolg und Geduld mit Dir selbst.

Gruß Silke


Am 11.03.2001 um 13:14:05 Uhr schrieb Birgit Schneegold: (160)

Re: Krankschreibung langfristig und was dann?

Hallo Margrit,
erstmal versuche einfach die Krankschreibung als eine Auszeit für Dich zu sehen die Dein Körper, Deine Seele und der ganze Rest von Dir braucht und siehe es als einen Wink an den richtigen Weg zu finden den Du absofort für Dich gehen mußt und auch gehen kannst. Was Dein Arzt bzw. eine dämliche Sprechstundenhilfe abgibt, versuche es als Erfahrung abzulegen. Hört sich einfach an, ist aber eine Art leichter damit umzugehen.
Deinem Arzt kannst Du ja mal das Forum empfehlen, hier kann er sich auch Informationen holen bzw. wo er etwas herbekommt, sollte er überhaupt Interesse daran haben, meist scheitert es hier, denn es ist ja auch mit etwas mehr Arbeit verbunden und nicht jeder Arzt hat Interesse daran sich weiterzubilden. Was nur etwas schwieriger werden kann ist es wenn Du zum Ärztlichen Dienst beordert wirst, aber Du brauchst hier auch keine Angst zu haben - denn die kochen auch nur mit Wasser - sollte Dir dort einer dumm kommen, hast Du hier nämlich die Möglichkeit in die nächst höhere Instanz zu gehen, fehlt Dir dazu die Kraft, der Mum oder was anderes, wende Dich an das Forum oder an eine von uns, Du wirst hier die Unterstützung finden die Du dann brauchst. Solltest Du Probleme damit haben, dass Du so lange schon krank bist oder Du überhaupt mit der Tatsache Schwierigkeiten haben, dass es Dich getroffen hat, dann kann ich Dir nur aus meiner Erfahrung heraus den Tipp geben, suche Dir einen Therapeuten/in und hole Dir dort die phsychische Hilfe/Unterstützung die dann vielleicht von nöten ist und denke bloß nicht das kannst DU nicht machen, es geht und Du hast ein Anrecht auf dies alles, vergess das nicht. Wichtig ist nur, dass Du zu einem(r) Phsychotherapeuten(in) den richtigen Draht haben mußt. Merkts Du, dass er oder sie nicht der/die Richtige ist, dann suche bitte weiter, denn die Chemie zwischen euch beiden muß stimmen, denn sonst hast Du nicht den Erfolg den Du brauchts und der Dir auch zusteht.
So nun liebe Margrit habe ich Dich ganz schön zu gelabert, hoffe aber dass Du damit etwas anfangen kannst und ich wünsche Dir viel Erfolg auf Deinem Weg, Hilfe und Unterstützung findest Du immer hier im Forum - egal wann und wie - es ist immer jemand da - der sich auskennt bzw. der weiß was - wie - wann - wo und wer Bis bald.
Gruss Birgit


Am 12.03.2001 um 16:37:30 Uhr schrieb Monika Draga (ForenMaster): (205)

Re: Krankschreibung langfristig und was dann?

Liebe Margrit,

sorry, dass ich mich nach meiner kurzen Mail jetzt erst wieder melde. In Deiner Nachricht sind in wenigen Worten so viele verschiedene Problemkreise angesprochen, die erst mal einzeln erfaßt und bedacht sein wollen.

1. Das Arzt-Patienten-Verhältnis ist zweifellos renovierungsbedürftig. Ich weiß nicht, ob Deine Schlußfolgerung, dass der Arzt sich mit Fibro nicht auskenne, unbedingt richtig sein muß. Es könnte sogar so sein, dass er mit seinem Verhalten einem bestimmten Konzept folgt, das ich positiv bewerten würde, aber dann ist es ihm nicht gelungen, Dir zu vermitteln, welches das Ziel seiner Behandlung und der Weg dazu ist. Ich meine damit, dass es für jeden Arzt bei jedem Fibro-Patienten zu einer Gratwanderung werden kann, einerseits die Symptome durch zu viel Beachtung noch zu verstärken ("iatrogene Fixierung"), andererseits durch zu wenig Dialog mit dem Patienten dessen Zweifel und letztlich Verzweiflung noch immer weiter zu schüren. Das Dilemma liegt darin, dass der goldene Mittelweg sehr viel Einfühlungsvermögen und Zeitaufwand erfordert - etwas, das sich kaum noch ein Arzt wirklich leisten kann.
Das Forum, bzw. Beiträge in den anderen Foren dieser Website können und sollen dazu beitragen, verstehen zu lernen, weshalb Ärzte manchmal gar nicht anders reagieren können. Ich empfehle immer wieder, sich an den neuesten Forschungsergebnissen zur Entwicklung des Schmerzgedächtnisses zu orientieren. Als ein Einstieg hier der Hinweis auf eine schon vor einigen Monaten gestartete Diskussion:Schmerzgedächtnis

2. Die Überweisung an Fachärzte ist eine notwendige Maßnahme, wenn es gilt, bestimmte Symptome erst einmal abzuklären und anders zu behandelnde Ursachen auszuschließen. Diese Überweisungen sollte immer mit dem Gedanken verbunden sein, dass der Facharzt hoffentlich NICHTS findet. Das ist nicht leicht, zu dieser Haltung zu kommen, aber sie erspart das Wechselbad zwischen Hoffnung auf ursächliche Therapie eines Symptoms und Frustration, weil ja wieder nichts gefunden wurde. Mit einer ähnlichen Haltung solltest Du Dir eine Überweisung zur Psychotherapie geben lassen - nicht etwa wegen einer psychischen Krankheit, sondern um das, was die Fibromyalgie mit Deiner Psyche macht, mit kompetenter Hilfe abzufangen.

Nebenbei möchte ich noch darauf hinweisen, dass mit der Überweisung an andere Ärzte oftmals das eigene Budget entlastet werden kann, wenn z.B. teure Medikamente oder Physiotherapie verordnet werden sollen. Dann bleibt bei der gegenwärtigen Lage oft nichts anderes übrig, als die Budget-Last auf möglichst viele Praxen zu verteilen. Dass sich dabei die Krankheitskosten insgesamt beträchtlich erhöhen müssen, das scheint den Urhebern der sog. Gesundheitspolitik nicht in den Sinn zu kommen.

3. Verordnung von Schmerzmitteln ist sicherlich wichtig. Da jedoch der Erfolg sehr wechselnd sein kann, wäre auch da ein ausführlicher Dialog sinnvoll, um immer am Ball zu bleiben, wann welche Medikamente und in welcher Menge eingesetzt werden sollten.

4. In Bezug auf Deine Arbeitsunfähigkeit wäre es jetzt sicherlich erst mal wichtig, Deine Ziele zu definieren. Wie stellst Du Dir Deine Zukunft vor? Wo siehst Du Deine Chancen? Welche Hindernisse müssen umgangen oder aus dem Weg geräumt werden?
- Rückkehr an den alten Arbeitsplatz? Wenn ja, welche Arbeitsbedingungen müßten evtl. verändert werden, um Fehlbelastungen und Überforderung zu vermeiden?
- Neueinstieg auf einem anderen Arbeitsplatz? Ließe sich ein Arbeitgeber finden?
- Umschulung? Welche Belastungen bringt sie mit sich, welche Chancen eröffnen sich dadurch?
- Alternativen: Telearbeit etc.

Natürlich ist eine wirklich funktionierende ärztliche Betreuung und eine gewisse Stabilisierung die Voraussetzung dafür, dass Du Dich wieder ins Berufsleben begeben kannst. Sie ist aber genauso nötig wenn Du nicht arbeitest, nämlich als Voraussetzung für einen erträglichen Umgang mit der Krankheit. Deshalb sehe ich da den ersten und wichtigsten Ansatz. Weiterhin könntest Du Dich an Deine Krankenkasse wenden und um eine sozialmedizinische Beratung bitten. Da können die Probleme mit einem Arzt besprochen werden, der sich auch in den ganzen sozialrechtlichen Gegebenheiten auskennnt und es wird auch Empfehlungen für weiteres Vorgehen geben. Das könnte z.B. so etwas wie eine stufenweise Wiedereingliederung in das Arbeitsleben, eine Arbeitserprobung sein.

Da Du ja, wie Du schreibst, schon zu verschiedenen Ärzten geschickt worden bist und die anscheinend alle nichts gefunden haben, was behandlungsbedürftig wäre oder eine Arbeitsunfähigkeit verursacht, dürfte das Thema Rente oder Schwerbehinderung (wegen Fibromyalgie allein können 20 % zuerkannt werden, aber was bringt das?) sehr konfliktbeladen sein. Trotzdem oder gerade deswegen mein Tipp: Als Anlaufstelle für kompetente Beratung und Hilfe kommt da in erster Linie der VdK in Frage.

Alles Gute
Monika

PS: Von der VdK-Website:
"Jedes Mitglied des VdK hat Anspruch auf Schutz in sozialrechtlichen Angelegenheiten.
Die Prozessbevollmächtigten des VdK, ausgewiesene Fachleute, vertreten ihre Mitglieder vor den Sozialverwaltungen und der Sozialgerichtsbarkeit - und zwar durch alle Instanzen!"


Am 13.03.2001 um 20:13:49 Uhr schrieb Birgit Schneegold: (216)

Re: Krankschreibung langfristig und was dann?

Hallo Margrit,
bei dem Antrag für das Versorgungsamt solltes Du dich an den VDK oder den Solzialverband Deutschland e.V. wenden. Dort wird Dir bei der Antragstellung und den ganzen Verfahrensweisen bestens geholfen und Du hast nicht soviel damit zu tun. Kostenmäßig ist es so, dass Du Mitglied in einem der beiden Vereinen werden mußt, ich glaube der Solzialverband ist etwas billiger wie der VDK, kannst Du aber telefonisch bei diesen nachfragen. Unterstützung ist bei beiden sehr gut und auch die Betreuung in diesen Angelegenheiten.
Viel Erfolg und alles Gute
Birgit

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