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Fibromyalgie - medizinische Fragen
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
Monika Draga (Admin), Birgit Tutschka, Michelle, Michelle / Monika, Michelle (durch Admin

Mydocalm und Saroten

Startbeitrag von Michelle (durch Admin am 29.07.2001 18:08

Beitrag übernommen

Hallo Ihr Lieben,

ich wüßte gerne, ob man Mydocalm und Saroten zur selben Zeit einnehmen kann, oder ob sie sich ausschließen wegen eventueller Wechselwirkungen?
Wer weiß da Bescheid oder hat selbst Erfahrungen dazu gesammelt?Wie hoch ist eigenlich die Dosierung von Mydocalm anzusetzen?
Nehme selbst 25-50 mg Saroten zum Abend;damit geht es mir besser als ohne.Würde trotzdem gerne noch Mydocalm probieren.
Über Eure Antworten würde ich mich freuen,

liebe Grüße, Michelle

Antworten:

Liebe Monika,

vielen Dank für Deine schnelle Antwort.
Ich werde Mydocalm auf jeden Fall dann mal probieren.
Interessieren würde mich, wie Du Mydocalm dosierst ( mg oder
Tablettenanzahl) und wann Du es einnimmst( bei Bedarf oder regelmäßig
morgens,abends etc.)
Hast Du eigentlich irgendwelche Nebenwirkungen?
Über eine Antwort würde ich mich freuen,

liebe Grüße und einen möglichst schmerzarmen Tag,

Michelle

- und gleich die Antwort:

Hallo Michelle,

vor über drei Jahren habe ich mit Mydocalm angefangen und habe es eineinhalb Jahre lang regelmäßig 3mal täglich genommen, jeweils 2 Stück. Ich habe in dieser Zeit auch noch viele andere Dinge unternommen, um die Muskelschmerzen zu reduzieren. Es kamen Phasen, das merkte ich, dass ich nicht mehr täglich das Mydocalm brauchte, dh. konnte mir mit nichtmedikamentösen Methoden helfen. So nehme ich seit zwei Jahren das Mydocalm nicht mehr regelmäßig, aber doch immer dann, wenn Schmerzen recht eindeutig aus der Muskulatur kommen. Ich habe schon gelegentlich probiert, ob es ausreicht, wenn ich nur eine Mydocalm nehme, aber das war eigentlich nie der Fall. Eine Wirkung merke ich deutlich, wenn ich zwei davon nehme und ich merke dann auch das Nachlassen der Wirkung, wenn nach ein paar Stunden der Stoff weitgehend abgebaut ist und sich meine Muskeln noch nicht wieder beruhigt haben.

Was mir noch aufgefallen ist, seit ich Mydocalm nehme bzw. nicht mehr regelmäßig nehme: Es scheint sich auch auf die Begleitsymptome wie irritables Colon auszuwirken, d.h. auch da erlebe ich deutliche Besserung, d.h. Normalisierung der Funktion, wenn ich mehrere Tage regelmäßig Mydocalm nehme und eine langsame Rückkehr der Symptome, wenn ich mich fit genug fühle, es wegzulassen.

Da es nicht ganz billig ist (der Monatsbedarf bei 3x2 kostet ca. 160 DM), hören Ärzte wahrscheinlich nur zu gerne hin, wenn jemand sagt, dass es bei Fibromyalgie nicht helfen würde. Wenn falsche Erwartungen daran geknüpft werden, dann kann man bei allem feststellen, dass es "nicht hilft".

Unerwünschte Nebenwirkungen habe ich trotz zunehmender Empfindlichkeit gegenüber allem Möglichen nicht bemerkt. Laut Herstellerangaben gibt es nicht mal eine Interaktion mit Alkohol. Da wäre ich allerdings, wie bei allen Medikamenten, sehr vorsichtig.

Also, ich wünsche Dir, dass Du es mal probieren kannst. Überlege Dir mal, ob Du es Dir leisten willst, Deinem Arzt anzubieten, es Dir auf Privatrezept zu verordnen. Da passieren manchmal kleine Wunder ;-)

Monika

von Michelle / Monika - am 30.07.2001 11:15
Hallo Monika !

Vielen Dank für Deine schnelle Antwort !
Ich werde Mydocalm auf jeden Fall ausprobieren!
Da ich privat versichert bin (Glück im Unglück ? ),habe ich bis jetzt alles, was ich ausprobieren wollte, auch probieren können,ohne daß es ein Kostenproblem gab.
Leider habe auch ich noch nicht den"Stein der Weisen " gefunden.
Ich nehme wie gesagt Saroten und Zentramin (Magnesium Kalcium Kalium)und Vitamin B-Komplex.Ansonsten habe ich mir ein tragbares Tens-Gerät gekauft, was auf gewisse Schmerzen gut wirkt.Große Probleme haben mir u.a. meine Füße gemacht; wenn ich länger als eine halbe Stunde gelaufen bin, ging gar nichts mehr.Seit ich tolle abgefederte Sneakers gefunden habe,habe ich wieder Spaß am Sightseeing und Shoppen.

Trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf, daß es bald etwas wirklich Wirksames gegen Fibromyalgie gibt.Daher lese ich von Zeit zu Zeit immer in amerikanischen Seiten, da dort die Forschung ja schon etwas weiter ist.


Liebe Grüße, Michelle

von Michelle - am 01.08.2001 19:19

Medikamente und mehr

Hallo Michelle,

natürlich muß Dein Arzt entscheiden, ob Mydocalm etwas für Dich sein könnte. Mit Zentramin und Vitamin-B-Komplex bist Du auf jedem Fall auf dem Weg, den ich auch für mich als den richtigen gefunden habe.

Mit dem TENS-Gerät machst Du etwas, das ich verallgemeinert als "geordnete Reize von Außen setzen" bezeichnen würde, mit denen die die chaotischen Schmerzreize ausgetrickst werden. Auch das ist ein Ansatz, den ich vom Prinzip her für sehr gut halte. Mit TENS habe ich selbst noch keine Erfahrung - ich muß ja wirklich nicht alles ... -, aber es gibt meiner Meinung nach unzählige andere Methoden, denen ich den gleichen Wirkansatz (Reizüberlagerung bzw. "geordnete" Reizlenkung) zuschreibe. Ich zähle dazu die Akupunktur oder Kältereize (Kneipp'sche Güsse, Wassertreten etc. oder auch Kältekammer) ebenso wie vor allem zyklische Bewegungsformen (dazu gehören Laufen, Radfahren, Schwimmen, die Grundelemente des Eislaufs/Skating usw.).

Natürlich muß man da die unterschiedliche Reizintensität in Betracht ziehen und wie "zielgenau" ein solcher Reiz eingesetzt werden kann. Da nehmen Akupunktur und TENS sicherlich einen Spitzenplatz ein. Aber das sind BEhandlungen. Ich weiss nicht, wie es anderen in dieser Hinsicht geht. Ich freue mich immer sehr, wenn ich etwas finde, wie ich nicht nur durch BEhandlung sondern durch eigenes selbstbestimmtes Handeln immer mal wieder so ein Schmerzteufelchen austricksen kann. Das sind dann keine starren Therapieschemata, sondern immer wieder neue, kreative Ideen. so habe ich jetzt z.B., während ich diesen Beitrag schrieb, mindesten 10x unterbrochen, habe zwischendurch mit einem Igelball "gespielt", ihn in den Fingern geknetet, mal über die Arme, mal über die Beine gerollt, zwischen Rücken und Stuhllehne geklemmt usw. und nun: :-)

Mit den tollen Sneakers hast Du sicherlich etwas gefunden, das sehr wichtig ist. Das gehört auch zu den Dingen die ich als selbstverantwortliches Handeln einstufe. Die Mode mutet Vieles zu, das einem empfindlichen Körper nicht gut tut. Da den richtigen Weg zu finden, sich Sachen anzuschaffen, in denen man sich wirklich wohl fühlt, das ist gar nicht so einfach. Ich habe bei manchem Selbsthilfegruppentreffen schon sehr gestaunt, was ich da zu sehen bekommen habe. Manches erschien mir da wie echte Folterinstrumente. Aber vielleicht ist das ja die individuelle Fakirtechnik dieser Betroffenen. ;-)

Um das Thema abzurunden, noch ein Wort zu kreativen Hobbies. Alles, was freiwillig und ohne zwanghaften Ehrgeiz an anspruchsvollen Beschäftigungen ausgeübt wird, kann durch die dabei oft erforderliche hohe Konzentration ebenfalls von Schmerzwahrnehmung ablenken und somit eine wichtige Hilfe gegen die Chronifizierungsmechanismen liefern. Aufpassen sollte man allerdings, dass damit keine unfunktionellen Belastungen (=Fehlhaltungen) verbunden sind, die sich dann durch neue Schmerzen in der zunächst unbemerkt überlasteten Muskulatur rächen.

Monika
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von Monika Draga (Admin) - am 02.08.2001 09:20

Tolperison als Alternative zu Antidepressiva in der Schmerztherapie

Beinahe hätte ich es vergessen. Es gab vor einiger Zeit im Deutschen Medizin Forum einen Beitrag, den ich schon mal zitiert habe. Weil ich das, was da von dem Pharmakologen Matthias Bastigkeit mitgeteilt wurde, für sehr wichtig und interessant halte und es zu der Frage paßt bringe ich es hier noch einmal:
Alternativen zu Antidepressiva zur Löschung des Schmerzgedächtnisses der Nervenzellen?

Wenn sich infolge eines längerandauernden Schmerzes die Neuroplastizität im Zentralen Nervensystem chronifiziert und fest abbildet, ist von außen kein Reiz nötig, damit der Patient die Signale als Schmerz interpretiert.
Wenn es gelingt, das Signal zu blockieren, erreicht es nicht die Zentren des ZNS. Nicht nur Triz. Antidepressiva sind in der Lage das Schmerzgedächtnis zu löschen oder zumindest zu verringern, sondern auch die Substanz Tolperison (Mydocalm).
Chemisch ist Tolperison mit dem Lokalanästhetikum und Antiarrhythmikum Lidocain verwandt, mit dem es auch einige positive Wirkungen gemeinsam hat.
Tolperison greift dort an, wo der Muskeltonus und die spinale Reflexaktivität beeinflußt wird. Es stabilisiert die Membranen der Nervenzellen im Hirnstamm, Rückenmark und in der Peripherie. Gegen Tinitus sind mir keine Studien bekannt, das Präparat wird aber bei Spastizität, Rückenschmerzen und Fibromyalgie eingesetzt.

Bliebe noch zu erwähnen, dass inzwischen auch beim Flupirtin ebenfalls von membranstabilisierenden Wirkungen ausgegangen wird, also quasi noch ein weiterer Wirkstoff als mögliche Alternative (oder Ergänzung) zu den trizyklischen Antidepressiva vorhanden ist, wobei beim Flupirtin allerdings noch KEINE Zulassung für längerfristige Anwendung besteht.

Monika Draga
Quelle: DMF


von Monika Draga (Admin) - am 05.08.2001 12:43
Liebe Michelle,

ich nehme Mydocalm seit ungefähr 3 Monaten regelmäßig, zwischen 2-6 Tabletten (100-300 mg) am Tag, je nach Grad der Beschwerden. Seitdem kann ich nachts besser schlafen, da die Muskelschmerzen nachgelassen haben.Bisher habe ich keine Nebenwirkungen bemerkt.

Liebe Grüße
Birgit

von Birgit Tutschka - am 07.08.2001 10:57
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