Ozon und Sommersmog

Startbeitrag von Monika Draga (Admin) am 30.07.2001 14:13

In diesen Tagen bringt die durchgehend starke Sonneneinstrahlung eine erhöhte Ozonbelastung hervor. Ob Fibromyalgie-Betroffene generell empfindlicher auf Ozon und andere Luftschadstoffe reagieren, das weiß ich nicht. Für mich kann ich sagen, dass ich seit vielen Jahren die Belastungen sehr deutlich spüre, auch spontan Unterschiede spüre, wenn ich mich von weniger in stärker belastete Gebiete oder umgekehrt begebe. Obwohl ich mich in einem von anderen Luftschadstoffen sehr gering belasteten Gebiet aufhalte, bemerke ich jedoch bereits seit Freitag die angestiegenen Ozonkonzentrationen. Weil dieses Thema wichtig ist, um evtl. auftretende Symptome beser einordnen zu können, zitiere ich hier einige Abschnitte aus einer Veröffentlichung des Umweltbundesamtes, die auch komplett über den unten erwähnten Link als PDF-File geladen werden kann.

Aus: Hintergrundinformation: Sommersmog - Umweltbundesamt Mai 2001

Wirkungen auf den Menschen
Das für den Sommersmog typische Photooxidantiengemisch enthält eine Vielzahl von Reizstoffen,
allerdings nicht in konstanter Zusammensetzung. Die starke Reizwirkung des „photochemischen
Smogs“ auf die Augen und Schleimhäute der oberen Atemwege (Nasen-Rachen-Raum) kommt nur
zu einem geringen Teil durch Ozon zustande, hauptsächlich aber durch andere Photooxidantien, die
als Nebenprodukt der atmosphärischen Ozonbildung entstehen, zum Beispiel Peroxiacetylnitrat
(PAN), Peroxibenzoylnitrat (PBN), Acrolein und Formaldehyd. Diese Substanzen sind – im Gegensatz zu Ozon – gut wasserlöslich. Im Hinblick auf ihre gesundheitlichen Wirkungen sind sie
allerdings weniger bedeutend als Ozon, da sie in geringeren Konzentrationen auftreten und weniger
toxisch (giftig) sind als Ozon.
Ozon selbst reagiert durch seine hohe Reaktionsbereitschaft fast ausschließlich am Auftreffort, das
heißt an den Oberflächen des Atemtraktes. Durch seine geringe Wasserlöslichkeit wird es in viel
geringerem Maße als beispielsweise Schwefeldioxid in den oberen Atemwegen zurückgehalten.
Folglich dringt Ozon viel weiter in die Lunge ein. In der Lungenperipherie trifft es auf Gewebe, das
nicht durch eine Schleimschicht geschützt ist. Hier kann es zur Schädigung der Zellmembran mit den
damit verbundenen entzündlichen Prozessen kommen.
Im Gegensatz zum Wintersmog (hier sind insbesondere Asthmakranke betroffen) gibt es
bei Ozon keine genau eingrenzbare Risikogruppe. Die individuelle Empfindlichkeit
gegenüber Ozon ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Es ist davon auszugehen, dass etwa
10 bis 15 % der Bevölkerung (quer durch alle Bevölkerungsgruppen) besonders
empfindlich auf Ozon reagieren. Gesundheitliche Beeinträchtigungen sind umso eher zu
erwarten,
· je höher die Ozonkonzentration der inhalierten Luft ist,
· je länger die Exposition dauert, also man dem Ozon ausgesetzt ist, und
· je höher das Atemminutenvolumen (Luftvolumen, das während einer Minute ein- oder
ausgeatmet wird) während der Exposition ist.
Körperliche Aktivität oder Anstrengung steigern das Atemminutenvolumen. Durch Ozon besonders
betroffen sind deshalb alle diejenigen Personen, die während Sommersmog-Episoden bei Spiel,
Sport oder Arbeit häufig längere, anstrengende körperliche Tätigkeiten im Freien ausüben. Darüber
hinaus müssen aus Vorsorgegründen grundsätzlich alle Säuglinge und Kleinkinder als Risikogruppe ....

Potenzielle, konzentrations- beziehungsweise dosisabhängige Wirkungen von Ozon auf Menschen
sind sensorische Wirkungen (Geruch), Wirkungen auf die Lungenfunktion und Wirkungen auf die
körperliche Leistungsfähigkeit. Die folgenden, durch Ozonexposition verursachten Symptome treten
nur nach mehrstündiger Exposition bei gleichzeitiger körperlicher Aktivität auf:
· Veränderungen von Lungenfunktionsparametern (zum Beispiel Abnahme des forcierten
Ausatemvolumens, Zunahme des Widerstands in den Atemwegen) bei Schulkindern und

Erwachsenen ab 160 bis 300 µg/m³ nach reger körperlicher Aktivität im Freien; in klinischen
Expositionsversuchen mit freiwilligen Probanden ab 160 µg/m³ bei sechsstündiger, beziehungsweise
ab 240 µg/m³ bei ein- bis dreistündiger Exposition mit intermittierender (zwischen
Anstrengung und Ruhe wechselnder) körperlicher Aktivität. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse
zeigen bereits bei Ozonkonzentrationen von 100 µg/m³ Einschränkungen der Lungenfunktion,
wobei neben Ozon sehr wahrscheinlich noch andere Schadstoffe eine Rolle spielen.
· Reduzierung der physischen Ausdauer-Leistungsfähigkeit ab 240 µg/m³.
· Entzündliche Reaktion des Lungengewebes ab 160 µg/m³ bei 6,6-stündiger Exposition mit
intermittierender körperlicher Belastung.
· Zunahme der Häufigkeit von Asthmaanfällen (240 bis 300 µg/m³).
Diese funktionellen Veränderungen und Beeinträchtigungen normalisieren sich im allgemeinen
weitgehend im Laufe von ein bis drei Stunden nach Expositionsende. Bei besonders starken
Belastungen lassen sich allerdings geringe Abweichungen noch nach 24 bis 48 Stunden feststellen.
Subjektive Befindlichkeitsstörungen wie Tränenreiz (verursacht durch Begleitstoffe des Ozons),
Reizung der Atemwege, Husten, Kopfschmerzen und Atembeschwerden werden ab 200 µg/m³
genannt. Die akuten Reizerscheinungen an Augen und Schleimhäuten sind von der körperlichen
Aktivität weitgehend unabhängig; ihr Ausmaß wird primär durch die Aufenthaltsdauer in der
ozonbelasteten Atmosphäre bestimmt.
Um gesundheitliche Beeinträchtigungen durch hohe Ozonkonzentrationen zu vermeiden,
sollte man folgende Regeln beachten:
· Da hohe Ozonkonzentrationen üblicherweise bei hohen Temperaturen auftreten,
kann als Faustregel gelten: Vernünftiges Verhalten im Hinblick auf hohe
Temperaturen ist auch vernünftig im Hinblick auf Ozon.
· Längere körperliche Anstrengungen sollten möglichst nicht in die Mittags- und
Nachmittagsstunden gelegt werden, wenn sie auch zu anderen Tageszeiten möglich
sind.
.....

Neben den bereits genannten Wirkungen kann Ozon die menschliche Gesundheit noch durch andere
Wirkungen beeinträchtigen, die aber nicht konkreten Konzentrationen zugeordnet werden können.
Dazu zählen:
· allergiefördernde Wirkung: Ozon selbst ist kein Allergen. Durch die beschriebene Reizwirkung
können aber im peripheren Lungengewebe entzündliche Prozesse ausglöst werden.
Dies führt möglicherweise dazu, dass gleichzeitig anwesende chemische oder biologische
Allergene tiefer in das geschädigte Gewebe eindringen, was eine Allergisierung begünstigen
könnte;
· gentoxische (erbgutschädigende) und kanzerogene (krebserzeugende) Wirkung: In
Zellkulturen wirkt Ozon sowohl bei Bakterien und Pflanzen als auch bei Säugetierzellen
eindeutig gentoxisch. .....

Bei schönem Wetter gelangt durch verstärktes Lüften mehr Ozon in die Innenräume. Zwar wird das
Ozon dort binnen weniger Stunden abgebaut. Doch kann das Ozon mit organischen Verbindungen
aus im Raum befindlichen Materialien (zum Beispiel aus Tapeten und Anstrichen) reagieren. Das ist
jedoch abhängig von den Bau- und Ausstattungsmaterialien in den Räumen. Messungen des
Umweltbundesamtes haben gezeigt, dass bei diesen Reaktionen weitere, potenziell
gesundheitsschädliche Luftschadstoffe wie zum Beispiel Formaldehyd entstehen. Bei hohen
Ozonkonzentrationen sollte daher vornehmlich in den Morgen- und Abendstunden stärker gelüftet
werden.


Soweit die Ausführungen des Umweltbundesamtes. Ich möchte noch hinzufügen, dass der letzte Ratschlag so ganz verallgemeinert eigentlich nicht stehen bleiben sollte. Der Tagesverlauf der Ozonkonzentration ist nämlich sehr stark abhängig davon, inwieweit sie z.B. durch die Bildung von Stickoxiden beeinflußt wird. Es kann durchaus Gegenden geben, in denen in den Abendstunden, wenn die Schadstoffemmissionen zurückgehen, das Ozon erst noch mal etwas ansteigt. Das ist z.B. oft am Rand von Großstädten der Fall. Die Messwerte der Stationen sind über die Websites der Landesämter für Umweltschutz abzurufen.

Monika Draga

Antworten:

Ozon, aktuelle Karten + Prognosen

Aktuelle Ozondaten

Zwischen 13:15 und 21:15 Uhr STÜNDLICH aktualisierte Ozonwerte aus den Messnetzen der Länder und des Umweltbundesamtes
Aktuelle Ozondaten


von Monika Draga (Admin) - am 30.07.2001 17:41
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