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Informationen zum Thema:
Forum:
Fibromyalgie - medizinische Fragen
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Brigitte, heike, Petra, Monika Draga (Admin), Gabriele Berg, Gitta

Durogesic-Pflaster

Startbeitrag von Gabriele Berg am 23.08.2001 18:19

Seit einem halben jahr versorgt mich mein Arzt mit dem Durogesic- Pflaster gegen die Schmerzen, weil er mir kein weiteres Valoron mehr geben wollte. Ich kann nur sagen, daß es mir sehr gut hilft. Die Schmerzen werden gut unterdrückt und das Wechseln des Pflasters alle 3 Tage ist angenehmer, als dreimal täglich Valoron im regelmäßigen Abstand von 8 Stunden zu schlucken.
Hinter dem Durogesic-Pflaster verbirgt sich der Wirkstoff Fentanyl, was immer das ist - hauptsache es hilft. Die einzige, bei mir auftretende Nebenwirkung ist Verstopfung, die allerdings durch ballaststoffreiche Nahrung in Griff zu bekommen ist.
Es würde mich nun interessieren, ob noch Andere gute, oder auch weniger gute Erfahrungen mit dem Pflaster gemacht haben.
Ich habe die Stärke 50 yg/h
Gruß Gabriele

Gabrieles Galerie

Antworten:

Hi Gabriele,

ich arbeite als Pflegerin seit Jahren mit Durogesic Pflastern, vor allen Dingen in der Palliativpflege, d.h. hauptsächlich bei Sterbenden.
Ich erlebe diese Menschen doch oft sehr benommen, und finde die 50 Dosierung schon als sehr hoch.
Hast du dir schon mal über die langzeit Folgen Gedanken gemacht?

Gruß Brigitte

von Brigitte - am 29.08.2001 14:54
Hallo Brigitte,

ich freue mich zwar über jeden Beitrag hier, aber ich habe ein paar Probleme mit Deiner Meldung, die sicherlich eine gut gemeinte und teils auch berechtigte Warnung sein soll. Aber es erscheint so, und das gefällt mir nicht, dass da pauschal, ohne auf das individuelle Krankheitsbild Rücksicht zu nehmen, Assoziation mit Sterbenden hervorgerufen werden und eine Frage in an Gabriele gerichtet wird, die eher wie ein Vorwurf und wie eine Drohung ankommt.

Es ist wichtig und richtig, die Schmerzen zu bekämpfen - egal ob bei Sterbenden, damit sie menschenwürdig vom Leben Abschied nehmen können, oder bei chronisch Schmerzkranken, damit sie nämlich ihr Leben menschenwürdig weiterführen können! Die Nähe des Todes darf nicht zum Maßstab für die Qualität der Analgesie gemacht werden.

Das will ich jetzt keineswegs als eine Werbung für Opioid-Therapie verstanden wissen. Ich selbst habe damit keine Erfahrung, sondern bin froh, dass mir andere Medikamente und Aktivitäten helfen. In anderen Fällen ist vielleicht erst einmal für eine Weile eine Behandlung mit Opioiden nötig, um so viel Schmerzfreiheit zu erlangen, dass wieder Aktivitäten wie Bewegung und überhaupt Teilnahme am Leben stattfinden können, die dann auf ihre Weise die Schmerzen hemmen. Ich denke, bei Fibromyalgie sollte man NICHT von einer lebenslänglich nötigen Analgesie ausgehen, auch wenn zeitweise mal hochwirksame Schmerzmedikamente nötig sein sollten.

Gefahren sehe ich allerdings bei Betroffenen, die nicht Freude über wiedergewonnene Freiheit von Schmerzen zum Ausdruck bringen, sondern das BTM-Rezept benutzen um damit zu prahlen, wie schlecht es ihnen doch geht. Dies gilt jedoch ganz sicherlich NICHT für Gabriele. Von ihr weiß ich aus anderen Beiträgen, dass sie die Chancen nutzt, jenseits der Schmerzen wieder "normales" Leben zu erobern. Ich bin deshalb davon überzeugt, dass es in ihrem Fall einmal so weit kommen wird, dass sie sagen kann: "Hey, Dok, ich möchte jetzt mal probieren, wie es mit weniger Fetanyl geht." Und irgendwann wird sie es vielleicht überhaupt nicht mehr brauchen. Im Unterschied zu anderen Erkrankungen, die mit so starken Schmerzen einhergehen, dass die Patienten mit Opioiden versorgt werden müssen, gibt es ja bei Fibromyalgie keine fortschreitende Organschädigung, die immer schwerere Schmerzen verursacht, sondern es liegt, so vermutet man jetzt und ich kann das sehr gut nachvollziehen, eine Störung - eine Überlastung - im schmerzverarbeitenden System vor. Somit besteht durchaus die berechtigte Hoffnung, dass mit einer wirksamen Schmerzbekämpfung die überlasteten Strukturen wieder "repariert" werden, sich wieder erholen können, die Schmerzschwelle wieder angehoben werden kann, die Schmerzempfindungen weniger werden und somit langfristig auch die schmerzhemmenden Medikamente reduziert werden können.

Ob es dazu kommt, das ist höchstwahrscheinlich vor allem eine Frage der Persönlichkeit. Wer als höchstes Ziel im Leben die Anerkennung als chronischer Schmerzpatient gesetzt hat, wird diese Entwicklung nicht erleben können. Da wird die Aufrechterhaltung des Selbstwertgefühls von der "Belohnung" für die Schmerzen abhängig gemacht. Wer sich selbst jedoch über ganz andere Ziele definiert, bei deren Verwirklichung die Schmerzen ein Hindernis darstellen, hat gute Chancen, unter einer guten schmerztherapeutischen Betreuung, den Rückgang der Schmerzen wahrzunehmen.

Das ist allerdings auf jeden Fall der weitaus schwierigere Weg, da man damit rechnen muß, aus der Umgebung nicht die Unterstützung zu finden, die man dringend braucht. Selbst manche Ärzte gehen so weit, dass sie eine an sich nötige Schmerzbehandlung verweigern, WEIL ein Patient sich darum bemüht, die Schmerzen durch Ablenkung zu unterdrücken. Das habe ich leider selbst erlebt: "Wenn sie ... noch können, dann brauchen sie doch keine Behandlung." Doch durch solche Inkompetenz und Verächtlichmachung der Bemühungen von Patienten dürfen wir uns nicht zu einem Verhalten drängen lassen, das den Schmerz zum Herrscher über Anerkennung und Belohnung - d.h. über die Motive für unser Handeln - werden läßt.

Die Frage danach, wo wir mit unserem Selbstverständnis zu den Schmerzen und zur Schmerztherapie stehen, die sollte in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt werden und nicht eine Identifikation mit dem Image eines Medikaments heraufbeschworen werden, wie ich leider manche Meldung auffassen muß.

Wer Opioide braucht, weil nichts anderes hilft, um von anhaltenden Schmerzen wegzukommen, der sollte sie auch bekommen können. Natürlich sind aber auch Fälle denkbar, in denen "schwierige Patienten" vorschnell mit hochwirksamen Analgetika versorgt werden, obwohl durchaus auch unter den nicht-opioidhaltigen Medikamenten noch Optionen vorhanden wären. Denkbar ist auch, dass die Tatsache, dass die Verordnung von Fetanyl-Pflastern nicht auf des Praxis-Budget drückt (sie sind als Praxis-Besonderheit herauszurechnen) diese Art der Schmerzbehandlung bevorzugt gegenüber anderen Medikamenten, die nicht sehr viel weniger Kosten verursachen, aber das Praxisbudget belasten. Was mir persönlich bei den Opioiden erhebliche Probleme bereiten würde, das wäre die absolut notwendige regelmässige Einnahme bzw. die konstante Wirkstoffabgabe durch das Pflaster. Mir würde dadurch etwas entgehen, das mir sehr wichtig ist, nämlich bewußt zu erleben, wie sich Besserungen einstellen und dass ich, zu einem gewissen Teil zumindest, mein Schmerzerleben auch durch nichtmedikamentöse Maßnahmen beeinflussen kann. So etwas geht nur, wenn keine Medikamente im Spiel sind, bei denen sich durch unregelmäßige Einnahme eine psychische und physische Abhängigkeit entwickeln kann.

Langer Rede kurzer Sinn: Nachdenklichkeit über die Verordnung von Opioiden bei Fibromyalgie ist auf jeden Fall angebracht! Aber sie sollte in einer Art und Weise angeregt werden, die sachlich und nicht verletzend ist. Brigitte, Du hast es sicherlich nicht so gemeint, aber wenn ich an Gabrieles Stelle wäre, würde es mich sehr traurig und unsicher machen, keine andere Antwort zu bekommen.

Monika

von Monika Draga (Admin) - am 30.08.2001 12:54
Liebe Monika,

ich wollte Gabriele weder anklagen, noch angreifen. Es interessiert mich einfach, ob sie sich mit einer solchen Art Behandlung auseinander gesetzt hat, und wie ihr Arzt dazu steht.
Durogesic ist ein seht starkes und hochwirksames Mittel. Es wirkt als Patch permanent, es entstehen keine Entzugserscheinungen. Das alles ist von großem Vorteil bei der Behandlung, vor allem bei Palliativpatienten, auch wenn du diesen Begriff nicht gerne hörst, es ist nun mal zumindest in Belgien der größte Anwendungsbereich, für diese Schmerztherapie.
Nun noch mal im Klartext, ich bin selber seit Jahren von Fibro betroffen, und mein Ziel ist es, mich so fit und gesund wie möglich zu fühlen. Durch meinen paramedizinischen Hintergund hinterfrage ich jede Behandlung, bei mir selber und bei anderen. Dies ist KEIN Angriff auf die Persönlichkeit, sondern eine Aufforderung zu einer sachlichen Diskussion, die auch kritische Ansätze verträgt. In meiner beruflichen Tätigkeit steht die Vermeidung von Schmerzen an oberster Stelle, und niemals würde ich von jemanden verlangen, diese "tapfer" zu ertragen. Das praktiziere ich auch nicht, bin mir aber der Risiken und Folgen immer bewußt, wenn ich starke Schmerzmittel einnehme. Das halte ich persönlich für wichtig, und wenn ich dich richtig verstanden habe, prangerst du das an.


Brigitte

von Brigitte - am 31.08.2001 14:36
Hallo Brigitte,
hast du schon mal den Satz gehört: " Der Ton macht die Musik" ? Dein erster Beitrag kommt schon ziemlich seltsam rüber, ich konnte Ihn auch nicht als Hilfsangebot für Gabriele lesen. Mit unsere Krankheit brauchen wir eher eine gute freundliche Zusprache, aber das mit den Sterbenden einfach so dahin zu werfen, bzw. mein Gefühl ist eher, du Hast es Gabriele ziemlich an den Kopf geknallt. Vieleicht wird man so, wenn man ständig mit dem Sterben umgehen muß. Nur ist es nicht schön, wenn in diesem Ton in diesem Forum gesprochen wird. Das zumindest empfinde ich, denn Fibro und sterben sind zwei paar Schuhe. Mit dieser Krankheit ist man schon empfindlicher als andere Menschen und Du als auch Betroffene dieser Krankheit müßtest es wissen. Sorry Brigitte, wenn Du Dich von mir angegriffen fühlst, aber Du bist ja für die direkte Art, wenn ich Deine Beiträge richtig gelesen habe. Freundliche Grüße
Gitta

von Gitta - am 31.08.2001 19:50
Hallo an alle,
seit froh, wenn euch, das Pflaster hilft.Mir hat es leider nicht geholfen, ich hatte es bis 75 mg, dann langsam ausgeschlischen.Ich kenne mehrere, die das Pflaster nehen, man muss es unbedingt, wenn man es absetzten will, ausschleichen, ansonsten treten ganz heftige Entzugserscheinungen auf, das habe ich nun schon von mehren gehört. Sie äußern sich in Schwitzen und Frieren gleichzeitig und man fühlt sich hundsmiserabel. Ich selber habe mal (dummerweise) als ich von den 75mg schon weg war,und mir an meinem 40. Geburtstag ein paar Leute einladen wollte für 1,5 Tage 100mg aufgeklebt, in der Hoffnung, dass ich wenigstens einen erträglichen Tag habe, wie gesagt, ich habe es nach 1,5 Tagen abgerissen und nach 3 Tagen schob ich den Affen (wie oben beschrieben):Damals wußte ich nicht, dass es damit zusammenhängt, aber alle, die ich kenne und die Durogesic nehmen berichten von den gleichen Entzugssymptomen, wenn sie es abrupt absetzen, weil sie es mal ausprobieren wollen, wie es ohne ist.
Also, niemals abrupt absetzen, sondern langsam die Dosis runterfahren.Der Entzug war nämlich ein einiger Horror, obwohl er bei mir nach 3 Tagen vorbei war.
Ich ahnte aber nicht, dass bereits nach1,5 Tagen so etwas auftritt.

Gruß Petra

von Petra - am 01.09.2001 20:09
Hi
Ich habe mal einJahr lang Oxigesic Tabletten genommen. Das ist ein ziehmlich ähnliches Medikament (Opiat) Es ging mit ja ganz gut nur muße ich die Dosis steigern und damit war kein Arbeiten mehr möglich so das ich es absetzte (mit Arzt) Dur den Entzug binich troz ausschleichen durch und generell war es nicht einfach. Aber mal ohne starke Schmerzen zu sein war einfach herrlich (solange es wirkte). Da habe ich die Fib einfach vergessen. Ich denke eine gute Schmerzterapie bei einem vernünftigen und guten Schmerzterapeuten kann schon viel bringen. Übrigens haben Opiate einen großen Vorteil sie gehen nicht so sehr auf die Gesundheit (Leber,Niere...) wie andere Schmerzmittel. Sie sind aber KEIN ALLHEILMITTEL und sollten sehr verantwortungsvoll verwendet und auch verschrieben werden. Ich muß Monika recht geben Brigitte dein Ton war nicht besonders. Ich habe mich im ersten Augenblick auch sehr vor den Kopf geschlagen gefühlt.
Opiate sind keine Wunderpillen und bergen einige Risiken aber sie auf einen sehr speziellen Krankenkreis zu beschrenken ich weiß nicht.
Tschüß Heike

von heike - am 14.09.2001 08:49
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