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Fibromyalgie - medizinische Fragen
Beiträge im Thema:
11
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 1 Monat
Beteiligte Autoren:
Elfie, Monika D. (Admin), Josie1956, Petra.M, Gery

Allgemeine Frage zu Medikamenten

Startbeitrag von Elfie am 14.06.2003 16:08

Hallo Monika,

ich bins wieder mal....
Ich habe mal ne Frage, die die Medikamente betrifft.
Wie ist das mit den Nebenwirkungen und Langzeitfolgen bei den verschiedenen Medikamenten?

Z.B. Mydocalm: Du schreibst, dass es nach ein paar Stunden vollständig wieder augeschieden ist, also für den Langzeitgebrauch bestimmt. Und da ist auch wirklich nichts zu befürchten, wenn man es länger nimmt???

z.B. Voltaren bzw andere Diclos: Da steht als NW: Magenprobleme. Wie ist das, wenn man es länger nimmt. Hat es noch andere Folgen außer Magenproblemen? Setzt sich da irgendwas fest, was sich evtl später noch auswirkt, wenn man später mal wieder das nimmt oder evtl. etwas anderes, oder ist es auch irgendwann wieder raus. (Hilft bekanntlich nicht bei Fibro, aber ich habe manchmal so akute entzündliche Probleme, wo's doch wirkt)

z.B. Aspirin: Wenn man mal Pause macht, regenerieren sich da die Nieren wieder oder baut sich was auf?

z.B: Saroten o.ä.: Das wirkt ja errst nach ein paar Wochen richtig. Wie lange dauert es bis alles wieder raus ist?

Du siehst. Ich bin verunsichert. Ich brauche aber eine Möglichkeit um mit "gutem Gewissen" gegen die Schmerzen anzugehen.
Gibts irgendwo eine Tabelle oder Zusammenfassung über diese Nebenwirkungen/Folgeerscheinungen???

Danke

Elfie

Antworten:

Hallo Elfie,

ich hoffe, Du verwechselst dieses Forum nicht mit dem lieben Gott? Nur der kann alles wissen!

Also zu den Nebenwirkungen des Mydocalm kann ich nur sagen, dass es schon Studien gegeben hat, bei denen fast doppelt so viele Teilnehmer aus der Plazebo-Gruppe, die also überhaupt keinen Wirkstoff erhalten haben, über Nebenwirkungen klagten, als unter denjenigen, die tatsächlich das Medikament genommen haben. Über irgendwelche negativen Auswirkungen von langfristigem Gebrauch ist mir auch bei umfassender Suche nichts bekannt!

Nebenwirkungen der NSAR (Voltaren, Diclo) incl. Aspirin - na ja, man geht davon aus, dass einer von je ca. 1200 Patienten, die diese Mittel häufiger nehmen, an den Nebenwirkungen stirbt. Die Angaben für Deutschland schwanken zwischen 1100 und 3000 Todesfällen pro Jahr. Es sterben an den Nebenwirkungen dieser Medikamente also mehr Menschen als durch Verkehrsunfälle oder durch AIDS.

Wie lange das Amitriptylin (Saroten) braucht, um vollständig abgebaut zu werden? Also meist heißt es, dass zwei Wochen nach Beendigung der Einnahme (ausschleichen!) der Wirkstoff soweit abgebaut ist, dass keine Wechselwirkung mit anderen Medikamenten mehr zu erwarten ist. Wenn Du mit "alles wieder raus" allerdings meinst, wie lange es dauert, bis man von der unerwünschten Gewichtszunahme als sehr häufige Nebenwirkung des Amitriptylins wieder weg ist, so kann ich Dir darauf keine Antwort geben. Ich kämpfe damit nun schon seit über vier Jahren mit dem einzigen Ergebnis, dass mir immer noch sehr unfreundliche Gedanken kommen, wenn ich an das Verhaltes des Arztes denke, der mir DAS eingebrockt hat.

"... Die Gewichtszunahme unter Antidepressiva stellt ein für die klinische Praxis wichtiges Problem dar, das nicht nur häufig die langfristige Behandlungscompliance der Patienten gefährdet, sondern auch das Risiko für die Manifestation kardiovaskulärer Erkrankungen erhöhen kann. Als Ursachen werden Effekte der Antidepressiva auf verschiedene Neurotransmittersysteme, auf das Peptidhormon Leptin und auf das Immunsystem diskutiert. ....
So kommt es z.B. unter einer Behandlung mit trizyklischen Antidepressiva bereits in der ersten Behandlungswoche zu einem Anstieg der Plasmaspiegel von TNF-Rp75 als Prädiktor für einen nachfolgenden Gewichtsanstieg. Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß Gewichtsveränderungen unter Antidepressiva Folge einer komplexen Interaktion verschiedener Neurotransmittersysteme, endokriner Veränderungen (z.B. Leptin) und immunmodulatorischer Vorgänge (z.B. TNFa) darstellen. Für eine Dosisabhängigkeit der Gewichtszunahme unter Antidepressiva finden sich in der Literatur keine sicheren Hinweise...." (Quelle: Dr. Sonntag in zinapse) - Es scheint also keine Rolle zu spielen, wieviel man davon nimmt, sondern es reicht, dass ...

Monika

von Monika D. (Admin) - am 14.06.2003 20:32
Hallo Elfie, Hallo Monika !!

Aspirin hat eine Plasmahalbwertzeit von 2-3 Stunden. Aspirin (Acetylsalicilsäure) wird zur Prophylaxe z.b nach Herzinfarkt mit 100mg tägl. eingesetzt und in dieser geringen Dosis meistens relativ gut vertragen.
Normal nimmt man ja Aspirin nicht tägl. ein und z.b Aspirin plus C als Brausetablette wirkt kaum auf den Magen Darm Trakt da es sich hier um eine gepufferte Substanz handelt.
Je nach Bedarf und KH Bild sollte man die Medikamente nicht allzusehr verdammen, sondern vielmehr in Relation das NUTZEN - RISIKO abwägen.
Was hilft es z.b wenn man seine Bluthochdruck Medikamente nicht einnimmt, weil man Bedenken hat wegen der Nebenwirkungen im Beipackzettel und dann als Folge einen Schlaganfall erleidet - ergibt keinen Sinn
Das Risiko bei NSAR ist da natürlich bedeutend größer - kein Zweifel, aber da ist eben auch abzuwägen Risiko und Nutzen, und im Normalfall handelt es sich hier auch nicht um eine Dauermedikation, auserdem sind da ja mittlerweile auch deutlich bessere Medis auf dem Markt, die in der Verträglichkeit in der Skala weiter oben liegen.
Amitriptilin nur zu verdammen halte ich für gefählich, natürlich gibt es auch hier Ausweichpräparate (die ich leider nicht nehmen kann), allerdings habe ich das Glück hervorragend mit Ami zurechtzukommen und ich gebe es für nichts in der Welt mehr her (habe mich auch sehr lange dagegen gewehrt ;-) es einzunehmen), allerdings kann es Probleme geben in Kombination mit anderen Medis und dies sollte ärztl. total abgesichert sein vor Einnahme.
Ich habe nach Einnahme von Ami innerhalb von ca. 2 Jahren 15 Kg ABGENOMMEN, nicht als Nebenwirkung ;-)) sondern weil es mir ermöglicht hat mich wieder mehr sportl. zu bewegen und aktiver zu sein ohne permanent am Krückstock zu gehn, ich bin belastbarer da ich endlich wieder relativ erholsam schlafen kann, und hab dadurch ein enormes Stück Lebensqualität gewonnen.
Liebe Elfie, nimm die Medis die du brauchst und zwar regelmäßig (wegen Schmerzgedächnis s. andere Beiträge von Monika)
Was denkst du wieviel chem. Substanzen du alleine durch die Nahrung zu dir nimmst und wie lange die als Halbwertzeit in deinem Körper verbringen, ganz ehrlich wenn du darüber nachdenkst düftest nichts mehr essen ;-))
So nun werd ich mir noch ein Eis gönnen zu später Stunde und es aus vollem Herzen geniessen.
Alles Liebe
Petra
PS. HUHU Monika sei nicht so hart mit deiner Kritik ;-))
Hab im Moment eine sehr empfindsame Seele ;-)), ob das wohl am Wetter liegt, ich denke schon.

von Petra.M - am 14.06.2003 21:35
Hallo Elfie,

ich möchte dem eigentlich nur noch was hinzufügen.
Voltaren bzw andere Medis mit dem Wirkstoff Diclo sollten, wenn überhaupt, nur in Kombination mit einem guten Magenschutzpräparat genommen werden.
Leider hatte mein Arzt das wohl "übersehen", sodaß ich das Zeug 6 Jahre ohne entsprechenden Schutz geschluckt habe. Erst als ich ziemlich Probleme bekam, wurde ein Magenschutzmedikament dazu verschrieben (da hat es aber auch nicht mehr viel genützt).
Also wenn überhaupt, dann nur in Kombination.
Wobei ich heute allerdings auch der Überzeugung bin, daß die ganzen Jahre mit Voltaren völlig überflüssig waren, weil es auf die Fibro-Schmerzen KEINEN Einfluß hatte.

Liebe Grüße
Josie

von Josie1956 - am 15.06.2003 04:01
Liebe Monika:

keine Angst, mit dem lieben Gott werde ich Dich nicht verwechseln. Den kenne ich sehr gut. (Grins)

Und auch Ihr lieben anderen:

Ich habe nur gehofft, dass Ihr mir Erfahrungen oder wissenschaftliche Erkenntnisse mitteilen könnt, was Ihr ja auch ganz schnell getan habt. Ich danke Euch dafür.
Ich möchte eigentlich nur irgendwie das ständige schlechte Gewissen loswerden, das ich bei jeder Tabletteneinnahme doch noch habe. So bin ich wahrscheinlich auch erzogen worden. "Jede Tablette ist Gift und macht Magen, Nieren, Leber und sonst alles mögliche kaputt." Blöderweise habe ich nun auch erhöhte Leberwerte, die ich mir nur durch die - damals unkontrollierte - Tabelettenschluckerei erklären kann. Deswegen bin ich jetzt vorsichtiger geworden. Ich habe auch das dumpfe Gefühl, dass die Ärzte auf die Bedenken nicht so eingehen, weil man ja nie von Statistiken auf den Einzelfall übertragen kann. Daswegen habe ich Euch als Mitbetroffene gefragt, ich denke, da seid Ihr die richtigen Ansprechpartner.
Nochmals herzlichen Dank!!!!

Genießt die Sonne

Elfie

von Elfie - am 15.06.2003 12:21
hallo monika,
1100-3000 tote sind wirklich viel, aber den straßenverkehr unterschätzt du da ein wenig!
in der brd sterben ca 7000 menschen jedes jahr bei verkehrsunfällen, selbst in österreich sind es ca 700 und in der eu über 40.000!
lg
Gery

von Gery - am 16.06.2003 15:24
Hallo Gery,

so geht es halt, wenn man versucht, Infos aus mehreren Artikeln von verschiedenen Autoren zusammenzufassen und nicht jede Angabe selbst nachrecherchiert. Auf jeden Fall hatte ich diesen Vergleich mit anderen Todesursachen aus einem Artikel, in dem eine entsprechende Äußerung von Dr. Bolten zitiert wurde. Siehe [www.verbrauchernews.de]

Da ist von Autounfällen die Rede, d.h. Fußgänger, Rad- und Motorradfahrer sind da vielleicht nicht eingerechnet.

Die Zahl 3000 habe ich aus einer anderen Quelle. Sie taucht öfter mal in Publikationen des Schmerztherapeutischen Kolloquiums auf. Genau kann es ohnehin niemand wissen.

Vielen Dank fürs aufmerksame Lesen und viel Grüße

Monika

von Monika D. (Admin) - am 16.06.2003 19:23
Hallo Monika und alle anderen,

da ist mir noch eine Frage eingefallen:

Wie ist das mit der Regeneration der Organe?? Wie lange dauert es z.B. bis sich die Nieren, die Leber etc. wieder erholen von den Medikamenten?
Nachdem ich mal beim Arzt nachgefragt habe, habe ich die erhöhten Leberwerte jetzt schon seit 8 Jahren.
Kann das auch von etwas anderem kommen? Vielleicht von einer Erkrankung in dieser Zeit? Oder nur von den Tabletten? Kann man das irgendwie feststellen? Wie lange würde es dauern, wenn ich mal die Tabletten weglasse und man nachmisst, ob sich die Leber dann regeneriert???
Liebe Monika, ich weiss, dass Du jetzt antwortest. ich solle das doch lieber den Arzt selber fragen. Aber ich freue mich immer, wenn ich schon etwas Vorinformationen habe und nicht sofort beim Arzt ins Fettnäppfchen trete. ("Ach da kommt schon wieder die mit den verrückten laienhaften Vorstellungen").
Also keine Angst, ich erwarte von Dir keine ärztl.Ersatzdiagnose, sondern nur Erfahrungen, die mir etwas weiterhelfen werden.

Wie immer, herzlichen Dank im Voraus.

Elfie

von Elfie - am 21.06.2003 07:38
Hallo Elfie,

die Leber ist ein sehr regenerationsfähiges Organ - solange man sie nicht ständig in Alkohol badet ;). Sorry, es gibt natürlich noch andere Gründe für chronische Lebererkrankungen und ich will niemanden mit meiner saloppen Feststellung diskriminieren.

Ständig erhöhte Leberwerte, das sollte eigentlich nicht sein und wenn das durch Medikamente hervorgerufen wird, sollte man schleunigst nach etwas anderem suchen. So nach 4 oder 6 Wochen müßte sich dann schon etwas in Richtung Besserung zeigen, d.h. die Leberwerte müßten runter gehen.

Wie das bei den Nieren ist, also da kann ich nicht viel dazu sagen. Außer dass ich es tunlichst vermeide, Medikamente zu nehmen. die überwiegend über die Nieren abgebaut werden. Soweit ich weiß (wobei mein Wissen da noch sehr viel begrenzter ist, als bei anderen Themen), gibt es bei Nierenschäden keine solchen Frühwarnzeichen, wie bei der Leber, auch keine solche Regenerationsfähigkeit, so dass eine Schädigung dann schon eine sehr ernste Sache ist. Dummerweise sind gerade freiverkäufliche Schmerzmittel - und da wiederum vor allem Kombinationspräparate - die diejenigen, die an die Nieren gehen. Vielleicht kann dazu ja jemand anders noch mehr dazu schreiben.

Was Dich persönlich und Deine erhöhten Leberwerte betrifft, so würde ich darauf drängen, dass abgeklärt wird, woher diese Werte kommen. Es gibt nämlich auch eine chronische Lebererkrankung, die ähnliche Symptome hervorbringen kann, wie die Fibromyalgie. Aber diese Lebererkrankung MUSS gezielt behandelt werden.

Melde Dich doch einfach mal direkt bei mir.

Viele Grüße
Monika

von Monika D. (Admin) - am 21.06.2003 15:16
Hallo Elfie und Monika,

es stimmt (leider), dass sich Schäden an den Nieren meist erst bemerkbar machen, wenn sie halt schon deutlich vorhanden sind.
Der Wirkstoff in frei verkäuflichen Schmerzmitteln, der da so gefährlich ist, ist das Phenacetin. Das ist absolut nierenschädlich bei längerer und regelmäßiger Einnahme.Da gibt es sogar die sogenannte "Phenacetin-Niere".

So weit mir aber bekannt, ist dieser Stoff in Medis, die wir wegen Fibroschmerzen etc verordnet bekommen nirgends enthalten.

Mehr weiss ich jetzt dazu leider auch nicht, aber wir haben sicher noch jemand im Forum, der da vielleicht umfassender informiert ist.

Liebe Grüße
Josie

von Josie1956 - am 22.06.2003 06:43
Hallo an Alle !

Analgetikanephropathie ( Phenacetin-Niere)
Entsteht als Folge langandauernder (mehr als 10 Jahre) Einnahme HOHER Dosen (insgesamt braucht es da ca. 1-2Kg Phenacetin bzw. Paracetaml kumulativ) von Schmerzmitteln kann sich diese chron. Nephropathie entwickeln.
Sie zeigt ein typ. sonograph. Bild von zwiebelschalenartigen Verkalkungen entlang der Papillarlinie bei mäßig geschrumpften Nieren.
Neben Phenacetin (das meines Wissens nach seit 86 in Deutschland verboten ist) können warscheinlich auch Paracetamol und die chron. Einnahme nichtsteroider Antirheumatika die Analgetikanephropathie auslösen.
Betonung liegt auf langjährigem Abusus (abhängigkeit, missbtauch) also das bekommt man nicht wenn man normal dosiert seine Medikamente einnimmt, sondern da liegt dann schon eine unvorstellbare Menge an Medikamenten vor.
Früher ganz aktuell (besonders die Freiverkäuflichen Analgetika), z.b. Thomapirin o.ä aber dann haben die betroffenen Patienten davon z.b. auch 30 Tbl. täglich zu sich genommen und das über 10 Jahre.
Hoffe konnte euch etwas weiterhelfen.
Gruss
Petra

von Petra.M - am 22.06.2003 10:17
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