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Zwischenwelt
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Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Tintenaffe, soulkitchen, Manu MonoNicker

filmtipp

Startbeitrag von Tintenaffe am 21.02.2006 12:24

Hartz aber herzlich

"Kommst du mit in den Alltag?" fragte Jochen Distelmeyer in einem älteren Blumfeld-Song und gab damit die Richtung vor, die auch Andreas Dresens neuer Film "Sommer vorm Balkon" wieder einmal einschlägt: Hinein ins Leben der sogenannten kleinen Leute, zu ihren Geschichten und Problemen, gerne auch etwas unschön Schicksale genannt. Das diesen Geschichten eine besondere Poesie innewohnt, zeigt Dresens eindrucksvolle Filmographie, die stets zwischen Inszeniertem und Improvisiertem pendelt und einige der schönsten, wahrsten Momentaufnahmen im jüngeren deutschen Kino festhielt. "Sommer vorm Balkon" schreibt einerseits diese Tradition des Suchens und Beobachtens fort, setzt dem allerdings ein Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase entgegen, dessen lakonische Dialoge bis aufs Satzzeichen durchkomponiert scheinen.

Zwei Freundinnen, Katrin und Nike, sitzen auf dem Balkon eines alten Mietshauses im sommerlichen Berlin und philosophieren über das Leben, die Liebe und die Männer, die beides so schwierig machen. Der Sohn von Katrin schwärmt für seine hübsche Mitschülerin, die allerdings nur Augen für den cooleren Klassenkameraden zu haben scheint. Und Nikes Kunden, die Senioren ihrer ambulanten Altenpflegetour, sehnen jene Zeiten herbei, als alles irgendwie besser war und selbst der Krieg noch zur romantisch verklärten Anekdote taugt.

Drei Generation werden so beleuchtet, nicht exemplarisch, sondern ganz individuell, auch nicht mit einem abstrakten Authentizitätsbegriff belastet, sondern stets als überhöhte Realität eines Kinofilms erkennbar. Der Werbeslogan "So ist das Leben. Aber wirklich!" ist dabei keineswegs als Ankündigung einer sozialanalytischen Dokumentation zu verstehen, natürlich bis zu einem gewissen Grad als pointierter Kommentar zur Hartz-IV-Gesellschaft, vor allem jedoch als herzliche, wunderbare Komödie mit Bodenhaftung.

Inka Friedrich und Nadja Uhl spielen die beiden Freundinnen mit Hingabe, Charme und Schnauze, und wenn die klügsten Dialoge des Jahres nicht bereits alles gesagt hätten, wäre es der richtige Moment, noch einmal Jochen Distelmeyer das Wort zu überlassen: "Manchmal wenn ich meinen Kopf / ganz zärtlich neben Deinen lege / und wir uns ganz tief, ganz tief / in die Augen sehen / dann weiß ich, worum es hier geht / und dann weiß ich / wo ich hingehöre / und ich denke: / Nieder mit den Umständen!" Und rauf, auf den Balkon, in einem Sommer in Berlin.

Carsten Happe


hier geht`s zum trailer: http://www.sommervormbalkon.de

Antworten:

hat sich eine freundin von mir angeschaut und es war vorangemeldet als lustige leichte sommerkomödie

und es war ein depremierender oarger film mit vergewaltigung und schrecken und alles was zum depri dezugehört

von Manu MonoNicker - am 21.02.2006 13:06
dann hat sich deine freundin offensichtlich einen anderen film angeschaut ... macht nix, soll vorkommen :-)

von Tintenaffe - am 21.02.2006 14:43
nein sicher nicht
es war halt falsch beschrieben

an und für sich spricht ja nichts gegen schwerere filme, aber sie dann als luftige sommerkomödie zu bezeichnen?

von Manu MonoNicker - am 22.02.2006 10:13
seit wann dürfen in (sommer)komödien leute nicht auch mal schlecht drauf sein? im übrigen wurde keine vergewaltigung gezeigt, sondern eine situation in der es leicht zu einer solchen hätte kommen können.

von Tintenaffe - am 22.02.2006 11:12

ich würde sogar sagen

eine sommerkomödie, wo niemand auch nur einmal schlecht drauf ist, das wäre ja unerträglich- da kann man sich ja nur noch eis am stiel oder dumm und dümmer ansehen- :wirr:
vorallem ein sommer- film, der im februar läuft, sollte schon auch etwas melancholisch sein... der falter- beschreibung nach ist er das auch: "ein heiterer film über die einsamkeit"- klingt gut :-)

von soulkitchen - am 22.02.2006 12:36

und

der soundtrack http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B000E1JNTO/qid%3D1140612972/302-2426059-5072838 ist auch klasse :darling: marianne rosenberg, vicky leandros, cindy & bert, nana mouskouri ... tja, wer da nicht melancholisch wird :wirr: ist doch selber schuld ;-)

von Tintenaffe - am 22.02.2006 13:01

uah

meine lieblinge :D fehlt nur noch abba- :-(

von soulkitchen - am 22.02.2006 13:09

Re: uah

ist ja alles nur "ironisch" gemeint ;-) und pascal comelade ist wirklich klasse

von Tintenaffe - am 22.02.2006 13:20

war mir schon klar

marianne rosenberg in einer melancholischen sommerkomödie KANN eigentlich nur ironisch gemeint sein :rofl:
wer ist pascal comelade nochmal schnell?

von soulkitchen - am 22.02.2006 13:28

Re: war mir schon klar

pascal comelade ... erinnert bissl an dekonstruktion von "identität" ;-)
http://www.diplomatie.gouv.fr/label_France/50/de/16.html

von Tintenaffe - am 22.02.2006 13:37
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