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yoghurtinator, soulkitchen, Hr. Österreicher

Nationalratswahl

Startbeitrag von yoghurtinator am 15.10.2017 01:17

Die letzten Meinungsumfragen:

meinungsraum.at:
https://i0.gmx.at/image/512/32574512,pd=1.jpg
FP 28.5
VP 26.5
SP 20
Neos 7
Pilz 6
Grüne 4.5

Research affairs, die für "Österreich" erheben (das Kurz pusht und Kern basht)
VP 33
FP 27
SP 23
Neos 6
Grüne 5
Pilz 5

OGM (erhebt für den Kurier)
VP 33
SP 27
FP 25
Neos 5
Grüne 4
Pilz 4

Market (Standard)
VP 33
FP 25
SP 23
Pilz 6
Neos 5
Grüne 5

Spectra (Oberösterreichische Nachrichten)
VP 33
FP 27
SP 22
Grüne 6
Pilz 5
Neos 4

Unique Research (Heute)
VP 34
SP 27
FP 25
GRÜNE 4
NEOS 4
PILZ 4

Christian Matzka (News)
VP 32
SP 26
FP 25
NEOS 5
PILZ 5
GRÜNE 4

Die Auswirkungen unseres Wahlrituals sind bei all diesen Umfragen latürnich noch nicht berücksichtigt :wirr:

Antworten:

noch ein paar rituelle ooooohms und würgelaute hinterherschick...

von soulkitchen - am 15.10.2017 11:34
:kotz::bfeif::bapst::boese:basti:kotz::bfeif::bapst::boese:bumsti:kotz::bfeif::bapst::boese:
:klo:bastiwähler:klo:bumstiwähler:klo:bastiwähler:klo:bumstiwähler:klo:

*lastminuteemoritualrulez*

von yoghurtinator - am 15.10.2017 12:46
Der Basti ist voodootechnisch eine echte Herausforderung.
Das schreit nach neuen Wegen. Langzeitvoodoo :boese:
Für die SPÖ liefs letztlich besser als erwartet, für die Grünen hingegen wirds noch arschknapp.

von yoghurtinator - am 15.10.2017 20:56

:kotz:Re: Nationalratswahl

die roten haben auf kosten der grünen ihre stimmen gehalten :kotz:
was aber natürlich nix genützt hat, weil der basti trotzdem mehr stimmen hat. :kotz: und die freiheitlichen auch noch zulegen konnten :kotz:
mit dem totalen abkacken der grünen- bzw. ihrem rausflug aus dem nationalrat- ist der rechtsruck nur noch manifestiert, die größte der "kleinen" parteien sind nun die neoliberalen neos :kotz:

wenigstens ist die liste pilz reingekommen- die kontrollfunktion wird er sicher gerne wahrnehmen, aber für eine linke sozialpolitik oder so steht er natürlich auch nicht, da ja ausser "kontrollfunktion im parlament" so gut wie nix in seinem wahlprogramm steht.

aus den wählerstromanalysen entnehme ich, daß es wenigstens NICHT die stimmen waren, die an die liste pilz gingen, die den grünen das genick gebrochen haben (angeblich waren nur ca1/3 der wähler der liste pilz vorher grünwähler, also so 1,5%), sondern- und das find ich besonders bitter- die grünen haben einen großen teil der wähler an rot verloren- diese TAKTISCHEN stimmen an rot sollten den rechtsruck eigentlich verhindern und nutzen jetzt leider nur dazu, daß als zweite option neben schwarztürkis- blau jetzt auch wieder eine rot- blaue koalition im gespräch ist. :hammer::wut::arsch:

von soulkitchen - am 15.10.2017 23:04

Re: :kotz:Re: Nationalratswahl

Wählerstormanalyse laut Kurier:
Grün verlor
160.000 an die SPÖ
84.000 an die ÖVP (!)
24.000 an die FPÖ (!!!)
und nur 67.000 an Pilz.

Pilz bekam
30.000 von der SPÖ
30.000 von den Nichtwählern
30.000 von Wählern "sonstiger Parteien"
30.000 von den Neos
10.000 von der ÖVP
10.000 von der FPÖ
und eben knapp 70.000 von den Grünen.

Wobei eine Chance gibts ja noch, dass die Grünen es über die Wahlkarten doch noch schaffen.
Linke Sozialpolitik sehe ich bei Pilz schon. Der wesentlichste Unterschied zu den Grünen liegt in der kritischeren Haltung zu Migration/Asyl.
Das Plakat "Sei ein Mann - wähle eine Frau" fand ich schon selten dämlich. Und dass man bei den Grünen eine ganze Menge guter Leute, die bei den Wählern beliebt waren, für No-name-newbies geopfert hat, da zeichnete sich schon ab, dass das Federn kosten würd. Dass es so schlimm kam, war allerdings überraschend.

von yoghurtinator - am 15.10.2017 23:53

Re: :kotz:Re: Nationalratswahl

beim orf war die wählerstromanalyse im bezug auf liste pilz ähnlich, im bezug auf die stimmen, die rot von grün gewonnen hat warn die zahlen allerdings höher gestern abend, ich glaub so um die 200.000?! aber auch an den kurz haben die grünen viele stimmen verloren :eek:

wie auch immer- grün hat heftige fehler gemacht, ja, das ist sowieso unbestritten. daß sie nach 30 jahren aus dem nationalrat rausfliegen seh ich trotzdem als dramatisch, weil die optionen in richtung links einfach noch geringer werden.

die taktik, rot zu wählen, um einen rechtsruck zu verhindern, ist meiner meinung nach mit dem rausfall der grünen ein schuss ins knie (abgesehn davon, daß grüne stimmen jetzt zu 2/3 den rechten zukommen). denn: was für optionen bleiben denn für rot, wenn grün weg ist? rot- schwarz ist nach den ganzen vorfällen sehr unwahrscheinlich, mit kern an erster stelle hätte es der basti einfach so machen können wie der schüssel damals- sich verweigern und dann mit blau zammgehn. oder die andere option ist eben rot- blau, was im bezug auf "wir verhindern den rechtsruck" dann sowieso eine farce ist- abgesehn davon, daß das wohl auch spö- intern praktisch eine spaltung der partei nach sich zieht, oder zumindest einen groben umbau in richtung der kräfte, die in den reihen der roten schon lang mit blau liebäugeln.

von der liste pilz hab ich nix in richtung sozialprogramm mitbekommen, was ja aber auch im bezug auf ihre rolle als kontrollorgan ned so wichtig ist, find ich. grad wenn jetzt blau sowieso in die regierung kommt (egal, ob mit türkis oder rot) kann man froh sein, daß die liste pilz im parlament ist. aber sie haben sich von anfang an genau als das inszeniert (auf jedenfall in opposition bleiben, mehr oder weniger eine one-man-show, bei sachfragen entscheidet jeder für sich, da legt man sich vorher nicht auf ein programm fest, usw.)

wie gesagt, ich glaub nicht, daß die stimmen, die an pilz gingen den ausschlag gegeben haben. rein von dem, wie viel stimmenpotenzial da war, wären sich locker liste pilz UND grüne im parlament ausgegangen, und das ist auch genau das, was es meiner meinung nach gebraucht hätte- als "gegengewicht" zu dem dreikampf der drei großen parteien um platz 1 und deren ringen um die stimmen der "rechtslastigen" wähler.

von soulkitchen - am 16.10.2017 07:21

Re: :kotz:Re: Nationalratswahl

Die Grünen könnens ja mit Wahlkarten immer noch schaffen, auch wenns schwer wird, an der Urne hatten sie nur 3.3%. Bei der letzten Wahl hatte der Strohsack 6% und das BZÖ bei 3.5, diese rechtskonservativ-nationalen Stimmen haben sich im Wesentlichen auf ÖVP und BZÖ aufgeteilt, die SPÖ ist annähernd gleich geblieben. Abgesehen vom grünen Debakel hat sich also nicht viel verändert.

Am skurrilsten sind für mich nicht die Stimmen, die von grün zur SP gewandert sind sondern die von grün zu ÖVP und FPÖ.

Eine Mehrheit links von ÖVP/FPÖ wär sich aber sowieso nicht ausgegangen, auch mit den Grünen nicht. SPÖ, Pilz, Grüne kämen zusammen auf maximal 35%, ohne Grüne sinds 31%, das ist schon ernüchternd. Österreich ist halt stockkonservativ.

Und die Grünen haben zu sehr in ihrer Bubble gelebt. Ich mein Julian Schmid auf Platz 4:
https://twitter.com/_julianschmid?lang=de
Zitat: "Hey! Ich bin Grüner Abgeordneter im Nationalrat, vertrete die Jungen & will mit euch die Welt retten :) WhatsApp ⏩ 0664 88327408"
:rolleyes:
Der bedient perfekt das Blondinenklischee, nur mit umgekehrten Vorzeichen halt.

Die Nationalratsabgeordneten am Bundeskongress "demokratisch" wählen zu lassen ist ja grundsätzlich eine schöne Idee, aber in Wirklichkeit wurde das eine reine "den mag ich den wähl ich, den mag ich nicht, der kriegt keine Stimme von mir"-geschichte, die mit Kompetenz nix zu tun hat und vor allem mit dem, wofür die Grünen gewählt wurden, nichts.
Das kommt halt beim Wähler alles recht realitätsfern an.
Dann die Geschichte mit den Jungen Grünen, welche Partei schmeißt ihre eigene Parteijugend raus? Auch, wenn die sich seltsam verhält, aber rausschmeißen?

Auf der anderen Seite ist es natürlich dämlich vom Wähler stattdessen eine Partei zu wählen, die jetzt im Sozialbereich massiv einsparen wird. Auch für so manchen Bastiwähler wird da noch ein böses Erwachen kommen.

Dabei wär das Potenzial dagewesen, dass Grüne + Pilz zusammen sogar mehr Stimmen holen hätten können als die Grünen letztes Mal allein.
Die (Gratis)Zeitungen haben auch ihr Scherflein zu dem Ergebnis beigetragen. Österreich hat Kern dermaßen gebasht ("Prinzessin"), das hat der SP einerseits geschadet, weil dadurch Stimmen zur VP und FP gewandert sind, andererseits gingen Stimmen von den Grünen zu ihr. Der Fellner wollt mit dieser Wahl beweisen, dass er genauso eine Macht ist wie die Krone. Nachdem die fpö-lastig ist, hat er sich den Basti auf die Fahnen geschrieben.

von yoghurtinator - am 16.10.2017 09:32
750.000 Wahlkartenstimmen, les ich grad.
Na dann, das könnt sich noch ausgehen für die Grünen.

von yoghurtinator - am 16.10.2017 09:45

Koffer packen

Leider ist das einer künftigen Kurz-Regierung relativ tofu.
Die Grünen werden nicht retten, was der/die WählerIn verschissen hat bzw. bereit ist in Zukunft verscheissen zu lassen. Ob Drin oder Draussen...

von Hr. Österreicher - am 16.10.2017 14:44

Re: Koffer packen

Ja, aber ohne die Grünen wandern deren Mandate hauptsächlich an schwarzblau.
Es geht auch um Verfassungsmehrheiten, für Verfassungsgesetze brauchts eine Zweidrittelmehrheit. Die hat schwarzblau zwar nicht, aber ohne Grüne hat sies zB zuammen mit den Neos, wenn denen zB ein Verfassungsgesetz zum Neoliberalismus einfällt.

von yoghurtinator - am 16.10.2017 20:45

Tja

Das wars dann wohl:
https://wahl17.bmi.gv.at/index.html

Von den ca. 850.000 gültigen Wahlkarten fehlen noch 100.000, aber es sieht nicht mehr danach aus, dass sich das ausgeht:

SPÖ 1.348.667 26,9 % 1.250.485 26,9 % +98.182 -0,0 % 52 52 +0
ÖVP 1.581.533 31,5 % 1.117.053 24,0 % +464.480 +7,5 % 62 47 +15
FPÖ 1.308.928 26,1 % 957.281 20,6 % +351.647 +5,5 % 51 40 +11
GRÜNE 188.168 3,7 % 572.582 12,3 % -384.414 -8,6 % 0 24 -24
NEOS 263.230 5,2 % 229.078 4,9 % +34.152 +0,3 % 10 9 +1
PILZ 219.300 4,4 % n.t. n.t. 8 n.t.
GILT 47.668 0,9 % n.t. n.t. 0 n.t.
FLÖ 8.788 0,2 % n.t. n.t. 0 n.t.
KPÖ 38.888 0,8 % 47.566 1,0 % -8.678 -0,2 % 0 +0

Da bräuchten sie ca. 15-16% bei den letzten 100.000.
Sehr unwahrscheinlich.
Gute Nacht, Österreich.

von yoghurtinator - am 16.10.2017 21:11

die (ehemaligen) grünwähler sind einfach zartbesaitete mimöschen:darling:

"die grünen waren in letzter zeit so zerstritten- mimimi"
-> dafür wählen wir dann die roten, weil die sind ja schon seit jahren zerstritten (v.a. in der frage ob sie mit blau wollen, oder ned)
"und auf platz 4 ist ein noname bloninenklischee- mimimi"
-> dafür wählen dann ein nicht unwesentlicher teil die neue türkise bewegung, die das platzieren von no-name bloninenklischee-quereinsteigern als beweis ihrer bewegtheit vermarktet hat
"und überhaupt die jungen grünen- mimimi"
-> wenn das tatsächlich irgendwie relevant gewesen wäre, hätten doch die wählerzahlen der kpö plus explodieren müssen
"und dann noch peter pilz"
-> das versteh ich, aber wo sind die 8- 10% für peter pilz, wenn DAS der ausschlaggebende grund war?
"und überhaupt sind die grünen so abgehoben und der kleine mann von der straße versteht gar nicht, wofür die überhaupt stehn"
-> nochmal zum auskosten: ein teil dieser stimmen wandert zur övp, eine partei, die sich inhaltlich so reduziert hat, daß der kleine mann von der straße genau weiß, wofür die stehen. :braue::
"die grünen, das ist doch nur mehr LIFESTYLE und zu wenig inhalt"
-> yo: zu viel inhalt: versteht der kleine mann von der straße nicht, zu wenig inhalt: nur noch lifestyle. :nuts: vermutlich haben in den ehemaligen grünen bobo-lifestyle- hochburgen sogar die NEOS noch von den stimmverlusten der grünen profitiert. lifestyle ändert sich halt, hauptsach man bleibt hip, inhalt scheiß egal. :hammer:

mein konklusio: die grünen dürfen keine fehler machen und keine skandale produzieren. da sind grün-wähler dann nachtragend. und wählen folgerichtig dann zum großteil die parteien, die die skandale und fehler schon seit jahrzehnten produzieren. aber von den anderen erwartet man halt nix anderes, von den grünen sind wir maßlos enttäuscht. :bapst:

von soulkitchen - am 18.10.2017 07:39

und dann zu den wahlTAKTISCHEN überlegungen

man muss jetzt rot stärken, um schwarz- blau zu verhindern.
wie das funktionieren soll, hab ich von anfang an nicht verstanden.
angenommen rot wäre auf platz 1 gelandet, dann hätts ja nur das schon bekannte "schüssel- manöver" gebraucht, um rot auszuhebeln.
es ist natürlich auf symbolischer ebene schon "schöner", daß die roten jetzt wenigstens mehr stimmen als die blauen haben- nur verhindern können sie damit natürlich auch nix.
der zweite platz bringt rot jetzt nur in das dilemma, daß rot- blau auch wieder eine "denkbare alternative" wäre- nur halt auch eine zerreissprobe für die spö. zumal die gemeinden, die für einen linksgerichtete spö- kurs stehen jetzt gestärkt wurden (durch die stimmen von den ex-grün-wählern) und die gemeinden, die eher mit rot-blau liebäugeln verluste in richtung fpö eingefahren haben.
eine vertrackte situation, die durch die "weitere option rot-blau" nicht entschärft sondern noch eher zugespitzt wird. zumal halt auch blau jetzt den "joker rot-blau" mit in die verhandlungen mit der liste kurz nehmen kann und dadurch in einer besseren verhandlungsposition ist.

mit dem wegfall der grünen haben die kräfte rechts der mitte jetzt mit türkis-blau- neos sogar die verfassungsmehrheit. das wird auch für die spö bitter, sollten sie in opposition gehen.

von soulkitchen - am 18.10.2017 09:14

Re: die (ehemaligen) grünwähler sind einfach zartbesaitete mimöschen:darling:

Die beiden Hauptmotive bei der Wahl waren die Asyl/Migranten-"frage" und die Neiddebatte ("i siech des ned ei, dass i mit meine steiagöda iagdenwöche orwetsscheichn leid dahoidn soi" )
Drum sind die Wähler generell nach rechts gerückt. Das sah man ja an den Umfragen, bei denen die FPÖ seit Beginn der "Asylkrise" 2015 auf 35% davonzog. Die SPÖ hatte das Glück im Unglück, ihre Verluste auf Kosten der Grünen wettmachen zu können.

>>die grünen dürfen keine fehler machen und keine skandale produzieren. da sind grün-wähler dann nachtragend. und wählen folgerichtig dann zum großteil die parteien, die die skandale und fehler schon seit jahrzehnten produzieren. aber von den anderen erwartet man halt nix anderes, von den grünen sind wir maßlos enttäuscht. >dafür wählen dann ein nicht unwesentlicher teil die neue türkise bewegung, die das platzieren von no-name bloninenklischee-quereinsteigern als beweis ihrer bewegtheit vermarktet hat>"und überhaupt die jungen grünen- mimimi"

von yoghurtinator - am 18.10.2017 09:36

Re: und dann zu den wahlTAKTISCHEN überlegungen

Das ist das Schöne am Häupl, der ist in der Hinsicht geradlinig und so ziemlich der einzige, der undiplomatisch heraus sagt, dass er rotblau nicht will.

Es wird sich aber ohnedies nicht die Frage stellen, weil sich der Basti mit dem Bumsti sehr schnell einig werden wird. Programmatisch passens besser zusammen als rot und blau und nachdem der Basti die Koalition aufgekündigt hatte, würd er sein Gesicht verlieren, wenn er sich jetzt wieder mit den Roten ins Bett legerte.
Der Strache wird zwar etwas die Prinzessin machen, um mehr rauszuholen. Aber man wird sich einigen.

Und ein Gutes hat die SP auf Platz 2 schon. Wären die Blauen 2., wär für Strache blaurot attraktiver, weil er dann den Kanzler fordern könnte.

Die Bastifreundin und die Bumstifrau jedenfalls sind a scho BFF und schauen überhaupt wie eineiige Zwillinge aus. Der Rauscher im Standard hat zu Pressefotos mit den beiden gemeint, "Probegalopp für die netten Fondueabende zu viert" :rolleyes:

von yoghurtinator - am 18.10.2017 09:45

Armin Thurnherr zur Wahl

Re: die (ehemaligen) grünwähler sind einfach zartbesaitete mimöschen:darling:

Zitat

Die angeblichen Gründe, warum Leute rechts wählen, werden immer abstruser. Jetzt wählen sie schon so, weil ihnen die Parkplatzsituation bei Rapid-Spielen nicht passt. Und da wundern sich die Wähler tatsächlich, wenn man sie als Vollidioten bezeichnet?
Was kommt als nächstes?
In meinem Bezirk stehen lauter Bäume, obwohl ich eine Pollenallergie habe - Strache, rette uns!
Ich will vor meiner Wohnungstür parken, aber meistens steht da schon ein Auto, wenn ich komme - Basti, Hilfe!
In der Klasse meiner Tochter gibt es ein schwarzhaariges Kind und deren Eltern färben ihm einfach nicht die Haare, obwohl ich blond viel schöner finde - HC, HC, HC!
Ich hab einen Pickel am Arsch seitdem ich auf der Mariahilferstraße war - Vassilakou ist schuld!


:rofl:

ich wollte mit meinem beispiel "gründe, warum leute nicht mehr grün wählen" ein bissl unter umgekehrten vorzeichen die motive der grünwähler analysieren. denn auch die sind meiner meinung nach teilweise mit etwas unrealistischen bzw. widersprüchlichen erwartungen an die grünen herangetreten, deshalb die zuspitzungen vorhin...

aber es gibt für mich einige fragen, an denen man gut erkannt hat, daß die grünen in der zwickmühle stecken, aus der sie ob der kritischen haltung ihrer wähler auch nicht rauskommen können.

beispiele:
die grünen punkten nur in urbanen ballungszentren, sie sollten sich mehr um die themen der landbevölkerung kümmern. wenn sie das aber tun und strategisch einige (urbane, linke) themen mehr im hintergrund lassen, dann kommt der aufschrei: unzulässige anbiederung an die konservativen! (hab ich zugegebenermaßen auch schon oft an den grünen kritisiert und werd mich auch weiterhin ned zurückhalten, das zu tun)

oder:
die grünen sind zu abgehoben und sollten sich mehr um die realen probleme der menschen kümmern. wenn sie aber als "kleiner koalitionspartner" in landesregierungen gehen, um auch tatsächlich dinge umsetzen zu können, werden ihnen unangenehme koalitionsbeschlüsse eher angekreidet- verrat der grünen grundwerte!

die grünen sollen uns vor dem klimawandel, den autolawinen, dem feinstaub, den tierversuchen und der mietpreiserhöhung bewahren, wenn sie dann aber konkrete maßnahmen (mit)beschließen heist es: reglementierungswahn! ich lass mich doch nicht in meiner freiheit beschränken!

die grünen sollen gegen rassismus, sexismus, extremismus usw. auftreten, wenn sie sich dazu äussern ist es genderwahn, politisch über-korrekt, moralisierend, humorlos.

spaß-kampagnen (stichwort "weniger belämmert als die anderen") sagen inhaltlich nix aus, sind zu platt, dämlich und was weiß ich, kampagnen mit mehr inhalt sind dann wieder zu kompliziert, als daß der kleine mann sie versteht... usw.

die grünen sollen einen platz bieten für unterschiedlichste anliegen und persönlichkeiten, aber wenns dann zu auseinandersetzungen kommt sind sie zu zerstritten und uneinheitlich und man weiß gar nicht, wofür sie stehen.

sie sollen basisdemokratisch sein, aber wenn die basisdemokratie dann mal nicht so funktioniert, wie man es sich gewünscht hätte, dann ist es ein chaoshaufen. wenn das chaos durch irgendeine entscheidung "von oben" beendet werden soll, dann wars wieder zu autoritär.

die glawischnigg ist scheiße, aber wenn sie zurücktritt, dann ist es auch scheiße, unter der glawischnigg wars ein problem, daß sie alle wichtigen funktionen in personalunion innehatte, aber die aufteilung auf die "dreierspitze" geht auch echt gar nicht.

usw. usf.
grün-wähler haben eben auch einen großen hang zur widersprüchlichkeit, genau wie die grünen selbst, aber den grünen darf mans ankreiden, bei sich selbst ist das eben der eigene lifestyle. :wirr:

von soulkitchen - am 18.10.2017 12:41

so viel gscheiter sind grünwähler nämlich aa ned- ein praktisches beispiel

Zitat

Die angeblichen Gründe, warum Leute rechts wählen, werden immer abstruser. Jetzt wählen sie schon so, weil ihnen die Parkplatzsituation bei Rapid-Spielen nicht passt.


also bei den grünen ist es eher so, daß man sie NICHT MEHR wählt, weil einem die parkplatzsituation nicht passt. die grünen haben also das heilsversprechen der allumfassenden zufriedenheit mit der parkraumsituation nicht erfüllt.

sie sollen was gegen die vielen autos machen, aber nur gegen die autos der anderen. parkpickerl: ja, aber nur, damit ich selbst besser einen parkplatz find. radweg: ja, gern, aber nur, wenn der nicht da entlang geht, wo ich gerne parke. :wirr: und die verkehrsberuhigte zone mag ich dort haben, wo mein lieblings- schanigarten ist, aber nicht dort, wo ich dann einen umweg fahrn muss, um mit dem pkw zur arbeit zu kommen.

soweit ist das schon nicht die einfachste situation und es sind nie alle zufrieden zu stellen. dazu kommt jetzt noch die dynamik der taktischen überlegungen und der großen enttäuschungen:

wenn die verkehrsberuhigte zone meinen schanigarten- wünschen entspricht, dann wähl ich diesmal trotzdem aus taktischen gründen rot, weil, warum auch nicht... aber wenn ich den umweg fahren muss oder der radweg meinen parkplatz verbaut, dann wähl ich GARANTIERT nicht mehr grün, denn das geht zu weit!

etwas, aber nicht sehr überspitzt formuliert ist das genau die stimmung, die ich unter ex- grünwählern wahrgenommen habe.

von soulkitchen - am 18.10.2017 14:36

Re: Armin Thurnherr zur Wahl

yo, und auch gut in der printausgabe des falters, der artikel mit der überschrift: "willkommen in basti-bumsti-land" :rofl:

von soulkitchen - am 18.10.2017 16:25

Re: und dann zu den wahlTAKTISCHEN überlegungen

Zitat

Und ein Gutes hat die SP auf Platz 2 schon. Wären die Blauen 2., wär für Strache blaurot attraktiver, weil er dann den Kanzler fordern könnte.


also in den reihen der roten gibt es sicherlich einige rückgradlose opportunisten, die fast alles tun würden, um in der regierung zu bleiben, aber soweit, daß sie den strache zum kanzler machen, würden sie denk ich nicht gehen. :eek: also nichtmal unter den roten, die prinzipiell für rot-blau sind, wär blau-rot eine alternative.

Zitat

Die Bastifreundin und die Bumstifrau jedenfalls sind a scho BFF und schauen überhaupt wie eineiige Zwillinge aus. Der Rauscher im Standard hat zu Pressefotos mit den beiden gemeint, "Probegalopp für die netten Fondueabende zu viert"


das ist voll und ganz an mir vorbeigegangen, ich wusste nichtmal, daß basati eine freundin bzw. bumsti eine frau hat oder wie die ausschauen. vor meinem geistigen auge entsteht allerdings ein bild, das ich lieber wieder loswerden würd. :kotz:
bastifreundinbumstifraubestfriendsforever oder auch bfbfbff :bfeif:

von soulkitchen - am 18.10.2017 18:19

Re: die (ehemaligen) grünwähler sind einfach zartbesaitete mimöschen:darling:

>>die grünen sollen einen platz bieten für unterschiedlichste anliegen und persönlichkeiten, aber wenns dann zu auseinandersetzungen kommt sind sie zu zerstritten und uneinheitlich und man weiß gar nicht, wofür sie stehen.>sie sollen basisdemokratisch sein, aber wenn die basisdemokratie dann mal nicht so funktioniert, wie man es sich gewünscht hätte, dann ist es ein chaoshaufen. wenn das chaos durch irgendeine entscheidung "von oben" beendet werden soll, dann wars wieder zu autoritär.>die glawischnigg ist scheiße, aber wenn sie zurücktritt, dann ist es auch scheiße, unter der glawischnigg wars ein problem, daß sie alle wichtigen funktionen in personalunion innehatte, aber die aufteilung auf die "dreierspitze" geht auch echt gar nicht.

von yoghurtinator - am 18.10.2017 19:05

Anbiedern an die Bobowähler

Da könnt man aber auch wieder einwenden, selbst schuld, wenn sich die Grünen so bei den Bobos anbiedern. Natürlich gilt das nicht für alle Grüne, gibt auch einen ganzen Haufen guter seriöser Leute drunter, die Knochenarbeit leisten für jene in der Bevölkerung, die mitm Rotz rafen. Und grad um die ists auch sehr schade, dass die jetzt nimmer im Parlament sitzen.

Nur kriegt man leider von Letzteren weniger mit als vom zwitscherfreudigen Bussibär Schmid oder vom Fräulein Maurer, die ebenfalls auf Twitter sehr präsent ist. Beide kommen leider sowas von Bobo hoch 100 rüber. Wenn Fräulein Maurer nach der Wahl Bilder vom Dach des grünen Parlamentsklubs zwitschert, wo man sich angesichts der deftigen Niederlage gepflegt antschechert und meint, das wär jetzt schon Selbstironie. Nicht, dass mich sowas als Wähler tangiert (die Sachen, die mich ärgern, hab ich im andern Posting geschrieben), aber wenn man sich mit einem Wählersegment ins parlamentarische Bett legt, das auf der Bobowelle schwimmt, dann darf man sich auch nicht wundern, wenn die beim nächsten Mal aus nichtigem Anlass zur nächsten Partei/Bewegung hopsen.

Und der Herr Schmid als Lehrling. Ich spiel jetzt mal ein paar Wochen Lehrling und dann weiß ich ganz genau, wie die sich fühlen und was die für Sorgen haben :nuts::rolleyes: - das ist wie selbst im ausgebauten Dachgeschoß im 8. wohnen und dort über die Probleme von Gemeindebaumietern nachdenken. Arbeiter erreicht man damit kaum. Die wählen inzwischen schon zu 60% FPÖ.

von yoghurtinator - am 18.10.2017 19:23

Re: Armin Thurnherr zur Wahl

Mich erstaunt ja, was der "Neofeschist" für Wellen geschlagen hat. Profil, Standard & Co springen gleich zur Verteidigung für den Bundesbasti in die Presche. Scheißen sich die schon alle an, dass die ÖVP lustige Ideen für die Presseförderung haben könnt?

von yoghurtinator - am 18.10.2017 19:46

Frau Kurz in spe und Frau Strache

http://cdn1.vol.at/2017/10/philippa-strache-kurz-freundin-650x435.jpg

Sooooo liab oder? :rofl:


Der Basti ist ja mit seinem Herzblatt schon so lang zam, wie er in der ÖVP ist. Mit 16 hat er die Weichen für sein Leben gestellt. Suserl anbaggern und SchÖKAZ werden - schönster Kanzler aller Zeiten :love:

von yoghurtinator - am 18.10.2017 19:55

links- alternative vs. bürgerliche flügel der grünen und warum sie im gemeindebau versagen

also "an die bobos anbiedern" ist eine nette umschreibung, aber nüchtern betrachtet gab es (ausser ganz am anfang, wo es ja noch zwei grüne listen gab) immer schon beide "flügel" in der partei (und unter den wählern):

einerseits die links- alternativen, die eher aus dem sozialistisch- marxistisch geprägten umfeld kommen: alt-68er, intellektuelle, künstler+ kreative, aussteiger usw... die themen-schwerpunkte sind hier mehr sozialpolitisch (wenn man das wort "klassenkampf" nicht umbedingt bemühen will), solidarität, soziale gerechtigkeit/umverteilung, aber auch neue (experimentelle) lebensformen usw... diese gruppe ist sozusagen mehr oder weniger aus dem sozialdemokratischen umfeld entsprungen oder fühlt sich dem verbunden, hat aber meist durch den individuellen bildungsweg in kombination mit persönlichen erfahrungen/stärken etc. das feld der "klassischen arbeiter"- rolle verlassen, fühlt sich aber verbunden mit den "klassischen" zielen der linken, ideologisch aber auch, weil sie selbst oft mit prekären arbeitssituationen konfrontiert sind, allerdings halt mit mehr freiheiten und spielraum, als der "klassische arbeiter". in dieser gruppe finden sich viele, deren persönlichkeitsstruktur eher auf individualismus und einzelkämpfertum geeicht ist, auch wenn solidarität auf der werte- ebene hoch im kurs steht, würd ich mal meinen, ist es gleichzeitig auch bei vielen eine persönliche schwäche nicht umbedingt "teamfähig" zu sein (etwas, was ihnen innerhalb einer "partei-struktur", wo man letztendlich doch eine breitere, gemeinsame linie braucht, auch auf den kopf fallen kann)- ich denke ich darf das ruhig auch so kritisch formulieren, da das genau das umfeld ist, in dem ich mich am besten auskenne ;-) das potenzial dieser links-alternativen einzelkämpfer ist auch klar: viele ideen und kreative potenziale, auch den willen in gewisser weise mauern einzureissen und für neues zu kämpfen- revolutionäre anteile, usw.

dann gibt es das bürgerliche lager, das eben auch von anfang an teil dieser grün-bewegung war... ökologie im sinne einer "bewahrenden" grundhaltung, aber auch sämtliche werte-debatten (das, was oft so "abgehoben" daherkommt) sind sehr typisch für diese bürgerlichen grünen- wobei die sich eben wieder aufteilen in die "urbanen-bürgerlichen" (eben die "bobos") und die "bürgerliche landbevölkerung"- zweitere sind ja eher die, die sich ned so leicht für die anliegen der grünen begeistern lassen- deshalb mal bei den bobos zu bleiben- also die, die aus dem urbanen- bürgerlichen umfeld kommen, aber doch eben auch ein bissl mehr aus dem "korsett" dieser bürgerlichen werte ausbrechen wollen, bzw. dieses mehr öffnen wollen, sich ein bissl den freieren lebensstil der bohemiens aneignen wollen, aber nicht, ohne die bourgeoisen grundwerte irgendwie zu bewahren. die gruppe verfügt über viele ressourcen, also sowohl ökonomisch als auch sozial- guter bildungshintergrund, schon vorhandene netzwerke, dadurch auch das wissen und die möglichkeiten darum, wie man einfluss ausübt. aufgrund der bürgerlichen sozialisierung sind darunter mehr leute, die von klein auf gelernt haben, brav und angepasst zu funktionieren, aber eben auch, ihre interessen wirksam durchzusetzen (etwas, was für die arbeit innerhalb einer partei auch nicht unwesentlich ist). solidarität ist nicht umbedingt ein grundwert dieser gruppe, aber nachdem man sozusagen nicht befürchten muss, den eigenen status/die ökonomischen ressourcen so schnell zu verlieren, ist dennoch eine hohe bereitschaft da, z.b. bei der flüchtlingsfrage sich "offen" zu geben. klar ist auch, daß diese gruppe zu den "echten problemen des kleinen mannes von der straße" nicht wirklich zugang hat, und daß sie im endeffekt auch oft sehr opportunistisch reagieren (wenn die eigenen anliegen sich wo anders besser durchsetzen lassen, dann machen sie halt dort weiter).

daß das zusammenwirken dieser bürgerlichen grünen und der links- alternativen grünen- sofern sie zusammenarbeiten- durchaus auch befruchtend sein kann, erkennt man z.b. auch in so einer grünen hochburg wie dem 7. bezirk, wo ja schon lang nicht NUR die bürgerlichen wohnen/arbeiten, sondern eben auch viele künstler, selbstständige, studenten, start-ups usw. sich angesiedelt haben. die bürgerlichen "brauchen" die alternativen, um aus ihrem korsett auszubrechen und für die kreativen inputs, die kreativen brauchen die bürgerlichen, weil das diejenigen sind, die ökonomisch in der lage und bereit sind, ihre kunst/ideen/startups finanziell erhalten (die direkteste form der "umverteilung", die es gibt) und sozusagen netzwerktechnisch "in die breite" der gesellschaft zu bringen.

warum funktioniert das mit den grünen jetzt nicht im gemeindebau? ich denke nicht, daß man da so einfach sagen kann: die grünen sind zu bobo/ zu bürgerlich und DESHALB kommen sie im gemeindebau nicht an. schließlich schaffen es auch die links- alternativen nicht, ihre (sozialpolitischen) ziele in das milieu zu vermitteln, aus dem sie eigentlich stammen (bzw. mit denen sie teilweise die erfahrung der prekären ökonomischen situation teilen). und das liegt meines erachtens an diesem irrtum, an dem auch die sozialdemokratie in gewisser weise scheitert, nämlich an der vorstellung: man müsse "den arbeiter" lediglich durch bessere bildungschancen und bessere arbeits- und lebensbedingungen "befreien"- also ökonomisch besser absichern, höhere löhne, besseres sozialsystem, gemeindebauten- und schon werden sie quasi "automatisch" dann selbst zu den sozialistischen grundwerten stehen, um sich später solidarisch für diejenigen einzusetzen, die dann wiederum "am unteren ende" der ökonomischen verteilung stehen (also z.b. die flüchtlingsfrage). das ist aber leider ein irrtum, denn es zeigt sich, daß die leute, deren lebensbedingungen durch die sozialdemokratie massiv verbessert wurden, zu den blauen überlaufen, weil sie angst haben, daß die "anderen" (die ausländer, flüchtlinge, etc.) ihnen dann ihren bescheidenen wohlstand wieder abspenstig machen könnten. abgesehn davon zeigt sich natürlich auch, daß es in österreich einfach noch immer nicht hinhaut, daß jeder die gleichen bildungs- möglichkeiten hat, noch immer wird der bildungsweg durch die eltern mehr oder weniger vorbestimmt.

und, weil das mit der bildung und der sozialen umverteilung halt dinge sind, die man eigentlich nur dann umsetzen kann, wenn man tatsächlich in einer regierung ist, haben die grünen da auch lang keine chancen gehabt, realpolitisch was zu bewegen und die menschen "mit taten" zu überzeugen. deshalb haben sie sich in weiten teilen dann halt in diesen punkten "nur" ideologisch positionieren können und nebenher viele themen, die ich eher unter "wertedebatten" zusammenfassen würd (und die von jeher eher aus dem bürgerlichen eck der grünen besetzt waren) anzugehen.

ein gutes beispiel dafür ist hier z.b. die "ehe für alle": einerseits ist es ein absolut bürgerliches konstrukt, also die ehe an sich, und mir als linke socke wärs eigentlich viel lieber, man würd das ganze gleich ganz abschaffen. andererseits muss man schon sehen, daß es "realpolitisch" bei einer so konservativen bevölkerung eher unmöglich sein wird, die abschaffung der ehe durchzusetzen. deshalb find ich es schon einen schritt, die ehe zumindest aus dem engen korsett zu befreien und für diejenigen zu öffnen, die bisher nicht heiraten konnten. und da ist es natürlich schon auch eine hilfe, wenn zumindest einige bürgerliche (die bobos) sich hierzu offen zeigen und dafür netzwerken, weil damit die "bürgerliche schranke" sozusagen durchbrochen wird und von innen ideologisch aufgeweicht, was insgesamt dann all jenen nützt, die für mehr individuellen spielraum sind (innerhalb oder ausserhalb des bürgerlichen spektrums). natürlich löst das das problem "die auslända nehmen uns die gemeindebauwohnungen weg" kein stück und ist von dem her auch abgehoben und an den realen problemen "der menschen" vorbei. aber wie die lunacek so schön gesagt hat: es kostet nix und macht viele glücklich.

so wie mit den autofahrern: mein vorschlag, den individualverkehr abzuschaffen ist wahrscheinlich etwas unrealistisch oder die zeit ist noch nicht reif dafür, wie auch immer ;-) - der vorwurf beim thema individualverkehr "total abgehoben" zu sein, den würd ich mir sogar gefallen lassen in dieser frage. aber ich bin da nicht umbedingt auf dem standpunkt "ganz oder gar nicht"- wenn man es mit "sanfteren" methoden schafft, den individualverkehr zumindest einzuschränken, dann find ich das schon einen guten kompromiss :-)

von soulkitchen - am 19.10.2017 16:16

zwei Wähler

Hatte gestern zwei interessante Gespräche dazu:

Der erste war ein Grünwähler - unglaublich, ein Mann, der grün gewählt hat :haare:
Ich hoff, die Grünen sind nicht beleidigt, von einer so sozial minderwertigen Schicht Stimmen zu bekommen ;-)
Er ist aber weder Bobo noch linksalternativ sondern kommt aus einer gemäßigt konservativen Familie. Mit 18 Jusstudium, nach dem Ende Hut draufghaut und mit Schauspielerei angfangen. Ihn würd ich, wie auch mich selber, am ehesten unter "linksliberal" einordnen. (bzw mich selbst irgendwo zwischen linbksliberal und alternativ). Liberal im gesellschaftlichen, nicht im wirtschaftsliberalen Sinn. Wenn sie die Ursprünge der Linksalternativen im Arbeitermilieu verortet und die der Bobos in einem urbanen gutbürgerlichen Umfeld, in dem man soziale Probleme mehr von der Theorie her kennt als dass man ihnen selber ausgesetzt wär, dann würd ich das Attribut linksliberal irgendwo im Spannungsfeld zwischen konservativ und links sehen, wo undogmatische Pragmatik das Wahlverhalten mehr prägt als ideologische Dogmatik. Für ihn sprachen zB eher unspektakuläre Mimimi-gründe gegen SPÖ oder Pilz, drum hat er sich für die Grünen entschieden.

Und dann hab ich mit einer Jungwählerin geredet, die wollte eigentlich ursprünglich grün wählen. Der Papi, Journalist und einst beim Revolutionsbräuhof, hat sie überzeugt, dass Kern die bessere Wahl wäre.

Die Grünen traten ja bei ihrer Entstehung damals mit verschiedenen Listen an, hauptsächlich der ALÖ (alternative Liste Österreichs), die die von ihr angesprochenen Linksalternativen repräsentierte (interessanterweise hatten die noch gar kein Grün im Namen) und dem bürgerlichen VGÖ (Vereinte Grüne). Auf Landesebene, wo die Grünen ja teilweise auch mit den Schwarzen koalieren, haben sie tatsächlich bis heute eine bürgerlichere Ausrichtung. Die Zusammenlegung war hauptsächlich dem Umstand geschuldet, das jede Liste für sich 83 an der 4%-hürde gescheitert war. Man brauchte und benutzte sich sozusagen gegenseitig in einer ähnlichen Weise wie die Grünen in der jüngeren Vergangenheit im urbanen Bereich auch erfolgreich die Bobos für Zugewinne nutzen konnten. Wobei durchaus denkbar wäre, dass grad die Bobos bei der Wahl noch zu den treueren Grünwählern gezählt haben. Zahlenmäßig schätz ich die Gruppe nämlich nicht sehr groß ein. Die Nichtbobobürgerlichen Grünwähler aber hat das Bobogehabe zB vom Schmid sicher massiv abgeschreckt. "Hey lass uns zusammen die Welt retten :-]" - damit gewinnt man bei bürgerlichen Wählern keinen Blumentopf.

Das Hauptproblem der Sozialdemokraten in Europa ist aus meiner Sicht, dass sie heute sozusagen die "Konservativen" geworden sind, in dem Sinn, dass sie heute die bis in die 80er und vielleicht noch frühen 90er bewerkstelligten Verbesserungen für Arbeitnehmer und die sprichwörtlichen kleinen Leut zu bewahren suchen, während die Neoliberalen die "Innovation" suchen, indem sie all das am liebsten wieder abschaffen würden. Wir haben also eine Rollenumkehr, die die Sozialdemokraten alt aussehen lässt. Drum ist für die Jungen oder auch im Gemeindebau rot nicht sonderlich attraktiv. Wenn echte Verbesserungen nicht mehr drin sind, ists nur noch ein kleiner Schritt zur Neiddebatte, die neben dem Ausländerthema das zweite bestimmende Thema unserer Zeit ist. Mittelständische Arbeitnehmer oder -geber kriegen Plaques bei der Vorstellung, für Alleinerziehende Steuern abdrücken zu müssen (sind eh selber schuld...). Und am Land herrscht generell die Vorstellung, dass man wie blöd hackeln würde, während die Wiener alle von Mindestsicherung leben und deshalb SPÖ wählen.

Eine Alter-Egopartei würd jedenfalls für Stimmung in der Bude sorgen, allein schon ihre zwei Forderungen, Individualverkehr abschaffen und die Heteroehe verbieten, puh, da würd im Standardforum die Post abgehen :rofl:

von yoghurtinator - am 20.10.2017 06:23

Christoph Landerer über die Grünen

https://mobil.derstandard.at/2000066398793/Gruene-Wiederauferstehung-haengt-an-Peter-Pilz

Der beschreibt das gut, was ich mich phrasendrescherei meine:

Zitat

Der grüne Glücksfall Van der Bellen konnte inhaltliche Defizite und Konflikte noch mit ironischer Ambivalenz überspielen. Mit seinem Abgang hätten die Grünen eine tiefgreifende Programmdiskussion starten und die Partei öffnen müssen. Stattdessen kamen die Marketingberater und Coachingexperten, und die stetig wachsende Partei verwandelte sich fast unbemerkt aus einem Zusammenschluss von Querköpfen und Individualisten in eine Funktionärspartei wie alle anderen, mit den damit verbundenen Finanz- und Machtinteressen und einem Politikertypus, den man ebenso von allen anderen kannte: bestens geschult darin, die jeweils akkordierte Sicht der Dinge nach außen zu vertreten, aber ohne Expertise im kritischen Hinterfragen der eigenen Positionen.

Mit der Zeit verschwand schließlich auch die ursprüngliche Lust an einem kritischen Fragen, das sich abseits vorgezeichneter ideologischer Bahnen bewegt. Das grüne Projekt wurde immer mehr zu einer Wagenburg, die keine Querdenker mehr anzog, die Partei immer autoritärer, nach innen wie nach außen. Nur so ist es auch zu erklären, dass die Grünen wesentliche Entwicklungen im Bereich Migration/Asyl entweder verschlafen oder bis heute nicht verstanden haben. Die Stehsätze und die stereotypen Antworten, die grüne Spitzenpolitiker seit zwei Jahren auf die Flüchtlingskrise geben, haben die intellektuelle Öde und Flachheit der Partei schonungslos aufgedeckt. Wenn die Lernkurve des Wählers steiler ist als jene der Funktionäre, gibt es nichts mehr zu gewinnen.


Die Konklusio, Pilz wär für alles verantwortlich, seh ich allerdings nicht, allein schon, wenn man die Wählerstromanalyse hernimmt. Ich finde, im Gegenteil, es wäre eine Chance, wenn sich hier zwei Parteien etablieren könnten, die mit unterschiedlichen Profilen unterschiedliche Wähler ansprechen könnten.

von yoghurtinator - am 20.10.2017 16:23

Maurer - Schmid

Nachdem ich mir jetzt beide im Interview angehört hab, möcht ich etwas revidieren, dass ich die beiden gleichgesetzt hab.
https://www.youtube.com/watch?v=NkymatPgqtQ
https://www.youtube.com/watch?v=6LHGvjBfqJw

Während sich Julian Schmid als eben die Hohlbirne präsentiert, die man erwarten musste, möcht ich Frau Maurer zumindest nicht auf die gleiche Stufe stellen.

von yoghurtinator - am 20.10.2017 18:26
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