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vor 16 Jahren, 5 Monaten
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Kurz-Biographie, dr.yoghurt, ZEIT, ~^~, n-tv

Marion Gräfin Dönhoff ist tot

Startbeitrag von n-tv am 11.03.2002 11:00

"Zeit"-Urgestein
Marion Gräfin Dönhoff ist tot


Marion Gräfin Dönhoff, die große Dame des politischen Journalismus in Deutschland, ist tot. Wie die "Die Zeit" mitteilte, starb die Journalistin in der Nacht zum Montag im Alter von 92 Jahren im Kreis ihrer Familie.

Gräfin Dönhoff war 1946 in die Redaktion der Hamburger Wochenzeitung eingetreten, 1955 wurde sie Ressortleiterin für Politik sowie stellvertretende Chefredakteurin. Am 1. Juli 1968 übernahm sie die Chefredaktion der "Zeit". Im Dezember 1972 wechselte sie in die Position der Herausgeberin, die sie bis zuletzt ausfüllte. Auch im hohen Alter verbrachte sie noch Stunden an ihrem Schreibtisch im Verlagsgebäude.

Über ihre journalistische Arbeit und mehr als zwanzig Bücher avancierte Dönhoff zu einer der meistgelesenen politischen Kommentatoren in Deutschland sowie zu einer herausragenden intellektuellen und moralischen Instanz der Bundesrepublik.

Gräfin Dönhoff, die mit vielen Preisen für ihre Arbeit ausgezeichnet wurde, stammte aus einem alten Adelsgeschlecht in Ostpreußen. Mit Beginn der Naziherrschaft kehrte sie Deutschland zunächst den Rücken und studierte Volkswirtschaft in Basel. Gemeinsam mit Freunden bereitete Gräfin Dönhoff das Attentat auf Adolf Hitler vor, das am 20. Juli 1944 scheiterte.

http://www.n-tv.de/2995771.html

Antworten:

oh gott die zeit :drink:

von ~^~ - am 11.03.2002 16:06
I N M E M O R I A M



Zum Tode von Marion Gräfin Dönhoff

Von Helmut Schmidt


Als junge Frau hatte Marion Dönhoff teil an dem patriotischen Entschluss zu Hochverrat und Tyrannenmord. Mit dem Fehlschlag, mit der Entwürdigung und der Hinrichtung der meisten ihrer Freunde ist ihr erstes Leben zu Ende gegangen. Als eine der letzten Überlebenden des Widerstandes gegen den Verderber Hitler ist sie bis zuletzt für viele Menschen, draußen in der Welt und ebenso bei uns zu Hause, ein Symbol des aufgeklärten, anständigen Deutschlands gewesen. Jedoch die große Verehrung, die ihr als einer unanfechtbaren moralischen Instanz entgegengebracht worden ist, hatte einen zweiten Grund in ihrer stupenden journalistischen Leistung im Laufe ihres zweiten Lebens, nämlich des halben Jahrhunderts bei der ZEIT in Hamburg.

Mein erster Brief an Marion Dönhoff stammt aus dem Jahre 1957. Sie hatte in der ZEIT den Sozialdemokraten Herbert Wehner gegen üble Verunglimpfungen verteidigt; ich hatte ihren Artikel gelesen und dankte ihr: für "Klarblick, Herz und Zivilcourage". Jene kleine Episode ist typisch: Weil sie die Verletzung der Würde eines Mitmenschen erkannte, trat sie für ihn ein - obschon das damals bei vielen auf Widerspruch stoßen musste.

Ein wichtigeres Beispiel für ihren Klarblick und ihre Zivilcourage war Marion Dönhoffs Eintreten für die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als endgültige Ostgrenze Deutschlands. Wer ihre sechs Essays über die Menschen und die Geschichte Ostpreußens gelesen hat, zusammengefasst unter dem Titel Namen, die keiner mehr nennt, wer dieses bewegende Buch und die Liebe der Autorin zu ihrer ostpreußischen Heimat wie ebenso zum wohlverstandenen Preußentum auf sich wirken lässt, der kann die moralische Leistung Marion Dönhoffs ermessen, die im Willen zur Anerkennung der neuen Grenze begründet war. Heute ist es leicht einzuräumen, die bisherige Geschichte habe ihr Recht gegeben. Damals jedoch war die Mehrheit der Deutschen dagegen.

Ihre innere Unabhängigkeit hat ihr kluge Einsichten ermöglicht, die sie mit Tapferkeit vertreten hat. Unter dem Primat des Grundwertes der Würde und der Freiheit der einzelnen Person hat sie ihre Leser in jeder Streitfrage auf die anderen Grundwerte der Brüderlichkeit und der Gerechtigkeit orientiert - ob sie über Europa schrieb oder über die Lage der Schwarzen zur Zeit der Apartheid, über die Lage der Dissidenten in der Sowjetunion, über deutsche Innenpolitik - zum Beispiel über die Notwendigkeit der Versöhnung unter den Deutschen - oder über die andere Notwendigkeit, den "Kapitalismus zu zivilisieren".

Marion Dönhoff hielt konservativ an ihren Werten fest, zugleich war sie liberal und tolerant. Aber sie hat immer gewusst: "Ob jemand Muslim, Christ oder Hindu ist - vielleicht auch Atheist - wichtig ist: da gibt es etwas Höheres. Der Mensch ist nicht die letzte Instanz." Marion Dönhoff hat festgehalten an ihrer Einsicht, dass wir uns moralisch nicht auf uns selbst verlassen dürfen, sondern dass Würde und Freiheit des Menschen der Bindung nach oben bedürfen.

Sie hat immer wieder ein gutes Beispiel gegeben, in ihrem privaten wie im öffentlichen Leben. Sie hat - ganz anspruchslos - Führung ausgeübt wie selten ein politischer Journalist und Autor in Deutschland. Und dies, um den Amerikaner Fritz Stern zu zitieren, "... zugleich mit preußischer Strenge und zugleich mit menschlicher Wärme." Richard von Weizsäcker hat über sie gesagt: "Ihre moralischen Grundsätze sind ebenso menschlich wie eindeutig. Ihr politisches Urteil hat den langen Atem der Geschichte. Die Bescheidenheit stammt aus dem alten Preußen, die Bildung aus Europa, der Common Sense aus der Erfahrung in der Welt." Beide Freunde haben Recht.

Für die ZEIT war sie ein großes Vorbild. Die Deutschen haben eine wegweisende Mitbürgerin verloren.

http://www.zeit.de/2002/11/Politik/200204_h._schmidt.html

;-)

von ZEIT - am 11.03.2002 17:13

das attentat

rund um stauffenberg, da war sie involviert ?
wurde sie damals von den nazis geschnappt? wohl nicht, sonst hätt sies kaum überlebt...

von dr.yoghurt - am 11.03.2002 21:35

Re: das attentat

1940-45
Marion Gräfin Dönhoff führt das Doppelleben einer regimetreuen Gräfin und Widerstandskämpferin. Sie beteiligt sich am Widerstand unter Helmuth James Graf von Moltke, Peter Graf Yorck von Wartenburg und Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Sie leitet Mitteilungen an ausländische Diplomaten in der Schweiz weiter, hält die Verbindung zwischen den Mitgliedern des Widerstandes und knüpft Kontakte zu weiteren Sympathisanten.


1944
20. Juli: Graf Stauffenbergs Attentat auf Hitler scheitert. Rund 200 Menschen werden hingerichtet, darunter fast alle Beteiligten des 20. Juli. Im Zuge zahlloser Verhaftungen gerät auch Marion Gräfin Dönhoff unter Verdacht. Die Gestapo läßt sie aber nach einem Verhör wieder frei.

von Kurz-Biographie - am 11.03.2002 22:42
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