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Informationen zum Thema:
Forum:
Forum Hochbegabung bei Kindern
Beiträge im Thema:
3
Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
betty, Andrea Mayer-Koch, Paua

Neu hier und Thema Schule

Startbeitrag von Paua am 25.09.2003 08:24

Hi

Ich bin neu hier, lese jedoch schon eine ganze Weile still mit. Wir hatten lange den Verdacht, daß unsere Söhne HB sind, das hat sich nun nach dem HAWIK III bestätigt.

Zum Thema Schule mache ich mir schon sehr lange Gedanken, ich gebe zu, daß die auch etwas "radikal" sind, denn ich bin der Meinung, daß Kinder (zumindest in den ersten 10 Jahren - so etwa) in der Familie am besten aufgehoben sind. Mir ist klar, daß das nicht für jeden möglich ist und auch für einige Kinder nicht die beste Lösung darstellt. Jedoch wird mir immer klarer, daß unsere Kinder eigentlich gar kein "Problem" haben, das kommt erst, wenn sie mit vielen anderen, vor allem gleichaltrigen Kindern zusammen sind und "gleich" sein müssen.
Daher nun meine Frage: hat sich jemand mit einen HB Kind schon mal mit Homeschooling, oder besser noch "unschooling" beschäftigt? Mir erscheint das, die beste Lösung zu sein. In vielen europäischen Ländern ist das auch anerkannt, ich kenne eine schwedische Familie, die es durchgesetzt hat und zwar mit Erfolg. Wäre das denn nicht auch eine Richtung, die man in Deutschland einschlagen könnte? Weg von der Schulpflicht, hin zur Bildungspflicht? Ich stelle das System da sehr in Frage! Meiner Meinung nach kämen sich die Kinder dann nicht mehr wie Aliens vor, sondern wären einfach so, wie sie sind, ganz normal (und das scheint sich ja jedes Kind nur zu wünschen).

Ich freue mich darauf zu hören, wie ihr darüber denkt.

Viele liebe Grüße von Paua

Antworten:

Hallo,

die Anregung mag sich auf den ersten Blick nach einer interessanten Lösung anhören. Meiner Meinung nach hat sie aber einige Haken. Zum ersten hat der Weg für mich etwas mit "Kapitulation" gegenüber dem bestehenden System zu tun. Ich habe von jemandem im Forum den Satz als Antwort erhalten, dass jedes Kind ein Recht auf angemessene Förderung hat und dass dies sowohl für die leistungsschwächeren, als auch für die leistungsstärkeren Kinder gilt. Meiner Meinung nach sollte das Ziel eher sein, dieses Recht für hb Kinder angemessen einzufordern. Und es ist meiner Auffassung nach nicht so, dass es solche Möglichkeiten theoretisch nicht gibt. Es scheitert eher an der Kooperation der Schulen und deren Lehrer und wird vom bestehenden Schulsystem torpediert.
Ich denke auch, Kontakte zu Anderen (im wahrsten Sinne des Wortes) sind für alle Kinder - egal ob hb oder nicht - entscheidend wichtig. Ein Mensch ist ein soziales Wesen, für das Kontakte wichtig sind. Natürlich ist die Familie für ein Kind wichtig und es sollte in ihr gut aufgehoben und angenommen sein. Doch glaube ich nicht (ohne jemandem zu nahe treten zu wollen), dass eine Familie einem Kind wirklich alles bieten kann. Bei uns in der Familie interessiert sich beispielsweise niemand für Fußball und bis auf ein bißchen Ball kicken wurde bei uns kein Fußball gespielt. Erst der Kontakt meines Sohnes mit einem anderen Jungen, der Fußball spielt, hat dieses Interesse wecken können. Nun spielt er im er im Verein und kauft sich Fußballzeitungen um die Bundesliga zu verfolgen und weiß eine Menge über die verschiedenen Vereine und merkt sich Ergebnisse, wer bei wem spielt usw. Neben der körperlichen Betätigung hat er ein Beschäftigungsfeld gefunden, in dem er auch seine geistigen Bedürfnisse ausleben kann. Ob er diese Anregung aus der Familie erhalten hätte, wage ich zu bezweifeln. Klar kann man sagen, er hätte aus der Familie eine andere Anregung bekommen. Aber ich glaube, dieses Hobby tut ihm auch deswegen gut, weil er sich selber etwas gesucht hat, was seine Selbständigkeit und Unabhängigkeit fördert und wo er viel mehr weiß als die anderen Familienmitglieder. Außerdem kann man seine Kinder nicht auf ewig vor dem "anders" sein bewaren. Irgendwann werden sie auf eigenen Beinen stehen und sich mit der "Umwelt" auseinander setzten müssen. Ein guter familiärer Rückhalt kann ihnen helfen zu lernen, sich damit auseinander setzen zu können und Frustration, Rückschläge und positive Erlebnisse zu ertragen und zu verarbeiten helfen. So werden Kinder stark fürs Leben bzw. lebenstüchtig.
Ein anderes Problem beim homeschooling ist die Fähigkeit der Familie ihre Kinder unterrichten zu können - nicht das ich diese Fähigkeit in Deinem Fall absprechen will. Aber es gibt sicher Fälle, wo ein solches Vorhaben von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist. Außerdem ist die Frage, was sollen Kinder lernen, zu beantworten. Ich habe einen Beitrag aus den USA gesehen, wo über katholische Fundamentalisten berichtet wurde, die ihre Kinder selber unterrichten. Man kann zum Glauben stehen wie man will (das muß jeder für sich entscheiden), ich denke nur, dass es auch ein gewisses Gefahrenpotential in sich birgt, wenn jede Familie selber entscheidet, was sie ihrem Kind beibringt und was nicht. Müssen Kinder über Evolution Bescheid wissen und wenn ja, in welcher Form, müssen Kinder etwas über Demokratie wissen oder vermittle ich ihnen, dass es "bessere" und "schlechtere" Menschen(rassen) gibt und diese herrschen sollten... Man könnte natürlich eine staatliche Kontrolle einführen - mit welchem Aufwand und welchen Richtlinien? Sollen dann Kinder in einem gewissen Zeitabschnitt, bestimmte Inhalte lernen, die von einer Kommision abgeprüft werden - dann sind wir wieder bei bestimmten Lehrplänen, die wir schon haben. Ob damit dann das Problem der hb Kinder, schneller und mehr zu lernen, gelöst ist, erscheint fraglich. Es steht ja auch jetzt jeder Familie frei, ihren Kinder außerhalb der Schule etwas beibringen zu können.

Dies sind lediglich ein paar meiner Gedanken zu diesem Thema.

Viele Grüße und alles Gute

Andrea Mayer-Koch

von Andrea Mayer-Koch - am 26.09.2003 08:08
ich bin der festen überzeugung, dass meine tochter die perfekte "einzelschülerin" wäre. hausunterricht durch privatlehrer , optimale zuwendung und eingehen auf ihre lernbedürfnisse - toll. ich denke, damit könnten wir das pensum der schule locker in der hälfte der zeit absolvieren. es würde ihr auch noch spass bringen!
das hat auch nichts mit hb zu tun , man könnte wahrscheinlich aus ALLEN kindern das optimum herausholen!

wenn ich an die schlechten erfahrungen mit lehrern und mitschülern der letzten jahre denke, komme ich immer wieder auf diesen gedanken.
trotzdem bin ich froh, dass wir nach vielen ärgernissen einen schulischen erfolg haben- und meine tochter gern zur schule geht . vom inhaltlichen mal ganz abgesehen, das ist für sie nicht ernst zu nehmen , es wird aber anstandslos erledigt.

ich bin bereit, eine vielleicht mittelmäßige schülerin zu haben, die einigermaßen GERN zur schule geht. das ist mir wesentlich wichtiger als eine 1er kandidatin , die isoliert zu höchsleistungen mutiert aber irgendwie wichtige, zwischenmenschliche erfahrungen versäumt.
man kann auch nicht jeden lehrer oder mitschüler mögen-aber das miteinander, die gemeinsamen aufgaben, die pausen , das ganze gewusel der schüler und das ZUGEHÖRIGKEITSGEFÜHL : das würde sie unheimlich vermissen!

sie möchte so akzeptiert werden, wie sie ist-sie möchte aber auch dazu gehören.
sie weiss um ihre hb und findet sich ganz normal !

ich bin auch der ansicht, dass wir in den köpfen der kinder/eltern/lehrer etwas ändern und hb nicht als exoten gelten lassen sollten . die schulen müssen sich ändern!

von betty - am 26.09.2003 09:49
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