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Informationen zum Thema:
Forum:
Forum Hochbegabung bei Kindern
Beiträge im Thema:
8
Erster Beitrag:
vor 14 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 14 Jahren, 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
Heidi, MarionPE, Schüssler, Kerstin, MichaelaM

5. Klasse Gymnasium - aber es gibt Probleme!!!

Startbeitrag von Heidi am 23.01.2004 21:42

Hallo zusammen,

unsere Tochter (11) war immer nur mittelmäßig in der Grundschule. Aber, da sie
verhaltensauffällig war und durch ihr Gerechtigkeitsempfinden ständig mit anderen
Kindern Ärger hatte, haben wir auf Anraten der Rektorin einen IQ-Test machen
lassen. Dabei kam ein Wert von 124 heraus. Wir haben dann eine Therapie
bei einer Psychologin gemacht, die auch noch einmal einen anderen Test machte,
bei dem das gleiche Ergebnis heraus kam. Das Fazit der Therapie war, dass
unsere Tochter eigentlich klug genug sein müsste, um ihr Problem selbst in den
Griff zu bekommen...

Aufgrund des IQ-Werts haben wir sie dann zum Gyamnasium geschickt, haben
aber dort ausdrücklich auf unsere Probleme hingewiesen.

Aber jetzt merken wir, dass sie viele Probleme mit dem Unterrichtsinhalt hat. Sie
sagt immer, sie kann alles; Kontrollen zeigen mir aber, dass sie den Anforder-ungen überhaupt nicht entsprechen.

Ich weiß nicht, wie das weitergehen soll. Mathe macht ihr Spaß, sie kann es
eigentlich, schreibt aber eine 5, weil Kinder ihr den Inhalt ihres Tornisters vor
der Arbeit auf dem Boden verteilen und sie die Hälfte der Arbeit mit dem
Zusammenräumen verbringt. Sie regt sich dabei so auf, dass sie die Arbeit
blockiert.

Gibt es hier in diesem Forum jemanden, dem es ähnlich geht? Ich befürchte,
dass wir die Erprobungsstufe nicht schaffen werden...

Viele Grüße, Heidi

Antworten:

Hallo,

es wird dir nichts anderes übrig bleiben, als mit den Lehrern zu sprechen und zu versuchen, herauszufinden, was da genau passiert. Wenn sie während der Klassenarbeit ihre Sachen einsammelt, statt die Aufgaben zu lösen, könnte sich da auch der Lehrer mal kümmern. Hört sich alles wenig erfreulich an. Gibt es vielleicht einen Beratungslehrer? Oder sonst jemanden, der Ahnung von solchen Prozessen hat?

Sonst würde ich mit dem Beratungslehrer anfangen.

Michaela

von MichaelaM - am 24.01.2004 08:05
Hallo!

Du schreibst, "aufgrund des IQ Wertes haben wir sie zum Gymnasium geschickt", wollte dein Kind ins Gymnasium?

Hat sie eine Freundin aus der Grundschulzeit jetzt dort?

Wenn sie in der Grundschulzeit mitteläßige Leistungen gebracht hat, wäre es nicht ratsamer gewesen sie "ersteinmal" in die Realschule gehen zulassen, dort
hätte sie ihre "mittelmäßigkeit" aufpolieren können und hätte immer noch springen können.

Gab es Zeichen von Unterforderung?

Warum dieser große Schritt aus der "mittelmäßigkeit" GS aufs Gym? Es gibt doch Alternativen?

Entschuldige meine vielen Fragen, aber die kommen automatisch, wenn du schreibst, aufgrund des IQ Wertes..., sie hat einen guten IQ um eine gute Schulausbildung zumachen, aber diese muss auch auf sie zugeschnitten sein, ist das SO der Fall?

Kerstin

von Kerstin - am 24.01.2004 12:24
Hallo Kerstin und Michaela,

danke für die Anworten. Mit mittelmäßig meine ich so zwischen 2 und 3.
Wir hatten Gespräche mit der Rektorin und Klassenlehrerin der Grund-
schule. Alle meinten, wir können unsere Tochter eigentlich nur auf das
Gymnasium schicken und sie wollte auch selber dahin.

In der Klasse ist es so, dass sie bei jeder Kleinigkeit auf die Palme geht
und die anderen Kinder sie dadurch auf den Kicker haben. Ich habe mit der
jetzigen Klassenlehrerin darüber gesprochen und wir sind so verblieben,
dass sie uns bei dem nächsten "Ärger" informiert.

In der Mathearbeit wird sie vermutlich mit Absicht lange mit dem Aufräumen
ihrer Sachen verbracht haben. - Trotzreaktion, das war in der Grundschule auch
schon so. Sowohl die jetzige als auch die Grundschullehrerin meinten, dass
sie sich selbst im Weg stehen würde.

Sie hat jetzt in der neuen Schule eine Freundin gefunden. Darüber bin ich sehr
froh. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie unterfordert ist. Machmal meine ich,
sie hat den Dreh nicht raus, wie man lernt und worauf es ankommt.

Ich glaube ich werde mit dem Erprobungsstufenleiter reden.

Viele Grüße, Heidi

von Heidi - am 24.01.2004 16:24
Hallo Heidi!

Klug genug sein, etwas zu tun heißt nicht, es auch zu können. Die meisten Erwachsenen sind klug genug um Autos zu reparieren, aber die wenigsten können es wirklich, denn sie haben es nicht gelernt.

Deine Tochter ist zwar klug genug, um ihre Probleme in den Griff zu bekommen, aber sie ist im Moment nicht in der Lage dieses zu schaffen, da sie nicht weiß, wie sie es machen soll. Da müsst ihr ansetzen. Es gibt Kinder, die haben Schwierigkeiten, soziale Regeln einfach so zu erkennen. Ein Beispiel: Bei diesen Kindern reicht es nicht, als Vorbild stets die Nachbarn zu grüßen (auch den unfreundlichen Typ von gegenüber), sondern man muss den Kindern über den Kopf erklären, dass es höflich ist.... und dass die Menschen es wünschen.... Diese Kinder sind sehr kopfgesteuert. Das soziale Gerechtigkeitsempfinden geht dann auch über den Kopf. Dadurch ist es so hundertprozentig, dass ein Kind bei anderen aneckt. Ein solches Kind ist perfektionistisch, folgt brav allen Regeln und eckt dadurch leider an.
Auch die Sache mit dem Schulranzen passt dazu. In der Klasse darf nichts auf dem Boden liegen, das ist Regel. Jetzt ist der Ranzen verteilt und muss aufgeräumt werden, dagegen steht die Mathearbeit, der Lehrer verstößt gegen seine Regel (Ordnung) und fordert auf, die Arbeit zu schreiben. Dadurch kommt es zu einer völligen Verwirrung und es klappt alles nicht mehr. Klassenkameraden, die wie alle Kinder kleine Ekelpakete sein können, macht es natürlich Spaß sie zu ärgern, besonders, da man ja nicht petzt (Regel!) und es immer Stimmung in die Klasse bringt. Über den Vorfall bei der Mathearbeit solltet ihr unbedingt mit dem Lehrer sprechen.

Ich tippe darauf, dass eure Tochter ein "digitles Kind" ist. Ja-nein, schwarz-weiß, gut-böse, richtig-falsch. "Analoge Kinder" kennen auch die Zwischentöne, aber diese Kinder nicht. Wie ging sie damit um, wenn ihr sagt es ist sechs Uhr, wenn der Zeiger auf Zwei Minuten vor stand. Manche Kinder drehen dann schon fast durch. Eine Digitaluhr liegt diesen Kindern mehr. Aber man muss mit ihnen das "ungefähr" trainieren. Das ist nicht einfach. Mut zur Lücke, etwas ungefähr können, all diese Zwischendinge müsst ihr mit ihr üben, genauso wie das "was wäre wenn". Das geht nicht von heute auf morgen.

Ob sie in der Klasse bleiben kann muss man sehen, schön wäre es, aber wenn die anderen sie zu sehr quälen, muss man sehen. Wie ist das wenn die zweite Fremdsprache kommt, werden die Klassen da neu gemischt, oder werden sie nur stundenweise getrennt?

Vielleicht sehe ich eure Tochter auch ganz falsch, dann sucht euch nur das heraus, was passt. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es so ist. Dann habt ihr einen langen Weg vor euch. Aber er ist gut zu schaffen.

Liebe Grüße

Marion

von MarionPE - am 26.01.2004 07:15
Hallo Marion,

ich glaube, Du hast es vollkommen klar gesehen, - ich bin beinahe sprachlos.

Aber Du triffst den Kern unseres Problems...Es ist tatsächlich so, dass sie
nach "Regeln" lebt und dabei die Feinfühligkeit anderen Menschen gegenüber
außer Acht lässt. Das ist wahrscheinlich wirklich ihr und auch unser großes
Problem.

Ich weiß nur nicht so recht, wie ich ihr helfen soll. Ich ermuntere sie, die Dinge
nicht so schwer zu nehmen, dass sie Freude an der Schule haben soll usw..

Vielen Dank für Deine Antwort, es stimmt mich doch sehr zum Nachdenken
und es hat mir sehr geholfen.

Viele Grüße, Heidi

von Heidi - am 26.01.2004 22:48
Hallo Heidi!

Kein Problem, ich habe selber so eine Tochter. Es war ein harter Weg, aber ich glaube, wir haben sie inzwischen einigermaßen in der Norm. Zum Glück wird sie in ihrer jetzigen Klasse akzeptiert (Vielleicht auch, weil wegen ihr sogar schon das Fernsehen in der Schule war - große Aufregung). Sieh sie einfach wie ich es dir beschrieben habe, vielleicht findet ihr dann die Wege, die ihr sucht. Wenn ich dir weiter helfen kann, dann melde dich einfach.

Marion

von MarionPE - am 27.01.2004 06:47
Sehr geehrter Schreiber,

leider ist dieses teilweise die Wirklichkeit. Mädchen haben dabei auf eine besondere Art zu leiden, die Lehrer anscheinend nicht mitbekommen.
Sie sollten ein Gespräch mit den lehrern suchen, aber sich auch nach einer anderen Schule für ihre Tochter umschauen. Dieses ist nicht leicht, wie wir selbst aus eigener leidvoller Erfahrung wissen, zumal die Kinder auch nicht wechseln wollen, weil sie in ihrem bekannten elend lieber verharren wollen als in die nächste Schei... zu treten.
A. Schüssler

von Schüssler - am 17.02.2004 14:52
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