Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Forum Hochbegabung bei Kindern
Beiträge im Thema:
25
Erster Beitrag:
vor 13 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 13 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
FelixMum, Bettina P., grauseldis, Heike2, MarionPE, Ullerich, michaela, jule, Bea, flurina, realist

Rücksicht auf Geringverdiener?

Startbeitrag von Heike2 am 27.09.2004 20:20

Hallo,

ich komme jetzt gerade von einem Gesamtelternabend in unserem Kiga.

Weil ich bisher von der Kiga-Leitung immer nur ausweichende Antworten bekommen habe, brachte ich mal vor allen Leuten das Thema zur Sprache:

ich kenne eine Frau, die als Zweisprachige in Kindergärten Französischkurse anbietet. Ihr Konzept beruht auf der spielerischen Vermittlung, ich denke, da brauche ich nicht näher drauf einzugehen, kennt Ihr sicher.

Da die Gemeindekassen notorisch klamm sind, bietet sie diese Gruppen ab 5 Kinder auf Honorarbasis an, das heißt, jedes Kind zahlt für eine Stunde wöchentlich 5 Euro.
Nicht wenig, ganz klar, aber auch keine Unsumme.

Da das Projekt in keinster Weise Mehrarbeit für die Erzieherinnen bedeutet (sie müssen lediglich eine Stunde pro Woche einen Raum zur Verfügung stellen), sehe ich keinen Grund darin, es nicht mal zu versuchen.

Großer Aufruhr unter den Eltern, richtig großes Theater: ob ich mir mal überlegt hätte, dass sich das nicht jeder leisten kann??? Das wäre doch ungerecht, dass die einen Kinder eine Förderung erfahren und die anderen nicht!!!

Tut mir leid, aber der real existierende Kommunismus hat schon anderswo versagt und die Welt ist nicht gerecht und Menschen nun mal nicht gleich.

Es gibt unzählige Menschen, die dreimal im Jahr in Urlaub fahren, fragen die mich, ob ich das auch kann? Es gibt massenhaft Leute, die Unsummen für Alkohol und Zigaretten ausgeben, beneide ich die???

Muss ich darauf Rücksicht nehmen, ob auch andere 20 Euro pro Monat für Französisch übrig haben?

Gruß, Heike

Antworten:

Hi Heike,

Zitat

Da das Projekt in keinster Weise Mehrarbeit für die Erzieherinnen bedeutet (sie müssen lediglich eine Stunde pro Woche einen Raum zur Verfügung stellen), sehe ich keinen Grund darin, es nicht mal zu versuchen.

Nur zu. Es schadet nicht.

Zitat

Das wäre doch ungerecht, dass die einen Kinder eine Förderung erfahren und die anderen nicht!!!

Schönes Totschlagargument, aber völlig blödsinnig. Wenn dein Kind - mal als Beispiel - ein guter Sportler wäre und somit über einen Verein ein verbessertes, jedoch mit Kosten behaftetes Training erhalten würde, was dann? Sollten nun alle Kinder in das Auswahltraining kommen?
Und, wie Martina schon schrieb, es wid reichlich Geld für die Kleinen ausgegeben, für modisch korrekte Kleidung, den nächsten Gameboy oder das super Mountainbike im Mini-Format.
Eine Freundin von uns gibt ihre 5 jährige Tochter zu einem privaten Englisch Unterricht, der hier im Dorf extra für Kinder angeboten wird. So what?

Was ich nachvollziehen kann, ist die manchmal etwas unglückliche Anhäufung von Geldausgaben. Wer mehrere Kinder hat, dem kann es passieren, daß dann hier eine schulische Veranstaltung ansteht oder dort ein Buch hinzugekauft werden muß. Das kann schnell ein Budget belasten.

Zitat

Tut mir leid, aber der real existierende Kommunismus hat schon anderswo versagt und die Welt ist nicht gerecht und Menschen nun mal nicht gleich.

Das hat IMHO damit nichts zu tun. Es geht um die Prioritäten im Leben. Wer nicht das Geld hat, sich alles leisten zu können, der muß abwägen, was ihm wichtiger erscheint.


mfg Ulrich



von Ullerich - am 28.09.2004 07:22
Hallo heike2,

zu eurer abgelehnten Früheinschulung habe ich dir weiter unten genau einen solchen Vorschlag gepostet, wie wäre es mit privaten Sprachkursen für deinen Sohn bis er nächstes Jahr in die Schule darf? Ich hatte dein Posting noch nicht gelesen.

Über den KiGa würde ich das nach diesen Schilderungen nicht versuchen, scheint das übliche Theater zu sein, das kein Mensch braucht. Wir haben solchen zirkus auch nicht mitgemacht, vor allem war das Niveau solcher KiGa-Zusatzangebote entsprechend niedrig. Auch eine "Vorschule" wäre schon nichts mehr für unseren Sohn gewesen, er war viel zu weit voraus, hätte sich auch dort gelangweilt.

Bei uns gibt es z. B. Angebote über die evangelische Kirche (Musik / Chor, schon ab 5 Jahre möglich) - und die Sache mit den Sprachen würde ich einmal beim Deutsch-Frz. Jugendwerk anfragen, da gibt es an vielen Orten schon Vereine, die das tragen: Meist im Zusammenhang mit Städtepartnerschaften. Fragt doch dort mal nach, ob deine Bekannte das nicht dort anbieten möchte.

Ja, die Sache mit dem Geld ist halt die der Prioritäten: Du wirst es den meisten Leuten halt nicht begreiflich machen können, dass auch ihre Kinder mehr davon hätten, wenn sie ein paar Euro für ihre Bildung zurücklegen als sie mit Markenklamotten zu überhäufen, aus denen sie in wenigen Monaten rauswachsen oder mit Spielzeug zu überhäufen, das so langweilig ist, dass es sofort in die Ecke fliegt. So weit zu denken ist für die meisten schon zu viel. Von dem Alkohol- und Zigarettenargument mal abgesehen.

Wir halten uns an unserem Ort nicht lange mit solchen Diskussionen auf. Das haben wir mal versucht, ist aber völlige Energieverschwendung, diese brauchen wir besser für unser Kind. Das ist uns wichtiger und die Jacke näher als die Hose. Also suchen wir nach eigenen Wegen, ohne uns von anderen Eltern reinreden zu lassen oder solches Theater lange mitzumachen. Es ist eben eine Frage der freien persönlichen Entscheidung, auch was andere tun oder lassen - ob das für Kinder was bringt oder nicht. Ist das Problem der Eltern. Insofern stimme ich Ulrich Trettner zu, das kann man nicht bewerten - nur für sich selbst Schlüsse daraus ziehen.

Also versucht es doch mal über das DFJ [www.dfjw.org] - vielleicht gibt es sowas schon an eurem Ort und ihr wisst es noch gar nicht?

Viele Grüße, F.

von FelixMum - am 28.09.2004 08:23
Mach es privat, alles andere ist echt zwecklos. Du ärgerst dich nur.
Bei uns gab es damals im Kindergarten einen Zwergenaufstand weil das Essensgeld um 5 DM per 1/4 Jahr (!!!) erhöht wurde!
Ich brauche nicht zu betonen, dass DIE Eltern am lautesten protestierten, die sich draußen erst einmal eine Zigarette anzünden mussten.
Nein, ich werde niemals wieder etwas für die Gemeinschaft anregen weil ich weiss, was das für Aufstände gibt.
Ich organisiere für uns selbst und frage privat bei den Leuten, deren Einstellung ich kenne und die das bestimmt gutheißen. Das ist ganz entschieden nervenschonender.

von Bea - am 28.09.2004 08:28
Hallo,

meine Meinung dazu ist zwiegespalten. Ich würde so ein Angebot für meinen Sohn auch toll finden, aber ich weiss, dass das in unserem KiGa aus den gleichen Gründen, die Heike geschildert hat, nie zustande kommen würde.

Mal ganz abgesehen davon, ob die finanziellen Gründe nur vorgeschoben werden:
Wenn diese Französisch-Stunde innerhalb der regulären KiGa-Zeit stattfindet, würden mir die Kinder leid tun, die auch gern teilnehmen würden, deren Eltern es aber nicht erlauben. Ich nehme an, dass das früher oder später unter den Kindern zu Unfrieden führt.

@Ulrich
Natürlich hast Du recht, dass man immer Prioritäten im Leben setzen muss - auch in finanziellen Angelegenheiten. Aber erkläre mal einem KiGa Kind, das es nicht am Französisch-Kurs teilnehmen kann, wie vielleicht 80 % seiner KiGa-Freunde, weil "DU" (und ich auch) es wichtiger findest die Haftpflichtversicherung etc. zu zahlen (Markenklamotten/-spielzeug zählen für "mich" nicht zu den Prioritäten).

Ich bin für Gleichbehandlung (im Sinne von "nicht ausgrenzen") im KiGa. Können nicht alle Kinder, die teilnehmen wollen, mitmachen, sollte der Kurs auch nicht stattfinden. Wie schon gesagt wurde, kann man das Ganze ja auch privat organisieren.

Ich hoffe, ich werde wegen meiner Meinung jetzt nicht in der Luft zerrissen. ;-)

Schöne Grüße,
Bettina

von Bettina P. - am 28.09.2004 08:48
Bei uns im Kiga ist das bunt gemischt.Kommt auch auf die Erzieher an.
Unsere Tochter hat dort volles Programm: Vorschule, Chor, Akrobatik, Kochen/ Backen und Kinderwerkstatt sind kostenlos, Flöte, Sauna und Englisch muss bezahlt werden.
So hat jedes Kind genug, was es auch kostenlos machen kann. Da wir bei den kostenpflichtigen Sachen nur Flöte und Sauna mitmachen sparen wir enorm. Die anderen Angebote werden alle gnadenlos mitgemacht.

Die Lehrer für Flöte und Englisch kommen einmal pro Woche auf Honorarbasis. Flöte kostet 5 Euro, E. weiß ich nicht genau, war so etwa 2,50.

gibt es denn genügend kostenlose Angebote im Kiga? die meisten Eltern meckern bestimmt nicht, wenn es auch andere Fördermöglichkeiten gibt. Aber da sind die Erzieherinnen dran. Bei uns war mal eine Erzieherin, die hatte lange im Ausland gelebt, und Englisch angeboten- kostenlos. Vielleicht findet sich ja so jemand. Oder ein Student. Die machen es meist für weniger. 25 Eur bei 5 Kindern finde ich auch etwas unverschämt, der Aufwand steigt ja nicht mit jedem Kind um 5 Eur. Ein Festpreis, der aufgeteilt wird unter allen die teilnehmen, ist da vielleicht besser. Dann wird es für alle nicht so teuer und es finden sich bestimmt mehr, die mitmachen.

Liebe Grüße, Jule

von jule - am 28.09.2004 09:11
Hallo Bettina,

Zitat

Ich hoffe, ich werde wegen meiner Meinung jetzt nicht in der
Luft zerrissen. ;-)

nein, zumindest nicht von mir. ;)
Ich sehe das genauso. Mich würde es massiv ärgern, wenn der Kiga neben dem Grundprogramm auch noch "private Zusatzangebote" anbieten würde. Ich finde das schon etwas ganz anderes, als das Beispiel des Sportvereins, weil es nicht von "Talenten" abhängt sondern von den finanziellen Möglickeiten der Eltern. Das bewirkt nur eine unnötige Klassengesellschaft innerhalb des Kigas.

Sowas muss meiner Meinung nach auf privater Basis laufen.

Liebe Grüsse:

flurina

von flurina - am 28.09.2004 09:42
sorry, aber da kommt mir ganz spontan eine frage hoch:

hat das etwa einbisschen mit neid zu tun?

von realist - am 28.09.2004 09:47
Hallo realist,

was mich betrifft, hat es nichts mit Neid zu tun. Wir müssten wegen 20 Euro nicht unbedingt auf etwas verzichten. Aber ich weiss, dass es Familien gibt, denen es da anders geht.

Ich glaube nicht, dass Heikes Kind leidet, wenn es einen Französisch-Kurs ausserhalb des KiGa besucht. Aber vielleicht leiden Kinder darunter, wenn der Kurs innerhalb des KiGas stattfindet, deren Eltern sich den Kurs nicht leisten können.

Mir steht mein Kind auch am nächsten, aber das muss ja nicht zwangsläufig auf Kosten anderer Kinder gehen. @Heike Ich will dir damit nicht unterstellen, dass Dir die anderen Kinder egal sind, soll nur Anrwort auf Realist's Frage sein.

Schöne Grüße,
Bettina

von Bettina P. - am 28.09.2004 10:02
In unserem Kindergarten wurden Französisch und Musikalische Frühererziehung (Schlimmes Wort, gab es schon zu meiner Zeit und hat sich scheinbar nicht geändert) zusätzlich gegen Bezahlung angeboten.

Es gab da überhaupt keine Probleme, wer es machen wollte machte mit, und wer nicht, ließ es sein. Ich verstehe ehrlich gesagt auch die Eltern nicht, die sich darüber aufregen. Der Kindergarten ist doch freiwillig, und wenn innerhalb dieser freiwilligen Zeit ein zusätzliches Angebot gemacht wird, ist das für mich nichts anderes, als wenn das eine Kind nachmittags französisch macht und das andere nicht. Und die Eltern haben - zumindest hier auf dem Land - noch den Vorteil, dass sie das Kind nicht woanders hinfahren müssen und zusätzliche Fahrkosten haben.

Diejenigen Eltern, denen die Förderung wichtig ist, werden das Geld aufbringen. Die anderen werden es sowieso nicht machen, egal wo es angeboten wird.

Viele Grüße

Grauseldis



von grauseldis - am 28.09.2004 10:25
Hallo Bettina,

in unserem Kindergarten lief es genau so. Zu Unfrieden hat es nicht geführt. Es ist ja auch nicht so, dass alle Kinder daran teilnehmen wollen. Meistens wollen diejenigen, deren Eltern nichts davon halten, sowieso lieber spielen.

Wenn ein Kind teilnehmen möchte, die Eltern sich den Kurs allerdings nicht leisten können oder wollen, hat das Kind es natürlich sehr schwer. Allerdings nicht nur im Kindergarten, sondern sowieso. Ich denke allerdings, dass das eine verschwindend kleine Minderheit ist. Und warum sollte das Programm wegen solcher eventuell auftretender Probleme für die anderen Kinder nicht durchgeführt werden? Das ist wie in der Politik - zuerst die ganzen Bedenkenträger und hinterher passiert dann nichts, da ja so viel schiefgehen könnte. An die Chancen denkt niemand.

Scheinbar haben doch die Eltern Probleme mit einer solchen Regelung, die es sich leisten könnten und aufgrund des sozialen Gewissens gegen eine Ungleichbehandlung sind. Wenn es dann tatsächlich den Fall geben sollte, dass ein Kind teilnehmen möchte und die Eltern es sich nicht leisten können, wäre es doch sozial diesem Kind den Kurs zu ermöglichen, indem die anderen Eltern zusammenlegen, der Förderverein einspringt oder ein Teil des Gewinns aus z. B. dem Weihnachtsbasar dafür aufgewandt wird.

Viele Grüße

Grauseldis



von grauseldis - am 28.09.2004 10:37

Re: @grauseldis

Hallo,

Zitat

Diejenigen Eltern, denen die Förderung wichtig ist, werden das Geld aufbringen. Die anderen werden es sowieso nicht machen, egal wo es angeboten wird.


Genau so isses. Und zu Satz Nr. 2: Nicht nur, dass sie es nicht machen werden, egal wo es angeboten wird - sie werden auch jedes Mal aufschreien, wie schlecht es für genau ihr Kind ist, wenn es ein kostenloses Angebot ist.

Diese Leute gehören oft (ich sage nicht immer, aber oft) in dieselbe Kategorie wie diejenigen, die über eine mangelhafte Auswahl von mehreren Mittagsmenüs in einer hoch subventionierten Kantine in ihrem Betrieb meckern, sich aber daheim nicht mal ne Dose aufmachen können. ;-)

Viele Grüße, F.

von FelixMum - am 28.09.2004 11:10
Hallo Grauseldis,

vielleicht könnte die Französisch-Lehrerin auch auf ein paar Euros verzichten!? Wenn ich von einer Gruppenstärke von 25 Kindern ausgehe, von denen ca. 20 zahlungsfähig wären und 5 nicht, dann käme immer noch ein guter Stundenlohn bei rum, oder? Ich zumindest kann von so einem Stundenlohn nur träumen (da werde ich ein wenig neidisch, realist ;-) ).

Schöne Grüße,
Bettina

von Bettina P. - am 28.09.2004 11:31

Re: @grauseldis

Hallo,

ich finde, in diesen Themenbereichen ist das Eis recht dünn. Mal gesetzt den Fall, die Eltern setzen die Prioritäten ungünstig, was kann das Kind dafür? Wenn man mehrere Kinder hat, muss man dann zwischen den Kindern Prioritäten setzen? Und ganz davon abgesehen, gibt es bei uns ganz viele Familien, wo es einfach zu gar nichts reicht.

Auf der anderen Seite werden die kostenlosen Möglichkeiten immer weniger. In unserer Stadt ist es an immer mehr Schulen üblich, die AGs kostenpflichtig zu gestalten usw. usw.

Eine Lösung kann ich nicht anbieten. Mittelweg und Augenmaß vielleicht?

Michaela

von michaela - am 28.09.2004 12:07
Hallo Bettina,

aus der Erfahrung in unserem Kindergarten werden nicht 25 Kinder teilnehmen wollen. Ich denke mal, die Kalkulation der Lehrerin basiert auf etwa 5 Kindern. Wenn jetzt mehr Kinder teilnehmen wollen, ist es immer noch Verhandlungsbasis, einen niedrigeren Preis rauszuhandeln.

Aber soweit kommt es leider oft nicht, da erst mal die kollektive Abwehr greift. Es wird immer nach Problemen gesucht, nicht nach Lösungen, wie man es doch möglich machen könnte.

Viele Grüße

Grauseldis



von grauseldis - am 28.09.2004 13:11

Re: @grauseldis

Hallo Michaela,

wenn die Eltern eines Kindes die Prioritäten für ihr Kind ungünstig setzen, was können dann die anderen Kinder dafür? Warum sollte man ihnen die bequeme und im Vergleich zu anderen Angeboten kostengünstige Möglichkeit des Französisch-Unterrichts verwehren?

Ich weiß nicht, ob ich auf einer Insel der Glückseligkeit lebe, aber in den Klassen meiner Jungs gibt es zwar Eltern, denen anmerkt, dass sie nicht so viel Geld haben, für den Unterhalt des gebrauchten BMW reicht es allemal. Und genau diese Kinder hätten meiner Meinung nach auch kein Interesse an zusätzlichem Programm, von den Eltern mal ganz abgesehen. Hört sich jetzt ziemlich platt an, ist aber bisher meine Erfahrung.

Und für diejenigen, die wirklich kein Geld haben (ich denke da mal an alleinerziehende Mütter etc.) und Interesse an dem Kurs haben, gäbe es bestimmt eine Lösung.

Chancengleichheit ist eine absolute Illusion. Wenn es vom Lehrer hochverantwortungsvoll ist, einem guten türkischen Mädchen keine Gymnasialempfehlung zu geben, da es von zu Hause nicht ausreichend unterstützt werden kann, ist eigentlich alles gesagt. Nachzulesen unter [www.spiegel.de]

Viele Grüße

Grauseldis



von grauseldis - am 28.09.2004 13:28

Re: Stundenlohn - @Bettina

Hallo Bettina,

du musst nicht neidisch sein. ;-) Überlege nur, ob eine professionelle und selbstständige Sprachlehrerin einen solchen Kurs jeden Tag zu gleichen Konditionen haben kann, welche unbezahlten Stunden du dazurechnen musst, in denen sie diese Kurse ständig vorbereitet und neue Vertragspartner akquiriert, sie Kopien macht und Bücher, Cassetten, Videos für die Kurse einkauft, im Internet dazu recherchiert (inkl. Internetanschluss), sich um ihre Eigenwerbung kümmert, ihre eigene Weiterbildung (evtl. sogar im Ausland, zu Seminaren und Tagungen) bezahlt, Kranken- und Sozialversicherung für Selbstständige bezahlt, Verbandsbeiträge / Mitgliedschaften, Fahrtkosten, Miete für Räume (wenn sie diese nicht frei bekommt wie im KiGa), anteiliges Arbeitszimmer inkl. Ausstattung, Telefon/Handy, Fax, Berufsversicherungen, Altersvorsorge... sowie die Zeit für eine kleine Erholung von der Arbeit, in der sie nicht wie eine Angestellte einfach weiter bezahlt wird und das Geld nicht vom Himmel fällt - auch ein Selbstständiger kann nicht 365 Tage im Jahr durcharbeiten, ohne auszupowern. Aber in dieser Zeit hat er definitiv keine Einkünfte, aber dafür laufende Kosten...


...und wenn du jetzt noch den Eindruck hast, DAS wäre ein Bomben-Stundenlohn, dann kann ich dir leider auch nicht helfen.

Nichts für ungut, viele Grüße von einer Selbstständigen - F. ;-)

von FelixMum - am 28.09.2004 14:09
Hallo Heike!

Mein Sohn (Jetzt 2. Klasse) macht seit dem Kindergarten Frühenglisch und ist begeistert davon. Wir haben es unabhängig von Kindergarten gemacht; hier gibt es eine entsprechende Sprachschule.

Weshalb ich aber hier poste: Es gibt hier im Ort ein en Evangelischen Kindergarten mit 5 Gruppen. Regelzeit ist von 8 bis 12 (dazu kommen Frühdienst, Spätdienst, 3/4-Platz und Ganztagsplatz, aber das lassen wir mal außen vor). Kernzeit ist von 9 bis 12, dann sollen alle Kinder da sein. In der Zeit macht man sich durch Bringen und Abholen unbeliebt. Eine frau bietet nun musikalische früherziehung an - nicht im Kindergarten, da wäre genauso geschrien worden wie bei euch, sondern im evangelischen Pfarrheim gleich nebenan. Beginn ist um 8 Uhr und um 9, pünktlich zur Kernzeit bringt sie alle Kinder rüber. Eigentlich wollte sie eine Gruppe machen, jetzt hat sie täglich eine. Bei euch wäre das doch auch so, dass es jeweis nur 5 Kinder wären (vielleicht 8), das würde gar nicht so sehr auffallen, so dass Kinder die dort nicht hingehen würden auch nicht ausgegrent wären. Vielleicht solltet ihr es über solch ein Konzept versuchen. Ansonsten solltet ihr euch wirklich für Nachmittage an die Kirchen wenden.

Kinder wollen schließlich etwas lernen

Marion

von MarionPE - am 28.09.2004 14:19

Re: Nachtrag Stundenlohn

...oh, ich vergaß:

LEBEN muss sie ja auch noch davon, also monatlich Miete, Kleidung, etwas Nahrung und ein paar Flicken auf den Fahrradreifen oder ein paar neue Schusohlen ab und zu (wenn sie eine arme Kirchenmaus ist nach all diesen Abgaben und Kosten, mindestens das und ein paar Tropfen Öl für die Fahrradkette). Vielleicht hat sie auch noch gar selbst Kinder, eine Familie, die davon mit leben und ernährt werden muss?

Ja ja, so ist das mit den Stundenlöhnen von Selbstständigen, die einen glatt neidisch machen. ;-)

Viele Grüße...

von FelixMum - am 28.09.2004 14:19

Re: Stundenlohn - @FelixMum

Hallo FelixMum,

danke für's Kopf waschen. :cheers: Wenn diese Lehrerin den Job wirklich so professionell betreibt, wie von Dir beschrieben, dann bin ich nicht neidisch. Wäre aber auch nur ein kleines bisschen neidisch, wenn sie das komplette Geld bekommen würde. ;-)

Schöne Grüße,
Bettina

von Bettina P. - am 28.09.2004 15:14
Hallo Ihr Lieben und vielen Dank für die zahlreichen Antworten :-)

Jetzt hatte ich ja den ganzen Tag noch Zeit zum Nachdenken und Diskutieren un habe viele Meinungen von Euch gelesen.

Zur Frage der Kosten: ich denke auch nicht, dass viel mehr als 5-8 Kinder zusammen kämen, das sind dann ca 30 Euro für eine Stunde. Wenn man all die Sachen rechnet, die FelixMum ja angeführt hat, relativiert sich das ganze natürlich. Und die Lehrerin macht auch außer der Reihe noch viele Projekte mit den Kindern, z.B. Kochtage und Feste zu bestimmten Feiertagen, wie sie in Frankreich gefeiert werden. Das findet auch an WE statt und dafür nimmt sie kein Geld. Von daher finde ich die 30 -40 Euro schon gerechtfertigt.

Dass sie noch Kapazitäten frei hätte um das Programm noch auf privater Basis in Pfarrheimen o.ä. anzubieten, wage ich zu bezweifeln, da sie sich eigentlich auf Kindergärten spezialisiert hat. Dort sind die Kinder ja auch versichert und es kommt ein weiterer, für mich persönlich sehr wichtiger Punkt, hinzu:

Der Zeitfaktor. Alles was meine Kinder in AG´s nach der Schule oder im Kiga machen, entlastet unsere Nachmittage. Und die sind mit drei Kindern, Hunden und einem hobbymäßig auch sehr aktiven Mann doch sehr ausgefüllt.
Und ich denke auch, dass es die Gemeinschaft unter den Kindern stärken kann.

Dass es gerade nicht diejenigen sind, die sich lautstark beschweren, die sich die 20 Euro pro Woche nicht leisten können, wurde von Euch ja glasklar erkannt. Von daher nehme ich die Argumente auch nicht unbedingt für voll. Andere, von denen ich weiß, dass das Konto oft schon Mitte des Monats leer ist, saßen nur still rum. Natürlich tut es mir leid, wenn deren Kinder so etwas nicht nutzen könnten!
Von daher werde ich die Anregung, doch in einem solchen Fall einen Förderverein o.ä. einspringen zu lassen, gerne an den Vorschulausschuss weitergeben.

Wir haben halt hier im kleinen Dorf das Problem, dass nichts und überhaupt nichts in irgendeiner Weise anspruchsvolles für Kinder angeboten wird und wenn man dann sowas anregt, wird man angesehen, als hätte man ungehöriges verlangt. Hier dreht sich alles nur ums nächste Fest und wer mit wem.....

Noch mal kurz zu den Kosten: meine beiden "Großen" möchten schon lange an der Musikschule Instrumentenunterricht nehmen. Da würde ich für jeweils eine Stunde pro Woche für die beiden mindestens 70 Euro zahlen. Sorry, irgendwo ist auch bei mir eine Grenze erreicht, vor allen Dingen, wenn ich auch Ferien und ausgefallene Stunden bezahlen muss. Aber motze ich deshalb über andere, die das Programm nutzen???

@ Felix Mum, habe Deine Antwort schon gelesen, merci bien ;-)
Wir hatten ihn ja auch für Französisch in dem anderen Kiga angemeldet, nach dem Motto: Kommt der Prophet nicht zum Berg......
Aber wie erwähnt macht er z.Zt. eine schwierige Phase durch und klammert sich total an zwei, drei Jungs im Kiga. Er will nicht mehr für eine Stunde in den Nachbarort, er will hier bleiben. Von daher natürlich jetzt auch meine verstärkte Initiative.

Gruß, Heike

von Heike2 - am 28.09.2004 18:33
Hi Bettina,


Zitat

Wenn diese Französisch-Stunde innerhalb der regulären KiGa-Zeit stattfindet, würden mir die Kinder leid tun, die auch gern teilnehmen würden, deren Eltern es aber nicht erlauben. Ich nehme an, dass das früher oder später unter den Kindern zu Unfrieden führt.


Genau diesen Punkt habe ich leider nicht berücksichtigt. Von daher: Zustimmung.

mfg Ulrich



von Ullerich - am 29.09.2004 07:12
Hallo Heike!

Zum Instrumentalunterricht: Frag doch mal bei Musikzügen oder Kirchen nach. Bei uns in der Kirchengemeinde gibt es Blockflötenstunden für 5€/Monat, Gitarre kostet 20€/Quartal. Die Instrumente des Musikzugs werden teilweise ehrenamtlich unterrichtet, einmal die Woche kommt ein professioneller Musiklehrer, der erteilt auch Unterricht für zwei Schüler gleichzeitig, das kostet dann wenn man nur eine halbe Stunde Unterricht nimmt keine 20 € im Monat. Möglich ist vieles und viel wird über ehrenamtliche geleistet, stimmt, vielleicht ist der Unterricht nicht ganz so gut wir in der städtischen Musikschule, aber es geht viel um Gemeinschaft, daher auch die vielen ehrenamtlichen. Wer bei uns im Musikzug Mitglied ist (42€/Jahr = 3,50€/Monat) bekommt das Instrument übrigens kostenlos ausgeliehen. (Klarinette, Querflöte, Saxophon) Auch dir Trommler liegen in dem Preisrahmen und Tanzen lernen kann man bei den Miniretten und Majoretten vom Musikzug und auch beim Ballettunterricht (wird zwar nicht fürs Nationalballett reichen, aber trotzdem). Und das ganze findet bei uns im Ort statt und nicht in der nächsten Kreisstadt.

Es gibt oft Möglichkeiten, man muss sie nur finden.

Marion

von MarionPE - am 29.09.2004 09:55

Re: @MarionPE: Instrumentalunterricht

Hallo Marion,

Zitat

Es gibt oft Möglichkeiten, man muss sie nur finden.


Stimmt genau! ;-) Es geht außerdem auch darum, dass ein Kind manche Möglichkeiten auch einfach erst mal kennen lernen können soll - und nicht um Perfektion. Die kann später immer noch kommen.

Und um Verschiedenes auszuprobieren, lohnen sich günstige Jahresbeiträge in Vereinen, Kirchengemeinden etc. allemal. Wer kann schon im Voraus sagen, ob sich die Anschaffung eines Konzertflügels für einen Fünfjährigen lohnen wird? Vieles ist gar nicht notwendig und sehr viel preisgünstiger zu bekommen.

Ich hätte auch keinen Nerv und keine Zeit, ständig zu X Kursen in der Gegend herumzufahren (ohne Auto). Aber auch auf dem Land wird doch etwas geboten, wenn auch nicht immer die ganze bunte Palette - doch wer würde die schon nutzen, auch wenn er sie vor der Tür hätte?

(Ich habe mal jahrelang in Frankfurt am Museumsufer gewohnt - glaubst du, ich wäre auch nur ein Mal ins Museum gegangen? Habe es so lange aufgeschoben, bis ich fortgezogen bin.)

Wir machen das offenbar ganz ähnlich wie ihr... viele Grüße!

F.

von FelixMum - am 29.09.2004 14:06
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.