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Forum Hochbegabung bei Kindern
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3
Erster Beitrag:
vor 13 Jahren, 4 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 13 Jahren, 4 Monaten
Beteiligte Autoren:
Annika_32, FelixMum

Hilfe bei Vertrauenslehrerin oder Schulwechsel?

Startbeitrag von Annika_32 am 17.03.2005 10:41

Hallo,

wir sind im Moment ziemlich verzweifelt, die Schulsituation meines Sohnes (7J./3. Klasse) droht im Moment zu eskalieren. Nachdem es wieder einige Tage gut ging, gibt's wieder Streß. Mein Sohn hat inzwischen "Einzelhaft" er sitzt an einem Einzeltisch mitten in der Klasse (alle anderen Kinder sitzen an Gruppentischen).
Zum Hergang: Aufgrund der Größe der Kinder, meiner ist seeehr groß, wurden die Kinder zusammengesetzt. Die Kinder an dem Tisch, an dem er bis vor kurzem saß, sind auffällig, stören den Unterricht. Der Junge neben ihm singt im Unterricht oder legt desöfteren seinen Fuß auf den Stuhl meines Sohnes, aber immer nur so dass die Lehrerin es nicht mitbekommt. Die Kinder sind demzufolge auch leistungsmäßig bei 4-5. Mein Sohn, der sich desöfteren über die Störungen beschwerte (ich rief die Lehrerin dazu an), auch laut im Unterricht (er sagte mir, die Lehrerin will es einfach nicht hören, hat sich nun mit Handgreiflichkeiten gewehrt, als Folge nun die "Einzelhaft". Mein Sohn freut sich darüber, ungestört dem Unterricht folgen zu können, aber das Gespött der anderen gilt ihm. Kommentar eines Mädchens an seinem Tisch: Wenn K. einen Einzeltisch bekommt, müssen wir aber auch ruhig sein! Ganz schön hinterlistig. Ich muß dazu sagen, dass die Kinder fast 2 Jahre älter sind als mein Sohn (er ist vor einem Jahr in die Klasse gesprungen). Bei der Lehrerin ist er immer der Übeltäter, er wird angeschrien (ziemlich heftig), ihm wird vor der ganzen Klasse vorgeworfen, er sollte solche Situationen nicht seiner Mutter petzen, Aussagen wie: Warum beschwerst du dich, du bist doch der Täter, machen es ihm nicht leicht.
Mein Sohn ist sehr ehrgeizig und sensibel. Friedlich ist er solange er in Ruhe gelassen wird, er kann sich aber auch gut wehren, verbal und körperlich.
Er und sein Freund wollten nebeneinander sitzen, das wurde beiden verwehrt, weil der Freund ca. 4 cm kleiner ist (die Kinder haben unterschiedliche Tischgrößen). Aussage der Lehrerin, wenn K. den Platz wechseln will, müssen nicht alle springen. Ich habe den Eindruck, dass mein Sohn aufgrund der Tatsache, dass er Einzelkind und ich alleinerziehend bin, sich permanent gegen dieses Vorurteil wehren muß. Sicher wächst er anders auf, aber er kann sich gut anpassen und möchte auf keinen Fall auffallen. Die Lehrerin scheint ein wenig zu übertreiben. Er hat einmal im Unterricht etwas getrunken. Nachher hieß es er geht seinen Bedürfnissen nach, ißt und trinkt wann es ihm gefällt. Dabei hat er große Angst vor ihr und von daher bin ich mir ziemlich sicher, dass er versucht, es ihr recht zu machen. Kommentar zu seiner "Einzelhaft", jetzt kann sie wenigstens nicht mehr mit mir schimpfen.
Ich weiß im Moment einfach nicht mehr weiter. Habe schon an die Vertrauenslehrerin gedacht. Aber vielleicht wird's dann noch schlimmer? Ich weiß doch nicht, ob die beiden vielleicht miteinander befreundet sind.
Was würdet ihr in einer solchen Situation tun? Mein Sohn schläft im Moment wenig, ißt schlecht und ist sehr anhänglich. Er sucht ständig nach Bestätigung. Schulisch wird er nicht wirklich gefordert. Er hat keine Probleme, notenmäßig zwischen 1 und 2. Eine individuelle Förderung oder wenigstens eine der leistungsstärkeren Kinder der Klasse gibt es nicht. Mein Sohn möchte auch in keine andere Klasse, er sagt, die kennen sich doch alle. Den Sprung habe ich vergangenes Jahr mit aller Kraft einer Mutter durchgesetzt - gegen den Willen der Lehrer. Ich habe ihm versprochen, dass wir spätestens im nächsten Schuljahr in die nahegelegene Großstädt ziehen, in der er auch die weiterführende Schule besuchen soll. Tja, leider findet sich dort nicht so schnell eine bezahlbare Wohnung. Ich finde die Situation für ihn und auch für mich im Moment unerträglich. Mit der Lehrerin zu sprechen, darin sehe ich keinen Sinn und Zweck mehr. Da fällt mir noch ein, die Lehrerin und die Eltern des Störenfriedes neben ihm kennen sich so gut, dass Sie sich duzen. Hat jemand Erfahrung in einer ähnlichen Situation? Wohin ist ein Schulwechsel möglich? Muß er im Landkreis statttfinden - wenn eine Schule im Nachbarlandkreis genauso weit entfernt ist? Würdet ihr euren Kindern eine Busfahrt (vielleicht sogar 20 km) zumuten?
Was würdet ihr tun? Wie schätzt ihr die Situation ein?
Ich freue mich mal wieder auf eure Antworten!
Vielen Dank schonmal,
liebe Grüße Annika

Antworten:

Hallo Annika,

ich kann gut verstehen, dass du Stress hast, zumal du ihn Zuhause mit niemandem teilen oder dort abladen kannst.

Erstmal tief durchatmen. Viele Fragen auf einmal. Ich ziehe mal das heraus, was für mich positiv ist:

Dein Sohn kann sich wehren und behaupten. Er ist grundsätzlich nicht aggressiv und kann sich zusammenreißen, sich anpassen. Er hat in der Klasse einen Freund. Er wird am Einzeltisch (auch von der Lehrerin) in Ruhe gelassen und kann dem Unterricht folgen. Er hat gute Noten. Er will in der Klasse bleiben und findet sich dort mit seiner Rolle zurecht. Er trägt den Stress mit Fassung. (Schlecht essen und wenig schlafen muss nicht heißen, dass er das tut weil er psychisch leidet.) Er bekommt von dir die Bestätigung, die er in der Schule (persönlich) nicht bekommt - die Noten sind ja auch Bestätigung, aber auf andere Weise. Durch gute Noten ist er nicht angreifbar, sein Springen ist also gerechtfertigt, Lehrer können ihm nicht an den Karren fahren, weil die Leistung stimmt.

Ich fasse für mich dazu zusammen: Lehrerin und Eltern des Störenfrieds duzen sich - schon mal völlig daneben, sollte die Lehrerin schon aus eigenem Interesse nie machen. Egal. Also Vertrauenslehrerin: Wieso heißt die so? Weil man zu ihr kein Vertrauen haben kann? Sie muss Schweigepflicht haben. Wenn du ihr aber nicht vertraust: Ansonsten neutrale Stelle beim Schulamt einschalten, Beratungslehrer oder Schulpsychologen. Der MUSS vermitteln, das ist sein JOB.

Tipp aus meiner Sicht: Den Jungen stabil halten, bestätigen und erst mal durchhalten. Er macht nichts falsch. Nicht auffallen, nicht provozieren. Alles aufschreiben, was passiert (Tagebuch führen, was in der Schule vorfällt), wirklich alles. Auch Begebenheiten auf dem Schulhof oder unter den Kindern. Wenn es ganz schlimm wird, den Jungen krank melden, erst mal rausnehmen und abwarten, mit Beratungslehrer klären o. ä.

Mit 7 Jahren alleine 20 km weit mit dem Bus zur Schule wäre für mich nichts. Wenn keiner außer ihm dorthin ginge? Meinem Sohn würde ich das nicht zumuten.

Hast du eine bestimmte Schule im Sinn? Kannst du dort in die Nähe ziehen?

Beruhige dich erst mal. Ein Schritt nach dem anderen.

Viele Grüße

von FelixMum - am 17.03.2005 11:03
Hallo FelixMum,
vielen Dank für deine Antwort!
Streß habe ich nicht, weil ich momentan mit meinem Sohn alleine lebe. Den Streß macht uns nur die Lehrerin.
Ich habe nun erstmal tief durchgeatmet und versucht wieder ein bißchen "runterzukommen". Die Idee mit dem Tagebuch finde ich super, setze ich sofort in die Tat um. Mit der Beratungslehrerin warte ich noch ein wenig. Vielleicht geht es ja ohne sie. Sehr wichtig ist, dass ich hinter meinem Sohn stehe und ihn stärke. Er erzählte mir noch, dass die Lehrerin ihm sagte, er hätte keine Sonderrolle nur weil er neben seinem Freund sitzen möchte. Er selber fragt sich, wie sie dazu kommt, zu meinen dass er es so sieht. Er wehrt sich lediglich. Kinder können schon ziemlich fies sein, erst recht wenn sie merken, dass sie bei der Lehrerin einen guten Stand haben. Mit dem Bus finde ich auch blöd - ist schon sehr weit. Also begeben wir uns auf Wohnungssuche, in der Hoffnung, dass mit dem 4. Schuljahr alles neu und gut wird. Ich finde es sehr schade, wenn ein Kind einen so schlechten Start hat, dabei ist die Grundschulzeit so wichtig - ich kann mich noch gut an meine erinnern.
Nun sind erstmal Ferien!
Vielen lieben Dank bis bald mal wieder
Annika

von Annika_32 - am 18.03.2005 09:38
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