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Forum Hochbegabung bei Kindern
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Hier der Artikel über "Gleichheitswahn"

Startbeitrag von FelixMum am 19.05.2005 10:09

Hallo,

habe den weiter unten im Thread erwähnten Artikel "Gleichheitswahn mit Folgen" (FAZ, 13. Mai 2005) im Internet gefunden, möchte ihn hier einstellen, weil ich ihn einfach SAUGUT finde (Hervorhebungen von mir):


Leitartikel - FAZ
Gleichheitswahn mit Folgen
Von Heike Schmoll


Als Georg Picht die deutsche Bildungskatastrophe ausrief, legten nur 5 Prozent eines Altersjahrgangs das Abitur ab, inzwischen sind es 41 Prozent. Sind die Schüler auch schlauer, die Schulen besser geworden? Weder Lehrer noch Hochschullehrer können diese Beobachtung bestätigen. Ganz im Gegenteil: Viele Studiengänge stellen sich bei der Modularisierung darauf ein, im Grundstudium Schulwissen nachzuholen. Denn inzwischen zeigen sich die Folgen der allgemeinen Nivellierung vom Kindergarten bis zur Hochschule.

Erst die Schulleistungsstudien haben dafür gesorgt, daß der Kindergarten nicht mehr als bildungsfreie Zone des totalen Spiels gilt und die Grundschule nicht mehr auf Kuschelpädagogik setzt. Längst aber hatten sich alle Bundesländer dazu verleiten lassen, den Mindestwortschatz für die ersten vier Schuljahre auf ein jämmerliches Maß zu kürzen. Die Schuleingangsprüfungen wurden immer lascher gehandhabt, die Aufnahmeprüfungen für das Gymnasium abgeschafft und die Anforderungen für alle niedriger. Die damit beabsichtigte individuelle Förderung schwacher Schüler gelang indessen nicht. Die begabteren Schüler aus gebildeten Elternhäusern erreichten ihre Ziele trotzdem, wurden aber nicht ausreichend gefordert, die auf die Schule angewiesenen Schwachen ohne häusliche Hilfe wurden überfordert und immer schwächer. Im deutschen Bildungswesen werden weder die Schwächeren noch die Begabteren angemessen gefördert, sondern Durchschnitt und Mittelmaß gefestigt.

Nach der Expansion des Bildungswesens in den siebziger Jahren mit erstaunlichen Bildungsinvestitionen waren die achtziger Jahre vom Motto der Spaßpädagogik und des unangestrengten Lernens geprägt. Um so unverständlicher ist, daß einige Kultusminister bis heute von innerer Schulentwicklung, schlanken Lehrplänen, selbstbestimmtem Lernen schwärmen und dabei dem Lehrer allenfalls noch die Rolle eines Showmasters zuweisen. In diesen Jahren hat sich die Kultusministerkonferenz als Kartell zur Konkurrenzvermeidung im Schul- und Hochschulwesen hervorgetan. Wenn nun einhellig Bildungsstandards, Vergleichsarbeiten und zentrale Abiturprüfungen gefordert werden, ist das allein den internationalen Leistungsvergleichen zuzuschreiben. Sie haben zum ersten Mal die länderübergreifende Gleichmacherei aufgedeckt, allerdings keine Begründungen gegeben.

Leider fehlen solche Vergleiche für die Hochschulen. Dort setzt sich fort, was für das Schulsystem lautstark beklagt wird. Was sich unter der politisch gewollten Angleichung des europäischen Hochschulraums vollzieht, ist eine Zerstörung der Hochschulen Humboldtscher Prägung durch Amerikanisierung sowie politische und wirtschaftliche Einflußnahme auf Forschung und Lehre und eine allgemeine Egalisierung der Studienabschlüsse. Da sowohl Niedersachsen als auch Nordrhein-Westfalen staatlich festlegen wollen, wie viele Bachelors überhaupt noch bis zum Master weiterstudieren dürfen, gleichzeitig für ganz Deutschland eine belebende Konkurrenz zwischen bewährten Diplomabschlüssen und neuen Mastertiteln verboten wird, dient die Hochschulreform ganz offenkundig dazu, die öffentlichen Haushalte auf Kosten der Bildung zu entlasten. Es geht weder um Bildung noch um Qualität, es geht um Zahlen und Absolventen. Im Zuge der allgemeinen Egalisierung werden Fachhochschulen, Berufsakademien und Hochschulen ihrer Unterschiede beraubt - "Master ist gleich Master", lautet das politische Credo.

Inzwischen spielen sogar Industrie- und Handelskammern mit dem Gedanken, Mastergrade zu vergeben. Niemand wird sie daran hindern können, denn Bachelor- und Mastergrad sind rechtlich nicht geschützt. Doch das Etikett sichert nicht den gleichen Inhalt, und deshalb wird sich die gesamte Anbiederung an das keineswegs einheitliche angelsächsische System als fauler Zauber erweisen. Die Entwertung der Abschlüsse führt dazu, daß ohnehin nur Studieninhalte und Studienleistungen verglichen werden können - was schon immer möglich war, auch ohne Bachelor- und Masterzertifikate. Wer sich der allgemeinen Nivellierung in Schule und Hochschule widersetzt, wird allzu leicht als Reformgegner und Ewiggestriger gebrandmarkt.

Dabei wird übersehen, daß die vermeintlich kinderfreundliche Egalisierung der nachwachsenden Generation jene Erfahrung vorenthält, die jegliche Begeisterung am Lernen erst entzündet: die mit den Anforderungen wachsende Anstrengung, vor allem aber die Erfahrung des Gelingens. Der Film "Rhythm is it" gibt einen Einblick in das erste große Bildungsprojekt der Berliner Philharmoniker mit ihrem Chefdirigenten Sir Simon Rattle. Zwei britische Choreographen mit mehrjähriger Erfahrung mit Tanzprojekten in sozialen Brennpunkten studierten mit 250 Jugendlichen aus 25 Nationen Tanzschritte und Bewegungsabläufe ein. Die meisten der Schüler kamen zum ersten Mal mit klassischer Musik in Berührung, waren weder körperliche Anstrengung gewohnt, noch waren sie ohne weiteres zu disziplinieren. Die Choreographen ließen sich ihre Ansprüche nicht abhandeln. Trotz massiver Rückschläge und deutlicher Kritik an Disziplinlosigkeit und schlechten Lernfortschritten hielten sie an ihren hohen Erwartungen fest und setzten ihr Vertrauen in das bisher brachliegende Leistungsvermögen der Schüler.

Der Unterrichtsstil der Briten führte zu einer harten Auseinandersetzung mit den beteiligten Berliner Lehrern, die eine ruinöse Schonhaltung der Pädagogik so verinnerlicht hatten, daß sie für ihre Schüler Partei ergriffen und sich gegen angebliche Überforderung wehrten. Nach der gelungenen Aufführung waren die Schüler, die ständig unterfordert waren, nicht nur beglückt, sondern dachten auch an höhere schulische Ziele. Kinder brauchen Lehrer mit aufmerksamer Zuwendung und klaren Anforderungen, aber auch den Erfahrungsraum von Musik und Bewegung, der persönliche und intellektuelle Entwicklung gleichermaßen fördert.

Text: F.A.Z., 13.05.2005, Nr. 110 / Seite 1

Antworten:

Ist gar nicht schlecht, der Artikel!
Hast du abgetippt (fleißig, lob,lob) oder hast du einen link?

von Eva - am 19.05.2005 10:35
Hallo,

wenn ich sowas lese, frage ich mich immer, wann denn wohl die goldenen Zeiten der gymnasialen Bildung waren, nach denen wir uns alle so sehnen.

Ich habe vor über 30 Jahren Abitur gemacht. Dass es damals so wenig waren, lag nicht an höheren Anforderungen, sondern daran, dass Nicht-Akademiker ihrer Kinder nicht aufs Gymnasium schickten - und Punkt. Es gab da nur wenige Ausnahmefälle. Mädchen waren nicht darunter. Viele Familien fanden gymnasiale Bildung für Mädchen überflüssig. Den Söhnen sollten keine Flausen in den Kopf gesetzt werden. Sie sollten friedlich in die Fußstapfen ihrer Väter treten. Die Kosten waren auch nicht unerheblich. Kostenlosen Schülertransport gab es bei uns genausowenig wie Lernmittelfreiheit.

Mit 5 % Abiturienten kommt man in der heutigen Welt einfach nicht mehr aus. Soviel ich weiß, sind auch die 41 % im internationalen Vergleich noch zu wenig.

Was nun die Qualität meiner damaligen Schulausbildung betrifft, würde ich das nicht so wahnsinnig hoch hängen. Von Spaßpädagogik war nicht die Rede, aber von extremer Lehrerknappheit. Es fiel sehr viel Unterricht aus. Zusätzlich wurde sehr viel von Hilfskräften unterrichtet. Wir haben in Deutsch mehr Klassiker gelesen. Aber den Fremdsprachenunterricht kann man mit dem heute nicht vergleichen. Unsere Lehrer waren größtenteils nie im Ausland gewesen. Ergänzt wurden sie durch Muttersprachler. Wir hatten zum Beispiel bei einer Kanadierin aus Vancouver Französisch, weil ja jeder weiß, dass man in Quebec auch Französisch spricht. Da kam für uns überhaupt nichts rum. Einige unserer Lehrer hatten im Krieg so viel abbekommen, dass an Unterricht, wie man den heute kennt, kaum zu denken war. Einer hatte zum Beispiel Platzangst und musste zwischendurch immer wieder auf den Schulhof rennen. Diverse körperliche massive Behinderungen gab es in großer Zahl. Wir haben in aller Gemütsruhe unser Abi gemacht. Die Schule lief absolut nebenbei.

Meine Eltern, die noch einmal 30 Jahre vorher ihr Abi gemacht haben, hatten erst recht keine Spaßpädagogik. Es war Krieg, bzw. Nachkriegszeit. Die Lehrer waren alle mehr oder weniger abhanden gekommen. Die Schulgebäude auch. Das war reines Notfallmanagement.

Noch einmal 30 Jahre vorher, zu Zeiten meiner Großmutter, brauchte diese als Mädchen noch eine Ausnahmegenehmigung, um überhaupt Abi machen zu dürfen. Die 25 km in die Schule lief sie zu Fuß, meistenteils ohne Schule.

Meine Kinder, die jetzt so auf ihr Abi zusteuern oder gerade dabei sind, haben am Gymnasium noch immer keine Spaßpädagogik vorgefunden. Die Herausforderungen suchen wir uns woanders. In der Schule wird eher stur gepaukt. Eigentlich wie eh und je.

Aber vielleicht hat ja jemand andere Erfahrungen........

Michaela

von MichaelaM - am 19.05.2005 11:54

Re: copy+paste ;-)

Hallo Eva,

der Link zur FAZ: [www.faz.net]

und dann einfach Copy+Paste.

Nee nee, getippt habe ich heute schon genug. ;-)

Viele Grüße

PS @MartionPE: Ich habe mein Abitur vor 20, nicht vor 30 Jahren gemacht (jetzt kann ich mir ausrechnen, wie alt MarionPE ist *g*) - und das macht wohl schon einen Unterschied. Aber auch ich habe mich nicht gerade dafür anstrengen müssen. Das war schon die Zeit der "deformierten Oberstufe", wie wir sie nannten, man konnte mit Sport und Religion schon Abitur machen, selbst in Baden-Württemberg. Und die es dann bei uns immer noch nicht packten, gingen eben über den Neckar drüben nach Hessen. Die hatten das damals richtig gut drauf mit genau diesem "Gleichheits-Thema" - denn sie haben das in der Gesamtschule richtig gut verwirklicht seinerzeit. Das war Lasch-o-Pur und ist in dem Artikel wirklich super gut getroffen.

Diese SPD-Nachwirkungen haben sie jetzt noch trotz CDU-Regierung, und nun wohnen wir in diesem Bundesland. Was hier an der Grundschule abläuft, ist wirklich für Lernbehinderte noch zu einfach. Nono-Dada-Lulu und Malen-Schneiden-Kleben. Wer auch nur einen Vierwortsatz ohne Stottern herausbringt, wird beklatscht, wenn eine kleine pralle Wurst sich im Sport 3 Meter weit hüpfend fortbewegen kann, kriegt sie eine 2. Kein Wunder, dass auch nur halbwegs intelligente Kinder sich zu Tode langweilen.

Unseren müssen wir diesbezüglich gerade sehr an die Kandare nehmen, obwohl es schmerzt. Denn inzwischen hat er den Laden durchschaut, kapiert aber leider (altersmäßig) noch nicht, dass nur die schriftlichen Leistungen nicht alles ausmachen. Und wenn er sich dann nicht oder nur wenig beteiligt und aus Langeweile herumschlampt, dann kriegt er eben notenmäßig noch eins drauf, weil das diese Spaßpädagoginnen eben nervt. Dass es aber an ihnen selbst und an diesem gräßlich anspruchslosen Unterricht liegt, kann man ihnen ja nicht vermitteln und muss es eben einfach hinnehmen und aushalten. So sieht das aus, auch nach (erst) 20 Jahren.

Aber das kann ein Kind, das so jung ist, noch nicht von selbst einsehen, da fehlt einfach noch die Zeit zur Reife. Da kann man nix machen, reagiert leider gerade nur auf sehr kurze Zügel und herbe Ansprache. Denn der Rest ist ja leistungsmäßig absolut Pillepalle für ihn, schriftlich können sie ihm ja auch absolut nichts anhaben. Jetzt müssen wir ihn nur fit machen, dass er nicht im Schriftlichen nachlässt, weil diese Idioten doch nur darauf warten, uns zu beweisen, dass es eben wohl doch ein Fehler war, das Kind so früh einzuschulen. Die können sich gar nicht vorstellen, wie furchtbar das für ihn und für sie wäre, wenn er tatsächlich nach Frist (also erst dieses Jahr) in die Schule kommen würde und wie groß die Probleme mit der Langeweile dann erst wären.

Viele Grüße noch mal

von FelixMum - am 19.05.2005 15:37

Re: copy+paste ;-)

Hallo Felixmum!

Dafür, dass du heute schon genug geschrieben hast, hast du dich mal wieder ganz schön lange ausgelassen. habe ich wirklich geschrieben, dass ich vor 30 Jahren mein Abitur gemacht habe? Aber warum spottest du über mein Alter? Ich habe nachgerechnet, mein Abi war auch vor 20 Jahren, kommt mir aber mindestens wie 50 vor, nicht weil ich mich so alt fühle, sondern weil ich die Zeit danach als wichtiger empfinde. Mein Erlebnis "Schule" ist weit, weit weg.

Übrigens ich musste mich schon fürs Abi anstrengen, aber warum bin ich auch so blöd und wähle diese Leistungskurse? Dem Sozialwissenschaftslehrer unserer Jahrgangsstufe habe ich ins Gesicht gesagt, sein Fach würde ich nicht wählen, das wüsste ich alles schon. Meine Eltern müssen an mir ganz schön gezweifelt haben.

Was du so über die Schule sagst entsetzt mich. Wenn du ähnliches vor deinem Sohn sagst (manchmal machst du solche andeutungen), dann wirst du mit ihm noch einige Schwierigkeiten bekommen. Mit der Einstellung werdet ihr spätestens in seiner Pubertät Spaß haben. Meine Älteste kam auch mit 6 in die dritte Klasse, bekam dann den dritten Klassenverbund und die dritte Klassenlehrerin, aber deshalb habe ich nicht die Schule schlecht gemacht. Auch als unsere Zweite massive Schwierigkeiten mit der Klassenlehrerin hatte haben wir versucht, sie aufzubauen, ohne die Schule schlecht zu machen. Der Jüngste hatte viel Glück mit seiner Klassenlehrerin, aber auch bei ihr ist nicht alles Gold, was glänzt, aber er geht gerne dorthin, das ist das Wichtigste. Auch er musste lernen, dass mündliche Mitarbeit wichtig ist, aber man kann es lernen.

Ich wünsche euche alles Gute für die Zukunft. Hoffentlich ist euer Weg der Richtige


Marion

von MarionPE - am 19.05.2005 16:41

Re: copy+paste ;-)

Hallo,

mich erinnert das ein bißchen an unseren HB-Stammtisch. Die Grundschuleltern hätten es am liebsten, wenn alle Nicht-HBs gar nicht dabei wären, damit ihre Kinder endlich die Hochleistungsförderung bekommen, die sie unbedingt brauchen und tauschen sich über die Glanzleistungen ihrer Kinder aus.

Am anderen Tischende machen sich die Gymnasialeltern immer kleiner. Hier werden Tipps ausgetauscht, wie man die drohende Nicht-Versetzung abwenden kann oder wie man der Schule klarmachen kann, dass diese Kinder spezielle Rücksichten brauchen, um überhaupt irgendwie zurechtzukommen.

Wollte ich nur einmal vorsichtig anmerken. Ein bißchen Bescheidenheit ist eigentlich immer angebracht. Der Nobelpreis ist noch fern......

Michaela

von MichaelaM - am 19.05.2005 19:24

Re: @MarionPE

Hallo Marion,

wo habe ich denn über dein Alter gespottet? Niemals, wozu denn auch. Ich habe mitbekommen, dass deine Kinder um einiges älter sind als meiner einer, also ist das auch einigermaßen logisch, oder?

Die Schule schlecht machen wir Zuhause nicht, weil sie es einfach schon ist. Da muss man nichts mehr schlecht machen. Das ist Fakt. Es ist eine erbärmlich anspruchslose, verständnislose, einfach grauenhaft durchschnittliche Durchschnitts-Grundschule für durchschnittliche Dorfkinder, die später sicher mal in der Region als Drogeriefachgehilfin, Arzthelferin, Maurer und Elektriker ihr Dasein fristen werden( nichts gegen diese Berufe!), manche werden sicher auch noch das Glück haben, in Frankfurt zu studieren, aber sie werden nie weiter über den Tellerrand als bis dorthin schauen. Das meine ich nicht sarkastisch, das ist die Realität. Ich habe auch nichts gegen diese Kinder, nur ist das Niveau besonders an diesen Grundschulen hier eben genau so wie in dem FAZ-Artikel beschrieben: Die Schwachen werden weitergehievt aber auch nicht echt gefördert, die stärkeren kommen ohnehin durch, aber langweilen sich schier zu Tode. Und die, die lieb und brav still sitzen und malen-schneiden-kleben, sind die Lieblinge und bekommen die guten Noten. Bloß kein Junge sein an einer solchen Schule, und schon gar nicht intelligent.

Wir haben keine Furcht vor der Pubertät, auch nicht vor Auseinandersetzungen. Bei uns geht es manchmal temperamentvoll zu, keine Frage. Wir scheuen Konflikte nicht, und das bringen wir dem Kind auch nicht bei. Auch wir Eltern gehen zum Streiten nicht raus, das geht sehr offen zu. Gerade deshalb jedoch ist das Verhältnis sehr stabil, weil das Kind immer mitbekommt, dass man sich auch streiten darf, und also dass man auch genauso über die Arbeit wie über Schule schimpfen darf und man macht es trotzdem und liebt sich trotzdem. Irgendwo muss die Luft doch raus. Wir machen ihm keine heile Welt vor, wo sie es nicht ist. Er geht ja trotzdem gern zur Schule, vielleicht gerade WEIL wir ihm den Unterschied erklären zu Zuhause und zu seiner Freizeitgestaltung. Er mag auch seine Lehrerin immer noch, obwohl er weiß, dass wir sie zum K... finden und uns schon gar nicht mit ihr unterhalten mögen. Wir erklären ihm das, weil es normal für uns ist, dass seine Freunde nicht automatisch unsere Freunde sein müssen - weder bei Kindern noch bei Erwachsenen ist das so. Wir machen uns da nichts vor, wir erklären ihm nur die Spielregeln, mit denen er dort am besten durchkommt. Denn das Gymnasium ist für ihn das Ziel, nicht die Hauptschule. Nicht, weil wir so ehrgeizig sind, sondern weil er das Zeug dazu hat und wir das wissen, dass diese Grundschule im Prinzip Pillepalle für ihn ist. Eine hart erarbeitete Drei ist sicher eine Anerkennung wert, aber nicht eine, die einem nur wegen Faulheit und Langeweile reingedrückt wird. Das kann ein Kind mit 6 aber noch nicht beurteilen, wie dieses System strukturiert ist und worum es da in der Schule wirklich geht. Gerade in der Grundschule - das kann mir wirklich keiner erzählen - geht es doch wahrlich nicht um WISSEN oder dass man da was NEUES lernt, was man nicht schon längst wüsste oder sich nicht auch Zuhause aneignen könnte. Da geht es um genau diese gleichgeschaltete Durchschnittlichkeit, wie sie der FAZ-Artikel so schön beschreibt und die keinem Kind was bringt (auch nicht den ganz doofen), um nicht mehr und nicht weniger.

Gerade weil uns schon zu Beginn der Satz entgegenschallte "Ja, haben Sie mal an eine besondere Schule für ihn gedacht?" wussten wir sofort, wo der Hase läuft. Diese Lehrerin wollte das Kind eigentlich nie in der Klasse, war von Anfang an damit überfordert. Und dazulernen für ihren Job wollte sie auch nicht, also mal in ihrer Karriere den Umgang mit einem einigermaßen kleveren Burschen erleben und auch mal was von IHM lernen. Fehlanzeige. Aber sie ist ja SO berufen für ihren Beruf. Das sagte sie uns wortwörtlich in einem Gespräch. Danach war uns doch alles klar, bis heute. Wozu also dann dem Kind etwas vormachen, was diese Frau wirklich von ihm hält? Nur weil sie ihm in schriftlichen Arbeiten und beim Aufrufen selbst aus dem Tiefschlaf nicht aus dem Konzept bringen kann, kann sie ihm nicht an den Karren fahren. Aber wenn sich die ganze Klasse schlecht benimmt und er hampelt mit, dann kriegt er es ab, dann ist es Felix gewesen. Oder wenn er in der Heftführung schlampt, weil er dazu keine Lust hat oder das nicht wichtig findet, dann wird darauf eben bei ihm "mehr Wert" gelegt und man kann ihm dort eine Note schlechter geben als einem Kind, das 15 Förderkurse plus Nachhilfe bekommt, da ist man dann doch eher nachsichtig. So läuft das da. Zu uns ist sie dann immer scheißfreundlich, diese linke Wehe. Sie meint in ihrer gottgegebenen Dummheit, dass wir das nicht wissen.

Motiviert ist er trotzdem. Er kriegt halt im Moment nicht so ganz mit, dass Schule doch was Ernstes ist. Das merkt man dann an solchen Äußerungen wie "Jetzt fehlt mir nur noch eine 3 in Kunst, dann habe ich eine 'Kleine Straße' zusammen: 1, 2 3 und 4." Weißt du, solche Sätze machen dann schon stutzig. ;-)

Aber keine Sorge, wir regeln das auf unsere Art. Wir sind eben keine Schmusepädagogen, da sieht das für Außenstehende mitunter etwas ruppig aus. Bisher hat das aber immer noch besser geholfen als alles andere. Es ist im Moment eben nicht immer die reine Freundlichkeit, die unser Sohn mit 6 Jahren ernst nimmt und auch versteht.

Jetzt ist es doch wieder etwas lang geworden. Trotzdem einen schönen Abend.

von FelixMum - am 19.05.2005 19:35

Re: Nachtrag @MarionPE = Michaela verwechselt!

Entschuldigung, beim Nachlesen fiel es mir auf: Ich habe Michaelas Abitur vor 30 Jahren MarionPE zugeordnet, daher die Verwechslung.

Ich bitte um Vergebung. Und spotte auch weiß Gott nicht über Michaelas Alter. Wozu auch das? Also vergesst es doch einfach. Wir wissen jetzt, wer wann Abi gemacht hat und gut. ;-)

Viele Grüße

von FelixMum - am 19.05.2005 19:42

Re: Nachtrag @MarionPE = Michaela verwechselt!

Also von mir aus kannst du dich gerne über mein Alter lustig machen. Ich habe da kein Problem mit. Jedes einzelne meiner grauen Haare ist ehrlich erworben.

Michaela

von MichaelaM - am 19.05.2005 20:16
Hallo Felix Mum,

wie du weißt, bin ich ganz oft deiner Meinung. Mit dem Verzärteln am Stück habe ich es sicher auch eher nicht..;-). Trotzdem denke ich, dass man seine Grundhaltung eher neutral halten soll. Mir sind inzwischen auch viele schlechte Lehrer untergekommen, aber ich habe auch eine Menge richtig guter Lehrer erlebt.

Unsere Grundschule ist insgesamt auch eher ein Albtraum und dort wird häufig bis in die Realschule das praktiziert, was du beschreibst. In der Hausaufgabenhilfe gibt es eine Belohnung, wenn man die Hausis gemacht hat.....*auweia. Und trotzdem muss ich feststellen, dass unsere ältere Tochter an dem Gymnasium, das ich besucht habe, noch genau so hart und viel lernen muss, wie das bei mir vor (auch 20 Jahren...*lach) war. Zum Teil sind da noch die gleichen Lehrer....;-).

Der Unterschied zu anderen Azubis, die "nur" eine Realschule besucht hatten, war damals schon greifbar. Mit meinem nicht gerade tollen Abschlusszeugnis bekam ich relativ leicht einen Ausbildungsplatz. Heute sitzen in unserer Realschule Kinder, die in der Grundschule schon nur 5er und 6er schrieben. Ein Hoch auf die freie Schulwahl.....

Ich persönlich suche die Schuld weniger in der Schule, sondern viel mehr bei den Eltern selbst. Hier bin ich umgeben von Eltern, die sich kaum um ihre Kids kümmern. Das geht bei geregelten Mahlzeiten los und endet beim Schlafen gehen auf open end. Alles, was sich dazwischen bewegt, muss sich für manche Eltern anfühlen als hätten sie keine Kinder....Von dem, was Schule einem noch bietet, wollen die wenigsten Familien etwas mitnehmen. Alles haben? Ja. Dafür etwas tun? Nein.

Das alles lässt sich auch nicht mehr der viel gewollten Ganztagsschule beheben. Den Rücken gestärkt bekommen, echte Zuneigung und viel Zeit für die leisen Zwischentöne sind, denke ich, das, was Kinder brauchen, um auch lernen zu können.
Was wirklich tragisch ist: diese Generation Eltern, die glaubt, man könne im Leben alles haben, kommt als bald als Lehrkraft an die Schule. Dann wirds erst richtig spannend......

Heute wieder mal sehr psycho unterwegs,
Pitty

von Pitty - am 20.05.2005 04:03
Hallo Pitty,

vielleicht ist das regional unterschiedlich. Hier denkt schon lange überhaupt niemand mehr, man könne im Leben etwas haben, ohne dafür zu arbeiten. Es ist eher so, dass viele nicht einmal arbeiten dürfen.

Das macht Angst. Und deshalb werden die Kinder ganz massiv unter Druck gesetzt, um wenigstens einen guten Schulabschluss zu bekommen. Auf Schulen, an denen es auffällt, wenn man mal seine Hausaufgaben macht, werde ich keines meiner Kinder schicken. An unserer Schule ist das definitiv nicht so.

Michaela

von MichaelaM - am 20.05.2005 04:50

Re: "Gleichheitswahn"

Hallo Pitty,

klar darf ich mich doch auch mal aufregen (tu ich so gern, weil es gut tut). Ich bin aber auch nicht jemand, der nur schwarz sieht. Vielleicht ein Missverständnis.

Wenn ich an meine eigene GS-Zeit denke, fällt mir überhaupt nicht Spektakuläres ein. Das muss so glatt gelaufen sein, dass ich mich nicht erinnern kann. Wie ausgelöscht. Aber ich war ja auch ein Mädchen, und es gab noch keine Spaßpädagogen wie die heute, die nicht mehr weiter wissen, wenn ein Kind sich ihnen gegenüber im Ton vergreift. Das fängt ja schon damit an, dass unsere Lehrerinnen hier den Kindern gestatten, sie zu Duzen. Würde mir als Lehrerin NIEMALS einfallen! Und auch wenn ein Migrantenkind in der Ersten keinen Ton herausbekäme, das wäre das erste, was sie lernen: Frau Sowieso + "Sie", Bitte, Danke, Guten Morgen, Auf Wiedersehen. - Wie gesagt, es sind andere Zeiten heute. Da hat man schon schwer zu schlucken, wenn man da anderer Ansicht ist als diese Komiker, die nicht begreifen, dass sie sich an der Schule nur selbst das Leben schwer machen und die meisten Problemsituationen durch ihr eigenes Verhalten selbst provozieren. Aber dann sind sie total hilflos und wissen nicht, was sie machen sollen. Dann wird mit den Eltern über "Verhaltensauffälligkeiten" gesprochen und ob man schon mal daran gedacht hätte, mit dem Kind einen Psychologen aufzusuchen.

Dass unser Kind das alles unbeschadet "überlebt", davon bin ich fest überzeugt. Mir ist auch klar, dass uns Eltern die heutige Schulsituation viel mehr nahe geht als unserem Sohn. Der sieht das gar nicht so. Aber für uns ist es deshalb so schlimm, weil wir vielleicht total naiverweise geglaubt haben, in 30 Jahren (GS-Zeit) hätte sich noch etwas ändern können. Aber an der GS ist es wirklich eher schlimmer geworden, weil es so viel mehr seichter und anspruchsloser geworden ist. Allein wenn ich mir diese Arbeitshefte ansehe - überall nur Blümchen, Bildchen, Spielereien, Ausmalen, Trallalla - hach, es soll doch alles so spielerisch laufen. Dabei ist das nur die totale Verblödung, dieser Killekram.

Die Lehrer, die ich selbst noch im Gymnasium traf, waren auch nicht alle schlecht. Aber es waren auch nicht viele. Die wenigen guten, an die ich mich erinnere, waren übrigens ausnahmslos Männer. Die Lehrerinnen betrieben den Job aus meiner Erinnerung eher als lukrative Unterbrechung ihrer eigenen Kinderphasen oder sie haben auf Lehramt studiert, weil es so schön viel Ferien gibt und man Mittags schon daheim war. Zum Unterricht musste man ja nur ein Buch mitbringen, aus dem dann ein Schüler vorlas. Kaum eine Frau in diesem Job nahm ihren Beruf wirklich ernst und wir sie natürlich als Schüler auch nicht. Zumindest kann ich mich nur an eine einzige Lehrerin erinnern, die ich im Nachhinein als "fähig" bezeichnen würde, das war die Musiklehrerin, bei der wir von Bach bis "The Who" und Musiktheorie von Gregorianisch bis Jazz unheimlich viel gelernt haben. Sie war aber auch diejenige, die die Eltern schon damals gegen sich aufbrachte, weil sie in der 5. Klasse direkt alle Kinder zur Anschaffung einer Blockflöte verdonnerte. Aber ich habe mich später umgehört, es gab nur wenige Schulen wie unsere, an denen bis zum Abitur kaum ein Kind KEIN Instrument spielte - und wer keines spielte, sang bei ihr im Chor. Das war auch ein tolles Abschlusskonzert mit rund 120 Mitwirkenden damals. Und wie ist sie für diese konsequente Haltung zuerst doch auch angefeindet worden.

Natürlich hatten wir trotzdem Spaß. Wieviel das war, das merke ich daran, wenn ich meine alte Abizeitung oder den Jubiläumsband zur Hand nehme. Und unsere Kinder werden da sicher auch irgendwie durchkommen. Es ist nur so verdammt schade, dass es eben dieses "irgendwie" überhaupt geben muss. Es wäre eben schöner, wenn es anders wäre.

Die Kehrseite der in dem FAZ-Artikel beschriebenen Bildungspolitik ist ja nun auch die, die dir in deiner Umgebung (wie in meiner auch) so auffällt: Die Eltern kümmern sich eigentlich nicht mehr um die Kinder. Ja, aber wie sollen sie denn? Wenn ihnen tagtäglich erzählt wird, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bestünde darin, dass beide Eltern sich in Vollzeit verwirklichen dürfen und sollen (angesichts des Rückganges an Arbeitsplätzen ohnehin ein Hohn) und die Kinder bekämen dann ihre Erziehung am besten von qualifizierten Erziehern, in Tagesstätten und Ganztagsschulen. Würdest du diese ganze unbezahlte Sch...arbeit mit der Erziehung, die wirklich nicht immer Zuckerschlecken ist, nicht auch lieber abgeben? Und behaupten, du müsstest ja dann auch dafür nicht zuständig sein? Das ist doch die eigentliche Krux an der ganzen Geschichte, die hier total verkehrt läuft. Die Eltern werden wahlweise kritisiert für ihre nachlassende Erziehungskompetenz, aber gleichzeitig lässt man ihnen gar keine Wahl auf dem Arbeitsmarkt, oder sie werden wieder in die Pflicht gerufen, wenn die qualifizierten Pädagogen sich überfordert fühlen mit dieser Aufgabe. Weil eine Hartz-IV-Tagesmutter eben auch nicht gerade als "qualifiziert" gelten kann, wenn sie mal einen Halbtagesseminar über "Kinder brauchen Grenzen" besucht hat. Also WAS DENN NUN?, würde ich mich da mal fragen.

Dass die "Generation Eltern", die du beschreibst, "bald als Lehrkraft" an unsere Schulen kommen, stimmt nicht ganz: Sie SIND schon längst dort und "erziehen" gerade unsere Kinder zum Duzen, zum Diskutieren und zum Dummbleiben. ;-)

Viele Grüße, schönes WE

von FelixMum - am 20.05.2005 08:49

'Bravo' zu deinem Power-Statement...

Hallo FelixMum,

...das war doch mal ein Statement, dass mir aus der Seele spricht!!! :cheers:
Ich kann deine (teilw. wütende) Einstellung sehr gut nachvollziehen und habe bereits anhand anderer Bemerkungen von dir gemerkt, dass wir diverse Erziehungs- und Schulfragen in "unserem Hause" ähnlich handeln und mit der entsprechenden Reaktion/dem Unverständnis der Umwelt "kämpfen" müssen. In den vergangen Jahren GS-Zeit haben wir immerhin eines gelernt: damit zu leben exotisch zu sein und mittlerweile sind wir sogar stolz darauf...
Derzeit liegen "wir" in den letzten Zügen der Grundschule und sehen mit großer Hoffnung dem Gymnasium entgegen. Unser Sohn ist momentan schulisch nur noch angenervt und verbalisiert das (-leider oder Gott sei Dank!- ;-)) auch gegenüber den Lehrern (am richtigen Ton sollte er noch ein wenig feilen...).

Das letzte halbe Jahr war/ist fast nur noch SCHULSPASS angesagt: wochenlanges Fahrradtraining (es gab etliche Kinder, die kein Fahrrad hatten, geschweige denn, überhaupt fahren konnten...) als Unterrichtseinheit während des Sachkundeunterrichtes mit Fahrradführerschein als "krönenden Abschluss", zwei Ausflüge, Bundesjugendspiele, Frühlings- und Muttertagsbasteleien in Kunst, Projektwoche, Sportwoche, große Unterrichtsreihe Mathematik: "Zirkeltraining und Kunststückchen am Geodreieck", Gesangs-, Theater- und Tanzproben in den Fächern Sport und Musik für die Abschlussfeierlichkeiten, -
kein Wort zum 60jährigen Kriegsende und/oder Holocaust-Denkmal (auch nicht auf Nachfrage hin, da das KEINEN!!! interessiert :hot: ),... usw....
Originalton Sohn:"Irgendwie lernen wir schon seit langer Zeit gar nichts mehr Richtiges?!? Warum müssen wir denn den Abschluss so toll feiern, ist doch nichts Besonderes...!?"
Unsere "naive" Hoffnung auf das Gymnasium mag ja von einigen Erfahrenen hier belächelt werden, aber ich denke einfach, dass durch die Fächervielfalt ansich, schon ein wenig mehr Interesse an der Schule/an Schulthemen (an der GS gibt es für ihn keinerlei neuen "Reiz" mehr) bei unserem Junior entsteht, der dann natürlich auch wieder neue Impulse und Anregungen zur häuslichen Weiterbeschäftigung gibt. Das der "Gang in die Tiefe" eines Themas auch am Gym. nicht realisiert werden kann, ist uns dabei durchaus bewusst und wir stehen auch schon Gewehr bei Fuß, um ihn bei seinen "Tiefenforschungen" zu unterstützen (Bücher, Museumsbesuche,...).
Das ausgewählte Gymnasium beschäftigt übrigens sehr viele ältere Lehrer, was unseren Sohn so gar nicht abgeschreckt hat, da er die besten Erfahrungen mit dem "Frontal-Unterrichtstyp" gemacht hat... (keiner läuft herum, leiser, konzentrierter, gerechter, man lernt mehr, Anekdoten reicher, Sonderleistungen werden honoriert, Fehlverhalten hat Konsequenzen ...- seine Worte)
Dir, FelixMum, wünsche ich ein abschließend noch ein gutes Durchstehvermögen für die Grundschulzeit (Haltet an eurer Exotik fest, sonst stirbt "unsere Art" bald aus...!) und uns eine reizende (im wahrsten Sinne des Wortes) Gymnasialzeit.

Schönes Wochenende und bis bald
olive

von o-live - am 20.05.2005 10:23

Manchmal wär ein bißchen Gleichheit schön...

Hallo,

Leider hören Normen und standatisierte Ansprüche im familiären Bereich auf. Einen Erwachsenen ohne Erlaubnis zu duzen, wäre auch mir niemals eingefallen - so wie wohl unserer ganzen Generation nicht. Heutzugage gibt es eigentlich keine Verbindlichkeiten in der Kindererziehung mehr und ich finde, das macht es so schwer. Wenn meine Kinder spätestens um 20:00 Uhr im Bett sein müssen, hören sie auf der Straße noch gleichaltrige Freunde bis 23:00 Uhr spielen (keine Ahnung, wie die am nächsten Morgen aus dem Bett kommen???). Sie müssen sich von anderen Kindern als "A...loch" beschimpfen lassen, während deren Eltern daneben stehen. Ein Nachbarsmädchen bekam sogar schon mal ein "F... dich ins Knie!" von einem fünf(!!!)-jährigen Bengel zu hören. Ist das denn noch normal? Ist es normal, dass ich einen 6-jährigen weinend im Regen auf der Straße treffe, weil er um 19:00 Uhr vom Spielen nach Hause kommt und niemanden antrifft? Dass, wenn Lehrerinnen das Gespräch mit Eltern bestimmter Kinder suchen, diese einfach zu verabredeten Terminen nicht kommen und auch wenn sie angerufen werden, immer gerade etwas zu tun haben, das viel wichtiger ist als ihr Kind?
Als mein Sohn gerade "Bitte" und "Danke" zu gebrauchen gelernt hatte, verwandte er die Begriffe eine Zeit lang exzessiv und erntete - Gelächter! Ein höfliches Kleinkind scheint etwas ausgesprochen Komisches zu sein (wohl wegen des Anachronismus).
Wie soll man denn da Werte vermitteln? Werte sind ja offensichtlich etwas ganz Individuelles und werden von der Gesellschaft nicht getragen. "Werteunterricht" soll das Problem jetzt beheben. So ein Quatsch! Was soll dabei herauskommen ohne einen gewissen gesellschaftlichen Konsens? Bestenfalls: " Ey, ich steh' überhaupt nicht auf so'n Rassismus-Scheiß. Ich kauf' mein Dope jetzt immer beim Türken, der ist voll korrekt, echt.".
Erziehungsarbeit sollte endlich als solche gesehen werden, nämlich als Arbeit: mit entsprechendem sozialen Stellenwert, finanzieller Unterstützung, aber auch Qualitätssicherung! Nichts gegen verschiedene Erziehungsstile, aber es müssen doch zumindest die Bedürfnisse des Kindes berücksichtigt werden und ein sozialverträgliches Verhalten seitens des Kindes angestrebt werden.


LG Big Mama

von Big Mama - am 20.05.2005 11:01

Zum Verfall unseres Bildungssystems und dem der Sitten unserer Jugend

In Mesopotamien:
"Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul."

Im alten Ägypten:
"Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Äusseres, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte."

Bei Sokrates:
"Sie scheinen jetzt das Wohlleben zu lieben, haben schlechte Manieren und verachten die Autorität, sind Erwachsenen gegenüber respektlos und verbringen ihre Teit damit herumzulungern und miteinander zu plaudern."

Im alten Rom, als man versuchte, Lernschwierigkeiten mit Buchstaben aus Gebäck zu beheben und konservative Römer darin den fortschreitenden Verfall der Bildungspolitik witterten, spöttelte der Satiriker Petronius:
Jetzt spielen die Kinder in der Schule."

Nichts Neues unter der Sonne.
Irgendwie beruhigend

Gruss Katja

von Katja Stein - am 20.05.2005 11:23

Re: "Gleichheitswahn"

thema gleichheitswahn:
"Zumindest kann ich mich nur an eine einzige Lehrerin erinnern, die ich im Nachhinein als "fähig" bezeichnen würde, das war die Musiklehrerin, (...)
Sie war aber auch diejenige, die die Eltern schon damals gegen sich aufbrachte, weil sie in der 5. Klasse direkt alle Kinder zur Anschaffung einer Blockflöte verdonnerte. "

das ist sicher genau das richtige für hbs.

von me - am 20.05.2005 11:49

Re: "Gleichheitswahn"

thema gleichheitswahn:
"Zumindest kann ich mich nur an eine einzige Lehrerin erinnern, die ich im Nachhinein als "fähig" bezeichnen würde, das war die Musiklehrerin, (...)
Sie war aber auch diejenige, die die Eltern schon damals gegen sich aufbrachte, weil sie in der 5. Klasse direkt alle Kinder zur Anschaffung einer Blockflöte verdonnerte. "

das ist sicher genau das richtige für hbs.

von me - am 20.05.2005 11:50

Re: "Gleichheitswahn"

Hallo Felixmum!

Gut, dass du keine Lehrerin bist. Ich stelle mir das gerade vor. Das Ausländerkind in der ersten Klasse sagt zu dir: "Frau ... sie sind ein A....loch" Was glaubst du, welches Wort er akzentfrei ausspricht? Und dann gibst du ihm eine Blockflöte und er trillert ein paar Choräle?

Was würdest du sagen, wenn dein Sohn jetzt Blockflöte lernen muss und die anderen können die Noten noch nicht? Er spielt doch schon lange Gitarre. Ich kann mir vorstellen, dass du dich fürchterlich aufregen würdest, wenn eine bestimmte Lehrerin das jetzt verlangen würde. Mein Sohn fand die Flöte übrigens .... (ich wiederhole es lieber nicht).

Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke: Auch da gab es solche und solche Lehrer. In der Grundschule habe auch ich meine Zeit abgesessen. Aber die Pausen waren toll. Auch die gehören zum Schulleben. Und die Gymnasialzeit? Ich erinnere mich an den alten Lehrer dessen Kopfverletzung aus dem Krieg schmerzte genauso wie an den Lehrer, der uns in Geschichte (war gar nicht sein Fach) die Tische umdrehen ließ und als Galeerensklaven durchs Klassenzimmer rudern ließ.

In Amerika gibt es Military schools; auch schon für junge Schüler. Ist es das, was du für deinen Sohn möchtest? Preußisch, Fleiß, Disziplin und Ordnung? Kannst du die vorstellen, dass es Kinder gibt, die wirklich Probleme haben, zu lernen? Sollen die alle Straßenkehrer werden? Dann wären unsere Städte schön sauber.

Natürlich ist es notwendig, dass ein gewisses Maß an Respekt vorhanden ist. Aber manche der Neuerungen sind gut und richtig. Wenn man vom Frontalunterricht wegkommt, dann kann man Schwache fördern und Starke fordern.

Früher war Einzelkämpfertum angesagt, heute denkt man auch an andere und bildet Teams. Zur Schule gehört nicht nur die pure Wissensvermittlung, sondern auch ein Gemeinschaftserlebnis. Sonst wäre ein Computer der bessere Lehrer. Nicht jede Lehrerin ist unfähig. Ich kenne viele gute, engagierte. Und die möchte ich hiermit mal loben.

Marion

von MarionPE - am 20.05.2005 12:22

Re: "Gleichheitswahn"

Mich stört der Tenor in dieser Diskussion doch sehr:

Hier im Forum schreiben Eltern von gut erzogenen und unglaublich leistungsstarken Kindern.

Leider werden sie in der Schule dazu verdammt, von idiotischen Lehrern in merkwürdiger Form unterrichtet zu werden. Und das auch noch zusammen mit schlecht erzogenen und völlig bescheuerten anderen Kindern.

Ist das tatsächlich so?

Michaela

von MichaelaM - am 20.05.2005 13:30

Re: "Gleichheitswahn"

Hallo Michaela!

Nein!

Es kann passieren, aber unsere Kinder sind nicht besser. Es gibt einige, die das von ihren Kindern glauben, aber so ist es nicht.

Auch bei den Lehrern gibt es wie in jedem Beruf gute und schlechte. Es sind keine Übermenschen. Das versuche ich hier immer wieder zu betonen. Nur: wenn man merkt, dass der Arzt, an den man gerät schlecht ist, oder auch nur ein em nicht liegt, dann kann man den Arzt wechseln. Beim Lehrer ist es schwierig.

Ich weiß, einige sehen das anders. Manchmal macht es mir dann ein Bedürfnis, sich mit denen etwas zu fetzen. Ich glaube anderen geht es auch so.

Marion

von MarionPE - am 20.05.2005 18:22

Re: "Gleichheitswahn"

Hallo FelixMum,

na klar, du hast Recht: in diesen schwierigen Zeiten ist Kindererziehung und Arbeiten müssen gleichzeitig wirklich superschwer. Trotzdem bin ich stockkonservativ, was das angeht. "Bitte, Danke" usw. kann man einem Kind auch vermitteln, wenn man wenig Zeit hat..;-) und nein, ich für meinen Teil würde diese Aufgabe nicht zu früh aus der Hand geben, dafür bin ich zu "gluckig". Und uns fällt das finanziell jetzt auch nicht gerade leicht......

Insgesamt stimme ich dir zu, versteh mich bitte nicht falsch. Trotzdem meine ich, dass ich meine manchmal extreme Wut nicht an meine Kinder vermitteln sollte, weil sie das noch lange aushalten müssen. Irgendwer muss ja ein Stück Optimismus mitgeben und das geht halt besonders gut, wenn man selbst erzieht.

Mir würde genügen, wenn das, was ich täglich leiste, wenigstens ein wenig Anerkennung fände, statt dass es den Satz: "....und was machst du da den ganzen Tag?" auslöst......;-).

Manchmal habe ich ein wenig Sorge, dass ich meine Kinder nach recht alten Werten erziehe, die später vielleicht gar nicht mehr gefragt sind. Das "Höher, Schneller, Weiter- Syndrom macht mir jedenfalls Angst und dazwischen scheint es nichts zu geben. Immerhin kann die Generation von Lehrern, die nach deinen Worten ja schon da ist, mit diesen Werten noch was anfangen und das lässt mich immer wieder hoffen...;-).

Nette Grüße,
Pitty

von Pitty - am 20.05.2005 18:54
Hallo Michaela,

vermutlich habe ich mich nicht gut genug ausgedrückt. Das "Alles haben wollen " bezog sich nicht auf materielle Dinge. Hier hatte ich eher die Schulausbildung gemeint. Wir haben eine Menge Eltern in unserem Umfeld, die ihre Kinder massiv unter Druck setzen, vermutlich weil sie Angst haben, dass das Geld später nicht reichen könnte. Gute Noten haben wollen, aber nichts dafür tun.... Das, was BigMama beschrieben hat, trifft es ziemlich genau. Nicht da sein, sich nicht kümmern und die Kinder auch emotional am lang ausgestreckten Arm verhungern lassen.

Das sind die Eltern, die nach jeder Klassenarbeit um Punkte feilschen und am Ende des Jahres meckern, wenn es nicht die bessere Note gab. Dafür haben diese Eltern Zeit. Da werden zur Hauptschule vorgeschlagene Kinder dann ans Gymnasium gebracht und nach dem Scheitern wirds dem Staat in die Schuhe geschoben, der beim Bildungssystem angeblich versagt......

Ach herrje, man könnte sich wirklich Stunden darüber aufregen...;-).

Nette Grüße,
Pitty

von Pitty - am 20.05.2005 19:09

Re: "Gleichheitswahn"

Hallo Pitty,

manchmal stelle ich mir auch die Frage, ob ich meinem Sohn tatsächlich einen Gefallen damit tue, wenn ich ihm gewisse Werte vermittle. Ich beobachte oft, dass die Kinder, die ausschließlich mit den Ellebogen arbeiten, ohne Rücksicht auf andere, eher ans gewünschte Ziel kommen, als mein Sohn.

Schöne Grüße,
Bettina

von BettinaX - am 20.05.2005 20:44
Tut mir leid, Pitty, Eltern wie du sie beschreibst, kenne ich überhaupt nicht. Und persönlich halte ich mich auch nicht deswegen für eine bessere Mutter, weil ich in einem anderen Kontext lebe als etwa manche Ausländerfamilien in unserem Stadtteil.

Michaela

von MichaelaM - am 20.05.2005 20:47

Re: "Gleichheitswahn"

Auch das würde ich nicht unterschreiben wollen. Aber es kommt natürlich drauf an, was man für Ziele hat. Mein Erziehungsziel ist es zum Beispiel nicht, die Kinder dazu zu bringen, andere aus dem Weg zu boxen.

Dafür sind mir eingedrillte Formalien weniger wichtig. Und ich bin bekennende Karriere-Mutter. Meine Kinder gelten allgemein als wohl erzogen und sozial kompetent. Außerdem sind sie gute Schüler. Glück gehabt. Denke ich mal. Denn ich habe sie ja dann in eurem Sinne auch ständig vernachlässigt.

Ich denke, in Wirklichkeit sind das Klischees. Ich kenne genug Nur-Hausfrauen, die sich kaum um ihre Kinder kümmern und berufstätige Mütter, die durchaus ihre Kinder nicht seelisch verhungern lassen. Die Menschen sind verschieden.

Und jeder hat eben andere Ziele.

Michaela

von MichaelaM - am 20.05.2005 20:52

Re: "Gleichheitswahn"

Diese Gattung Horror-Eltern, die hier so genüsslich angeekelt beschrieben werden, kenne ich auch nicht. Ereifert ihr euch manchmal nicht ein bisschen zu stark? Bei solchen Beschreibungen frag ich mich immer: Hat das wirklich noch mit persönlichen Erfahrungen zu tun oder wird da nicht eine ganze Menze in halb reale Leute hineinprojiziert?

Katja

von Katja Stein - am 21.05.2005 04:01

Es gibt sie wirklich!

Hallo,

wir wohnen in einem Neubaugebiet in der Vorstadt und die Anwohner hier sind zu etwa 70% junge Familien mit kleinem bis mittleren Einkommen (so wie wir). Ich habe hier also reichlich Kinder und deren Eltern direkt vor der Nase. Viele davon völlig "normal", aber eben auch nicht wenige, wo m.E. einiges schief läuft. Diese Menschen sind real! Ich treffe sie auf der Straße und auf Elternabenden. Ich sehe ihre Kinder im Kindergarten im November mit zu kleinen Sandalen und feilsche mit ihnen in der Schule um jeden Euro für die Klassenkasse. Ich sehe die Kinder morgens zum Bäcker gehen und sich dort regelmäßig ihr Pausenfrühstück in Form von Kinderriegeln und Cola holen, weil das Schmieren eines Brotes, geschweige denn das Schneiden eines Apfels, den Eltern zuviel Arbeit macht. Ich höre die Kinder über Filme sprechen, die jeder sie betreffenden Altersempfehlung spotten. Das hat auch weder etwas mit dem sozialen Kontext noch mit Ausländern zu tun, sondern es steckt einfach eine bestimmte Haltung dahinter. Ich halte mich auch nicht für eine Übermutter. Es gibt eine große Bandbreite von guten Müttern, die teilweise andere Schwerpunkte setzen als ich. Aber der Minimalanspruch "Wohl des Kindes" und "Sozialverträglichkeit" sollte doch gewährleistet sein!

LG Big Mama

von Big Mama - am 21.05.2005 10:21

Re: Eltern

Hallo,

leider kenne auch ich solche Eltern, die nicht zu Hause sind, wenn man das Kind von der Nachmittagsverabredung nach Hause bringt( um 18.00 Uhr ). Und auch zwei Stunden spaeter noch nicht. Auch wurde bei uns am Elternabend in der ersten Klasse gesagt, die Kinder moechten doch bitteschoen etwas fruehstuecken. Bei der Umfrage der Lehrerin, wer denn nocht nichts gegessen habe, haben sich von 14 Kinder (von 26 ) gemeldet, wer noch nichts getrunken habe, da waren es immerhin noch 10. Ist das denn noch normal?

Es gibt KInder , die haben in der zweiten Klasse immer noch keine Buntstifte, aber dafuer ein Handy, damit das Kind irgend jemanden anrufen kann, um eine Betreuung zu finden , denn noch nicht einmal darum kuemmern sich die Eltern. Sicherlich ist es schwierig, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bringen, aber es gibt auch viele Eltern, die schaffen das. Und auch manche "Fulltime-Mutter" setzt ihr Kind den ganzen Nachmittag vor den Fernseher, dann sind sie so schoen leise. Es ist meines Erachtens nicht eine Frage von berufstaetig oder nicht, sondern des Verantwortungsgefuehls.

Ich glaube auch, dass zunehmend mehr Kinder sozial verwahrlosen.Mit dieser traurigen Erkenntnis gruesse ich alle, die ihre Kinder und ihre Verantwortung ernst nehmen.

Carola

von Carola - am 21.05.2005 11:52

Re: "Gleichheitswahn"

Hallo MarionPE,


in der Kürze liegt manchmal auch die Würze und mit deinem
Kommentar hast Du soviel Wahrheit für mich rübergebracht,
wie kaum ein anderer Kommentar das geschafft hat.

Es gibt eben nicht nur Schwarz und Weiß sondern auch die
vielen Nuancen dazwischen.


Grüße Conny

von Conny_(-: - am 22.05.2005 09:36

Re: Blockflöte ;-)

Hallo,

Die "Blockflöte" war doch nur ein Beispiel, außerdem inzwischen 20 Jahre alt. Auch gab es vor 20 Jahren noch nicht dieses massive Migrantenproblem. Woher also die große Aufregung?

Diese Lehrerin jedoch (damals noch sehr jung und engagiert) bemühte sich mit einem einfachen, für ALLE Eltern dieser Kinder kostengünstig zu beschaffenden und dazu leicht zu transportierenden, bruchsicheren Instrument, ALLE Kinder gleichermaßen an die Schaffung von Voraussetzungen für musikalisches Verständnis, Notenlesen, Komposition, Harmonielehre etc. heranzuführen, außerdem durch die Ausstattung der gesamten Klasse eine Erziehung zu gemeinsamem Orchesterspielen bzw. die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Es gibt dazu nun mal bis heute keine Alternative zur Blockflöte, soweit ich weiß. Alles andere wäre teurer, komplizierter zu bedienen oder größer und schwerer. Oder es würde, wie z. B. Mundharmonika oder Maultrommel, keine (Einzel)töne produzieren können. Also. ;-)

Ob unser sohn das toll finden würde, ich glaube nicht. Oder ob HBs das toll finden würden. Aber darum ging es hier nicht.

Es ging darum, dass eben die o. g. Voraussetzungen für musikalische Arbeit mit Kindern auf diese Weise geschaffen wurde und bei nicht wenigen Kindern damit erreicht wurde, dass die Kinder selbst sich zum ersten Mal für das Erlernen eines Instrumentes und für (klassische) Musik interessierten, sie dadurch auch ihre Eltern zu "mehr" mobilisieren konnten und die Initiative einer Lehrerin auch einmal Eingang in die häusliche Erziehung fand. Das Resultat war - wie gesagt - enorm: Kaum ein Kind unseres Abschlussjahrganges 8 Jahre später spielte KEIN Instrument (darunter übrigens auch nur ganz wenige Blockflöten, aber etliche Querflöten, Klarinetten, Saxophone etc., die ja auf diesem Prinzip aufbauen) . Manche haben später sogar Musik studiert oder verwandte Fächer belegt und einen Beruf daraus gemacht, bis hin zum Musikkritiker in einer Redaktion. Das war nicht zuletzt das Verdienst dieser Strategie der Lehrerin, bei der wir übrigens nicht die ganze Stunde lang Blockflöte spielen mussten, oh nein. Aber sie erklärte uns ANHAND dieses Instrumentes viele Elemente aus ihrem Unterricht und DAS war der Sinn der Sache.

Heute würde diese Strategie ihren Sinn immer noch erfüllen und sogar GERADE WEGEN der vielen Migrantenkinder, denen die Welt der Musik bis auf den Ghettoblaster und "heimische" Klänge bis zum Ende ihrer Schulzeit verschlossen bleibt und die niemals eine Musikschule von innen sehen, wenn keiner sie darauf bringt, dass es sowas gibt, dass diese aktive Beschäftigung mit Musik etwas anderes bietet (und sogar die Basis für eine Zukunft im Erwerb sein kann) als das planlose Herumhängen auf dem Marktplatz und dem Abwarten bis zur nächsten ABM und dass auch ihre Eltern niemals erkennen, dass auch eine Gitarre schon für nur 50 Euro zu haben ist, weil sie ja ein Musikaliengeschäft nie betreten würden. (Angesichts der Kosten für die neueste Playstation wohl kaum ein Vergleich - der Effekt jedoch unvergleichlich)

In unserer Grundschule jedenfalls beschränkt man sich heute darauf, mit den Kindern die "Mundorgel" (nichts gegen sie auf Reisen und am Lagerfeuer!) zu singen bzw. zu plärren und wochenlang "Die Affen rasen durch den Wald" zu brüllen. ;-) Aber dagegen haben die Eltern auch heute noch nichts. Würde man sie zur Anschaffung einer Blockflöte anregen, würde das Geschrei darum mindestens fünf Elternabende beherrschen.

Viele Grüße

von FelixMum - am 23.05.2005 09:24

Re: Genau das...

... sind die Eltern, die im letzten FOCUS so gut beschrieben wurden. ;-)

Ebenso wie alternativ jene, die ihr Kind völlig fehleingeschätzt mit einer Hauptschulempfehlung im Gymnasium anmelden und wenn es dann dort (logischerweise) versagt, das Kind fallenlassen wie eine heiße Kartoffel.

Natürlich gibt es die. Das ist Realität.

Viele Grüße

von FelixMum - am 23.05.2005 09:27

Re: Blockflöte ;-)@FelixMum

Hallo FelixMum,

immer wieder erfrischend Deine Kommentare, bei uns wird auch wochenlang die Kokosnuss gesucht, oder die Tante aus Marrokko kommt.

Leider wohnen wir nicht in Bayern, da wird wohl an 100 Schulen ein Musiklehrplan getestet , den Anne-Sophie Mutter entwickelt hat. Und wenn der sich bewaehrt, wird es wahrscheinlich noch Jahre dauern, bis die Kultusminister anderer Laender das uebernehmen. Schade drum!

Viele Gruesse

Carola

von Carola - am 23.05.2005 11:25

Re: es gibt Hoffnung seit gestern @Carola

na ja, vielleicht gibt es noch Hoffnung für die Bildungspolitik seit dem gestrigen NRW-Wahldebakel für die SPD-gleichheitsregierten Bundesländer...

Mal abwarten. Vielleicht merkelt sich das bayerische Konzept nach den Neuwahlen bald überall durch? ;-) (eigentlich müsste es stoibern, aber so masochistisch ist er wohl nicht, sich ein drittes Mal aus einem TV-Duell abstoibern zu lassen - und Frau Hohlmeier ist ja nun auch auf dem Trittbrett ihres Vaters ausgerutscht, obwohl ihre Ansätze zunächst vielversprechend waren)

bin sehr gespannt, was eine neuerliche CDU-Regierung daraus machen würde.

Viele Grüße

von FelixMum - am 23.05.2005 14:45
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