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Forum:
Forum Hochbegabung bei Kindern
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
FelixMum, Etu, Arwen, Jonna, Elora*dana, Enna

Noch ein Test?

Startbeitrag von Enna am 21.12.2005 08:14

Hallo,
vielleicht können ihr mir weiterhelfen?

Meine Tochter besucht die 6. Klasse des Gymnasiums.
Sie geht sehr gern in diese Schule. Ein „fleißiges“ Kind war sie leider nie, ist bisher aber immer gut so durchgekommen. Da aber auf dem Gymnasium nun die Anforderungen bei Leistung und eigenverantwortlichem Lernen steigen, müssen wir als Eltern uns mehr darum kümmern, dass sie auch mal übt und ihre (meist lückenhaften und chaotischen) Aufzeichnungen vor einer Arbeit durchliest. Das kostet aber immer viel Kraft und Kämpfe. Sie versteht alles sehr schnell. Das es aber nicht reicht zu verstehen, sondern manches auch geübt werden muß, um es in einer Arbeit auch zügig anwenden zu können, kostet vor allem in Mathe viel Überzeugungsarbeit.In Mathe beispielsweise hatte sie eine knappe 4 im letzten Zeugnis, die erste Arbeit in der sechsten war eine 5. Für die nächste haben wir mit ihr geübt, da war es dann eine gute drei. In den übrigen Fächern liegt sie je nach Interesse zwischen zwei und drei, vereinzelt bei 4. Erfahren wir zu spät von anstehenden Arbeiten, schreibt sie mal dreien, mehr vieren, vereinzelt fünfen. Sie sagt, es reichen ihr die dreien, mal eine vier sei doch nicht schlimm, okay, eine fünf ist schon blöd.

Ich bin teilweise sehr unsicher, was sie leisten kann oder was sie überfordert.

Da sie sehr starkes Heimweh hat, Klassenreisen zur Katastrophe wurden für sie und sie nicht bei Freundinnen übernachten kann, was sie aber alles gern würde, hat sie eine Therapie bei einer Psychologin begonnen. Die hat in diesem Rahmen auch einen IQ-Test mit ihr durchgeführt und im logisch-abstrakten Denken einen Wert von über 130 festgestellt. In der vierten Klasse hat die Klassenlehrerin ebenfalls einen Test mit der Klasse gemacht(CFT 20) und dabei kam ein Wert von 97 heraus.

Sie bekam eine Empfehlung fürs Gymnasium, wobei ihre Lehrerin uns sagte, auf Mathe müssten wir ein Auge haben. In Deutsch und Heimat-Sachunterricht hatte sie in der vierten Klasse eine 1, Mathe und Sport 3, in den übrigen Fächern zweien. Sie ist eine Leseratte,liebt Bücher möglichst dick, sehr gern auch Sachbücher.Mit gerade neun Jahren erbettelte sie sich, den "Herr der Ringe" lesen zu dürfen.

Einerseits halte ich die Anforderungen auf dem Gymnasium für unsere Tochter für gut zu bewältigen, andererseits werde ich manchmal unsicher, wenn sie ein „Brett vor dem Kopf“ zu haben scheint, gerade in Mathe. Ich möchte sie nicht überfordern und habe auch nicht die Kraft, ständig ums Üben und die Hausaufgaben zu kämpfen (sie hat gerade eine schriftliche Ermahnung wegen fünfmal nicht gemachter Englisch-Hausaufgaben bekommen).

Und dann verunsichern mich diese stark unterschiedlichen Testergebnisse.
Ist sie nun über- oder unterfordert oder einfach zu faul? Macht es Sinn, noch einen dritten Test durchzuführen? Ich will es auch nicht übertreiben mit der Testerei. Ich möchte ihr gerecht werden, damit sie gut durch die Schule kommt.
Was aber ändert ein neues Testergebnis? Ob eine Hb bestätigt würde oder nicht, üben müsste sie doch trotzdem. Auch ein Geigenvirtuose wird man doch nur mit Übung, nicht allein mit Talent.

Danke fürs Lesen, Enna

Antworten:

Hallo,

wenn ich mich richtig erinnere und dein Schreiben richtig interpretiere, kann es sich bei dem Test in der 4. Klasse nur darum handeln, dass er im Zuge der Legasthenie-Feststellung durchgeführt wurde.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass damit Lehrerinnen betraut sind, die eine Weiterbildung gemacht haben, um die Legasthenie der Kinder herauszufinden und entsprechend "nur" die Grundintelligenz bestätigt zu finden. Der Schwerpunkt liegt eben nicht auf einer genauen Intelligenzbestimmung.
Insofern würde ich deinem ersten Test mehr Gewicht geben, besonders wenn er differenziert von einer Fachkraft durchgeführt wurde. Wenn du also weißt, dass Mathe eigentlich gut laufen könnte bei deiner Tochter, liegen die Ursachen woanders.
Die begabten Kinder sind nicht automatisch Hochleister. Die Noten deiner Tochter liegen ja überwiegend im grünen Bereich, so dass du dir keine grundsätzlichen Sorgen um sie machen musst. Dass sie mehr leisten könnte, weißt du jetzt. Es ist einfach, denke ich, ein Persönlichkeitsmerkmal von ihr, dass sie lernen muss, dass zu vielen Dingen eben auch Übung gehört. Nur weil ein Kind hb ist, ist es trotzdem kein kleiner Erwachsener, der vernünftige Entscheidungen und Handlungen mit in die Wiege gelegt bekam.
Insofern fürchte ich, dass es für euch beide eine Aufgabe ist, an der ihr hart arbeiten müsst. Ein weiterer Test würde dort nicht weiterhelfen. Ausdauer als Mutter ist da gefordert, diese harte Nuss zu knacken.

Elora

von Elora*dana - am 21.12.2005 10:08
Hallo,

nur eine kurze Verständnisfrage: Ihr habt eure Tochter wegen Heimwehs zum Psychologen geschickt? Dürfen Kinder kein Heimweh haben?

Jonna

von Jonna - am 21.12.2005 12:22
Enna schrieb:
Zitat

Die hat in diesem Rahmen auch einen IQ-Test mit ihr durchgeführt und im
logisch-abstrakten Denken einen Wert von über 130
festgestellt.


Welcher Test mit welchem Gesamtergebnis und in welchem Untertest genau den 'hohen' Wert wie sahen die Werte in den anderen Untersts aus?

Zitat

In der vierten Klasse hat die Klassenlehrerin
ebenfalls einen Test mit der Klasse gemacht(CFT 20) und dabei
kam ein Wert von 97 heraus.


*grusel*

Ba-Wü?
Mir ist kein anderes BuLa bekannt das deratige Grenzüberschreitungen zulässt.
Also den Test tritt mal getrost in die Tonne. Eine Lehrerin kann, egal wie ausgebildet, nie wirklich testen. Alle Tests haben einen Interpretationsspielraum, ein Lehrer wird IMMER eine Meinung zu dem Test haben welches er testet. Das ist hich unseriös! Der Verband der Psychologen 'kämpft' schon lange dafür das IQ-Tests nur von Psychologen UND neutralen Personen durchgeführt werden sollen.

Zitat

Und dann verunsichern mich diese stark unterschiedlichen
Testergebnisse.


Das brauchtes nicht, diese Tests testen eh immer nur was sie testen und sagen isoliert nie wirklich etwas über ein Kind aus :-)

Zitat

Ist sie nun über- oder unterfordert oder einfach zu faul?


Nichts von beidem.....

Also man kann auch mit einem IQ von unter 100 ein gutes Abi machen, mit den richtigen Strategien. Ohne diese wird es aber auch mit 130 evtl, irgendwann mal ganz eng.

Ich würde nicht weiter testen (wozu auch), sondern dem Kind versichen gute Lernstrukturen und Lernstrategien zu vermitteln.

Habt ihr Wochenpläne? Zeitpläne indv. je Hausaufgabennachmittag? usw usf.

HTH,

Arwen

von Arwen - am 21.12.2005 13:18

Re: Noch ein Test? NEIN

Hallo Enna,

aus deinen Zeilen spricht starke Verunsicherung und "Unterlegenheit" (ich nenne das mal so) ;-) deiner Tochter gegenüber. Ich lese daraus, dass sie bisher gern auch so durch kam, nie richtig lernen musste und jetzt aber damit nicht mehr weiter kommt. Ohne deine Hilfe und echte Arbeit wird es nicht gehen. Du kannst sicher nicht deine fehlende Kraft mit ihrer Überforderung "entschuldigen" - denn du wirst die Kraft aufwenden müssen und du überforderst sie damit sicher nicht. Sie scheint mir nur sehr clever zu sein, dass sie immer kriegt was sie will und du kannst dich nicht durchsetzen. Ist das auch mit dem Heimweh-Thema so gewesen? Ein Kind in ihrem Alter muss im Prinzip kein Heimweh mehr haben, wenn man ihm nicht dauernd nachgibt. Wenn sie gerne eine Reise machen will, muss sie das mal aushalten können. Da gäbe es bei mir nur entweder-oder. Täglich telefonieren und sowas gibt es bei uns nicht, und deshalb bin ich ziemlich sicher, dass wir mit unserem Sohn (7) da kein Problem haben werden, wenn er nächsten Sommer mal eine Woche in die Kinderfreizeit geschickt wird.

Bei deinen beiden Testergebnissen, die du als so unterschiedlich betrachtest, fällt sofort auf: Mit "ein Wert von 97" kann nicht der IQ, sondern nur der Prozentrang gemeint sein. Das bedeutet dann in keinem Fall eine niedrige, sondern eine sehr hohe Intelligenz. Nicht die Zahl allein machts, sondern was die Zahl aussagt. Aber weil die KL eben keine Psychologin ist, hat sie dir das nicht richtig erklärt. Deshalb gehe bitte mit dem kompletten Test und Ergebnis zur Psychologin und lasse dir das noch einmal erklären. Es kann gar nicht anders sein als so.

Deine Tochter ist sicher sehr helle, aber solche Noten dürfte sie bei mir nicht bringen und schon gar nicht mit "eine 4 ist nicht schlimm" entschuldigen. Da stimmt etwas nicht. Man kann auch nicht bei jedem hb Kind schlechte Noten = Unterforderung diagnostizieren. Wenn sie chaotische Aufzeichnungen macht, so fehlt ihr sicher mehr das systematische Arbeiten, was sie eben bisher nie gelernt hat, weil sie es nicht brauchte. In der 5. Klasse war das Level noch wie in der GS, weil alle Kinder wieder auf ein Niveau gebracht wurden. Und jetzt in der 6. zieht es kräftig an. So ist sie kontinuierlich abgesackt, trotz aller Intelligenz. Habt ihr schon einmal geschaut, welche Fehler sie in Klassenarbeiten macht, welche Wege sie geht und warum? Oft fällt das sofort auf, woran es liegt - und wenn es nur nicht eine Aufgabe richtig durchlesen ist. Ansonsten würde ich dieses Thema auch mal mit der Psychologin besprechen, eher noch als mit der KL. Mit der kannst du dann konkrete Schritte bereden, wenn du von der Psychologin kommst. Aber einen neuen Test braucht es da nicht.

Zitat

Ob eine Hb bestätigt würde oder nicht, üben müsste sie doch trotzdem. Auch ein Geigenvirtuose wird man doch nur mit Übung, nicht allein mit Talent.
Da stimme ich dir vollkommen zu. Denn eine HB ist nur das Potential, wenn man es nicht trainiert, verkümmert es wie ein schlaffer Muskel. Ich halte Begabung sogar für eine Verpflichtung, denn es ist ein Geschenk der Natur, das sonst nicht einmal dem Beschenkten nützt, wenn es nicht entsprechend trainiert wird.

Sofern deine Tochter denkt, sich auf einer hohen Intelligenz "ausruhen" zu können und deshalb ihre Schulaufgaben nicht ordentlich erledigen oder systematisches Arbeiten lernen zu müssen, hat sie sich getäuscht. Diesen Kampf musst du nun leider konsequent ausfechten, wenn du ihn bisher vermieden hast. Tue es ihr zuliebe.

Viele Grüße

von FelixMum - am 21.12.2005 18:07
Hallo! Nochmal zum Test der KL: Die darf nicht testen. CFT 20 darf auch nie allein angewendet werden, da es nur ein Grundintelligenztest ist. siehe auch
[www.hbf-ev.de]
Schau mal, was die Therapie bringt oder zieh mal ein Schulpsychologe zu Rate, um die Ursachen herauszufinden und daraus Fördermöglichkeiten abzuleiten.
Ales Gute

von Etu - am 12.01.2006 22:31
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