Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Forum Hochbegabung bei Kindern
Beiträge im Thema:
14
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
FelixMum, Sulamith, MarionPE, Etu, hgfj, Takahe, grauseldis, Sualmith, Rob_

schlechte Noten und HB...was tun?

Startbeitrag von Sualmith am 05.01.2006 19:23

Lieber Eltern,

letzten Sommer haben wir unseren jetzt 12jährigen Sohn testen lassen.
HAWK-III=IQ134.
Außerdem haben wir durch Zufall erfahren, dass er auch musikalisch hochbegabt ist. Glücklicherweise haben wir vor ca. einem Jahr ein Klavier geschenkt bekommen, so dass er sich zuerst selbst und nun ander Musikschule Klavier beibringen konnte. Er komponiert und übt sehr fleißig von sich aus.

Nachdem wir uns schon die letzten 5 Jahre Schulzeit mit der nicht vorhanden Struktur und Ordnung unseres Sohnes herumgeschlagen haben, ist nun nach dem Wechsel auf´s Gymnasium zur 7.Klasse die völlige Katastrophe über uns hereingebrochen.
Zwischen vereinzelten Einsen und Zweien tummeln sich immer wieder Vieren und auch Fünfen und zur Krönung kam er heute mit einer Sechs in Deutsch nach Hause! Nicht wegen Rechtschreibfehlern, nein! er hat überhaupt nicht die Aufgabenstellung beachtet. Als hätte er Null im Unterricht aufgepasst. Leider kann er seine Patzer im Schriftlichen nicht durch mündliche Leistungen ausbügeln, da er nur vor sich hinmalt und träumt. Seine Arbeitsblätter sind durchweg mit filigranen Zeichnungen gefüllt. Nur haben die nichts mit dem Lehrstoff zu tun.

Er weiß meist nicht, was in den Arbeiten drankommt, vergisst, wann sie geschrieben werden usw. Er ist ein super guter Rechner, aber er macht in den Arbeiten immer Schusselfehler (schreibt z.B. die falsche Maßangaben hin). Außerdem ist er sehr langsam in den Arbeiten. Komplizierte Dinge versteht er. Einfache hingegen nicht.

Wir haben ihm schon gesagt, dass es nichts nutzt einen hohen IQ zuhaben, das ist letztlich nur eine Zahl, wenn man es nicht zu guten Ergebnissen bringt. Und das soll nicht heißen, dass wir nur Einsen und Zweien von ihm erwarten.

Sollen wir mit jedem einzelnen ihn unterrichtenden Lehrer über seine Hochbegabung sprechen? Was könnte das bringen?
Bis jetzt haben wir es auf dem Gymnasium noch niemandem gesagt, damit die Lehrer ihm gegenüber nicht voreingenommen sind.

Sollte man den schulpsychologischen Dienst mit einbeziehen?
Könnte eine Ergotherapie etwas nützen?

Wir sind echt verzweifelt, da wir mit ansehen müssen, wie er sich selbst das Lebens schwer macht und es wäre doch bedauerlich, wenn er sich die Basis seines späteren Werdegangs jetzt verbaut.

Über Ratschläge und Ermunterungen würde ich mich (wir uns) sehr freuen.

beste Grüße aus Berlin
von Sulamith

Antworten:

Hallo!
Schade, dass Du so spät getestet hast. Ruf doch mal dringend Frau Billhardt an vom HBF. Tel. 030 29778895 Sie hat auf jeden Fall mindestens 100 Tipps und Einfühlungsvermögen
Viele Grüße

von Etu - am 06.01.2006 12:27
Hallo Sulamith,,

Zitat

Wir haben ihm schon gesagt, dass es nichts nutzt einen hohen IQ zuhaben, das ist letztlich nur eine Zahl, wenn man es nicht zu guten Ergebnissen bringt. Und das soll nicht heißen, dass wir nur Einsen und Zweien von ihm erwarten.


ich finde deine Einstellung grundsätzlich ganz vernünftig, aber wie habt ihr es denn vor dem Test geregelt, als ihr von IQ 134 noch nichts wusstet? Euer Sohn muss doch vorher auch schon ein guter Rechner etc. gewesen sein, aber was habt ihr ihm so allgemein erzählt, worum es in der Schule geht bzw. zu gehen hat?

Zitat

Sollen wir mit jedem einzelnen ihn unterrichtenden Lehrer über seine Hochbegabung sprechen?
Würde ich nicht machen.
Zitat

Was könnte das bringen?
Nicht viel, wenn es bisher keinem Lehrer aufgefallen ist, was für ein Bursche da im Unterricht sitzt und warum er so vor sich hin träumt, dann wird es das jetzt auch nicht.
Zitat

Bis jetzt haben wir es auf dem Gymnasium noch niemandem gesagt, damit die Lehrer ihm gegenüber nicht voreingenommen sind.
auch das finde ich erst mal vernünftig, ich würde evt. einen Termin mit der Schulleitung vereinbaren und die Einschaltung des schulpsychologischen Dienstes vorschlagen. Die Schulleitung ist zur Diskretion verpflichtet und man kann dann immer noch besprechen, welche/n Lehrer man einbezieht und wie (Klassenlehrer, Beratungslehrer... keine Ahnung). Aber das ist kein Fall für ein Tür-und-Angel-Gespräch mit irgend jemand dort, damit solltet ihr zur Schulleitung und zum Schulpsychologen. Das muss dann auch amtlich sein, mit dem Testergebnis und so.
Zitat

Sollte man den schulpsychologischen Dienst mit einbeziehen?
siehe oben, ich finde das ist das einzig Nützliche in diesem Fall.
Zitat

Könnte eine Ergotherapie etwas nützen?
Wozu, wegen der Konzentration? Kommt darauf an. Was hat denn derjenige geraten, der den Test gemacht hat? Weshalb ist der denn überhaupt gemacht worden? Ist euch etwas an dem Kind aufgefallen oder hat man euch dazu geraten und aus welchem Grund gerade jetzt (erst)?

Viele Grüße

von FelixMum - am 06.01.2006 17:20
Hallo Felix,

ja wir haben uns auch schon vorher so etwas gedacht.
Er hat auch eine Klasse übersprungen, aber das will ja nicht immer etwas heißen.
Und da wir in einem Gebiet wohnen, wo der Ausländeranteil sehr hoch ist und diese Kinder oft mit schlechten Deutschkenntnissen in die Schule kommen, haben wir den Leistungsunterschied zu einem Großteil auch darauf geschoben.
Auch vor dem Test war er von keinerlei schulischem Ehrgeiz geprägt. Das einzige was ihm besonders Spaß machte war, dass er Mathe teilweise noch eine Klassenstufe höher mitmachen durfte.
Die Lehrerin hat schon, so weit es ihr möglich war, versucht ihm zusätzlichen Lernstoff zu geben, aber oft hat er gar nichts gemacht. Er hatte einfach keine Lust darauf.
Statt Englischvokabeln zu lernen, lernt er dann das griechische Alphabet und interessiert sich für Latein. Eben meist für etwas, was gerade nicht angesagt ist.

Wir waren ja auch schon in der Grundschule beim schulpsychologischen Dienst, der Jan aber nicht testen wollte, da er sich damit überfordert fühlte. Normalerweise hatte er es bei seiner Stelle mit Kindern zu tun, die wirklich richtige Lernschwierigkeiten haben und die haben Vorrang.

Nach einigem Hin und Her (sprich nach 1 1/2 Jahren) haben wir dann einen Termin beim schulpsychologischen Zentrum bekommen und die haben den Test durchgeführt.
Zuvor war eben durch Zufall noch seine musikalische HB aufgefallen, als er sich für ein Musikgymnasium beworben hat.

Hm. Mit der Schulleitung sprechen. Wieso das eigentlich? Die haben ja im alltäglichen gar nichts mit meinem Sohn zu tun. Oder meinst du, nur wegen dem Kontakt mit dem Schulpsychologen?
Das ist mir noch nicht so ganz einleuchtend.

Und die Ergotherapie dachte dafür zu Hilfe zu nehmen, damit er es lernt, besser mit dem Lernen umzugehen. Es stört ihn ja selber, dass er in der Schule so träge, träumerisch und verschusselt ist. Aber er weiß nicht, wie er einen besseren Umgang damit finden soll. Am Anfang des Jahres haben sie auch einen 3tägigen Kurs gemacht, wie man am besten lernt, aber da müsste er dann auch dran bleiben, damit es sich ihm einprägt und automatisiert wird.

Wir versuchen ihm Tipps und Anregungen für Strukturen zu geben, aber wir möchten ihm das auch nicht immer überstülpen. Er muss ja letztenendes etwas für sich selbst finden, womit er klar kommt.

Wir erhoffen uns von einem/r Ergotherapeuten/in, dass es für Jan mal etwas anderes ist, als immer nur unser tägliches Genörgel, Geschimpfe, verständnisvolles Ins-Gewissen-Reden etc. zu hören. Also dass er Tipps von anderen vielleicht besser annehmen könnte, da es nicht mit der Mutter-/Vaterrrolle verquickt ist, sondern neutraler.

Bald gibt es ja Noten und daraufhin werden wir uns weitere Schritte überlegen.

Vielen Dank auf jeden Fall für deine inspirierenden Gedanken zu meiner Anfrage.

Gruß aus dem wilden Berlin

von Sulamith

von Sulamith - am 06.01.2006 22:28
Hallo Ute,

was meinst du mit:
Zitat

Schade, dass Du so spät getestet hast
?
Warum Schade?
Und Frau Billhardt kann man einfach so anrufen und ihr von den eigenen Nöten erzählen?
Ich dachte, die bieten bei der HBF nur Kurse an.
Vielleicht kannst du mir ja noch mal kurz schreiben, wie du das meinst.

Besten Dank Grüße aus Berlin von

Sulamith

von Sulamith - am 06.01.2006 22:34
Hallo Sulamith!

Auch wir haben so ein Chaoskind. Allerdings ist sie so angepasst, dass sie zumindest was die schulischen Dinge angeht, die Lage halbwegs unter Kontrolle hat. Aber Zettel verschwinden.... Das mit den Büchern geht teilweise besser, da sie mit ihrer Schwester ein gemeinsames Schließfach in der Schule hat. Seither überschreiten auch die Brotdosen wieder auf dem Rückweg unsere Türschwelle. Man findet sie also in ihrem Zimmer.

Du schreibst, dass es seit dem Wechsel aufs Gymnasium weitaus schlimmer geworden ist. Das kann verschiedene Gründe haben. Die Anforderungen am gymnasium was Selbständigkeit, Ordnung.... angeht sind natürlich viel höher (die Stofflichen dürften nicht das Problem sein). Bei unserer Tochter war es so, dass sie in der Klasse massiv ggemobbt wurde. Das hat sie uns nicht erzählt, da sie ja niemanden verpetzt. Erst als die psychischen Probleme ganz massiv waren, sind wir darauf gestoßen. Sprüche wie "geh doch in die Klasse, in die du vom Alter her gehörst" hörte sie, wenn etwas falsch war, ansonsten hieß es "Streber". Sie wiederholt jetzt freiwillig die 7. Klasse und fühlt sich in der neuen Klasse wohl. Mobbing an Gymnasien gibt es häufiger als man glaubt, wir haben noch einen massiven Fall im Bekanntenkreis, und da die Kinder nicht dumm sind, läuft es sehr feinsinnig ab. Leider kommen viele Lehrer erst spät dahinter. Vielleicht könntet ihr euch mal mit anderen Eltern kurzschließen, ob es so etwas auch bei euch in der Klasse gibt. Übrigens: Ein Wechsel in die Parallelklssse ist immer vorsichtig zu genießen. Die Kinder haben oft klassenübergreifende Kurse, da bleibt die Rolle, außerdem sieht es immer nach einer Strafversetzung aus. Ein freiwilliges Wiederholen ist immer etwas alltägliches.
Mit dem Wechsel aufs Gymnasium stellte sich auch bei unserer Tochter die Legasthenie heraus. Da Legasthenie per Definition abhängig ist von der Lese- und Rechtschreibleistung im Verhältnis zum Intelligenzquotienten hat ein sehr intelligentes Kind mit einer durchschnittlichen Rechtschreibleistung schon eine Legasthenie (Im Gegensatz zur Lese-Rechtschreibschwäche, die einfach nur definiert, dass ein Kind schwach im Lesen und Rechtschreiben ist). Eine Legasthenie zeigt sich in allen Fächern, selbst in Mathe muss man Textaufgaben lesen, feine Sprachnuancen gehen unter.... Vielleicht solltet ihr ihn in einem Legathenieinstitut (oder in einem allgemeinen Lerninstitut) nochmals darauf testen lassen.

Was die Hausaufgaben angeht: Ich kenne euch und eure finanzielle Situation nicht. Meine Große (10. Klasse) hat zur Zeit einen Nachhilfeschüler (3.Klasse) mit Hausaufgabenproblemen. Sie geht jeden Mittag zu ihm und macht eine Stunde (bei euch wären 2 angebracht) mit ihm Hausaufgaben. Was er von der Zeit verbummelt muss er anschließend alleine arbeiten. Sie versucht zunächst mit ihm die anspruchsvollen Aufgaben abzuarbeiten, abschreiben kann man auch alleine. Für Strafarbeiten ist sie nicht zuständig, die fallen in die anschließende Zeit. Wenn er keine Hausaufgaben aufhat übt und wiederholt sie mit ihm, das heißt, wenn er Hausaufgaben vergisst, dann hat er dadurch keine Freizeit, sondern nur am nächsten Tag Mehrarbeit. Wie wäre es, wenn du auch jemanden suchst, der das mit deinem Sohn durchzieht? Dass hätte auch den Vorteil, dass Hausaufgaben nicht mehr euer Familienleben beeinflussen. Was die vergessenen Bücher angeht: Wie wäre es, wenn ihr versucht, ein doppeltes Exemplar anzuschaffen? Wer mit ihm Hausaufgaben macht hätte dann eines, wenn er sein Buch mit hat, ansonsten liegt wenigstens eines vor. Man kann in dem Buch arbeiten (habt ihr Leihbücher von der Schule?) und meist kann man sie auch im nächsten Jahr wieder verkaufen.

An wen sollt ihr euch in der Schule wenden? Also der erste Ansprechpartner wäre natürlich der Klassenlehrer, dann kommt der Beratungslehrer, wenn es einen gibt.
Der Klassenlehrer kennt dein Kind in der Klasse (Wenn ihr mit dem nicht klar kommt könnt ihr auch versuchen zu einem anderen, erfahrenen Lehrer Kontakt aufnehmen, bei unserer Mittleren waren es auch nicht die zwei Klassenlehrer, sondern eine andere Lehrerin, die uns sehr half, diese hatte uns allerdings schon frühzeitig klar gemacht, dass sie das Kind sitzenbleiben lassen würde, wenn wir nicht freiwillig den Antrag auf Wiederholen unterschreiben würden).
Der Beratungslehrer bekommt meist auch vieles mit, was in der Schule passiert und er weiß auch, welche Stellen einen weiter bringen könnten. Wenn die Gefahr kommt, dass euer Sohn die Schule verlassen muss, dann solltet ihr euch an die Schulleitung wenden.

So, das ist ziemlich lang geworden, ich hoffe es bringt euch weiter, ansonsten, ihr könnt mich auch direkt anmailen.

Viele liebe Grüße und haltet die Ohren steif

Marion

von MarionPE - am 07.01.2006 12:35
Hallom Sulamith!

Ja, Frau Billhardt kann man einfach so anrufen zu den üblichen Bürozeiten bis ca. 18:00, vorausgesetzt, sie ist im Büro.
Der Hbf macht nicht nur Kurse, sondern auch oder in erster Linie Beratung. Mein Sohn geht da auch zu einem Kurs. Diese sind aber sehr teuer. Deshalb empfehle ich die kostenlosen Kurse für HB's an speziellen Grunschulen bzw. Gymnasien. Allerdings ist der 10. Januar Bewerbungsschluss und die Plätze werden verlost.

Vielleicht kannst Du mal zu so einem Vortrag von Frau Billhardt Montags 19:00 Uhr hingehen.

Sulamith schrieb:

was meinst du mit: Schade, dass Du so spät getestet hast?
Warum Schade?

Der Junge ist schon 12 und die Pubertät fängt schon an. Je früher man HB erkennt und beginnt zu fördern, um so besser. Er ist jetzt schon negativ geprägt und besser wird es sicher nicht. Geh doch mal bei HBF auf den Link "Nichtförderug", dann siehst Du was in Zukunft auf Dich und Sohnemann zukommt.www.hbf-ev.de

Mein Sohn hat nur ein Jahr gelitten und das hat mir gereicht. Schönen Gruß an Frau Billhardt von mir.

Viele Grüße

von Etu - am 07.01.2006 16:25
Hallo Etu,

bei einem Klassensprung und musikalischer Förderung mit Klavier und Eigenkompositionen kann man wohl nicht von bisher nicht erfolgter Förderung reden. Da direkt das Schulversager-Schreckgespenst an die Wand zu malen, hilft auch nicht weiter.

Hallo Sulamith,

unser Sohn ist jetzt ins 5. gewechselt. Er hat von 1 bis 5 im Vokabeltest schon alle Noten mit nach Hause gebracht. Obwohl er zu Beginn der zweiten Klasse getestet wurde, eine Klasse übersprungen hat und in einem speziellen HB-Förderprogramm war, ist er kein notenmäßiger Überflieger. Nach geltender Lehrmeinung haben wir alles gemacht, damit er nicht zum Underarchiever wird - seine Noten bleiben mittelprächtig. Bei Lehrern, die ihm zusagen (komischerweise die Exoten, die laut Elternmeinung "verkrachten Existenzen"), passt er auf und schreibt gute Noten. Sobald der Lehrer für ihn zu starr unterrichtet, schaltet er ab, malt ebenfalls tolle Bilder ins Heft und schneidet bei Lernkontrollen entsprechend schlecht ab.

Sind die Noten deines Sohnes in allen Fächern wechselhaft oder kann man es am Lehrer festmachen?

Gibt es bei euch einen Elternabend, an dem ihr mit den einzelnen Fachlehrern sprechen könnt, ohne dass es direkt so hochoffiziell ist? Vielleicht ist dein Sohn mündlich besser, als es seine Zeichnungen und Noten vermuten lassen. Von der Einschätzung der Lehrer würde ich die weiteren Schritte abhängig machen.

Viele Grüße

Grauseldis



von grauseldis - am 07.01.2006 19:36
Hallo Grauseldis!

Unsere Älteste ist mit fünfeinhalb zur Schule gekommen. Im Ersten Schuljahr sprang sie in die 2. Ihre Noten waren immer mittelmäßig. Nach der Orientierungsstufe hat sie die Gymnasialempfehlung nur knapp bekommen. Sie schaffte es am gleichen Tag eine 1 und eine 6 mitzubringen. Auf den Zeugnissen waren alle Noten von 1 bis 4 vorhanden. Jetzt, zu Beginn der 10. Klasse, hatte sie einen großen Lehrerwechsel. Interessanterweise schreibt sie seither durchweg Zweien. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Lehrer jetzt alle besser sind. An Fleiß kann es auch nicht liegen, da sie den noch nicht entdeckt hat. Das Ende der Pubertät kann es auch nicht sein, da sie erst 14 ist. Ich denke irgendwo legt sich in einem bestimmten Alter ein Schalter um, und dann läuft es. Solange die Versetzung nicht gefährdet ist und ein Kind sich wohlfühlt würde ich nicht zu viel Druck machen. Mit der Oberstufe kommt es.

Nimm es so, wie es kommt und mach dir nicht zu viele Gedanken.

Marion

von MarionPE - am 08.01.2006 10:03
Hallo,

das heißt, ihr habt also schon eine Menge getan mit Förderung, Überspringen etc. und der Schulpsychologe hat ihn ja auch schon gesehen, getestet und nun den IQ befundet. Die Lehrerin scheint auch kooperativ zu sein, nur das Kind eben nicht.

Da es also an der Intelligenz nicht liegen kann, Kinder aber durchaus verschieden sind und es eben mehr oder weniger ehrgeizige gibt, finde ich die Tipps von MarionPE durchaus sinnvoll. Also dann scheint auch eher das Gespräch mit der KL sinnvoll zu sein, ich dachte ohne die Zusatzinformation, dass euer Verhältnis zu den Lehrern nicht gut sei bzw. dort kein Interesse an ihm besteht. Aber die Lehrerin bemüht sich ja bereits. Dann sollte sie auch über das Testergebnis Bescheid wissen. Außerdem: Wenn der IQ > 130 ist, welche Fördermaßnahmen könnte man nun offiziell beantragen, worauf hättet ihr in Berlin evt. sogar vom Senat aus einen Anspruch? Das könnt ihr dann auch durchsetzen, wenn euer Sohn nun definitorisch als "hochbegabt" gilt.

Ist es denn euer Einziger, fühlt er sich soweit in der Klasse wohl und wie sieht es mit Freundeskreis aus, Interessen außerschulisch etc.? Ist er denn jetzt in dem Musikgymnasium, zu dem er sich beworben hatte? Auch was das Klavier angeht: Ich meine, auch wenn einer jetzt gern musiziert und komponiert, so ist doch Musik auch mit Üben, Training und das Komponieren mit Musiktheorie und harter Arbeit verbunden. Wie sieht es damit aus, wenn er sich für etwas interessiert, ist er auch bereit, die damit verbundene Arbeit und kontinuierliche Trainingsphasen zu leisten? Oder macht er grundsätzlich nur etwas so lange gern, wie es ihm intellektuell in den Schoß fällt und schmeißt es dann wieder hin?

Wie schon verschiedentlich angedeutet, ist HB ja nur ein Potential - wenn man nicht die nötige Disziplin dazu erlernt, kann es sich nicht weiter entwickeln. Stört sich euer Sohn denn nicht daran, dass er bald wieder verlieren könnte, was er schon erreicht hat - das Überspringen einer Klasse? Und hat er wirklich Lust, den ganzen Kram noch einmal zu machen, nur weil er keine Lust hat, eine Aufgabenstellung richtig durchzulesen und die schlechten Noten irgendwann die Versetzung gefährden? Darüber würde ich mit ihm mal ein ernstes Wörtchen reden.

Dass ein 12jähriger auch schon mit der Pubertät bzw. der seiner älteren Klassenkameraden zu tun haben kann, ist auch klar. Kann auch eine gewisse Anpassungsstrategie sein, um nicht aufzufallen. Auch lässt man sich dann nicht mehr alles von den Eltern sagen. Also externe HA-Betreuung einzuschalten kann durchaus Sinn machen. Ich würde mal sagen, das Kind muss Kontinuität und Konzentration lernen. Am Intellekt liegt es ja nicht.

Viele Grüße, alles Gute

von FelixMum - am 08.01.2006 10:51

Re: "Fleiß schlägt Grips"

Hallo,

noch eine Anmerkung, weil es dazu inzwischen sogar schon wissenschaftliche Untersuchungen gibt (weil man die ja immer braucht, um Altbekanntes zu stützen):

(Zitat) "Selbstbeherrschung und Selbstdisziplin sind für den schulischen Erfolg Heranwachsender wichtiger als der Intelligenzquotient. ..."

und abschließend (sage ich ja auch immer, ohne deshalb Psychologe sein zu müssen): "...Besonders in der heutigen Zeit, in der Kinder immer alles sofort haben wollen – und meistens auch bekommen –, lernen die meisten einfach nicht mehr, sich zu beherrschen, schreiben die Forscher. Und genau dieses Phänomen stehe den Ergebnissen nach dem schulischen Erfolg entgegen. Anstatt also die Qualität der Lehrer oder die der Schulbücher infrage zu stellen, sollte mehr Wert auf eine verbesserte Selbstdisziplin gelegt werden, so ihre Forderung. "

Den ganzen Artikel dazu hier: [bildung.focus.msn.de]

Untersucht wurden übrigens 13-14jährige Schüler, also die Gruppe der Pubertierenden.

Viele Grüße

von FelixMum - am 10.01.2006 15:13

Re: "Fleiß schlägt Grips"

Hallo FelixMum,

das Ergebnis ist nicht so überraschend, wurden doch genau die Kriterien für gute Noten abgefragt über die "schulischer Erfolg" üblicherweise definiert wird:
Zitat

Abgefragt wurde beispielsweise, wie gut die Kinder in der Lage waren, Regeln zu befolgen, impulsive Reaktionen zu unterdrücken oder ihr Verhalten anzupassen.

"Regeln zu befolgen" ist wichtig, solange diese Regeln sinnvoll sind und begründet werden. Darüber hinaus wird das zu blindem Gehorsam.

Unter "impulsiven Reaktionen" verstehe ich insbesondere eigene Ideen, weiterführende Gedankengänge und Kreativität. Schon klar, daß das in der Schule keine erwünschten Eigenschaften sind, aber für mich wichtiger als gute Noten.

Den Punkt "ihr Verhalten anzupassen" diskutieren wir hier ja öfter, daher nur kurz: Positiv bewertet wird Durchschnittlichkeit oder die Fähigkeit, sich so zu verstellen (sich also selbst zu verleugnen) daß man durchschnittlich wirkt. Damit wird deutlich vom Durchschnitt abweichenden, also z.B. hb-Kindern, wesentlich mehr Anpassungsfähigkeit abverlangt als sowieso dem Durchschnitt entsprechenden Kindern für die gleichen Noten.

Nach diesen Kriterien gemessenen "schulischen Erfolg" halte ich nicht für erstrebeswert, für meine Kinder ist mir wichtiger daß sie insbesondere ein gesundes Selbstbewußtsein, die Fähigkeit alles kritisch zu hinterfragen, eigene Ideen kreativ umzusetzen und besonders gute Kommunikationsfähigkeit erlangen. Also ziemlich genau der Gegensatz dazu.


viele Grüße

Rob

von Rob_ - am 10.01.2006 23:21
... jau. Für mich ist diese Untersuchung ein erneuter Beleg, dass Schulnoten ausgesprochen wenig mit dem Lernerfolg oder der Leistungsfähigkeit von Kindern zu tun haben, sondern vorrangig ihre Anpassungsleistung und "Handhabbarkeit" aus Lehrersicht bewerten. Selbstdisziplin ist ja schön und gut, aber ist dafür eine zentrale Disziplinierungsanstalt mit 10-13 Jahren täglicher Teilnahmepflicht wirklich nötig? Und sinnvoll? Und angemessen?

Also: Weg mit den Noten, und wenn die Eltern noch so danach schreien!

Sorry für den parolenhaften Exkurs, mir war gerade mal wieder danach.

LG

Takahe

von Takahe - am 11.01.2006 13:21
---

von hgfj - am 13.01.2006 00:34
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.