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Forum Hochbegabung bei Kindern
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vor 11 Jahren, 9 Monaten
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Empfehlungen

Startbeitrag von Tomate am 11.01.2006 15:12

Jetzt kommen sie ja wieder, die leidigen Empfehlungen. Mich würde interessieren, ob bei Euch (dann auch in welchem Bundesland) Kinder mit einem Durchschnitt von unter 2,0 noch eine Gymnasialempfehlung bekommen. Ich glaube, wir haben hier eine sehr strenge Schule, da bei uns 2,0 Voraussetzung ist (und selbst mit 2,0 schaffen es einige nicht, da die Arbeitshaltung nicht stimme). Ergebnis ist, daß nur ein sehr kleiner Teil der Kinder gymnasialempfohlen wird.

Antworten:

Soll es so nicht auch sein? Ich finde, ein Unterschied sollte schon sein!

von Bine - am 11.01.2006 15:43
Hallo Tomate,

bei uns im Saarland ist ein Durchschnitt von 2,5 in Mathe, Deutsch (das sich ja aus mehreren Noten zusammensetzt) und Sachkunde erforderlich.
Auch hier gilt: der Durchschnitt ist kein Muss für eine Empfehlung, andererseits KANN die Empfehlung auch gegeben werden, wenn der Schnitt knapp verpasst ist. Man ist eigentlich auf Gedeih und Verderb der KL ausgeliefert.

Die sehr gerne auf fehlende Arbeitshaltung verweist, wenn die Kinder ihren pädagogisch wertlosen und uninteressanten Unterricht mit Gähnen kommentieren. Überspitzt fomuliert....

Tja, wir warten mal ab. Den Schnitt hat unsere Tochter, aber auch hier das Problem mit der Arbeitshaltung. Die KL sagte mir vor den Ferien, dass sie eine Empfehlung nur mit Bauchschmerzen schreiben könne.

Ich meinte nur lapidar, dass meine Tochter seit der 1. Klasse Bauchschmerzen in der Schule hat.....

Gruß, Heike

von Heike2 - am 11.01.2006 19:55
Hallo

Wir wohnen im Land Brandenburg und bei uns gibt es den Wechsel zum Gym ab Klasse 4, wenn die Summe der Noten aus Deutsch, Mathe und Sachkunde nicht über 5 liegt (Schnellläuferklassen).
Wer erst ab Klasse 6 wechseln möchte verbringt 2 weitere Jahre auf der Grundschule und dann wird es anders gehandelt. Meine Tochter hatte in der 6. Klasse einen Durchschnitt von 2,0 und bekam nur eine Realschulempfehlung. Das Gym ist bei uns in der Stadt das einzigste und die können sich die Schüler aussuchen. Es blieb ihr nur die Realschule, aber das ist ja nicht das Ende. Es gibt viele Wege die nach Rom (später Abi) führen.
Eine weite Fahrt in eine andere Stadt kam für sie nicht in Frage, da sie 4x in der Woche Sport hat und den nicht aufgeben wollte. Wir stehen voll hinter ihr. Bei uns war es auch eine Endscheidung von der Kl, denn Notenmäßig war es in Ordnung. Das Gutachten war nicht zu ihrem Vorteil geschrieben und hier in Brandenburg legen die weiterführenden Schulen viel Wert auf das Gutachten.
Gruß Falki

von falki - am 12.01.2006 07:08
Hallo!

Unsere Grundschule will 1,7 in den Hauptfächern fürs Gymnasium und 2,3 für die Realschule (Ich persönlich habe der Schulleitung schon gesagt, was ich davon halte). Grund: Die Realschule im Ort ist neu und braucht Schüler. In der Hauptschule liegt die Schülerzahl in den beiden 5. Klassen bei jeweils 16, in der Realschule im Ort bei 19 pro Klasse. Das ist ideal für die Kinder, aber es fragt sich einfach, wie lange die Schulen eigenständig bleiben können. Das zuständige Gymnasium hat Klassen von 30 Kindern und die Kinder müssen eine Stunde früher raus.

Das Ergebnis ist allerdings, dass die Eltern sich nicht mehr darum scheren, was die Schule sagt. Es ist nur eine Empfehlung. Egal was diese sagt, die Eltern entscheiden und sie haben ein Recht auf einen Platz in der Schulform. Die Schulleiter der aufnehmenden Schulen beraten zwar, sehen das Ganze aber nicht so streng wie unsere Grundschule. Die meisten schaffen auch die gewählte Schulform.

Wir wohnen hier in Niedersachsen

Marion

von MarionPE - am 12.01.2006 08:00
Hallo Marion,

habt Ihr in Niedersachsen noch die Trennung von Realschule und Hauptschule?

Bei uns läuft das seit einigen Jahren unter dem Begriff "Erweiterte Realschule" unter einem Dach, d.h. alle Kinder, die nicht auf Gymmi oder Gesamtschule gehen, sind die ersten drei Jahre zusammen. Dann wird je nach Noten in Hauptschulzweig oder Realschulzweig unterschieden.

So entstand dann, dass unsere ERS (Erweiterte Realschule) zur Restschule verkommen ist. Und wenn du dann von den Gesamtschulen nicht allzu viel hältst und dein Kind keine Empfehlung bekommt (die bei uns bindend ist), landen kluge Kinder auf einer solchen ERS. Von denen die meisten mittlerweile einen eher zweifelhaften Ruf haben....

Bleibt halt nur noch das Testverfahren für ein Kind ohne Empfehlung. Wobei dann die richtig guten Schulen direkt dicht machen.

Gruß, Heike

von Heike2 - am 12.01.2006 09:02
Hallo Heike!

Jein! Bei uns im Ort ist es eine Haupt- und Realschule. Es gibt Hauptschulklassen und Realschulklassen. Aber die schulleitung ist gemeinsam und auch viele Lehrer unterrichten an beiden Schulformen, zur Zeit sogar noch ein Gymnasiallehrer, der von der Orientierungsstufe übrig geblieben ist.

Überhaupt haben wir hier noch eine "heile Welt", kaum Ausländer.... Es gibt sogar Eltern, die absichtlich hierher ziehen, um ihre Kinder hier zur Hauptschule zu schicken.

Übrigens: Heile welt reicht nicht. Auch hier gibt es einige Kinder, die den Hauptschulabschluss nicht schaffen.

Wer ein Problem hat (Legasthenie, Dyskalkulie... wird nach meinem Gefühl sowieso gleich eine Schulform niedriger empfohlen, um das arme Kind nicht zu überfordern. So ein Quatsch, denn die Legsthenie hat sowieso in allen Fächern die Noten unter die Intelligenzmöglichkeiten heruntergezogen.

Noch anderthalb Jahre, dann sind "wir" aus der Grundschule heraus.

Marion

von MarionPE - am 12.01.2006 09:30
Hallo Tomate,

wäre gut, wenn du selbst dein Bundesland genannt hättest. Für Niedersachsen z. B. gibt es hier diese Informationen:

[www.mk.niedersachsen.de]

Zitat

Ergebnis ist, daß nur ein sehr kleiner Teil der Kinder gymnasialempfohlen wird.
Wo ist das Problem? Ich sehe an unserer Grundschule auch nicht alle auf dem Gymnasium, wenn ich mir das (ohnehin schon niedrige) Niveau der Schulbücher und Dokumente so ansehe, die unser Kind hier so vorlegt und wenn ich dazu die Geschichten höre, wer diesen Pippikram alles nicht versteht und weshalb das alles noch 1000mal wiedergekäut werden muss. Man hat hier den Kindern gesagt, die 3. Klasse sei die schwierigste - ich kann bis jetzt nicht verstehen, warum. Aber es scheint wohl genug Kinder zu geben, für die das so zutrifft. Und warum sollten die dann mit Leichtigkeit das Gymnasium absolvieren?

Gruß

von Gast - am 12.01.2006 11:29
Hallo Gast!

Die dritte Klasse ist die schwierigste, weil die Kinder plötzlich vom Pillepalle der ersten zwei Klassen auf Arbeiten umstellen sollen. Es gibt Noten und plötzlich erkennen die Eltern, was ihre süßen Kleinen alles nicht können. Vorher ist doch alles eitel Sonnenschein. Gibt es keinen Lehrerwechsel zwischen 2 und 3, sind die Kinder irritiert, gibt es einen Lehrerwechsel, dann ist die neue Lehrerin die böse.

Marion

von MarionPE - am 12.01.2006 13:44
Hier noch die verschiedenen Regelungen dazu:

[bildung.focus.msn.de]

(alle Bundesländer)

Grüße

von Pippi L. - am 12.01.2006 14:21
Hallo, wir kommen aus Schleswig-Holstein. "Nur ein kleiner Teil" meint, daß es an unserer Schule immer wieder Klassen gibt, in denen kein oder nur ein bis zwei Kinder gymnasialempfohlen werden. Mehr als sechs aus einer Klasse (also knapp 30%) habe ich noch nie erlebt.

von Tomate - am 12.01.2006 14:42
In Berlin zählen nicht nur die Empfehlungen und Noten. Auf speziellen Gymnasien (ab 5. Klasse, denn in Berlin beginnt das normalerweise erst ab 7. Klasse) mit Superschnelläuferklassen (Abi in 11 Jahren) wird noch ein Test (verkappter Intelligenztest) hinzugezogen, den alle berlinweit am selben Tag zur selben Zeit schreiben müssen. Am Ende werden die Punkte von Empfehlung, Noten und Test zusammengezogen. Also können theoretisch auch Kinder mit 2,5 aufgenommen werden. Wer hier nicht mitmacht, kann theoretisch auch ohne Empfehlung mit einem Intelligenztest über 130 angenommen werden, vorausgesetzt, es gibt noch einen freien Platz.

von Etu - am 12.01.2006 21:46
Hallo,

bist du selbst Lehrerin, dass du das so genau beobachten kannst, wer wohin empfohlen wird? Oder hast du selbst so viele Kinder an derselben Schule in verschiedenen Klassen? Also ich hätte an unserer Schule keine genauen Zahlen. Wobei mir das auch deshalb egal ist, weil ich ohnehin nur froh bin, wenn unser Sohn da bald durch ist und ich nicht sehe, warum er danach nicht das Gymnasium besuchen sollte. Auf die anderen Kinder habe ich ohnehin keinen Einfluss, deren Eltern müssen selbst zusehen. Wir haben aber auch hier schon einmal versucht, einem schwachen Kind zu helfen - ohne Erfolg, weil die Eltern einfach zu dumm sind, zu erkennen, dass es auch sie angeht und sie auch zu Hause mitarbeiten müssen, selbst besser Deutsch lernen, sich integrieren und das Kind wenigstens in einen Verein geben, mehr Kontakt mit deutschen Kindern haben lassen. Aber das ist so zu stressig, dem Kind konnten wir nicht helfen, ohne dass die Eltern mitmachen. Wir können nicht permanent und kostenlos Nach- und Lebenshilfe für "sozial Benachteiligte" betreiben, müssen auch noch unseren eigenen Lebensunterhalt verdienen. Sonst sind wir bald selbst sozial benachteiligt.

Aber ansonsten ist das eigentlich kein Thema bei uns. Unser Kind wird ja seinen Weg schon machen. Dafür sind wir ja da.

Viele Grüße

von FelixMum - am 13.01.2006 08:35
Bin Elternvertreterin. Da wenden sich schon einige an mich mit ihren Fragen dazu. Und natürlich habe ich auch Einblick als "normale" Eltern.

von Tomate - am 13.01.2006 12:36
Die Regeln sind nicht mehr aktuell, ich Sachsen-Anhalt entscheiden zum Beispiel nicht mehr die Eltern. Es müssen in Deutsch, Mathe, Heimat-und Sachkunde und Englisch jeweils mindestens eine Zwei auf den Zeugnis stehen, ansonsten wird eine Eingungsfeststellung (wenn die Eltern das wünschen) durchgeführt.

Michaela

von Michaela - am 14.01.2006 15:25
Hallo ihr,

ich habe keinen Schimmer, welche Standards die CDU hier in NRW demnächst einführen will, auf alle Fälle soll die Empfehlung (jedenfalls die für die Haupt- und Realschule) bindend werden und da sie alles daran setzen, wieder möglichst viele auch fitte Kinder zur Hauptschule zu kriegen, werden die Anforderungen wohl geharnischt sein.
Ich fange schon mal an, mich dergestalt zu entspannen, dass meine Tochter dann eben statt auf das 100m entfernte Gymnasium auf die 8 km entfernte Gesamtschule gehen wird und denke: Ätsch, dann kriegt ihr meinen Schlaukopf eben nicht für eure "Eliteanstalt". Rein aus Bockigkeit. Vielleicht sogar, wenn sie die Empfehlung bekommt. Ich lauf doch keinem Sch... Gymnasium hinterher!

Ich halte Gymnasien ohnehin für die hier überschätzteste Schulform. Auch auf dem Gymnasium kann man kreuzunglücklich und total unterfordert sein.

Seid alle gegrüßt

Takahe

von Takahe - am 14.01.2006 18:38
Takahe schrieb:

Zitat


Ich halte Gymnasien ohnehin für die hier überschätzteste
Schulform.


Für mich ist aber letztendlich nicht das "Dach" der Schule, sprich die Schulform, entscheidend, sondern der Inhalt. Das sind dann Schüler und Lehrer.

Und so lange sich auf unseren Gesamtschulen, zumindest auf denen, die ich kenne und die in unserer Reichweite sind, fast nur die Kinder tummeln, bei denen die Eltern wohl überhaupt nicht wussten, welche Schulform für sie geeignet ist, und man auch bei den Lehrern das Gefühl hat, dorthin strafversetzt worden zu sein, erspare ich mir meinen Kindern und mir dieses "Alle-Kinder-sind-gleich-Experiment".

Ich war nun bei drei verschiedenen Info-Veranstaltungen, an denen Vertreter aller Schulformen ihre Schulen vorstellten. Jeweils in unterschiedlichen Landkreisen mit unterschiedlichen Schulen und Lehrern. Und immer waren die Vertreter der Gesamtschulen die langhaarigen Alt-Hippies, bei denen nur noch die Pulle und die Zigarette fehlten. Und statt Fakten und Infos bekam man nur ideologisches Geschwafel zu hören.

Mag ja sein, dass das Einzelfälle sind oder auch saarlandspezifisch ist, aber für uns kommt nun mal eine Gesamtschule niemals in Frage. Wir haben noch eine einzige "echte" Realschule im Umkreis, eine bischöfliche Privatschule. Dann doch lieber die. Dort kommen auf 300 Plätze jedoch fast 1000 Bewerber. Muss man mal sehen, wie man dort ankommt. Elternengagement wird immer gern gesehen. Auch Ehrenämter. Mal schauen - vielleicht überrascht uns die KL ja doch noch mit einer Empfehlung.

Gruß, Heike

von Heike2 - am 14.01.2006 20:24
Hallo Heike,

Zitat

Mag ja sein, dass das Einzelfälle sind oder auch saarlandspezifisch ist, aber für uns kommt nun mal eine Gesamtschule niemals in Frage.


Das sind wohl eher Einzelfälle, auf keinen Fall saarlandspezifisch. Wir haben im Landkreis zwei Gesamtschulen mit einem sehr guten Ruf. Dorthin sind auch einige Kinder aus der Klasse meines Sohnes mit Gymnasialempfehlung gewechselt. Die Eltern wollten ihnen den G8-Stress nicht antun, die ERS allerdings auch nicht - diese Schulform scheint saarlandweit ziemlich am Ende zu sein.

Wann bekommt ihr die Empfehlungen?

Grauseldis



von grauseldis - am 16.01.2006 15:55
Hallo Grauseldis,

tja, wir warten...... ab dem 30. Januar sollen die Elterngespräche geführt werden.

Und wie recht du hast - die ERS ist wohl wirklich ziemlich am Ende.
Dort sehe ich auch meine Tochter nicht - da würde sie sich nie wohl fühlen. Sie philosophiert, diskutiert, debattiert, kritisiert und am liebsten moralisiert sie. So ein richtig schönes altsprachliches humanistisches Gymnasium, das wäre was für sie. Sag ich jetzt mal so ;-)

Ich habe gerade eben auf unserem Bildungsserver gesurft und festgestellt, dass die Anmeldetermine für die Privatgymnasien VOR dem Testtermin für das Übertrittsverfahren ist. Wie vereinbart sich das denn??? Nehmen die grundsätzlich KEINE Kinder ohne Empfehlung?
Den Test wird sie bestehen, da bin ich mir ziemlich sicher. Und seltsamerweise die Lehrerin auch ("Aber nein! An der Intelligenz liegt es doch überhaupt nicht!")
Warum erspart sie uns das Procedere dann nicht?
Meine Tochter ist weder verhaltensgestört, noch aggressiv, noch stört sie in irgendeiner Weise den Unterricht. Nur weil sie der KL zu anstrengend ist, meint sie, keine Empfehlung aussprechen zu müssen. Um zu zeigen, dass sie am längeren Hebel sitzt. Oder schlauer ist. Wíe auch immer.

Sorry, das war ziemlich gefrustet. Aber wenn man das Gefühl hat, dass einem jemand Steine in den Weg wirft und man hat grad keinen Bagger.....

Deine Kinder sind schon älter, oder hab ich da jetzt was falsches im Kopf?

Gruß, Heike

von Heike2 - am 16.01.2006 21:29

Re: Empfehlungen - Gesamtschulen

Hallo Takahe,

hier bei uns, auch in NRW, sind die Gesamtschulen derart nachgefragt (u. a. wegen Ganztagsschule und bei Kindern mit Hauptschulempfehlung - mein kind geht zur Gesamtschule hört sich immer besser an als mein Kind geht zur Hauptschule -), dass es unheimlich schwierig ist, einen Platz zu bekommen. Diese werden nach einem bestimmten Schlüssel, der relativ undurchsichtig ist, verteilt. Vielleicht ist es doch nicht so einfach mit der Entspannung.

Und bei Pisa haben ja gerade die Gesamtschulen besonders schlecht abgeschnitten.

Aber du hast ja auch noch ein bisschen Zeit und vielleicht hast du auch gar kein problem.

Gruss

Carola

von carola - am 17.01.2006 07:05
Hallo Heike,

mein Ältester ist jetzt in der Fünften, der "Kleine" in der Dritten. Der Große hat die Empfehlung auch mit einer 3 in Mathe bekommen, die Lehrerin gab ihm die Empfehlung, "da er unbedingt auf ein Gymnasium gehört". Sie hatte allerdings ebenfalls Bedenken, was seine Arbeitshaltung betrifft, da er nur das unbedingt Nötigste macht. Allerdings ist er scheinbar "pflegeleichter" als deine Tochter, da er mittlerweile gelernt hat, wann es Sinn macht, auch mal einfach nur das zu machen, was ihm jemand sagt, ohne es genau zu hinterfragen. Und das ist eine Fähigkeit, die ein Kind heutzutage bei G8 unbedingt braucht. Jetzt kommt wahrscheinlich gleich FelixMum und sagt, wie schlecht das doch ist, aber es ist die Realität. Es bringt nichts, wenn ich mir meine Traumschule und mein Traum-Schulsystem in Gedanken zusammen bastle und mein Kind dann mit der Realität nicht zurecht kommt.

Zu G8 gehört u. a. innerhalb kürzester Zeit das große Einmaleins und die Quadratzahlen auswendig zu lernen, auch ohne einen höheren Sinn darin zu erkennen. Ruckzuck geht es weiter mit dem binären System, wechselt nach kurzer Zeit zu Gleichungssystemen usw. Der Mathelehrer hat am Elternabend erklärt, dass gerade in Mathe bei G8 nichts mehr zu kürzen war und dass unheimlich viel in die ersten beiden Jahre gepackt wurde. Auch auf dem Gymnasium ist außer vielleicht in Philosophie und Politk keine Zeit mehr, groß zu diskutieren und zu debattieren. Und kritisiert werden auch Gymnasiallehrer nicht so gerne ;).

grauseldis



von grauseldis - am 17.01.2006 15:58

Re: @grauseldis

Hallo,

Zitat

Jetzt kommt wahrscheinlich gleich FelixMum und sagt, wie schlecht das doch ist, aber es ist die Realität.
Nein, wieso, wie kommst du denn darauf? :-) :-) Genau das predigen wir unserem Sohn auch schon immer, das genau ist doch der Unterschied zwischen Schulwissen und außerschulischem Lernen.

Also nicht dass ich permanent falsch verstanden werde, aber als Beispiel: Ich freue mich etwa, wenn das Kind so leicht Sprachen lernt, so in nullkommanichts - schon mit 4 od. 5 Jahren hat er sich die Hexe Huckla reinziehen können oder Kinderlieder auf französisch. Jetzt habe ich zum Spaß und für Regentage ein Lernspiel Englisch bestellt, reduziert bei Jokers, und er stürzt sich auch mit Begeisterung drauf. In der Schule sind sie noch beim Hören von Wörtern, z. B. Farben und dann sollen sie dazu entsprechend ausmalen - wie immer hundertfach hintereinander. Am PC ordnet er daheim schon Verbformen zu oder Satzteile, erkennt die Schreibweise und solche Sachen. Das geht superfix, kaum jemals dass er sich vertut. Und jetzt hat er uns erklärt, das Spiel sei doch nichts für ihn - und warum? Weil, wie er sagt, er sich ja dann im Unterricht nur noch mehr als sonst langweile, wenn er das doch schon alles könnte. Je nun. Jetzt habe ich schon gesagt, OK, dann besorge ich halt von mir aus was auf Russisch oder Chinesisch, das kommt in der Schule garantiert erst mal nicht dran. Da hat er wenigstens keinen Vergleich, was das Lerntempo angeht und kann das selbst bestimmen. ;-)

Genau das ist ja die Sache. Aber ich werde doch deshalb dem Kind trotzdem mehr anbieten als über das reine Schulwissen hinaus geht. Es hat doch die Fähigkeiten dazu, und auch das Interesse. Wenn man sich nur darauf beschränken würde, wäre man doch bald total beschränkt. Dann reicht es wirklich nur zur Bewerbung in der Kfz-Stelle im Rathaus, zum täglichen Wechsel des Datumsstempels oder bei Lidl an die Kasse. Also trennen wir das eben komplett. Unser Sohn muss da genauso durch, Schule ist da für ihn auch nicht zum Lernen da, sondern zum Langweilen. So traurig das klingt, aber das ist die Realität. Die sehe ich genauso wie du.

Aber man kommt da auch irgendwie durch. Ich bin da trotzdem noch optimistisch.

Viele Grüße

von FelixMum - am 17.01.2006 16:31

Re: @grauseldis

Hallo FelixMum,

sorry, da hab ich mich vertan. Du bekamst eins auf die Mütze wegen einer solchen Äußerung, stimmt's? Naja, mal abwarten, was ich mir jetzt noch anhören muss :)

grauselids



von grauseldis - am 17.01.2006 16:49
Hallo Grauseldis!

Ist doch schön, wenn eine LKehrkraft es auch so sieht, dass ein Kind mit einer 3 in Mathe trotzdem unbedingt aufs Gymnasium muss. Ich habe es schon oft genau andersherum mitnekommen, nämlich dass Lehrer eine empfehlung für eine Schulform gaben und trotzdem die Eltern darauf ansprachen, dass sie davon ausgehen, dass das Kind doch zur höheren Schulform gehen sollte, vielleicht müsste es mal ein Jahr wiederholen, aber im Grunde würde es es gut schaffen.

Sowohl meiner Mittleren als auch ihrem Freund (beide vorzeitig eingeschult und eine Klasse übersprungen) wurde gesagt, sie bekämen nur eine Realschulempfehlöung, aber wenn sie ein Jahr wiederholen würden bekämen sie eine Gymnasialempfehlung, sie wären doch noch so jung. Beide wollten zu dem Zeitpunkt auf keinen Fall wiederholen, sind aber inzwischen freiwillig eine Klasse nach unten gegangen. Wenn die Lehrkräfte gleich die Gymnasialempfehlung ausgesprochen hätten, dann hätte es nicht die Probleme gegeben, während der "Bewährungszeit" freiwillig zu wiederholen. Wobei die Gymnasien der beiden eindeutig gesagt haben, es wären Gymnasialkinder.

Viele Lehrer scheinen wirklich Angst davor zu haben, ein Kind zu gut einzuschätzen (Zitat: "Dem Kind stehen doch auch später noch die Türen zum Gymnasium offen"). Aber was die vergessen sind die Kinder, die intelligent sind, sich nie anstrengen und in der Schule nur das Nötigste tun. Bei denen habe ich Angst, dass sie auch auf einer Realschule Mittelmaß bleiben und die quali fürs Gym. nach der 10 nicht bekommen. Aber die lehrer kennen das Problem anscheinend nicht.

Auch die Theorie: "Wir geben im ersten Halbjahr erst einmal schlechtere Einstufungen heraus, damit sich die Kinder im zweiten Halbjahr anstrengen" halte ich für falsch. Als es hier noch die orientierungsstufe gab war das bei den Vorpubertären Sechstklässlern vielleicht richtig, aber bei Viertklässlern?

Wie wäre es mal mit ein wenig Motivation statt Schuß vor den Bug?

Marion

von MarionPE - am 17.01.2006 17:29
MarionPE schrieb:

Zitat


Aber was die vergessen sind die Kinder, die intelligent sind, sich nie
anstrengen und in der Schule nur das Nötigste tun. Bei denen
habe ich Angst, dass sie auch auf einer Realschule Mittelmaß
bleiben und die quali fürs Gym. nach der 10 nicht bekommen.

Wie wäre es mal mit ein wenig Motivation statt Schuß vor den
Bug?



Danke Marion,

genau das ist doch der Punkt.

Egal ob meine Tochter auf ein Gymnasium, eine Realschule oder Hauptschule geht, nach dem heutigen Stand der Dinge wird sie immer im oberen Mittel schwimmen (oder an der unteren Spitze - ist das Glas jetzt halb voll oder halb leer? ;-) )

Da ist es mir doch lieber, sie schwimmt auf dem Gymnasium mit und kriegt genauso irgendwann die Kurve wie ich. Wie kriege ich das der KL nur in den Schädel rein??? Am Montag haben wir unser Beratungsgespräch, aber ich gehe mal davon aus, dass ihre Entscheidung schon gefallen ist....

Und unsere Wunschschule (Privatschule des Bistums, kein Schulgeld), nimmt nur Kinder MIT Empfehlung, der Test nützt da gar nichts.

Tja, FelixMum, so gehts. Du kannst dein Kind zuhause fördern und ihm den Rücken stärken soviel du willst. Zumindest hier im Saarland, wo die Empfehlung Pflicht ist, kann dann doch jemand kommen, der dir dicke Knüppel in den Weg wirft. Und dann erklär mal das dem Kind, dass sein Nachbar, dessen Eltern ihm täglich die HA machen, auf die tolle Schule darf und es selbst eben nicht.

That´s life...

Heike

von Heike2 - am 17.01.2006 18:15

Re: Empfehlungen - Gesamtschulen

Hallo Carola,

genau das (mit der Zeit, die ich noch habe) - ist ja eines meiner Probleme. Wer weiß, was noch alles kommt in den nächsten Jahren. Wenn erstmal die Empfehlungen verbindlich sind, werden die Gesamtschulen vermutlich noch beliebter werden. Und die Gymnasien können sich noch besser darin gefallen, Kinder, die etwas anders und weniger angepasst sind, für ungeeignet zu halten. Und bei allen Alternativen, die ich mir zur "Entspannung" ausdenke, haben letztlich die Schulen die Entscheidung, ob sie ein Kind nehmen. Konfessionsschulen fallen bei uns da schon mal aus. Also bleibt nicht viel an Alternativen.

Gestern hörte ich wieder eine Horrorstory von "unserem" städtischen Gymnasium. Da hat ein Kind den rechten Arm gebrochen und mehrere (!) LehrerInnen verlangen tatsächlich, dass es mit Links schreiben lernt um die letzten Klassenarbeiten des Halbjahres mitzuschreiben. Das ist doch nur noch bekloppt, oder???

Wenn da nicht in den nächsten Jahren der Blitz einschlägt, sehe ich mein Kind da ganz sicher noch nicht, gleich was die "Empfehlung" sagt.

In nachhaltiger Sorge

Takahe

von Takahe - am 17.01.2006 21:33
Zitat

Und kritisiert werden auch Gymnasiallehrer nicht so gerne .


Stimmt.
Genau das sagte unsere Direktor erst letzte Woche bei einer Elternvertreterschulung. Er sagte, Lehrer seien einfach nicht kritigfähig :-( .

Zitat

Zu G8 gehört u. a. innerhalb kürzester Zeit das große Einmaleins und die Quadratzahlen auswendig zu lernen, auch ohne einen höheren Sinn darin zu erkennen. Ruckzuck geht es weiter mit dem binären System, wechselt nach kurzer Zeit zu Gleichungssystemen usw. Der Mathelehrer hat am Elternabend erklärt, dass gerade in Mathe bei G8 nichts mehr zu kürzen war und dass unheimlich viel in die ersten beiden Jahre gepackt wurde. Auch auf dem Gymnasium ist außer vielleicht in Philosophie und Politk keine Zeit mehr, groß zu diskutieren und zu debattieren.


So sieht es bei uns auch aus.
Der Lehrplan ist definitiv nicht entrümpelt, es wird selbiges Pensum in kürzerer Zeit durchgezogen. Das gilt für fast alle Fächer. In Mathe wird nun in der 7. Klasse der Stoff von Klasse 8 und teilweise auch der Klasse 9 vorgezogen.
Das bestätigen nicht nur die Lehrer, sondern auch die Eltern mit größeren Kindern an der Schule und die älteren Geschwister staunen über das, was die "Kleinen" schon so alles machen müssen.
Es ist definitiv keine Zeit für großes Lamentieren, weder für inhaltliche Diskussionen noch für Palaver, welches Kind sich aus welchen Gründen nicht organisieren kann. Wenn Hausaufgaben, Material, Unterlagen, Presentationen usw fehlen, gibt es eine 6 und aus die Maus. Termine werden einmalig angesagt und wer sie vergisst, hat Pech gehabt. 6, setzen.
Hier gehen Kinder unter, die nicht an ihrer Intelligenz, sondern an dem Drumherum scheitern.

von Eva - am 18.01.2006 07:19
Zitat

Auch die Theorie: "Wir geben im ersten Halbjahr erst einmal schlechtere Einstufungen heraus, damit sich die Kinder im zweiten Halbjahr anstrengen" halte ich für falsch. Als es hier noch die orientierungsstufe gab war das bei den Vorpubertären Sechstklässlern vielleicht richtig, aber bei Viertklässlern?

Wie wäre es mal mit ein wenig Motivation statt Schuß vor den Bug?


Auch auf der weiterführenden Schule halte ich das für absolut unpädagogisch.
Was für ein Quatsch, den Kindern immer einen reinzuwürgen um sie damit MOTIVIEREN zu wollen !
Damit erreicht man bei den Meisten doch nur das Gegenteil. Das DEmotiviert und ich kann die Kinder gut verstehen, die dann NOCH WENIGER Lust am Unterricht haben.
Bei uns gibt es im Zweifelsfall immer die schlechtere Note. Das Totschlagargument ist dann die mündliche Leistung.Selbst wenn das Kind schriftlich Einsen und Zweien hat, neigen die Lehrer gern dazu zu sagen, mündlich wäre es aber nicht sooo gut für eine 2 sondern eher so im Dreierbereich und deshalb kann man dann nur eine 3 (+) im Zeugnis geben.
Man kann das nicht entkräften.
Man fragt sich, warum das Kind überhaupt so gute Noten schreibt wenn es doch eine 3 bekommt. Der Nachbar schreibt eine 3 und eine 4 und hat im Zeugnis ( er ist mündlich auch mittel ) auch eine 3 stehen.
WOZU ÜBERHAUPT SICH ANSTRENGEN UND GUTE NOTEN SCHREIBEN :-( ?!

von Eva - am 18.01.2006 07:30

Re: Empfehlungen - Gesamtschulen

Zitat

Da hat ein Kind den rechten Arm gebrochen und mehrere (!) LehrerInnen verlangen tatsächlich, dass es mit Links schreiben lernt um die letzten Klassenarbeiten des Halbjahres mitzuschreiben. Das ist doch nur noch bekloppt, oder???


Das könnte sich auch bei uns abgespielt haben.
Ein Kind war lange im Krankenheus und die Eltern hatten genügend Entschuldigungen, Krankschreibungen von Ärzten und Gutachten vom Krankenhaus. Daraufhin sollten die Eltern noch ein Gutachten vom Amtsarzt/Vertrauensarzt vorweisen!

Das ist sogar oberbekloppt.

von Eva - am 18.01.2006 07:34
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