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Forum Hochbegabung bei Kindern
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Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 9 Monaten
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Auguste, kokolores65, Takahe, FelixMum, MarionPE, Etu, carola, Martina K., Big Mama

Springen

Startbeitrag von Auguste am 17.01.2006 10:11

Hallo liebe Leute hier,

mein Sohn, 6 Jahre, wurde vor einem Jahr an der Münchner LMU hochbegabt getestet, geht jetzt in die erste Klasse und "schnuppert" gerade in der zweiten.
Die Lehrerin der ersten Klasse gibt ihm (und einen anderen HB-Jungen) Intensivunterricht und die Rektorin der Schule hat eine "Kinderuni" (Zusatzstunde) für alle HB-Kinder der Schule eingerichtet. Also wahrlich traumhafte Zustände.

Jetzt kam aber von der Lehrerin der zweiten Klasse der Einwand, daß er viel zu langsam und unschön schreiben würde, was ein Problem geben könnte (geistig würde er ihrer Meinung nach gut in die zweite Klasse passen). Als Empfehlung kam, begleitend eine Ergotherapie zu machen, denn seine Linkshändigkeit erschwert bestimmte Sachen wie "Stifthaltung" und "Spiegelungen vermeiden".

Wir haben eine gute Ergotherpeutin für Linkshänder gefunden, die jetzt die optimale Schreibhaltung mit ihm übt. - Aber weder sie noch die Kinderärztin meinten, er hätte feinmotorische Deifizite. Beide glauben, er hat einfach keine Übung - und ich glaube das auch, denn Malen interessierte ihn nie (er baut viel lieber oder macht andere Dinge, bloß nichts mit dem Stift in der Hand).

Meine Frage an Euch: sollte die schlechte und langsame Schrift wirklich ein Grund sein, daß er deshalb nicht in die zweite Klasse springen soll? Zumal er selbst gerne in die zweite möchte (auch wenn ihm Mathe da auch zu langweilig ist, wie er heute meinte). Habt Ihr eine Idee dazu?

Liebe Grüße
und danke fürs Lesen und Denken und eventuell schreiben,

Auguste

Antworten:

Hallo Auguste!

Das Arbeitstempo ist der beliebteste Grund bei aufnehmenden Lehrern, einem Kind die Fähigkeit zum Springen abzusprechen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das Arbeitstempo trainiert werden kann. Wer die körperlichen Voraussetzungen zu einem Schnelläufer oder schnellen Schwimmer hat, muss trotzdem trainieren, oder. Genauso ist es beim Schreiben. Mit dem Training kommt das Tempo. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Werr er für einige Zeit ganz in die höhere Klasse hineingeht und nicht nur stundenweise schnuppert, kann auch die Lehrerin merken, dass er schneller wird. So lange soll sie sich erst einmal vorstellen, dass er einen Gipsarm hat und zur Zeit nicht so schnell mitarbeiten kann.

Wenn er jetzt wechselt, dann hält er nach den Osterferien locker das Tempo durch. Wenn die Lehrerin ihn aber partout nicht haben will, dann findet sie dann einen anderen Grund. Das musst du herausfinden.

Marion

von MarionPE - am 17.01.2006 12:51
Hallo Marion,

vielen Dank für Deine prompte Antwort! Das hilft mir jetzt sehr viel weiter!
Hatte auch schon den Verdacht, daß die Lehrerin der zweiten Klasse ihn entweder nicht haben will oder völlig nichtsahnend ist. Wenn aber _ich_ wieder weiß, was gut für ihn ist, dann bin ich einen Schritt weiter.
Mit der Lehrerin der ersten Klasse kann ich ganz offen sprechen und werde das demnächst tun - und ihr berichten, daß andere HB-Eltern das Problem kennen.

Liebe Grüße
Auguste

von Auguste - am 17.01.2006 13:03
Hallo,

auch uns ist die Sache mit der Feinmotorik gut bekannt. Unser Kind ist zwar nicht hb, kam aber trotzdem auf Antrag und schulpsychologischem Eigungstest per Datumsgrenze mit 4 in die Schule (geb. 10/98) bzw. wurde mit gerade 5 Jahren zum Dezember 2003 "nachträglich" eingeschult. Das Thema ist wie von Marion schon erwähnt ein sehr beliebtes und eignet sich für viele Lehrerinnen vorzüglich, besonders Jungen zurückzusetzen oder herabzustufen.

Denn: Gerade bei Jungen ist die motorische Entwicklung gegenüber Mädchen im Grundschulalter verzögert - das ist völlig normal und biologisch in der Natur so angelegt. Dieser Punkt ist ein echter geschlechtsspezifischer Unterschied in der Entwicklung von Kindern. Wenn also ein cleverer Junge dazu noch vorzeitig eingeschult wird, ist er seinem motorischen Entwicklungsstand entsprechend noch viel weiter hintendran als ein Mädchen in derselben Situation. Eigentlich ist er ja im Vergleich motorisch noch ein Kleinkind. Das Schulsystem ist aber leider nicht darauf eingerichtet, eben auch nicht die Lehrer.

Außerdem: Jungen sind in diesem Alter in aller Regel weniger anpassungsfähig als "liebe" und "folgsame" Mädchen. Sie zeigen mehr körperliche Aktivität und Bewegungsdrang, ihnen fällt das Stillsitzen und eher für Mädchen geeignete Tätigkeiten wie das beliebte Malen-Schneiden-Kleben in diesem Alter besonders schwer. Außerdem durchleben sie in dieser Zeit ihre erste große Phase ihrer eigenen Wahrnehmung als Junge, also eine Art geschlechtsspezifische Selbstfindung, was sich im Trotzverhalten äußert. Deshalb neigen sie zu Auffälligkeiten, sind eher laut und aktiv, was ihnen besonders von LehrerINNEN (ganz besonders gern von denen ohne eigene Kinder) negativ ausgelegt wird. Sie haben ja auch untereinander ein ganz natürlich anderes Sozialverhalten, wenn man mal beobachtet, wie Jungen miteinander umgehen, rangeln, raufen, wetteifern. Mädchen haben durchweg mehr Blickkontakt, sind allgemein ruhiger, suchen die Zweierbeziehung und sind in dem Alter einfach pflegeleichter. Man behauptet dann gern von Jungen, sie zeigten nicht das nötige Sozialverhalten, abgesehen von der mangelhaften Motorik. Da Grundschulen überwiegend von weiblichem Personal durchsetzt sind, treten diese Argumente dort auch besonders häufig auf. Andererseits fallen intelligente Jungen durch dieses "natürlich lautere" Verhalten eher auf als intelligente Mädchen, d. h. sie werden also zu einem relativ früheren Zeitpunkt "erkannt", machen sich eher bemerkbar - und können insofern oft früher gefördert werden. Wenn man ihnen von Seiten der Schule gegenüber Verständnis entgegenbringt. Wenn nicht, müssen das die Eltern machen.

Fazit: Das ist alles totaler Blödsinn, was man euch da erzählt. Bzw. es ist kein Blödsinn, aber etwas, was ganz natürlich ist, wird negativ ausgelegt, als sei es eine Störung. Also eigentlich sehe ich auch die Ergotherapie als eher überflüssig an oder jedenfalls sollte es keine Einrichtung für längere Zeit sein - das Kind kriegt sonst den Eindruck, es stimme etwas mit ihm nicht oder es sei krank. Dabei ist das Gegenteil der Fall, es ist doch kerngesund und nur etwas intelligenter als andere. Seine motorische Entwicklung ist insofern vollkommen normal und bedarf eigentlich keiner "Therapie". Man tut am besten daran, alles zu überhören, was besonders LehrerINNEN ohne Verständnis für ein intelligentes Kind (besonders wenn es ein Junge ist) so von sich geben. Des weiteren gehe man stur seinen Weg, wenn man beobachten kann, dass es dem Kind nichts anderes als gut tut und es sich sonst gut entwickelt.

Du glaubst nicht, wie häufig wir in den ersten beiden Jahren von der Schule angerufen wurden, wir sollten das Kind abholen, weil er störe oder bockte. Oder als wir gefragt wurden, ob er diese und jene Aufgabenstellung nicht verstehe - dabei hat er die Lehrerin nur vera.... weil ihm das zu langweilig war und er sich ihr gegenüber blöd gestellt hat. Sowas muss man manchmal einfach nur aushalten. ;-)

Das mit der Motorik haben wir auch durch Schreibtraining gelöst, und heute ist es kein Problem mehr. Spätestens seit das Kind auch schon über ein Jahr lang gerne und gut Gitarre spielt und selbst sein Gitarrenlehrer über die Fingerfertigkeit staunt, können wir über solche Äußerungen der Schule, er "könne wohl nicht mit der Schere umgehen" (nur weil ihm auch das wieder viel zu öde war, was da gebastelt werden sollte), nur herzhaft lachen.

Viele Grüße, alles Gute

von FelixMum - am 17.01.2006 14:37
Hallo ihr,

ich habe der freundlichen Beraterin in einer HB-Beratungsstelle "Arbeitsproben" meiner Tochter gezeigt. Sie sagte mir, ich solle mich schon mal damit abfinden, dass Schönschrift vielleicht nie eine ihrer starken Seiten wird. Dabei ist meine Tochter anerkanntermaßen mit für ihr Alter überdurchschnittlichen feinmotorischen Fähigkeiten gesegnet. Sie wendet sie halt nur anderswo an.

Meine Arbeitshypothese ist, solange nichts anderes bewiesen wird: Schönschrift gehört für viele HBs nicht zu ihren persönlichen Zielen. Sie erkennen früh, dass Schrift eine Kulturtechnik zum Zwecke der Kommunikation und Information ist und sehen sie als Mittel zum Zweck, nicht als Selbstzweck. Seitenweises Buchstabenmalen ist für solche Kinder eine Tortur, da sich ihnen die Ästhetik einer Seite voll gleichförmiger Zeichen nie in demselben Maß erschließt wie die Ästhetik eines gut geschriebenen Gedichtes.

Dazu kommt natürlich alles, was schon anderswo über Feinmotorik und Übung gesagt wird. Trotzdem warne ich davor, von überdurchschnittlich begabten Kindern die gleiche Schrift zu erwarten, wie sie durchschnittlich begabte (ja, ich gebe zu, vor allem Mädchen) vorweisen können.

LG

T.

von Takahe - am 17.01.2006 21:15
Hallo Auguste,

meine Älteste ist von Ende Klasse 1 in die 3. Klasse gesprungen. Das Schriftbild war natürlich noch nicht so schön wie das ihrer Klassenkameraden, insbesondere dann mit dem Füller. Aber nach wenigen Monaten konnte ich schon deutliche Fortschritte sehen. Meine Jüngere ist aus Klasse 2 in Klasse 3 gesprungen, und auch sie hatte am Anfang insbesondere mit dem Füller eben noch nicht die Superhandschrift. Auch bei ihr wurde es binnen weniger Monate deutlich besser, so dass ihre Schrift durchaus mit der der Klassenkameradinnen mithalten kann. Beide sind zwar Rechtshänder und natürlich ist es bei unserer Schreibweise von links nach rechts für Linkshänder schwieriger, aber bei geeigneter Unterstützung hinsichtlich optimaler Handhaltung und Heftausrichtung, wird sich das auch prima entwickeln. Natürlich braucht man ein bisschen Geduld. Aber ich sehe darin keinen Grund, ein Kind nicht springen zu lassen, zumal für vieles andere auch Geduld aufgebracht wird. In höheren Klassen wird einfach mehr geschrieben und allein schon durch diese training wird sich das bessern.

Und auch "Spiegelungen" sind in dem Alter noch völlig normal. Unsere Älteste hat im 1. Halbjahr der 3. Klasse das Fragezeichen immer noch spiegelverkehrt geschrieben.

Im Übrigen halte ich die Bedeutung, die der Handschrift beigemessen wird, für völlig überzogen, wenn ich mir z. B. die Handschrift meines Mannes oder die meines Bruders ansehe, beide sind kaum zu entziffern, aber sowohl mein Mann als auch mein Bruder sind auf ihrem Gebiet außerordentlich erfolgreich.

Gruss

Carola

von carola - am 18.01.2006 07:13

Handschrift

Hallo Takahe!

Auch mein Sohn wendet seine Feinmotorik nicht dann an, wenn er einen Stift in der Hand hält. Ich denke in Schrift und Form wird er eine 4 beommen, ich Textil eine 1, Kunst und Werken 2. Das ist nun einmal so.

Aber du hast eine Tochter. Ich weiß nicht, wie alt sie ist, aber gerade Mädchen machen mit 9/10 Jahren nochmals einen Schub und entwickeln oft plötzlich eine Super-Schrift. Ich dachte zuerst, meine beiden würden mir die Arbeiten von Freundinnen zeigen, als ich das sah.

Das klappt allerdings nicht in jedem Fall, bei mir war es, ehrlich gesagt nicht so. Man hat mir schon als Kind gesagt, mit der Schrift könnte ich nur Ärztin werden - oder Lehrerin. Für Ärztin hätte ich in der Schule mehr tun müssen um den NC zu schaffen, Lehrerin war meine Mutter, das wollte ich auf keinen Fall, so kam ich zum Ingenieurwissenschaftlichen Studium. Das Ergebnis ist, dass ich jetzt auf 400¤ Basis als Vertretungskraft in der Grundschule rumhänge und entsetzt bin über manche Lehrer, die im Lehrerzimmer genauso sind, wie man es befürchtet. Aber zum Glück habe ich dort auch einige sehr tolle Exemplare kennen gelernt.

Die Handschrift kann ich umstellen. Normalschrift ist schrecklich, an der Tafel schreibe ich in Druckbuchstaben oder vereinfachter Ausgangsschrift, ich könnte auch Lateinische Ausgangsschrift, in der 10. Klasse habe ich mit Sütterlin beigebracht; im Studium dann die Kyrillische schrift. Im Grunde bin ich da recht flexibel, aber diese Schriften schreie ich alle "Nach Norm", die individuelle Handschrift ist das Problem, die ist schlimm. Und dann wird an der Schule der Mädchen ein Entschuldigungsheft verlangt, das heißt, man kann die Entschuldigungen nicht einfach schnell ausdrucken, sondern muss sie handschriftlich anfertigen. Macht man das aber in Ausgangsschrift, dann stehen die Kinder gleich unter Verdacht, die Entschuldigung selber geschrieben zu haben.

Verlier die Hoffnung nicht, was die Handschrift angeht. Das kommt manchmal innerhalb weniger Tage. Und wenn nicht, dann kommt man damit auch durchs Leben; es gibt Wichtigeres.

Marion

von MarionPE - am 18.01.2006 07:16
Hallo Marion -

ich teile die Einschätzung der Beraterin, was meine Tochter angeht, denn das entspricht meinen eigenen Erfahrungen. Ich habe auf der Grundschule nur Einser gehabt - Schrift und Schreiben war immer 3. Dafür war ich meistens bei den Klassenarbeiten als erste fertig - auch später noch.

Natürlich habe auch ich mal mit Schriftarten etc. experimentiert. Aber das hat auf meine Alltagsschrift keinen anhaltenden Einfluss gehabt, denn da ist das Ziel, möglichst nicht viel langsamer zu schreiben als zu denken. Was meinst du, wie schön meine Tochter schreibt, wenn es ihr auf die Optik ankommt! Dann werden die Buchstaben mit Schnörkeln und Ranken versehen... Aber da GEHT es um Optik, sonst geht es um Inhalt und Geschwindigkeit. Bzw. bei den Hausaufgaben in der ersten Klasse um eine klare Kosten-Nutzen-Rechnung: Wenn ich die Buchstaben zu schlecht mache, muss ich sie nochmal schreiben. Das will ich vermeiden. Aber auch nicht länger als unbedingt nötig dransitzen...

Meine Empfehlung an alle ist: nehmt das nicht so ernst. Nach der Grundschule redet eh keiner mehr über die Schrift, wenn sie denn einigermaßen leserlich ist. Auf alle Fälle halte ich das nicht für einen Grund, ein Kind nicht springen zu lassen, denn an der Geschwindigkeit kann man mit motivierenden Anreizen sicher arbeiten und die Optik kann unter Umständen auch ein Jahr später nicht besser sein.

LG

Takahe

von Takahe - am 18.01.2006 09:19
Also bei uns ist das Schreibproblem der Grund, warum wir unseren Sohn Mark jetzt noch nicht springen lassen. Mark wurde im August eingeschult und ist Ende November 6 geworden. Beim 1.Elternsprechtag im Oktober hat die Lehrerin angesprochen, dass wir überlegen müssen, ob er nochmal springt. Bei uns haben die Kinder jetzt mit Schreibschrift angefangen und schreiben mit dem Füller, d.h. die Zweitklässler sind seit 1Jahr in Schreibschrift und Umgang mit dem Füller geübt und dazu ist der Abstand einfach noch zu groß.

Ein Junge aus seiner Klasse ist im Dezember gesprungen (ist genau 1 Jahr älter, also normal eingeschult) und hat jetzt massive Probleme mit dem Schreiben, da er die Schreibschrift nicht beherrscht und darauf auch keine Rücksicht genommen wird.



von Martina K. - am 18.01.2006 09:21
Hallo FelixMum, Carola, Marion, Takahe,

vielen Dank für Eure Beiträge, die mich bestärken in meinem Gefühl, er soll doch springen! Morgen spreche ich mit der Lehrerin der ersten Klasse, nächste Woche mit der Rektorin. Beide sind ja ziemlich fit und engagiert und kompetent zu HB, so daß ich da nicht alleine da stehe.
Die Lehrerin der ersten Klasse hat übrigens in den Intensivstunden schon Schreibschrift geübt, er steht also nicht ganz "ohne" da. Vielleicht kann die Erstklasslehrerin auch zusätzliche Schreibübungen aufgeben. Es geht nicht nur um die "Sauklaue", sondern auch darum, daß er so langsam schreibt (er hat ja erst zum Schreiben angefangen, als er in die Schule kam, Lesen und Rechnen viel früher).

Leider muß ich arbeiten und kann nicht länger antworten, hoffe aber bald!

Liebe Grüße
Auguste

von Auguste - am 18.01.2006 13:02
Hallo, Auguste!

"Mangelhafte Feinmotorik"- Mein "Lieblingsthema"!!!
Mein Sohn ist auch von der ersten in die zweite Klasse gesprungen. Ohne jegliche Vorbereitung seitens der Schule. Ich habe mir die Buchstaben der vereinfachten Ausgangsschrift aus dem Internet heruntergeladen und mit ihm schnell noch geübt. Die Lehrerin der aufnehmenden Klasse bemängelte auch seine Schrift und sein Schreibtempo. Irgendwann fragte ich sie mal direkt, ob er deutlich schlechter als alle Kinder der Klasse schreiben würde. "Naja...", druckste sie herum, "Die schlechteste Schrift hat er nun auch nicht...". Danach hatte ich eine Weile Ruhe vor dem Thema. Denn wenn andere Kinder deswegen nicht zurückgestuft werden, kann es ja wohl nicht entscheidend für den Besuch der Klasse sein, oder?
Wichtig ist zu klären, ob die Lehrerin dem Springen grundsätzlich positiv gegenübersteht. Eine ablehnende Haltung kann später zu massiven Problemen für das Kind führen. Ist eure Schule mehrzügig, so dass er im Zweifelsfall in eine andere zweite Klasse könnte?

LG Big Mama

von Big Mama - am 20.01.2006 20:17
Hallo Auguste,
Das Problem und die Unsicherheit kann ich verstehen, war bei mir genauso. Mein Sohn ist mit 5 in die 1. und dann mit 6 in die 3. gekommen, natürlich hatten wir auch das Problem, schlechte Schrift, feinmotorische Defizite.
Es wurde und wird zwar durch Ergotherapie unterstützt, aber dort lernt man auch nicht schreiben, sondern höchstens den Stift oder Füller lockerer zu halten.
Die Vorschullehrerein empfahl mir auf den Weg, in den Sommerferien das Schreibfheft mit der vereinfachten Ausgangsschrift zu kaufen und durch zu üben, jeden Tag eine Seite und ihn dann gleich in die 2. einzuschulen.
Die Lehrerin der 1. sah das ganz anders und hat mir das verboten, das sei alles Blödsinn....
Als er dann so ab April sowieso nicht mehr zur Schule ging, habe ich ihm das Heft vorgelegt und er hatte es schnell durch und mit den dazugehörigen Übungen in einem normalen Schreibheft schnell Schreibschrift gelernt.
Er hat immer noch keine Schönschrift, aber Fortschritte sind erkennbar. Er ist doch ein Junge und für Schönschrift gibt's keine Noten. Und mit der Übung wird das Schreibtempo auch mit der Zeit schneller.
Ich halte es für Blödsinn, das Schreibtempo und die Schrift als Hinderungsgrund für ein Überspringen zu nehmen. In den höheren Klassen gibt es mehr Schreibanlässe und so kann er mehr und öfter üben und dann wird es von alleine.
Wenn man vielleicht doch mit der Lehrerin der 2. Klasse sprechen könnte (es sieht wohl nicht so aus ) könnte man ja vorschlagen, ihn anfangs noch auf der großen Lineatur schreiben zu lassen, bis er sich daran gewöhnt hat, kleiner zu schreiben. Dann wird die Schrift schöner.
Alles Gute

von Etu - am 20.01.2006 21:53
Hallo Big Mama und Etu und alle anderen,

vielen Dank für Eure Beiträge, die sicher eine relevante Entscheidungshilfe sein werden.
Mittlerweile hatte ich noch einmal ein langes und offenes Gespräch mit der Lehrerin der ersten Klasse, nächsten Freitag einen Termin bei der Rektorin und auch mit der Lehrerin der zweiten Klasse werde ich versuchen, zu reden.
Die Lehrerin der ersten Klasse übt nun mit ihm jeden Tag das Schreiben, damit er mehr Übung bekommt, in den Intensivstunden übte sie ohnehin schon Schreibschrift mit ihm (und den anderen HB-Jungen aus der Klasse). Außerdem hat sie mir glaubhaft versichert, daß die Zweitklasslehrerin wirklich nichts gegen Springer hat (sich im Gegenteil über den Zuwachs der Jungs freuen würde), die Bedenken gehen eher dahin, daß _er_ nicht zu sehr unter Druck gerät. Als Alternative ist jetzt angedacht, daß er noch bis zum Ende des Schuljahrs bei ihr in "Ruhe" schreiben üben/lernen kann und dann in die dritte springt.
Auf jeden Fall habe ich bei ihr das sichere Gefühl, daß es ihr wirklich um das Kind geht (sie schwärmt auch immer regelrecht von ihm, bzw. spüre ich ja auch wie sehr mein Sohn sie mag und wie "toll" er Schule findet). Ich kann also ihrer Einschätzung vertrauen und wir haben ganz offene Gespräche. Wie übrigens auch mit der Rektorin, die ja die "Kinderuni" eingeführt hat, mit der Begründung "an unserer Schule sollen _alle_ Kinder gefördert werden, auch die Hochbegabten" (wie ich Anfangs schon mal schrieb: wirklich traumhafte Verhältnisse).

Trotzdem noch mal ganz vielen herzlichen Dank an Euch alle - Eure Erfahrungen können auch sehr gute Lehrerinnen nicht "ersetzen".
Wenn es Euch interessiert, dann berichte ich auch gerne, wie nun alles weiter geht.

Liebe Grüße
Auguste

von Auguste - am 21.01.2006 10:25
Hallo,
nur eine kurze Anmerkung zum Thema:
am Tag des Gespräches mit der Schule über Feinmotorik, musste mein Sohn im Musikunterricht einen Violinschlüssel schreiben/malen. Der war perfekter, als ich ihn hinkriege.
Da war für mich das "Problem" gelöst.
Gruss,
Heike

von kokolores65 - am 21.01.2006 17:35
Hallo Heike,

wie meinst Du das? Da Du Problem auch in Anführungszeichen schreibst, gehe ich davon aus, daß Du darin auch keins siehst.

Liebe Grüße
Auguste

von Auguste - am 21.01.2006 17:41
Na, ich halte die Begriffe "Feinmotorik" , "soziale Kompetenz" für Zauberwörter, die Lehrer nichtsahnenden Eltern sozusagen entgegenschleudern, um sie mundtot oder zumindest nachdenklich zu machen....
Wie soll ein Kind ohne Übung die Schnelligkeit im Schreiben eines 2. Klässlers haben?
Feinmotorik ist die eine Sache, Übung und Schnelligkeit die andere. Mein Sohn hat - wenn er denn will - eine wunderbare Schrift, schreibt jedes Diktat eins, nachdem er im September die Klasse eins übersprungen hat - und somit in dieser Klasse die komplette Schreibschrift nachholen musste....

Im Gespräch mit der aufnehmenden Lehrerin konnte ich glaubhaft versichern, dass im schlimmsten Fall mein Sohn halt Klasse zwei zweimal macht, wenn denn der Lehrstoff zu viel sein sollte - ist es nicht. Nach 6 Wochen - üppige Schätzung - hat er alles aufgeholt.
Seitdem klopfen sich alle in der Schule auf die Schulter- die abgebende Lehrerin (war meistens krank), die aufnehmende Lehrerin (hatte das als Vize-Direktorin schon beim Schnuppertag erkannt ;-)) - und ich.
Das Glück hat viele Väter :-)

Ach so, Mathe findet mein Sohn nach wie vor entsetzlich - na ja, seit 2 Wochen wird das Einmaleins 1, 5 und 10 geübt-nach Lehrbuch dauert das auch noch eine Woche......
Was soll man da sagen - wir üben das Grosse und Teilen - holen uns diverse "Knobel-Bücher" usw..... Also: eigentlich ist springen ok, aber die Probleme löst es nicht dauerhaft :-(
Gruss,
Heike

von kokolores65 - am 21.01.2006 19:12
Hallo Heike,

danke für die ausführliche Antwort! Es bestärkt mich wirklich sehr und ich werde auf jeden Fall meinen Standpunkt _für_ das Springen klar machen.

Mein "Problem" ist auch, daß ich von Schule und Pädagogik keine Ahnung habe, mich also auf die Aussage anderer verlassen können muß.

Aber da mußte ich schmunzeln: mit den vielen Väter! Ich taktiere auch bewußt und schiebe gerne den anderen den "Ball der Erkenntnis" zu, das wirkt sich meist ganz positiv aus ("Wie Sie ja schon von Anfang an vermuteten ..." etc.) So werde ich nächste Woche auch auf die Lehrerin der zweiten Klasse zu gehen: "Gott sei Dank haben Sie das bemerkt mit seiner Langsamkeit, jetzt können wir gerade noch etwas gegen seine schlechte Stifthaltung wegen Linkshändigkeit machen!" Also erst mal das Positive bemerken, dann das "aber" einleiten: "Dabei stellte sich heraus, daß es eigentlich aber hauptsächlich nur mangelnde Übung ist. Und dann hab ich mich daraufhin mit anderen Eltern unterhalten, deren Kinder gesprungen sind und das gleiche Problem hatten. Sie meinten alle ... etc. p.p.". - Diese Taktik schafft ein gutes "Klima der Zusammenarbeit" (man darf sich bloß selber nichts dabei abbrechen, die großen vermeintlichen Leistungen der anderen zu würdigen. :-)) Mir das jedenfalls egal, wenn es um meinen Sohn geht ...

Will aber nicht ganz so "ungerecht" sein: seine Erstklasslehrerin ist wirklich einsame Spitze!

Ach ja, und zu Mathe: das Problem haben wir auch. Er beschäftigt sich mit "unendlich" und den negativen Zahlen und regt sich über die Sprache auf, die oft so unlogisch ist ...

Der Psychologe, der ihn testete, sagte damals schon: das Problem beim Springen ist nur, daß es ihnen nach vier Wochen dort auch wieder langweilig wird.

Liebe Grüße
Auguste

von Auguste - am 21.01.2006 20:19

Re: negative Zahlen

Hallo Auguste,

toll, dass ihr so eine gute GS-Lehrerin habt. Das meine ich ernst. Denn zu diesem Thema

Zitat

Er beschäftigt sich mit "unendlich" und den negativen Zahlen
hatten wir kürzlich (3. Klasse!) Folgendes:

In Sachkunde wird gerade Wetter und Temperatur durchgenommen (wie immer ziemlich quatschig, wenn die Kinder z. B. in der Schulklasse täglich die Temperatur messen sollen und dann daraus eine Kurve zeichnen = ??? Zimmertemperatur, Winter, Heizung??? ich kann über so einen Blödsinn nur lachen). Aber noch was anderes dazu: Ein Thermometer ist ja bekanntermaßen ein Instrument, das Plus- und Minus-Temperaturen misst, also nichts anderes als ein Zahlenstrahl vom Nullpunkt aus.

Eine Stunde später haben die Kinder Mathe (also = Rechnen, denn es ist ja in der GS keine Mathematik). Hier sollten zu Hause auch so genannte Tauschaufgaben gerechnet werden, also z. B. 6x4 und 4x6. Es gab auch Subtraktion, wo dann bekanntermaßen Ergebnisse im Minusbereich landen können. Einige Kinder verstanden falsch, dass sie diese dann nicht hätten machen brauchen. Felix hat es trotzdem gerechnet (und richtig), weil es ja auch im Prinzip kein Problem ist, im Minusbereich zu rechnen, wenn man nicht ganz hirnamputiert ist.

Das Dollste war nun: Die Lehrerin sagte doch im wörtlichen Zitat, dass die Rechnung "falsch sei" und es diese Zahlen "gar nicht gäbe". Ist das nicht klasse? Eine Stunde vorher in Sachkunde das Thermometer besprechen und direkt danach solche glatten Lügen auftischen. Nur weil "nicht sein kann, was nicht sein darf" - wenn der Minusbereich eben erst später dran kommen soll.

So läuft das bei uns in der Grundschule. Also könnt ihr euch schon mal glücklich schätzen mit euren engagierten Lehrerinnen.

Aber wie meinst du das, dass du "von Schule und Pädagogik keine Ahnung" hast? Ich meine, du erziehst ein Kind, dann handelst du doch schon pädagogisch. Oder wie??? Meinst du im Ernst, dass Pädagogen pädagogischer seien als an ihrem eigenen Kind interessierte Eltern? Nur weil sie die Theorie studiert haben, die Praxis aber nicht kennen?

Das müsstest du noch mal näher erläutern, denn ich bin umgekehrt der Auffassung, dass sehr viele Eltern pädagogisch absolut mehr drauf haben als Lehrer, die eben so einen Quatsch wie den von der Feinmotorik verbreiten.

Viele Grüße

von FelixMum - am 22.01.2006 09:29

Gute Lehrerin

Hallo FelixMum,

ja, ich weiß, welches Glück wir mit der Lehrerin haben - es geht vor allem da drum, daß sie seine "ungewöhnlichen Gedankengänge" nicht abblockt oder abtut, sondern im Gegenteil regelrecht davon schwärmt. Sie erzählt mir immer mal wieder begeistert, wie er "quergedacht" hat, auf welch ungewöhnliche Zusammenhänge er gekommen ist. So auch mit den negativen Zahlen: sie hat ihm erklärt, daß es nicht "Minus-Zahlen" heißt, sondern eben "negative Zahlen". In den Intensivstunden nimmt sie dann die Anregungen der Jungs auf und arbeitet mit ihnen dazu. - das ist, glaube ich, der entscheidende Punkt: die Haltung und die Einstellung zum "ungewöhnlichen Denken". Wenn die Lehrerin aber alle auf "Norm" bringen will und keinen Platz frei geben will für Außerlehrplanmäßiges, dann wird man immer auf verlorenen Posten kämpfen.

So wie Du aber von dieser anderen Lehrerin geschrieben hast - da zieht es mir das Herz zusammen, wie man den Kindern dabei ihr Lernlust und -freude nimmt. Und das scheint ja öfter der Fall zu sein.

Was ich damit gemeint habe, daß ich keine Pädagogin bin: ich weiß weder welchen Lehrplan es genau gibt, noch was eigentlich im Unterricht relevant ist. Mit meinem Sohn komme ich ganz unpädagogisch gut zurecht. ;-)

Liebe Grüße
Auguste

von Auguste - am 22.01.2006 13:26
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