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Forum Hochbegabung bei Kindern
Beiträge im Thema:
10
Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Sunny, Grit/USA, mariastuart, MichaelaM, Eva, Takahe

bitte um schnelle Meinung

Startbeitrag von Sunny am 26.01.2006 20:53

Hallo Leute, die jetzt noch hier rein schauen,
mein Sohn (7, dritte Klasse, seit Herbst auf dieser neuen Schule und die 2. Klasse übersprungen, jetzt wieder nur 1en und 2en aber stark ausgeprägtes Störverhalten - nur so als Vorgeschichte...) hat mir gestern einige Dinge gesagt, die sein Lehrer zu ihm gesagt hat. Da ich den Lehrer bis jetzt eigentlich für einigermaßen fähig gehalten habe, möchte ich die Sache nicht zu sehr aufbauschen. In erster Linie möchte ich, dass er sich damit auseinandersetzt und es mit meinem Sohn klärt. Da es morgen Zeugnisse gibt und dann Ferien sind, habe ich ihm gerade einen Brief geschrieben. Um was es geht, erklärt eigentlich der Brief.
Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir sagen könnt, was Ihr davon haltet...
1000 Dank,
Sunny

Sehr geehrter Herr X,
ohne lange Vorrede und ohne die Sache allzu sehr aufbauschen zu wollen, möchte ich Sie bitten, … gegenüber manche Dinge nicht zu sagen oder sie anders auszudrücken. Zum einen ist ein Spruch wie „du könntest dir mal wieder die Haare kämmen“ meiner Meinung nach nicht angebracht. Seine Haare werden gekämmt, aber sie lassen sich nun mal nicht bändigen. Spätestens wenn er eine Mütze aufhatte, stehen sie wieder in alle Richtungen. Dazu mag er seine Haare aus genau diesem Grund nicht besonders und ein solcher Spruch streut Salz in die Wunde.

Was allerdings viel gravierender ist, ist die Aussage „es ist eine Qual, Dich zu unterrichten“. Auch wenn er sich Ihnen gegenüber nichts anmerken lässt, belastet ihn diese Aussage und er hat mich auch gebeten, Sie darauf hinzuweisen, da er sich selber nicht traut. Ich weiß auch nur zu gut, wie anstrengend er sein kann, allerdings halte ich eine solche Aussage für absolut unangemessen, zumal sein Verhalten sich umso mehr verschlimmert, je mehr er das Gefühl hat, abgelehnt zu werden.
Ich würde Sie bitten, mit ihm darüber zu reden, dass man auch als Erwachsener in manchen Situationen Dinge sagen kann, die man nicht 100%ig so meint. Denn für den Fall, dass Sie es in aller Konsequenz doch so gemeint haben (was ich nicht hoffe), müssen wir uns überlegen, wie es weitergehen soll.

Ich hoffe sehr, dass Sie das mit ihm klären können, ich bin aber auch jederzeit gerne zu einem Gespräch bereit,

freundliche Grüße und erholsame Ferien wünscht,

Antworten:

Hallo Sunny,

den Brief finde ich gut, aber ich möchte dir vorschlagen, diese Dinge doch lieber mündlich zu besprechen. Meine Lebenserfahrung ist, dass schriftlich nur äußerst selten Klärungen möglich sind. Der, der den Brief bekommt, fühlt sich in der Regel angegriffen ohne unmittelbar reagieren zu können (selbst, wenn der Brief so nett ist, wie deiner). Sind nicht auch nächste Woche Sprechtage?

Alles Gute

Takahe

von Takahe - am 26.01.2006 21:05
oki, schnelle Antwort.
Zu beginn:
Ich bin gerade im Gerede, ein Kind als "dumm" bezeichnet zu haben. Glaube mir, habe ich weder angedeutet, noch gedacht, oder gesagt. Sicher, irgendwoher hat das Kind dieses Gefuehl, aber ich bin mir sicher keinen Fehler gemacht zu haben.

Das heisst nicht, dass dein Sohn nicht solche Sprueche hoert. (Nur eben, es gibt immer gesagtes und gehoertes).
Da du es nicht aufbauschen moechtest, wuerde ICH an deiner Stelle folgende Stellen aendern:

"kämmen“ meiner Meinung nach nicht angebracht" -besser waere evt: unguenstig ausgedrueckt.
"Aussage für absolut unangemessen" -besser waere evt.: unangemessen (ohne absolut, obwohl du recht hast!!!) und nicht sachdienlich.

"Denn für den Fall, dass Sie es in aller Konsequenz doch so gemeint haben (was ich nicht hoffe), müssen wir uns überlegen, wie es weitergehen soll." -Dieser Satz ist eine echte Drohung und zwingt den Lehrer sofort in die Verteidigung oder Ablehnung. Ich entnehme aber deinem Brief, dass du eigentlich eine gute Meinung von ihm hattest.
Vielleicht versuchst du es mal so:
Sicher ist es auch oft dem Stress zuzuordenen, dass wir Dinge sagen die unter anderen Umstaenden nie gesagt werden wuerden. Da wir bisher ein gutes Verhaeltnis mit der Schule (mit ihnen) hatten, denke ich dass wir auch dieses Mal eine gute Loesung fuer alle, vor allem aber fuer meinen Sohn finden werden.
Ich wuerde ihnen sehr dankbar sein, wenn sie mit meinem Sohn sprechen koennten, stehe aber selbstverstaendlich auch selber fuer Gespraeche zur Verfuegung.

Versuche einfach, keine Versteckten oder offenen Drohungen einzubauen und immer ich/ wir anstatt du/ sie zu nutzen. Damit schickst du den Mann nicht gleich zu Teufel sondern gibts ihm die Moeglichkeit, jetzt seine Seite zu erklaeren und Fehler zuzugeben.

Ich finde es uebrigens toll von dir, dass du diesen Brief scheibst, deinem Sohn hilfst und trotzdem erst mal nachdenkst (sonst haettest du nicht um Hilfe hier gefragt) before du losschiesst. Dein Sohn hat allen Grund auf seine Mama stolz zu sein!

LG Grit

von Grit/USA - am 26.01.2006 21:15
Hallo Takahe,
naja, nächste Woche sind erstmal Ferien und danach ist dann irgendwie wieder soviel Zeit vergangen. Ansonsten bin ich immer irgendwie hin und hergerissen mit dem auf dem Gang abfangen, da ich eben auch die Erfahrung gemacht habe, dass sich Leute grad dann in die Ecke gedrängt fühlen, weil sie keine Zeit haben, über die Sache nachzudenken...hm... und den Lehrer kenne ich halt noch nicht so gut, wir hatten erst ein Gespräch ziemlich am Anfang.
Aber danke erstmal...

von Sunny - am 26.01.2006 21:18
Hallo Grit,
vielen Dank für Deine Anregungen (und Dein Lob ;-)), die Sätze stelle ich um. Der Schluss kam mir auch viel bedrohlicher vor, als ich ihn meine.
Was das falsche Interpretieren angeht, mein Sohn hat echt viele "Macken", aber er ist notorisch ehrlich und ein notorischer "nicht-petzen-Woller" (oder so). Normalerweise darf ich mich auch überhaupt nicht einmischen in solche Sachen, aber das schien ihn wirklich zu belasten. Deshalb glaube ich ihm, auch wenn es natürlich sein kann, dass die Worte oder der Tonfall vielleicht nicht so waren, wie ich das jetzt empfinde...
Vielen Dank erstmal

von Sunny - am 26.01.2006 21:30
Hallo sunny,
sowohl in der Grundschule als auch auf der weiterführenden Schule haben wir stets von allen Lehrern die Telefonnummern erhalten mit der Bitte, bei Problemen sofort anzurufen und nicht bis zum nächsten Sprechtag zu warten. Auch wenn wir keine angenehme Grundschulzeit hatten konnten wir solche Dinge telefonisch klären und das war auf jeden Fall die beste Lösung.
Du hast Recht, zwischen Tür und Angel ist den meisten Lehrern unangenehm und einen extra Gesprächstermin auszumachen, ist eher bei gravierenden Problemen angebracht.
Wir hätten in deinem Fall den Lehrer angerufen mit der Aussage, dass das Kind sich die Lehreraussagen sehr zu Herzen genommen hat und man nachhaken möchte, ob es sich wirklich so zugetragen hat. die Erwähnung, dass man weiss, wie anstrengend das Kind manchmal sein kann, finde ich ganz gut weil das den Lehrer nicht so in die Enge treibt und ein wenig Entgegenkommen ist bei Lehern immer ganz gut angebracht. Man will ja einen gemeinsamen Konsenz finden und die Situation nicht unnötig verschärfen.

von Eva - am 27.01.2006 08:38
So ein Brief würde die Situation unter Umständen massiv verschärfen. Ich würde eher um ein Gespräch bitten.

Vorwürfe aneinanderzureihen ist immer schwierig. Es klingt dadurch auch so endgültig. Ich meine, du solltest dir, bevor du urteilst, erst einmal anhören, wie er die Sache sieht.

Schlechtes Benehmen mit guten Noten auszugleichen bzw. durch die HB zu erklären, klappt auf die Dauer nicht. Er wird auch an sich arbeiten müssen. Was unternehmt ihr denn in der Richtung? Ihr könnt halt nicht erzwingen, dass der Lehrer Nerven wie Drahseile hat. Und die zitierten Kommentare hören sich so an, als sei da jemand am Rande seiner Nervenkraft angekommen.

Über das Haarproblem kann man reden. Eigentlich finde ich es gut, wenn Lehrer auf so etwas hinweisen.

Michaela

von MichaelaM - am 27.01.2006 08:54
Hallo Sunny,

Brief ist sicher nicht die beste Lösung.
Das mit den Haaren finde ich jetzt auch nicht so schlimm - blöd, dass er gerade einen wunden Punkt traf. Das konnte er aber doch nicht wissen, oder?

Das mit "es ist eine Qual Dich zu unterrichten" - steht sicher in keinem Lehrbuch. Allerdings würde ich hier auch vorsichtig sein, denn was gesagt und was gehört wurde ist oft im Leben zweierlei.

Wenn mein Sohn allerdings anfangen würde mir solche Sachen zu erzählen - weil er sie so gehört/empfangen hat -, dann könnte ich davon ausgehen, dass irgendetwas für ihn schief läuft....
Daher lass Dir vielleicht doch lieber einen Termin geben - bis dahin kannst Du das ganze etwas gelassener sehen. Oder?

Gruss,
Heike

von mariastuart - am 27.01.2006 15:43

positiv erledigt

...also...:
dass für meinen Sohn nicht alles so läuft, wie es vielleicht sollte, ist nichts Neues. Darum kümmern wir uns auch auf verschiedenen Ebenen. Auch für den Lehrer ist das bekannt. Wie gesagt, hatten wir die Schule gewechselt verbunden mit einem Sprung. Wir hatten am Anfang die Karten ganz klar und offen auf den Tisch gelegt und ihn gefragt, ob er sich vorstellen kann, dieses Kind in seiner Klasse zu haben. Er hat sich ganz klar dafür entschieden und er hätte sich problemlos rausreden können. Das dazu.
Was diese Sache angeht, ich habe mich doch gar nicht so sehr aufgeregt, sonst wäre ich direkt zu ihm marschiert. Und es ging hier auch gar nicht um das Verhalten meines Sohnes (das ist ein Thema für sich) sondern darum, dass ihn die Aussagen des Lehrers wirklich gekränkt haben. Und das muss er doch wissen, oder nicht? Und ich wollte ja bloß, dass er das mit ihm klärt. Deswegen wollte ich es doch aber auch ganz vorsichtig ausdrücken (was ich mit Grits Anregungen und noch ein paar "Schleimfloskeln" ;-)) auch gemacht habe.
Wie dem auch sei, heute morgen hat mein Sohn den Brief abgegeben, er hat ihn gleich gelesen und ist in der Pause zu meinem Sohn gegangen und hat mit ihm geredet. Er ihm erklärt, dass er das mit den Haaren nicht böse gemeint hat und dass er nicht wusste, dass sie so schwierig sind. Für das andere hat er gesagt, dass "Qual" wohl nicht das richtige Wort ist, und dass er das nicht so gemeint hat. Dann haben sie einen "Deal" geschlossen, dass mein Sohn sich noch mehr Mühe gibt, nicht reinzurufen etc. und dass er sich mehr Mühe gibt, auf seine Worte zu achten.
In meinen Augen hat er sich also in der Aufklärung vorbildlich verhalten und mein Sohn ist jetzt auch wieder beruhigt. Das war alles, worum es ging und es hat sich positiv gelöst.
Was ich übrigens interessant fand ist, dass der Lehrer überrascht zu sein schien, dass mein Sohn mir das überhaupt erzählt hat. Aber das ist ja gerade der Grund, warum ich weiß, dass ich ihm sowas komplett glauben kann. Er erzählt immer, wenn er was angestellt hat, auch Sachen, die ich nie rausbekommen würde, weil wir ihm von klein auf beigebracht haben, wie wichtig Ehrlichkeit und Vertrauen ist und dass der Ärger viel größer ist, wenn eine Lüge ans Licht kommt. Und naja, wie man sieht, hat er auch hier die Wahrheit gesagt.
Vielen Dank nochmal für die Anregungen,
Sunny

von Sunny - am 27.01.2006 16:42

Re: positiv erledigt

Glueckwunsch and dich und den Lehrer, der schliesslich auch nur ein Mensch ist.
LG
Grit/ USA

von Grit/USA - am 27.01.2006 19:46
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