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Forum Hochbegabung bei Kindern
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vor 11 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
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FelixMum, heike2, MarionPE, Happyday, a., Gast, minjong, carola, mariastuart, Bine

Lehrerhasserin enttarnt

Startbeitrag von FelixMum am 01.02.2006 10:37

Hallo,

seit gestern ist bekannt, wer sich hinter dem Pseudonym "Lotte Kühn" ("Das Lehrerhasserbuch" 2005) verbirgt und warum: Gerlinde Unverzagt, Berliner Journalistin und schon Autorin interessanter Erziehungsratgeber oder Co-Autorin des Bielefelder Wissenschaftlers Klaus Hurrelmann, hat 4 noch schulpflichtige Kinder, die sie vor der in ihrem Buch beschriebenen pädagogischen Inkompetenz und Willkür bewahren wollte. Nun ist es gerade an ihrem 8jährigen kleinsten Jungen "aufgeflogen", der dafür von seiner GS-Lehrerin abgestraft wurde. Ein weiteres Beispiel für die volle Unterstützung, die Frau Unverzagt (eigentlich so ein schöner Name für so ein heißes Thema) von Eltern verdient.

Denn GENAU SO (!!!) erleben wir unsere Grundschule auch im Augenblick wieder einmal: [www.spiegel.de] und mussten deshalb eben einen großen, langen, winterlichen Marsch zum Abreagieren und Postwegbringen hinter uns legen. Es ist so unglaublich schlecht, was dort abläuft. Gestern ist es aus unserem Sohn, der schon hart im Nehmen ist und den wir gut trainiert haben, trotzdem herausgebrochen und auch er hat den ganzen Abend geweint über die verschiedensten Ungerechtigkeiten - nicht zuletzt darüber, dass er in Religion eine 4 bekommen soll, weil er der Lehrerin wahrheitsgemäß ins Gesicht sagte, dass er sich in ihrem Unterricht langweilt und lieber katholisch sein möchte, weil er dort oft ausfällt und wenn er stattfindet, dort auch mal gespielt wird. Oder die Tatsache, dass man ihm nach dem 1. HJ Englisch, auf das er sich gefreut hatte, eine 4 geben will, weil er sich auch dort gelangweilt hat und schon daheim sein neues Englisch-PC-Spiel nicht mehr anrühren will, weil er Angst hat, zu weit voraus zu sein im "Stoff" (auch dort wird nur gemalt, geschnitten und geklebt - er hingegen setzt schon englische Verbformen richtig ein). Im Schwimmen soll er als einziger eine 3 bekommen, ein übergewichtiges und kurzatmiges Mädchen aus seiner Klasse, die er zuletzt in einem Wettschwimmen um eine halbe Bahn überholte und damit den Sieg seiner ganzen Gruppe in der Staffel sicherte, bekommt eine 2. Es ist schlicht so unfassbar, ich muss jetzt aufhören, denn das ist noch nicht alles gewesen.

Und eben GENAU SO wie hier Frau Unverzagt resigniere ich aber inzwischen, dass sich daran jemals noch etwas ändern wird. [www.welt.de]

Ich werde ihr Buch kaufen und rufe alle Eltern dazu auf bzw. diese Frau unbedingt in ihrem Bestreben zu unterstützen. Ich könnte wirklich nur noch schreien - das ist so wahr, was sie hier schreibt. Und ich kann nur selbst sagen, ich will schon deshalb kein zweites Kind mehr. Die demografische Entwicklung in Deutschland wird nicht zuletzt deshalb zum Aussterben der Deutschen führen, weil doch niemand mehr im Ernst zugemutet werden kann, die Schulzeit mehrerer Kinder jahrzehntelang zu ertragen. Was Frau Unverzagt da schon seit 26 Jahren leistet, ist ja schon unwahrscheinlich. Bitte unterstützt sie in ihrem Bemühen, was zu verändern. Wenigstens für eure Enkel.

Viele Grüße, Danke fürs Lesen.

Antworten:

Re: Nachtrag - E-Mail Frau Unverzagt

Wer Frau Unverzagt auch mal sein Leid klagen möchte, vielleicht für ein nächstes Buch mit noch mehr schlechten Beispielen für pädagogische Unfähigkeit - hier ihre Homepage:

[www.gerlinde-unverzagt.de]

Viele Grüße, Danke nochmal

von FelixMum - am 01.02.2006 10:43
Hallo Felixmum!

Noten in der Schule bestehen nicht nur aus Wissen.

Zum Sportunterricht: Wenn ein wirklich unsportliches Kind sich anstrent und bemüht, dann muss auch diese Mühe mit berücksichtigt weren. Wenn es stets bereit ist, beim Auf- und Abbau zu helfen, wenn es sogar noch freundlich ist, wenn es zum wiederholten Mal als letztes in eine Mannschaft gewählt wird und nicht weinend im Umkleideraum sitzt, dann kann man das mit berücksichtigen. Das Kind kann vielleicht gar nichts für sein Übergewicht. Dein Sohn ist, wie du sagst, fit und durchtrainiert, aber wie verhält er sich im Sportunterricht? Vielleicht freut sich das Mädchen einfach, dass es die Bahn geschafft hat und dein Sohn verhält sich wie Rumpelstielzchen, weil einer aus der Mannschaft seiner Meinung nach zu langsam war? Ich kann das nicht beurteilen.

Zu Religion, Eglisch.... : Du selber erzählst, dass ihr eurem Sohn beibringt, dass Schule etwas ödes ist, was man über sich ergehen lassen muss und dann ist gut, wichtiges gibt es nur daheim. Das zeigt er jetzt auch den Lehrern. also, wenn mir ein Schüler ständig in den Ohren liegt, wie öde mein Unterricht ist, dann bin ich auch nicht begeistert. Und wenn er abschaltet und nicht mitarbeitet, dann hat er eben nur eine 4 verdient. Das ist so.

Vielleicht müsst ihr eure Trainingsmethode bei eurem Sohn doch mal umstellen auf :
JEDER IST EIN TEIL EINER GEMEINSCHAFT
JEDER KANN ETWAS BESONDERES
JEDER DARF AUCH SCHWÄCHEN HABEN
JEDER SOLLTE SO AKZEPTIERT WERDEN, WIE ER IST

Sorry, ich weiß, ich kritisiere dich oft, aber noch sind es anderthalb Jahre in der Grundschule. Wenn er unter diesen Bedingungen aufs Gymnasium kommt, wird er es schwer haben. Hilf ihm, das schafft er jetzt nicht alleine. solange ihr dort wohnt, müsst ihr mit den Menschen dort klar kommen. ihr seid keine besseren Menschen, auch wenn ihr (vielleicht) intelligenter seid.

Marion

von MarionPE - am 01.02.2006 13:06

Re: Nachtrag - E-Mail Frau Unverzagt

"Beträchtliche Sorge hat Gerlinde Unverzagt nun um ihre Kinder. Sie müssen ausbaden, was Mutter angerichtet hat." heißt es in dem Artikel in der Welt.

Genau. Als Kind würde ich mich bedanken. Wer so eine Mutter hat, braucht keine, tja, was jetzt, Feinde? Lehrer? mehr.

Ich will jetzt keinesfalls die himmelschreienden Ungerechtigkeiten verharmlosen, die Frau Unverzagts Kinder oder Dein Kind, Felixmum, erfahren (haben). Ganz im Gegenteil. Mir geht genauso das Messer in der Tasche auf, wenn ich von so was höre und lese. Die Frage ist nur: Was will ich erreichen mit so einer anscheinend äußerst dürftig anonymisierten Anklage?

Solange meine Kinder noch in der Schule wären, würde ich versuchen, nur die konkreten Einzelprobleme zu lösen, und das mit viiiiieeel Fingerspitzengefühl und diplomatischem Geschick. Entscheidend ist doch das, "was hinten raus kommt", und zwar ausschließlich für MEINE Kinder, und nicht für das deutsche Schulwesen als Ganzes. So viel Egoismus muss erlaubt sein.

Den pauschalen Rundumschlag kann man sich ja dann für den Zeitpunkt aufheben, wenn die Kuh vom Eis, sprich, die Kinder aus der Schule raus sind.

Meine Kinder haben Vorrang vor der Weltrettung und meiner evtl. eigenen, klitzekleinen Profilneurose und Auskotzlust. Dass es Frau Unverzagt nicht NUR um das Anprangern von Missständen auf Pädagogenseite, sondern teilweise auch um simples Ablästern und Sich-Luft-verschaffen geht, zeigt diese Stelle aus dem Spiegel-Artikel: "Nicht minder nämlich gehen ihr, sagt sie, die 'überbehütenden Spätgebärerinnen' auf die Nerven, die morgens persönlich im Klassenzimmer erscheinen, um ihren Infanten das Stühlchen zurechtzurücken." Gut gebrüllt, Löwin, aber bei diesen Kindern und deren Müttern haben deine Kinder jetzt ebenfalls verschissen.

Im Spiegel-Forum zu dem Thema schrieb ein völlig begeisterter Grundschullehrer von seinem tollen Beruf, in dem er es u.a. schon geschafft habe, mit finanzieller Unterstützung der Ortsgemeinde einen Computerraum einzurichten, in dem die Kinder z.B. eigene Powerpoint-Präsentationen erstellen. Man kann nur hoffen, dass solche Beiträge erstens kein Fake sind (*grusel*) und dass diese Leute, die ihren Job gerne machen, sich nicht von Pauschalanklagen gegen ihren Berufsstand runterziehen lassen.

von a. - am 01.02.2006 13:23

Re: @MarionPE - Religion Nachtrag

Hallo Marion,

Zitat

also, wenn mir ein Schüler ständig in den Ohren liegt, wie öde mein Unterricht ist, dann bin ich auch nicht begeistert.
erstens ist es nicht ständig, zweitens brauche ich mich gerade dir gegenüber hier nicht zu rechtfertigen (Trainingsmethode, Sozialverhalten etc.) und drittens als Anmmerkung zur Religionslehrerin (gleichzeitig Pfarrerin hier am Ort): Als kürzlich in einer benachbarten Seniorenwohnanlage, in der wir einige gut kennen, die Rede von genau dieser Person war, winkte ein Paar bereits ab, das ihre Ansprache zur diamantenen (!) Hochzeit über sich hatte ergehen lassen müssen. Befragt man die Leute hier am Ort, bei wessen Predigt von der Kanzel sie am ehesten einschlafen, fällt ihr Name.

Und da sollen Kinder nicht das 8. Gebot befolgen dürfen, wenn sie noch dazu danach von der Pfarrerin selbst gefragt werden??

Viele Grüße

von FelixMum - am 01.02.2006 13:51

Re: @ a.

Hallo,

Zitat

Die Frage ist nur: Was will ich erreichen mit so einer anscheinend äußerst dürftig anonymisierten Anklage?
Nicht die Schilderung der persönlichen Erlebnisse dieser Autorin sind dürftig anonymisiert worden - vielleicht hast du überlesen, dass " ...Unlängst aber fanden die Nachforschungen ein Ende. Triumphierend hielt eine Lehrerin dem jüngsten Sproß vor versammelter Klasse ein Zeitschriftenfoto vor die Nase, das die 45-Jährige von hinten zeigt. Da entfuhr dem Jungen: "Das ist ja Mama!" ..." Und das könnte jedem Kind passieren, auch wenn es eingeweiht war (was ich übrigens hoffe). Das Verhalten der Lehrerin erklärt sich hoffentlich von selbst (Bloßstellung vor der Klasse, eine weitere Zumutung).

Zitat

Den pauschalen Rundumschlag kann man sich ja dann für den Zeitpunkt aufheben, wenn die Kuh vom Eis, sprich, die Kinder aus der Schule raus sind.
Sicher, aber ich kann schon bei 1 Kind gut nachvollziehen, welcher Brass und welche Wut sich bei 4 Kindern aufgestaut haben muss. Das kannst du dann nicht unter dem Deckel halten, bis du 65 und in Rente bist.

Zitat

"Nicht minder nämlich gehen ihr, sagt sie, die 'überbehütenden Spätgebärerinnen' auf die Nerven, die morgens persönlich im Klassenzimmer erscheinen, um ihren Infanten das Stühlchen zurechtzurücken." Gut gebrüllt, Löwin, aber bei diesen Kindern und deren Müttern haben deine Kinder jetzt ebenfalls verschissen.
Ja, und? Gehören diese zur Zielgruppe des Buches? Das sind doch dieselben Speichelleckerinnen, die ich auch kenne, und von denen ich ebensowenig halte. Mit denen verändert sich ohnehin nichts im Schulwesen, auf die würde ich auch nichts geben.

Zitat

Meine Kinder haben Vorrang vor der Weltrettung und meiner evtl. eigenen, klitzekleinen Profilneurose und Auskotzlust.
Ja, in der Tat, so geht es mir auch oft - aber man muss sich trotzdem nicht alles bieten lassen. Außerdem mache ich mich sonst vor meinem Kind unglaubwürdig, wenn ich ihm erkläre, dass Schule eigentlich nur Quatsch ist und es das nur aushalten muss, ich aber nichts dagegen unternehme, wenn das Kind in dieser Schule ungerecht behandelt wird. Wie lange soll man nur zuschauen? Da gibt es Grenzen, generell und auch im Einzelfall. Natürlich hat es wenig Sinn, sich wegen jeder Kleinigkeit aufzuplustern. Aber wenn ich von meinem Sohn in der Schule Haltung und Rückgrat verlange, ihn in diesem Sinne erziehe und dann selbst den Schwanz einziehe, wenn er mal mein Rückgrat braucht, dann stehen wir das eben BEIDE durch bzw. in Familie gemeinsam. Das kann man einem Kind auch erklären. Wie gesagt, ich hoffe, diese Frau Unverzagt hat das ihren Kindern auch erklärt. Dann halten sie nämlich auch zu ihr und ertragen jetzt auch diese Schmach in der Schule. Wer weiß schon, ob es lange eine Schmach bleiben wird - vielleicht werden diese Kinder ja schon bald um ihre sehr mutige Mutter beneidet? Vielleicht werden ja doch mal ein paar Lehrer strafversetzt, wenn das Schulamt jetzt weiß, welche in dem Buch solche seelischen Grausamkeiten an Kinder verteilen? Vielleicht ändert sich ja doch mal etwas, auch ganz persönlich und konkret für diese Autorin und ihre 4 Kinder?

Es ab und gibt auch Revolutionäre, Streikführer oder Streikbrecher, Partisanen, Königsmörder, Helfer für verfolgte Juden im Untergrund oder andere Aufmüpfige, die Familie haben und hatten und die dann ihre Handlungen jeweils mitgetragen hat. Das ist ganz grundsätzlich eine Frage der Einstellung zu Ungerechtigkeiten und des Rückgrates. Und wo das Maß voll ist, ist es voll. Man muss die Dummheit nicht überhand nehmen lassen, auch wenn Kinder noch selbst nicht aus dem Schussfeld sind. Wie lange sollte Frau Unverzagt denn diese Situation sonst noch aushalten? Bis sie 65 ist, wäre sie nur auf der Psychologencouch gelandet. Da ist Buchschreiben doch heilsamer und es besteht die Aussicht, dass man nicht allein mit seiner Haltung dasteht und sogar noch Geld damit verdienen kann.

Es belebt zumindest die Debatte und findet so oder so meine ganze Zustimmung.

Viele Grüße

von FelixMum - am 01.02.2006 16:48
Hallo an alle (Lehrer und -hasser),

als erstes mal: ich bin kein Lehrer. Und ich möchte auch niemals einer sein oder werden.
Wenn ich manchmal über deren Situation nachdenke, habe ich fast Hochachtung davor, dass viele von ihnen regelmässig - zumindest so 15 - 20 Jahre lang, jeden - oder fast jeden - Tag morgens ihren Dienst antreten.

Nein, kein Mitleid mit üblen Personen, die ihren Frust an Kindern auslassen....

Gerade gestern habe ich darüber nachgedacht, ob die KL meines Sohnes nicht einer kleinen Gruppe im Deutschunterricht andere Aufgaben geben könnte. Denn statt 4-5 mal den gleichen Text als Diktatübung zu schreiben, könnten diese Kinder Sinnvolleres tun. Aber schon während ich so überlegte, fragte ich mich, was Eltern wohl tun, wenn ihr Kind im Diktat nachher 3 Fehler hat, statt wie gewöhnlich einen. Es konnte ja nicht so viel üben wie die anderen...., kann das Diktat gewertet werden? Und hier reden wir ja wirklich über Lappalien - schreiben sich hoffentlich so.

Und so ist es doch bei allen Dingen, dass sieht man doch schon, wenn man die verschiedenen Foren mitliest. Der eine beschwert sich über Sonderaufgaben, der andere über Extra-Hausaufgaben, die anderen darüber, dass genau dies nicht stattfindet.

Reagieren können Lehrer nur richtig, wenn sie nach Dienstanweisung handeln. Also eigentlich ein wissenschaftliches oder politisches Problem?

Nur mal so als kleine Anmerkung, hat alles zwei Seiten. Ausnehmen möchte ich hier wirklich Fälle, wo Lehrer Macht missbrauchen, um Eltern zu räsonieren.

Gruss,
Heike

von mariastuart - am 01.02.2006 16:57

Re: Nachtrag - E-Mail Frau Unverzagt

Hallo Martina,

von "laufen lassen" war zumindest bei mir nicht die Rede (und ich nehme mal an, Du meinst mich). Für mich gibt es zwischen "laufen lassen" einerseits und anonymen Rundumschlägen à la Unverzagt andererseits noch ein paar Zwischentöne. Diese jetzt im Einzelnen zu beleuchten würde zu weit führen, und darauf kam es Dir in Deiner Antwort vermutlich auch nicht an.

Viele Grüße,
Alice.

von a. - am 01.02.2006 19:26
MarionPE schrieb:

Zitat

Wenn ein wirklich unsportliches Kind
sich anstrent und bemüht, dann muss auch diese Mühe mit
berücksichtigt weren. Wenn es stets bereit ist, beim Auf- und
Abbau zu helfen, wenn es sogar noch freundlich ist, wenn es
zum wiederholten Mal als letztes in eine Mannschaft gewählt
wird und nicht weinend im Umkleideraum sitzt, dann kann man
das mit berücksichtigen. Das Kind kann vielleicht gar nichts
für sein Übergewicht.


Hallo Marion,

das kann ich ohne Kommentar unterschreiben.

Aber: muss dann im Umkehrschluss nicht auch berücksichtigt werden, wenn ein Kind, dem es über zwei Jahre wirklich schwer gefallen ist, seine HA ordentlich und kommentarlos in normaler Zeit zu erledigen, irgendwann merkt, dass es vielleicht doch besser ist, seinen Job zu erledigen? Dessen HA mittlerweile laut eigener Aussage der Kl nicht mehr nachgesehen werden, weil ja "sowieso immer was fehlt"? Dessen selbst erstellte Zusatzaufgaben nicht mal betrachtet werden, weil das "nicht HA war"?
Kann man dann nicht mal in einer Klassenarbeit den immer gleichen Flüchtigkeitsfehler statt mit vollem Punktabzug mal mit nur halbem bestrafen?
Kann man dann nicht mal diesem Kind eine Sonderaufgabe (die sich bei uns auf kopieren dürfen beschränkt, damit sind die schon glücklich!) geben, statt immer den gleichen Lehrerlieblingen?

Ein Kind, das über vier Jahre immer nur demotiviert wurde, kein einziges Mal gelobt und dem das Zeugnis überreicht wurde mit den Worten: "Hast du Glück, dass es mittlerweile "Berechtigung" heißt und nicht mehr "Empfehlung" zum Besuch des Gymnasiums, das im Verhalten eine "sehr gut" bekommt, weil hier alle Lehrer mitreden dürfen, das immer wieder anderen Kindern Materialien ausleiht und dafür 20x Abschreiben muss, weil es gerade kein Lineal hat (denn das hat ja das andere Kind), usw, usw. entwickelt so einen Frust, dass es ohne das Lesen o.g. Buches zur Lehrerhasserin wird.

Ich habe aus meiner Schulvita sehr viel Gutes über Lehrer zu berichten. Ich mag Schulen, liebe diesen Geruch und das Flair von Wissen vermitteln. Kein Scherz, ich meine es ernst.
Aber was ich bei dieser einen Lehrerin im Laufe von nun 3 1/2 Jahren erleben musste, lässt mich hoffen, dass es sowas nicht nochmal gibt.
Aber offensichtlich trügt meine Hoffnung.

Gruß, Heike

von heike2 - am 01.02.2006 19:58

Re: @ a.

Hallo Felixmum,

in Sachen Enttarnung der Autorin hatte ich eine andere, nämlich diese Spiegel-Passage im Hinterkopf:

> Der jüngste Sohn knickte ein, als unlängst die Frau Friedensreich-Bedürftig aus dem Buch auf ihn losging. Begleitet von einer Kollegin, erschien sie vor der versammelten dritten Klasse, wedelte mit dem "Lehrerhasserbuch" und rief: "Das war doch deine Mama!"

Frau Unverzagt hat sich selbst wahrscheinlich für so schlau und sämtliche Lehrer für so blöd gehalten, dass sie niemals damit gerechnet hätte, dass jemand hinter ihre Autorenschaft kommt.

Und sie hat eben nicht "sehr mutig" gehandelt, indem sie das Buch unter Pseudonym veröffentlichte.

Ich unterschreibe alles, was Du sagst in punkto Rückgratbildung, Aufbegehren gegen Ungerechtigkeiten etc. Das haben z.B. meine Eltern immer so gehalten mit meinen Geschwistern und mir zu Schulzeiten. Und dadurch schon mal ein aufkeimendes Mobbing unterbunden und es nicht noch zusätzlich befördert. Dafür mussten sie aber kein anonymes Buch schreiben, das, und das wird niemand ernsthaft bestreiten, in Teilen ein genüssliches Ablästern und höhnisches Feixen ist, wie wir es alle immer wieder gerne tun, wenn es um DEN Hassberuf Nr. 1, die Lehrer, geht.

Und genau diese "Lästermaul"-Komponente in der Haltung von Frau Unverzagt ist es, worin sie sich meiner Auffassung nach von wirklich großen und mutigen Personen, auf die Du anspielst, unterscheidet. Diese Komponente ist es auch, die ich mit Profilneurose und Auskotzlust meinte und die ich, wenn es mir doch ausschließlich um das Wohl meiner Kinder geht, für kontraproduktiv halte.

Viele Grüße,
Alice.

von a. - am 01.02.2006 21:02
Hallo,

wenn man den Inhalt dieses Buches mal beiseite lässt (ich habs auch noch nicht gelesen), so erstaunt mich doch vor allem eins:

Dass es nach der Veröffentlichung zu so einem kollektiven Schrei der Lehrerschaft kommt.

Genausowenig wie alle Blondinen blöd sind, sind nun mal auch nicht alle Lehrer faul, ungerecht, korrumpierbar und inkompetent. Es gibt wie in allen Berufsgruppen sehr engagierte kompetente und gerechte Lehrer, einen großen Mittelbau und es gibt eben auch die in dem Buch beschriebenen und welche , die innerlich schon lange gekündigt haben. Und wenn die Lehrer (ich bin keine Lehrerin) sich mal so ehrlich in ihrem Kollegium umschauen, werden sie das auch feststellen. Nur hat die ganze Sache einen Haken: Leistung wird nicht belohnt und Faulheit nicht bestraft. Und wenn man seinem Engagement in einem Kollegium immer vor eine Wand läuft oder nur müde belächelt wird, resigniert irgendwann auch der motivierteste Lehrer. Und das Argument der Unkündbarkeit bei halbtägiger Arbeit und die vielen Ferien mag ja bei dem ein oder anderen bei der Berufswahl auch eine Rolle gespielt haben.

Ich meine, wer sich in dem Buch nicht wiederfindet, braucht sich den Schuh doch nicht anzuziehen. Tja und für die Anderen kann man sagen: Getroffene Hunde bellen.

Und nicht jede Note ist gerecht: So hat meine "Kleine" in Religion jetzt eine 3 weil sie - laut Lehrerin - am Anfang des Schuljahres noch nicht da war (wir sind erst nach den Herbstferien von Südafrika hierher gezogen ) und sich in der Zeit eben noch nicht so viel melden konnte. Die Religionslehrerin würde, wenn die Kinder gut mitarbeiten, sich ein Plus in das Notenheft machen und die Anzahl der Plus ergibt dann die Note.

Ich könnte hier auch noch ein Dutzend anderer Beispiele hier anführen. Und natürlich ärgert man sich darüber wahnsinnig, ist auch mein gutes Recht, denn schliesslich bin ich die Mutter und muss ohne pädagogischen Ausbildung, das geraderücken, was die erzieherischen Profis manchmal so anrichten.

Ich wünsche Euch einen guten Tag ohne viel Schulärger

Carola

von carola - am 02.02.2006 07:48
So, bevor ich jetzt noch alle Antworten durchlese, brennt mir auch eine auf der Zunge!!!!!!!!

Ich BIN Volksschullehrerin und sehe es überhaupt nicht ein, dass hier alle über einen Kamm gezogen werden. Denn gerade hier, in meinem Umfeld, gibt es extrem viele äußerst engagierte Lehrerinnen! Wir arbeiten oft das doppelte unserer Arbeitszeit, haben schlaflose Nächte, wenn es einem unserer Schützlinge nicht gut geht. Klar, es gibt auch schwarze Schafe, die gibt es überall. Aber warum wird immer nur das Negative herausgehoben, wo es doch auch so viele positive Seiten gibt?

Auch bei mir bekommt ein Schüler in Zeichnen eine 2, weil er sich immer wieder weigert, etwas zu tun. Das ist nun mal eine 5 auf diese eine Arbeit und eigentlich ist die 2 auch geschenkt.

Ich finde es unverantwortlich von Eltern, den Kindern zu erzählen, dass Schule etwas Schlechtes ist. Was ist damit gewonnen? Den Kindern geht es schlecht dabei. Sie müssen hin, das ist nun mal so. Warum also nicht positiv unterstützen. Da wird davon geschrieben, dass die Kinder Vorrang haben. Klar, hat mein eigenes auch. Aber bei solchen Äußerungen bezweifle ich, dass auch das gemeint ist, was ausgedrückt wurde.

Ich glaube, es ist nicht nötig, den Kindern einzubläuen, dass alles einfach hingenommen werden soll. Aber diese Haltung führt keineszegs zum Ziel, im Gegenteil.

So, nun, geht ruhig los auf mich, das halte ich schon aus ;)
Sabine

von Bine - am 02.02.2006 08:41
Hallo Heike!

Natürlich gibt es solche und solche unter den Lehrern! Wenn ich im Lehrerzimmer sitze und mir die Menschen dort ansehe bin ich bei manchen froh, dass mein Kind nicht in deren Klasse ist. Trotzdem weiß ich, dass viele Kinder sich bei genau dieser Lehrkraft wohl fühlen und viele Eltern mit ihr zufrieden sind.

Du hast recht mit deinen Schilderungen. Natürlich hat ein solches Kind auch ein Recht darauf. Aber ich sage dir gleich, es gibt genug Eltern, die dann wieder auf die Barrikaden gehen würden. Meine Mutter hate in ihrer Klasse einen Null-Fehler-Füller. Wenn ein schwacher Schüler fleißig geübt hatte, dann konnte es sich melden und bei der nächsten Klassenarbeit durfte es ihn benutzen. Dann konnten sie plötzlich fehlerrei schreiben (naja, fast). Das war ein Erfolgserlebnis. Aber welcher Lehrer traut sich so etwas?

Es ist immer schwierig, den Ansprüchen aller Eltern gerecht zu werden. Aus diesem Grund habe ich schon vor Jahren dafür gestimmt, dass die Klassen vom ersten Schuljahr an eine Zweite Lehrkraft bekommen. Inzwischen ist es in Niedersachsen Vorschrift.

Mein Traum wäre, dass alle Kinder die passende Lehrerin bekomen und dass alle Eltern sich wirklich nur so weit wie unbedingt nötig einmischen. ich hasse nicht die Lehrer an sich, sondern nur einzelne Exemplare, die auch meine Gesundheit ruiniert haben.

Marion

von MarionPE - am 02.02.2006 12:17

Re: @ a.

Hallo a.

nicht ganz d'accord: Denn wie viele Bücher machen ein Problem, mit dem sich der Einzelne auch stets allein fühlt - als wäre er der einzige, der es hätte und sich deshalb schämt - erst kollektiv bewusst. Das hat mit Auskotzen wenig zu tun, es erfüllt schon einen Sinn. Denke nur an bestimmte Tabuthemen, die in die Öffentlichkeit geraten, weil EINER endlich mal den Mut fasst, seine Erlebnisse niederzuschreiben. Plötzlich nehmen viele Leute wahr, dass es ihnen im Grunde genauso geht.

Da eben diese Autorin schon zahlreiche (fundierte!) Ratgeber geschrieben hat, ist sie als glaubwürdig einzustufen und hat aus meiner Sicht das Recht, auch mal weniger fundiert und ganz subjektiv ein Thema anzustoßen, von dem sie sehr persönlich betroffen ist. Da sie außerdem professionelle Autorin ist, hat sie natürlich (spätestens jetzt) einen Bekanntheitsgrad, der ihr zur besseren Verbreitung des Themas hilft. Außerdem hat sie ihren Verlagsvertrag ja auch unter ihrem richtigen, sehr bekannten, Namen bekommen. Wenn eine von uns so ein Buch schreiben würde und das Manuskript anböte, käme man wohl kaum über eine Absage vom Vorlektorat hinaus.

Viele Grüße, ich hab es mir gestern bestellt. ;-) Bin schon gespannt.

von FelixMum - am 02.02.2006 13:36

Re: @Bine

Hallo,

Zitat

Sie müssen hin, das ist nun mal so. Warum also nicht positiv unterstützen.
Was denkst du, was man da als Elternteil so alles tut?

Es nützt aber wohl kaum etwas, dem Kind zu erzählen, wie toll doch Schule sei (also auch oft gegen die eigene Erfahrung im Rückblick) und wenn es dorthin geht und gelangweilt und gedemütigt wird, seine Eltern für diese Aussage nicht für ganz plemplem zu halten. Meinst du, ein einziges Kind würde dann überhaupt noch was erzählen, wie es dort zugeht? Es geht um das Vertrauen zwischen Eltern und Kindern und um die Glaubwürdigkeit der Eltern, damit hat die Schule rein nichts zu schaffen.

Ich LÜGE mein Kind nicht an, wenn es um Sinn und Unsinn der Schule geht. Dann lügt es MICH auch nicht an.

Es nimmt sogar seine Lehrerin, die es so oft in Worten und Noten demütigt, in Schutz - weißt du aus welchem Grund? Mein Sohn sagte mir kürzlich, "aber ich muss sie doch mögen, ich muss doch dort jeden Tag hingehen". ICH habe ihm das NICHT geraten. Aber weißt du, was diese Strategie für ein 7jähriges Kind jeden Tag, vier Jahre lang, bedeutet?? Weißt du, wie weh so ein Satz tut?

Ich begrüße es durchaus, wenn Lehrer ihren Beruf ernst nehmen wie du. Aber wenn du dich nicht angesprochen fühlst, warum diese kollektive und aggressive Abwehrhaltung? Ich arbeite als Beraterin und würde nie auf die Idee kommen, mich mit meinen Berufskollegen in der Kritik in einer Reihe angesprochen zu fühlen. Der Lehrerstand ist nachweislich derjenige, der unter allen Berufen am wenigsten Kritik verträgt. Komisch, oder?

PS: Wie kommt es eigentlich, dass ein Kind sich weigert, eine künstlerische Leistung abzuliefern oder auszuführen? Kinder sind allgemein gern kreativ. Könnte es nicht doch an der Gestaltung des Unterrichts liegen oder an der Fantasielosigkeit der Erwachsenen - vielleicht gerade, weil die Lehrerin eine schlaflose Nacht hatte und unausgeschlafen und unmotiviert erscheint? Und wie kann man in einer Grundschule überhaupt eine 5 in Kunst verteilen? Welche Absicht der Motivation steckt denn nun wieder dahinter? Mit welchem Erfolg denn?

Viele Grüße

von FelixMum - am 02.02.2006 14:10

Re: ganz interessant auch

folgender Link dazu (Auszug aus dem Buch, bitte selbst beurteilen) sowie verlinkte Artikel aus dem Tagesspiegel Berlin zu Hintergründen der Autorin:

[www.tagesspiegel.de]

Jeder hier im Forum, der noch dazu ein überdurchschnittlich intelligentes Kind hat, sollte sich diese Situation - auch wenn an "seiner" Schule nicht zutreffend - wenigstens mal in seiner persönlichen Praxis vorstellen.

Ich kenne niemanden, den das nicht auf die Palme brächte. Wir erleben das zwar nicht ganz so schlimm, dafür aber anders (Willkür, Ignoranz, Gleichschaltung, Kadavergehorsam). Eben die andere Seite der Kuschelpädagogik - die ist auch nicht besser.

Gruß

von Gast - am 03.02.2006 09:58

Re: Lehrerhasserin

Ach das kommt uns so bekannt vor!
unsere Tochter (3.Klasse) hat ein einser/zweier Zeugnis - nur in Religion bakam sie eine 3!
Begründung der Lehrerin: "Sie hat ja eh offen bekundet, daß sie an Religion wenig Interesse hat!" Manchmal frage ich mich, ob Kinder der demokratischen Gesellschaft nicht angehören?! Da werden sie im Zeugnis dafür bestraft,weil sie Mut gezeigt haben, ihre Meinung offen zu sagen. Für unsere Tochter ist es halt die Urknall-Theorie und das vertritt sie auch. Trotzdem hatte sie das letzte Halbjahr sehr viel Spaß am Unterricht und war selbst total entäuscht über die Benotung. Wir sind jedenfalls sehr stolz auf sie, dass sie so selbstbewußt ist und gewichten diese Note einfach nicht! Erst wenn ein Staatsakt daraus gemacht wird, beginnt für die Kinder der Leistungsdruck und sie bekommen das Gefühl: Ich habe versagt!
Gruß und Gelassenheit
Happyday

von Happyday - am 04.02.2006 18:47

Re: Religion

Hallo,

wir haben jetzt mal kackfrech schriftlich eine Befreiung vom Reliunterricht eingereicht und lassen das mal auf die Schulleitung wirken. Aus genau diesen Gründen haben wir nämlich jetzt die Nase voll davon.

Da unser Sohn nicht getauft ist und wir Eltern beide aus der Kirche ausgetreten, nehmen wir damit nur unser Recht auf die elterliche Entscheidungsfreiheit wahr (Religion ist ja kein Pflichtfach). Wir wollten ihm damit ein Angebot machen, weil wir ihm ja die Grundlagen christlichen Glaubens nicht vorenthalten wollten - aber so wie es dort umgesetzt wird, ist es einfach unmöglich. Dann diskutieren wir doch lieber zuhause mit ihm über Gott. Da hat er mehr davon.

Da das, was dort in diesem Unterricht passiert, nur im Ausmalen von vorgestanzten Bibelbildchen besteht und sonst nichts mit Religion zu tun hat, bewahren wir unser Kind gern fortan von 2 Wochenstunden tödlicher Langeweile.

Wäre die Befreiung vom Unterricht eine Alternative für euch?

Viele Grüße

von FelixMum - am 05.02.2006 08:45
Hmmmm,

da wir (damit meine ich jetzt meine große Geschwisterschar ;-) ) aus einem pro forma katholischen Elternhaus stammen, haben wir alle, sobald möglich, Religion auf den weiterführenden Schulen abgewählt und dafür Ethik genommen.

Der Weg den du gehst, ist sicher konsequenter, aber wir als Kinder hätten das nicht gewollt - und meine Tochter hätte mich aufgefressen, wenn ich das für sie so entschieden hätte....

Sie will alles außer auffallen, und so ist sie auch brav mit zur Kommunion - und ich würde lügen, wenn sie die vielen Geschenke nicht genossen hätte.

Aber DAS ist natürlich nicht der Sinn der Kommunion - und von daher muss ich mich der Inkonsquenz beschuldigen.

Aber weißt du, ich habe kein Problem damit, wenn meine Tochter an Gott glaubt. Ich kann ihr schließlich nicht BEWEISEN, dass es ihn NICHT gibt.
Wir reden viel über dieses Thema, aber ich würde nie meinem Kind meine Meinung als alleinig richtige verkaufen. Vielleicht sitzt ja doch auf irgendeinem Planeten in irgendeinem anderen Universum so ein alter weißhaariger Mann, der den Urknall mit einem Fingerschnipsen verursacht hat und sich jetzt einfach schieflacht über uns.....

ICH weiß es nicht - und ich habe auch bisher keinen kennen gelernt, der vor Abermillionen Jahren dabei war.
Sollen meine Kinder ihre Erfahrungen machen, auch wenn die (feigerweise???) erstmal im Mitmachen entstehen.

Ich bin eigentlich gut damit gefahren, in einem gewissen Alter meine eigenen Entscheidungen zu treffen - sobald ich reif genug dafür war. Und so möchte ich es auch meinen Kindern vermitteln.

Gruß, Heike

von heike2 - am 05.02.2006 10:52

Re: Nachtrag - E-Mail Frau Unverzagt

>>>Meine Kinder haben Vorrang vor der Weltrettung

von minjong - am 06.02.2006 07:13

Re: Religion

Hallo Marion,
deine Beiträge finde ich übrigens immer sehr wertvoll und Du sprichtst mir aus dem Herzen!
Ja, das war mein erster Gedanke. Unsere Kinder sind auch nicht getauft und wir sind aus der Kirche ausgetreten. Wir vertreten genau Deinen Standpunkt. Das Fundament unserer Erziehung besteht ausschließlich aus Werten und Normen, so das ich guten Gewissens durchs Leben schreiten kann, ohne ein "Schäfchen Gottes" zu sein.
Andererseits ist die Befreiung vom Religionsunterricht für mich ein großer Schritt, der den Kindern den Weg zu "leicht" macht. Das soll nicht falsch verstanden werden. Sie werden im Leben nicht immer die Wahl haben, das gehört dazu. Es ist wichtig auch mal kurzfristig Dinge zu tun, die wenig Sinn haben - es vorübergehend auszuhalten. Ich wünsche mir sehr, das unsere Kinder ein wenig mehr Leichtigkeit bekommen, lernen zu differenzieren, was für ihr Leben wirklich wesentlich ist! Sie sollen nicht an jeder "Niederlage" zerbrechen und sich das Hirn zermatern: Woran lag es blos?????? Gewisse Dinge im Leben kann man nicht ändern, was nicht heißen soll, unsere Kinder sollen nicht kämpfen! Und wir wissen doch eh alle, wie klug unsere Kinder sind! Stärken und lieben wir sie einfach!
Grüße
Happyday

von Happyday - am 06.02.2006 18:04

Marion&Felixmum

Jetzt habe ich die Antworten und viiielen Striche falsch weiterverfolgt und die Namen durcheinandergebracht. Ist mir aber nicht peinlich, da sowohl FelixMum und MarionPE dieses Forum ausmachen! Sorry nur für die Verwechselung!
:-)

von Happyday - am 06.02.2006 18:30

Re: Marion&Felixmum

Hallo Happyday!

Ich war schon etwas verwirrt, da ich diejenige bin, die zwar ein ingenieurwissenschaftliches Studium absolviert hat, aber trotzdem Kindern Kommunionunterricht erteilt - und das seit fast 10 Jahren - und das auch noch für vereinbar hält.

Außerem möchte ich aber auch manxche Erzkathiliken nicht an die Kinder heran lassen. Das gebe ich zu. Manches macht man besser selber.

Marion

von MarionPE - am 06.02.2006 19:07

Re: Marion&Felixmum

MarionPE schrieb:

Zitat


Außerem möchte ich aber auch manxche Erzkathiliken nicht an
die Kinder heran lassen. Das gebe ich zu. Manches macht man
besser selber.


Hallo Marion,

manchmal sind aber auch gerade die, die meinen es gut zu können, die schlimmsten.
Unser Pastor ist sicher seeeehr katholisch ;-) und meine Tochter hatte ihn zwei Jahre lang in Religion. Er hat mit den Kindern viel diskutiert, sie mussten Gebete auswendig lernen, das ganze Programm halt. Meine Tochter hatte immer eine 1.

In Klasse 4 hat die KL den Religionsunterricht übernommen, eine Frau, die noch nicht einmal an der Kommunionsvorbereitung der Kinder im letzten Jahr teilgenommen hat. Die von christlicher Nächstenliebe so viel versteht wie ich von Ingenieurwissenschaften....

Sie gibt den Kinder Bibeltexte zum Auswendiglernen auf, Originaltexte, deren Wortwahl oft so verworren ist, dass ich sie nicht verstehen kann. In vielen dieser Texte wird innerhalb eines Satzes so oft Subjekt und Objekt vertauscht, dass man am Schluss nicht mehr weiß, wer jetzt spricht.

Ich denke, so kann man Kindern auch den Religionsunterricht vermiesen, da brauchen wir Eltern gar nichts mehr für zu tun.

LG, Heike

von heike2 - am 07.02.2006 06:31

Re: Marion&Felixmum

Hallo Heike!

Bei mir kommen die Kinder ein halbes Jahr zum Kommunionunterricht. Die meisten Eltern erzählen von sich aus, dass die Kinder gerne kommen. Wenn ich die Kinder treffe, dann strahlen sie und sagen: "Bis morgen Nachmittag". Das ist mir wichtig. Sie sollen die Kirche, die Gemeinschaft als etwas Positives sehen.

Bibelgeschichten spiele ich neuerdings öfters mit Playmobil während ich erzähle. Das ist etwas, was fast alle haben und sie können es nachspielen. Sie sehen, dass man nicht für jedes Spiel exakt das richtige Teil braucht, bei mir wird der Ritter zum Königssohn, der Pirat zum Bauern und die Prinzessin mit zwei Papierflügeln zum Engel.

In diesem Jahr habe ich einen Sonderschüler und mindestens drei sehr bagabte Kinder dabei und alle sind zu einer Gemeinschaft geworden. Das ist für mich kindgerechte Kirche; ganz was anderes als Religionsunterricht in der Schule.

Marion

von MarionPE - am 07.02.2006 07:24

Re: Religion

Hallo Happyday,

Danke für dein Posting und das ist schon OK. Wir haben übrigens inzwischen kein Wort mehr von der Schulleitung gehört, die Abmeldung vom Religionsunterricht zum Halbjahr ging völlig problemlos. Wir hatten in dem Brief lediglich geschrieben, dass wir von unserem Elternrecht Gebrauch machen, weil wir bisher nicht erkennen können, dass der Unterricht irgendwas mit Religion zu tun hat (so ähnlich formuliert).

Dabei machen wir es dem Kind nicht "zu leicht", denn es hat ja diese Form des Unterrichts schon 2,5 Jahre ertragen. Alles was wir jetzt damit tun, ist ihm 2 total öde Wochenstunden zu erlassen, der übrige Unterricht ist ja Pflicht und auch schon öde genug. Da der Religionsunterricht bei uns ja auch nichts mit Religion zu tun hat (so wie wir den Zugang zu Glauben verstehen), haben wir nicht einmal inhaltlich ein Problem damit. Es ist nur die Befreiung von etwas, das ohnehin freiwillig ist. Und da sehen wir eine klare Erleichterung, die wir unserem Kind verschaffen können, das jeden Tag in einer stinklangweiligen Grundschule sitzen muss.

Die Vermittlung von Werten findet ohnehin Zuhause statt. Felix hat eine Kinderbibel, die er sehr mag und wir sprechen viel über die verschiedensten Themen. Durch den Tod seiner Freundin vergangenes Jahr hat er da ohnehin schon ganz andere Dinge erlebt als die meisten Kinder (die eventuell maximal einen Goldhamster verloren haben oder eine alte Oma - aber wenn ein Kind stirbt, noch dazu seine beste Freundin, dann ist das auch nochmal was anderes). Wir sehen auch gemeinsam Filme an, wenn es darin um Glaubensfragen geht - soweit ihn das gerade interessiert. Ansonsten ist die Bibel natürlich auch kulturhistorisch interessant.

Besonders beschäftigt uns im Augenblick der extreme Ausbruch in der islamischen Welt wegen dieser Mohammed-Karikaturen und die Frage, ob eine Religion überhaupt solche Gewalt zulassen kann, denn dann ist es ja eigentlich keine Religion. Dass Menschen ihre Religion benutzen können, um Krieg zu führen, das hat das Christentum natürlich auch schon erlebt - aber damals gab es noch Lanzen und Steine, man hatte keine Atombomben im Einsatz zur Missionierung, auch kein Internet um sich weltweit zu organisieren. Eine Haltung, die im Mittelalter verhaftet ist, mit Kommunikationsmitteln und Waffen der Neuzeit ausgestattet, ist natürlich doppelt und dreifach so gefährlich. Wir haben auch z. B. gerade so ein Buch gelesen darüber "Wie man mit Fundamentalisten argumentiert, ohne den Verstand zu verlieren" und erklären dem Kind anhand dessen einige logische Fallen im Denken dieser Leute.

Über solche Fragen diskutieren wir eben daheim mit unserem Kind, das auch schon eine eigene Meinung dazu hat und was da eben passiert saublöd findet. In der Schule käme niemand auf die Idee, gerade so aktuelle Themen wie diese aufzugreifen. Dort wird nur gemalt, geschnitten und geklebt. Davon haben wir ihn befreit, nichts weiter. Diese Art von Religionsunterricht wird er niemals vermissen und hat sich auch schon bei uns dafür bedankt. ;-)

Außerdem wird er in der weiterführenden Schule wieder selbst die freie Wahl haben und wenn er Religion dann weiterhin nicht will, dann muss er alternativ Ethik belegen. Ab 14 Jahren kann ein Kind dann ohnehin frei entscheiden.

Viele Grüße

von FelixMum - am 07.02.2006 09:14

Re: Religion

FelixMum schrieb:

Zitat

Durch den Tod seiner
Freundin vergangenes Jahr hat er da ohnehin schon ganz andere
Dinge erlebt als die meisten Kinder (die eventuell maximal
einen Goldhamster verloren haben oder eine alte Oma - aber
wenn ein Kind stirbt, noch dazu seine beste Freundin, dann
ist das auch nochmal was anderes).



Ich bin ja normaler Weise keiner, der Worte auf die Goldwaage legt, aber mit dem Begriff der "alten Oma" kannst du andere hier sehr verletzen.

Wenn ein Kind miterleben muss, wie im eigenen Haus die geliebte Großmutter, die damals gerade 60 Jahre alt war, in kürzester Zeit vor sich hinsiecht, endlose nutzlose Behandlungen über sich ergehen lassen muss, dann ist das für dieses Kind nicht weniger wert, als für deinen Jungen der Tod seiner Freundin.

Vor allem, da hier das Kind auch weniger Halt durch die Eltern erfahren kann, von denen ein Teil gerade die Mutter verloren hat. Plötzlich, unerwartet und viel zu früh.

Nicht immer ist nur das, was ihr erlebt, das schlimmste überhaupt. Und eine Mutter mit einem Goldhamster zu vergleichen - sorry, aber ich glaube, da hast du etwas daneben gegriffen.

LG, Heike

von heike2 - am 07.02.2006 10:58

Re: Religion

Hallo,

ich wollte damit niemanden verletzen, du musst dich auch nicht für alles und jedes gleich angesprochen fühlen.

Wir haben übrigens auch eine alte Oma verloren, sie war 96 und einfach altersschwach. Das macht durchaus einen Unterschied. Das Mädchen war für uns jedoch wie eine Tochter.

So sieht es jeder anders. Du musst auch nicht auf jeden Zug aufspringen und selbst jedes Wort auf die Goldwaage legen. Außerdem ging es zu diesem Thema nur um die Betrachtung von "Tod", der in dem Unterricht ja überhaupt nicht stattfindet, selbst wenn es "nur" um den Goldhamster geht.

Nichts für ungut.

Viele Grüße

von FelixMum - am 07.02.2006 12:08

Re: Religion

FelixMum schrieb:

Zitat


du musst dich auch nicht für alles und jedes gleich angesprochen fühlen.


Da ich hier zum Thema aber schon länger mitdiskutiere, fühle ich mich auch angesprochen. Ich dachte, das sei der Sinn eines Forums.... habe ich vielleicht aber falsch verstanden....

Zitat

Wir haben übrigens auch eine alte Oma verloren, sie war 96
und einfach altersschwach.



Und unsere war halt erst 60, immer kerngesund und noch berufstätig.Und wenn du einen solchen Tod als zum Leben dazu gehörig fühlst, dann ist auch der Tod eurer kleinen Freundin genauso sinnvoll wie jeder andere auch.

Zitat

Du musst auch nicht auf jeden Zug aufspringen und selbst jedes Wort auf die Goldwaage legen.


Ich will dich lediglich darauf aufmerksam machen, dass du nicht die Gefühle deines Sohnes in einem reinen, hellen Licht darstellen kannst, wenn du im gleichen Satz die Gefühle anderer, die zu leiden gleichermaßen fähig sind, ins Lächerliche ziehst.

Wo ist eigentlich das Problem, wenn man sich im Überschwang der Gefühle mal im Ton vergreift und das dann auch einsieht???

LG, Heike

von heike2 - am 07.02.2006 12:42
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