Schulwahl

Startbeitrag von Barbaraelisabeth am 08.02.2006 12:51

Hallo, Ihr Lieben,

mein Sohn wird im Sommer eingeschult. Am unteren Rand der Hochbegabung, Verdacht auf ADS. Mir fällt es schwer, die Kriterien für eine Schulwahl zu gewichten:
- Wohnortnähe
- Umgehensweise mit "Andersartigkeit" von Kindern bzw. Bereitschaft, sich pädagogischen Herausforderungen zu stellen, gegenüber Ausgrenzung schwieriger Kinder,
- sozialer Hintergrund im Einzugsgebiet (sozialer Brennpunkt)
-klar strukturierter und geregelter Rahmen gegenüber hoher Anforderung an die (fehlende) Selbständigkeit im Lernen,
- ein Klassenkamerad, mit dem er sich ungünstig ergänzt.

Bitte um Rückmeldung: Was denken Sie, was für einen Kandidaten wie meinen das wichtigste ist?

Danke und viele Grüße.

Antworten:

oh Mann, ich bin kein Spezialist. Aber ich habe einen Sohn im ersten Schuljahr, um den wir uns letztes Jahr die gleichen Gedanken gemacht haben. Er geht auf eine 10 km entfernte Schule.
Die Entscheidung ist dahin gefallen, einfach weil dort Lehrer sind, die bereit sind sich mit beiden Problemen auseinanderzusetzen. Während in der hiesigen Grundschule keinerlei Bereitschaft besteht.
Trotzdem finde ich das soziale Umfeld wichtig - wenn denn eines vorhanden ist. Unser sohn hatte im Kindergarten einen Freund, mit dem er sich 4 mal im Jahr verabredet hat...
Viel Glück bei der Entscheidung !
Astrid

von Gast - am 08.02.2006 13:01
Hallo

Vielleicht ein paar Gedanken zu den Kriterien:

1. Wohnortnähe: hier würde ich Erreichbarkeit der Schule setzen. Wenn die Schule fußläufig erreichbar ist oder mit geringem Aufwand bus-oder bahntechnisch, erhöht das natürlich die Selbstständigkeit. Verabredungen werden einfacher und Du hast nicht die lästige Fahrerei, wobei ich einen Fußweg von bis zu einer halben Stunde ok finde.

2. Offenheit für pädagogische Herausforderungen: halte ich für das wichtigste Kriterium, da das erste Schuljahr sich für ein intelligentes Kind zieht wie Kaugummi: wir kneten zwei Wochen lang die 1, malen die 1 in verschiedenen Farben, schneiden sie aus Arbeitsblättern aus, malen Felder mit einer 1 drin an, u.s. w. das Ganze dann mit der 2 auch zwei Wochen lang.....Oftmals ist Springen eine Lösung oder ein sehr differenzierter Unterricht. Bei großen Klassen nimmt die Bereitschaft zu Differenzieren für manche Lehrer ab.

3. Sozialer Brennpunktim Einzugsgebiet: Da wird das Niveau häufig niedriger angesetzt, d. h. die Langeweile s.o. kann sich verstärken.

4. Jede Schule ist so gut wie die entsprechende KL, hör dich um. Je nachdem bleibt einem dieser Lehrer 4 Jahre erhalten.


Eine gute Wahl

wünscht Euch

Carola

von carola - am 08.02.2006 13:42
Danke für die Antwort. Seid Ihr zufrieden?

von Barbaraelisabeth - am 08.02.2006 16:47
Hallo,

ich finde es auch wichtig zu wissen was passiert, wenn es meinem Kind mal in der Schule übel wird...

Wir haben hier auch die Wahl zwischen der Grundschule am Ort oder der 3km weiter entfernt. Dorthin würden die Kinder mit einem Schulbus fahren.
Ist nicht das was ich mir erträume, da es der Hauptschulbus ist, mit dementsprechenden Chaoten und gerade bei so kleinen finde ich das nicht gerade klasse...

Aber wenn den Kindern schlecht wird, dürfen sie nicht in den Bus gesetzt werden!
Dann würde ein Taxi bestellt oder ich müßte sie abholen.
Da ich aber nicht immer ein Auto habe und ich bei meiner Ältesten damals ein Vermögen an Taxikosten losgeworden wäre, haben wir uns dann doch für die Schule vor Ort entschieden.

Ich denke aber auch, das der Soziale Brennpunkt auch nicht gerade die super Vorraussetzung ist...allerdings kann es auch dort sehr fähige und kompetene Lehrer geben, die sich sehr gut auskennen und fördern..
Man sollte das gar nicht so unterbewerten.

Die Erzieherinnen in Brennpunktkindergärten haben sehr viel mehr Erfahrungen als in Regeleinrichtungen und sie wissen wo sie hingehen, von daher wollen sie auch mehr leisten. Ihc kenne es halt nur aus dem KiGa-Bereich, da das meine Arbeit war, allerdings nicht im Brennpunkt, aber man bekommt so einiges mit und im KiGa bekommen diese Erzieher auch extra Stunden für die Elterngespräche...

Habt Ihr mal mit der Schule gesprochen...oder mit Eltern, deren Kinder dort sind?

LG
Iris

von ankaflojo - am 08.02.2006 19:17
Ja, sehr ! Wir haben unsere Wahl bisher nicht bereut.

Viele Grüße,
Astrid

von Gast - am 08.02.2006 19:52
Hallo,

tut gut, Mitdenker zu finden. Es gibt 4 Schulen zur Auswahl: Eine ist eine Impulsschule der Karg-Stiftung, aber 45 min. Busfahrt. Eine ist eine individuell fördernde Privatschule, aber Peter-Peterson=erwartet Selbstständigkeit von meinem Träumer und dort wäre der mit einem zusammen, mit dem's schon im Kindergarten zusammen Chaos gab. Eine ist eine Regelschule mit differenziertem Konzept und kompetenter Leiterin, aber im sozialen Brennpunkt. Und zu einer könnten wir hin spucken, aber die verhält sich sehr ausgrenzend gegenüber allem, was rechts und links neben raus läuft. Die Qual der Wahl...Mit letzteren beiden habe ich schon geredet und mir ein Bild gemacht, die Privatschule kenne ich bisher nur von den Berichten anderer Eltern, und die Karg-Schule kriege ich, glaub ich, eh organisatorisch nicht hin.

Danke, viele Grüße, Barbaraelisabeth

von Barbaraelisabeth - am 08.02.2006 21:03
Hallo,

Was ist eine Impulsschule?? Kenne ich nicht, den Ausdruck....

ich glaube eine Schule in der Selbstständigkeit erwartet wird und wo ich von vorneherein ein wenig skeptisch wäre ob mein Kind das leisten kann wüßte ich nicht ob ich das bewußt wählen würde.

Meine beiden ältesten Kinder sind beide in der Grundschule (Klasse 2 und 4) und ich muß jeden Tag schauen das die HG gemacht worden sind, Lehrer zeichnet in der Schule ab, das es richtig notiert worden ist, ich daheim das ich kontrolliert habe... das nervt aber wenn das nicht so wäre, dann würde der Zweitklässler gar nichts machen....

Ich denke da würdest Du auf einer solchen Schule schnell Gegner finden..denn das ist von aller Selbständigkeit weit entfernt. Es kommt aber da auf Dein Kind an und es ist schwer vorauszuschauen, wenn man noch keine Erfahrung mit diesem Kind in der Schule hat...

Auf Freunde oder Feinde aus dem KiGa würde ich da nicht so den großen Wert legen, denn auch ein Schulweg kann zusammenschweißen!
Meine jüngste kommt im Sommer in die Schule und mir ihr auch ein Junge aus dem KiGa der des öfteren der Grund für morgendliches Weinen war, weil er immer zankt...gestern kam sie und erzählte sie hätte sich mit ihm geküßt *g*....
Kann also so schlimm nicht sein :)

Eine Schule die nur geradeaus geht und keine Weichen und Kurven kennt, glaube ich kannst Du schon leicht verzichten, denn dort würdest Du mit jeder Therapiemaßnahme gegen eine Wand laufen....wäre für keinen im Einzelnen und für die Zusammenarbeit im Besonderen sehr erfolgversprechend.

Wie sieht denn das Umfeld um dem Brennpunkt konkret aus?
Ich meine zu der Zeit in der Dein Kind in der Schule wäre!?
Wie war Dein Eindruck von der Schule und deren Lehrer? Rein vom Bauch her?
Wie schaut es um die Schule aus?
Ich meine es gibt Brennpunkte, da liegen die Heroinspritzen offen auf der Straße und es gibt welche die man eigentlich nur an vielen gleichen mehr oder weniger stark beanspruchten Mehrfamilienhäusern erkennen kann....wahrscheinlich würde keiner sofort auf einen Brennpunkt tippen...

Was allerdings interessant wäre, wäre der Ausländeranteil (nicht falsch verstehen) einfach aus der Sache heraus, das manche Kinder von Hause aus kein Deutsch sprechen und dementsprechend sehr viel aufholen müssen in der Schule, wie geht die Schule damit um?
Ich meine sie haben mit sicherheit nicht immer "dumme" Kinder dort, auch in Brennpunkten gibt es schlaue Köpfe!
Wie werden die von der Schule aus gefördert? oder müssen sie sehen wie sie durch kommen...
Und vor allem, wie gehen die Lehrer mit Agressionen unter den Schülern um und erkennen sie es wenn sich ein Kind langweilt...können sie ein unterfordertes Kind von einem überfordertem Kind unterscheiden...
Ich denke aber das wirst Du in jeder Schule erst später herausfinden...

Wichtig ist, das Du mit den Lehrern und dem Rektor sehr gut reden kannst und ihr in etwa die gleichen Ziele verfolgt...

Die perfekte Schule gibt es in meinen Augen nicht und in einem gewissen Maß denke ich auch, daß sich ein Kind auch lernen muß zurecht zufinden, denn es ist im Leben nicht immer alles maßgeschneidert :) So gerne man das als Mutter auch hätte für sein Kind...

LG
Iris

von ankaflojo - am 08.02.2006 21:25
Liebe Iris,
die Karg-Stiftung bildet ich glaube 15 Schulen in Deutschland fort zur Umgehensweise mit Hochbegabten. Ziel ist es, dass die Schule als Institution sich unter deren Anleitung ein Konzept erarbeitet, dass letztlich allen Kindern zu Gute kommt, und dass die hb Kinder in die altersentsprechende Klasse integriert werden/bleiben. Sie berufen sich auf einen Modellversuch in Hannover, der eine sehr gute Presse hatte, aber die pädagogischen Methoden im einzelnen kann ich nicht wiedergeben, weil die homepage der karg-Stiftung dabei wenig konkret ist und ich mit der Schule nicht näher verhandelt habe. Mein erster Eindruck war, dass diese Schule nicht an Hochleistern besonders interessiert war, sondern (auch) auf die Probleme der schwierigen Begabten Antworten sucht.

von Barbaraelisabeth - am 09.02.2006 09:25
Hallo,

aha, hört sich zunächst mal so von den Trockenübungen her ganz interessant an :)

Aber wie sieht die Praxis aus?
Kennst Du da Eltern die berichten können?

Wie ist es wenn ein Kind so ein Grenzfall ist, der nach den Werten nicht ganz HB ist?

Und wenn sie sich auf die "schwierigen" Fälle spezialisieren wollen, wie kommt das in der öffendlichkeit an..

Ich wollte meine Kinder auf eine Waldorfschule geben, da ich dachte die gehen eher mit dem ganzen Menschen um als immer nur Teilbereiche zu sehen...finde ich vom Ansatz und auch von der Umsetzung auf dieser Schule sehr gut.

Als ich mich dann aber mit meiner BEkannten, die ihr Kind dort hat unterhalten habe kamen so Sätze wie: Ja, es sind viele Eltern, die ihre Kinder, die auf den Regelschulen nicht klarkommen, dann im Nachhinein auf eine Waldorfschule geben...
Das möchte ich nicht, das meine Kinder nachher als Querulanten abgestempelt werden, nur weil sie auf dieser Schule waren...

Es war so meine Überlegung und ich muß sagen, daß hatte mich schon ein wenig beschäftigt, da ich das Konzept schon sehr schön finde und auch die Art Wissen zu vermitteln und nicht das strenge Notensystem.

Allerdings möchte ich auch ein wenig an später denken und dafür war mir das nicht wirklich so tauglich...
denn ich denke wenn sich zwei Leute auf eine STelle bewerben, die von den Leistungen her gleich sind, dann kommt es auf die Symphatien an und die haben dann in den wenigsten Fällen die Waldorfler, weil sie in der Minderheit sind...leider...
Es kann natürlich auch andersherum laufen, aber das habe ich in den wenigsten Fällen erlebt...

Aber in eine solche Richtung würde ich auch mal überlegen...Zumal sich diese Schule schon so anhört als ob die Kinder dort dann auch bis zum eventuellen Abitur bleiben würden...

LG
Iris

von ankaflojo - am 09.02.2006 09:47
So eine Impulsschule schickt 2-3 Lehrer auf Fortbildungen. Was die dort lernen, kommt nicht so klar raus. Das ist stark christlich orientiert. In erster Linie heißt das mal, dass die häufig fehlen. Ansonsten sind sie bereit, sich mit HB zumindest zu befassen. Eine Erfolgsgarantier ist das noch nicht.

Wegen der Auswahlkriterien sind das offensichtlich alles nette Grundschulen mit bürgerlicher Klientel in idyllischer Umgebung bei guter Ausstattung. Wenn man das mag.....

Ich würde die Brennpunktschule nehmen. Hatten wir auch. War super. Da muss man natürlich Multikulti mögen und nicht als Behinderung, sondern eher als Bereicherung sehen.

Michaela

von MichaelaM - am 10.02.2006 06:14
Hallo!

... besonders da dort meist sehr engagierte Lehrer unterrichten; die anderen halten es dort nämlich nicht lange aus. Außerdem müssen die dort zwangsläufig differenzieren.

Marion

von MarionPE - am 10.02.2006 07:17
Hallo Marion,

meine Älteste war auch an einer solchen Brennpunktgrundschule. Nicht alle Lehrer kommen freiwillig dahin. Wir hatten mehrere Lehrer , die dahin versetzt wurden, weil an anderen Schulen ein Überhang war und an dieser Schule ein Mangel. Die Motivation dieser Herrschaften war durch die gesamten Begleitumstände besch.... So hatten wir eine Fachlehrerin, die in Mathe gerade mal die Hälfte des Stoffs schaffte. Für meine Tochter war das lerntechnisch kein Problem, den Stoff hatte sie eh schon drauf, aber die Langeweile... Und dann der Kommentar, den ich von mehreren Lehrern gehört habe: "Ich habe so viele schlechte Schüler, ich kann mich nicht auch noch um ein gutes kümmern". Am Anfang versuchte die Lehrerin, den Förderunterrricht aufzuteilen, mal die Schlechten, mal die Guten, die dann mal ein bisschen gefordert wurden. Später wurde das zugunsten der Schlechten völlig eingestellt. Unsere Kinder bekamen die Minimalstunden, teilwweise sogar weniger, um die verbleibenden Stunden als Förder- oder Sprachuntericht für schwierige Fälle zu verwenden. Für Differenzierung nach oben hatte keiner einen Sinn.

Man kann sicher nicht salle Brennpunktschulen über einen Kamm scheren, aber bei uns wars eben so.

Die andere Grundschule hier im Ort war eine konfessionelle und völlig überbelegt, so dass da auch keine Differenzierung vorgenommen wurde. Schwacher Trost!

Gruß

Carola

von carola - am 10.02.2006 09:44
Hallo carola!

Ich finde es immer wieder schrecklich, wenn man die Auswahl hat zwischen zwei Katastrophen. Da bleibt nur der Trost, dass es keine ideale Grundschule gibt. Seit 9 Jahren habe ich hier Kinder in der örtlichen Grundschule, seit 3 Jahren arbeite ich an einer anderen Grundschule. Also denke ich, dass ich gut vergleichen kann. Die eine Schule löst dieses besser, die andere anderes. Was ich immer wieder spannend finde (und entsetzlich) ist, dass keine Schule sich mal erkundigt: "Wie machen es die anderen, können wir uns davon etwas abschauen?" Nein, jeder wurschtelt vor sich hin. Dabei könnte vielleicht in einer Mischvariante etwas wirklich Gutes entstehen.

Inzwischen bin ich für verschiedene Dinge:

Lehrer müssen jedes Mal, wenn sie eine Klasse abgeben den Klassenraum wechseln (ich habe schon Bücher aus den 60ern in Klassenräumen gefunden, Staubschichten entdeckt man manchmal....)
Nach etwa 6-10 Jahren muss die Schule gewechselt werden, die Lehrer verteidigen ihre Pfründe manchmal mit allen Mitteln.
Vertretungsunterricht wird nicht von angelernten Hilfskräften gemacht, sondern von der Schulleitung, dann werden einige Lehrer nicht so oft krank und die Schulleitung kennt sowohl alle Klassenräume als auch alle Schüler.
Hilfskräfte werden im Team-Teaching zur inneren Differenzierung eingesetzt um Schülergruppen zu helfen.

Das würde das Schulsystem enorm verbessern. Ich gebe zu, es gibt Situationen, da würde ich am liebsten mich neben einen Schüler setzen und mit ihm weinen. Das tun nämlich viele, wenn wir Vertretungen kommen. aber kann ich der seelische Mülleimer für all diese Kinder sein. Manchmal möchte ich selber eine Privatschule eröffnen, aber erstens darf ich es nicht und zweitens ginge mir das alles auf Dauer zu nahe. Ich glaube, ich muss mir doch noch einen netten Job suchen, in dem ich es nicht mit Kindern zu tun habe. Irgendwann.

Sorry, ich glaube ich bin von Thema abgekommen, aber egal. Wahrscheinlich muss ich erst Dienstag los zum Kinder retten.

Marion

von MarionPE - am 10.02.2006 10:02
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